Es hat sich seit längerer Zeit schon die Sitte oder, wie es Ihnen gefällt, die Unsitte auch in Österreich eingenistet, nicht mehr von „Demokratie“ zu sprechen, sondern von „liberaler Demokratie“ …
Wenn die für den 30. November 2024 untersagten Demonstrationen in Wien herangezogen werden, wird es klarer, was unter „liberal“ verstanden wird: „wirtschaftsliberal“. Es wäre also redlicher, in Hinkunft, wenn die Verteidigung der „liberalen Demokratie“ nicht mehr nur von „liberaler Demokratie“ sprechen würde, sondern zu Verdeutlichung, was ihr „liberal“ ist, von „wirtschaftsliberaler Demokratie“. Denn. Die Erklärung der Untersagung ist eine „wirschaftsliberale“ Erklärung, und willkürlich, eine Untersagung kann wie jetzt untersagt werden, aber ebenso kann die Untersagung mit einer gegenteiligen Erklärung unterbleiben, beispielsweise vor zwei Jahren im Dezember.
Die aktuelle Untersagung geschieht unter Berufung auf das Versammlungsrecht, und zwar konkret auf den Paragraphen 6 Absatz 1. Im unmittelbaren Paragraphen davor heißt es
§ 5. Ferner sind öffentliche Belustigungen, Hochzeitszüge, volksgebräuchliche Feste oder Aufzüge, Leichenbegängnisse, Prozessionen, Wallfahrten und sonstige Versammlungen oder Aufzüge zur Ausübung eines gesetzlich gestatteten Kultus, wenn sie in der hergebrachten Art stattfinden, von den Bestimmungen dieses Gesetzes ausgenommen.
Es ist nun an den Demonstrierenden, am morgigen Samstag etwas zu veranstalten, das von dem Versammlungsrecht ausgenommen ist. Auf Anhieb fielen dazu gar passend Leichenbegängnisse —
NS Es wird, es ist 19 h am 29. November 2024, berichtet, die Demonstration, die untersagt, ist noch doch, mit einer geänderten Route so willkürlich untersagt, so willkürlich jetzt doch nicht untersagt.
Wenn an der sogenannten Staatsspitze schon das Vertrauen in die sogenannte Staatsspitze fehlt, kann den sogenannten Wahlberechtigten auch nur das Vertrauen fehlen, und es fehlt ihnen das Vertrauen, und ohne Vertrauen und ohne Zutrauen werden eben die Vertrauenslosesten gewählt – wer das deuten mag, kann das auch seelenkundlich -–
Am 27. November 2024 veröffentlicht das fellnerische Österreich die Aussage der einen sogenannten Staatsspitze:
OE24: War es ein Fehler von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, nicht FPÖ-Chef Herbert Kickl den Regierungsauftrag zu geben?
NEHAMMER: Der Bundespräsident hat Herbert Kickl sehr wohl gesagt, er soll einmal Gespräche führen mit ÖVP und SPÖ, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gibt. Diese Gespräche haben stattgefunden. Ich habe vor der Wahl gesagt, dass es mit einer FPÖ unter Herbert Kickl keine Zusammenarbeit geben kann.
Worauf vertraute dabei Alexander Van der Bellen? Darauf, daß die christschwarze Partei, wenn der Festungsoberste zu Gesprächen ruft, doch einer Zusammenarbeit sich ergibt? Die letzten Erfahrungen mit der christschwarzen Partei — in Niederösterreich, in Salzburg, in … — hätten dieses Vertrauen durchaus gerechtfertigt, und Alexander Van der Bellen wäre wohl fein heraus gewesen, wie viele Gewissen hätte dann wohl gejauchzet, keinen Regierungsbildungsauftrag an den Festungsobersten erteilt, bloß, ach bloß ihm Gespräche auferlegt, und Gespräche, ach, Gespräche zur Zusammenarbeit, sind bloß Gerede, Gerede gibt es stets nur um des Gerede willens, und Gerede führt bekanntlich zu nichts, und so eine Situation sei etwas Neues, vor der Alexander Van der Bellen stand, und so eine nicht übliche Situation in Österreich erfordere, so Alexander Van der Bellen, neue Lösungen, und die fand er im …
Es ging also von Anfang an nur darum, bloß einen Regierungsbildungsauftrag nicht selbst erteilen zu müssen, nicht um eine Regierung ohne die Festungsoberstenpartei; wie wäre er vor sich selber dagestanden, mit einem Regierungsbildungsauftrag an …. aber wenn die christschwarze Partei nach dem Gespräch mit dem Festungsobersten bekundet hätte, mit der Festungsoberstenpartei eine Regierung zu bilden, oh sehet, oh sehet … die Leistung, ein Patt aufgelöst,
Alexander Van der Bellen, so die sogenannte Staatsspitze am 27. November 2024, habe dem Festungsobersten auch gesagt, er solle auch einmal mit der SPÖ reden … Wie konnte er das Vertrauen in die SPÖ derart verlieren, woher das Mißtrauen, die SPÖ werde, wenn der Festungsoberste sie zum Gerede ruft, einer Zusammenarbeit — sie, die SPÖ, die seit 38, seit achtunddreißig Jahren keine Koalition mit der Festungsoberstenpartei auf Bundesebene einging, die seit 38, seit achtunddreißig Jahren klar und deutlich gegen eine Zusammenarbeit mit einer Festungsoberstenpartei in der Bundesregierung, daß diese Partei, die SPÖ, jetzt plötzlich bloß aufgrund eines Geredes, dem er eine Frist von einer Woche setzte, einer Zusammenarbeit zustimmen sollte, mit dieser Partei, die sie seit 38 —
Es will damit nicht gesagt sein, die sogenannten Staatsspitzen sollen den Menschen ein Vorbild sein, auch was das Vertrauen anbelangt, es ist damit, einfach wie kurz gesagt, lediglich gesagt, daß die sogenannten Staatsspitzen auch in bezug auf Vertrauen bloß die Spitze des Eisbergs —
Freilich, auf dem Lande, ist das Mißtrauen gegen die SPÖ auf Landesebene gerechtfertigt, die letzten Tage im Kloepferland bringen es wieder einmal zutage,
