Patriotisches Gaunerinnentum

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Es gab nun also eine knappe Entscheidung für den Austritt – rund zwei Drittel der Einwohner und Einwohnerinnen von Großbritannien haben sich an dieser Volksabstimmung beteiligt, und von diesen haben sich gerade einmal aufgerundet knappe 52 Prozent für das Verlassen der Europäischen Union entschieden.

Der Idee einer Frau, es müßte bei Volkabstimmungen und vor allem bei Volksabstimmungen von einer solchen Tragweite es ebenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit geben, wie diese bei Verfassungsänderungen im Parlament zwingend vorgeschrieben ist, kann vor diesem Hintergrund viel abgewonnen werden. Auch unter dem Aspekt, daß knappe 52% bei einer Beteiligung von gerade einmal knapp über 72% keine wirklichen 50% sind, also nicht wirklich eine Mehrheit aller Wahlberechtigten sich, in diesem Fall, für einen Austritt aus der EU entschieden haben, sondern lediglich gerade einmal die Hälfte von zweiundsiebzig Prozent. Ein Nebeneffekt davon wäre: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit entspräche bei den üblichen Wahlbeteiligungswerten wenigstens, im günstigsten Fall, oder zumindest annähernd einer tatsächlichen Mehrheit: 50% und eine Stimme.

Das ist das eine.

Und das andere ist.

Nun jubeln die Parteien in der Europäischen Union, die sich selbst als sogenannte patriotische Parteien verstehen. Und diese Parteien wollen auch Volksabstimmungen. Etwa in den Niederlanden, wo Geert Wilders schon von einem „patriotischen Frühling“ spricht – vösendorferisch illuminiert …

Und wenn es aus der Volksabstimmung in Großbritannien etwas zu lernen gibt, wieder einmal etwas zu lernen gibt, es eine Erkenntnis gibt, wieder einmal eine Erkenntnis gibt, dann ist es das Lernen und die Erkenntnis, „patriotischen Frühling“ als das klipp und klar zu bezeichnen, was er ist: patriotisches Gaunerinnentum.

Diese als patriotische Parteien sich verkaufenden Parteien sind Gaunerinnen, und sonst nichts.

Sie agieren wie, nein, sie agieren als Gaunerinnen. Zuerst lügen sie. Zuerst versprechen sie. Und kaum, daß sie ihr verbrecherisches Ziel erreicht haben, brechen sie ihre Versprechen.  Wie es jetzt wieder einmal exemplarisch in Großbritannien passiert ist. Das Ergebnis der Volksabstimmung lag noch nicht einmal druckfrisch vor, war das Versprechen schon gebrochen. Im Brechen von Versprechen überholen patriotische Gaunerinnen ohne Mühe jedes Überschallflugzeug, keine Rakete erreicht je diese Geschwindigkeit patriotischer Gaunerinnen, mit der diese ihre Versprechen an die Menschen brechen.

„Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat sich von einem zentralen Versprechen der Brexit-Kampagne distanziert. Er könne nicht garantieren, dass wie von den Brexit-Befürwortern angekündigt 350 Millionen Pfund pro Woche statt an die EU nun an das Gesundheitssystem NHS gingen, sagte der Ukip-Politiker kurz nach dem EU-Referendum in der ITV-Sendung Good Morning Britain.“

Bloß als Einschub: Was Nigel Farage tatsächlich am Herzen liegt, das ist seine und seiner Finanzschichtfreunde Brieftasche, wie schon einmal auszuführen war. Und nebenher: Von patriotischen Gaunerinnen wird nun die Abstimmung gefeiert als „Sieg der Freiheit, der Demokratie“ … Wie gelesen und dabei die Frage erneut gestellt werden kann: was hat das Werben, sich einer „Volksarmee“ anzuschließen, mit Wahlen und also mit Demokratie zu tun?: EU-Wahl heißt für den von „… bewundert[en] UKIP-Chef“ nicht zu wählen, sondern in die „Volksarmee“ einzutreten …

