„Nationalsozialismus“ für Gustav Frenssen „schönstes Glück meines Alters“

Den biographischen Angaben zu Gustav Frenssen auf „Projekt Gutenberg-DE“ braucht nur gegenübergestellt zu werden, was die Verantwortlichen dieser Website alles nicht aus der Biographie von Gustav Frenssen erwähnen, um mit dieser weiteren Stichprobe auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu zeigen, wie Biographisches ausgespart, systematisch verschwiegen wird.

Frenssen Gustav

Gustav Frenssen wurde am 19. Oktober 1863 in Barlt, Dithmarschen geboren; er starb am 11. April 1945 ebendort. Frenssen war ein Sohn des Tischlermeisters Hermann Frenssen. Er besuchte nach der Volksschule zunächst das Gymnasium in Meldorf und danach das Gymnasium in Husum. Nach abgelegter Reifeprüfung 1886 nahm er das Studium der Theologie an den Universitäten Tübingen, Berlin und Kiel auf. Frenssen wurde Mitglied in Friedrich Naumanns »Nationalsozialen Verein« und beschäftigte sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.

Das ist am 17. Oktober 2023 zu Frenssen, der mit dem Papalagi im Austausch stand, auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesen. Mehr nicht.

Mehr nicht. Nichts von dem, was beispielsweise „Wikipedia“, einer immer wieder auch von „Projekt Gutenberg-DE“ bemühten „Quelle schreibt, gar nichts davon:

Gustav Frenssen […] war ein deutscher Schriftsteller des völkischen Nationalismus, ab 1932 des Nationalsozialismus. Seine Werke gehörten zur Massenliteratur des Kaiserreichs und der NS-Zeit, die damals verbreitete kolonialistische, rassistische und antisemitische Vorstellungen vermittelten. Frenssens politische Haltung während des Kaiserreichs war nationalkonservativ.

Er wurde 1896 Mitglied in Friedrich Naumanns Nationalsozialem Verein und blieb es bis zu dessen Auflösung 1903. Genau wie Naumann sprach er sich für deutsche Kolonien aus, und schon vor Hans Grimm und Adolf Bartels prägte er in seinem Roman Die drei Getreuen (1898) die Parole „Volk ohne Raum“. Er beschäftigte sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.

Nach der Machtübernahme unterstützte er offen die NSDAP. Er unterschrieb 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Hitler, bejahte ab 1938 die Ausgrenzung der Juden und trat für die Euthanasie ein.[4] Hans Sarkowicz und Alf Mentzer werten die nach 1933 veröffentlichten Bücher Frenssens als „fast ausnahmslos übelste nationalsozialistische Propaganda“.[5] Im Oktober 1933 ließ sich Frenssen in die gleichgeschaltete Preußische Akademie der Künste Sektion Dichtung aufnehmen, die sich ab 1939 Deutsche Akademie der Dichtung nannte, und wurde zum Ehrensenator des Reichsverbands Deutscher Schriftsteller, einer Unterabteilung der Reichsschrifttumskammer, ernannt. 1933 erhielt er den Raabepreis. 1938 verlieh ihm Hitler die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Er war Vorstandsmitglied des 1936 gegründeten Eutiner Dichterkreises, einer der bedeutendsten Autorengruppen in Nazi-Deutschland.

1940 erschienen seine Autobiographie Lebensbericht, die von Großstadtfeindlichkeit, Antiintellektualismus und Antisemitismus geprägt ist, sowie Recht oder Unrecht – mein Land!, in dem er die Verfolgung der Juden und das Weltmachtstreben der Nationalsozialisten rechtfertigte. Sein vorletztes Buch Lebenskunde erschien 1942. Es beschäftigt sich u. a. mit dem Thema der „Menschenzucht“. Sein letztes Buch, die Erzählung Der Landvogt von Sylt (1943), handelt eigentlich von zwei Inhabern dieses Amtes: von Uwe Jens Lornsen und seinem Nachfolger Hans Nicolai Frenssen (1798–1833), einem entfernten Verwandten des Autors. In den letzten Kriegsjahren arbeitete Frenssen vorwiegend für den Rundfunk und die Reichspressestelle der NSDAP.

