Dr. Balthasar Hubmaier wurde auf der heute als Weißgerberlände bekannten Gänseweide verbrannt, auf der viele, viele Menschen über eine lange, lange Zeit geköpft, verbrannt, erschossen, also ermordet wurden

Auf dem KL die Gedenktafel für Dr. Balthasar Hubmaier mit einer derart ungenauen Ortsbezeichnung seiner Verbrennungsstätte anzugeben, ist nicht auf schlichte Ungenauigkeit zurückzuführen, sondern wohl auf peinlichst genaue und streng kalkulierte Vermeidung, die tatsächliche Verbrennungsstätte konkret zu nennen, um keine Erinnerung hochkommen zu lassen, wer noch auf diesem Platz verbrannt wurde, denn zu leicht könnte von den auf diesem Platz verbrannten Menschen auf Balthasar Hubmaier und seine Taten gekommen werden, mit denen eine Gedenktafel auf keinem Platz

Balthasar Hubmaier wurde nicht irgendwo „vor dem Stubentor“, sondern auf der „Gänseweide“ verbrannt —

einhundertsieben Jahre zuvor wurden auf der Gänseweide „233 Juden verbrannt“.

Die Gänseweide, gegenwärtig als Weißgerbelände bekannt, für Jahrhunderte eine Hinrichtungsstätte in Wien, auf der viele, sehr viele Menschen getötet wurden, darunter auch Menschen, die wegen „Sodomie“ ermordet wurden, die heutigentags, so human ist es geworden,

zumindest auf diesem Fleck der Welt,

nur mehr auf dem Richtplatz der Meinungsfreiheit ihr Urteil erfahren,

das nicht mehr ihren physischen Tod etwa durch Köpfen, Verbrennen

An einem 12. März war es, auf der Gänseweide. März, der Monat für viele in Österreich —

Tief im dritten Bezirk also an der tatsächlichen Verbrennungsstätte, für Balthasar Hubmaier die Gedenktafel zu platzieren, erschien wohl ein nicht genügend prominenter Platz zu sein, die Weißgerberlände für einen gedenkgetafelten Hubmaier zu unwürdig, so konnte mit bewußt eingesetzter Ungenauigkeit der illustre und zentrale KL als Gedenktafelstätte in unmittelbarer Nähe zu seiner Gesinnungsbruderschaft erwählt werden.

Die Gedenktafel auf dem KL für Balthasar Hubmaier wurde somit und erst 2003 feierlich enthüllt; der Inhalt dieser Gedenktafel rechtfertigte zusätzlich die Umbennenung des KL auf Platz der Toleranz.

Es wird in dieser Stadt, das darf gerechterweise nicht verschwiegen werden, aber nicht auf die Menschen vergessen, die ebenfalls auf der Gänseweide verbrannt wurden,

so erinnert ein Relief in der Jordangasse, unmißverständlich und genau,

nur nicht für alle lesbar, Gebildeten vorbehalten, die also des Lateinischen kundig, von denen es mehr und mehr weniger gibt und noch weniger geben wird,

so daß das Relief um eine Übersetzung wohl ergänzt werden wird müssen:

Durch die Fluten des Jordan wurden die Leiber von Schmutz und Übel gereinigt. Alles weicht, was verborgen ist und sündhaft. So erhob sich 1421 die Flamme des Hasses, wütete durch die ganze Stadt und sühnte die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Wie damals die Welt durch die Sintflut gereinigt wurde, so sind durch das Wüten des Feuers alle Strafen verbüßt.

Das scheint nicht ausgeschlossen zu sein, die Erweiterung des Reliefs um eine deutschsprachige Übersetzung in einer gar schon in KI-Kollaboration künstlerisch modernen Ausgestaltung, ist doch Österreich im allgemeinen und Wien im besonderen gegen Veränderungen recht aufgeschlossen, gegen Weiterentwicklungen offen,

wie es doch eben erst so eindrucksschwer mit und um dem KL bewiesen wird, wo nun endlich eine in diesem sogenannten öffentlichen Raum so lang, lang störende Asymmetrie beseitigt wird.