Einzelfälle, Serienfälle und Cheffälle

Eine Tageszeitung österreichischen Zuschnitts listet nun „Einzelfälle“: „rechtsradikale Entgleisungen in allen Parteien, seit Antritt der Regierung, 50 Fälle sind es inzwischen“.

Einen Einzelfall allerdings gibt es nicht.

Den Einzelfall Strache.

Einen Einzelfall Strache scheint es nicht geben zu dürfen.

Ein Chef, vor allem ein chefiger Vizekanzler, darf, vielleicht eine urösterreichische Spezialität, nie und nimmer ein Einzelfall sein.

Strache ist der Chef dieser Partei, mit so vielen Entgleisungen, daß diese Partei wahrheitsgemäß, doch einmal wahrheitsgemäß behaupten dürfte, sie habe in diesem Land die absolute Mehrheit, mehr noch, eine weit über Zwei-Drittel-Mehrheit und somit verfassungsändernde Mehrheit, was die „rechtsradikalen Entgleisungen“ betrifft; sonst ist sie ja eine, die bei den Wählenden verliert und verliert, weiter.

Strache selbst kommt in dieser Liste der fünfzig Einzelfälle vor. Nicht aber als Einzelfall. Die Einzelfälle berichten von Angestellten und deren Entgleisungen. Wenn es um Entgleisungen geht, sind es in dieser Partei stets die Angestellten. Das hat Tradition in dieser Partei, Herrenmentalitätstradition. 

Kurz, nur nebenher: Sonderlich, im Zusammenhang mit dieser Partei von Entgleisungen zu sprechen. Ist doch die Entgleisung die Leitregel dieser Partei. Seit Bestehen. Und nicht erst seit dem Machen von Sebastian Kurz zum Bundeskanzler. Die Berichte der diesbezüglichen Kommission erscheinen täglich. 

Wie kommt nun der Chef in diesen Regelfällen, die für die Tageszeitung Einzelfälle sind vor?

Wenn es etwa um eine „rassistische Geschichte“ geht, zeigt der Chef dem Angestellten eine „dunkelgelbe Karte“ und verspricht „Qualitätsmanagement“.

Wenn es etwa um George Soros geht, dann „springt“ der Chef bloß seinem Gudenus … Vielleicht bringt diese Tageszeitung doch noch, eines Tages, wenn der Vizekanzler nicht mehr Vizekanzler ist, die Cheffälle. Wie in diesem Jahr 18 der Vizekanzler George Soros nicht bei, sondern gegen ihn gesprungen ist, und „Der Wächter“ mit den gesinnungsgemäßen Wahrheiten das über den Chef verbreitet hat.

Sonderlich ist nach wie vor, dieser Partei Verbindungen zu „Identitären“ vorzuhalten. Mit wem sonst sollte eine Partei, die sich selbst als identitäre Partei deklariert, Kontakt und Fahnenstangen halten?

Ein FPÖ-Funktionär wird in einem Fall dieser Tageszeitung mit „engen Kontakten zu den rechtsextremen Identitären“ vorgeführt. Gerade dieser Funktionär kann durchaus exemplarisch angeführt werden, daß die Einzelfälle nicht Einzelfälle, sondern Serienfälle sind.

Und die Serienfälle sind auch stets Cheffälle.

Wie diesem Funktionär recht bestimmte Männer unvergessen sind, gedenkt auch sein Chef mit Respekt recht bestimmten Männern, und das sozusagen am Vorabend des Montags, an dem er zum Vizekanzler gemacht wurde, als wäre das der letzte fehlende Nachweis noch dafür gewesen, was ihn befähigt, in Österreich zum Vizekanzler gemacht zu werden.

„Respektvolles Gedenken“ von He.-Chr. Strache, dem nächsten Vizekanzler, gilt Peter Kienesberger, einem mit „Norbert Burger der vier Gründer der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP)“ 

Ein recht besonderer Fall, von der Tageszeitung als Einzelfall aber unerwähnt, ist der Steinfall auf der Mölker Bastei. Ein Fall, der keinem einzelnen Funktionär, keiner einzelnen Angestellten zugeschrieben werden kann, und deshalb wohl als Einzelfall von der Tageszeitung nicht aufgenommen. Es ist nicht nur ein Cheffall, es ist ein Gesamtregierungsparteifall. Und es ist zugleich auch ein Serienfall. Wie diese Partei über Denkmäler, und das nicht einmal, herfällt, die ihr gesinnungsgemäß zuwider sind, wie diese Partei Denkmäler, und das ist noch ein Einzelfall, errichtet, die ihr gesinnungsgemäß stolzreich …

Alle diese Fälle, wie immer sie auch bezeichnet werden mögen, sind stets auch Denkfälle. Der Fall des Denkens. Das Denken fällt. Der Abfall vom Denken.

Eingestanden muß werden, um dieses Kapitel einmal vorerst zu beenden, es wird gezögert, den Fall der Verleihung eines Preises im Herbst 18 an ein gesinnungsgemäßes Magazin dieser Partei hier zu erwähnen, weil keine Kurzbezeichnung für diesen Fall gefunden werden kann, dieser Fall überall eingereiht werden kann …  kurz zusammengefaßt, dieses Medaillensymposium eine einzige Feier der Leitregel dieser Partei ist.

Tageszeitung fragt - nur Einzelfälle - die lange Liste rechter Ausrutscher - Österreich Dezember 18

 

 

2 Gedanken zu „Einzelfälle, Serienfälle und Cheffälle

  1. Pingback: Petra Stuiber: „Diese Einzelfälle sind nicht gestrig“. Cheffall Strache, Vizekanzler in Österreich. Er wäre gut, anstatt so, doch seine Partei, die ist nicht so. | Prono ever

  2. Pingback: HC Strache, Vizekanzler, Österreich – Cheffall | Prono ever

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