der Dirigent ist Hans Knappertsbusch …
Am 19. und 20. April 1944 dirigiert Herbert Karajan in Paris zum Geburstag auf.
Und dazu von Roy Trabucon auch am 19. April 2026 ebenfalls mit einem Video aufgepeppt, zu sehen: eine Masse in einer Messe, ein Padre, Lichtorgel, Entzückung:
Por la mañana café
Por la tarde oración
Por la noche Dios
Con su protección.
Viva Cristo Rey
Me voy a misa.
Das Dritte Reich war wirklich eine echte, potente Europäische Union. Deshalb schlossen sich Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten mit der kommunistischen Sowjetunion zusammen, um gegen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus vorzugehen.
Das sind u. v. a. m. wohl Meinungen, also auch die von Roy Trabucon, deren Freiheit zu verteidigen gilt, wie es gerade jene jetzt tun, deren Eintreten der Meinungsfreiheit …
Es wird bereits offensichtlich geworden sein, daß Roy Trabucon nicht von Belang ist, aber wenn so viele Menschen Derartiges mit einem „Herz“ würdigen, wenn so viele Menschen sich mit einem „Herz“ den Glückwünschen an den Österreicher anschließen, auf einer derartigen Konzernplattform, dann kann es, einfach wie kurz gesagt, nicht ignoriert werden.
Hinzu kommt noch eine aktuelle Biographie über Herbert Karajan, zu der die „Jüdische Allgemeine“ am 13. Februar 2026 schreibt:
Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen
Aus den Briefwechseln gehe etwa hervor, dass Karajan nie große Euphorie für Adolf Hitler gezeigt habe. Einen gemeinsamen Empfang mit Hitler habe er in einem Brief an seine erste Frau Elmy als Pflicht bezeichnet, der er nachkommen müsse. Hitler habe auf der anderen Seite, wie auch der für Kultur zuständige Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, Karajan nicht sonderlich geschätzt, weswegen sich die Karriere des Dirigenten im NS-Staat ab 1942 »eindeutig auf dem Abstieg« befunden habe, erklärt Wolffsohn.
Wolffsohn hat im Auftrag der Karajan-Stiftung eine neue Biografie über den Dirigenten verfasst, die dessen Verstrickung in den NS-Apparat untersuchen soll. Als Basis dienten dabei vor allem Karajans private Briefwechsel mit seiner ersten Frau Elmy und seiner zweiten Frau Anita. Das Buch mit dem Titel »Genie und Gewissen: Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus« erscheint kommenden Montag.
Eine Biographie „im Auftrag der Karajan-Stiftung“ —
Johnannes Peter Senk hat die Ausführungen von Oliver Rathkolb am 19. Februar 2026 in den „Salzburger Nachrichten“ noch nicht lesen können, und hätte er seine „Analyse“ für die „Jüdische Allgemeine“ erst nach dem 19. Februar und nicht bereits am 13. Februar 2026 geschrieben, diese seine „Analyse“ wäre womöglich anders ausgefallen …
Es ist eine vertane Chance, man merkt den Schnellschuss mit professionellem PR-Getöse. In seinen zentralen Thesen kehrt er zurück zum Start. Er ist 1933 in Salzburg und Ulm der NSDAP beigetreten, dann hat er sich mehrmals umgemeldet, auch 1935. 1938 hat ihm die Ortsgruppe Köln/Aachen um ein Mitgliedsbuch angesucht, da ist das Durcheinander aufgepoppt, und man hat in Salzburg rückgefragt. Wenn Michael Wolffsohn nun aus all dem einen De-facto-Beitritt 1935 konstruiert (zum Antritt als Generalmusikdirektor in Aachen, Anm.), dann offenbar nur, um die These zu festigen, Karajan sei nur formaler Nazi gewesen. Aber das widerspricht den Akten.
Zum Wissensstand von 1945/46. Das Buch liest sich so, als wäre Michael Wolffsohn Herbert von Karajans Anwalt im Entnazifizierungsverfahren. Das wichtigste Entlastungsargument soll offenbar sein: Karajan sei ein unpolitisches Genie und ein Formal-Nazi gewesen. Er sei – nach angeblich unbedeutenden Salzburger und Ulmer Karteikarten aus 1933 – nur aus Karrieregründen 1935 der NSDAP beigetreten.
Das stimmt. Allerdings hat ihn die österreichische Staatsanwaltschaft später trotzdem als Illegalen eingestuft, weil er in der Zeit des österreichischen Verbots Mitglied (in Deutschland, Anm.) gewesen ist. Karajan selbst hat die Geschichte vom Beitritt 1935 in die Welt gesetzt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, noch einmal der NSDAP beizutreten. Damit bezweckte er, nicht als Gesinnungsnazi, sondern als reiner Karrierenazi zu gelten, der ohne Beitritt den Job in Aachen nicht bekommen hätte. Das ist eine Erfindung Karajans, die seine Fans nachgebetet haben. Wolffsohn hat sie übernommen und reitet darauf herum, weil sonst sein Argument für den Karrierenazi zusammenbräche.
Weil es im Konnex zu sehen ist zu den Anzeichen von Antisemitismus in Herbert von Karajans Verhalten. Da ist das Zitat aus dem Brief vom Juni 1934 an seine Eltern, dass er nicht an der Wiener Volksoper dirigieren wolle, weil „das gesamte Palästina dort gesammelt sein“werde. Wolffsohn tut das als „Feld-, Wald- und Wiesenzitat“ab. Das ist degoutant und empörend! Das ist ein klar antisemitischer Code! Das ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit! Dieser nach Wolffsohn diskriminatorische Antisemitismus ist ein Treibsatz der NSDAP.
Wo der junge Karajan politisch gestanden ist, zeigt seine Mitgliedschaft bei der Rugia in Salzburg, einer schlagenden Mittelschülerverbindung. Die war damals antisemitisch, sie hatte einen Arier-Paragrafen. Es durften also keine Juden beitreten. Und Marcel Prawy hat einmal das Studienbuch von der Universität Wien präsentiert, in das sich Karajan als „Deutsch Arier“eingetragen hatte. Das haben nur HardcoreDeutschnationale gemacht. Wolffsohn zitiert das zwar, aber ordnet das nicht ein und springt zu einem anderen Thema – wie ein Verteidiger, der bestimmte Dinge nicht sehen will. Als Karajan 1933 der NSDAP beitrat, war er also in deren Ideologie durchaus gefestigt.
Das waren mittelbar alle, allein aufgrund der Tatsache, dass viele Künstler und Dirigenten jüdischer Herkunft vertrieben wurden und deren Stellen frei waren. Da ist er keine Ausnahme. Wer in einem totalitären Regime Teil der Propagandamaschinerie wird, hat das in Kauf genommen. In diesem Sinne war er – mit Erfolgen wie in Paris – ein Stabilisator der deutschen Besatzung.
Unabhängig ja, aber provokant. In zentralen Thesen liegt er [Wolffsohn] daneben, weil er unter anderem nicht bereit ist, die wissenschaftliche Arbeit anderer zu würdigen, obwohl er sich vor seinem KarajanProjekt noch nie mit Musik in der NSZeit befasst hat. Mich stört, wie er andere Autoren oder die Salzburger Straßennamen-Kommission abqualifiziert.




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