Auf dem Weg nach Kiel hätte es, so der Reiseplan, zu einem Aufenthalt in Erfurt für mindestens drei Tage kommen sollen, aber eine weit vor Erfurt noch rechtzeitig erhaltene digitale Ansichtskarte mit einem Lautsprecherwagen und dem eindringlichen Rat, Erfurt nicht zu besuchen, läßt es nun wieder offen, ob Erfurt dennoch oder doch gleich an Erfurt vorbei bis nach Lübeck …
Das „Kriegsdenkmal“ wurde inzwischen verändert, einer villacherischen „Erinnerungskultur“ gemäß verändert; so wird Villach fortan berühmt sein für Villacher Erinnerungskultur wie Villacher Fasching … Und wie wurde die „frühe faschistoide Züge“ aufweis[ende] Anlage“ verkleidet?
Am dritten Tage des herrschenden 80. Villacher Hochamts ist in „Mein Bezirk“ zu lesen, am 29. Juli 2025:
Auf der Südseite des Turms befindet sich ein Denkmal, das aus dem Jahre 1923 stammt und an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert. 2018 wurde es renoviert, da es deutliche Abnützungserscheinungen gezeigt hat. Was wenigen aufgefallen sein dürfte, ist, dass das Denkmal im Zuge dessen inhaltlich erweitert wurde. Zwei Gedenktafeln, die sich rechts der monumentalen Schwertspitze am Kirchturm befinden, wurden in ein großflächig getextetes Gedicht der 1904 verstorbenen jüdischen Dichterin Friederike Kempner eingebettet.
Was Roland Winkler veranlaßte, gerade einen Vers von Friederike Kempner zu nehmen, kann nur gemutmaßt werden, vielleicht war es der Begriff „Pflicht“, das die kerndleischen frühen nationalsozialistischen Worte in einem einzigen Wort
den Entstammten zum leuchtenden Vorbilde in Ehr zu entflammen im ewigen Gedächtnis Deutschtums —
Vielleicht aber wollte Roland Winkler bloß, daß das Lachen nicht aufhören möge, und es ward viel gelacht worden über die Gedichte von Friederike Kempner; in einer Sitzung des Villacher Faschings wäre es wohl ein Kracher, ihre Gedichte und auch die Parodien ihrer Gedichte vorzutragen …
„Wollen all‘ die Waffen strecken, niemals sich mit Blut beflecken;“ … Für diesen Vers hat sich Roland Winkler nicht entschieden, vielleicht weil darin die „Pflicht“ fehlt? Die „Pflicht“, die in diesem Lande zu erfüllen, heilig ist. Wem die „Pflicht“ Ehr‘ und Treu‘ ist, diesen hat Friederike Kempner ein Denkmallied gesetzt:
Das Burschenlied
Die Poesie ist ein Gebiet, Wo alle Blüten treiben. Jetzt soll ich gar ein Burschenlied Für die Studenten schreiben. Wohlan, es sei, ich fange an, Und schreib‘, so gut ich schreiben kann.
Ich lob‘ mir die Studentenschaft, Die brav, fidel und bieder, Mit hellem Geist und Mut und Kraft Hoch hält die deutschen Lieder. Mit Liedern zieht er in die Welt, Ein solcher Bursche ist ein Held.
Und zeigt man ihm ein böses Weib, Die Braut ihm zu ersetzen, Weicht tausend Schritte er vom Leib, Er läßt sich nichts verhetzen. Mit achtzehn Jahr‘ hat er gefreit, Und damals war er grundgescheit.
Selbstverständlich hat Oskar Deutsch seine Stimme nicht verloren, er wird weiter und weiter sprechen, er ist nicht stumm geworden, Oskar Deutsch wird nicht verstummen,
aber alles was er insbesondere ab dem 29. Juli 2025 hinkünftig sagen wird, zur österreichischen Politik, besonders zur identitären Partei, wie beispielsweise im Jänner 2025 zum Anlaß der Verleihung des großen goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik an ihn,
wird sein, als wäre er stumm geworden, oder wenn es gehört werden sollte, wird es als stumpf abgetan werden, oder es wird nur mehr das zu hören sein, was er am 29. Juli 2025 im Interview mit Armin Wolf sagte, und nicht mehr zu hören sein wird, nicht mehr anzuhören sein wird oder gar je noch gehört werden wollen, was er je noch nach diesem 29. Juli 2025 zur österreichischen Politik, besonders zur patriotischen Partei zu sagen haben wird glauben zu müssen.
Armin Wolf: Was allerdings auffällt, ist, die israelitische Kultusgemeinde in Österreich kritisiert die israelische Kriegsführung nie. Sie kritisiert allerdings sehr häufig die Kritik daran. Warum ist das so? Oskar Deutsch: Weil wir überzeugt sind, daß es so richtig ist. Die Aufgabe jeder israelischen Regierung, ob das jetzt diese Regierung ist oder früher eine Regierung, die von anderen Leuten und von anderen Parteien geführt wurde, ist für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung zu sorgen. Armin Wolf: Aber sichert es die Existenz Israels und israelischer Bürger, wenn in Gaza 60.000 Menschen, davon nach allen Studien mindestens zwei drittel Zivilisten getötet werden, wenn hunderttausende Menschen dort Hunger leiden, wenn 90 % der Gebäude dort zerstört sind, wenn 2 Millionen Menschen vertrieben sind. Oskar Deutsch: Also das wissen wir alles nicht. Armin Wolf: Das wissen wir alles schon. Oskar Deutsch: Meiner Information wissen wir das nicht. Das ist ein Kriegszustand und dieser Kriegszustand hätte, wie ich schon gesagt habe, hätte am 7. oder 8. Oktober schon beendet werden können von der Hamas. Und dieser Kriegszustand kann auch heute beendet werden. Wenn die Europäische Union, die österreichische Regierung und die gesamte Welt keinen Druck auf Israel machen würde, sondern Druck machen würde auf die Hamas, dann wäre die ganze Sache schon beendet. Armin Wolf: Aber bedeutet das, solange die Hamas nicht kapituliert, ist für das israelische Militär alles erlaubt? Oskar Deutsch: Das weiß ich nicht. Oskar Deutsch: Ich sage nur, wir sind in Österreich, wir sind Österreicher und es ist sehr, sehr schwierig von der Ferne das zu beurteilen, aber die Aufgabe, Herr Wolf, jeder Regierung, sei es der israelischen Regierung, sei es die österreichische Regierung, sei die amerikanische Regierung oder die deutsche Regierung, ist ihre eigene Bevölkerung zu schützen. Armin Wolf: Aber das bestreitet ja niemand. Armin Wolf: Ja, das hatten wir schon, aber kann nicht beides wahr sein, daß die