Barbara Coudenhove-Kalergi das Schreibrecht entziehen

Barbara Coudenhove-Kalergi irrt.

Das Buch von Jason Brennan ist nicht „1916“, wie sie schreibt, erschienen, sondern 2016.

Dennoch schreibt sie die Wahrheit, wenn sie „1916“ schreibt. Ihr Artikel „Können Wähler irren?“ und das Buch „Against Democracy“ gehören tatsächlich in die Jahre 1916 und 1919, nicht in die Jahre 2016 und 2019.

„Brennans These: Demokratie ist die Herrschaft der Ignoranten und der Irrationalen. Besser wäre eine ‚Epistokratie‘, eine Herrschaft der Wissenden. Jason Brennan, Professor für Politikwissenschaften an der renommierten Georgetown-Universität in Washington D.C., nimmt die Resultate demokratischer Wahlen im Laufe der Geschichte unter die Lupe. Er kommt zu dem Schluss, dass diese sehr oft keineswegs im Sinne des Gemeinwohls und der Interessen des Landes ausgefallen sind:“

Schreibt Barbara Coudenhove-Kalergi am 26. September 1919 in der Tageszeitung des österreichischen Qualitätsstandards. Wer die Geschichte allein bis 1919 nur unter die Lupe nimmt, kann auf Thesen gänzlich verzichten, wird anhand der Resultate aristokratischer Herrschaft bloß den Schluß ziehen: Herrschaften der Ignoranz und des Irrationalen.

Und Jason Brennan bringt 1916, so Barbara Coudenhove-Kalergi 1919, den Begriff „Epistokratie, eine Herrschaft der Wissenden“.

Nun, die „Wissende“, das darf angenommen werden, sie zählt sich unbedingt dazu, die „Wissende“ Barbara Coudenhove-Kalergi hätte nicht die weite Welt zu sich auf die Couch holen müssen. Der Begriff „Epistokratie“ geistert auch lange schon in Österreich. Hier in der Variation „Meritokratie“. Und wer in Österreich für eine „Meritokratie“ ist, nun diese Männer, es sind vor allem Männer, wird sie wohl auch – zugegeben, das ist eine Vermutung – zu den „Wissenden“ zählen; keine Vermutung allerdings ist es, dass diese Männer mit Bestimmtheit als „Wissende“ sich selbst verstehen und überzeugt sind, absolute „Wissende“ zu sein …

… „Wissende“, die den Gipfel österreichischen Journalismus —

Mag Barbara Coudenhove-Kalergi auf ihrer Couch mit Amerika korrespondieren, hier, in diesem Kapitel, wird Österreich nicht verlassen. Wer allein die wenigen Monate der letzten Regierung in Österreich unter die Lupe nimmt, mit ihren Beschlüssen im Parlament, wird zu dem Schluß kommen, daß diese sehr oft keineswegs im Sinne des Gemeinwohls und der Interessen des Landes ausgefallen sind. Es darf angenommen werden, daß für Barbara Coudenhove-Kalergi die Männer und Frauen in der Regierung, die Männer und Frauen im Parlament „Wissende“ sind, nach ihren Ausführungen in ihrem Artikel von 1919.

„Hätten die ‚Wissenden‘, also diejenigen, die mehr über Politik und deren Folgen wussten, anders entschieden? Sind Gebildete die besseren Demokraten?“

Und menschgemäß kann es in Österreich, kann es für Barbara Coudenhove-Kalergi nicht ohne Adolf Hitler abgehen, wer auf der eigenen Couch die Welt sitzen hat, macht es nicht darunter.

„Adolf Hitler kam infolge einer demokratischen Wahl an die Macht, in der seine Nationalsozialisten zur stärksten Partei wurden.“

Das ist wahr, die NSDAP wurde stärkste Partei. Aber. Was heißt das: stärkste Partei? In der Wahl im Juni 1932 erhielt die NSDAP rund 37 Prozent, in der Wahl im November 1932 erhielt die NSDAP rund 33 Prozent, verlor sogar rund vier Prozent.

Sie wurde also stärkste Partei mit einem Prozentsatz etwas höher als der von der ÖVP in der letzten Nationalratswahl und ungefähr in der Höhe des für die ÖVP prognostizierten Prozentsatzes in der kommenden Nationalratswahl am 29. September 2019.

