Löbau

Es ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel, die Frage, was bleibt von einem Menschen, wenn er —

Von G. G. könnte es seine herausgestreckte Zunge sein, wenn er einst — würde gewußt werden, wie alt er ist — in vier, in fünf, in sechs Jahrzehnten, aber in vier, in fünf, in sechs Jahrzehnten wird kein Mensch mehr erinnern, daß einer im Februar ’25 die Zunge rausstreckte, in Löbau, und G. G. selbst wird sich wohl auch nicht mehr erinnern können, auch wenn es in einer für ihn selbst tiefwichtig empfundenen Zeit geschah,

als er versuchte, seine kleine Zunge so recht rauszustrecken, in Löbau, in vier, fünf, sechs Jahrzehnten wird er sich, schon lange wieder zahnlos, erinnern, wie es eben im Greisenalter wird, was es war, an seine ersten Zähne, die er bekam, als diese ihn, besonders wenn er auf dem Topf saß und recht fest drückte, schmerzten, wenn er in vier, fünf, sechs Jahrzehnten wieder auf einer Leibschüssel liegen wird, Windeln tragen wird, vielleicht darüber verwundert sein wird, daß ihn beim recht festen Drücken, falls er es noch erinnert, recht fest drücken zu müssen, kein werdender Zahn schmerzt.

Villach, United Arab Emirates – „Never tell just one story, otherwise the canoe will capsize.“

Villach, Vereinigte Arabische Emirate

Sartre ist der einzige, der versucht, uns diesen Täter als modernen Bürger näherzubringen, als einen Menschen des 20. Jahrhunderts, der sich seiner Umgebung entfremdet fühlt, ein kleiner Angestellter, der uns sogleich an Kafkas Helden in der Parabel Vor dem Gesetz denken lässt. In Sartres Erzählung sagt Paul Hilbert von sich, er renne seit dreiundreißig Jahren gegen verschlossene Türen, über denen die Wort stehen „Eintritt nur für Menschenfreunde“. So habe er sich entscheiden müssen: Sein Versuch sei entweder widersinnig bzw. von vorneherein zum Scheitern verurteilt, oder er gereiche den Menschen zum Vorteil und sie würden davor irgendwann in Verehrung niederknien. Sartres Held ergibt sich in seine Resignation und flüchtet sich in das Morden, ganz im Gegensatz zu Kafkas Held, einem „Mann vom Land“, den der Türhüter vor dem „Gesetz“ nicht davon abbringt, seinen Versuch Tag um Tag und Jahr um Jahr, sein ganzes Leben lang zu wiederholen, als wäre er Sisyphos, der seinen Felsblock den Berg hinaufwälzt.

Und die Attentäter von Paris? Haben sie Sartres Helden gekannt, ja, haben sie überhaupt Sartre gelesen? Ich weiß es nicht, aber so, wie sie keine Kenntnisse vom Islam hatten, in dessen Namen sie ihr Blutbad verübten, dürften sie weder den griechisch-hellenistischen Herostratos noch dessen Pariser Wiedergänger, den Helden Sartres, gekannt haben. Denn dies haben die meisten von denen, die als „Dschihadisten“ bezeichnet werden, gemeinsam, nämlich dass ihnen alles fehlt, was irgendeine Beziehung zu islamischer Bildung hat, zu allen guten Formen der religiösen Unterweisung. Ja, im Gegenteil: Ihre eigenen Kommuniqués und alle Statistiken deuten darauf hin, dass Gläubigkeit und die Bereitschaft, Terrorakte zu begehen, sich eher ausschließen. Die meisten dieser neuen Terroristen haben nie Moscheen besucht, und wenn sie es doch getan haben, dann in einer späten und nur kurz währenden Phase ihres Lebens. Ihren Dschihad haben sie aus dem Internet oder aus dem Gefängnis, wo die meisten von ihnen wegen Vergehen eingesessen haben, die nichts mit Religion zu tun haben, wegen Diebstahl,Raub, Drogenhandel und Gewalttaten etwa. Diesselben Statistiken besagen, dass jeder vierte Franzose, den der IS rekrutiert, erst vor kurzem zum Islam konvertiert ist. Dies sind Kinder unserer Zeit, oder, im Fall von Paris, Kinder der Ghettos, die die französische Politik hervorgebracht hat, der Staatsapparat, ob unter einer Regierung der Rechten oder der Linken. Es sind Kinder unserer Zeit, die sich jahrelang mit der Suche nach einer Antwort auf Fragen ihrer eigenen Identität gequält haben, einer Antwort auf die Frage „Wer sind wir?“, jener Frage, die seit frühester Kindheit in ihren Köpfen herumspukte. So dass es nur eine Frage der Jahre ist, bis jeder von ihnen den Schritten Herostrats folgt, und jene vergiftete Saat aufgeht, die er uns hinterlassen hat und die bis heute unverändert auf der ganzen Welt ausgesät wird. Stolz, Intelligenz, Glamour, Glitzern, Aufmerksamkeit, alles, was mit den Blicken, die man auf sich ziehen möchte, in Verbindung steht — das ist es, was die jungen Leute suchen, unwichtig, welcher Ethnie sie angehören oder wo sie leben, welche Hautfarbe sie haben, welche Nationalität oder Religion.

Worauf es ankommt, ist, dass sie etwas finden, was die Blicke auf sie lenkt, was sie Stolz empfinden lässt, das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Jedes Zeitalter und jeder Ort hat diesbezüglich seine eigenen Antworten, ein stadtbekannter Steinewerfer, seinerzeit bekennender Radikaler, mag später zum weltweit geachteten Außenminister der „Großmacht“ Deutschland werden, ein anderer junger Mann mag nach Südamerika gehen, um mit Che Guevara in den Urwäldern Boliviens im Guerillakrieg zu kämpfen, der Franzose Régis Debray nämlich, der später zum Berater französischer Präsidenten im Elysée-Palast geworden ist, der aus dem Urwald und den Bergen, von den Gewehren und Schreien der Revolutionäre zum Schreibtischjob fand, zu einem der vielen Schräubchen im Apparat der Macht wurde, ein Sklave der Routine. Unwichtig, was dieser oder jener in seienr Jugend getan hat, es geht immer um die Suche nach eienr Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“

Im Falle der heutigen Dschihadisten, der Täter von Paris, die aus den Bidonvilles kommen, den französischen oder belgischen, ist die Frage noch gewichtiger. Dem Pass nach sind sie Franzosen oder Belgier — aber in Wirklichkeit? Sie zählen nicht, sind ein vernachlässigstes Ärgernis, sie sehen die politische Heuchelei, sie werden unter dem Vorwand zur Isolation verurteilt, dass sie sich niciht in die Gesellschaft integrieren, in der sie leben, und vor allem sehen sie, wie die Politik des Staates, der sie im Namen ihrer Religion ausgrenzt, Milliardengeschäfte abschließt und die Türen der Moscheen jenen Staaten öffnet, die den religiösen Extremismus zu Ihrer Ideologie erhoben haben, wie etwa die Golfstaaten.

Ihre eigenen Väter aber, die Muslime sind und für die ihre Religion immer eine Privatangelegenheit gewesen ist, sind in ihren Augen unterwürfige Feiglinge, die sich dem Staat ergeben haben, Duckmäuser. Diese Kinder scharen sich um ihre Väter, suchen vergeblich bei den eigenen Eltern nach Vorbildern für Stolz und Helligkeit, doch da ist nichts, gähnende Leere, Unterwürfigkeit und Arbeitslosigkeit, also bleibt nichts als der Wunsch nach einem Bruch und nach Ersatz. Auch was die Arbeit angeht, so sind sie es überdrüssig, getadelt und kritisiert zu werden. Nichts bringt Freude in ihr Leben, kein Licht erstrahlt vor ihnen am Horizont. Sie sind Kinder unserer Zeit, die, wenn sie an die Türen des „Gesetzes“ klopften, von dem Wächter des Gesetzes vielleicht am Zutritt gehindert würden, so wie Kafkas Held der Eingang verweigert wird. Oder sie rennen vergebens gegen die verschlossenen Türen, über den die Worte „Eintritt nur für Menschenfreunde“ stehen, weil die Wächter dieser Türen in ihnen Fremde sehen, die nichts mit der Menschheit verbindet. Oder sie verlieren ihren Job, werden entlassen, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen, wie ihre Väter sich in das ihre gefügt haben, oder nach einem Ersatz zu suchen, nach Trost, den sie sich selbst bescheren, der Emigration vielleicht, oder aber zu bleiben und es Herostrat nachzutun. Doch während Sartres Held einen Revolver mit sechs Kugeln bei sich trug, rüsten sie sich mit Maschinengewehren, mit Handgranaten und Sprengstoff. Denn immerhin sind sie Söhne unserer Zeit, und die Gegenwart besagt nun einmal, dass wir in einer aufgerüsteten Welt voller hochtechnisierter Waffen leben.