Die Lüge war die Summe. Diese ist weit geringer. Das Versprechen war, das Geld werde nach einem Austritt für das Gesundheitssystem … Von dem Versprechen darf eigentlich im Zusammenhang mit patriotischen Gaunerinnen nicht geschrieben werden. Gaunerinnen geben keine Versprechen. Gaunerinnen ködern. Gaunerinnen legen Köder aus, um Menschen in die Falle zu locken. Das ist den Gaunerinnen gelungen, wird berücksichtigt, daß gerade Menschen über fünfzig Jahre für den Austritt stimmten. Für Menschen im fortgeschrittenen Alter ist das Gesundheitssystem wohl ein zentrales Anliegen. Und soher ist es verständlich, daß für sie der Gesundheitssystemköder ein schluckbarer war. Und was haben sie nun davon, einen schwer im Magen liegenden Köder, aber kein Gesundheitssystem, das für sie besser werden wird, bloß wegen des Schluckens des Köders. Sie hätten es wissen müssen. Denn. Das ist doch Allgemeingut. Das sind doch die Erfahrungen, die mit Einbrechern stets gemacht werden. Keine Diebin bricht in eine Wohnung ein, um sie auszumalen, sie zu verschönern, sie reicher auszustatten als sie ist. Die Diebin bricht ein, um sich allein zu bereichern, sie räumt für sich die Wohnung berserkerhaft aus und hinterläßt die Wohnung zerstört.

Was bisher über die patriotischen Gaunerinnen geschrieben wurde, könnte als politisches Gaunertum beschlagwortet werden. Darauf ist auch das gesamte Augenmerk zu richten. Das ist das Wesentliche. Aber, es findet auch außerhalb des Politischen seine Fortsetzung. Dafür eignete die Etablierung eines neuen Volksspruches für solche Parteien: In einem eine Gaunerin, in allem eine Gaunerin. Es geht auch um Gesetzesverstöße. Recht gute Gehälter, auch von der EU, zu beziehen ist den Gaunerinnen zu wenig. Aktuelles dazu in der Collage als Anregung zur weiteren Beschäftigung. Das erinnert an einen ehemaligen EU-Abgeordneten mit seinem Assistenten …

Zurück zum politischen Gaunerinnentum.

Das muß endlich die Erkenntnis aus dieser Volksabstimmung sein. Mit patriotischen Gaunerinnen ist nichts Politisches zu diskutieren, mit patriotischen Gaunerinnen ist nichts Inhaltliches zu diskutieren. Diese haben nichts anzubieten. Nichts auf nationaler Ebene, nichts auf internationaler Ebene, nichts auf der Ebene der Europäischen Union. Es sind ihre Meldungen aber stets als das massiv und breit zu zeigen, was sie sind, Köder, Lügen … Beinahe wollte geschrieben werden, sie zu entlarven, aber das ist nicht notwendig. Sie entlarven sich ständig selbst. Was aber fehlt, ist der Wille, diese Eigenentlarvungen auch ständig massiv und breit aufzuzeigen, diese zum einzigen Thema zu machen, das im Zusammenhang mit patriotischen Gaunerinnen einzig relevant ist. In einem zusammengefaßt: sie sind als das darzustellen, was sie sind: die ersten und schnellsten Verräterinnen der Menschen, für die sie vorgeben, da sein zu wollen. Allein der Wille ist schwach, die Brieftasche aber willig, prall gefüllt zu werden. Als Gaunerinnen sind sie nur für sich selber da. Und können von daher auch keine Ideen, keine Konzepte haben, von denen je gesagt werden kann, es sind Ideen, Konzepte zum Wohl der Menschen. Auch das ist Allgemeingut. Kein Mensch wird je mit einem Dieb den Einbau von Türen besprechen. Zum Nachteil von allen wird aber bei der politischen Gestaltung von diesem Grundsatz aufgrund von Erfahrungen kein Gebrauch gemacht. Ganz im Gegenteil. Und hier sind wohl an prominenter Stelle die Medien anzusprechen, die verantwortungslos die Einbrecherinnen zu Tischlerinnen und Baumeisterinnen machen, dem Inhaltslosen der Gaunerinnen das Alibi des Diskussionswürdigen beschaffen. Aber auch die Politiker und Politikerinnen von anderen Parteien, die meinen, mit dem Inhaltslosen der patriotischen Gaunerinnen gewinnen zu können. Aber auch das wird seit Ewigkeiten gewußt. Jene, die Schmiere stehen, bekommen von der Beute stets am wenigsten ab, und die Schmieresteherinnen sind auch die ersten, die erwischt werden.

3 Gedanken zu „Patriotisches Gaunerinnentum

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