Hamas eine furchtbare Mörderbande ist und israelische Geisel nach wie vor gefangen hält, am 7. Oktober ein unfassbares Massaker verübt hat und daß eine rechtsextreme Regierung in Israel weit über ein legitimes Selbstverteidigungsrecht hinaus in Gaza permanent das Völkerrecht verletzt. Oskar Deutsch: Also ich glaube, daß sie das nicht tun und es ist keine rechtsextreme Regierung. Äh, es sind vielleicht Leute dort in der Regierung, die man vielleicht dazu zählen könnte. Ja, aber die gesamte Regierung dann als rechtsextrem zu bezeichnen, ist falsch. Armin Wolf: Aber Herr Präsident, es gibt einen Sicherheitsminister, der ist wegen rassistischer Verhetzung und Aufruf zum Terror rechtskräftig verurteilt worden. Es gibt einen Finanzminister, der erst heute wieder gesagt hat, der Gazastreifen ist ein integraler Partei Teil Israels und soll besetzt werden von Israel. Es gibt kein palästinensisches Volk und der nennt sich selber einen homophoben Faschisten. Oskar Deutsch: Soweit ich weiß, nicht israelische Regierungslinie und das ist, na eben, und hat er mit den Finanzen zu tun und nichts mit was anderem. Oskar Deutsch: Es ist natürlich, daß was in Europa, in der Welt passiert, fordert raus, daß man was antwortet. Ich sympathisiere überhaupt nicht mit dem Herrn Smotrich und mit dem anderen Herrn, Ben-Gvir, überhaupt nicht. Aber das ist ja das Schöne an Israel, das ist eine Demokratie, eine gelebte Demokratie. Dort gibt es jede 4 Jahre und wenn eine Koalition auseinanderbricht, sondern sogar öfter innerhalb einer Legislaturperiode, Wahlen und die Menschen können entscheiden, wer sie in der Knesset, im israelischen Parlament vertritt und dann wird eine Regierung gebildet. Die nächsten Wahlen sollen im November nächsten Jahres stattfinden und die israelische Bevölkerung und, wie gesagt, viele demonstrieren und es passt ihnen vieles nicht, kann dann was anderes entscheiden. Armin Wolf: Aber Herr Präsident, daß Regierungen, die in den letzten Jahren ganz ganz wehement an der Seite Israels gestanden sind, die in der UNO nach dem 7. Oktober jede Verurteilung Israels abgelehnt haben wie Deutschland und Österreich, daß die jetzt sagen, Israel kann diesen Krieg so nicht weiterführen, und daß jemand wie der jüdische Publizist Paul Lendvai im Standard schreibt, ich zitiere: „Die von den rassistischen Rechtsextremisten dominierte Koalitionsregierung Netanjahus verwandelt durch ihren sinnlosen und grauenvollen Gaza-Krieg Israel immer mehr in einen Paria der internationalen Staatengemeinschaft.“ Das beeindruckt Sie alles nicht? Oskar Deutsch: Was mich beeindruckt oder nicht, ist ja nicht wichtig. Armin Wolf: Aber irren alle? Oskar Deutsch: Wichtig ist, ich glaube, dass sie irren. Oskar Deutsch: Es ist nicht richtig, daß die Leute in Gaza hungern sollen. Armin Wolf: Aber sie hungern offensichtlich. Oskar Deutsch: Das wissen wir nicht. Armin Wolf: Aber warum sagen sie das immer wieder, Herr Präsident? Jede internationale Hilfsorganisation vom Roten Kreuz über die Caritas bis zur UNO sagt, daß es so ist, aber sie glauben es einfach nicht. Warum nicht? Oskar Deutsch: Ich glaube, ich verstehe auch nicht das Rote Kreuz, dessen Aufgabe es ist, sich um die Geiseln zu kümmern. Bis heute nicht bei den Geiseln waren und wir nicht wissen, wie der Gesundheitszustand ist. Und über die UNO, die permanent schon seit Jahrzehnten nichts anderes zu tun hat, als permanent Israel zu verurteilen. Das sind mir wirklich nicht ausschlaggebende Organisationen.
Olmert: Ich glaube nicht, dass irgendjemand in verantwortungsvoller Position einleuchtend erklären kann, was wir dort tun. Ich bin überzeugt, dass wir längst alles erreicht haben, was im Rahmen dieses Krieges erreichbar war, bereits vor einem Jahr.
Olmert: Spätens da hätten wir sagen müssen: Es reicht, wir haben genug getötet, wir haben genug zerstört, wir haben sie genug geschwächt. Da hätten wir die Regierung endlich die entscheidende Frage stellen müssen: Will sie wirklich die Geiseln zurückholen?
Olmert: Am 7. Oktober aber haben wir zugelassen, dass 1200 Menschen innerhalb von Israels Grenzen getötet und 251 entführt wurden. Aus Arroganz und Selbstgefälligkeit haben wir sie den Mördern ausgeliefert. Der Staat ist seiner grundlegendsten Verantwortung nicht nachgekommen.
Olmert: Es gibt dort viele Ereignisse, die man als Kriegsverbrechen verstehen kann. Ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Vor allem aber ist das ein illegitimer Krieg, der aus den persönlichen politischen Interessen des Premierministers geführt wird. In der Konsequenz sterben israelische Soldaten, möglicherweise verlieren weitere Geiseln ihr Leben, und viele unbeteiligte Palästinenser werden getötet. Das ist ein Verbrechen, das ist unentschuldbar.
Olmert: Ich möchte, dass Netanyahu in Israel angeklagt wird.
Einen solchen Plan auch nur zu formulieren, ist ein Verbrechen — oder mindestens die Anstiftung zu einem Verbrechen.
Spiegel: Seit 2005 haben die Siedler einen Marsch durch die Institutionen angetreten, mittlerweile sitzen sie in der Politik und im Militär an den Hebeln der Macht.
Olmert: Sie haben schon vorher in der Armee gedient, in der Hoffnung, dass sie Gleichgewicht innerhalb der Gesellschaft verändern und ihren Lebenstraum eines Großisraels verwirklichen können. Ihr Engagement hat sich seither bloß noch verstärkt.
Spiegel: Im Westjordanland gibt es fast täglich gewalttätige Übergriffe radikaler Siedler auf Palästinenser, die für diese ohne Folgen bleiben. Wie kann das sein?
Olmert: Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Augen der israelischen Polizei, Armee und Regierung. Sie tun nichts, um die Angreifer zu stoppen. Im Gegenteil, sie sind ihre Komplizen. Ohne die Unterstützung öffentlicher Stellen wären diese „Hilltop Youth“ machtlos.