Und die gesinnungsgemäße „alternative …“, ist am 17. Oktober 2023, zu lesen, hält in ihrem Eintrag fest:

Den Nationalsozialismus bezeichnete D. Frenssen in einem Brief als „schönstes Glück meines Alters“.

Der dithmarscher Pastor und Autor Dr. theol. h. c. Gustav Frenssen; von 1933 bis 1945 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin und der Deutschen Akademie der Dichtung. Hitlers Bild hing – neben dem Bismarcks und seines Vaters – stets über seinem Schreibtisch.

Den Wahlsieg des Nationalsozialismus bezeichnete er in einem Brief als „schönstes Glück meines Alters“.[4] Frenssen erfuhr nach 1933 verstärkt Ehrungen und Anerkennungen von zahlreichen Repräsentanten des literarischen und politischen Lebens in Deutschland, was ihn in der Öffentlichkeit zu einer wichtigen Person des nationalsozialistischen Kulturlebens werden ließ. So wurde er unter anderem Ehrensenator des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller und erhielt 1936 den Wilhelm-Raabe-Preis sowie 1938 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. In seinem Werk „Der Glaube der Nordmark“ setzte er sich kritisch mit dem rationalistischen Christusglauben der Kirche auseinander und stellte diesem stattdessen einen neuen völkischen Schicksalsglauben entgegen. Im Jahre 1938 erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Gustav Frenssen starb, schwer erkrankt, im April 1945 kurz vor der endgültigen Zerstörung Deutschlands. Zu den Gratulanten zu seinem 80. Geburtstag gehörte auch der Führer und Reichskanzler Hitler.

Frenssen hielt ein wahres Verständnis zwischen verschiedenen Rassen, Völkern und Kulturen aus biologischen Gründen für unmöglich. Aufgrund der erblichen Verschiedenheit zwischen den verschiedenen Menschentypen bleibe stets eine Differenz des Verstehens, die sich nicht überwinden lasse. Dieser nicht überbrückbare Abstand des Verstehens besteht nach Frenssen nicht nur zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen, sondern auch zwischen „rassisch unterschiedlichen Menschen des gleichen Volkes“ und der gleichen Kultur. So empfand Frenssen, der sich selbst als nordischen Künstler sah, den von ihm zwar in höchster Weise geschätzten, jedoch als stark romanisch beurteilten Goethe als fern: „Goethes lebensfrohe, lebenssichere, sonnige Art ist mir wie aus einem fremden Land und Volk.“

In Theorie und Praxis der Gesellschaft sollten nach Frenssen biologische Gesichtspunkte vorherrschen. Dies habe insbesondere für den Bereich des Rechts zu gelten, dessen herkömmliche Betrachtung er ablehnte. Recht begriff er als einen kosmischen Begriff, aber nicht als einen menschlichen. Dementsprechend forderte er vor allem für das Strafrecht eine radikale Umorientierung an biologisch-medizinischen Gesichtspunkten. Er hielt die Zuchthäusler ganz überwiegend für unheilbar krank und verkrüppelt, aber nicht für moralisch schlecht. Sie gehörten nicht in Strafhäuser, sondern in Krankenhäuser. „Wenn man festgestellt hat, daß ein Mensch eine asoziale oder antisoziale Krankheit hat, so muß er zuerst kastriert und dann in Schutzhaft genommen werden, und zwar zeitlebens.“

So ist Frenssens 1933 in einem Brief an den holsteinischen Schriftstellerkollegen Heinrich Eckmann getroffene Feststellung, er sei schon vor 35 Jahren Nationalsozialist gewesen, durchaus nicht als Anbiederung an die neue Macht zu sehen, sondern als ehrliche und zutreffende Selbstbeschreibung zu werten. Frenssen forderte in seinen Publikationen wiederholt die Entmannung von Volksschädlingen. Zu den nach seiner Vorstellung zu Entmannenden, wie er 1942 in „Lebenskunde“ schrieb, gehörten unter anderem „die in dritter Generation erblich oder seelisch Schwächlichen oder Verkrüppelten. Ferner … die sittlich Verfallenden (Labilen), die in kranken Neigungen (Trunksucht, Perversität, Eigentumsverbrechen) immer wieder die Notwendigkeiten der Gemeinschaft stören“. Er verlangte ein konsequentes Vorgehen gegen die völlig verkrüppelten Neugeborenen, die unheilbaren Idioten, die unheilbar Irren. Ferner die geborenen Mörder, Rohlinge (Gewalttäter), Einbrecher, Diebe, Arbeitsunwillige, Herumtreiber, Volksfeinde aus krankem Willen oder um Geld.