Adolf Hitler wurde nicht zum Reichskanzler gewählt, er wurde hinter verschlossenen Türen zum Reichskanzler gemacht. Es ist wahr, daß die NSDAP zur stärksten Partei gewählt wurde, auch in der Wahl im März 1933: mit 43,9 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt aber war Adolf Hitler längst Reichskanzler, nämlich seit dem 30. Jänner 1933. Die dritte Wahl innerhalb nicht einmal eines Jahres wurde notwendig, so die verbreitete Begründung damals, weil es NSDAP und Zentrumspartei nicht gelungen war, eine Koalition zu bilden. Deshalb wurde der Reichstag aufgelöst, im März 1933 ein weiteres Mal gewählt. Barbara Coudenhove-Kalergi erwähnt nicht, unter welchen Bedingungen diese Wahl im März 1933 stattfand, wie viele Parteien beispielsweise nicht mehr kandidieren durften. Adolf Hitler regierte bereits rund fünf Wochen, und was eine Herrschaft Hitler schon in diesen ersten Wochen hieß, davon erzählt die Geschichte ausführlich. Aber wer die große Welt bei sich auf der Couch hat, der hat keine Lupe, und die große Welt ist so groß, die wird auch ohne Lupe noch gesehen, besonders wenn diese so nah auf der eigenen Couch hockt. Unter diesen sich entfaltenden diktatorischen Bedingungen kam die NSDAP auf 43,9 Prozent.

Ein Prozentsatz übrigens, den die ÖVP am Sonntag bei weitem nicht erreichen wird. Die Wählerinnen in Österreich haben ebenfalls nicht die türkisgetupfte schwarzblaue Koalition gewählt, auch diese wurde hinter verschlossenen schalltapezierten Türen gemacht, ebenfalls also unter dem vollkommenen Ausschluß der Wählerinnen und Wähler.

Das Ergebnis der Nationalratswahl 2017, für das die Wähler sorgten, bot die Möglichkeit zu vielen Koalitionsvarianten. Nur für die „Wissenden“ war die FPÖ-ÖVP-Koalition die einzige Variante. Und auch die „Wissenden“ in den Medien verbreiteten diese einzige Variante massiv, auch in der Tageszeitung, für die Barbara Coudenhove-Kalergi schreibt.

„Kaiser Joseph II., der große ‚Aufklärer von oben‘, erklärte, noch unter dem Eindruck der Französischen Revolution, der seine Schwester zum Opfer gefallen war: Alles für das Volk. Nichts durch das Volk.“

Oh, wie „groß“ von ihm, die Wähler und die Wählerinnen opfern seine Schwester, aber er, so Coudenhove-Kalergi, erklärt … aus dem Grab heraus, alles für —

Barbara Coudenhove-Kalergi und der zweite Josef, das gibt es schon, in einem Kapitel über „Volkes Stimme“

„Wer nichts weiß und nichts versteht, lässt sich eher von Vorurteilen und Fake-News leiten und ist leichter manipulierbar, findet Jason Brennan. Der Autor von Against Democracy teilt die Wahlberechtigten in Hobbits, Hooligans und Vulcans ein. Hobbits sind Menschen, die sich im Grunde für nicht außer ihrer unmittelbaren Umgebung interessieren. Hooligans folgen dem Wettkampf der Parteien nur so, wie sie als Fußballfans dem Spiel ihrer Lieblingsmannschaft zuschauen. Aber wenn nur die Gebildeten, die Wohlhabenden und Privilegierten wählen dürften, wurde ihm entgegnet, würde dann nicht nur im Sinne der Reichen entschieden und die armen Teufel blieben auf der Strecke? Nein, sagt Professor Brennan. Wenn man die ‚unteren‘ 80 Prozent der weißen Wähler in den USA ausschlösse, wäre das vermutlich genau das, was die armen Schwarzen brauchten. Und das Fazit? Ja. die Demokratie ist angreifbar. Ja, die Mehrheit der Wähler kann auch irren.“

Wäre Brennan nicht ein Politikwissenschaftler von 1916 und wäre Brennan ein Politikwissenschaftler in Österreich, könnte gesagt werden, unter seiner Lupe Österreich, aber ausschließlich die letzte Regierung …