Mittlerweile gibt es neue Aussagen von Netanyahu, was er will, nämlich den gesamten Gazastreifen, hierzu sei auf die jüngsten Schlagzeilen aus August 2025 nur verwiesen, und auch an den Aussagen von Netanyahu gibt es Kritik und viele Bedenken in Israel, wer aber zurücktreten soll, ist für Netanyahu nicht Netanyahu, sondern jene, die das Vorhaben von Netanyahu kritisieren …
Das israelische Militär hat sich in der Vergangenheit gegen eine vollständige Besatzung des Gazastreifens ausgesprochen. Die Beseitigung sämtlicher Hamas-Tunnel und -Bunker könne Jahre dauern, beschrieb die „Times of Israel“ die Bedenken der Armeeführung. Auch könnten demnach Geiseln in Gefahr geraten und getötet werden, sollten israelische Truppen den Orten ihrer Gefangenschaft zu nahe kommen.
Den Medienberichten zufolge würde aber Netanjahu nunmehr dieses Risiko eingehen. „Es wird Militäreinsätze auch in Gebieten geben, in denen Geiseln festgehalten werden“, zitierte Ynet den Beamten weiter. „Wenn der Generalstabschef damit nicht einverstanden ist, dann soll er zurücktreten.“
Auch Hunderte israelische Ex-Sicherheitsbeamte, darunter ehemalige Geheimdienstchefs, meldeten sich am Montag zu Wort. Sie riefen US-Präsident Donald Trump auf, den Druck auf Israels Regierung zur Beendigung des Krieges zu erhöhen. Die Terrororganisation Hamas stelle „keine strategische Gefahr mehr für Israel“ dar, hieß es in dem in der Nacht auf Montag veröffentlichten Brief. Der Krieg sei nicht mehr gerecht. Zu den 550 Unterzeichnern gehören unter anderem drei ehemalige Chefs des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad, fünf ehemalige Leiter des Inlandsgeheimdiensts Schin Bet und der ehemalige Regierungschef Ehud Barak. Auch ehemalige hochrangige Mitglieder der Armee und Diplomaten unterschrieben die Erklärung.
„Wir stehen vor einer Niederlage“, warnte der ehemalige Mossad-Chef Tamir Pardo. Mehrere der Repräsentanten sagten, Israel werde von einer fundamentalistischen, extremistischen Regierung angeführt, die nicht mehr den Rückhalt der Mehrheit habe.
Es gibt, wenn der Sommerurlaub bevorsteht, nach wie vor die Gewohnheit, in einer Buchhandlung in Reiseführern zu blättern, und manchmal wird in Reiseführern von Städten, Ländern geblättert, in die zu reisen niemals die Absicht besteht, es ist nicht einmal Neugier, manchmal ist es einfach Langeweile, ein anderes Mal wieder einfach die Zeit bis zum nächsten Termin zu überbrücken. Und so geschah es in diesem Juli 2025 aus dem Regal das „Reise-Taschenbuch“ von Walter M. Weiss, verlegt von Dumont, zu nehmen: „Kärnten“ …
Kärnten zu besuchen, in Kärnten auch nur einen Tag gar mit Übernachtung zu verbringen, ein nie darauf verschwendeter Gedanke. Um die Zeit bis zum nächsten Termin kürzer erscheinen zu lassen, wurde also „Kärnten“ von Walter M. Weiss aus dem Regal gezogen, und dieser Reiseführer führt wohin? An falsche Orte.
Wer mit diesem Reise-Taschenbuch in Kärnten unterwegs sein will, wird falsch geführt, so wird beispielsweise die Gedenktafel für Peter Turrini an der Volksschule in „St. Margarethen im Rosental“ vergeblich gesucht werden, denn Peter Turrini wurde nicht in „St. Margarethen im Rosental“ geboren, wie Walter M. Weiss schreibt, sondern in St. Margarethen im Lavanttal, und schon wer „St. Margarethen im Rosental“ sucht, wird diesen Ort nicht erreichen, heißt dieser doch entgegen der Schreibe von Walter M. Weiss St. Margareten im Rosental …
Ob die Ortstafeln in St. Margareten im Rosental zweisprachig sind, um das zu erfahren, müßte schon nach Kärnten gefahren werden, was aber zu erfahren ist, ohne Kärnten bereisen zu müssen, ist, daß die Website der Gemeinde St. Margareten im Rosental nicht zweisprachig ist, wie am 5. August 2025 festgestellt werden konnte, also nicht in deutscher und in slowenischer Sprache. Um genau zu sein, das Ergebnis der Suche auf dieser Website bringt zwei Treffer mit dem slowenischen Ortsnamen Šmarjeta v Rožu und einen slowenischen Satz: das Aviso zum „25-jährige[n] Bestandsjubiläum des Kulturverein St. Margareten-Abtei“ —
„[…] für das dem Dichter 2019 der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde. Eine Ehrung, die freilich aufgrund Handkes wiederholter Parteinahme für die serbischen Nationalisten während der Jugoslawienkriege auch heftige Kritik hervorrief.“
Das wird Walter M. Weiss noch in Erinnerung gewesen sein, nicht viel später als 2019 wird er wohl seinen Reiseführer geschrieben haben, ist doch die erste DuMont-Auflage aus 2021. Was aber vor Jahrhunderten, vor Jahrzehnten in Kärnten geschah, hat Walter M. Weiss nicht selbst erlebt, wie sollte er es also so genau beschreiben können, wie die „wiederholte Parteinahme für die serbischen Nationalisten“ von Peter Handke, die „auch heftige Kritik hervorrief.“
Ergötzlich werden wohl vor allem jene, die nichts von Antisemitismus lesen wollen, den Reiseführer von Walter M. Weiss finden, der zu Thomas von Villach schreibt:
Sakralbauten vom Allerfeinsten Stifte wie Millstatt, Ossiach, Viktring, Eberndorf und St. Paul oder romanische Dome wie jene in Gurk und Maria Saal … Kärnten ist gespickt mit kostenbarer Sakralarchitektur. Hinzu kommen, nicht minder altehrwürdig, unzählige kleinere Juwelen – Kirchen wie die von Thörl-Maglern, Karnburg und St. Peter am Bichl, Berg, Gajach oder Gerlamoos am Oberlauf der Drau.
Die St. Leonhardskirche im Nachbarort Treffling birgt einen der ältesten gotischen Flügelaltäre des Landes mit Bildern des Meisters Thomas von Villach.
Empfehlenswert ist ein Abstecher in den Nachbarort Tiffen, wo auf hohem Fels eine ehemals stark bewehrte, mit etlichen famosen Kunstwerken ausgestattete Kirche thront (u. a. Wandgemälde des berühmten Thomas von Villach).
