„Höchste Zeit, Verantwortung zu zeigen“

„Natürlich helfe ich hier sehr gerne“, sagte der Kanzler seine Unterstützung dem Verein zu – jetzt sei es „höchste Zeit“, Verantwortung zu zeigen und […]

„Grabsteine“ (so geht der Satz im löblichen Bericht in der „Kronenzeitung“ vom 21.10.18 weiter) „vor dem weiteren Verfall zu retten und den jüdischen Friedhof als Ganzes für die künftigen Generationen zu erhalten.“

Es ist gut und richtig, daß jüdische Menschen nicht mehr als „der Jude“ punziert und verfolgt sind, vom sogenannten offiziellen Österreich. Ein Fortschritt, könnte gesagt werden. Kein Fortschritt, kann auch gesagt werden. „Der Jude“ heute sind für diese zurzeitige Regierung andere, sie hat sich „ihren Juden“ gebastelt. Es muß nicht ausgeführt werden, wer das ist. Sie wissen es selbst. Sie hören es täglich. Und es ist nur zur Hälfte richtig, daß jüdische Menschen auch für das sogenannte offizielle Österreich als „der Jude“ nicht weiter herhalten müssen. Der Unterschied zu früher, es wird nicht mehr gesagt „der Jude“, sondern ein Name genannt, der für „den Juden“ steht, und das ist je in keiner Weise positiv für diesen Mann gemeint. Und es ist kein Unterschied zu früher. Auch damals wurde vor allem ein Name genannt, der für „den Juden“ steht, nämlich Rothschild. Und auch heute fällt dieser Name nach wie vor weiter. In den sogenannten SM-Medien wird gar oft behauptet, phantasiert, Rothschild stehe hinter dem Mann, der vor allem für die identitäre Partei in der zurzeitigen Regierung …

„Höchste Zeit, Verantwortung zu zeigen“ – gegen „Grabsteine“. Sagt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich.

Juden - Alibi des Sebastian Kurz - Eine untergegangene Welt

Gegen Tote Verantwortung zu zeigen, wer kann das nicht?

Gegen Ermordete in der Vergangenheit Verantwortung zu zeigen, wenn es parteienregierungspolitisch opportun ist, wer kann das nicht?

Aber wie sieht es mit der Verantwortung gegen Lebende aus?

Auch und gerade in Österreich mit seinem nationalsozialistischen Hintergrund?

Es würde der Nationalsozialismus der Vergangenheit hier nicht angesprochen werden, wenn von diesem in dem für Sebastian Kurz su löblichen Bericht nicht so penetrant …

„Wer ebenfalls für diese wichtige Aktion eines neuen Österreich, das auch mit seiner jüngeren Geschichte endlich korrekt umgeht, spenden will:“

Das „neue Österreich“: Renovierung von Grabsteinen.

Auch ein „neues Österreich“ kann es aber nur mit einem „neuen Verein“ geben:

„Jetzt möchte der neue Verein, bei dem sich auch Dutzende Prominente engagieren, die Renovierung aller bedeutenden Grabsteine beschleunigen. „Günther Havranek […]“

Und menschgemäß ist, schreibt löblich seine Zeitung, auch Christoph Dichand dabei. Keine Zeitung in Österreich steht wohl mehr für ein „neues Österreich“ als die seinige …

Wurde je der zurzeitige Bundeskanzler an den Gräbern der Menschen gesehen, die noch keinen Grabstein oder vielleicht auch nie einen haben werden, sondern nur ein Holzkreuz, das rasch verwittert, weil sie nicht weit zurück in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart ermordet wurden, gesehen? Verkündet er je: „Natürlich helfe ich hier sehr gerne“? An den Orten der Pogrome? Ist er an diesen Gedenkstätten der Grauslichkeiten der Gegenwart je gesehen worden?

Oder einer oder eine aus der Medienfamilie Dichand?

Was beantwortet werden kann, ist, es wird gewußt, wie über die Menschen, die heute Pogromen und Mord ausgesetzt sind, nach wie vor geschrieben wird, auch in Österreich.

Es wird deren Beschäftigung, die keine leichte ist, vorgeschoben, um gegen diese Menschen zu wettern, sie zu punzieren, zu verfolgen.

Im löblichen Bericht heißt es auch:

„Die Grabsteine der jüdischen Wiener verfallen, ein neuer Verein will diese Denkmäler retten. Hilfe kommt vom Kanzler – und hoffentlich von vielen Österreichern.“

„Der Wiener Steuerberater, der jahrzehntelang für die Aktion ‚Rettet den Stephansdom‘ erfolgreich tätig war und den Bau des neuen ‚TierQuartiers‘ initiiert hatte, zeigte […]“

„Eine untergegangene Welt“: so ist der löbliche Bericht überschrieben. Wie lyrisch. Weniger lyrisch pocht nach wie vor das goldene Herz in dieser Bezirkshauptmannschaft des niedertrachtigen Gehorsams, es pocht für die Quader der Vergangenheit und es pocht für das Tier, wenn es ein Hündchen oder ein Kätzchen oder ein Pferdchen …

Jüdische Menschen werden von der zurzeitigen Regierung instrumentalisiert, im Grunde aber schon länger, seit erkannt wurde, gewinnbringender ist es, sie nicht als „Sündenböcke“ einzusetzen, sondern sie zu verwenden, um neue „Sündenböcke“ zu basteln.