Die Ärmsten haben für Clinton gestimmt, während die Hälfte aller Trump-Wähler Jahreseinkommen über 100.000 Dollar haben. Auch der Bildungshintergrund spielte dabei keine wesentliche Rolle. Unter weißen Wählern mit Hochschulabschluss haben 49 Prozent für Trump gestimmt; 45 Prozent votierten für Clinton.“

Das ist weder von Coudenhove-Kalergi noch von Brennan, sondern von Susan Neiman. Es wurde bereits in einem Kapitel zitiert, das allerdings nichts mit den Vereinigten Staaten zu tun hat, aber sehr viel mit Österreich, mit Steuergeschenken, Postenvergaben usw. Und es ist ein Kapitel, das nicht von den Jahren 1916 und 1919 erzählt, sondern vom Jänner 2018.

Die Einschränkung könnte, nach Brennan und Coudenhove-Kalergi, noch weiter getrieben werden, es könnten überhaupt nur noch „Superwissende“ das aktive und passive Wahlrecht … das wäre darüber hinaus auch äußerst kostengünstig. In Österreich müßte nach Brennan-Coudenhove-Kalergi nur eine sich der Wahl stellen und nur eine noch wählen, eine Frau die eine „Superwissende“ ist, vereint sie doch durch ihre Biographie Journalismus und Politik in sich auf das adeligste.

Das ist eigentlich schon zu viel Beschäftigung, mit einem Artikel von 1919, mit einem Buch von 1916.

Eines doch noch, aber kurz. Vielleicht kommt Amerika noch dazu, wenn es schon so gemütlich bei ihr auf der Couch sitzt, Barbara Coudenhove-Kalergi zu erzählen, daß Donald Trump nicht die Mehrheit an Stimmen hatte, um Präsident zu werden, sondern er sein Amt dem amerikanischen Wahlrecht zu verdanken hat.

Der Entzug des Schreibrechts bedarf aber doch einer gesonderten Erwähnung. Den Wissenden, die etwa in Zeitungen schreiben, das Schreibrecht zu entziehen, wenn sie sich irren, ist keine These, sondern mehr und mehr eine berechtigte Forderung. Und zugleich eine falsche Forderung. Denn. Um beim Beispiel der „Wissenden“ des Journalismus zu bleiben, sie, die Journalistinnen und Journalisten irren sich nicht freiwillig, sie irren sich im Auftrag ihrer Dienstgeber, ihre Irrtümer werden ihnen von ihren Herausgeberinnen, von den Eigentümern der Medien, für die sie arbeiten, vorgeschrieben. Es bleibt also aktuell, was Herr Keuner einst sagte, er wolle andere Zeitungen. Nein, es bleibt nicht aktuell, was Herr Keuner sagte, daß er andere Zeitungen wolle, vielleicht meinte er damit, er wolle andere Massenmedien; die Gegenwart hinkt auch darin hinterher.

Eines noch. Kurz wirklich das Letzte. Das Fazit nämlich.

Wenn du so eine Demokratin hast, brauchst du keine Diktatur gleich in welcher Begriffsmaske mehr.

Das wäre ihr, Coudenhove-Kalergi, Apologetin des Aristokratischen gleich in welcher Begriffsmaske, wohl geantwortet worden, damals 1919, als sie schrieb …

„Islam im Zwielicht“ – Geht es noch verlogener, Barbara Coudenhove-Kalergi?

Religion im ZwielichtEine zweite Schalek wird Barbara Coudenhove-Kalergi nicht mehr werden, denn dafür fehlt der Gegenwart ein Karl Kraus. Und eine zweite Schalek muß heute auch nicht mehr als Figur auf eine Bühne gestellt werden. Es reicht, der kraus’schen Schalek zuzusehen und zuzuhören, und dabei an Barbara Coudenhove-Kalergi zu denken. Dazu muß geschrieben werden, das ist schlimmer als vor einhundert Jahren. Die kraus’sche Schalek befand sich bereits im Krieg, Barbara Coudenhove-Kalergi schreibt einen Krieg herbei, und das ist das Schlimme an dem Geschreibe von Barbara Coudenhove-Kalergi, einhundert Jahre später keine andere Antwort zu haben, als einen Krieg herbeireden zu wollen, keine andere Antwort zu haben, als die Aufgabe der Toleranz.

