Steh auf

Mit den Plakaten, vor allem mit den Wahlplakaten, ist es wie mit den Sprüchen, damit sich zu beschäftigen, lohnt nicht, aber notwendig, weil sie die Pfeife des Rattenfängers in Hameln sind, und heutzutage zu viele Orte, Länder Hameln heißen …

Nun gibt es ein Wahlplakat der identitären Regierungspartei in Österreich mit dem Aufruf „Steh auf“ … einmal mit Harald Vilimsk, einmal mit dem zurzeitigen Vizekanzler und Obmann der identitären Regierungspartei …

Mit dem Spruch „Steh auf“ sich zu beschäftigen, nun, damit kann es keine Beschäftigung geben, mit einem inhaltslosen Spruch …

Aber. Damit sich zu beschäftigen, was könnte die identitäre Regierungspartei mit dem inhaltslosen Spruch „Steh auf“ wieder einmal probieren, wen wieder ins Spiel zu bringen, das lohnt wohl auch nicht, und doch notwendig …

Mit „Steh auf“ ist es unweigerlich, auf Theodor Körner zu liegen zu kommen. Theodor Körner, ein Dichter, der auch, aber nicht nur

„Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten.“

für den zurzeitigen Vizekanzler in Österreich der Himmel der Dichtkunst …

„Steh auf“ ist auf dem Plakat der identitären Regierungspartei zu lesen. Beim Ansehen des Hintergrunds, beim Sehen des umwölkten Parlaments kann der Vers weitergesprochen werden, wie dieser zu Ende geht: „der Sturm bricht los“.

„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“, ist der erste Vers von Theodor Körner.

Zwischen „Steh auf“ und „steht auf“ sei doch ein enormer Unterschied. Durchaus, und durchaus nicht. Es sind kluge Menschen, es sind kreative Menschen, es sind Menschen, die sich alle Freiheiten nehmen, auch Verse für ihren zurzeitigen Gesinnungsgebrauch zu ändern. Und es gibt dafür einen Mann als Beispiel, der den Vers nach seinem Gesinnungsgebrauch änderte, ihm „steht auf“ zum „steh auf“ gerann:

„Nun, Volk, steh auf, und Sturm, brich los!“

Dabei wird ganz und gar nicht daran gedacht, daß der Mann diesem Dichter nach seiner Gesinnung den Vers zurechthackt, am Ende, als es keine Wahlen mehr gibt, es kann nicht aufgehört werden, daran zu denken, daß dieser Verszurechthacker diesen Vers elf Jahre zuvor bereits für seine Gesinnung zum Einsatz brachte — in einer Wahlkampfrede …

Mit Theodor Körner gingen die Nazis unter, mit ihm beschwört die ZZ den Sieg – Eine Wahlniederlage

3 Gedanken zu „Steh auf

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