Sie, auch sie, zu Verbündeten zu machen gegen …

Jüdische Menschen werden vom zurzeitigen Bundeskanzler als Alibi mißbraucht, um zu zeigen, er habe aus der Geschichte gelernt, er habe mit der Vergangenheit nichts zu tun, während er bloß von Vergangenheit umgeben ist, zu der er stillhält wie jene, die sich dafür nicht mit Macht entlohnen lassen.

Und wie offensichtlich es ist, daß jüdische Menschen von der zurzeitigen Regierung und vor allem von dem zurzeitigen Bundeskanzler als Alibi mißbraucht werden, instrumentalisiert werden, ist allein schon zu daran zu ermessen, wenn der Innenminister eine Frage stellt, die aus der Vergangenheit her gar grausam bekannt ist und für einen weiteren Innenminister einer „Paragraphe gestaltet“, dessen Lebensinhalt Waffen und die Diffamierung der Menschen ist, deren Vorfahren …

… und sein zurzeitiger Vizekanzler die Gültigkeit von „Ehre, Freiheit, Vaterland“ in 18 erneuert und sein Bekenntnis zu Franz Dinghofer ehrend ablegt, dessen geplantes Symposium in 08-11-18 nun doch einmal …

Jüdische Menschen in Österreich, wie etwa die zwei Herren, die sich von dem zurzeitigen Bundeskanzler auf dem Friedhof als Alibis vorführen ließen, sollten bedenken, die „Hinwendung“ ist bloß den Zeitläuften geschuldet … würden den „neuen Sündenböcken“ statt Antisemitismus ein anderer Ismus pauschal zwar, aber doch irgendwie aus der Sicht der zurzeitigen Regierung begründet … dann würde der zurzeitige Bundeskanzler woanders hingehen, andere Reden halten …

Und Georg Havranek würde wohl einen anderen Verein gründen, bei dem sich Dutzende Prominente engagieren würden, aber nicht für Vergangenheitsquader, sondern für heute lebende Menschen, deren Vorfahren im Holocaust …

Wie es Menschen ergeht, die zuerst als Verbündete gewonnen werden wollen, aber sich nicht als Verbündete einspannen lassen, davon erzählt die uralte Geschichte eines Mannes, der jüdische Menschen als Verbündete ebenfalls als Verbündete haben wollte, eindrücklich, es werden ihm die Umworbenen „Sündenböcke“, die zu punzieren, zu verfolgen und schließlich im Holocaust …

Und zu diesem löblichen Bericht des Dichands, geschrieben von dem aus einem Kapitel her schon bekannten Richard Schmitt, paßt recht der Artikel „Doppeltes Spiel …“ aus einer Zeitung aus Ungarn, wie die Parteien der Innenminister sogar in Ungarn gesehen werden …

Doch in Hinterzimmern schmiedet Orbán längst eine Koalition der Europa-Zerstörer mit Italiens faschistischem Innenminister Salvini ‚mein Held‘ als Zugpferd.

Er war einer derjenigen, die Salvini mit den ‚hochrangigen Personen‘ meinte, die ihm zu dem Schritt geraten hätten, der zu nichts weniger führen soll als zu einem ‚Umsturz in Brüssel‘, damit die ‚einwanderungsfreundlichen Kräfte ihre Mehrheit verlieren‘. Nur dann, so Orbán, wäre Europa wieder demokratisch. Also mit Eisernen Vorhängen, Deportierungen, Konzentrationslagern und der Aberkennung der Grund- und Menschenrechte für ‚Kulturfremde‘.

Kanzler Sebastian Kurz bei seinem Besuch in Währing: „Ein gewaltiger Kulturschatz.“

Seiner Ansicht nach habe er zwei wichtige Schlachten gewonnen, einmal sei die Idee, dass Frontex oder sonstige ‚auswärtige Strukturen‘ den ungarischen Grenzschutz übernehmen, vom Tisch (wo kämen wir da hin, wenn EU-Kräfte internationale Standards einhielten) und der turnusmäßige EU-Ratspräsident Sebastian Kurz, ein Bruder Orbáns im Geiste und Chef einer Koalitionsregierung mit der rechtsextremen FPÖ, habe außerdem einen ‚akzeptablen Vorschlag‘ hinsichtlich des Umgangs mit den vorhandenen Asylbewerbern in der Union vorgelegt.“

Doppeltes Spiel -

3 Gedanken zu „„Höchste Zeit, Verantwortung zu zeigen“

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