Diesbezüglich das wohl verblüffendste Beispiel bietet der Weiler Gerlamoos. Sein Georgskirchlein wartet, halb im Wald versteckt und nur über einen Fußpfad zu erreichen, mit grandiosen Wandmalereien auf: einem Hauptwerk des Thomas von Villach, der hier um 1470 auf über 30 Bildfeldern die Georgslegende sowie Kindheit und Leiden Christi farbenreich […]
Die Schreibe von Walter M. Weiss „vom Allerfeinsten“, es wird ihm wohl wie eine Beschmutzung der „Sakralbauten“ vorgekommen sein müssen, Antisemitismus mit „kostbarer Sakralarchitektur“ zu verbinden, und ist es nicht auch Kritik, die Walter M. Weiss über die „Juwelen — Kirchen wie die von Thörl-Maglern“ schreibt, „Kritik vom Allerfeinsten“ …
Für gewöhnlich ebenfalls zugänglich sind der kleine Wappensaal mit weiteren 298 Wappen, der ob seiner zeitgenössischen Ausgestaltung heftig diskutierte Kolig-Saal sowie, wenn nicht gerade getagt wird, auch der Sitzungssaal des Landtags. Auf dessen Wänden hat Suitbert Lobisser ein Fries mit Szenen aus den schwierigen Jahren vor der Volksabstimmung von 1920 hinterlassen – jenem politischen Schlüsselereignis an das neuerdings unten, an der Nordseite des Hofes, eine Gedenkstätte erinnert.
Switbert Lobisser müssen „Szenen aus den schwierigen Jahren vor der Volksabstimmung von 1920“ noch ganz lebendig in Erinnerung gewesen sein, als er 1938 sein Fries „Kärntens Heimkehr ins Reich“ —
Unser Ziel ist es, den Künstler Switbert Lobisser mit seinen Werken einer breiten Öffentlichkeit zu erhalten. Vor allem seine Werke, seine Arbeitsstätte und sein Andenken lebendig zu erhalten, damit auch künftige Generationen an seinem Werk und seinem Leben teilhaben können.
Die Galerie Magnet ist „DER“ Lobisser-Spezialist, ein Besuch in seiner Galerie ist auch außerhalb dieser Ausstellungszeiten zu empfehlen. Die Galerie Magnet ist in Völkermarkt […]
Es gibt keine Pressenotizen. Aber es wäre schön, wenn sich das künstlerische Leben Switbert Lobissers auch in der Öffentlichkeit manifestiert. Sorgen wir dafür!
Suitbert Lobisser ist nicht der einzige Kärntner, der in diesem Land seine Quellen sah, aber in solcher Konsequenz wie er haben nur wenige danach gelebt und geschaffen. Kein Thema in seinen Wandbildern, Aquarellen, Ölbildern, Zeichnungen und schon gar nicht in seinen Holzschnitten, das sich nicht direkt oder indirekt mit der Heimat auseinandergesetzt hätte. Nicht nur mit der Landschaft und den Menschen, die in ihr leben, sondern vor allem auch mit dem, was an Geheimnis in ihr geborgen ist, mit ihren Heiligen und Dämonischen, mit ihren Bräuchen und Lustbarkeiten, mit ihrem Heiteren und ihrem Ernsten. Es kam Lobisser kaum jemals in den Sinn, woanders malen zu wollen, und die wenigen Reisen in fremde Länder waren für ihn beinahe exotische Erfahrungen.
Selbstverständlich erwähnt Walter M. Weiss in seinem Reise-Taschenbuch auch Christine Lavant — „Autor und Verlag haben alle Informationen mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft“, anders kann es auch nicht sein, dieser Kärntenführer wäre ohne Christine Lavant doch recht unvollständig. Christine Lavant darin ganz ein Mensch aus Kärnten,
die besondere Beziehung zu Werner Berg, der wirtschaftlich sich genötigt sah, der Auslandsorganisation der NSDAP beizutreten, der sich auch an Josef Weinheber wandte …
Josef Weinheber schreibt, bedrückt Werner Berg nicht auf einer Ausstellung Kärntner Malerei in Wien vertreten zu sehen: „Man sagte mir, Du seiest zu revolutionär. Du kannst Dich also freuen. Denn eine Künstlerbemühung, die nicht dauernd experimentiert, muss schließlich im Gewöhnlichen, um nicht zu sagen im Ordinären, stecken bleiben.“ Weinheber teilt Berg seine Absicht mit, ihm seinen neuestes Buch „Zur Sprache“ zu widmen.
Werner Berg lernt den jungen Dichter Michael Guttenbrunner kennen. Guttenbrunner setzt sich zusammen mit Johannes Linder, Kulturreferent der Landesregierung, unermüdlich für Werner Bergs Belange, vor allem für seine Einbürgerung, ein. So schreiben die beiden an die Abteilung „Staatsangehörigkeit“ der Landesregierung: „Unter den Malern Kärntens, die zu seiner künstlerischen Repräsentation zählen und berufen sind, im Ausland für das Wesen Kärntens Zeugenschaft abzulegen, nimmt Dr. Werner Berg eine besondere Stellung ein. Er hat, obwohl von auswärts gekommen, doch begabt mit einer feinen Witterung für die Hintergründigkeit der Landschaft, innerhalb derer er sich sowohl lebenswirklich als Bauer als auch geistig als Künstler angesiedelt hat, Bereiche aufzuspüren gewusst, wie vor ihm kein anderer Kärntner Maler. Werner-Berg-Museum
Es wurden am 1. August 2025 nicht alle Tageszeitungen in Österreich geblättert, vielleicht hat an diesem Tag eine österreichische Tageszeitung sogar ein weiteres Gedicht von Ernst Jandl auf die Titelseite gesetzt, und zwar
„Heldenplatz“, ein Gedicht, das in dieser Zeit, die Gegenwart genannt, ebenso auf die erste Seite …
Zu oft genügen die Aufmacher, und diese nicht nur in der Gegenüberstellung, im Vergleich, um, einfach wie kurz gesagt, auf einen Blick zu wissen, um wessen Medium und für wen, um was für eine Art von Papier —
Über Menschen, die gestorben sind, kann nur noch das Gute gesagt werden. Und über Felix Baumgartner wird nun nur noch das Gute gesagt und geschrieben, etwa auf der Konzernplattform X …
so viel Gutes zu schreiben wissen, ist davor bewahrt, daß je wer noch etwas Schlechtes über ihn schreiben oder sagen kann, es gar nichts Schlechtes mehr zu sagen oder zu schreiben gibt, ist doch mit allem Guten, das über ihn nun gesagt und geschrieben wird, alles gesagt und geschrieben, was zu ihm gesagt und geschrieben werden kann.
Freilich war nicht das gesamte Werk von Sergius Pauser dem einen Österreicher ein „Dreck“, sondern ein bestimmtes Werk, ein Bild, das Belvedere-Bild. Dieses Bild der „Staatsvertragsunterzeichnung“ wollte er von einem anderen gemalt haben, und dieser Maler malte es dann auch;
wer hätte sich auch dem Willen eines Kanzlers widersetzen wollen, entgegenzustellen gewagt?