„Never tell just one story, otherwise the canoe will capsize.“ Und so wird den Geschichten zugehört, die Najem Wali in „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ erzählt, und für heute soll es mit der Geschichte über die „Kinder unserer Zeit“ genug sein …

Es werden aber noch Geschichten zu lesen sein müssen, zu sehr wird, wenn so viele nun von Villach erzählen, nur eine Geschichte gebracht —

„Auf1“ ruft „Auf, Polizei“

Der Chef ist in diesem Februar in seinem ’25 bei einer Strippe — es muß sogleich hinzugefügt werden, daß nicht gewußt wird, ob dieser Mann

sich selbst ebenfalls als Strippe versteht, wie die sich als Strippen des Chefs verstehenden Mannen –, in ihrer meiernden Fernsehvereinsanstalt, zu anal-ysieren …

Die Anal-yse mag gesinnungsgemäß für den Chef von größter Tiefe aller Zeiten sein, und auch für den Mann, dem erst im letzten Jahr seine Großmutter im Gesinnungsgeiste abhanden kam, dessen Anstalt des Fernsehens „AUF1“ benannt ist, aber sie, die Anal-yse, vermag nicht dermaßen zu fesseln, um sich ihr zu widmen, sie läßt dazu abschweifen, zu fragen, ob es zwischen „AUF1“ und „AUF“ Funksprüche gibt, und was für Funksprüche es sein könnten, wenn „AUF“ ruft „AUF1“ oder „AUF1“ „AUF“ —

Von einem Funkspruch durfte, kurz ist es her, erfahren werden, eine den Chefkleidungsstil nachahmende Strippe funkte einen Videospruch „Alles Remigration“ vom „Alles-Walzer“-Polizeiball

Von der „AUF“ werden sich wohl auch einige oder vielleicht sogar nicht wenige diese rauschende Nacht nicht entgehen lassen haben,

vielleicht auch heute Ehemalige, von denen nicht gewußt und nicht mehr nachgeforscht werden will, was aus ihnen geworden ist, wo sie nun ihre „Auf-Kameradschaft“ —

„IMMER TREU“

Es hat sich nun A. W. beim Bergmenschen im österreichischen Parlament bedankt, nicht dafür, wählen zu gehen, sondern W.s Partei der Treue und Ehre zu wählen, und das ist gesinnungsgemäß nur folgerichtig, ist doch des Bergmenschen Parlamentspartei Koppelspruch — auf wie vielen Äckern wohl schon Plakate mit diesem Spruch stehen? –:

„IMMER TREU“.

Und treu sind sie einander, spricht doch die eine patriotische Partei aus Deutschland, was die patrotische Partei aus Österreich spricht, als wären sie eine und sind eine einzige Partei, die eine aus Deutschland spricht nach, was die aus Österreich vorspricht, so recht vieles, zu viel, um alles zu wiederholen,

ein Beispiel dafür genügt: treu spricht einer aus W.s Partei des Bergmenschen Freispruch für Angehörige der Organisation, die gegründet und deren Wesen, das kein Geheimnis war oder nur ein Geheimnis für jene, die im Nachhinein noch es als Geheimnis sehen wollen, einzig der Massenmord und die Massenverbrechen, nach, und diese Treue durch die Zeiten ist ihm ehrenreich eine Verpflichtung, aufzurufen zur Wahl der patriotischen Partei

Am kommenden Sonntag AfD wählen – denn „wer einer guten Zukunft im Geiste eines gesunden Patriotismus den Weg bereiten will, der reißt die undemokratische Brandmauer ein!“ Danke @H[…]_K[…] für den Wahlaufruf aus Österreich!

der A. W.

Sie mit ihrem Spruch „IMMER TREU“ auf der Koppel sprechen ein Deutsch,

das in das Deutsche übersetzt werden muß, um ihr Deutsch zu verstehen. So könnte die Übersetzung des Gesagten von W. und Bergmenschen lauten:

Am kommenden Sonntag A wählen – denn wer einer putrimpischen Zukunft im Geiste eines Ehrenpatriotismus den Weg bereiten will, der reißt die Demokratie.

Die „Zukunft“, von der sie sprechen, ach, wie viele wollen es als Heilsversprechen mißverstehen, Zukunft, ein Wort, in das Menschen ihre Hoffnung setzen, es werde für alle besser werden, doch es ist nur ein Wort, das eine Zeit benennt, die weder Gegenwart noch Vergangenheit ist, aber wer in die Vergangenheit blickt, weiß, daß deren Zukunft in diesem Sinne keine Zukunft ist, sondern —

Mises Zukunft, auch von und besonders

von Männern propagandiert, von denen gemeint werden will, u. a. in der Berichterstattung, sie marschierten in anderen Reihen ebenso für eine verheißungsvolle Zukunft …

Aber es ist keine Zukunft im Sinne des Besserwerdens, sondern nur eines soll werden, eine Zeit, die im Sinne des Besserwerdens nicht Zukunft genannt werden kann, aus zwei Namen, die jetzt noch unvergänglich erscheinen, zusammengesetzt ist: Putrimp.

Und welche zwei Namen dies sind, ist nicht schwer erkennen, die zwei Namen, die A. W. und der Bergmensch heiß ersehnen von der Vorsehung …

„Never tell just one story or the canoe will capsize“

Villach, Syrien

All dies ereignete sich vor über zweihundert Jahren und geschieht in noch abscheulicherer und hässlilcherer Form bis heute, und zwar begleitet vom Schweigen des Westens, um nicht zu sagen, mit dem devoten Einverständnis des Westens, welcher der Familie Al Sa’ud freie Hand lässt, nach eigenem Gutdünken zu herrschen. Denn wir sollten nicht vergessen, dass dieses Königreich der Finsternis bis heute fest auf seinem Thron sitzt, vor allem dank der Engländer, die Abd al-Aziz ibn Sa’ud als Gegenleistung für seine Unterstützung gegen die Osmanen im Ersten Weltkrieg dabei behilflich waren, den Hedschas einzunehmen, der höher entwickelt war als der Nadschd und sich vergeblich gegen den Vormarsch der islamisierten Beduinen unter Führung Ibn Sa’ud mit tätiger britischer Unterstützung 1932 schließlich zum König über fast die gesamte arabische Halbinsel und konnte sich obendrein noch mit dem Titel „Hüter der beiden heiligen Stätten“ Mekka und Medina schmücken. Seither hat sich das saudische Königreich nur noch weiter ausgedehnt, hat aggressiv expandiert und gemordet, lässt Köpfe abschlagen, wann immer und wo immer es ihm gefällt. Dies muss immer wieder betont werden, wenn es um den heutigen Terror und um sein Verhältnis zum saudischen Königreich geht.

Und ebenso unumgänglich ist es, die Vorzeichen zu erkennen: Die mit Petrodollars gefütterte wahhabitische Katastrophe wird sich für alle noch zum Sturm auswachsen. Wer im Westen glaubt, er müsse nichts unternehmen, um ihr entgegenzutreten, wer meint, immer noch in Sicherheit vor ihr zu sein, erinnert an den Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt. Es lassen sich wohl keine klareren Worte finden als jene des verfolgten Schriftstellers Salman Rushdie. Als man ihn nach den Gründen für das Aufkommen des radikalen Islams in der Welt fragte, antwortete der Autor des Romans Mitternachtskinder unlängst: „Kurz gesagt: Öl.“

Najem Wali erzählt in seinem Buch „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ mehr als eine Geschichte, er erzählt auch die vom „spanischen Bürgerkrieg“, auch die von der „Fremdenlegion“, auch die von der „französischen Revolution“, die vom „Terror in seiner pragmatischen Form, oder: Der Staat als Schirmherr der Bigotterie und Pate des Mordens“, die vom „Töten aus persönlichen Gründen oder aus Überzeugung?“, die „Ohne politische Motive? Ohne religiöse Beweggründe? Aber was ist mit dem Fanatismus? Und mit dem heiligen Krieg?“, die vom „Töten als Gewerbe“, die „Über das Morden ohne Gott, oder: Wenn es Gott nicht gäbe, wäre alles erlaubt“, die vom „Zurück zu den Ursprüngen des Terrors: westwärts und ostwärts“, die alle eines gemein haben, das Morden, den Terror, der verurteilt wird, und den Terror, der freigesprochen wird, mehr, den Terror, der niemals angeklagt wird, den Terror, dem Akzeptanz und Ehre zuteil wird.

