Dankgottesmarsch am Nationalfeiertag

In der Konditorei Gauland auf der Melker Festung konnte gestern, ohne es zu wollen, ein Gespräch vom Nebentisch in einer Nische gehört werden, in dem es offensichtlich um die Vorbereitung des patriotischen Marsches am kommenden Nationalfeiertag ging.

Das Gespräch, das doch nach einiger Zeit widerwillig das Interesse zu wecken vermochte, konnte nicht vollständig gehört werden. Obgleich niemand in der Konditorei sonst spricht, ist es sehr laut. Bis auf die Herren im feinen Trachtentuch in der Nische sind alle mit ihren Smartphones beschäftigt und spielen laut, als wären sie alle Schwerhörige, Videos ab, als säßen brüllende Smartphones im Gauland, die ihre taubstummen und blinden Menschen zu Kuchen und Kaffee ausführen.

So sind keine Sätze von diesem Nischennebentisch vollständig zu hören, von vielen Sätzen oft bloß zwei, drei, vier Wörter herauszuhören, die dennoch eine Ahnung davon geben, wovon gesprochen wird.

Es geht um den Marsch am 26.10.18. Offensichtlich um eine Danksagung. An den Innenminister. Häufig fällt das Wort Innenminister. Es muß für den Innenminister ein Zeichen gesetzt werden, der doch alles, was er tut, für die Bevölkerung tut, ist aus dieser Nische zu hören. Sein ganzes Streben gilt, so am Nebentisch, der Bevölkerung. Sein Antrieb die Bevölkerung. Der Innenminister, die Bevölkerung, ja, das Volk schlechthin. Das muß, so am Nebentisch, gewürdigt werden. Er ist nicht nur ein Innenminister, sondern das Volk. Und wir, der Nebentisch, sein Innenminister. Sagt auch der Vizekanzler. Der Beste. In der Nische. Dafür braucht es etwas Sichtbares. Am Marsch. Wo sonst. Ein Transparent. Einen Himmel. Alle Redner unter einem Himmel. Voran. Unter dem Plakathimmel.

Von einer Umbenennung des Volkes in Kick … aber das ist nicht genau zu verstehen, in dieser Sekunde kommt der Konditor Höcke mit seinem Gatten Weidel die Herrenrunde laut zu begrüßen … das Volk, wir, so tönt es in der Nische, ein Kick … keine bessere Würdigung, kein eindrücklicheres Signal … in der Nacht jedenfalls, im Traum erscheinen die Redner unter einem Himmel … und irgendwer fragt laut nach dem Gauland, verzweifelt, seit Stunden auf der Mölker Bastei das Gauland suchend, aber das Gauland ist nicht zu finden, das Gauland und irgendwer antwortet, das ist doch auf dem Michaelerplatz …

Wir sind das Kickl

 

2 Gedanken zu „Dankgottesmarsch am Nationalfeiertag

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