1942 lehnte er eine Berufung an die Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe ab. 1943–66 war er Leiter der Meisterschule für Portraitmalerei an der Wiener Akademie, der er 1945/46 auch interimistisch als Rektor vorstand.
So wird, ist am 16. Juli 2025 zu lesen, über Sergius Pauser auf der Website „Österreichische Galerie Belvedere“ informiert. Ein begnadeter Portraitmaler kann sich eben aussuchen, wo er arbeiten will, wo er lehren will. Davon ist auf der Website Sergius Pauser im „Lebenslauf“ nicht zu lesen, auch nicht bei Isabella Ackerl, von der auf der Website Sergius Pauser zu lesen ist, ebenfalls am 16. Juli 2025:
Dunkle Jahre
Die Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich veränderte zunächst nur wenig an Pausers Leben, wenn auch eine Reihe seiner Auftraggeber Österreich verlassen mußte. Noch erlebte er bei der Secessionsausstellung im Jahre 1938 einen großen Erfolg. Als er jedoch hörte, daß Hitler in der Münchner Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst einen Wutanfall erlitten und alle seine Werke als „entartet“ bezeichnet hätte, stürzte ihn diese Affäre in eine tiefe Depression und Existenzangst. Als Maler sah er sich außerstande, auf Dauer anderswo zu leben und zu arbeiten. Gleichsam als Tarnung und Schutzschild begann Pauser, intensiver denn je in altmeisterlicher Technik zu arbeiten. Nach einer kurzen Kriegsdienstepisode übernahm er mit März 1943 die Leitung der Meisterschule für Bildnismalerei an der Wiener Akademie für bildende Künste. Sein Verhältnis zum Regime war sichtlich gespannt, denn 1944 wurde er mit anderen „Politisch Unzuverlässigen“ zu Schanzarbeiten nach Radkersburg kommandiert. Der Schauspieler Curd Jürgens (1915-1982), der ebenfalls die Ehre hatte, diesem Transport anzugehören, schrieb in seinen Erinnerungen: „… daß Sergius … recht viel Unangenehmes durchmachen mußte, da die SA-Bewacher mehr und mehr die Nerven verloren und dies an den Gefangenen ausließen.“
Und das Heeresgeschichtliche Museum in Wien stellt auf seiner Website am 30. April 2025 unter „Objekt des Monats Mai 2025“ die Information zur Verfügung:
Die künstlerische Karriere des Absolventen der Münchner und Wiener Akademie, Sergius Pauser, war ein stetiges Auf und Ab. Anfangs dem Expressionismus anhängend, wechselte er Ende der 1920er Jahre zur Neuen Sachlichkeit und drückte sich später mehr und mehr in aufgelockerter Malweise aus. In den 1930er Jahren stellte er in Deutschland, den USA und der Schweiz aus – mit Erfolg, wie zahlreiche österreichische und internationale Preise belegen. Dem Nationalsozialismus passte sich Pauser stilistisch nicht an – im Gegenteil: bei der Eröffnung einer Ausstellung im „Haus der Deutschen Kunst“ 1937 entfernte Adolf Hitler persönlich in einem Wutanfall seine Bilder von der Wand und bezeichnete selbige als „entartet“. Diese Affäre löste in Pauser heftige Existenzängste aus. Wie sich herausstellte nicht unbegründet, er wurde im Herbst 1944 mit fünftausend sogenannten „Politisch Unzuverlässigen“ in ein Schanz-Lager bei Bad Radkersburg gebracht. Ab 1945 stellte Pauser wieder national und international aus und wurde vielfach ausgezeichnet. 1955 erteilte ihm die Bundesregierung den Auftrag, die feierliche Unterzeichnung des Staatsvertrages im Oberen Belvedere in einem Gemälde festzuhalten. Die erste Fassung wurde abgelehnt, aber dennoch vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst angekauft (heute Artothek des Bundes). Anschließend, über einen Auftrag sowohl der Stadt Wien als auch des Niederösterreichischen Landesmuseums, schuf Pauser eine zweite und dritte Fassung seiner an Ort und Stelle entstandenen Ölskizze in Form von Pastellskizzen. Das für die zeitgenössischen Regierungsmitglieder viel zu impressionistisch gestaltete Werk wurde von Bundeskanzler Julius Raab mit den höchst unstaatsmännischen Worten „Fahrts ab mit dem Dreck!“ abgelehnt. Den Auftrag für das Staatsvertragsgemälde erhielt schließlich Raabs „Leibmaler“ Robert Fuchs. Eine der beiden noch erhaltenen Pastellskizzen Pausers befindet sich heute in der Albertina, die andere konnte 2005 von der Witwe des Malers durch das HGM angekauft werden und wird hiermit zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.
Doch man sprach nun einmal über Pausers Berufung. Immerhin hatte er 1942 den Baldur von Schirach-Preis erhalten. Schirach aber hatte ursprünglich, wie Anny Pauser berichtet, den Maler Andreas Patzelt protegiert. Eine Ausstellung im Künstlerhaus soll die Möglichkeit geboten haben, den Reichsstatthalter von seiner vorgefaßten Meinung abzubringen, er entschied sich für Pauser.
Ob der „Reichsstatthalter“ der Meinung war, das von Pauser sei Dreck? Das wird nicht gewußt.
Trotz der Wertschätzung der Bilder Pausers, auch durch die Machthaber dieser Zeit, war seine Einstellung zum Regime nicht verborgen geblieben. So kam es, daß er im Herbst 1944 mit fünftausend sogenannten „Politisch Unzuverlässigen in ein Schanz-Lager bei Radkersburg gebracht wurde. Am 27. März 1945 tritt Pauser einen vierwöchigen Krankenurlaub an und erlebt das Kriegsende in seinem Haus in Waidhofen. Pauser, zuerst (1945) im allgemeinen Arbeitseinsatz in seiner Heimatstadt, dann von der russischen Besatzungsmacht als Künstler „entdeckt“, hatte dort die Aufgabe, unter militärischer Beaufsichtigung Lenin, Stalin und andere Persönlichkeiten nach Zeitungsausschnitten zu malen. Durch die Intervention des Wiener Stadtrates (Matejka) bei der zuständigen sowjetrussischen Militärdienststelle konnte er Waidhofen schließen verlassen.
