Vom Debacle zum Dilemma

„In Österreich konzentriert sich die Debatte auf das Lueger-Denkmal am Stubenring. Eine eindrucksvolle Skulptur, die den ’schönen Karl‘ in Überlebensgröße zeigt […]“

Ja, so ein Nationalsozialist hat halt schon beizeiten wa …

Und mit Oliver Rathkolb, auf dessen Zusatztafel sie zu sprechen kommt, schreibt Barbara Coudenhove-Kalergi mit fort, Karl Lueger sei „ein bedeutender Wiener Bürgermeister“ …

Mag sich Barbara Coudenhove-Kalergi auf Oliver Rathkolb verlassen, nun, das Urteil, das über Karl Lueger bereits vor über einhundert Jahren gefällt wurde, scheint verläßlicher, etwa 1913 bereits unter „Ein Denkmal-Debacle“ …

Zwischen „Denkmal-Debacle“ und „Denkmaldilemma“ einhundertsieben Jahre, und kein Weiterkommen in diesem Land.

Karl Lueger wird nun, der, um ihm seinen Ring zu erhalten, zu einem ganz großen Bürgermeister hochgeschrieben wird … Karl Lueger wurde aber vor 100 Jahren realistischer beurteilt, wie in der „Wiener Bauindustrie-Zeitung“ in der Ausgabe Nr. 11 von 1913 zu lesen war, unter der Schlagzeile „Ein Denkmal-Debacle“, auch darüber, warum Denkmäler errichtet werden: Lueger war kein Unsterblicher, nicht einmal ein wirklich Großer, nicht einmal Einer, der die Zeit merklich überragte. Nicht so sehr dem Manne, dessen Name das Denkmal einst tragen sollte, galt es, ein Monument zu bauen, sondern vor allem ein Zeugnis für die Macht und das Ansehen jener politischen Partei abzulegen, als deren Repräsentant der Verstorbene – mit Recht oder Unrecht bleibe dahingestellt – gegolten hatte.“

Wer der Nationalsozialist war, der das Denkmal schuf? Ob er dies zu dieser Zeit schon war? Wohl nicht. Die Unzeit kam ja erst. Aber Menschen in Österreich mit ihrer Karl-Identität haben dafür ein Gespür, bereiten sich beizeiten darauf vor, um dann zur rechten Zeit das Richtige zu sein, auch in einer Unzeit das Richtige, das gefällt, zu sein, und dann auch in der Zeit nach der Unzeit wieder, vielleicht das zu sein, was er war, als er das Denkmal schuf, nein, nicht zu sein, sondern das gesamte Leben zu unterwerfen dem Regime Was gefällt

Dabei kann so leicht ein Debakel verhindert werden, es einfach wie kurz gar nicht mehr zu versuchen, weiter Denkmäler zu errichten, das jedoch nach wie vor geschieht, und auch aus einem Dilemma kann so leicht herausgefunden, wenn es denn schon ein Denkmal gibt, beispielsweise dieses für Josef Weinheber, der von Barbara Coudenhove-Kalergi am 23. Juli ’20 auch erwähnt wird. Nicht nur durch eine Zusatztafel, die wie die vorhandene ungenügend ist, weil diese keine Aufklärung über den Bildhauer enthält, sondern durch einen Satz direkt unter dem Namen Weinheber, mit dem klar ist, wer ihm nur dankbar einzig sein kann in Hochachtung …

PS Es ist bei Denkmälern wohl auch endlich angebracht, nicht nur die Abgebildeten, die Dargestellten allein weiter in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch endlich, wer diese geschaffen hat, wie es exemplarisch die Denkmäler für Weinheber und Lueger nahelegen. Mögen es in vielen Fällen auch nur Karls sein, so werden sie doch weiter genannt, unbefleckt zu würdigende und in guter Erinnerung zu Bleibende, wie es exemplarisch die Zusatztafel für Weinheber und auch die Zusatztafel für Lueger von Oliver Rathkolb …