Zeit zum Rechnen

„Es wird nicht gut sein für den Schlaf der Demokraten, sich all das geballt zu Gemüte zu führen. Aber es ist ohnehin Zeit, dass die Demokraten aufwachen.“  

Es gibt keine gefährlicheren Zuruf, als diesen: „Aufwachen!“ „Erwachen!“

Das müßte vor allem Hans Rauscher wissen, dem die Vergangenheit in diesem Land ganz und gar nicht unbekannt ist, der diese doch immer wieder auch bemüht, wohin schon einmal die Parole „Aufwachen! Erwachen!“ führte, geradewegs zum Denkmal der Trümmerfrauen … und diese Parole „Aufwachen! Erwachen!“ wird seit geraumer Zeit inflationär ausgegeben, nicht an Nationalsozialistinnen, nicht an Faschisten, sondern an „Demokraten“, so werden die Frauen und Männer angesprochen, von denen gewollt wird, daß sie „aufwachen, erwachen“ …

Und immer mehr fühlen sich von diesem Zuruf angesprochen, aufzuwachen, zu erwachen, nicht als Nationalsozialisten, nicht als Faschistinnen, sondern als Männer und Frauen der „Demokratie“. Und sie verhalten sich dabei paradox. Denn. Sie schlafen nicht, sie sind wach, dennoch kommen sie der Aufforderung, aufzuwachen, zu erwachen nach. Auch Hans Rauscher schläft nicht, aber er müßte wohl einmal die Redaktionsstubenjalousie hochziehen, hinauszusehen, wie wach alle sind, auf beiden Straßenseiten, auf der rechten genauso wie auf der linken …

Die Gefahr ist nicht der Schlaf der „Demokraten“. Es schläft niemand. Es sind alle „Demokraten“ wach. Bereit zum Einsatz für eine „Demokratie“. Offen ist nur, welchen Namen am Ende des Einsatzes von allen die Demokratie haben wird. Wie sie, die Demokratie, zugerichtet sind sein wird.

Hat je eine „Demokratin“ schöner vom „Schlaf“ und vom „Aufwachen“ gesprochen, als die auf ewige erste Schauspielerin des Herrn, und es wohl so schön weiterspricht in ihrem Burgtheaterhimmel?

„Und in der Nacht, in unseren Betten, wenn wir da aufwachen aus’m Schlaf, da wird das Herz in ’nem süßem Schreck plötzlichen wissen, wir schlafen ja mitten […]“

Diese Aufforderung an Menschen, aufzuwachen, zu erwachen, wie eben von Hans Rauscher auch vorgebracht, haftet auch Arroganz an, entstellt „Demokraten“ bis zur Kenntlichkeit, will er sich doch damit zu erkennen geben als einen Mann, der als einziger wach ist, der als einziger nicht schläft, und fährt doch nur auf einem Tandem, beispielsweise mit einem Walter Marinovic … und hinten auf den Gepäcksträger geschnallt, kurz gesagt, die ganz und gar nicht schlafende, sondern sehr wache blütentreibende Blume der „Demokratie“ …

Mit solch einer Parole also für die Demokratie zu werben … Was kann aus ihr, aus der Demokratie werden? Das, was sie ist. Und die Aufforderung  Wache auf zu dem, was du bist an „Demokraten“ ist eine äußerst gefährliche. Eine auch nicht zu Ende gedachte. Wer schläft, wacht irgendwann auf, und wer wach ist, muß auch irgendwann wieder einschlafen. Das ist der menschgemäße Körperlauf. Zu welchem Schlaf werden alle nun Aufgewachten dann wieder einschlafen? Sie müssen wieder einschlafen. Was wird das diesmal für ein Furor werden durch lange Wachheit? Es wird doch gewußt, wer lange wach ist, ist bald nicht mehr bei Sinnen, und ein wesentlicher Teil ist durch lange Wachheit bald vollkommen betäubt, gebiert Ungeheuer … wie es zur Zeit in Österreich exemplarisch …

Wie viele stellen sich schon an, Schutzheilige der Wachheit zu sein, auf der rechten, auf der linken und auch auf der Seite, wo jene stehen, die nicht so eindeutig zuordenbar, die vielleicht einfach wie kurz gesagt: bürgerlich demokratisch

Vorne auf dem Fahrradlenker der wehende Wimpel mit seiner schönen Inschrift über „Dämmerschlaf“ und „Aufwachen“

Zum nächsten stehenden Marsch auf dem Michaelerplatz kann mit diesem schmucken Tandem …

Oder vielleicht doch an einem Donnerstag zu den anderen Nichtschlafenden, Wachen — ohne Tandem, …

Kurz zusammengefaßt. Alle „Demokraten“ schlafen nicht, alle „Demokraten“ sind wach, nur Hans Rauscher hat die Fensterläden geschlossen … immer öfters muß gedacht werden, beim Lesen rauscherischer Artikel, glücklicher Hans Rauscher, den Seinen, heißt es schon in einem veralteten Buch, gibt’s der Herr im …

Es kann aber auch alles ganz anders sein, und Hans Rauscher hat das gar nicht an „Demokraten“ geschrieben, fordert also keine „Demokraten auf“, daß „Zeit zum Aufwachen“, sondern bloß an einzigen Kollegen von ihm in seiner Tageszeitung, sozusagen ein sehr intimer Brief in aller Öffentlichkeit, und damit es wirklich niemand mitbekommt, verwischt er, Rauscher, alle Spuren, die zu seinem Kollegen führen könnten, schreibt also: „Zeit zum Aufwachen“ und nicht „Zeit zum Rechnen“ …

Hans Rauscher - Zeit zum Aufwachen.png

 

2 Gedanken zu „Zeit zum Rechnen

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