Und angesichts des offenbaren Unverständnisses des Journalisten fügte Rushdie erklärend hinzu: „Die Saudis folgen dem Wahhabi-Kult. Niemand in der islamischen Welt interessierte sich für diese kleine Splittergruppe. Aber die Saudis haben mit dem Ölgeld sehr gezielt den Wahhabismus in der islamischen Welt propagiert. Damit begann der große Ärger und Konflikt.“ Als der Interviewer nachfragte, ob die Erklärung tatsächlich so einfach sei, erläuterte Rushdie weiter: „Es war das Geld der Saudis, mit dem die Koranschulen finanziert wurden, in denen die Taliban an der Grenze zu Pakistan und Afghanistan ausgebildet wurden. Mullahs wurden mit dem Geld der Saudis trainiert, um den sehr strikten Islam in der ganzen Welt zu verbreiten.“ Auf die Frage, wie das denn konkret ausgesehen habe, liefert Rushdie ein persönliches Beispiel: „Meine Familie stammt aus Kaschmir. Dort war die vorherrschende Religion der Sufi-Islam, eine milde, offene Form des Islam. Es gab alle möglichen Überlappungen zwischen Islam und Hinduismus. Überall standen kleine Schreine, in denen Sufi-Heilige verehrt wurden. Der Islam ist eine monotheistische Religion, aber trotzdem wurden Heilige verehrt. Sogar Lastwarenfahrer, die Hindus sind, hielten an und legten ihre Opergaben dort ab. Es gab keine Konflikte. Heute erlebt die Region eine ‚Arabisierung‘. Früher sagte man zum Abschied: ‚Gott sei mit dir!‘. Es konnte also jeder Gott gemeint sein. Heute sagt man ‚Allah sei mit dir!‘ Es gibt nur noch einen Gott, keinen anderen.“

Interessant zu erfahren wäre, was Salman Rushdie wohl sagen würde, wüsste er, dass die gezielte wahhabitische Propaganda und ihre fetten Verheißungen einen Dichter wie den Syrer Adonis umgarnt haben — von dem bis dahin angenommen wurde, es handle sich um einen gereiften, modernen Lyriker — und ihn bewegen konnten, zusammen mit seiner Frau ein Buch über Scheich Ibn Abd al-Wahhab zu schreiben, den Gründer dieses erzreaktionären, doktrinären Islam. Das ist umso dramatischer angesichts der Tatsache, dass Adonis dies nicht etwa in jugendlichem Überschwang tat — wie damals, als er im Alter von 19 bis 24 Jahren Mitglied in der Syrischen Sozial-Nationalsozialistischen Partei (SSNP) war, einer extrem nationalistischen Partei, die in ihrer Organisationsform und Ideologie den faschistischen europäischen Parteien der dreißiger Jahre entsprach und deren bis heute verwendetes Symbol dem nationalsozialistischen Hakenkreuz nachempfunden ist. Nein, als er 1983 sein Buch über den Gründer der wahhabitischen Bewegung schrieb, war Adonis bereits dreiundfünfzig, in einem Alter mithin, in dem er schon reichlich Erkenntnisse gesammelt und Erfahrungen gemacht hatte, persönliche wie allgemein menschliche, sodass man eigentlich hätte erwarten können, er würde in allem, was er sagte oder schrieb, mehr Verantwortungsbewusstsein an den Tag lebwen. Diwan der Erneuerung des Scheichs Ibn Abd al-Wahhab, so lautet der Titel des Buches, dessen Ziel, wie es im Vorwort heißt, „eine Bestandsaufnahme der geistigen und literariaschen Erträge des Ibn Abd al-Wahhab und ihre Darstellung unter neuem Blickwinkel und in neuer Bewertung … usw., usw.“ sei. In diesem Werk wird sogar die Einschätzung vertreten, der Gründer des Wahhabismus sei Teil der arabischen Nahda-Bewegung gewesen, welche die Grundwerte des Islam mit der Moderne zu verbinden suchte. Und so fragt man sich erstaunt, wie Adonis den salafistischen, rückwärtsgewandten Imam Muhammad ibn Abd Al-Wahhab zu diesen reformatorischen Neuerern zählen kannn, da es doch eben dieser Mann war, der die Musik verbot, der die Verschleierung von Frauen verordnete und ihre Steinigung erlaubte, der unzählige positive Rechtsgutachten zu reaktionären Praktiken erließ. Oder sollten Dinge wie Rückschrittlichkeit und Morden ein Synonym für Erneuerung und Modernisierung geworden sein? (Und um unser Erstaunen vollständig zu machen, sei daran erinnert, dass dieser „zeitgenössische“ Dichter im Jahr 2015 den Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück verliehen bekommen hat, wie es heißt „für sein Eintreten für eine Trennung von Religion und Staaat“, ungeachtet der Tatsache, dass seine Elogen auf einen salafistischen Scheich gegen jeden Staat und jede Religion gerichtet sind!) Aber warum dieses Erstaunen, da uns Salman Rushdie doch berichtet, das saudische Geld habe es sogar bis nach Kaschmir geschafft?
[…]
Die Propagandamaschine des Wahhabismus weiß dies nur zu genau, sie konzentriert seit Jahrzehnten ihre Aktivitäten auf eben solche jungen Männer, weiß, wo solche Anfälligkeit gedeiht, in den Untiefen eben dieser sozialen Verwüstung. Und dank der saudischen Petrodollars und mit Unterstützung des Westens, auf die man zählen kann, verbreitet der Wahhabismus frei und ungehindert seine gefährlichen Pestilenzen, errichtet an jedem Ort auf der Welt, an dem er will, prachtvolle Moscheen, vollkommen unverhohen finanziert mit saudischem Geld, in allen europäischen Metropolen, in Hamburg, Antwerpen und Brüssel, in Paris und Madrid, London, Bonn und anderswo, zumeist in den Außenbezirken wie etwa im Brüsseler „Problemviertel“ Molenbeek. In diesen saudischen Moscheen predigen junge Imame, die in Saudi-Arabien ausgebildet worden und auf die Gehirnwäsche der Gläubigen spezialisiert sind, sie pflanzen deren Verstand den vergifteten salafistischen Samen ein, und dies alles unter den Augen und Ohren der Behörden vor Ort. Und wenn wir noch einen Augenblick in Belgien verweilen, sollte man wissen, dass saudisches Geld inzwischen die Hälfte der Anteile am Hafen von Antwerpen hält, und dies, obgleich eine Koalition unter Führung der „Neuen Flämischen Allianz“, einer stramm rechts-nationalistischen Partei, die dortigen Stadtgeschäfte führt. Doch diese Partei mag zwar an der Macht sien, aber was wirklich regiert, ist das Geld, denn Geld ist erst einmal nur Geld, auch wenn es sich um saudisch-wahhabitisches Geld handelt. Wer das bestreitet, der verleugnet, wie der rückwärtsgewandte Wahhabismus in Europa mit tätiger Mithilfe der Behörden sein Unwesen treibt.