Es ging also von Anfang an nur darum, bloß einen Regierungsbildungsauftrag nicht selbst erteilen zu müssen, nicht um eine Regierung ohne die Festungsoberstenpartei; wie wäre er vor sich selber dagestanden, mit einem Regierungsbildungsauftrag an …. aber wenn die sozialdemokratische Partei nach dem Gespräch mit dem Festungsobersten bekundet hätte, mit der Festungsoberstenpartei eine Regierung zu bilden, oh sehet, oh sehet … die Leistung, ein Patt aufgelöst,
jetzt einmal wieder im nächsten Bundesland, also im Kloepferland, mit was für einem Personal? Es werden sich nun wohl viele bei dem „Kommandostimmehabenden“ anstellen, um ihren Dank zu erbitten,
Es hat nun der christschwarze Landeshauptmann der Steiermark wieder das Schachspiel ins Gerede gebracht, indem er nach dem Absturz seiner Partei in der steiermärkischen Landtagswahl klagte, er sei „das Bauernopfer der Republik“, und er bedankte sich dafür bei Alexander Van der Bellen, den er für den Absturz seiner Partei verantwortlich macht, weil dieser nicht den Festungsobersten mit dem Regierungsbildungsauftrag —
Von Anfang an bestand die Möglichkeit einer Koalition, somit alles andere als ein „Patt“, von ÖVP, SPÖ, NEOS und auch von ÖVP, SPÖ und GRÜNE. Und desselben Nachmittags hätten diese Parteien bereits mit Koalitonsverhandlungen beginnen können und Alexander Van der Bellen in unvergeudeter wertvoller Zeit eine Koalitonsvereinbarung mit einer soliden Mehrheit im Parlament vorlegen können, es wäre Alexander Van der Bellen nur noch eines geblieben, diese Koalition mit welchen drei Parteien auch immer, ausgenommen der Partei des Festungsobersten, anzugeloben.
Stattdessen aber vermeint allen voran Alexander Van der Bellen eine Schachpartie eröffnen zu müssen, eine Partie war es wohl, aber keine Schachpartie, denn das Schachspiel setzt zwingend voraus, viele, sehr viele, äußerst viele Züge vorauszudenken, aber welche Züge dachte allen voran Alexander Van der Bellen voraus? Wie es scheint, keinen einzigen. Es ist eher mit einer Kegelpartie zu vergleichen, bei der eine Kugel geworfen wird, in der Hoffnung, zu treffen. Getroffen wurde — nichts. Wer vermeint, Schach zu spielen, aber tatsächlich kegelt, kann beim Kegelschachscheiben bloß verlieren, wenn die Kugel eine Schachfigur, zum Beispiel ein „Bauer“ geworfen wird, mit der statt einem Kegel oder gar vielen Kegeln eine Kugel nur getroffen wird, und am Ende zumeist nichts getroffen wird.
In der derzeitigen österreichischen Politik wird nicht Schach gespielt, es wird gekegelt. Beim Kegeln müssen keine Züge, nicht einmal ein Zug vorausgedacht werden, und allen voran begann Alexander Van der Bellen mit dem Kegeln. Denn hätte er Schach gespielt, dann hätte er die Züge vorausgesehen, die kommen hätten können, und die auch gekommen sind …
Er spielt nicht Schach, er kegelt. Und beim Kegeln geht es gemütlich zu, so gemütlich, beim Schach hingegen hätte er dies vorausgehen, daß der nun abgestürzte Landeshauptmann in der Steiermark in aller Gemütlichkeit die Ausrede wird kegeln können, die Verantwortung ins Leere schießen wird können, er habe alles gegeben, aber er sei das Bauernopfer der Republik geworden, weil eben allen voran Alexander Van der Bellen — Hätte er, Alexander Van der Bellen, Schach gespielt, hätte er diesen Zug kommen gesehen, daß auch nach diesen von ihm den drei stimmenstärksten Parteien auf Parteienchef-Ebene verordneten Gesprächen es zu keiner Zusammenarbeit auf Regierungsebene mit der Partei des Festungsobersten kommen wird, stattdessen zu einer, das Ergebnis ist bekannt, zwischen SPÖ, ÖVP und NEOS.
Ein Ergebnis, das vorausgesagt, das vorausgesehen wurde. Ja, es gibt fern vom Ballhausplatz, fern von der Hofburg Schachspielende in diesem Land.
Aber auch diese drei Parteien hätten sich eine Anleihe nehmen können, wie es vor fünfundzwanzig Jahren war, damals kümmerte es einem christschwarzen Obmann wenig, was ein Bundespräsident sagt, und präsentiert ihm ein Koalitionsabkommen mit einer soliden Mehrheit im Parlament, wenngleich diese dem Bundespräsidenten zuwider ist. Offensichtlich fehlt es ihnen an gestalterischer Energie, der Schwung zum Voranschreiten, gehen stattdessen beschwingt zum Kegeln auf die Hofburgbahn, und hoffen …
Was aber am Ende tatsächlich gekegelt wird, vermag noch nicht gesagt werden, denn beim Kegeln können keine Züge vorausgedacht werden, besonders nicht von den Spielerinnen, es bleibt nur zu hoffen oder zu befürchten, daß nicht doch wer von den Spielern Schach spielt, heimlich noch, auch wenn das derzeitige parteipolitische Personal nicht den Eindruck erweckt, es könnte Schach spielen. In diesem Fall, im Fall der nächsten Regierung in Österreich aber —
Eine der Strippen — und sie dürfen, da sie sich selbst dermaßen charakterisieren, so genannt werden — hält am 22. November 2024 auf der Konzernplattform X Beate Meinl-Reisinger vor, sie „leugnete es dann dreist“ … Und die Strippe meint, einfach wie kurz gesagt, Beate Meinl-Reisinger einer Lüge überführt zu haben, indem sie zwei Interviews „dreist“ schneidet … Gesinnungsgemäß hat die Strippe selbst weder die zwei Interviews „dreist“ geschnitten noch Beater Meinl-Reisinger einer Lüge überführt.