Und so etwas geht nie ohne Verlogenheit ab. Beinahe bei jedem Absatz des Artikels von ihr unter der Schlagzeile „Islam im Zwielicht“ in der Ausgabe vom 2. Oktober 2014 der Tageszeitung „Der Standard“ mußte augenblicklich gedacht werden, geht es noch verlogener? geht es noch falscher?

Es beginnt bereits mit der Schlagzeile. Richtig müßte diese lauten: Religion im Zwielicht.

Religion im Zwielicht.

Denn.

Die reflexartige Antwort des praktizierenden Katholiken Joe Biden, US-Vizepräsident, auf den mörderischen Terror der Wüstengottmordbande war:

„Wir werden sie bis zu den Toren der Hölle verfolgen, bis sie zur Rechenschaft gezogen werden. Denn die Hölle ist der Ort, wo sie sein werden.“

Ein Gott gegen einen anderen Gott. Eine Hölle gegen eine andere Hölle. Derart mittelalterlich wird auf beiden Seiten gedacht. Eigentlich schlimmer als im Mittelalter. Denn. Aus dem Mittelalter ging es in eine neue Zeit, in die Morgenröte, heute, so scheint es, geht es in ein Mittelalter, aber ohne Aussicht auf eine neue Zeit, keiner Morgenröte mehr entgegen.

Die Wüstengottmordbande wird wohl nicht anders zu stoppen sein, als mit Gewalt. Das ist wohl bitter wahr. Kurzfristig gedacht. Aber langfristig gedacht, gibt es eine Antwort. Eine Antwort, die Barbara Coudenhove-Kalergi nicht einfällt. Die einzige Antwort, und zwar die Entreligionisierung der Welt, die Herabstufung der Religionen zu gewöhnlichen Weltanschauungen, die Einreihung der Religionen unter die Abertausenden von Weltanschauungen, die es in der Menschenwelt gibt, endlich ohne weitere Bevorzugung der Religionen vor anderen Weltanschauungen, und was selbstverständlich ist, ohne Religionen, sind diese endlich gewöhnliche Weltanschauungen geworden, gegenüber anderen Weltanschauungen zu benachteiligen. Denn. Ohne Entreligionisierung der Welt wird es immer so weitergehen. Wenn die Wüstengottmordbande zerschlagen ist, verloren hat, ihre Attraktivität verloren haben wird, kommt wie das Amen im Gebet die nächste …

Und es geht bereits mit dem ersten Absatz weiter, den Barbara Coudenhove-Kalergi schreibt:

„Nie wieder Krieg. Lernen aus der Geschichte. Frieden schaffen ohne Waffen. Keine Gewalt. Jahrzehntelang war das so ziemlich der allgemeine Konsens in Europa.“

Geht es noch verlogener? Geht es noch falscher? In einem anderen Zusammenhang aber mit Österreich-Bezug wurde erst vor wenigen Tagen das Urteil von Paul Valéry zitiert, daß Geschichte nichts lehre … Nun, wenn Geschichte auch nichts lehrt, aber gelernt sollte sie werden und sein. Es mag der allgemeine Konsens zugetroffen haben, keine Gewalt, jedoch mit der Einschränkung, keine Gewalt in Europa. Keine Gewalt auf anderen Kontinenten, das war auch in Europa je kein allgemeiner Konsens. Oder, Konsens schon, aber kein Handeln danach. Ein Konsens von der Qualität wie eine allgemeine Feststellung, es regne heute, dabei sei Sonne angesagt gewesen, und mit einem Achselzucken ist die Feststellung wieder vergessen. Im Grunde, nicht einmal in Europa selbst, wird etwa an Jugoslawien gedacht. Ach, nie wieder Krieg, und weil das, so Barbara Coudenhove-Kalergi, jahrzehntelang allgemeiner Konsens in Europa gewesen sei, gibt es in Europa seit Jahrzehnten keine Waffenindustrie, werden in Europa seit Jahrzehnten keine äußerst lohnenden Geschäfte mehr mit Waffenverkäufen in alle Welt gemacht …