Wie wir gesehen haben, hat sich sogar der syrische Dichter Adonis im reifen Alter von dreiundfünfzig JAhren von der wahhabitischen Propagandamaschine einspannen lassen und ein Buch über Scheich Muhammad ibn Abd Al-Wahhab verfasst, in dem er diesen als reformatorischen Denker und einen der Vorreiter der arabischen Renaissance beschreibt. Man sollte allerdings wissen, dass Adonis‘ Buch auf dem Höhepunkt des saudischen Feldzugs erschien, den die as-Sahwat, eine einflussreiche Gruppe islamischer Gelehrter, zur Unterstützung der Aufständischen in Afghanistan zur Bewaffnung der sogenannten afghanischen Araber initiiert hat. Wenn dem so ist, wie sollen dann ungebildete junge Männer, von denen die Mehrzahl kaum mehr als die Grundschule besucht hat, wie sollen diese „Versager“, die am Rande der Gesellschaft leben oder mit dieser im Konflikt liegen, junge Männer, die Gefangene der eigenen Triebe sind, wie sollen sie nicht in die Falle der wahhabitischen, rückwärtsgewandten Propaganda gehen, zumal diese Falle fett bestückt ist? Tausende solcher jungen Männer ohne Erfahrung, solcher resignierten „Desperados“, haben sich verführen lassen von der wahhabitischen Idee eines Dschihad im Namen Allahs gegen […]

„Erzähle nie nur eine Geschichte, sonst kentert das Kanu.“

Villach, Iraq

Vor zweieinhalb Jahren, im Frühjahr 2014 also, sprengten sich in der irakischen Hauptstadt Bagdad vier Selbstmordattentäter in die Luft. Die Überraschung, mit der die Medien noch am selben Tag aufzuwarten hatten, war aber, dass die vier, alle zwischen Anfang und Mitte zwanzig, aus Deutschland stammten und deutsche Staatsbürger waren. Und mehr noch: Sie waren nicht bloß im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft, sondern hatten sogar deutsche Väter und Mütter, sie waren mithin — einer später erfolgten Klassifizierung nach — „biologische“ Deutsche ohne „Migrationshintergrund“, so die in offiziellen Verlautbarungen und von Experten (oh ja, so viele Experten gibt es heutzutage!) derzeit benutzte Bezeichnung für Kinder von Zuwanderern.
Das war der Zeitpunkt, zu dem eine ganze Reihe von Menschen im Irak von Verwunderung erfasst wurden, unter ihnen auch meine Schwester, die in einem der Außenbezirke von Bagdad wohnt. Wie sollte sie, die drei Kinder hat, von denen das älteste in diesem Jahr an die Universität gekommen ist, und die davon träumt, ihren Kindern ein Studium in Europa zu ermöglichen — wie sollte sie auch verstehen können, dass dieses Europa, das für sie immer ein Leuchtturm des Wissens und der Aufgeklärtheit war, vier junge Selbstmordattentäter losgeschickt hat, um mit ihren Autobomben eine möglichst große Anzahl von Irakern zu töten? Und dies nur aufgrund der schiitischen Glaubensrichtung dieser Menschen?
[…]
Was damals passiert ist, war nur die Ouvertüre zu dem, was schon bald traurige Alltätglichkeit werden würde. Denn seit dem 9. Juni 2014, dem Tag, an dem der IS die Stadt Mossul erobert und etwas errichtet hat, was am 29. Juni fälschlich als Kalifat des „Islamischen Staates“ bezeichnet wird, mit einem ihrer Führer, dem Iraker Ibrahim Awwad Samirani, besser bekannt als Abu Bakr al-Bagdadi, als selbst ernannten Kalifen, ist der Anblick „biologisch“ ausländischer Selbstmordattentäter ein vertrauter geworden. Parallel zur Einwanderung hunderter junger Männer und Frauen aus muslimischen Familien kamen damals dutzende junge Männer und Frauen europäischer Herkunft ins Land, um gegen die „Ungläubigen“ zu kämpfen und diese zu töten, junge Männer und Frauen, von denen enige erst kurz vor ihrer Reise zum Islam gefunden hatten, andere noch nicht einmal genug Zeit gehabt hatten, das fünfmal am Tag zu verrichtende Gebet zu erlernen — eine der fünf Säulen des Islam, deren Befolgung verpflichtend für jeden Muslim ist. Ja, die meisten dieser „internationalen“ Gotteskrieger dürften in ihrem Leben noch nicht einmal in einer Moschee gewesen sein und ihr Wissen über den Islam haben sie nur aus dem Internet bezogen.
In den zwei Jahren, die seit der Eroberung Mossuls durch den IS vergangen sind, ist die Zahl der europäischen Terroristen angewachsen und mit ihr die der Terroranschläge, es scheint ein Wettstreit stattzufinden zwischen den Terroristen islamischer Herkunft und ihren „bio-europäischen“ Kameraden.
[…]
Eines müssen wir erkennen: Wir stehen vor einem Modell, das mit zwei konträren Phänomen aufzuwarten scheint, eine Wanderbewegung aus dem Norden, dem reichen Westeuropa, in die Kriegs- und Krisenregionen, und im Gegenzug eine Abwanderung aus den Krisenregionen, aus dem armen, verwüsteten und perspektivlosen Süden in Richtung Norden, in das reiche Europa. Oder wenn wir die Sprache der Religionen bemühen: eine Migration junger Frauen und Männer, die mehrheitlich christlich erzogen sind — wobei es keine Rolle spielt, ob sie tatsächlich christlicher oder muslimischer Herkunft sind, da in Europa das allgemeine Klima, die Schulen und die tagtäglichen sozialen Kontakte insgesamt christlich geprägt sind –, und auf der anderen Seite eine Abwanderung junger Frauen und Männer, die islamisch erzogen worden sind, wobei es auch hier unerheblich ist, ob es sich um Schiiten aus dem Irak uder Sunniten aus Syrien oder gar Christen oder Angehörige anderer religiöser MInderheiten handelt, da das allgemeine Klima, die Eriehung, die Schule, die Alltagskontakte, alles, was sich außerhalb des häuslichen Umfelds der Familie abspielt, einen islamischen Stempel trägt und sich die jeweiligen Lebenswirklichkeiten voneinander nur der Form nach unterscheiden. Die einen machen sich auf den Weg, um an Krieg und Morden teilzuhaben, und die anderen migrieren auf der Suche nach Arbeit und einem freien, sicheren Zufluchtsort.
[…]
Da mein Interesse in diesem Essay jenen gelten soll, die den Tod produzieren, und nicht jenen, die vor Tod, Hunger und Zerstörung fliehen, werden die nachfolgenden drei Abschnitte versuchen, den Terror selbst und seine mannigfaltigen Gesicher zu erforschen und zu untersuchen, seine Motive und seine Forderungen. Oder mit einem Wort: Wir werden eine Reise in den Kopf des Terrors unternehmen, sofern dieser Terror denn einen solchen hat, und dies gleichermaßen in der Literatur wie im wirklichen Leben.
[…]
Richtig ist, dass der Terror stets ein einziges Ergebnis zeitigt: den Tod. Doch es wäre falsch zu denken, dass wir eine Deutung des Terrors liefern könnten, ohne auf seine vielfältigen Gesicher zu sprechen zu kommen, auf seine verschiedenen Wesenszüge. Denn der Terror ist so alt wie die Menschheit, so vielfältig wie der Mensch und die Orte, an denen er lebt, und seine Gleichsetzung mit einer einzigen Seite, sei es dem Islam, dem Christentum oder dem Judentum, ist bloß eine Maske der Berichterstattung über den jeweils konkreten Terrorakt.
[…] „Erzähl nie nur eine Geschichte“, sonst kentert das Kanu“, lautet eine alte Indianerweisheit, überliefert von dem amerikanischen Schriftsteller und Weltenbürger Ernest Hemmingway […]
Wir hören von einem Terroranschlag und glauben, dies sei ein Ereignis, das uns zutiefst überraschen müsste, wir suchen nach einer Erklärung dafür, ohne daran zu denken, dass das, was sich soeben ereignet hat, nicht neu ist. Wir sehen das jetzige, sichtbare Gesicht des Terrors und wolle nicht in den Spiegel schauen, wollen nicht wissen, dass der Terror so alt wie der Mensch ist, dass er überall zu finden ist, dass seine Viren in der Luft schweben und es nur eine Frage der Zeit ist, bis er uns erreicht, uns treffen muss, da er uns umgibt wie unsere Atemluft. Und wenn wir den Kopf in den Sand stecken oder all jenen glauben, die nicht einen Tag ohne Geschrei auskommen — ich meine jenes Heer von Politikern und Experten, jene Könige des Pöbels und des Hasses, bei denen jedes Wort, das über ihre Lippen kommt, ein Samenkorn des Gifts ist –, dann erkennen wir nicht, dass die vergiftete Gefühllosigkeit, mit der sie ihre Parolen verbreiten, eine Ergänzung eben jenes Terrors ist, der wie ein Gespenst durch die Welt zieht und an unsere Türen klopft.
[…]
Andere wieder beruhigen sich, indem sie sagen, solange der Terror deutlich sichtbar ist und ein bekanntes Gesicht trägt — unserer Tage das des Islam –, muss man sich mit anderen Geschichten nicht befassen, sondern kann sich mit einer Geschichte begnügen.
Doch wir müssen uns an die alte Weisheit erinnern […] damit das Boot in uns nicht kentert. Denn im Versuch, von unserer Welt auch nur ein Bisschen zu retten, soll hier mehr als nur eine Geschichte des Terrors erzählt werden.