Michael Schnedlitz gesinnungspflichtig seine Meldung auf der Website seiner Parlamentspartei am 18. August 2022, die am 24. November 2024 nach wie vor zu lesen ist, und drei Tage später der „dreist“ gesinnungspflichtige Schnitt von „FPÖ TV“. Einfallsreich wie nur Menschen aus dieser Parlamentspartei sein können, wird aus diesem Wort aus den eigenen Reihen eine Parole für die Nationalratswahl am 29. September 2024:
Für das „dreist“ geschnittene Video zieht „FPÖ TV“ aus dem Interview vom 17. August 2022 („Krone“, Katja Wagner im Gespräch mit Beate Meinl-Reisinger) heraus: „Nein. Nein. Ich würde niemals in meinem Leben einen Menschen ‚Volksverräter‘ nennen.“ Was Beate Meinl-Reisinger unmittelbar weiter dazu sagte, wird von „FPÖ TV dreist“ verschwiegen. Beate Meinl-Reisinger erklärte ausführlich zum Vorhalt von Katja Wagner, sie hätte Menschen, die die „FPÖ wählen, gegen Sanktionen“ seien oder „Impfgegner“ seien, „Volksverräter“ genannt:
Katja Wagner: In einem Interview, daß Menschen, die die FPÖ wählen, gegen Sanktionen sind oder Impfgegner sind, die nannten sie „Volksverräter“.
Beate Meinl-Reisinger: Nein. Nein. Ich würde niemals in meinem Leben einen Menschen Volksverräter nennen. Ich habe Folgendes gesagt, und das sage ich sehr bewußt. Ich weiß, das ist hart. Die FPÖ, und ich kann ihnen die Mails zeigen, bei egal welchem Thema, die bieten ja inhaltlich nichts, außer daß sie sich auf Themen draufsetzen, die bewußt, wo sie wissen, da kann man spalten, da hat man bald beim Populismus über 50 % dafür und 50 % dagegen. Das ist das Ziel. Das ist etwas übrigens, was der Kreml, was Rußland schon lange befeuert. Wie wir wissen durch Desinformationskampagnen, durch russische Trollfabriken, durch auch die systematische Finanzierung von extrem rechten Parteien in Europa, übrigens auch mit guten Verbindungen zur FPÖ, durch Freundschaftsgruppen, durch Freundschaftsverträge, und der macht das ja deshalb, um Europa zu destabilisieren. Und die FPÖ, man kann auch sagen, sind „nützliche Idioten“, lassen sich vor den Karren spannen, eigentlich die Propaganda Putins hier zu machen, hier zu spalten.
Warum ich den Begriff verwendet habe, ist weil in all diesen Themen, egal ob das jetzt ist Europa oder in der Pandemie oder beim Thema, jetzt auch in der Frage Sanktionen, sehr viele in Foren, in Mails, in sozialen Medien uns, die wir sagen, moment, wir müssen unabhängiger werden von Rußland, wir müssen selbstbewußter und geeinter als Europa auftreten, wir müssen weltoffen bleiben und eine starke Wirtschaft sein, sehr oft „Volksverräter“ sagen. Ich kann Ihnen die Mails zeigen – Tausende. Und ich finde eigentlich umgekehrt, was die FPÖ macht, ist eigentlich ein Verrat an Österreich, an unseren Werten. Und ich habe es zugespitzt und gesagt, ein Verrat am Volk. Was hat uns den stark gemacht, auch nach 45, eine starke Wirtschaft, eine innovative Wirtschaft, eine weltoffene Wirtschaft, ein Land, das stark auch eingebettet ist in Europa und Handel betreibt mit der ganzen Welt. Und daher auch immer diese Weltoffenheit hat und diese eigene Stärke Europas nicht als Spielball der Mächtigen in den USA oder in Rußland oder in China, aber Österreich ist zu klein allein, und diese Stärke ist etwas, die wird meines Erachtens angegriffen. Ich finde das immer bemerkenswert, wenn gerade die FPÖ gerne die österreichische Fahne weht und sagt, sie sind die einzigen Patrioten. Das ist zutiefst antipatriotisch, was sie machen, das ist gegen die Interessen unseres Landes. Gegen die Interessen der Wirtschaft, gegen die Interessen der Menschen, die gut davon leben wollen, sich was aufbauen wollen, und auch gegen die europäischen Interessen, daß man nicht Spielball ist, verlängerter Arm, eine Gaskolonie Rußlands und mehr oder weniger davon abhängig ist, ob ein Diktator den Gashahn auf- oder zudreht.
Ich finde, es völlig legitim zu sagen, ich bin gegen die Sanktionen, ich halte es für falsch, aber als Partei das zu machen, dieses Spiel zu spielen, das halte ich tatsächlich für schändlich.
Das ist die ausführliche und von „FPÖ TV dreist“ verschwiegene Erklärung der Beate Meinl-Reisinger zu dem Interview vom 3. August 2022 („oe 24“), in dem sie sagte:
Gehilfen, vor allem von rechtsradikaler Seite in Europa, in Österreich halt die FPÖ, ich höre es auch von den Impfgegnern. Das sind ja „Volksverräter“ meiner Meinung nach, weil sie eigentlich sich quasi vor den Karren spannen lassen, von jemand, der ein Interesse daran hat, Europa und Österreich zu schaden, schwächer zu machen. Und das passiert schon sehr lange, und das meine ich mit einem Ende der Naivität. Es ist kein Zufall, wenn die gleichen Narrative in allen diesen Blogs auftauchen, es ist kein Zufall, wenn auf einmal Figuren aufpoppen und alle das Gleiche sagen und bedienen. Und da braucht man übrigens auch einen gut funktionierenden Nachrichtendienst und einen Staatsschutz. Und darum ist es auch so fatal, daß bei uns das BVT so zerschossen wurde, und der offensichtlich noch nicht als Staatsschutz wieder dort ist, wo er sein sollte.