„Nach dreijähriger Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt 1914/15 Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei J. Schmid, H. Tichy und R. Jettmar. Fortsetzung des Studiums 1918–24, u. a. bei R. Bacher. Ab 1933 Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Pressezeichner für die Zeitungen ‚Neue Freie Presse‘, ‚Wiener Tagblatt‘, ‚Wiener Montag‘ und ‚Die Wirtschaft‘. Fuchs widmete sich vor allem der Portrait-, Landschafts- und Figurenmalerei und blieb einer realistischen Kunstauffassung verbunden.“ [aus: Reiter, Cornelia (Bearb.)/ Koja, Stephan (Bearb.)/ Márkus, Hella (Bearb.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 1: A–F, hrsg. v. d. Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1993, S. 271]
Auf der Website „Haus der Geschichte Österreich“ ist ebenfalls am 16. Juli 2025 zu lesen:
1955: Staatsvertragsgemälde Ein illegaler Nationalsozialist als Staatskünstler Für den Ball der Stadt Wien 1937 fertigte der Maler Robert Fuchs Portraits der hochgestellten Ballgäste an, darunter auch eines des ehemaligen Justizministers Robert Winterstein, der als Vertreter der Schuschnigg-Regierung sofort nach dem „Anschluss“ am 15. März 1938 verhaftet und 1940 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Während Winterstein in Haft saß, fertigte Robert Fuchs als langjähriger illegaler Nationalsozialist ein Wandgemälde für den Hauptsaal des Wiener Stadtkrugs, einem Treffpunkt illegaler Nazis an, das den Marsch der SA in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 darstellte. Sein berühmtestes Werk ist Die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags im Oberen Belvedere 1955, das im Auftrag der Bundesregierung entstanden ist. Bundeskanzler Julius Raab, der ehemalige Handelsminister der letzten Schuschnigg-Regierung, entschied sich für die Version von Robert Fuchs und gegen den ursprünglichen Entwurf von Sergius Pauser.
Was in der Geschichte, soll in der Geschichte bleiben, tot und vergraben. Was aber leben bleiben soll, sind die recht guten Erinnerungen, beispielsweise diese der Tochter, zu lesen auf der Website „DENK*MAL Verein zur Pflege der Denkmäler und der lokalen Kultur in Neustift am Walde und Salmannsdorf“:
Prof. h. c. Robert Fuchs Aus den Erinnerungen seiner Tochter Margarete Groiss „1942 brachte uns Vati mit der Erzieherin wegen der Bombardierung des 2. Weltkriegs nach Kamegg am Kamp/NÖ zu den Fallmann’s (Bauern u. Mühlenbesitzer). Wir bewohnten ein Zimmer und eine Veranda. Er kam nur zum Wochenende zu uns und erlebte die grauslichen Bombenangriffe hautnah. 1947 zogen wir alle wieder nach Wien. Vati malte wieder fleißig in seinem Atelier und bekam allmählich wieder Porträtaufträge (vor allem Politiker und Prominente), daneben entstanden Kompositionen und er schuf auch kleine Plastiken (Raab-Kopf, Töchter, u.s.w.). 1955 kaufte er in Neustift am Walde ein schönes Haus mit großem Garten. 1955 bekam er auch den Auftrag, die Staatsvertragsunterzeichnung im Belvedere zu malen. Dieses Gemälde hängt heute im Bundeskanzleramt.“ „Vati hatte ein sehr geselliges Leben – jedes Wochenende wurden Gäste eingeladen (auch Bundeskanzler Raab war oft zu Gast). Vati war auch ein sehr beliebter „Haus u. Hofmaler” der Familie Franz Mayr-Mellnhof aus Fronleiten. Im Künstlerklub „Alte Welt” in der Windmühlgasse wurden oft kleine Theaterstücke von ihm aufgeführt, in denen er selbst mitspielte. Vati war auch sehr naturverbunden. Er hatte herrliche Rosen im Garten, die er mit Liebe pflegte und malte. Bei verschiedenen Heurigen in Neustift war er ein gern gesehener Gast – obwohl er nicht mehr als höchstens zwei Vierteln genoss. Er besuchte oft Kamegg und Gars und malte wunderschöne Landschaften. Vati war immer voller Ideen – verfasste philosophische Schriften, und schuf einen Christuszyklus mit sehr großformatigen Bildern. Auch die „Weinberg-Muttergottes” stammt von ihm. Im 83. Lebensjahr wurde er dann schon sehr gebrechlich und als er nicht mehr malen konnte, freute ihn das Leben nicht mehr. Mit 84 Jahren starb er nach einem ausgefüllten und trotz allem schönen Leben.”
Wie berichtet wird, werde der Papst ab diesem Jahr wieder für eine gewisse Zeit vor allem im Sommer in das Museum Castelgandolfo jährlich übersiedelt werden. Die Entscheidung darüber, ob bei der jeweiligen Rückübersiedlung des Papstes von diesem Museum in das andere, in welchem er mehr oder weniger ganzjährig besuchbar ist, auch die Schaustücke,
zu denen u. a. das Bild „Papa e falegmene“ gehört, jährlich von einem Ort zum anderen mit übersiedelt werden, ist noch nicht gefallen, jedenfalls ist bis jetzt keine solche bekanntgegeben worden. Allerdings hängt es auch davon ab, ob diese aufgefunden werden. Nicht bestätigt ist ebenfalls ihre Verräumung. Für eine Mitnahme der Schaustücke, sollten sie denn gefunden werden, zu denen u. a. auch eine Informationstafel gehört, spräche, so soll es überlegt werden,
Das Palais vom Papst hat mich immer sehr beeindruckt, ist ja ein sehr einfaches, bis zum zweiten Stock hinauf feuchtes Gebäude, also sehr unklug gebaut. Und an der Rückseite vom Papstpalais wohnt ein Zimmermann. Direkt angebaut an das Haus von Castelgandolfo. Da ist die Kirche sehr raffiniert. Hat der Zimmermann sein Haus. Und da hängt, wie ich einmal vorbeigegangen bin, vor fünfzehn Jahren oder was, sind unten die päpstlichen Unterhosen gehängt, auf Wäscheleinen, und daneben war ein kleiner Zaun, wo dann die Hosen vom Zimmermann, auch Unterhosen. Ist ein sehr rauhes Klima dort, also die tragen auch schon im Herbst lange Unterhosen [mutande lunghe]. Das hat mir unglaublich imponiert, daß die Unterhosen vom Papst und von dem kleinen Zimmermann von Castel Gandolfo, der Sargtischler wahrscheinlich war, daß die nebeneinand im Wind flattern. Da habe ich mir gedacht, daß eigentlich die Kirche, wenn man näher hinschaut, immer von einer Raffinesse gewesen ist, die sowieso unübertrefflich ist, die hat das wieder hier vollzogen. Auf der einen Seite das Aristokratische, Zurückhaltende, Großartige, Pomphafte und nachher wieder alles Einheimsende, indem man sich in einer Weise verbrüdert, ganz bewußt, in der Architektur auch, wie in diesem Fall.