„Erzähl nie nur eine Geschichte, sonst kentert das Kanu.“

Allein diese „Weisheit“ wie eine Anleitung zum Umgang mit jedweder Geschichte und mehr noch zum Handeln für das Heute aus „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ von Najem Wali wäre des Erzählens Genüge getan. Es muß nichts dazu erzählt werden, Najem Wali erzählt genügend, und eben nicht nur eine Geschichte, an dessen Buch erinnert wurde, als von Villach, …

Als es am 18. November 2015, fünf Tage nach den Anschlägen von Paris und gleich nach der Verlautbarung der französischen Behörden, hieß, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, sei bei den Polizeirazzien im Pariser Vorort Saint-Denis geötet worden, fühlte ich mich stark an Herostrat erinnert. Doch nicht in erster Linie an den altgriechischen Brandstifter Herostratos, der im vierten Jahrhundert vor Christi lebte und durch die Zerstörung des Tempels von Ephesos, einer der sieben Weltwunder der Antike, zu unsterblicher Berühmtheit gelangen wollte, sondern ich musste unwillkürlich an jene Erzählung gleichen Titels des französischen Existenzialisten Jean-Paul Sartre denken […] handelt von Paul Hilbert, einem kleinen, unverheirateten Angestellten, der in einer Handelsfirma arbeitet und allein in einer Pariser Wohnung im 6. Stock […] Und genau an diesem Tag kommt Hilbert die Idee, auf die Straße zu gehen und wahllos auf Menschen zu schießen. […] Doch die Explosion wird nciht aus der Waffe kommen, sondern aus ihm — Paul Hilbert — selbst. Dieses neue Gefühl, das von ihm Besitz ergriffen hat, sagt ihm, dass er selbst „der Rasse der Revolver, der Granaten und Bomben“ angehört. „Ich selbst würde eines Tages, am Ende meines dunklen Lebens, explodieren und die Welt wie ein Magnesiumblitz mit einer heftigen und kurzen Flamme erhellen.“ […]
Die freie Zeit, die seine Beschäftigungslosigkeit ihm beschert, nutzt er, um einen Brief zu entwerfen, vom dem er hundertzwei Kopien anfertigt, die er an berühmte Autoren schickt, um sie darüber zu informieren, was er vorhat: „Sicher sind sie neugierig, nehme ich an, zu erfahren, wie ein Mensch so aussieht, der die Menschen nicht liebt. Nun — so einer bin ich, und ich liebe sie so wenig, dass ich sogleich ein halbes Dutzend von ihnen töten werde. Vielleicht werden Sie sich fragen: warum nur ein halbes Dutzend? Mein Revolver fasst nur sechds Patronen.“ Und auf die Frage, warum er dies tun wolle, antwortet Paul Hilbert, er könne die Menschen einfach nicht lieben. Und er hoffe, die anderen würden ihn verstehen, dennn schließlich habe er alles unternommen, um die Menschen zu lieben, sei aber in seinem Bemühen gescheitert. Die Zeitspanne, die ihm nohc bis zur Umsetzung seines Vorhabens bleibe, betrage nur mehr einen einzigen Tag, denn schon in den morgigen Zeitungen werde man lesen können, „dass ein gewisser Paul Hilbert in einem Tobsuchtsanfall fünf Passanten auf dem Boulevard Edgar-Quinet niedergeschossen hat“.
[…]
Nicht von ungefähr lässt Sartre seinen Helden in dem Bekennerschreiben, das er in hundertzwei Kopien an berühmte Autoren schickt, auf die Frage nach dem Motiv, die sich jedem stellen muss, der diesen Brief liest, antworten: „Eine Ungeheuerlichkeit, nicht wahr? Und zu alldem ein völlig unpolitischer Akt? Aber ich sage Ihnen, dass ich sie [die Menschen] nicht lieben kann. Ich verstehe Ihre Gefühle sehr gut. Aber das, was Sie an ihnen anzieht, ekelt mich an.“ Um dies noch deutlicher zu machen und um besser verstanden zu werden, liefert Hilbert ein Bild, einem Beleg für seinen Ekel vor den Menschen: „Wie Sie habe ich Menschen bedächtig und gleichgültig kauen sehen, indem sie gleichzeitig mit der linken Hand in einer Börsenzeitschrift blätterten.“ Und das lässt Sartre seinen Helden im Jahr 1939 sagen. Interessant wäre zu erfahren, was Paul Hilbert über die heutige Welt der Börse sagen würde, die es zum Beispiel in Deutschland geschafft hat, Einzug in alle Privathaushalte zu halten, indem sie sich satte fünf Minuten unmittelbar vor der Hauptnachrichtensendung um acht Uhr abends auf dem ersten Kanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gesichert hat. […]
Paul Hilbert auf jeden Fall ist bemüht, sein Verbrechen zu erklären, es von allem Politischen freizusprechen. Sein Brief unterscheidet sich nicht von jenen Kommuniqués, die wir zu sehen bekommen, nachdem Selbstmordattentäter ihre Taten verübt haben. Wobei es bedeutungslos ist, dass einige dieser „erklärenden Verlautbarungen“ in Form von Abschiedsvideos daherkommen, in denen ihre Urheber sich bemühen zu erklären, was sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos bereits begangen haben. Dabei suchen sie zumeist bei religiösen Floskeln Zuflucht, bei Koranversen im Fall der islamischen Selbstmordattentäter, von denen die allermeisten den Sinn des Zitierten nicht einmal verstehen und es lediglich nachplappern wie Papagaien. Aus diesem Grund ist es auch falsch, sie als „radikale Islamisten“ zu etikettieren. Denn was diese Menschen in Wahrheit tun, ist, ihrem eigenen Nihilismus eine islamische Bedeutung zu verleihen. Es sind „islamische Nihilisten“ und keine „nihilistischen Islamisten“, ja, sie müssen als „muslimische Mörder“ und nicht als „mörderische Muslime“ bezeichnet werden. (Ähnlich werden Amerikaner oder auch Deutsche, die ein Blutbad anrichten, gern als „Amokläufer“ bezeichnet. Und ist es tatsächlich notwendig, die zumeist rassistische Begründung ihrer Tat zu erfahren? Einer Tat, bei der es sich zumeist nicht um eine „Einzeltat“ handelt, die Ausdruck einer seelischen Störung oder Geisteskrankheit wäre, wie uns die offiziellen Verlautbarungen in der Regel weismachen wollen.)

„Welcher südamerikanische Staatspräsident ist studierter Ökonom und u. a. Anhänger der sogenannten österreichischen Schule?“ – „Milei“

Das ist am 16. Februar 2025 Frage und Antwort in der Radiosendung „Gehört. Gewußt. Das Ö1 Quiz“ —

Eine Frage, bei der es einem patriotischen Herzen warm im Gehirn werden muß, ein „Staatspräsident“, der „Anhänger der österreichischen Schule“ ist — Was für einen Weltruf Österreich auf diesem Planeten doch oder noch immer oder wieder hat, wenn sogar ein „Staatspräsident“, der darüber hinaus auch noch ein „studierter Ökonom“ ist, also einer, der vom Fach ist und von daher kompetent wissen muß, wessen „Anhänger“ er ist.

So recht gut funktioniert in Österreich inzwischen schon die propagandierte „österreichische Schule“, daß sofort die richtige Antwort auch an einem Nachmittag eines Sonntages gewußt wird.

Wie harmlos eine Frage daherkommen kann, wie harmlos eine Antwort ausfallen kann, und ist doch, ohne es wohl bewußt zu wollen, Mithilfe zur Propaganda für —

Hätte die Antwort ebenso rasch und die richtige gegeben werden können, wenn gefragt worden wäre, wofür steht und was vertritt die „österreichische Schule“

Hätte die Antwort ebenso rasch und richtig gegeben werden können, wenn gefragt worden wäre, wohin führte eine solche Wirtschaftswissenschaft Österreich schon einmal

Es sind nicht die Polternden allein,

es sind nicht die auf Bühnen Herumhüpfenden allein,

es sind nicht die mit Motorsägen Fuchtelnden allein,

es sind, kurz wie einfach gesagt,

nicht die Redlichkeit und Kompetenz Vortäuschenden allein,

sie müssen auch von Medien, die nicht deren sogenannten alternativen Medien aus ihrem Gesinnungssystem sind, eingeladen werden,

und sie werden noch und noch eingeladen zu ihrem alleinigen Gesinnungsnutzen,

es braucht auch und vor allem das, etwa an Sonntagen, harmlos und nett und lieblich Dargebrachte und so Mitverbreitete, um ihre Anhangsschaft zu mehren, bis schließlich ein Land in dem endet, in dem Österreich schon einmal endete, und das nicht zum Wohl der Menschen, und nicht zum Wohl der Menschen.