Es gibt von Beater Meinl-Reisinger hierzu noch ein Interview, ein Jahr später, vom 7. August 2023 („Zeit im Bild“), das weder „FPÖ TV“ verwendet noch die Strippe verbreitet, und das kann verstanden werden, spricht doch Beate Meinl-Reisinger in diesem Interview vom „Lernen“ — ein Wort, obgleich ein deutsches Wort, das weder „FPÖ TV“ noch eine der Strippen kennt, und sie, „FPÖ TV“ und die Strippen, würden es als „dreist“ anprangern, wenn von ihnen verlangt werden würde, zu lernen, wenigstens etwas, doch noch zumindest ein wenig zu lernen. Und mit dem, was Beate Meinl-Reisinger innerhalb eines Jahres gelernt hat, soll dieses Kapitel enden:
Susanne Schnabl: Sie haben Herbert Kickl ja ziemlich hart auch „Volksverräter“ genannt in bezug auf Rußland.
Beate Meinl-Reisinger: Nicht ihn, die FPÖ, das ist nicht unwichtig. Weil die Frage ist immer, sagt man das über einen Menschen oder sagt man das in bezug auf Rußland, richtig. Weil ich der Meinung bin, daß diese Propaganda, die die FPÖ für Putin in Österreich macht, und Sie wissen, wir stellen uns immer noch die Frage, hat die FPÖ dafür was bekommen. Das ist nicht patriotisch und das verrät auch unsere Werte. Aber ich sage Ihnen auch, was ich letztlich gesagt habe. Ich habe das damals bewußt verwendet, im Sommergespräch bin ich das ja gefragt worden, und ich habe gesagt, ich habe das verwendet, weil von rechter Seite das sehr oft mir entgegengehalten wird, daß ich eine „Volksverräterin“ wäre, und daher habe ich diesen Begriff verwendet. Ich finde mittlerweile, weil Sie vom Stil gesprochen haben, daß das falsch war, daß ich das verwendet habe. Denn es gibt ja dieses Zitat: Wenn man mit Ungeheuern kämpft, sollte man aufpassen, nicht selbst eines zu werden. Also nur weil sich Rechtsextreme, Rechtspopulisten einer solchen Sprache bedienen, sollten wir das nicht auch machen. Das habe ich jetzt gelernt.
Doch nach dieser Wahl […] Optionen aus […] So verordnet Bundespräsident […] sogenannte Sondierungsgespräche. Alle Parteien sollen aus der Blockadesituation herausfinden.
Das war vor fünfundzwanzig Jahren. Wird in der Fernsehdokumentation „Schicksalstage Österreichs -Die schwarz-blaue Wende“ am 16. November 2024 berichtet. Nicht Alexander Van der Bellen, sondern Thomas Klestil war Bundespräsident.
Fündundzwanzig Jahre später, im Oktober 2024, sagt Alexander Van der Bellen:
Eine klassische Pattsituation Das führt mich, das führt uns alle, unweigerlich zur Frage: Wie kommen wir aus dieser Pattsituation heraus? Mit wem sollte er dann sondieren […]
Liebe Österreicherinnen und Österreicher, wie gesagt, bisher war es üblich, den Wahlsieger mit der Führung von inhaltlichen Gesprächen zu beauftragen. Aber wie Sie sehen, die Lage ist diesmal alles andere als üblich.
Daher bitte ich die Vorsitzenden der drei stimmenstärksten Parteien, Herbert Kickl, Karl Nehammer und Andreas Babler, Gespräche miteinander auf Parteichef-Ebene zu führen und verlässlich zu klären, ob und welche wechselseitige Zusammenarbeit grundsätzlich vorstellbar ist oder wäre.
Ich werde die drei Vorsitzenden Ende nächster Woche einladen, vom Ergebnis zu berichten.
Ja, das ist neu in der Vorgangsweise.
Aber notwendig, um aus der Pattsituation herauszukommen. Und zwar, ohne wertvolle Zeit zu verlieren. Wir brauchen Klarheit. Und wenn wir etwas nicht brauchen, sind es leere Kilometer. Sogenannte Sondierungsgespräche […]
Und fünfundzwanzig Jahre zuvor:
Sondierungsgespräche Im Auftrag des Bundespräsidenten: Suche nach einem Ausweg aus dem Patt nach der Wahl
„Regierungsbildung Insbesondere 1999/2000 – Diskussionspapier Nr. 80-R-2000 o. Univ. Prof. Dr. Manfried Welan, Institut für Wirtschaft, Politik und Recht, Universität für Bodenkultur Wien“
Weder das „Patt“ noch die „Gespräche“ sind also neu, also alles andere als unüblich in diesem Land, und wer wüßte das nicht besser als Alexander Van der Bellen, der Mann mit Geschichte; er führte vor fünfundzwanzig Jahren selbst Gespräche, weil ein Bundespräsident Gespräche nicht nur zwischen den drei stimmenstärksten Parteien — Und der Auftrag fünfundzwanzig Jahre später des Alexander Van der Bellen an die drei stimmenstärksten Parteien auf „Parteichef-Ebene“ ist, zu klären, „welche wechselseitige Zusammenarbeit grundsätzlich vorstellbar ist oder wäre.“ Also hat er, Alexander Van der Bellen, nichts anderes als „inhaltliche Gespräche“ geordert, Sondierungsgespräche, die, einfach wie kurz Gespräche zu nennen sind; was sollte auch sonst als Inhaltliches besprochen und also sondiert werden, wenn es um „Zusammenarbeit“ …
Nach diesen Gesprächen hat Bundespräsident Thomas Klestil Viktor Klima mit der Regierungsbildung beauftragt, das Ergebnis ist bekannt, besonders für den Mann mit Geschichte, es wird natürlich auch Menschen in Österreich geben, denen das Ergebnis nicht bekannt ist, das ist eine Eigenschaft besonders von Männern, die für sich die Beschreibung in Anspruch nehmen dürfen, das zu sein: der Mann ohne Geschichte …
Alexander Van der Bellen hat nun im Oktober 2024 den Obmann der zweitstimmenstärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt, im Gegensatz zu vor fünfundzwanzig Jahren,
vor fünfundzwanzig Jahren hat die zweitstimmenstärkste Partei den Obmann der drittstimmenstärksten Partei zum Bundeskanzler gemacht, obwohl der Bundespräsident mit der Regierungsbildung den Obmann der stimmenstärksten Partei beauftragte.