Der Papst und der Zimmermann. Es gibt eine Oper: „Zar und Zimmermann“. Man könnte ja einen zweiten Teil schreiben. Der Papst und der Zimmermann. Im ersten Akt, wenn der Vorhang aufgeht, flackern, flattern die Unterhosen vom Papst und dem Zimmermann in der Sonne. Ist ja alles, was auf der Welt ist, ist ein Schauspiel. Der Papst ist ja auch ein großer Schauspieler, unabhängig davon, daß er ein sehr niedriges Schauspiel gelernt hat, ist er jetzt natürlich einer der größten Darsteller. So ein Weltstück. Der Papst, der Ronald Reagan und der Breschnew, ist so wie der Bronner, der Farkas und der Wehle, auf einer etwas kleineren Stufe, aber im Grunde ist es ja auch eine Art Kabarett, das manchmal ins große Theater ausartet, aber da auch unerträglicherweise, muß es manchmal zusammenschrumpfen auf ein Kabarett, und da spielen ja immer alle Mächtigen sehr gut zusammen. Heute ist der Carter, der Reagan und der Wojtila. Da wars einmal der Duce, der Hitler und der Franco.
Jede Zeit hat ihre anderen Hauptdarsteller. Man sagt ja nicht umsonst Weltbühne, das hat ja alles seinen Sinn. Es ist alles ein großes Theater. Oder der böse Khomenei, von rechts tritt er auf. Und der kleine Kreisky von hinten. Die Pferde sind gesattelt. Ist alles ganz lustig. Ich scheine ja nicht auf, irgendwo am Schnürboden, zieht man irgendwo mit, man zieht ja nicht einmal allein an einem Prospekt, sondern da ziehen halt einige Millionen oder Milliarden, ziehen, und da bewegt sich irgendwie der Hintergrund. Aber die paar Figuren vorn geben ihr Salonstück. Und die Würde stellt halt der Papst dar, in seinem weißen Gewand, der Undurchschaubare, der kommt meistens aus dem Osten, also der Rote, der Dunkle, der Gefürchtete, das ist halt der Breschnew momentan, schon mit der sehr viel Altersbruch. Und dann irgendwie die lustige Figur, alles, das gibt’s. So ein Helmut Schmidt, so Zechkumpanen, so junge Gesellen, die da auftreten, ist ein Jedermannsspiel. Und die Bühne ist halt so abgeflacht rund wie die Weltkugel. Wenn man die Zeitung aufmacht, sieht man das Schauspiel. Deshalb sind Zeitungen ja wunderbar, weil da geht jeden Tag der Vorhang auf.
Nun hat der zurzeitige Präsident des österreichischen Parlaments
den Kauf von Skulpturen für das Parlament rückabgewickelt. „Ich danke der Parlamentsdirektion für die äußerst sachlich und professionelll geführten Verhandlungen sowie dem Künstler für sein Einverständnis für die Rückabwicklung angesichts der erforderlichen Sparmaßnahmen im Budget“, erklärte Rosenkranz.
Sobotka hatte die Skulpturen im Namen des Parlaments geordert, ohne einen Kurator beizuziehen und ohne damit die Präsidiale zu befassen, was einiges an Kritik hervorrief.
Das höchst staatsmännische Vorgehen Sobotkas ruft in Erinnerung, wie vor siebzig Jahren Julius Raab mit seiner höchst künstlerischen Expertise „Fahrts ab mit dem Dreck!“ —
1955 erteilte ihm die Bundesregierung den Auftrag, die feierliche Unterzeichnung des Staatsvertrages im Oberen Belvedere in einem Gemälde festzuhalten. Die erste Fassung wurde abgelehnt, aber dennoch vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst angekauft (heute Artothek des Bundes). Anschließend, über einen Auftrag sowohl der Stadt Wien als auch des Niederösterreichischen Landesmuseums, schuf Pauser eine zweite und dritte Fassung seiner an Ort und Stelle entstandenen Ölskizze in Form von Pastellskizzen. Das für die zeitgenössischen Regierungsmitglieder viel zu impressionistisch gestaltete Werk wurde von Bundeskanzler Julius Raab mit den höchst unstaatsmännischen Worten „Fahrts ab mit dem Dreck!“ abgelehnt. Den Auftrag für das Staatsvertragsgemälde erhielt schließlich Raabs „Leibmaler“ Robert Fuchs.
Was für Kunstsinnige an der höchsten Staatsspitze in Österreich, und das seit Jahrzehnten. Die kunstsinnige Höchststaatsspitze bedarf keiner Gremien, keiner Kuratorien, sie weiß selbst alles über Kunst,
sie weiß allein, wie zu entscheiden ist, was anzuschaffen ist, wer zu beauftragen ist, Ausschreibungen wären doch bloße Beleidigungen ihres Kunstverstands.
Sergius Pauser, „literarisches Denkmal“ von Thomas Bernhard ist nicht Anlaß, nach Jahrzehnten Ungenach erneut zu lesen, Sergius Pauser und Ungenach sind nicht Grund dafür, sie in einem Kapitel auftreten zu lassen, genaugenommen, vorab in zwei Kapiteln auftreten zu lassen, ehe vom eigentlichen Anlaß, warum von Sergius Pauser zu berichten ist, von dem auf der Website Wien Geschichte Wiki, so ist es am 3. Juli 2025 zu lesen, u. a. berichtet wird:
Der Schriftsteller Thomas Bernhard setzte Pauser in der 1968 veröffentlichten Erzählung Ungenach ein literarisches Denkmal. Darin wird besonders die Liebe Pausers zum Schriftsteller und Malerkollegen Adalbert Stifter (auch Pauser verfasste gelegentlich Lyrik und Prosa) nachgezeichnet. Bernhard war mit Sergius Pauser persönlich bekannt geworden, nachdem sich der Maler 1962 in Traunkirchen im oberösterreichischen Alpenvorland einen alten Bauernhof gekauft hatte, der ganz in der Nähe von Bernhards Hof in Ohlsdorf lag.
