„Z“

Der Buchstabe „Z“ ist in den letzten Monaten zum berüchtigsten Buchstaben aufgestiegen. Zu einem Buchstaben von der Schwere eines Buches, so deutungsreich wie beispielsweise die Bibel; so viele fühlen sich berufen, „Z“ zu interpretieren. Als was wird „Z“ nicht schon alles gedeutet, auch das „Hakenkreuz“ etwa wollen nicht wenige im „Z“ bereits erkennen.

Das „Hakenkreuz“, das sonst, etwa in Österreich, nicht erkannt wird, wenn es tatsächlich ein Hakenkreuz ist.

Und in Deutschland beispielsweise soll es nicht beim Deuten allein bleiben, es werden Handlungen gefordert, also das strafrechtliche Verfolgen von Menschen, die den Buchstaben „Z“ zeigen, die Plakate, Wände mit dem Buchstaben „Z“ beschmieren, „Z“ auf Plattformen telegrammieren, mit dem „Z“ auf Transparenten und Shirts auf die Straße zum Demonstrieren gehen, gar ein gesetzliches Verbot gefordert.

Jedes verbotene Symbol hat, einfach wie kurz gesagt, zumeist nicht nur eine Bedeutung, die durch eine Reflexverbotsgesetzgebung mit verboten werden, und so rasch ein Symbol verboten ist, so rasch ist ein neues Symbol von jenen gefunden, die jedwedes Symbol, jedweden Buchstaben, jedwedes Zeichen für ihre abgründige Gesinnung zu mißbrauchen gewillt sind —

„Z“ hat, auch „Z“ hat mannigfache harmlose Bedeutungen, findet mannigfache harmlose Verwendung. Ein berühmtes „Z“ ist dreiundfünfzig Jahre alt. Ein „Z“ als Titel eines Films. Eines Films über die Aufklärung des Mordes an einem Politiker, der kurz vor seiner Ermordung eine Rede hält für Abrüstung, gegen den Krieg, gegen die Nato, auf die in einem weiteren Kapitel einzugehen sein wird, der eine Rede hält für ein friedliches Miteinander.

Ein „Z“ als Symbol, das besagt: „Er lebt“. „Er“, der Wille“, „lebt, der Wille zur Ablehnung jedweder Diktaturen, der Wille für den Einsatz für Demokratie. Dieses über fünfzig Jahre alte „Z“ soll Verbreitung finden, vor allem in Rußland, dieses „Z“ soll das putinsche „Z“ übermalen, ersetzen, auslöschen.