Wie viele Herauswindungen werden fünfundzwanzig Jahre später wieder zu den in so kurzer Zeit schon bisherigen noch öffentlich geturnt werden, um am Ende dann wieder ein Ergebnis zu propagandieren, in dem die Turnenden einzig allein ein positives sehen können werden wollen —
Dann wird es ein schwieriger Flug werden, den dieses Flugzeug dann, dieses Koalitionsflugzeug, das momentan für mein Gefühl ein bißchen herumirrt auf dem Vorfeld und die Startbahn noch gar nicht einmal für sich entdeckt hat. Also hoffen wir, daß das tatsächlich eine, doch, ja, dann nicht verlorengeht, als Orientierung.
Das andere Thema. USA. Und jetzt auch schon die Bestellungen, die Donald Trump, der gewählte Präsident, also auch gemacht hat. Und auch da wieder möchte ich das gar nicht kommentieren, im einzelnen, wo diese Bestellungen gut sind oder nicht. Das, was mir da auffällt, ist diese unglaubliche Arroganz, die in Europa besteht, auch in Österreich, wenn man sich die Diskussionssendungen anschaut, gegenüber den USA, meistens von Leuten, die wirklich von den USA keine Ahnung haben, nicht verstehen, wie da die Dynamik auch in Amerika lauft. Also, ich kann zumindest behaupten von mir, daß ich doch, ich weiß nicht, die letzten Jahrzehnte immer mehrmals pro Jahr in den USA bin und mit vielen Leuten dort in Kontakt bin. Also man darf das nicht unterschätzen diese Problematik, diese Angst vor den Demokraten, und auch da wieder, daß sozusagen der Wille aufgezwungen wird den Menschen, das ist in Amerika ein sehr, sehr hohes Gut, daß Leute nicht, also daß Leute das Gefühl haben, sie wollen nicht vom Staat zu irgendwelchen Dingen gezwungen werden, natürlich auch keine hohen Steuern und eine Erhöhung der Sozialleistungen.
Es könnte an dieser Stelle bereits beendet werden, Martin Engelberg weiter erzählen zu lassen. Es komme jetzt, so Engelberg, zu einer „Disruption“, also zu einer Störung, zu einem Zusammenbruch, zu einer Zerrüttung … eine „disruptive Gegenreaktion“, so Engelberg, mache „Trump und diese Administration“, also eine zerstörerische …
Für solch eine Zerstörung, für solch einen Zusammenbruch, für eine derartige Zerrüttung, für solch eine Spaltung spricht Engelberg das sein Wort —
Ich glaub, da sollten wir als Europäer mehr Demut haben und auch anerkennen, daß jedenfalls die USA momentan auf der Überholspur sind und, so wie die Aktienmärkte und die Märkte es zeigen, ist ein unglaublicher Optimismus da, daß es unter Trump noch viel besser wird, während wir in Europa und gerade auch in Österreich und in Deutschland ja wirtschaftlich sehr, sehr stagnieren. Also da fordere ich doch ein bißchen mehr Demut und, ja, Beruhigung auf unserer Seite ein. Ich denke, das wars […]
„[E]in Elon Musk hier sehr, sehr gut täte“, so sieht es Martin Engelberg. Wer könnte das in Österreich sein? Wer könnte in Österreich all das abdecken, was „ein Elon Musk“ abdeckt, zum Beispiel auch den Antisemitismus? Martin Engelberg muß dabei doch an einen österreichischen Menschen denken, ist er doch gegen einen „importierten Antisemitismus, wie beispielsweise seinem Interview mit dem „Rotary Magazin“ vom 1. Dezember 2023 zu entnehmen ist:
Es sieht ganz danach aus, als hätte Wladimir Putin Elon Musk in den letzten Jahren rekrutiert. Das «Wall Street Journal» berichtete, dass es bereits 2022 bestätigte Kontakte zwischen Putin und Musk gab. Es scheint also, als hätte der Kreml Musk geraten: «Wenn Sie wirklich mit Ihrer Raketenfirma zum Mars wollen, müssen Sie zuerst die Regulierung abbauen. Und dafür muss die Grösse der US-Regierung reduziert werden.» Russland scheint sowohl Elon Musk als auch Donald Trump als Schachfiguren einsetzen zu wollen, um seine Ziele zu erreichen.
Ich habe da eine Umfrage gesehen vor kurzem, wo nicht einmal 50 % der Österreicher sagen, leistungsbereit und willig sind oder sich auch als beruflich erfolgreich sehen wollen, also das heißt, wir haben da wirklch ein großes Problem, und wir tun sozusagen als Staat auch viel dafür, diese Leistungsbereitschaft, das Interesse gar nicht entstehen zu lassen.
Vor kurzem hat also Martin Engelberg, erzählt er am 15. November 2024, eine Umfrage gesehen; er sagt aber nicht, welche Umfrage er gesehen hat, er sagt aber auch nicht, von wann, von wem, von wann und mit wie viel Befragten diese Umfrage ist, die er gesehen …
Gelesen werden können Umfragen und Studien zur Leistungsbereitschaft, es gibt also nicht nur die eine von Martin Engelberg gesehene, wo immer er diese auch sah, vielleicht sah er sie bei seiner letzten Wegfahrt vom Parlament in der Straßenbahn auf dem Infoscreen —
Es gibt zum Beispiel eine zu lesende Umfrage aus dem Jahr 2022 für Österreich, mit dem Ergebnis, daß 27 % Leistungsbereitschaft für äußerst wichtig, 48 % für sehr wichtig und 21 % für eher wichtig einstufen.
Es gibt zum Beispiel eine zu lesende Umfrage aus dem Jahr 2024 für Österreich, mit dem Ergebnis, daß 48 % Leistungsbereitschaft als gesellschaftlichen Wert für sehr wichtig und 39 % für eher wichtig einstufen.