„Und der Friedenspräsident in Washington spricht vom Zerstören und Vernichten der Feinde. Die Gewalt, so Barack Obama, ist die einzige Sprache, die diese Mörder verstehen. In Deutschland hat sich Bundespräsident Joachim Gauck, seines Zeichens evangelischer Pfarrer, angesichts des Terrors für Waffengewalt ausgesprochen und sich damit den Zorn friedensbewegter Glaubensbrüder zugezogen.“

Vielleicht sollte irgendwer Barbara Coudenhove-Kalergi in einem persönlichen Gespräch endlich darüber aufklären, daß ein Präsident, der den Friedensnobelpreis erhielt, deshalb nicht zwangsläufig auch ein Friedenspräsident sein muß. Aber, das ist zu befürchten, weiß sie ohnehin zu genau. Das ist möglicherweise die höchste Verlogenheit in diesem ihrem Artikel. Wurde je anders als mit Waffengewalt Terror bekämpft?

„Freilich, eine wirkliche Alternative haben auch die überzeugten Pazifisten nicht anzubieten. Diplomatie? Überzeugungsarbeit? Eine politische Lösung? Verhandeln? Beten? Alles schon probiert, alles kein Erfolg. Wenn im Internet ein ums andere Mal Videos von Enthauptungen Andersstämmiger, Andersgläubiger, Andersdenkender auftauchen, verstummen die Argumente. Ratlosigkeit regiert.“

Das wird die Waffenindustrie der westlichen Gesellschaften freuen, zu lesen, der Pazifismus hat keine Alternative zur Gewalt anzubieten, der Pazifisimus ist keine Alternative zur Gewalt. Terror ist ein Verbrechen. Und in den Staaten Europas gibt es Strafgesetzbücher, nach denen Verbrechen verurteilt werden können. Das wird, ist zu hoffen, auch Barbara Coudenhove-Kalergi bekannt sein, daß es auch in Österreich ein Strafgesetzbuch gibt, nach dem Morde, Gewaltverbrechen jedweder Art bestraft werden können. Ein Mörder ist ein Mörder, eine Gewaltverbrecherin ist eine Gewaltverbrecherin, und das Strafausmaß ist rechtsstaatlich festgelegt. Das ist mehr als ausreichend. Der Rechtsstaat mit seinem Strafgesetzbuch ist ausreichend. Sollte und muß Grund genug sein, gelassen auch an die Verbrechen von Menschen heranzugehen, die für ihre eigene Entschuldigung und Entlastung, einen Gott oder einen Allah oder irgendeine andere erfundene Figur vorschicken, ihre Verbrechen im Namen und im Auftrag einer erfundenen Figur ausführen. Und übrigens, auch für Verbrecherinnen, die Stimmen hören, hat der Rechtsstaat Gesetze vorgesehen, was also mit rechtsabnormen Gesetzesbrecherinnen zu geschehen hat.

„Ratlosigkeit regiert“, schreibt sie. Wären von den Enthauptungen nicht Menschen aus westlichen Gesellschaften betroffen gewesen, sondern ausschließlich Menschen beispielsweise aus dem Irak, aus Syrien, würde nicht „Ratlosigkeit“ regieren, sondern „Gleichgültigkeit“.

„Darüber hinaus hat das Wüten der islamistischen Fanatiker auch den Islam als solchen ins Zwielicht gerückt. Seit neuestem ist der in Deutschland lebende ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad in aller Munde, der mit seinem Buch Der islamische Faschismus einen Bestseller gelandet hat und seither in alle Talkshows eingeladen wird. Abdel-Samad war einmal Mitglied der Muslimbrüder und ist heute Atheist. Seine einigermaßen beunruhigende These: Der Islamismus weist Parallelen zum Nationalsozialismus auf und ist mit Demokratie nicht vereinbar. Die meisten Muslime seien zwar friedliche Menschen, aber die Idee – oder in Abdel-Samads Worten: „das Virus“ – des Jihad, des Kampfes gegen alle Ungläubigen, die Überlegenheit des eigenen Glaubens über alle anderen und das Streben nach Errichtung eines Gottesstaates, gehe bis auf den Propheten Mohammed zurück.“

