Als Kasperl für Hitler spielte und Max Jacob von der Gestapo abgeholt wurde

Kinder spielen Kasperl

Zur Aufregung wegen der „Nazidrecksau“ für das oder den oder vielleicht sogar die Kasperl ist dem

Kasperl und was Blauer ersehnt: „Im Oktober ist Schluss“

noch ein Abschnitt hinzuzufügen. Weil. Wie harmlos schreibt FPÖ unzensuriert doch über diese Zeit, um Max Jakob zu verteidigen: es sei halt eine „schreckliche Zeit“ gewesen.

Es war eine mörderische Zeit, eine massenmörderische Zeit, eine massenverbrecherische Zeit.

Und dafür steht auch der Name Max Jacob.

Es gab den Max Jacob, der fuhr mit seinem Kasperl zu den hitlerischen Truppen – auch Mordende brauchen Betreuung, Erholung vom Morden, Ablenkung vom Morden, und menschgemäß auch Motivation zum Weitermorden.

Und es gab den Max Jacob, der von der Gestapo abgeholt wurde und in einem Sammellager starb. Für den französischen Max Jacob spielte der deutsche Max Jacob Kasperl nicht.

Max Jacob und Max Jacob.jpg

Ein Name, zwei Existenzen: eine für das Leben, eine für den Tod.

Für den französischen Max Jacob, den Dichter, den zum Katholischen konvertierten Juden eine des Todes. Auch für andere aus seiner Familie, die in Auschwitz ermordet wurden.

Der deutsche Max Jacob hätte nach dieser Massenmordzeit wohl auch sagen können, ach, es sei eine schreckliche Zeit gewesen. Von einer schrecklichen Zeit in Österreich lange nach dem Untergang des deutschen reiches kann erzählt werden. Als es noch keinen eigenen Fernsehapparat gab und Kasperle bei einer Nachbarsfamilie angesehen werden mußte: es durfte nur auf dem Boden gesessen werden, es durfte nicht gesprochen werden, es mußte regungslos verharrt werden, und die Fernsehapparatbesitzfamilie verlangte von jedem Kind dafür Eintritt: einen Schilling für jede Kasperlsendung; die Eltern schickten ihre Kinder zum Kasperl, sie hatten wohl etwas anderes zu tun, als mit ihren Kindern … vielleicht Vaters Knüppel mal nicht für sie …

Was er, der deutsche Max Jacob, tatsächlich sagte, war so etwas wie eine Klage, „kleinliche Neider, die mir etwas am Zeug flicken wollen“. Damit meinte er jene, die sein Wirken im deutschen reich … wie recht gut ist das aus der Gegenwart bekannt, sich als Opfer darzustellen … Das tatsächliche Opfer, der französische Max Jacob, konnte bereits ab dem März 1944 nichts mehr sagen, nichts beklagen. Er ist vielleicht nicht nur wegen seines Vergehens, als Jude geboren worden zu sein, zum Opfer geworden, sondern auch wegen seines zweiten Vergehens, homosexuell gewesen zu sein. Möglicherweise machte er sich für das Massenmord- und Massenverbrechensregime noch eines weiteren Vergehens schuldig: Dichter gewesen zu sein.

Wenn hier vom französischen Max Jacob geschrieben wird, wird von der Gegenwart geschrieben. Und wenn Sie die unten verlinkten Kapitel lesen, werden Sie verstehen, daß es hier tatsächlich nur um die Gegenwart geht. Und das alles – es sind nur wenige Beispiele; weitere sind hier durch Suche nach FPÖ unzensuriert leicht zu finden – wurde nicht vor Jahrzehnten geschrieben, sondern in den letzten zwei Jahren:

FPÖ-Unzensuriert: „Nach der Wende für … jeweils einen eigenen Steinbruch reservieren“

FPÖ-Unzensuriert: „Schickt die Lesben, Schwulen und Perversen in den Steinbruch!“ – Das Märchen vom raschen Löschen

Hofer-FPÖ-Werbewähler: „Jelinek eine Hinfahrkarte ins nächste Krematorium samt ‚bevorzugter‘ Behandlung“

FPÖ unzensuriert, Franz Dinghofer: „Konflikt mit diesen Untermenschen kann man sicher nicht friedlich lösen“

Nach dem Fordern eines Buchenwald in der Gegenwart den Justizminister befragen

FPÖ unzensuriert: „Alle Willkommensklatscher … Arbeitsdienst … Am besten nach Buchenwald“

 

5 Gedanken zu „Als Kasperl für Hitler spielte und Max Jacob von der Gestapo abgeholt wurde

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