Das von ihm Gesehene ist Martin Engelberg Grundlage seiner beeindruckenden Analyse am 15. November 2024:
Ich möchte da gar nicht im Detail darauf eingehen, wie das ablauft und wie da die Dynamik ist. Ich glaube, was sozusagen das Wichtigste ist, eigentlich das Bewußtsein dafür, worum es da geht. Und das ist ja nicht wenig. Wenn wir da analysieren, wie die gesellschaftliche Dynamik da in Österreich ist, dann, glaube ich, haben wir doch deutliche Signale einer Erosion in bestimmten Richtungen vor uns. Das eine ist eine Leistungs-Erosion und das andere ist eine Werte-Erosion, also wir verlieren da komplett den Bezug dazu, was, wie wir unseren Wohlstand sozusagen erreichen oder erreicht haben, und den Bezug dazu, daß das eben nur über Leistung geht. Ich habe da eine Umfrage gesehen vor kurzem …
Für die „Werte-Erosion“ bezieht sich Martin Engelberg aber auf keine von ihm irgendwo und irgendwann gesehene Umfrage —
Und auf der anderen Seite diese Werte-Erosion, nämlich, daß wir zugelassen haben, daß das Sprechen der deutschen Sprache, eine ordentliche Erziehung, ein Anerkennen der westlichen Werte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, vor allem auch Frauenrechte, also alles das, daß wir nicht mehr einfordern, daß wir in dieser Gesellschaft das so erodieren lassen. Und ich glaube, da ist eine hohe, jetzt, ja, Alarmismus muß man fast sagen, Alarmstimmung in der Bevölkerung, und auch da wieder, was auch immer und wie auch immer diese Regierung zustandekommt, glaube ich, muß das adressiert werden.
Welchen Stellenwert diese von ihm geseheen Werte in Österreich tatsächlich haben, kann beispielsweise in diesen zwei oben genannten Umfragen ebenfalls gelesen werden, wie den zwei Abbildungen zu entnehmen ist. Kurz zusammengefaßt: weder eine Erosion, wie sie Engelberg sieht, der Leistungsbereitschaft noch eine Erosion, wie sie Engelberg sieht, der Werte.
Am Ende verabschiedet sich Martin Engelberg, nachdem er von so vielem, das er gesehen hat, am 15. November 2024 erzählt hat, mit: „Ich denke, das wars …“
Michael Pollak schreibt in der blinden Passagierin, also in der „Heute“, am 14. November 2024 — eine blinde Passagierin der öffentlichen Verkehrsmittel ist sie, genaugenommen, nicht, denn sie versteckt sich nicht, genauer wäre es also von einer Schwarzfahrerin zu sprechen, also in der Schwarzfahrerin von heute schreibt Michael Pollak:
Der Text stammt aus einem Geografie-Schulbuch für die 5. Schulstufe. Von den 94 Wörtern hat der Lehrer 28 Worte angestrichen – etwa jedes vierte Wort wird von der Mehrheit seiner Klasse nicht verstanden.
Wenn für einen Moment angenommen wird, Michael Pollak oder bereits Thomas Walach, von dem er den Text übernahm, hat die Wörter richtig gezählt, dann weiß er, Michael Pollak, einfach wie kurz gesagt, nicht, wie richtig gerundet wird. Bis zur Ziffer 4 wird abgerundet, ab der Ziffer 5 wird aufgerundet. Korrekt wäre also von ihm gewesen, abzurunden: etwa jedes dritte Wort … Oder er rundete großzügig auf, weil es ihm weniger dramatisch klingen wollte: „etwa jedes vierte …“
Aber es hapert bereits beim Zählen. Michael Pollak oder bereits Thomas Walach zählt „94 Wörter“ und „angestrichen“: „28 Wörter“. Ohne Titel sind es 93 Wörter und angestrichen: 31 Wörter. Es muss also weder abgerundet noch aufgerundet werden: jedes dritte Wort … Angestrichen sind von Thomas Walach aber bereits Wörter, die mehr als einmal vorkommen — Der Titel des Textes wird von Michael Pollak oder bereits von Thomas Walach nicht mitgezählt, mit diesem sind es 98 Wörter. Vielleicht werden Texte in der Klasse von Thomas Walach ohne Titel gelesen, und deshalb werden die fünf Wörter des Titels nicht mitgezählt; das wird von Michael Pollak oder bereits von Thomas Walach nicht aufgeklärt. Die Zählschwäche und die Rechenschwäche könnten vielleicht auch etwas mit dem Nichtverstehen der deutschen Sprache zu tun haben, wer selbst Wörter nicht versteht, kann auch nicht verstehen, daß ein und dasselbe angestrichene Wort selbst in einem derart kurzen Text mehr als einmal vorkommt und streicht es daher jedes Mal an, wenn es …
Das gute Deutsch von Österreich wird jetzt wohl endlich nach so vielen Jahren Dreijährigen beigebracht werden, damit sie bereits als Dreijährige ebenso akkurat das beste Deutsch — exemplarisch dafür ein paar Wörter aus der Ausgabe vom 13. November 2024:
Wie Babler fordert auch Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hatte ja eine klare Haltung seines Koalitionspartners. Dornauer soll sich beim Landesparteirat am Montag oder bei einem Landesparteivorstand der Vertrauensfrage stellen wird.
… auf den Platz gestellt … in Wien und in anderen Bundeshauptstädten, immer wird er kritisiert, er schaut scheiße aus, oder, der lebt ja gar nicht mehr …
Die Sendung am 12. November 2024 hat zu Tage gebracht, daß sie nicht nur, was Gags betrifft, seit langer Zeit schon in Rente, und in bezug auf Gags in Rente zu sein, heißt, bloß noch selbst zu applaudieren, lustig zu sein, und das letzte Glück im Rentenleben ist, es ist vollkommen gleichgültig, was für eine Gewürge etwa ein Rentner wie Grissemann … die Briefträgerin bringt trotzdem die Rente zu jedem Monatsersten in die Hütte in den Bergen hinauf —
was aber das größte Glück im Rentendasein ist, kann nicht so leicht gesagt werden, gewiß, die pünktlich hinaufgebrachte Rente ist ein Glück, ein Glück ist gewiß auch, in Rente noch ein Studioleben bildungsbefreit, das größte Glück jedoch wird wohl sein, daß alle anderen in der Bundeshauptstadt und in den Landeshauptstädten für die beiden Rentner, wie es die zwei bosom buddies geworden, was sie sind, unfreiwillig arbeiten, ihnen Gags frei Studioberghütte liefern; ohne diese säßen sie bloß da mit einem Knebel im Mund, würgten und außer Würggeräusche —
Es gibt den Antel-Bockerer und es gibt den Kehlmann-Bockerer.