„[H]ilfreich zur Seite“

Am 19. Februar ist es genau 100 Jahre her, dass Kaiser Franz Joseph I. dem Dichterfürsten Franz Grillparzer hilfreich zur Seite steht. Denn Seine Majestät genehmigt gegen den Willen seines Ministers, Fürst Metternich, die Aufführung von Grillparzers Drama „König Ottokars Glück und Ende“.

So bescheiden ist Lisbeth Bischoff, und auch ihre Tageszeitung, daß sie daraus keinen Aufmacher macht, eine solche Sensation hätte sich einen Aufmacher verdient,

aber diese sensationelle Entdeckung bringen sie am 17. Februar 2025 erst auf Seite 24 ganz bescheiden unter der Rubrik „Adel inside“. Dabei, ist es doch tatsächlich die Sensation.

Während bisher davon ausgegangen wurde, daß Franz Joseph Habsburg im November 1916, also vor 109 Jahren, verstarb, entdeckt Lisbeth Bischoff, daß er 1925, also vor 100 Jahren, noch am Leben war, um Franz Grillparzer hilfreich zur Seite zu stehen,

und das ist der Sensation zweite Sensation, folglich war auch Franz Grillparzer 1925 noch am Leben, verstarb nicht, wie allgemein angenommen wurde, im Jänner 1872, also vor 153 Jahren, sondern mußte sich noch 1925 im Alter von 134 Jahren mit der Zensurbehörde herumschlagen, aber der im Vergleich zu ihm junge Kaiser von 95 Jahren steht ihm 1925, also vor einhundert Jahren, hilfreich zur Seite. Und so kann „König Ottokars Glück und Ende“ aufgeführt werden, so mächtig war, der junge Kaiser von 95 Jahren, daß er 1925 gegen die Zensurbehörde von Clemens Wenzel Lothar Metternich die Aufführung genehmigen konnte, es wird Metternich wohl doch schon etwas die Kraft gefehlt haben, um gegen die Junge Majestät sich durchzusetzen, war er 1925 bereits 152 Jahre alt.

Es ist freilich keine Sensation.

Es sind „K&K-Inszenierungen“, der Lisbeth Bischoff und ihrer Tageszeitung. Es geschah nicht vor einhundert Jahren, sondern vor zweihundert Jahren, also 1825, und der Bischoff’sche Kaiser war zu dieser Zeit noch fünf Jahre vor seiner Geburt. Auch das ist keine Sensation in der Bischoff’schen Inszenierung: sie läßt nur Männer auftreten, während 1825 eine Frau handelte, darauf einwirkte, daß es am 19. Februar 1825 zur Aufführung kam.

Es war die Intervention einer Frau, ihr damaliger Name: Kaiserin Karoline Charlotte Auguste …

Was Österreich ohne identitäres Bergvolk am Ballhausplatz nun erspart bleibt, nicht aber der Steiermark

Die „Kulturpolitik“ in der Vorstellung der identitären Partei, wie von dieser auf ihrer Website niedergeschrieben — kurz wie einfach zusammengefaßt: der Steiermark bleibt nun nicht erspart, was Österreich erspart bleibt,

vorerst, da ein Bergmensch nicht den Ballhausplatz einreiten wird, das jedoch ist nicht das Verdienst jener,

die einen Bergmenschen nicht zum Bundeskanzler machten wollen, sondern die Unfähigkeit des Bergmenschen selbst, sich zum Bundeskanzler machen zu lassen, obgleich so viele, viel zu viele dazu bereit gewesen und noch weiter willig wären, den Bergmenschen aus diesem identitären Bergvolk zum Bundeskanzler zu machen.

Alles, was nun in der steiermärkischen Landesverfassung niedergeschrieben werden soll, so der Wille der identitären Gesinnung, kann mit einem Namen zusammengefaßt wiedergegeben werden: Kloepfer

Eine Landesverfassung als Hymne auf das „Erbe“ Kloepfers soll es in der Steiermark gesinnungsgemäß nach dem Bergvolk werden …

So eine Verfassung bleibt nun Österreich, nachdem der Bergmensch sich verritt, erspart; freilich wäre das identitäre Bergvolk nach seiner parlamentarischen Mandatsstärke weit, sehr weit davon entfernt, die österreichische Verfassung kloepferisch niederzuschreiben, aber durch einen Bergmenschen am Ballhausplatz auf die Verfaßtheit Österreichs dermaßen kloepferisch einzuwirken, wäre nicht ausgeblieben.

Ein „in diesem Zusammenhang“ unterstelltes „Wohlverhalten der Förderungsnehmer“ „muss auch eine Förderpraxis“ vom identitären Bergvolk, ist am 16. Februar in seinem Jahr ’25 in seiner Niederschrift zu lesen, „abgelehnt werden“. Von den Förderungsnehmerinnen erwartet sich das identitäre Bergvolk nun ein totales Wohlverhalten nach seiner gesinnungsgemäßen „Korrektheit“

Das bisherige „Wohlverhalten“, das bisherige „Brauchtum“, das bisherige „Erbe“, die bisherige „Tradition“, die bisher verfaßte „Heimat“ ist dem identitären Bergvolk immer noch recht viel zu wenig, und das nicht nur in der Steiermark, sondern in Österreich,

so spielt am 20. April im Heurigen die Staatsoper in Wien wieder seinen Meister aus Deutschland

und am heurigen 30. April wird der „führende Interpret des deutschen Fachs“ auch „Odins Meeresritt“ und

auch „Die drei Zigeuner“ zum Rechtbesten geben,

in der Bundeshauptstadt des Portschyreichs,

in dem 38 —

Was hätte ein Bergmensch als Reiter des Ballhausplatzes für seine gesinnungsgemäße Verfaßtheit des Landes viel mehr an „Wohlverhalten“ gegen „Heimat“, „Erbe“, „Tradition“, „Brauchtum“, „Volkskultur“ noch einfordern können, als es auch ohne ihn an „Wohlverhalten“ schon gibt?

„Odins Meeresritt“ seit 1939 nicht mehr gespielt, jedenfalls von dem Orchester „Wiener Symphoniker“, das ist das Ergebnis einer Abfrage in ihrem „Konzertarchiv“ am 16. Februar 2025. Im Wiener Konzerthaus. Und „Die drei Zigeuner“ nicht mehr gespielt seit dem 8. Dezember 1921.

Ohne sein Zutun, ohne die „Geissel klöpfen“ zu müssen, wie von selbst, vielleicht wäre es bereits im nächsten Jahr dazu gekommen, die plötzliche Wiederentdeckung bedeutender Werke, zu spielen an besonderen Tagen im Jahr zur freiwilligen Bekundung des Wohlverhaltens,

die den Bergmenschen zu einem Stammbesucher der Oper in der „Kaiserstadt“ —

Es bleibt nun dem identitären Bergvolk noch Graz,

und vielleicht spielt schon im nächsten Jahr die grazerische Oper ihm zum Wohlgefallen die für ihn bedeutenden Werke der ihm aus dem Herzen sprechenden Schöpfer, Angehöriger des einzigen nach seiner Natur existierenden Geschlechts

… und den Bergmenschen ein Wohlgefallen durch „Wohlverhalten“, das die Verantwortlichen für den „steirischen herbst“ vielleicht schon im Heurigen oder im nächsten Jahr ein Anliegen sein wird, des Bergvolks „Kritik“

So überstieg die Landesförderung von über zwei Millionen Euro für den „steirischen herbst“ deutlich dessen Wahrnehmbarkeit und Wertigkeit für die steirische Bevölkerung.

von sich aus in der Programmierung entscheidend zu beherzigen, die „Wahrnehmbarkeit und Wertigkeit für die steirische Bevölkerung“ zu seinem Rechte zu verhelfen, etwa durch die Wiederentdeckung bedeutender Männer der Feder, hierfür böten sich

Heran, heran zum wilden Furientanze! Noch lebt und blüht
der Moloch! Drauf, Bruder, drauf, mit Büchse, Schwert und
Lanze, drauf, drauf mit Gift und Dolch! Was Völkerrecht?