Auf diese Art also „beschäftigte [Gustav Frenssen] sich mit zeitgenössischen rassebiologischen Schriften.“ Er beschäftigte sich bloß, nicht, daß er selber so schriebe. Das also ist für „Projekt Gutenberg-DE“ Festhaltenswertes, wenn wer sich mit „zeitgenössischen rassebiologischen Schriften [beschäftigt]“, nicht aber, wenn wer derartige Schriften selber verfaßt —

Er sei, schreibt Frenssen, schon vor „35 Jahren Nationalsozialist gewesen. Gustav Frenssen war also schon 1898 Nationalsozialist, zu der Zeit war Adolf Hitler mit seinen neun Jahren Volksschüler, und er, Hitler, konnte nicht einmal davon träumen, „Nationalsozialist“ zu werden, wenn er groß ist, war es doch zu dieser Zeit gewiß noch kein Bubentraum.

Was „Projekt Gutenberg-DE“ allerdings nicht verschweigt und zum Lesen bereithält, ist das Buch „Die drei Getreuen“ von Frenssen, in dem er „Volk ohne Raum“ von Hans Grimm …

„Doch ist hier Heimat und dort Fremde … Und die starke Kraft des Volkes geht weg wie aus einer offenen Ader; was dafür herzieht, ist minderwertiges, fremdes Blut.“

Da reiten sie aus der Allee des Strandigerhofs hervor, »die drei Getreuen«. Sie reiten nach dem Seedeich und wollen da oben, auf der Höhe, über die Nordsee Ausschau halten, ob auch feindliche Schiffe in Sicht sind. Denn das Vaterland hat Krieg. Es ist drei Tage nach der Schlacht bei Gravelotte. Das Land und der Strand ist von Mannschaften entblößt; sie sind alle nach Frankreich gezogen. Da muß Jungholstein auf dem Plan sein. »Die drei Getreuen« nennen sie sich. Sie sind alle gleich alt, zehn Jahre.

So ist das Volk, das kein Land hat.

Ja, es kann in der Gegenwart keine recht bessere Literatur für „Lehrer, Studenten, Schüler“, einfach für „alle Menschen“ geben, kostenlos zur Verfügung gestellt, von der „Projekt Gutenberg-DE“ … Und eine solche Literatur wird um so recht besser, je mehr von den Biographien der diese Schreibenden verschwiegen, ausgespart

„Wir und die Welt – Deutsche Kriegslieder“

So viele Kapitel schon, und dabei erst beim sechsten Buchstaben im Alphabet mit den Stichproben, wie viele Kapitel werden es noch werden müssen über die seltsame Selektion der biographischen Angaben durch die Verantwortlichen der „Projekt Gutenberg-DE …

Ewers Hanns Heinz

Das ist am 15. Oktober 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“ von der Biographie zu erfahren:

Geboren am 3. November 1871 in Düsseldorf; gestorben am 12. Juni 1943 in Berlin. Ewers war ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter und Kabarettist. Ewers’ Geschichten kreisen um die Themen Phantastik, Erotik, Kunst bzw. Künstler und Reisen in exotische Länder. Seine teils äußerst drastischen Darstellungen machten ihn zum skandalumwitterten Bestsellerautor, gleichzeitig mußte er sich immer wieder gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, seine Werke seien trivial, unmoralisch oder pornographisch.
Quelle: Wikipedia

Und wieder als „Quelle Wikipedia“, und wieder die Aussparungen … Aber auch das gehört, was „Projekt Gutenberg-DE“ verschweigt, zur Biographie von Hanns Heinz Ewers, und das von der „Quelle Wikipedia“ nicht ausgespart wird, nicht verschwiegen wird:

Hanns Heinz Ewers (* 3. November 1871 in Düsseldorf; † 12. Juni 1943 in Berlin; gebürtig Hans Heinrich Ewers) war ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher, Globetrotter und Kabarettist. Ewers’ Geschichten kreisen um die Themen Phantastik, Erotik, Kunst bzw. Künstler und Reisen in exotische Länder. Seine teils äußerst drastischen Darstellungen machten ihn zum skandalumwitterten Bestsellerautor, gleichzeitig musste er sich immer wieder gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, seine Werke seien trivial, unmoralisch oder pornographisch. In seinem äußerst bewegten Leben vertrat Ewers auch einander widersprechende Positionen. So setzte er sich für die Gleichberechtigung der Juden ein, trat aber zum 1. November 1931 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 659.057) und engagierte sich in deren Propagandaarbeit. 1934 wurde ihm ein generelles Publikationsverbot erteilt. Eines der wenigen erhaltenen Werke aus dieser Zeit war seine Sammlung Deutsche Kriegslieder (1914). Wilhelm II. soll eines der Gedichte, Wir und die Welt, seinen Generälen begeistert vorgetragen haben. Anschließend ließ der Kaiser das Gedicht drucken und unter den deutschen Soldaten verteilen. Auch in einige Schulbücher wurden einige der Kriegslieder aufgenommen. Ewers war zu dieser Zeit schon Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), allerdings sprach er sich ab etwa 1930 vermehrt für eine faschistische Revolution aus, die er schon bald kommen sah. Dementsprechend wurde er Mitglied der 1931 von Waldemar Pabst gegründeten Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Zu seinen engeren Bekannten gehörten nun Ernst Hanfstaengl, den Ewers noch aus New York kannte und der mittlerweile einer der Geldgeber der NSDAP war, und August Wilhelm von Preußen, ein Sohn von Wilhelm II. Auch hatte er schon erste Kontakte mit führenden NSDAP-Mitgliedern, u. a. dem SA-Führer Ernst Röhm und dem späteren Propagandaminister Joseph Goebbels. Durch endlose Eingaben gelang es Ewers, das Publikationsverbot aufzuheben. Zusammen mit dem Zinnen-Verlag plante Ewers, zwei Erzählungsbände herauszugeben: Die schönsten Hände der Welt erschien kurz nach Ewers’ Tod im Jahr 1943, Der weiße Wolf kam über die Planung nicht hinaus. Die schönsten Hände der Welt enthielt neben schon Veröffentlichtem auch drei neue Texte, die titelgebende Reisenovelle und die beiden Satiren auf den Nationalsozialismus Wir fangen Fische und Der Regenwurmklub.

Gar vieles, sehr vieles veröffentlicht „Projekt Gutenberg-DE“ von Hanns Heinz Ewers, nur, nur jedoch die „Satiren auf den Nationalsozialismus“ werden vergeblich gesucht, die Suchfunktion von „Projekt Gutenberg-DE“ zeigt keine Treffer für die Satiren „Wir fangen Fische“ und „Der Regenwurmklub“ an — ach, warum?

Und die „alternative …“ will gesinnungsgemäß an Ewers erinnert haben, zu lesen am 15. Oktober 2023:

Ewers kam als Sohn des Kunstmalers Heinz Ewers und dessen Frau, der Übersetzerin Maria Ewers aus’m Werth, auf die Welt. Ewers besuchte in Düsseldorf das Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Berlin und Genf. 1914 befand er sich auf Weltreise und wurde für die gesamte Dauer des Ersten Weltkrieges in den VSA interniert. In der Zwischenkriegszeit galt er mit seinen schaurigen Horrorgeschichten als Begründer und führender Vertreter der Schwarzen Romantik. Der bereits vor dem Krieg erschienene Roman „Alraune“ (verfilmt 1928 und 1952) ist sein bekanntestes Werk: Ein künstlich erzeugtes Wesen „aus dem Samen eines Mörders“ und dem „Schoß einer Hure“ wird zum Schrecken der Mitwelt. In „Zauberlehrling“ steigerte er die Schilderung religiösen Wahns und erotischer Ausschweifung bis zum Exzeß. Er gilt als der Erfinder des Wortes „Kintopp“. Ewers arbeitete auch als Übersetzer für Geschichten von Edgar Allen Poe. Weit vor 1933 trat er der NSDAP bei und veröffentlichte in der Weimarer Republik die deutsch-bejahenden Werke „Reiter in deutscher Nacht“ und „Horst Wessel“. 1934 folgte sein Werk „Stürmer – ein deutsches Schicksal“, 1941 „13 Gespenstergeschichten“ und 1943, seinem Todesjahr, „Die schönsten Hände der Welt“. Gemäß offizieller Geschichtsschreibung galt er unter dem Nationalsozialismus als verfemter Autor. Tatsache ist aber, daß Ewers noch in Kürschners Deutscher Literaturkalender 1943 mit all seinen Werken gewürdigt wurde. Verboten wurden hingegen die Werke des 1943 verstorbenen Hanns Heinz Ewers 1945 erst durch die sogenannten „Befreier“.

