„Wir vertreten hier die gleiche Meinung, dass nicht jeder Ruderer als Kapitän anlegen soll.“

Kann ein Mann dafür verantwortlich gemacht werden, daß seine Aussagen augenblicklich an einen Titel des Philosophen Harry G. Frankfurt denken lassen müssen: „On Bullshit“?

In der deutschen Übersetzung wurde der Titel gewählt: „Bullshit“. Wohl deshalb, weil „Bullshit“ nicht so drastisch oder gar vulgär klingt, also in den Ohren der Menschen, deren vorwiegend benutzte Sprache die deutsche ist. Aber „Bullshit“ ist „Bullenscheiße“. Und „Bullenscheiße“ bleibt „Bullenscheiße“, auch, wenn das englische Wort unübersetzt …

Ja, es kann nur der Mann, der Aussagen tätigt, die sofort an diesen englischen Titel denken lassen, dafür verantwortlich gemacht werden, und keinesfalls die Menschen, denen in der Sekunde der in das Deutsche übersetzte Titel zu solchen Aussagen einfällt.

Kann und darf ein Mann, der Aussagen tätigt, die augenblicklich an die Ausführungen und Definitionen von Harry G. Frankfurt zu „Bullshitting“ denken lassen müssen, sich beleidigt fühlen, wenn gesagt wird, zu seinen Aussagen fällt nur ein Titel, nämlich „Bullenscheiße“, ein?

Nein, ein Mann, zu dessen Aussagen nur „Bullenscheiße“ einfällt und zu dessen Aussagen als inhaltlich zusammenfassende Antwort nur der Titel „Bullenscheiße“ gegeben werden kann, kann und darf sich nicht beleidigt fühlen. Denn. Es ist der Mann mit seinen Aussagen, der beleidigt. Und der Titel „Bullenscheiße“ als Antwort darauf, ist, klänge das nicht gar so dramatisch, würde gesagt werden können: die Antwort auf beleidigende Aussagen: Notwehr.

Es ist wohl nicht von ungefähr, daß gerade zu den Themen „Migration“, „Flüchtlinge“, „Asyl“ und so weiter seit langem die hierzu gemachten Aussagen nicht nur stets augenblickblick an den Titel denken lassen, sondern diese Aussagen auch ganz konkret vorgestellt werden können: als ein von „Bullen aufgeschissener“ und den Großglockner lange schon weit überragender Berg …

Österreichischer Bundeskanzler 18

[S]eien sich in einem Telefongespräch einig gewesen, hieß es am Sonntag aus dem Bundeskanzleramt. Schiffe müssten an der EU-Außengrenze gestoppt werden und die Migranten in die Ursprungsländer oder in ein sicheres Drittland auf afrikanischem Festland gebracht werden. ‚Wir vertreten hier die gleiche Meinung, dass nicht jedes Schiff in der EU anlegen kann‘, wurde […] Bundeskanzleramt zitiert. Auch andere EU-Länder sollten Schiffe aus Nordafrika nicht einfach anlegen lassen.“

„Ursprungsländer oder in ein sicheres Drittland auf afrikanischem Festland“, das heißt, die „Ursprungsländer“ sind kein „sicheres Drittland“; denn sonst hätte dieser Zusatz wohl nicht gemacht werden müssen. „Ursprungsländer“ sind also, bei aller Bemühung dieses Mannes um eine harmlose Formulierung“, um eine Verschleierung, keine „sicheren“ Länder, sondern …

Und welche „Drittländer auf afrikanischem Festland“ sind an der Küste gegenüber Europas gelegen? Dazu fällt ein anderer Titel ein: „Schöne, neue Welt“. Denn. In bezug auf die Verbringung der Schiffe kann dieser umgeschrieben werden: „Schöne, weite, weite Reise“ … Gäbe es einen Nobelpreis für Geographie, dieser Mann wäre kein hochgehandelter Kandidat der Wettbüros …

„Wir vertreten hier die gleiche Meinung, dass nicht jedes Schiff in der EU anlegen kann.“ So wurde dieser Mann zitiert. Ein Satz, den sich Wählerinnen und vor allem Wähler merken sollten, nicht nur, aber besonders für die nächste Nationalratswahl in Österreich, die nicht früh genug stattfinden kann – freilich für diese etwas abgeändert:

„Wir vertreten hier die gleiche Meinung, dass nicht jeder Ruderer als Kapitän anlegen soll.“

Das Feine an solchen Menschen ist – ob sie dafür Dank verdienen, wird noch zu überlegen sein –, da der Inhalt ihrer Aussagen keine Mühe macht,

Was alles in den Sinn kommen kann, wenn auf den Inhalt nicht geachtet werden muß. Kurz etwas über den Wiederkäuermagen.

anderes in den Sinn kommen zu lassen. Zum Beispiel das mit den zwei Gesichtern eines Menschen.

Von Menschen wird gerne gesagt, sie hätten zwei Gesichter. Das wird mit Verwunderung, mit Erstaunen, auch mit Schrecken gesagt, wenn ein Mensch plötzlich sein zweites Gesicht zeigt, das von ihm bis dahin nicht gekannt wurde.

Der Mann, von dem hier erzählt und der hier zitiert wird, hat auch zwei Gesichter.

Sein erstes Gesicht ist …

und sein zweites Gesicht ist …

Und dazu hat er zwei Hände, die sind tatsächlich seine eigenen, zwei Hände bevorzugt ineinander verschränkt, wie zum Gebet oder zum Nichtstun. Das ist zu geschwätzig. Es hätte gereicht zu schreiben, Hände zum Gebet gefaltet. Denn. Gebet ist Nichtstun. Gebet ist bei diesem Mann allerdings unpassend, ließe ihn gar in einem ihm freundlichen Licht … das ist kein Mann, der ausruft, der auffordert, der einlädt: „Gebet!“ Im Gegenteil. Dieser Mann gibt nichts. Und dieser Mann ist beseelt davon, daß alle nichts geben, wie sein Geistesfreund, der alles bekommt, aber nichts zu geben.

Sebastian Kurz

4 Gedanken zu „„Wir vertreten hier die gleiche Meinung, dass nicht jeder Ruderer als Kapitän anlegen soll.“

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