Was sich der Nacht verpfändet, ist reife Höllensaat. Wo ist
das Recht, das nicht der Hund geschändet mit Mord und mit
Verrat? Sühnt Blut mit Blut! Was Waffen trägt, schlagt nieder!
’s ist alles Schurkenbrut! Denkt unseres Schwurs, denkt der
verratenen Brüder, und sauft euch satt in Blut! Und wenn sie
winselnd auf den Knien liegen und zitternd um Gnade schrei-
en, laßt nicht des Mitleids feige Stimme siegen, stoßt ohn‘
Erbarmen drein! Und rühmen sie, daß Blut von deutschen
Helden in ihren Adern rinnt: die können nicht des Landes
Söhne gelten, die seine Teufel sind. Ha, welche Lust, wenn an
dem Lanzenkopfe ein Schurkenherz zerbebt und das Gehirn
aus dem gespaltenen Kopfe am blutigen Schwerte klebt! Welch
Ohrenschmaus, wenn wir beim Siegesrufen, von Pulverdampf
umqualmt, sie winseln hören, von der Rosse Hufen auf deut-
schem Grund zermalmt! Gott ist mit uns! Der Hölle Nebel
weichen; hinauf, du Stern, hinauf!
Wir türmen dir die Hügel
ihrer Leichen zur Pyramide auf. Dann brennt sie an! Und
streut es in die Lüfte, was nicht die Flamme fraß. Damit kein
Grab das deutsche Land vergifte mit überrhein’schem Aas!

Theodor Körner, „Lied der Rache“,
zitiert nach Bazon Brock, „Eine schwere Entdeutschung“

Weihelesungen der Lyrik eines Theodor Körner im Zusammenspiel mit seiner „großen vaterländischen Oper Des Königs Aufruf“ in der grazerischen Oper und weiterer Giganten der Feder wie

Walter Flex,

Walter Bloem,

Verbelen

und nicht zu vergessen

Kloepfer

und was für eine „Wertigkeit“ nicht nur für die „steirische Bevölkerung“, sondern für die gesinnungsgemäße Welt, das Wohlgefallen des Bergvolks wäre auch dem Kunsthaus Graz sicher, entsinnte es sich eines in Graz geborenen Grossen, ehrte ihn mit einer großen Ausstellung: Franz Köck — Wie wohl gefiele es der gesinnungsgemäßen Welt auch, wieder einmal Lohengrins Maler in einer treuergebenen Ausstellung bewundern zu dürfen, und nicht nur die Toten, nicht nur die Toten sondern auch die Lebenden, die Lebenden, wie den Ehrtreuen aus dem Oberösterreichischen

Was für eine „Wahrnehmung“ von und was für eine „Wertigkeit“ für Graz wäre das — beherzten alle das „Wohlverhalten“ aus eigenem Antriebe nun noch verstärkter als bisher in diesem Land, ohne sich dabei dem Vorwurf, einem Diktat sich zu beugen, auszusetzen, nicht einmal ein „Wohlverhalten“ wäre es, sondern nur geschuldet neuen Erkenntnissen, nur neuen Ergebnissen der Forschung auf der Höhe der Zeit — aus der Welt pilgerten sie wieder nach Graz zur Erhebung …

Wie leicht wäre auch für den grazerischen Musikverein es zu erreichen, daß das identitäre Bergvolk nicht das „Wohlverhalten“ ablehnt, etwa durch einen Legendenkonzert nur mit Werken von Carl Loewe, vielleicht sogar mit dem „führenden Interpreten des deutschen Fachs“, was für ein erhebender Abend das werden könnte mit „Odins Meeresritt“, mit

„Wenn alle untreu werden“,

mit „Prinz Eugen, der edle Ritter“, mit

„Der ewige Jude“,

mit

from the austrians

Es wird jetzt verbreitet, als wäre es eine Idee von Donald Trump, das mit der „Riviera“, dabei greift er doch nur danach, was vor ihm schon aus dem Büro von Netanjahu zu „Gaza“ verlautet ward: eine „Freihandelszone“ …

Ein im Mai publizierter Plan will Gaza «von Grund auf» neu aufbauen. Die USA und arabische Staaten würden ebenfalls profitieren. Im Mai 2024 berichteten die «Jerusalem Post», «Al-Jazeera» und später weitere Medien über einen laut «Al-Jazeera» «ziemlich dramatischen» Plan, den das Büro von Israels Premierminister Netanjahu veröffentlichte – allerdings nur kurz.
Attraktive Steuern und niedrige Zölle
Gaza solle «von der Krise zum Wohlstand» geführt und «vom iranischen Satelliten zur moderaten Achse» werden, so die Vorstellung in dem als «Gaza Businessmen Initiative» bezeichneten Dokument (auf deutsch Gaza-Geschäftsleute-Initiative).
Grosse Gas- und Ölfelder vor der Küste Gazas
Quasi aus dem Nichts solle in der Region die rund 160 Quadratkilometer umfassende «Gaza-Arish-Sderot»-Freihandelszone errichtet werden. Sie würde als Handelsdrehscheibe zwischen Europa, den USA und den Golfstaaten, als Verkehrs- und Energieknotenpunkt fungieren. 
Gasfelder vor der Küste Gazas lieferten wichtige Energie und «werden die Schwerindustrie im Gazastreifen unterstützen. Solarfelder auf dem Sinai werden regionale Entsalzungsanlagen mit Energie versorgen». Diese sind für die Trinkwassergewinnung essenziell. Die UN schätzt, dass sich in der Gegend des Hafens von Gaza und im Westjordanland 3,2 Milliarden Barrel Erdöl im Boden befinden. «Die Grundstücke am Ufer des Gazastreifens könnten sehr wertvoll sein», sagte Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Februar 2024. Kushner war früher Grundstückshändler. 
«Pressenza» berichtete von einer Landkarte auf der Website von «Germany Trade & Invest», die inzwischen ebenfalls nicht mehr im Internet abrufbar sei. Sie habe drei Handelswege von Asien nach Europa aufgezeigt: Ein Weg führt vom Persischen Golf Richtung Istanbul. Die zweite Route, der India-Middle East-Europe Economic Corridor (IMEC), sei auf Betreiben der USA angeregt worden. «Ein dritter Weg ist eine Abspaltung von der IMEC-Route in Saudi-Arabien. Er führt von Riad über Jiddah Richtung Norden weiter über das von Saudi-Arabien als Übergang zu grüner Zukunft vorgesehene Grossprojekt Neom nach – Gaza! Gaza als Drehscheibe.» Neom ist eine saudische Zukunftsinvestition: ein Tourismus-, Handels-, Produktions- und Wohn-Projekt, das am Roten Meer entstehen soll. 

… und menschgemäß verrät ein Donald Trump mit „Riviera“, eine „Riviera“ schaffen zu wollen, selbst den ihn antreibenden Geist: einem „blutrünstigen Piraten-Clan“ gleichzutun. Wie es auch heute noch, nicht an der französischen Riviera, unter Fürsten zugeht, das zeigen Wüstenfürstinnen vor, wenn sie ein „Handels-, Produktions- und Wohn-Projekt“ wie „Neom“ in den Sand setzen.

