Coronavirus-Krise-Tätigkeitsbericht 2019

Was an dem Corona-Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen bemerkenswert ist, vorgelegt von der Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend, September 2020.

I

Für alle Welt ist die „Coronavirus-Krise“ untrennbar mit dem Jahr 2020 verbunden. Für die Bundesstelle für Sektenfragen ist die „Coronavirus-Krise“ aber mit dem Jahr „2019“ …

Die „Coronavirus-Krise“ nimmt im Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen für ihren Berichtszeitraum 2019 57 Seiten ein, das sind rund 40 Prozent des reinen Berichts 2019 ohne Anhang.

Bemerkenswert daran, die Geschwindigkeit des Tätigwerdens.

Wer kennt nicht die sonstigen Gepflogenheiten auch in Österreich, daß Ereignisse erst Jahre später in Berichte aufgenommen werden, wenn sie überhaupt …

Nun aber blättert die Bundesstelle für Sektenfragen die Kalenderblätter schneller um, als Lucky Luke schießen kann, von dem es heißt, er kann schneller schießen als sein Schatten, aber vielleicht blättert nicht die Bundesstelle für Sektenfragen selber die Kalenderblätter um, sondern ihr Schatten, und ihr Schatten blättert die Kalenderblätter schneller um als ihr Schatten …

Dieses schnelle Tätigwerden, kurz gesagt, würden sich jetzt wohl viele im Land dringend erwarten, im Angesicht der Wirrnisse, Versäumnisse, Sonderlichkeiten im Umgang mit einem Virus. Nicht aber ein Tätigwerden durch Schreiben eines Berichts, sondern durch ein Handeln, das dem Wort Handeln tatsächlich gerecht wird.

II

In der Einleitung zu diesem großen Kapitel im Tätigkeitsbericht 2019 der Bundesstelle für Sektenfragen über die „Coronavirus-Krise“ ist zu lesen:

Aufgrund der rasanten Verbreitung des Virus von China ausgehend, erklärte die WHO am 11.03.2020 offiziell den Ausbruch der Pandemie. Im Laufe des März 2020 entwickelte sich die Region Europa nach der regionalen Definition der WHO – Europa, Türkei, Russland und ehemalige sowjetische Republiken in Zentralasien – zum Zentrum der Pandemie. Vor allem die dramatische Situation in Norditalien prägte die öffentliche Wahrnehmung. In vielen Ländern der Welt wurden als Reaktion gegen die Ausbreitung des Virus restriktive Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens getroffen: Reisebeschränkungen, geschlossene Grenzen, Schließung von öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen, Ausgangsbeschränkungen und Quarantänebestimmungen.
In Österreich wurden die als „Shutdown“ oder „Lockdown“ bezeichneten Maßnahmen ab 16.03.2020 legistisch umgesetzt. Die schrittweise Rücknahme der Maßnahmen begann ab 14.04.2020, zunächst mit der Öffnung von Unternehmen und Betrieben ausgewählter Branchen
und unter besonderen Auflagen. Zu den besonderen Auflagen zählte unter anderem die Pflicht zur Verwendung von einfachem „Mund-Nasen-Schutz (MNS)“ in geschlossenen Räumen und öffentlichen Verkehrsmitteln und das Einhalten von Abständen, sogenanntes „Social Distancing“. Neben legistischen Maßnahmen wurden seitens der Regierung informelle Tipps und weiterführende wichtige Informationen wie etwa im Rahmen der Kampagne „Schau auf dich, schau auf mich. So schützen wir uns“ veröffentlicht, mit denen die Ausbreitung des Virus gehemmt
werden sollte. Vereinzelte Proteste gegen die Maßnahmen in Österreich begannen Ende April 2020 mit Demonstrationen in Wien, Linz, Klagenfurt und Graz.

Ein einleitende Begründung, das Jahr 2020 dem Jahr 2019 zuzuschlagen, die über die Ereignisse in Österreich schweigt, hat selbst etwas von einer sektiererischen Duftnote … Öffentlich wahrgenommen wurde durchaus Ischgl, und aktuell werden öffentlich wahrgenommen die Sammelklagen von Tausenden von Menschen, öffentlich wahrgenommen wurden durchaus die Aufhebungen der „Maßnahmen“, die „ab 16.03.2020 legistisch umgesetzt“

III

Nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bundesstelle fallen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen die in Österreich „gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften“ sowie deren Einrichtungen.

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen fallen die in Österreich „gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften“ sowie deren Einrichtungen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bundesstelle.

Dieser ausdrückliche Hinweis kommt zweimal tatsächlich vor in dem Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen, auf der Seite 12 und auf der Seite 13.

Dabei …

Die Dokumentations-, Informations- und Beratungsarbeit umfasst unter anderem folgende
Themen und Bereiche:
• alternative religiöse und spirituelle Bewegungen
• Esoterik
• spezifische Angebote zur Lebenshilfe
• spezifische alternative Lern- und Unterrichtskonzepte
• Geist- und Wunderheilungen
• fundamentalistische Strömungen
• radikale und extremistische Ideologien
• Guru-Bewegungen
• Okkultismus
• Satanismus
• Verschwörungstheorien
• Apokalypse und Weltuntergang
• Weltanschauungsgemeinschaften
• Staatsverweigerer bzw. souveräne Bewegungen

… sind es Themen und Bereiche, die den sogenannten gesetzlich anerkannten Sekten Kern sind … Zu jedem dieser Punkte könnten unzählige Beispiele angeführt werden, etwa die krankhafte Fixierung auf Satan, die verordnete Staatsverweigerung, die Anbetung von Gurus und so weiter und so weiter …

Das ist an einer Bundesstelle für Sektenfragen generell bemerkenswert, sich nicht mit allen Sekten befassen zu dürfen — —