Kurz zum ältesten Gewerbe der Welt

Das Magazin der identitären Regierungspartei greift zur Ausrede,

„[D]er Text sei aus Versehen ins Blatt gerutscht […]“,

weil

„[d]ie Verleihung im Rahmen des Dinghofer-Symposiums hatte für Kritik gesorgt, nicht zuletzt wegen eines faschistoiden Artikels in ‚Zur Zeit‘.“

und lebt damit ihrer Gesinnungsgemeinschaft Tradition. Überhaupt geht die zurzeitige identitäre Regierungspartei dem ältesten Gewerbe der Welt recht gerne nach, nämlich dem Gewerbe der Ausrede.

In diesem Gewerbe wird recht gerne das Wortzeug eingesetzt, mit dem Ausreden gut gedrechselt werden können, etwas sei gerutscht … 

Und es ist ein Gewerbe, weil etwas verkauft werden will, das auch gekauft werden soll. Und mit abgekauften Ausreden sind mittelbare und unmittelbare Erlöse zu erzielen.

Wie alt dieses Gewerbe ist, davon erzählt exemplarisch auch eine Geschichte, die sich vor rund zweitausend Jahren zugetragen hat. Einer Frau kommt ihr Mann drauf, sie hat ihn betrogen, das Kind, mit dem sie schwanger ist, zeugte sie mit einem anderen Mann.. Und weil sie es nicht mehr leugnen kann, aber mit ihm weiter zusammenleben will, greift sie zu einer Ausrede. Sie sagt ihrem Josef, es ist (vielleicht schmückt sie es aus, weil es zu finster war, weil er sich ihr von hinten näherte, weil …) ein Versehen gewesen, daß ein anderer Mann in sie rutschte. Und weil ein Gewerbe, auch das Gewerbe der Ausrede, nur erfolgreich sein kann, wenn wenigstens etwas daran wahr ist, sagt die Frau ihrem Mann den Namen, es war Gabriel, der aus Versehen in sie …

Es ist menschgemäß nicht mehr zu erfahren, welches Gewerbe nun tatsächlich das älteste Gewerbe der Menschen ist. Aber es ist nicht abwegig, daß die Ausrede tatsächlich das älteste Gewerbe der Menschen ist. Wie viele Ausreden werden gebraucht, für die anderen, aber auch für sich selbst, ehe eine Handlung gesetzt wird, bevor zu einer Tat geschritten wird, wie viele Ausreden auch, nachdem Handlungen vollzogen worden sind. Und erst danach sind die anderen Gewerbe aufgekommen, etwa, von denen besonders Männer des christlichen Abendlandes nach wie vor meinen, dieses sei das älteste — vielleicht meinen sie das auch deshalb, weil sie diesem selbst seit Urzeiten nachgehen …

Wie wir zur Zeit unsere Zukunft verspielen.png

 

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