„Lernen aus der Geschichte“, schreibt sie. Dabei scheint sie Geschichte nicht einmal gelernt zu haben. Huch, eine „beunruhigende These“. Denn. Heinrich Himmler sah bereits, wie ähnlich der Islam seiner Weltanschauung sei, oder, Carl Gustav Jung befand schon 1939, Hitler sei wie Mohammed, wie hier bereits mit weiteren entsprechenden Zitaten festgehalten wurde in He.-Chr. Strache fleht Innenministerin verzweifelt an, an seiner Statt konsequent durchzugreifen. Beunruhigend ist also nicht die These, sondern die Tatsache, daß Mordphantasien auch in Österreich verbreitet werden, beispielsweise aber auf einer Website von einer Partei, die für nach aktuellen Meinungsumfragen für jeden vierten Wahlberechtigten in Österreich eine wählbare

„Für die westlichen Gesellschaften stellt sich nun zunehmend die Frage, wie viel Toleranz hier angebracht ist und wo sie endet. Sind nur Taten strafbar oder schon Gedanken an strafbare Taten? Österreich möchte das Logo des „Islamischen Staates“ verbieten. Aber dieses beinhaltet den ersten Satz des islamischen Glaubensbekenntnisses. Kann man das Credo einer Weltreligion verbieten? Was ist noch Islam und was ist schon Islamismus? Kann man Geistlichen vorschreiben, was sie predigen dürfen? Nicht nur unsere Antikriegsüberzeugung ist auf einmal ins Wanken geraten, sondern auch unsere Vorstellung von Religionsfreiheit.“

Wegen einer Wüstengottmordbande die Frage nach der Toleranz zu stellen, das ist beunruhigend. Wegen einer Wüstengottmordbande, die verschwinden wird, wie die nächste kommen wird, wenn es zu keiner Entreligionisierung der Welt kommt, sich einen totalitären Gedankenkontrollstaat zu überlegen, das ist beunruhigend.  Der Hauptfigur von Mohammed sei gedankt, daß in die Hakenkreuzfahne nicht das Credo einer anderen Weltreligion eingeschrieben ist: „Ich bin der Herr, Dein Gott.“ Es gäbe dann wohl kein Verbotsgesetz in Österreich. Und die Fahne wehte von Rathäusern, Kirchtürmen … Andreas Laun etwa wird ihr zustimmen, es könne einem Angestellten eines Organisierten Glaubens nicht vorgeschrieben werden, was er … Wegen einer Wüstengottmordbande gerate die Antikriegsüberzeugung ins Wanken, das ist beunruhigend. Wegen einer Wüstengottmordbande gerate auch die Vorstellung von Religionsfreiheit ins Wanken, das ist beunruhigend. Aber Barbara Coudenhove-Kalergi kann beruhigt werden, wenn beispielsweise in Kroatien, in diesem christlich dominierten Land, „Bringt sie alle um“ skandiert wird, dann wankt die Vorstellung der Religionsfreiheit nicht, da ist die Vorstellung der Religionsfreiheit ein Fels, auf dem die Kirche ihre …

Und im letzten Absatz schreibt sie:

„Einen Trost freilich gibt es: Auch die katholische Kirche war einmal totalitär, organisierte Kreuzzüge und verbrannte Ketzer. Inzwischen sind Kirche und demokratischer Staat kompatibel. Der Islam in Europa, hoffen viele, wird den gleichen Weg gehen. Millionen Muslime arbeiten daran.“

Ob das christabendländische Europa, das in Österreich vor allem eine Partei auf ihre Fahne geschrieben hat, so kompatibel ist mit einem demokratischen und säkularen Staat, um sich trösten zu können? Dazu muß aber fest weggschaut werden, um sich trösten zu können. Wird allein an das Potential der Gewalt und Blutrünstigkeit gedacht, das die Schreibstaffel und Kommentarstaffel auf der Website … Einen Trost freilich gibt es jetzt schon nicht, wenn ein richtiger Vergleich angestellt wird. Die Wüstengottmordbande ist nicht mit der katholischen Kirche zu vergleichen, sondern mit anderen Mördern und Verbrecherinnen, deren Hauptfigur einen christlichen Namen bekommen hat, und in Afrika morden, christliche Massaker verüben, heute und nicht irgendwann in der Vergangenheit …

PS Zu dieser Wüstengottmordbande wurde hier bereits einiges geschrieben, für jene, die es interessiert, eine Zusammenstellung