Ob es eine Laune der Geschichte, daß nicht der Mercedes-Dreizack das Hakenkreuz der NSDAP wurde,

mußte augenblicklich gefragt werden, als in der Sendung über Hartz IV am 24. April 2018 beim Vorstellen der Kommission der Name Daimler-Chrysler fiel.

Zu Lande zu Wasser in der Luft

Dabei hätte der Mercedes-Stern mit seiner Bedeutung – zu Lande, zu Wasser, in der Luft – für die NSDAP, für das deutsche reich der Massenverbrechen, der Massenmorde, der Zwangsarbeit doch ein authentischeres Logo als das vierstumpfige Hakenkreuz abgegeben.

„Angesichts der bevorstehenden Jahreswende blicken wir nochmals zurück auf die unvergleichlichen Waffentaten unserer herrlichen Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft, und dankerfüllten Herzens schauen wir stolz auf den größten Deutschen aller Zeiten: unseren geliebten Führer!“

Bei der Zuwendung von und nicht nur von Adolf Hitler zum Mercedes-Automobil hätte also durchaus der Mercedes-Stern Zu-Lande-zu-Wasser-in-der-Luft den Zuschlag als Logo erhalten können. Bei einem dreizackigen Stern wäre auch sofort gewußt worden: Reich III. Das Hakenkreuz hingegen mit seinen vier Stumpfen legte mehr ein Reich IV … viel konkreter, handfester als das diffuse Hakenkreuz wäre also der Dreizack gewesen. Er ist es nicht geworden. Eine Laune der Geschichte und zugleich eine Wahrheit der Geschichte. Denn. Bereits das gewählte Logo offenbart schon die ganze Wahrheit – Hakenkreuz: ein diffuses Emblem, das für nichts Konkretes steht, auf dem nichts aufgebaut werden kann, und am Ende im Untergang sich stets als das endgültig zu erkennen gibt, was es von Beginn an war: Nichts.

Aber nicht nur am gewählten Logo kann bereits abgelesen werden, was von einer Partei zu halten ist, auch an den von ihr gewählten Automobilen, etwa wie ernst sie es wirklich meint: alles für das Volk … 

Alles für das Volk hieß richtig übersetzt bei der NSDAP auch: Mercedes für die Führer und Führerinnen, Volkswagen für das Volk … Aber nicht einmal der Volks-Wagen war wirklich vom Volk zu bekommen, er wurde gebaut und gebraucht als Kübelwagen für die Wehrmacht …

Hartz IV: benannt nach einem vom Konzern VW (Volkswagen). Die Automobilklasse, in der Peter Hartz sitzt, ist mit Hartz IV wohl nicht zu betreten, die Türen von innen verriegelt.

Wer 1940 so begeistert über den im sogenannten Vielvölkerstaat Österreich geborenen „größten Deutschen“ an die AFA-Mitarbeiter in der Wehrmacht schrieb, das war Günther Quandt, der 2002 nicht in der Hartz-VI-Kommission saß, dafür aber 1933 im Reichtagspräsidentenpalais bei Hermann Göring, wie im Kapitel Von den Tagesordnungen der Konzerne, gelesen werden kann …

Hartz VI Kommission - Daimler-Chrysler

1933 war von Daimler niemand dabei, nach Eric Vuillard. Aber das heißt nicht, dass Daimler nicht dabei war. Wie es von Daimler selbst auf der Website dargestellt wird. Auf einer Website kann es menschgemäß nicht so ausführlich beschrieben werden, wie in einem Buch, das es auch gibt, nicht von Daimler. Wie in der Collage gelesen werden kann. Der Schlußsatz fällt doch auf:

Nach dem Krieg bekennt sich Daimler-Benz zu seinen Verstrickungen in das NS-Regime und engagiert sich auch in der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die u.a. humanitäre Leistungen für ehemalige Zwangsarbeiter erbrachte.

„Humanitäre Leistungen“. Vielleicht so etwas wie ein Leitwort des Konzerns. Mit dem der Vertreter von Daimler-Chrysler in die Hartz-IV-Kommission ging, erfüllt und ganz beseelt von diesem, wie stets eines Konzerns Ansporn, etwas Gutes selbstverständlich ohne Zwang, nur Anreize zur Arbeit, und das wirkliche Gute für …

Himmler - Kissel - Mercedes Benz

Beim Ansehen des Bildes von SS-Obersturmbannführer und Vorstand der Daimler-Benz AG stellt sich die Frage ein, ob Heinrich Himmler sich geärgert hat, daß er 1945 sich nicht als Wilhelm Kissel ausgab? Als Wilhelm Kissel wäre er davongekommen, wenn er sich auch noch statt mit einer falschen Uniform mit einem Dreiteiler und Vatermörder verkleidet hätte. Ob 1945 Wilhelm Kissel froh darüber war, schon 1942 gestorben zu sein, weil er sich dadurch ersparte, ständig glaubhaft machen zu müssen, nicht Heinrich Himmler zu sein?

