Allegorie der Vergangenheit

Wilhelm Frass - Am Modenapark - Neulinggasse - Josef Müllner

Ist es nicht nazifreundlich, etwa in Wien, den Figuren von Wilhelm Frass weiter den Blick auf eine Figur seines Gesinnungskameraden

Das Lueger-Denkmal von Josef Müllner mit der Tafel auf Karl-Art von Oliver Rathkolb

Josef Müllner zu ermöglichen? Am Modenapark im dritten Bezirk.

Wilhelm Frass ist jener Künstler mit dem versteckten und erst nach 77 Jahren aufgefundenen oder erst nach 77 Jahren gewollt aufgefundenen Gesinnungshuldigungsbrief an die Nazidiktatur in der Krypta am Heldenplatz. Und auch hier am Heldenplatz darf sich eine Figur von Wilhelm Frass daran erfreuen, in unmittelbarer Nachbarschaft Figuren seines Gesinnungskameraden Josef Müllner zu wissen: den Jüngling beim Theseus-Tempel, den Wehrmann in Eisen …

„Wehrmann in Eisen“, Josef Müllner und das tourismusgerecht zugerichtete Wien

Von Wilhelm Frass stehen noch viele Figuren in Wien, vor allem in Floridsdorf.

Ist es nicht nazifreundlich, der Figur von Josef Müllner die Sicherheit zu geben, hinter ihr stehen unerschütterlich die Figuren seines Gesinnungskameraden Wilhelm Frass? Am Modenpark.

Weder die Figuren von Wilhelm Frass noch von Josef Müllner sind beschmiert mit „Nazidreck“. Wie erst geschehen

Kurt Weiss, Österreich und die folgenreichste politische Bildung der Welt

mit Wandfresken von Kurt Weiss in Kärnten, St. Kanzian. Und das hat seine Richtigkeit. Wie zu Kurt Weiss bereits ausgeführt. Denn. Wie kann ein Stil als „Nazidreck“ bezeichnet werden, wenn einem Stil weiterhin gefrönt wird, als es keine Nazidiktatur mehr gab? Ebenso verhält es sich mit Frass und Müllner. Sie schufen ihre Figuren auch schon, als es noch keine Nazidiktatur gab. Vor der Nazidiktatur wie nach der Nazidiktatur also. Vor der Nazidiktatur gab es den Ständestaat. Und vor dem Ständestaat schufen sie bereits ihre Figuren auch. Weder Frass noch Müllner waren in den Diktaturen unerwünscht. Ganz im Gegenteil. So könnten ihre Werke generell mit „Faschismusdreck“ beschmiert werden.

Nach 1945 gab es weder einen Ständestaat noch eine Nazidiktatur, aber weiter diesen Stil. Wenn wer all diese in Österreich vorhandenen Figuren beschmieren wollte, müßte wohl schmieren: „Österreichdreck“.

Von Josef Müllner heißt es, eine Straße sei erst 1983 nach ihm benannt worden. In Baden. Es gibt in Baden diese Straße, jedoch der Vorname von Müllner ist nicht korrekt geschrieben. Also nicht Josef-, sondern Joseph-Müllner-Straße. Der Grund hierfür kann nur spekuliert werden. Entweder als Verschleierung, um nicht gleich den Namensgeber einwandfrei identifizieren zu können, oder als Veredelung. Joseph wirkt doch gleich viel edler, als Josef, wie so viele Knechte hießen und dann schlicht Seppl gerufen wurden. Aber einen Joseph Sepp zu rufen, das fiele keinem Menschen ein. Es ist nicht in Erinnerung, ob etwa der Habsburg Joseph je Seppl – für den es gerade in Baden zahlreiche Benennungen …