Auch das, wenn auch nicht für „Projekt Gutenberg-DE“, gehört zur Biographie von Ewers: die Mensuren.

Es wird noch weitere, zumindest ein weiteres Kapitel geben müssen, ist die Stichprobe doch schon gemacht, die zu Gustav Frenssen …

Dieses Kapitel aber soll einfach mit der Feststellung enden, es kann verstanden werden, daß Wilhelm II. das Gedicht „Wir und die Welt“ von Ewers seinen „Generälen begeistert vorgetragen, anschließend ließ der Kaiser das Gedicht drucken und unter den deutschen Soldaten verteilen, auch in einige Schulbücher wurden einige der Kriegslieder“ …

Wir und die Welt Wir haben geschwiegen im Völkerrat, Einmal und zweimal und mehr; Und standen zur Seite und mieden die That — Einmal und zweimal und mehr! Wir haben uns nimmermehr beeilt, Als man die Erde aufgetheilt: Wir hörten der Andern heissen Schrei — Wir wollten den Frieden — und standen dabei Zweimal und dreimal und mehr ! Und dennoch gaben sie keine Ruh‘, Keinen Tag und nimmermehr Und sahen uns scheel und neidisch zu Einmal und zweimal und mehrl Sie haben gehöhnt und haben gehetzt Und Säbel geschliffen und Messer gewetzt, Den Deutschen zu schimpfen war keiner zu faul — Wir wollten den Frieden! — Wir hielten das Maul Einmal und zweimal und mehr ! Sie trieben durch Jahre das frevle Spiel Mehr noch und immer mehr ! Bis der Tag anbrach, der Gott gefiel, Einmal und nimmer mehr. Bis die Erde war von Lügen krank, Bis der Hasser Heulen zum Himmel stank, Bis der Deutsche sprach: „Nun ist es genug, Nun duld ich die Lügen und dulde den Trug Nimmer und nimmermehr I“ Und er fuhr wie ein Wetterstrahl, Und er blickte ringsumher, Und er sah seiner Neider Ueberzahl, Einen und Manchen mehr ! Sah im Ost den Feind und im West den Feind, Mit den Hussen den Franzmann eng vereint; Und den Serben dann, und den Belgier dann, Und den Briten und Alles, was lügen kann, Mehr noch und Manche mehr ! Montenegro noch und Portugal noch, Ist es wirklich keiner mehr ? Die Feinde kriechen aus jedem Loch, Mehr noch und Viele mehr ! Der Lügenbrite ist immer noch feig, Er knetet weiter den Bündnissteig, Hat immer noch Angst vor des Deutschen Sieg, Da hetzt er den Japsen hinein in den Krieg — Den noch und Manchen mehr. Mit Senegalnegern — o schmähliche Zeit, Füllt der Welsche sein zitternd Heer, Mit dem Volk, das die Wüste Sahara ausspeit, Mit dem Turko und manchen mehr ! Und aus Britannia’s Kiesenschoss Bricht der Schwarze, der Braune, der Gelbe los Es tanzt nach dem englischen Dudelsack Fünfhundert Millionen Sklavenpack, Gegen einen — hundertmal mehr! Der Feinde Hohn und der Uebermacht Spott, Rast durch die Welt daher, Und der Deutsche betet : „Nun helfe mir Gott, Einmal, nur einmal mehr!“ Und es fiel seine Faust und es fiel sein Streich, Da sank der Belgier zu Boden gleich. —
Und ein neuer Tag und ein neuer Schlag — Bis dass der Franzos auf den Knie’n lag ! Recht so ! Und mehr noch ! Noch mehr ! Nun zittere, Brite ! Wie ein Taifun stark Ist des Deutschen blanke Wehr, Es trifft sein Schlag und er trifft in’s Mark Einmal und zweimal und mehr! Nun zittere, Kusse ! Und denke daran : Auch deine Stunde naht schon heran. Nur ein Atemholen! Nur Zeit, nur Zeit! Auch dir ist ein heisses Süpplein bereit, Einmal und zweimal und mehr! Ein Schlag ertönt durch die ganze Welt Einmal und zweimal und mehr! Wo der Deutsche trifft — ist ein Heer zerschellt, Eines und noch eins mehr ! Still lauscht die Welt und atemlos, Denn dies Hingen ist so gewaltig gross ; Und in dem wilden, dem letzten Krieg, Pflückt sich der Deutsche den ewigen Sieg: Er allein — und keiner