Von den Tagesordnungen der Konzerne

Tagesordnungen - Sitzungen von Hartz IV bis Göring

In der „Anstalt“ stand am 24. April 2018 auf der Tagesordnung: Hartz IV.

Es wurde auch vom „Stammbaum“ von Hartz IV berichtet.

Wer dabei war, damals, 2002, als Hartz IV …

Diese Arbeitsgruppe hatte wohl auch viele Sitzungen, mit ordentlich geschriebenen Tagesordnungen, und bestimmt waren die Herren – und weil es bereits das Jahr 2002 ist, war auch eine Frau dabei  – und auch die Frau hübsch und elegant angezogen, wie damals – weil es erst das Jahr 1933 ist, waren es nur Herren –  die Herren mit ihren Vatermördern zu einer Sitzung gingen in das Reichstagspräsidentenpalais, zu Hermann Göring.

Die Aufzählung des Stammbaumes in der Anstalt am 24. April 2014 war rasch. Aber ein Unternehmensname blieb sofort hängen: BASF.

Ein Herr von BASF ist 2002 dabei, ein Herr von BASF ist 1933 dabei.

BASF von 1933 bis …

Wenn es also darum geht, etwas zu ersinnen, etwas auszumachen, das für die Menschen nichts Gutes bedeutet, dann sind sie stets dabei, die Konzerne, ob in einer Massenmorddiktatur, ob in einer Demokratie …

Und es kam nichts Gutes für die Menschen in Deutschland ab 1933, als die Konzernherren fertig waren mit der Abarbeitung ihrer Tagesordnung.

Und es kam nichts Gutes für die Menschen in Deutschland ab 2002, als die Konzernbevollmächtigten fertig waren mit der Abarbeitung ihrer Tagesordnung.

Freilich, wenigstens kein Krieg, jedenfalls nicht in den Ländern der Europäischen Union, wenigstens kein Krieg in Deutschland, wenigstens auch keine Vernichtungslager. Wenigstens keine Massenverbrechen. Wenigstens keine Massenmorde. Wenigstens keine Zwangsarbeit.

Es kam Hartz IV. Bloß Hartz IV. Hartz IV, die Bloßstellung des Menschen, der kein Konzernherr ist, dessen Kinder keine Konzernerbinnen sind. Das Gute bleibt in den Konzernen, das Bloße draußen den Menschen: das konzernmäßig zugestandene nackte Überleben.

Und wenn Sie die Fakten zur Sendung vom 24. April 2018 lesen, überlesen Sie nicht das wichtige Wort „Waschmaschine“.

Was für ein literarisches Wort. Was für ein lebenswichtiges Wort: Waschmaschine.

Einmal für den Menschen, dem trotz Hartz IV gerade noch eine Lebensfristungsduldung großzügig zuerkannt ist, und einmal für die Konzerne. Aber was für ein Unterschied allein bei der Waschmaschine. Den Unterschied Waschmaschine würde jeder Mensch gern an Geld und vor allem Einfluß haben.

In „Die Tagesordnung“ beschreibt Éric Vuillard diesen Unterschied Waschmaschine …

„Sie heißen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I.G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Unter diesen Namen kennen wir sie. Kennen sie sogar bestens. Sie sind hier, unter uns und zwischen uns. Sie sind unsere Autos, unsere Waschmaschinen, unsere Reinigungsmittel, unsere Radiowecker, unsere Hausversicherung und die Batterie in unserer Uhr. Sie sind überall, in Gestalt von Dingen. Unser Alltag ist der ihre. Sie heilen und bekleiden uns, fahren uns über die Straßen der Welt und lullen uns ein. Und die an jenem 20. Februar im Reichtagspräsidentenpalais versammelten vierundzwanzig Biedermänner sind nichts anderes als ihre Bevollmächtigten, der Klerus der Großindustrie; Hohepriester des Ptah. Reglos verharren sie dort, wie vierundzwanzig Rechenmaschinen an den Toren zur Hölle.“

Es darf hinzugefügt werden:

„Sie sind unser“ Hartz IV.

Stammbaum Hartz IV

Für Menschen, für die „Rechenmaschinen“ Hartz IV ausspucken, ist Hartz IV nicht „eine alltägliche Episode“ wie für Konzerne, und das nicht erst seit 1933, sondern seit … der erste Paragraph der Konzerngründungsurkunden …

„Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising. Sie alle sollten das Regime überleben und in Zukunft mit ihren jeweiligen Erträgen noch weitere Parteien finanzieren.“ 

NS In Österreich will nun die schwarzidentitäre Regierung ebenfalls, kurz zusammengefaßt, ein Hartz IV, also sechzehn Jahre später als in Deutschland … In welchen Sitzungen mit welchen Firmen und mit welcher Tagesordnung das wohl … Bisher war es mit der „Tagesordnung“ von Eric Vuillard noch lustig, also Österreich betreffend, wie im Kapitel gelesen werden kann:

Auf der Tagesordnung: kurz, Österreich