Auf dem KL die Gedenktafel für Dr. Balthasar Hubmaier mit einer derart ungenauen Ortsbezeichnung seiner Verbrennungsstätte anzugeben, ist nicht auf schlichte Ungenauigkeit zurückzuführen, sondern wohl auf peinlichst genaue und streng kalkulierte Vermeidung, die tatsächliche Verbrennungsstätte konkret zu nennen, um keine Erinnerung hochkommen zu lassen, wer noch auf diesem Platz verbrannt wurde, denn zu leicht könnte von den auf diesem Platz verbrannten Menschen auf Balthasar Hubmaier und seine Taten gekommen werden, mit denen eine Gedenktafel auf keinem Platz …
Balthasar Hubmaier wurde nicht irgendwo „vor dem Stubentor“, sondern auf der „Gänseweide“ verbrannt —
einhundertsieben Jahre zuvor wurden auf der Gänseweide „233 Juden verbrannt“.
Die Gänseweide, gegenwärtig als Weißgerbelände bekannt, für Jahrhunderte eine Hinrichtungsstätte in Wien, auf der viele, sehr viele Menschen getötet wurden, darunter auch Menschen, die wegen „Sodomie“ ermordet wurden, die heutigentags, so human ist es geworden,
zumindest auf diesem Fleck der Welt,
nur mehr auf dem Richtplatz der Meinungsfreiheit ihr Urteil erfahren,
das nicht mehr ihren physischen Tod etwa durch Köpfen, Verbrennen …
An einem 12. März war es, auf der Gänseweide. März, der Monat für viele in Österreich —
Es wird in dieser Stadt, das darf gerechterweise nicht verschwiegen werden, aber nicht auf die Menschen vergessen, die ebenfalls auf der Gänseweide verbrannt wurden,
so erinnert ein Relief in der Jordangasse, unmißverständlich und genau,
nur nicht für alle lesbar, Gebildeten vorbehalten, die also des Lateinischen kundig, von denen es mehr und mehr weniger gibt und noch weniger geben wird,
so daß das Relief um eine Übersetzung wohl ergänzt werden wird müssen:
Das scheint nicht ausgeschlossen zu sein, die Erweiterung des Reliefs um eine deutschsprachige Übersetzung in einer gar schon in KI-Kollaboration künstlerisch modernen Ausgestaltung, ist doch Österreich im allgemeinen und Wien im besonderen gegen Veränderungen recht aufgeschlossen, gegen Weiterentwicklungen offen,
wie es doch eben erst so eindrucksschwer mit und um dem KL bewiesen wird, wo nun endlich eine in diesem sogenannten öffentlichen Raum so lang, lang störende Asymmetrie beseitigt wird.

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