Heinz und Christian stimmt es heute noch traurig, wenn sie an die Ereignisse in ihrer Ortschaft zurückdenken

Heute noch, Jahrzehnte später, stimmt es Heinz und Christian traurig, wenn sie an die Ereignisse, die zum Mord an Angela Merkel führten, zurückdenken, als Heinz Vizebürgermeister und Christian Bürgermeister der Ortschaft waren, in der sie heute noch, nun alt und amtslos geworden, leben, in diesem Ort, von dem es nichts Außergewöhnliches zu berichten gibt, bis auf die eine Auffälligkeit, daß überdurchschnittlich viele in dieser Ortschaft Vornamen als Familiennamen haben, so auch die zwei alten Männer Heinz und Christian, die Donnerstag für Donnerstag einander in der Kirchenwirtsstube treffen, um miteinander die Ereignisse, die zum Mord an Angela Merkel führten, zu erinnern und dann jedes Mal traurig gestimmt auseinandergehen, bis zum nächsten Donnerstag, um dann wieder die Ereignisse sich gegenseitig zu erzählen, deren grausames Ende der Mord an Angela Merkel war.

Auch wenn sie sich jedes Mal vornehmen, nicht mehr darüber sprechen zu wollen, sie können nicht anders, als doch jedes Mal davon zu sprechen, einmal beginnt Christian damit, ein anderes Mal ist es Heinz, der beginnt, wie es war, damals, als alles harmlos begann, mit ersten Verdächtigungen, die niemand ernst nahm, niemand schenkte diesen Verdächtigungen gegen Angela Merkel, die zwar nicht aus dem Ort stammte, eine aus einem Nachbarort Zugezogene war, die es verstand, Vertrauen zu gewinnen, sich im Ort beliebt zu machen, Respekt und Ansehen zu bekommen.

Die Verdächtigungen hörten nicht auf. Und je unglaubwürdiger die Verdächtigungen wurden, desto mehr wurde den Verdächtigungen Glauben geschenkt. Die Verdächtigungen wurden uferlos. Bald war sie an allem schuld, was im Ort passierte, aber auch, was im Ort nicht passierte. Als es nicht und nicht aufhören wollte zu regnen, wurde sie verdächtigt, als der Himmel tagelang mit seltsamen weißen Streifen durchzogen war, wurde sie verdächtigt, als der Jäger nicht den Hirschen traf, sondern seine Treiberin, wurde sie verdächtigt, und für alle Verdächtigungen fanden sich Erklärungen, Hinweise, die zu unwiderlegbaren Beweisen wurden, wie ihre stets verschlossene Scheune, in der oft bis spät in die Nacht Licht brannte, zu der aber niemand Einlaß forderte, da alle vermuteten, sie würde ohnehin den Einlaß verweigern.

Und je mehr Verdächtigungen gegen sie in der Ortschaft im Umlauf waren, desto mehr Menschen glaubten den Verdächtigungen, und es dauerte nicht mehr lange, bis in die Verdächtigungen Forderungen nach Konsequenzen gemischt wurden, zuerst waren es noch harmlose, sie möge wieder zurück in den Nachbarort, von dem sie zugezogen war, noch fanden die Forderungen nach Konsequenzen kaum Zustimmung, aber mit jeder neuen Forderung nach Konsequenzen fanden mehr und mehr Menschen, es ist Zeit für Konsequenzen, es ist Zeit für Taten, die Zeit für Bestrafungen ist angebrochen.

Bürgermeister und Vizebürgermeister beunruhigt über die aufgeheizte Stimmung in ihrer Ortschaft, selbst nicht mehr ganz immun gegen die Verdächtigungen, wie sie nicht jeden, aber an manchen Donnerstagen gegeneinander einbekennen, besorgt über die Spaltung im Ort, überzeugt davon, wenn sie der Mehrheit Forderungen erfüllen, wird im Ort wieder Ruhe einkehren, und so ließen sie Angela Merkel in den Gemeindekotter verbringen und erteilten ihrem Dorfausrufer den Auftrag, allen das Urteil gegen Angela Merkel zu verkünden: 18 Stunden Schwerarbeit bei Wasser und Brot. Herbert ritt bis zu den entlegensten Gehöften, um allen von den erfüllten Forderungen nach Konsequenzen zu berichten.

Aber es war zu spät. Angestachelt, aufgestachelt, motiviert durch das Nachgeben auf die erhobenen Forderungen nach Bestrafung wurden wie zuvor die Verdächtigungen auch die Forderungen nun uferlos und von Forderung zu Forderung grausamer. Vom Blut der Macht geleckt, gab es kein Halten und keinen Halt mehr, und immer Menschen aus der Ortschaft wollten am Machtblut mitlecken, reihten sich ein unter die Fahne „Wir sind das Dorf!“.

Bei der Forderung nach Schwerarbeit bei Wasser und Brot schwiegen noch viele in der Ortschaft, stimmten nicht zu, stimmten nicht dagegen, stimmte keine absolute Mehrheit dafür, war der Abstand zwischen Befürwortenden und Ablehnenden noch nicht dermaßen groß. Aber als die Forderung erhoben wurde, Merkel soll am Galgen baumeln, stieg in diesem Dorf mit seinen 74 Einwohnern innerhalb von drei Tagen die Zustimmung, daß Merkel am Galgen baumeln soll, von 26 auf 54, das waren rund 73 Prozent der Bewohnerinnen, eine überwältigende Mehrheit, eine verfassungsändernde Mehrheit, die dafür waren, daß Merkel am Galgen baumeln soll. Niemand mehr im Dorf enthielt sich, alle bezogen Stellung, dafür und dagegen. Auch wenn es in diesen drei Tage sich noch Menschen im Ort fanden, sich noch 18 Menschen fanden, die sich den ersten zwei Menschen anschlossen, die es ablehnten, daß Merkel aufgehängt werden soll, die den Mut fanden, sich dagegenzustellen, es waren nun einfach zu wenige, sie konnten gegen diese Mehrheit nichts mehr ausrichten, nichts mehr verhindern.

