Martin Luther: „Wie die Zigeuner“

Polen, Oktober 2016: Rassistische Proteste gegen Roma in der polnischen Provinz … Die Wurzeln … Und wieder ein Anlaß, die Schriften des Luder dem Bischof in das Gesicht zu schleudern, wie er einst sein Tintenfaß gegen den Teufel schleuderte … Luder wollte Juden wie die von ihm als „Zigeuner“ bezeichneten Menschen behandelt sehen … seinen göttlichen Wunsch für beide erfüllten Jahrhunderte später die … Und für diese Menschen ist es immer noch nicht vorbei, in ganz Europa nicht – oh göttliche Wurzeln und in Österreich ist es vor allem die identitäre Parlamentspartei des Gesegneten, deren Nächstenliebe Luder gewiß sein kann …

Das sind die Sätze, die sich das Recht herausnehmen, ein eigenes Kapitel zu schreiben, ein eigenes Kapitel zu beginnen, herausgestellt zu sein, ausgestellt zu sein, um nicht unter all den anderen Sätzen

„Nazikirche“, Hofer und die Angst des Bischofs vor dem Tor der Geschichte

unterzugehen, überlesen zu werden. Aber sie sind deshalb keine eitlen Sätze. Sie wissen, sie sind nicht schön. Sie wissen, ihr Gehalt ist nicht gewichtig, ihr Inhalt, das wissen sie nur zu genau, nicht neu.

Es geht diesen Sätzen um die Menschen, von denen sie berichten, die heute noch in ganz Europa zu leiden haben, fortwährenden Kränkungen, Beleidigungen, Diffamierungen, Verleumdungen, Gewaltaufrufen, Gewalt und Mord ausgesetzt, ausgeliefert sind. Und zu diesem ihrem im Elend aufgezwungenen Leben gehört auch das Verschweigen ihrer Existenz, auch das Verschweigen, wie lange schon sie unter dem Joch, das Verschweigen der Wurzeln für das ihnen aufgezwungene verarmte Leben … Und es ist angesichts der die Berichterstattung dominierenden Konstruktion einer „islamischen mit Antisemitismus gepaarten Bedrohung“ opportun, sich seiner „jüdisch-christlichen Wurzeln“  … gerade in Österreich, wo bis vor nicht allzu langer Zeit lediglich von „christlichen“ … Die einen Opfer von damals werden ins Licht gestellt, und die anderen Opfer von damals und heute im Dunklen gelassen, die müssen nicht gesehen werden … es heißt ja auch nirgendwo: sinti-christliche und schon gar nicht „unsere sinti-christliche“ … rom- schon, aber damit ist die Stadt gemeint, gegen die Luder sein Tintenfaß schleuderte, als er es gegen sich schleuderte und sich selbst mit seiner eigenen Tinte anspritzte … die Tinte, sein Samen, mit dem er seine Ungeheuer zeugte und austrug und gebar …

Diese Sätze  wissen um die anderen Sätze, die geschrieben werden, und sie dauern sie, daß sie so geschrieben werden, wie etwa jene in der sogenannten Qualitätszeitung, die für viele der Standard österreichischer Qualitätszeitungen ist. Wie können noch die europaweit bedrohten Menschen unerwähnt bleiben, wenn von dem Antisemitismus des Martin Luther gesprochen wird? Sogar dann, wenn diese eine lutherische Schrift, wie in der Collage gelesen werden kann, explizit angesprochen wird, in der Luther davon schreibt, den Juden möge es wie den „Zigeunern“ … Sind denn nicht gerade die Opfer, die Opfer durch Jahrhunderte waren, und heute weiter Opfer sind, zu dem auch Luder beitrug, an erster Stelle zu nennen, als die Leidenden von heute?

Nun, die religiöse Folklore ist anpassungsfähig. Was nicht mehr zu verschweigen geht, findet Einlaß, entrüsteten, aber wohlwollenden Einlaß. Wie lieb Michael Bünker von seinem Luther spricht, er wäre halt kein Heiliger gewesen, Schattenseiten und widersprüchlicher Lebenslauf … Wessen Lebenslauf ist nicht widersprüchlich, welches Leben kommt in dieser Welt ohne Schattenseiten …, ach, halt ein Mensch, und kein Heiliger, als wären Heilige keine Menschen … dabei wird gerade von Heiligen gewußt, keine Menschen sind widersprüchlicher als Heilige, keine Menschen haben mehr Schattenseiten als Heilige, Heilige haben eigentlich nur Schattenseiten. Martin Luther ist ein Heiliger und Martin Luther hat erkannt, was er ist, er hat nicht umsonst das Tintenfaß gegen sich geworfen …

Wie verharmlosend Bünker von Luther spricht, machen seine Formulierungen nur allzu deutlich, wofür ein Geheimnis verraten werden darf, das diese nachsichtige und augenzwinkernde … als ein Mensch im Sterben lag, der seit Jahrzehnten gekannt wurde, fragte dieser um seine Nachrede besorgt, was werde denn auf seinen Grabstein geschrieben werden. Und als diesem schelmischen Menschen gesagt wurde, auf der Urne werde stehen: Geliebtes, aber sicher nicht heiliges Luder. Da ward er zufrieden und konnte, ehe er darob tatsächlich friedlich entschlief, noch sagen, daß sei ein guter, weil augenzwinkernde Spruch als Zusammenfassung seines Lebens …

martin-luther-wie-die-zigeuner

 

6 Gedanken zu „Martin Luther: „Wie die Zigeuner“

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