Die Toten, Verschwundenen und Sklaven von Neom
Laut einem Bericht der indischen, englischsprachigen Tageszeitung The Hindustan Times, sind mehr als 100.000 Menschen während des Baus von Neom verschwunden. Unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen seien die Arbeiter nach eigenen Aussagen „gefangene Bettler“ und „Sklaven“, heißt es in der Zeitung am 28. Oktober 2024. Auch der Tod von über 650 nepalesischen Arbeitnehmern sei laut Nepals Behörde für Auslandsbeschäftigung weiterhin ungeklärt. Die britische Zeitung The Guardian hatte bereits im Mai 2020 darüber berichtet, dass mehr als 20.000 Menschen gewaltsam aus der Region vertrieben worden seien, damit die saudische Regierung Platz für Neom schaffen konnte.
Rassismus und Menschenhass
Im September 2024 veröffentlichte das Wall Street Journal einen Bericht, in dem leitende Angestellte hinter Neom der Korruption, des Rassismus, der Islamfeindlichkeit und der Frauenfeindlichkeit beschuldigt wurden. Nachdem drei Arbeiter durch ein herabfallendes Rohr, einen Mauersturz und den unsachgemäßen Umgang mit Sprengstoff gestorben waren, soll eine australische Führungskraft mehrere rassistische Äußerungen gemacht haben.
Neue Sklavenstrecke geplant?
Im Mai 2024 berichtete AN (The Architect’s Newspaper), dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu eine riesige Freihandelszone namens „Gaza-Arish-Sderot Free Trade Zone“ plane. Dafür soll eine neue Zugstrecke zwischen Neom und einer neuen Stadt auf dem Gaza-Streifen in Palästina vorgesehen werden.
Unter der Schirmherrschaft von Gaza 2035 würde die neue Freihandelszone von Israel, Ägypten und der sogenannten Gaza Rehabilitation Authority (GRA) verwaltet werden. Das Projekt trägt offiziell den Titel „Plan für die Umgestaltung des Gazastreifens“ und wurde ein Jahr nachdem Netanjahu seinen Plan für Groß-Israel bei den UN vorgestellt hat, präsentiert. Die erste Phase des Dreistufenplans (betitelt: Humanitäre Hilfe) besteht aus einem zwölfmonatigen Programm, das den Gaza-Streifen „entradikalisieren“ und die Hamas auslöschen soll. Anschließend solle eine neue Ost-West-Eisenbahnverbindung zwischen Alexandria (Ägypten) und Gaza-Stadt (Palästina) entstehen sowie eine Nord-Süd-Bahnverbindung zwischen Gaza und Neom. Derzeit endet die Eisenbahn im Süden von Dimona (Israel), soll aber auf etwa 160 Kilometer nach Aqaba (Jordanien) erweitert werden und dann eine Verbindung zu Neom herstellen.

Zwei Millionen Menschen sollen aus Gaza, so der Libertäre nun, verschwinden –who it does not concern

Franz Schellhorn jubelt bereits einem „libertären Ökonomen“ zu:

Während sich Österreich alle Zeit der Welt lässt, seinen zerrütteten Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, greift der libertäre Ökonom schon in seinem ersten Präsidentschaftsjahr beherzt durch. Der Mietmarkt wurde liberalisiert, der Staatshaushalt um ein Viertel gekürzt, statt 18 Ministerien gibt es nur noch neun. Während heimische Politiker schon in der Einsparung von ein paar Kugelschreibern die Ursache für die nächste Rezession wittern, zeigt Milei, was mit Courage und Entschlossenheit möglich ist. Mileis Ansatz ist ein knallhart neoliberaler: Eine harte Währung, ein ausgeglichener Haushalt und jede Menge wirtschaftliche Freiheit bilden das Fundament der neuen argentinischen Wirtschaftspolitik. Keine Subventionen, keine Preiskontrollen, keine planwirtschaftlichen Experimente.

Und wo er, Schellhorn, mit seiner Agendavereinstruppe seinen libertären Samen ausbringen kann, wurde bereits erzählt, im „Kurier“, im „Profil“, in der „Presse“, und wie Günter Traxler berichtet, auch in den „Salzburger Nachrichten“, in der „Kleinen Zeitung“, und es will gar nicht nachgesehen werden, wo noch überall. Günter Traxler fällt zu Franz Schellhorn „wirtschaftsliberal“ ein, das klingt so verharmlosend, als würde der Österreicher als „rechtspopulistisch“ bezeichnet werden, statt als das, was er war.

Wem sonst als einem „libertären Ökonomen“ kann ein Franz Schellhorn sonst zujubeln als einem derselben Gesinnung. Und dann gibt es noch einen „Präsidenten“, der sich seine Zujubelei erkauft —

In reality, Trump might be the most radically libertarian commander-in-chief in US history. This, contrary to the fears of #Resistance liberals who created an entire cottage industry devoted to fighting Trumpian dictatorship; contrary, too, to the dreams of populists, “post-liberals,” and others in the so-called New Right who imagined that Trump would reconcile American conservatism with the state and promote the use of government power for Right-wing ends.
The fascist theory of Trump remains prevalent among progressives to this day, and received a boost in the closing days of the election when a former chairman of the Joint Chiefs of Staff, Gen. Mark Milley, and former Trump chief of staff John Kelly went on record calling Trump a fascist — which allowed Harris, Hillary Clinton, White House Press Secretary Karine Jean-Pierre, and a whole host of Democratic leaders to pile on with the fascist assertion. In The New Yorker, the Yale historian Timothy Snyder greeted the news of Trump’s electoral victory by calling Trump a fascist along with his “close fascist allies,” Elon Musk and Vladimir Putin.
His address, in which he attempted to stake his libertarian credentials, was remarkably on-message: “I will be a true friend to libertarians in the White House, and I am proud to be the only president in 70 years who started no new wars. I took on the military-industrial complex. I broke the stranglehold on neocons and warmongers on the Republican Party…. I withdrew from the Paris Accord. I withdrew from the anti-gun UN arms treaty, and I withdrew from the corrupt and very expensive World Health Organization”. He concluded by saying: “We want libertarian votes because you stand for what we stand for”.
Trump’s October interview with Joe Rogan — featuring his largest audience of the entire election cycle — was distinctly libertarian, as well. He argued for eliminating the income tax and railed against government regulation. He declared an intent to remove all governmental impediments to business, to make government truly as small as possible.
In tandem with his tax-eliminating, government-downsizing rhetoric, Trump developed a partnership with a number of Wall Street and Silicon Valley barons, culminating in Musk throwing his massive financial weight behind the GOP ticket. The two things — the libertarian rhetoric and the new alliances in tech and finance — went hand-in-hand, resulting in policy moves that should have utterly confounded Trump’s populist fans during the campaign.
Now, as his administration takes decisive shape, Trump is translating his libertarian instincts into personnel choices. The planned Department of Governmental Efficiency — headed by Musk and the venture capitalist Vivek Ramaswamy — is only the most visible. Musk has claimed that he could eliminate up to $2 trillion worth of expenditures from the federal government. In an op-ed in The Wall Street Journal, Musk and Ramasaway described themselves empowering a “lean team of small-government crusaders … to cut the federal government down to size.”
In his first term, Trump increased the deficit by $8 trillion — a direct result of tax cuts that endeared him to Wall Street while slashing the US tax base without generating any other source of revenue to replace it. This time around, Trump and the Republicans are determined to maintain his earlier tax cuts while dramatically diminishing the state. That’s a recipe for a plutocratic order that rewards those at the top, while squeezing the working- and lower-middle-class Americans who sent Trump back to the Oval Office.
There is simply no way to trim $2 trillion from the federal budget, as Co-President Musk aims to do, without eating into entitlement programs like Social Security and Medicare.
So-called entitlement reform is deeply unpopular among nearly all social segments, Republicans and Democrats — except for the Wall Street fee-skimmers who’d benefit from administering privatized benefits and, of course, libertarian think-tankers in Washington.
Trump’s penchant for pulling all attention toward himself is reminiscent of a Mussolini type and thus seems to foreshadow an authoritarian takeover. But real authoritarianism takes work that Trump is uninvested in — and a state he’s unwilling to fund. He has a businessman’s revulsion for taxes and regulations. The other aspects of his worldview, including ones that seem to contradict his aversion to the state, amount to tactical maneuvring in service of his deeper pro-business agenda. That puts him in the libertarian camp, whether the libertarians themselves like it or not.
UnHerd, Sam Kahn, January 9, 2025 

Doch auch ihm jubelt er, Schellhorn, bereits zu, und er schiebt dabei weg und ab, wie es dazu kam, was nun der „Austrian“ bejubelt. Oh, wie ein „Libertärer“ gar nebenbei „den Staatshaushalt repariert“, hat sein Bejubelter schon einmal bewiesen: das Staatsdefizit um acht Billionen Dollar gesteigert — eine großartige Reparatur …

Instagram – franzschellhorn
Nebenbei repariert der Libertäre nicht nur den Staatshaushalt, sondern senkt sogar die Armutsrate. Warum Österreich mehr Milei braucht […]

Was wäre das für eine Jubelei, träten seine bejubelten Präsidenten beispielsweise in einer riederischen Halle auf, und er, Franz Schellhorn, dabei, vielleicht mit einer Tröte, was trötete er und kreischte er, wenn der eine Präsident seine Motorsäge anwürfe, der andere Präsident sein „Great“ … und er, Franz Schellhorn während seinem Jubelgetröte vielleicht schon sich ausmalte, wie es wäre, wenn er im Bunde mit den zwei Präsidenten der dritte Präsident wäre, von Österreich, wo sonst fehlte ein Austrian noch als Präsident als in Austria, und auch er würde reparieren und senken und reparieren und senken und senken und Austria sinkte