Es war zu spät.

Wenige von diesen zwanzig Menschen faßten auch den darüber hinausgehenden Tatmut, sich tatsächlich der Mehrheit entgegenzustellen, als die Ereignisse mitten am Tag, an einem Donnerstag, ihre schlimmstmöglichen Erwartungen erfüllten. Die wenigen Aufrechten konnten die ihnen zahlenmäßig weit Überlegenen, die mit ihren Fahnen „Wir sind das Dorf!“ vor den Gemeindekotter zogen, angeführt von zungl888, nur kurz aufhalten, rasch waren sie ausgeschaltet, und Angela Merkel aus dem Gemeindekotter geholt und am zum Galgen mißbrauchten Kirschbaum aufgehängt … zungl888 brannte ihr auf ihre Stirn ein: „Wir sind das Dorf!“ ... sie ließen sie noch Tage baumeln.

Es kehrte wieder Ruhe ein. Eine falsche Ruhe. Es war der Schock der Mehrheit, zu weit gegangen zu sein. Die Erschütterung der Mehrheit über sich selbst, zu solchen Taten fähig zu sein, das eigene Bild derart beschädigt zu haben, durch solche Taten. Kurz wurde versucht, die Ereignisse dieses Donnerstags vollständig aufzuklären, Verantwortliche dafür ausfindig zu machen, Konsequenzen daraus zu ziehen. Es gab sogar eine, eine einzige Gerichtsverhandlung – gegen zungl888 …

Während die überwältigende Mehrheit in der Ortschaft über die Ereignisse von damals schweigt, nahezu alle schweigen, unabhängig davon, wofür oder wogegen sie damals waren, können Heinz und Christian nicht davon lassen, jeden Donnerstag darüber zu reden, uneinig darüber, wer von ihnen damals auf welcher Seite stand, Christian davon überzeugt, damals bei den Aufrechten gestanden zu sein, Heinz davon überzeugt, ihn an seiner Seite gesehen zu haben, als es losging, im November 18, mit dem Sturm auf den Gemeindekotter …

Jeden Donnerstag beklagen Heinz und Christian, daß sie Harald nicht mehr befragen können, der damals Montag für Montag am Dorfplatz stand und gegen Merkel Verdächtigungen den Umstehenden ins Ohr flüsterte, denn er müßte es genau noch wissen, wer damals wo stand, auf welcher Seite. Aber sie wissen nicht, wo er abgeblieben ist, Harald, damals ihr Dorfschreiber. Bald nach dem Blutdonnerstag verließ er das Dorf. Manche meinen, er ist zu Erwin nach …

Eine Lehre aber wurde, ohne viel darüber sprechen zu müssen, aus den Ereignissen von diesem Donnerstag im November 18 in der Ortschaft gezogen. Damit es niemals mehr zu solch einem Blutdonnerstag kommen kann. Aus dieser Erfahrung, wie leicht es zu solchen Untaten kommen kann, wenn Menschen auf dem Dorfplatz, in der Kirche, im Wirtshaus, im Lebensmittelgeschäft zusammenstehen und sich unterhalten, Gerüchte verbreiten, Forderungen erheben, wie leicht sie einander von Angesicht zu Angesicht aufhetzen können, wie leicht sie sich, wenn sie ohnehin schon einmal zusammenstehen, befehlen können, loszumarschieren, vom Wirtshaus aus, von der Kirche aus, vom Lebensmittelgeschäft aus, sich denen am Dorfplatz anzuschließen, um dann als geeinte Masse loszuziehen, um das Besprochene in Taten der grausamsten Art umzusetzen, wird im Dorf nur noch von zu Hause aus kommuniziert. Dank der dafür geschaffenen Kommunikationstechnologien ist es im Dorf friedlich geworden, haben die Verdächtigungen und damit auch Blutforderungen aufgehört. Die Dorfbewohner vor ihren Monitoren, die Einwohnerinnen vor ihren Tastaturen überlegen genau, ehe sie etwas schreiben, prüfen genau, ehe sie etwas schreiben, ob es der Wahrheit entspricht, den Tatsachen, den Daten und Fakten. Nur zwei oder drei gibt es noch im Dorf, die meinen, sich weiter so verhalten zu müssen, als stünden sie am Dorfplatz beisammen, wie damals, im November 18. Es kann nicht genau gesagt werden, wie viele es sind, zwei oder drei, vielleicht auch vier, und zwar deshalb, weil ihre Kommentare niemand im Dorf mehr liest … niemand mehr etwas darüber schreibt, noch Kommentare im Gesinne von 18 zu erhalten … 

Nur von einem im Dorf ist bekannt, weil er mit seinen grausigen Kommentaren gar so penetrant war, daß er von allen anderen im Dorf nicht nur ignoriert wird, sondern aktiv geblockt wurde, wie einmal einander geschrieben und bestätigt, so daß seine Kommentare niemanden mehr erreichen, und das ist der Dinghofer …

Konsequenzen

 

Ein Gedanke zu „Heinz und Christian stimmt es heute noch traurig, wenn sie an die Ereignisse in ihrer Ortschaft zurückdenken

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