Nebenher bloß sei noch eine Straße erwähnt, die Gottfried-Keller-Gasse (die beim Modenapark in die Neulinggasse mündet, von wo aus die Figuren von Müllner und Frass direkten Blick in diese Gasse haben), weil Gottfried Keller erst vor wenigen Tagen wegen seiner Kleider-machen-Leute-Novelle erwähnt wurde, und diese besondere Kleidung gehört wohl unbedingt dazu, wenn von solchen Figuren gesprochen wird: Arabella Kiesbauer schmiert Visionshonig um den Trachtenbart

Und in Baden ist auch das Haus, von dem bereits berichtet wurde, wie Kurt Weiss nach der Nazidiktatur … Ein Kriegerdenkmal von Müllner in Baden, und wenn diese Figur im Niederösterreichischen sich umsieht, für sie reine Freude, Krieger von seinem Gesinnungskameraden reihum, von St. Pölten bis Böheimkirchen … In Böheimkirchen ist es eine Säule mit einer Sebastian-Figur …

Von Wilhelm Frass heißt es, er sei ein vielbeschäftigter Künstler während des Ständestaates, also während der Diktatur, während des Austrofaschismus gewesen und gleichzeitig bereits ein Mitglied der NSDAP, also nach den Gesetzen der feudal-christlichen Diktatur ein Illegaler. Zu oft, das ist aus der Geschichte zu erfahren, stellt sich erst im Nachhinein, wenn es zu spät ist, heraus, was ein Mensch wirklich ist …

ÖVP-Kurz - Allegorie der Vergangenheit

Ob es nun „Nazidreck“ ist, ob es nun „Faschismusdreck“ ist, ob es nun „Österreichdreck“ ist, das ist eine unerhebliche Frage. Und nichts ist mit einem der drei Wörter zu beschmieren. Drei Wörter, die für nichts zu gebrauchen sind. Interessant ist vielleicht die Frage, wie wirkt eine solche Kunst, die heute noch auf so vielen Plätzen in Österreich aufgestellt ist, auf die heute lebenden Menschen in Österreich?

Gerade die Wahlplakate von Sebastian Kurz lassen sehr an diese Ästhetik denken. In Anlehnung an einen Titel von Wilhelm Frass könnte vor allem ein Plakat von Kurz genannt werden: Allegorie der Vergangenheit. Offenbart diese Ästhetik nicht bereits die gesamte Ethik und den gesamten Inhalt von ÖVP-Kurz?

Bei der identitären Parlamentspartei, die nun von vielen zu einer identitären Regierungspartei gemacht werden will, nach dem 15. Oktober 2017, sind keine Fragen zu stellen, bei dieser Partei ist es offensichtlich. Und es bedarf keiner Wiederholung mehr des Geschriebenen, in dem von einem weiteren Bildhauer aus der Vergangenheit …

Als wäre es ihr ein von der Vorsehung diktierter Auftrag …

Und was für eine Wirkung hat eine solche Kunst, wie es modern heißt, im öffentlichen Raum auf Künstler heute? Es gibt auch heute Künstlerinnen, die in der Tradition der Karls-Kunst stehen. Womit nicht ihre Kunst

Mit einem Kanzler Sebastian Kurz Weltspitze in Kunst- und Kulturlosigkeit

Was wichtig ist, das offene Ohr von Sebastian Kurz

gemeint ist, sondern ihr Verhalten, sich in den Dienst von allen zu stellen, die ihnen Aufträge erteilen oder doch irgendwann erteilen könnten. Wie ebender Magazineur Karl von Merz und Qualtinger, der alles war, was die Zeiten von ihm abverlangten und ihm etwas, wenn auch nicht viel, einbrachte. Sie schreiben die Karls-Kunst weiter. Die vielen, vielen Künstler und die wenigen Künstlerinnen von damals geben ihnen wohl die Sicherheit, auch sie werden einst mit Nachsicht bedacht werden, auch sie werden mit Großzügigkeit rechnen dürfen, sofern sie …

Ja, die österreichische Gesellschaft ist stets großzügig, nicht nur Künstlerinnen gegenüber, sondern auch Wissenschaftlern, wenn sie …

Ein Gedanke zu „Allegorie der Vergangenheit

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