In Ungenach wird nicht „die Liebe Pausers zum Schriftsteller und Malerkollegen Adalbert Stifter nachgezeichnet“. Mit Ungenach wird Pauser also kein „literarisches Denkmal“ gesetzt. In Ungenach kommt Pauser zweimal vor: Einmal in der Liste „Meiner Abschenkung teilhaftig werdende Personen“ mit dem Eintrag: „VII. Pauser (Weiermayer-Mühle/Sägewerk)“. Und in den Notizen zu den vielen beschenkten Personen, die wie folgt eingeleitet wird: „Diese, meiner Abschenkung teilhaftig werdende Personen betreffende Notizen, die ich mir gemacht habe: Pauser, Sergius, Philosoph, Weltmann, Mystiker.“
VII. Pauser (Weiermayer-Mühle/Sägewerk)
Pauser, Sergius, Philosph, Weltmann, Mystiker
Mehr ist von Pauser in Ungenach nicht zu lesen. Vielleicht sind diese zwei Zeilen oder mit der Nummerierung drei Zeilen zu Pauser Sergius bereits ein „literarisches Denkmal“, wird er, Pauser, darin nicht als Maler vorgestellt, oder es ist kein „literarisches Denkmal“, aber vielleicht eine Berurteilung von Pauser als Maler, der zwar ein „Philosoph, Weltmann, Mystiker“, aber, wie es gelesen werden kann, ein Nichtmaler, ein Nichtmaler, der mit einer „Mühle“/mit einem „Sägwerk“ beschenkt werden muß, vielleicht um ihm ein Auskommen zu sichern, wie allen anderen von Robert Zoiss beschenkten Personen, etwa „Ritzinger, Viktor, dzt. Strafanstalt Göllersdorf“, „Hofrad, August, Holzarbeiter in Reindlmühle“, „Kobernaußer, Justin, dzt. Irrenanstalt Am Steinhof“, „Palant, Franz, Hilfsarbeiter in Kirchham“, „Süßner, Strafanstalt Stein“, „Dapprich, Ferdinand, unruhig zwischen Graz und Rom. Berufslos.“, „Fabian, Titus. Hilfsarbeiter, dzt. Strafanstalt Garsten“, „Absam, Nikolaus, Vorarbeiter, dzt. Strafanstalt Suben“ und so weiter und so fort.
Rupert Feuchtmüller hat in sein Buch aufgenommen, was nicht aus Ungenach ist, sondern das, was Thomas Bernhard ihm gesagt oder ihm geschrieben oder was Rupert Feuchtmüller von irgendwoher bekommen hat, das Thomas Bernhard über Sergius Pauser irgendwann, aber auf alle Fälle nach dessen Tod im Jahr 1970 gesagt oder geschrieben hat:
Zur Beruhigung und gegen die Geisteserschöpfung und in Anbetracht der düsteren und finsteren Zustände, die in meiner oberösterreichischen Gegend einen Großteil des Jahres dem dort in Arbeit und in Langeweile und immer auch gegen die Arbeit und gegen die Langeweile und gegen die pausenlos menschenfaszinierende und menschenzerstörende und menschentötende Natur Existierenden herrschen, bin ich sehr oft an den Mühlbach bei Traunkirchen gefahren, in das von dem Maler Pauser in alle Einzelheiten hinein beherrschte kleine und gleichzeitig alles weltoffen-differenzierende Haus hineingegangen, in welchem ich gefunden habe, was ich suchte und worin ich sehr oft aus einer der vielen schmerzhaften, beinahe unaushaltbaren jahreszeitlich bedingten das Gemüt und den Geist beschämenden Stimmungen gerettet gewesen bin. Ein Geistesgegenstand war an solchen Nachmittagen oder Abenden gegenüber dem Traunstein und an dem plätschernden Mühlbach sehr bald der Mittelpunkt gewesen und ich erinnere mich genauer Kenntnisse und Erkenntnisse meines Gesprächs- oder Empfindungspartners vor allem die Literatur und die Dichtung betreffend. Von Sergius Pauser, dem Künstler, Professor und Weltmann, habe ich Meditationen beispielsweise über Adalbert Stifter gehört, wie ich sie von niemandem gehört habe, er war ein Entdecker der verborgensten Empfindsamkeiten des Poetischen, ein liebevoll-wachsamer Rutengänger über der Landschaft der Weltliteratur, ein Philosoph und ein durch und durch künstlerischer Charakter. Seit seinem Tod ist es recht leer am Mühlbach bei Traunkirchen und keine Spur mehr von seinem Geiste.
Aus der Monographie: Rupert Feuchtmüller, SERGIUS PAUSER, Edition Tusch Wien, 1977: „Erinnerungen seiner Freunde, Kollegen und Schüler“
Ob es von Wien Geschichte Wiki ein „Lapsus“ oder mehr, gar ein Ungemach ist, mag nicht beurteilt werden, vielleicht nur eine Leseungenauigkeit, hervorgerufen jedoch durch eine „Geisteserschöpfung“, wer will es beurteilen, Ungenach scheint dafür bestens geeignet zu sein, Fehler zu begehen, wie am 3. Juli 2015 zu lesen ist, auf der Website von dem Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich, verfaßt von Martin Huber:
In den Mitteilungen des Deutschen Germanisten Verbandes weist der Hamburger Rezensent im Juni 1969 auf Thomas Bernhards Erzählung „Ungemach“ hin (Niszkiewicz 1969). Die geografische Entfernung zwischen der norddeutschen Großstadt und der kleinen Gemeinde im oberösterreichischen Hausruckviertel (Bezirk Vöcklabruck) mag diesen Lapsus ebenso entschuldigen wie die noch nicht so weit gediehene Vertrautheit mit der Lebenswelt des damals gerade erst berühmt werdenden Autors. Inzwischen ist die Verwandlung zahlreicher Orte aus der Umgebung von Bernhards Wohnsitz zu Schauplätzen seiner Literatur Allgemeingut, die „Landschaft des südlichen Oberösterreich“ zu einem „literarischen ‚Bernhard-Land‘“ (Mittermayer 2006, 52) geworden. In Ungenach selbst gibt es heute einen Thomas-Bernhard-Platz mit Informations-Tafeln zum Leben des Autors und Zitaten aus seiner einschlägigen Erzählung.
Ungenach ist freilich bei weitem nicht der einzige Ortsname in der gleichnamigen Erzählung – und einmal mehr geht es nicht um die konkreten oberösterreichischen Orte. Vielmehr steht es als eine Art „Österreich-Ungenach“ (Kommentar, 239) für dieses Land und seine Geschichte.
Zuletzt bearbeitet wurde der Eintrag zu Sergius Pauser auf Wien Geschichte Wiki, ist am 3. Juli 2025 zu lesen, am 29. Oktober 2024. Wäre doch jedes Ungemach, ach so gering wie dieses, in Ungenach etwas hineinzuschreiben, das in Ungenach nicht erzählt wird.
Es kann vorkommen, daß einem Kapitel erst später sein endgültiges Ende geschrieben werden kann, wie nun bei diesem Kapitel, und es ist ein positives Ende, da „Geschichte Wien Wiki“ das Falsche nun doch am 10. Juli 2025, wie jetzt gelesen werden kann, berichtigt hat, jetzt auf „Geschichte Wien Wiki“ also ebenfalls gelesen werden kann, was Thomas Bernhard zu Sergius Pauser in Ungenach tatsächlich geschrieben hat.
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