223 Jahre nach Louis Sade verschriftlicht auch der Vatikan in seinem Katechismus, daß die „Todesstrafe unzulässig“ ist.

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Weit über zwei Jahrhunderte brauchen also Organisierte Glauben, in diesem Fall der Organisierte Glaube der römisch-katholischen Kirche, um sich gegen die Todesstrafe auszusprechen, ihren Katechismus zu ändern, sich entschieden für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzen zu wollen, was Louis Sade bereits 1795 so leichthin verfaßte:

„[W]eshalb man die Todesstrafe abschaffen muß, liegt darin, daß sie niemals das Verbrechen unterbunden[.] Kurzum, man muß diese Strafe abschaffen, weil es keine schlechtere Kalkulation geben kann als diejenige, einen Menschen sterben zu lassen, weil er einen anderen getötet hat; denn aus diesem Verfahren ergibt sich, daß es statt eines Menschen weniger deren zwei sind, und nur Henkern oder Schwachköpfen kann eine solche Arithmetik geläufig sein.“

„Aus diesen ersten Prinzipien ergibt sich, wie man sieht, die Notwendigkeit, sanfte Gesetze zu erlassen und vor allem den Greuel der Todesstrafe für immer aus der Welt zu schaffen, weil ein Gesetz, das einen Anschlag auf das Leben eines Menschen darstellt, undurchführbar, ungerecht und unzulässig ist.“

„Zwar gibt es, wie ich gleich noch erklären werde, eine Unzahl von Fällen, in denen die Menschen […] völlige Freiheit empfangen haben, einander nach dem Leben zu trachten; doch kann das Gesetz unmöglich das gleiche Vorrecht genießen, weil es in seiner Kälte für die Leidenschaften unzugänglich wäre, die die grausame Handlung des Mordes beim Menschen rechtfertigen können. Der Mensch erhält von der Natur die Eindrücke, die ihm diese Tat als verzeihlich erscheinen lassen können; im Gegensatz dazu kann es dem Gesetz, weil es stets in Opposition zur Natur steht und nichts von ihr empfängt, nicht gestattet sein, sich die gleichen Abweichungen zu erlauben: da es nicht die gleichen Beweggründe hat, ist es undenkbar, daß es die gleichen Rechte besitzen sollte.“

„Soll der Mord durch Mord unterbunden werden? Gewiß nicht. Ist er [der Mord] aber eines [ein Verbrechen], dank welch barbarischer, törichter Inkonsequenz bestraft ihr ihn dann mit einem ähnlichen Verbrechen?“

Und was schreibt der Vatikan weit über zwei Jahrhunderte später in seinen Katechismus?

Das:

„2267. Lange Zeit wurde der Rückgriff auf die Todesstrafe durch die rechtmäßige Autorität – nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren – als eine angemessene Antwort auf die Schwere einiger Verbrechen und als ein annehmbares, wenn auch extremes Mittel zur Wahrung des Gemeinwohls angesehen.

Heute gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Würde der Person auch dann nicht verloren geht, wenn jemand schwerste Verbrechen begangen hat. Hinzu kommt, dass sich ein neues Verständnis vom Sinn der Strafsanktionen durch den Staat verbreitet hat. Schließlich wurden wirksamere Haftsysteme entwickelt, welche die pflichtgemäße Verteidigung der Bürger garantieren, zugleich aber dem Täter nicht endgültig die Möglichkeit der Besserung nehmen.

Deshalb lehrt die Kirche im Licht des Evangeliums, dass ‚die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt‘ [1], und setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein.“

Das also schreibt der Vatikan, 223 Jahre später, einen schwachen Vers, freilich, wie auch einen anderen, immerhin authentisch für eine Züchtigungsanstalt …

Es kann nicht bewiesen werden und es ist auch äußerst unwahrscheinlich, daß es dem Organisierten Glauben der römisch-katholischen Kirche je möglich gewesen wäre, den Psalm von der Todesstrafe schneller zu ändern, hätten die Päpste und Katechismussekretäre seit 1795 beispielsweise Louis Sade aufmerksam gelesen, anstatt seine Bücher bis vor etwas mehr als fünfzig Jahren auf ihren Index zu setzen, seine Bücher zu brandmarken, in ihrer Züchtigungsgier den Menschen vorschreiben zu wollen, welche Bücher sie lesen und welche sie nicht lesen dürfen.

Papst erklärt Todesstrafe für unzulässig