Wenn aber heute vom „Bockerer“ gesprochen, geschrieben wird, wird heute nur noch vom Antel-Bockerer geredet, geschrieben, und gezeigt wird heute, im Fernsehen, bloß noch der Antel-Bockerer, der 1981 in die Kinos kam,
„Der Bockerer“ von Franz Antel, dessen Reaktion darauf, er sei ein „Nazi“, als er in den fünfziger Jahren Hans Weigel vorwarf, ein „mieser Jude“ zu sein, sei gewesen, „stolz“ sei er darauf …
Und Friedrich Torberg habe Franz Antel in den fünfziger Jahren Antisemitismus vorgeworfen.
Mit Friedrich Torberg beginnt die Geschichte vom „Bockerer“, der bei Torberg „Neidinger“ heißt, über den Friedrich Torberg einige Szenen schrieb, und sich durch Becher und Preses bestohlen fühlte, weshalb er wegen Verletzung seiner Urheberschaft klagte; den Prozeß verlor Friedrich Torberg.
Im Oktober 1948 wird „Der Bockerer“ von Ulrich Becher und Peter Preses im „Neuen Theater an der Scala“ in Wien, auf der Wieden, im vierten Bezirk, uraufgeführt. Friedrich Torberg, und mit ihm Hans Weigel, bekämpft nicht nur Bertolt Brecht, sondern auch die „Scala“. Weil es in deren Augen, einfach wie kurz gesagt, ein „kommunistisches Theater“ ist. Mit ihrer Hetze sind sie dabei äußerst erfolgreich. Sie, die „CIA-Agenten“ vom „Forvm“, werfen u. a. den Schauspielerinnen und Schauspielern der „Scala“ vor, „kommunistische Agenten“ zu seien. Um es kurz zu machen. Bereits 1956, ein Jahr nach dem sowjetischen Abzug aus Österreich, wird der Theaterbetrieb eingestellt, Förderungen gibt es für die „Scala“ keine, auch nicht mehr von der kommunistischen Partei. Engagements gibt es für Mitglieder des Ensembles in Österreich keine mehr, einige von ihnen kommen im „Berliner Ensemble“ unter, etwa Karl Paryla, gegen den Torberg und Weigel ein „Auftrittsverbot bei den Salzburger Festspielen“ durchsetzen.
Und ebenfalls nur nebenbei, in Deutschland wird, etwa auch zur Zeit des Errichtung der Berliner Mauer“ allenthalben ein „Brecht-Boykott“ propagandiert – ohne Erfolg aber; in Deutschland hätten Torberg und Weigel mit ihrer Hetze keinen Erfolg für sich buchen können. Nur in Österreich sind sie erfolgreich; was für weitere Karrieren hätten sie — wären sie ohne ihre Gnade der richtigen Geburt gewesen — sonst wohl noch gemacht haben können?
Sollte auch darüber nachgedacht werden, weshalb der Antel-Bockerer sein Geschäft in der Garbergasse hat und nicht wie der Kehlmann-Bockerer in der Paniglgasse auf der Wieden? Die Wieden zu bürgerlich, zu adelig für einen Karl Bockerer? Die Mariahilf hingegen?
An dem Drehbuch des „Bockerer I“ — nur von diesem wird von jetzt an noch gesprochen werden — soll, auch wenn er im Vorspann nicht angeführt ist, H. C. Artmann ebenfalls mitgeschrieben haben. Ob es H. C. Artmann selbst verhinderte, genannt zu werden, als ihm vielleicht einleuchtete, klar wurde, woran er da mitarbeitete?
Es ist bald wieder der 9. November, und deshalb ist es die richtige Zeit, in der Vornacht vom Bockerer zu reden, der in der Nacht lebte, sein Sohn mit Pflastersteinen in den Straßen selbst in dieser Nacht des 9. Novembers —
Natürlich kommt Franz Antel nicht umhin, die Bösartigkeit des österreichischen Menschen zu zeigen, es sind auch zum Straßenwaschen gezwungene jüdische Menschen zu sehen, auch beispielhaft eine Arisierung, aber die Massenmorde an jüdischen Menschen werden ausgeklammert, im Fokus ist der Krieg, ein Schwelgen in Original-Aufnahmen, das aus dieser Zeit nur nationalsozialistisches Material sein kann —
Und im Fokus auch die Homosexualität des SS-Mannes Gstettner, gespielt von Michael Schottenberg, und des Gestapo-Mannes Lamm, gespielt von Klaus-Jürgen Wussow, und auch darüber will gar nicht nachgedacht werden, was Franz Antel damit —
Je mehr über den Antel-Bockerer nachgedacht werden könnte, desto abgründiger würde dieser erscheinen. Das Harmlose an dem Antel-Bockerer ist noch, daß Karl Bockerer, gepielt von Karl Merkatz, mundelt, zumindet zweimal sogar mehr oder weniger wörtlich … Wie wenig aufklärend oder sogar anti-aufklärerisch dieser Film ist, soll zum Schluß exemplarisch die Rede vom SS-Mann Gstettner in der Gegenüberstellung vorführen.
Im Antel-Bockerer Michael Schottenberg:
Gstettner, SS: Wirst a Hetz hobn in Rußland. Sein nächster Liebhaberkamerad: Auf diese Partisanen bin i goar nit schoarf. Gstettner: Aber Blödsinn, die gibts in Woarheit über kurz oder long gor nimma mehr. Liquidation. Vastehst. Alle verdächtigen Elemente im besetzten Gebiet zack weg. Liebhaberkamerad: Ja, aber wie? Gstettner: Zammfangn, in einen Heereslaster, je mehr, desto besser, Türe zu, Motor anlassn. Sobald der Motor lauft, blast Gast in das hermetisch Abgeschlossene in das Innere des Wagens. Nach zwanzig Minuten sind alle erledigt, bis höchstens a poar Weiba, die Ludern sind zach. Liebhaberkamerad: Des is a deutsche Technik. Gstettner: Umsiedlung heißt die Aktion. Die Trotteln glauben, sie werden per Heereslaster woanders hinbracht. Kleider, Wertgegenstände abliefern, sicherstellen, Ringe, Goldzähne etc. an das Finanzministerium. Das is halt das Fade an der ganzen Geschichte. Aber sonst wirst a Riesenhetz hobn in Rußland.
Im Kehlmann-Bockerer erzählt Gstettner, gespielt von Walter Kohut, dasselbe, aber nicht auf dem Bahnhof, sondern im Café Tosca, kurz bevor Karl Bockerer sich mit seinem Sohn Hansi auf Vermittlung von Hatzinger im Café Tosca zum Abschied treffen. Gstettner und Hansi spielen eine Partie Billard, und bei dieser berichtet Gstettner:
Hansi: Heil Hitler, Ferdinand. Gstettner: Heil Bockerer Hans. Wann fährst denn? Hansi: Heute nacht, 2 Uhr zehn, das Gepäck ist schon auf der Ostbahn. Der Mutter hab ich schon Adieu gsagt, und wie ich mit meinem Alten steh‘, das weißt ja. Ist über Nacht gekommen, die Gschicht bei mir. Komm, jetzt setzen wir uns. Erzähl mir was von den Russen. Gib mir ein paar Tipps. Gstettner: Du weißt ja noch gar nicht, wohin du kummst. Hansi: Gar nix weiß i. Aber ich habe nie damit gerechnet, daß ich eingezogen werd. Gstettner: Fährst vielleicht nicht gern? Hansi: Aber selbstverständlich, ich bin doch begeistert. Also wos geht vor an der Ostfront, erzähl. Gstettner: Es gibt nicht viel zu dazöhln. Wirst schon selber draufkommen. Kumm, mochma a Billardpartie.
Hansi: Schau, Ferdl, da sind so viele Gerüchte im Umlauf über diese Partisanen oder wie die heißen. Du weißt eh, die russische Zivilbevölkerung. Sag einmal, wie hobts ihr eigentlich als SS das Problem gelöst? Gstettner: Partisanen? Damit hob i eigentlich nicht viel zu tun gehobt. Mehr Infanterieangelegenheit. Du wirst damit warscheinlich zu tuan hobn. Dei Stoß. Hansi: Eigentlich merkwürdig, daß diese Bolschewisten, diese Untermenschen die Courage habn, so an hirnrissigen Widerstond zu leisten. Gstettner: Brauchst ka Ongst hobn, wir ramen schon auf, wir Einsatztruppen unterm Kaltenbrunner, auf den können wir stolz sein, auf den Kaltenbrunner, wir in der Ostmark. Hansi: Sag mal, was habt ihr Einsatztruppen eigentlich für a Funktion? Gstettner: Liquidation der verdächtigen Elemente im besetzten Gebiet. Verdächtig sind alle, vastehst, Russen, Polen, Juden, die gonzen Viecher mit an Wort. Es gibt natürlich verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel a Lostwogen. A gonz gewöhnlicher Heereslostwogen, äußerlich gar nichts dron zu bemerken. Und wast wos in Wirklichkeit is? Hansi: Na, wos denn? Gstettner: A ambulante Gaskammer. Hansi: In an Lastwogen? Gstettner: Ja, die Untermenschen werden einmal einepfercht in den Wogn, je mehr, desto besser, wonn die Tür zu is, der Motor rennt, dann strömt automatisch Gas in das hermetisch abgeschlossene Innere des Wogens. Automatisch. Dulli. Wos? Sobald ma donn beim Massengrob anglongt san, Viertelstund, zwanzig Minuten, je nachdem, Löschkolk usw. vurbereitet, san die meisten eh schon hin, bis auf a poar Weiba holt. Des is dei Stoß. Hansi: Frauen sind da auch dabei? Gstettner: Frauen, Kinder. Spül, spül, spül.
Gstettner: Daß ma wieder mol a offenes Bier kriagt. So a Urlaub is a Freud. Hansi: Sag einmal, sind das alles Spione, die ihr da vergasts? Gstettner: Jeder einzelne. Wie spülst denn, wos host denn, du woarst doch früha a Koryphäe beim Billard.
Hansi: I hab geglaubt, eure Spione, die werden erschossen. Gstettner: Ja, was auch viel mehr nach meinem Gusto is. I hob dir ja gsogt, wir haben verschiedene Möglichkeiten.
Gstettner: Die Vertülgung als solche is gonz anfoch. Normalerweise hot man sie […] gführt, ausziehn lossn, gleih Wertgegenstände abliefern und donn habn wirs einepfeffert, wonn ana nit glei hin woar, donn hat er an Gnodenschuss krieagt. Kompliziert is es erst nochher wordn. Die gonze Kleidung, Wertgegenstände ordnen und plangemäß abliefern, waggonweis habn wir es verfrachtet, die Wertgegenstände wie Goldzähne usw. ans Finanzministerium, alles plangemäß, fost nie, daß in meiner Abteilung amoil a Unterschlagung vorkommen war, alles hoch anständige Burschen.
Gstettner: Ah, schwoche Nerven? Reisefieber? Hansi: Nein, nein, schlecht is mir von dem Zeug, dem Süßen. Gstettner: I muaß gehn, i hob noch a Rendezveus, mit ana Jüdin. Also, reiß di zsamm, vielleicht sehn wir sich in Stalingrad. Heil Hitler. Hansi: Heil Hitler.
Der Antel-SS-Gstettner erzählt von „Partisanen“, von Frauen zwar auch, aber nicht von „Juden …“ Es werden halt, werden wohl Zusehende denken können, „Partisaninnen“ sein, die zu … so sei es halt in einem Krieg …“
und dazu erzählt eine Stimme aus dem Off von dem Ersparen des Weges nach Stalingrad und wieder zurück, vom Kampf des Österreichers, „aber hinhalten haben wir unseren Schädel müssen“ —
Wie anders hingegen das Ende des Kehlmann-Bockerers, in dem Karl Bockerer einem aus der psychiatrischen Anstalt Steinhof entsprungenen Österreicher, der, Alois Selchgruber, von sich meint der Überösterreicher zu sein, ihm alles vorhält, was ihm vorzuhalten ist, seine Verbrechen, ihn einen „Massenmordfabriksdirektor“ … Der Kehlmann-Bockerer endet nicht mit
„Wir sind eben schon wieder einmal befreit worden.“
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