„the first Duce“

Es muß zugegeben werden, Schuld an den Stichproben auf der Website „Projekt Gutenberg-DE“ ist der Papalagi …

Ohne diesen Indigenen wäre es nicht zu diesen Stichproben auf der Website des Unternehmens Hille & Partner mit seiner Herausgeberin Hella Reuters gekommen, und das wird gereut, dem Einfluß vom Papalagi nachgegeben zu haben, so viele Kapitel zu diesem schreiben zu müssen, von denen gedacht wurde, sie müssen nicht mehr geschrieben werden, schon gar nicht mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert —

Und wie viele Kapitel werden noch, nun mit Gabriele D’Annunzio, mit Hanns Heinz Ewers, mit Gustav Frenssen erst beim Buchstaben F mit den Stichproben der von diesem Unternehmen alphabetisch geordneten Schreibenden angelangt, zu schreiben sein …

D’Annunzio Gabriele

Gabriele D’Annunzio, Principe di Montenevoso wurde am 12. März 1863 in Pescara geboren und starb am 1. März 1938 in Gardone. Er war ein italienischer Schriftsteller des Fin de Siècle und spätromantischer Vertreter des Symbolismus. Er gilt als eine Leitfigur für den italienischen Faschismus und als einer der Mentoren Benito Mussolinis, ohne allerdings jemals bekennender Faschist oder Mitglied der Faschistischen Partei gewesen zu sein.

Das sind die am 14. Oktober 2023 auf „Projekt Gutenberg-DE“ zu lesenden biographischen Angaben, und als „Quelle“ wieder „Wikipedia“, und wieder die Auslassungen … Also das Verschweigen beispielsweise von:

Gabriele D’Annunzio anhörenⓘ/? (auch: d’Annunzio; * 12. März 1863 als Gabriele Rapagnetta-d’Annunzio in Pescara; † 1. März 1938 in Gardone Riviera) war ein italienischer Schriftsteller und Dichter des Fin de Siècle und spätromantischer Vertreter des Symbolismus. Er gilt als ein Ideengeber für den italienischen Faschismus und als einer der Mentoren Benito Mussolinis, ohne allerdings jemals bekennender Faschist oder Mitglied der Faschistischen Partei gewesen zu sein.[1]Die Herrschaft in Fiume mit D’Annunzio im Mittelpunkt nahm dabei wesentliche Elemente des Faschismus vorweg: die Fixierung auf einen Führer, die Massenmobilisierung sowie viele andere Elemente, die später bei den italienischen Faschisten ebenso wie bei den deutschen Nationalsozialisten wieder auftauchten. Fortan zog sich D’Annunzio in seine Villa am Gardasee zurück, die er später Il Vittoriale degli italiani taufte und dem italienischen Volk vermachte. 1924 wurde er auf Vorschlag der faschistischen Regierung von König Viktor Emanuel III. geadelt und erhielt den in der Primogenitur erblichen Titel eines Principe di Montenevoso; zudem veröffentlichte ein staatliches Institut das literarische Gesamtwerk des Dichters. D’Annunzio ließ sich von der faschistischen Regierung bis zu seinem Lebensende seinen weiterhin aufwändigen Lebensstil finanzieren. Er reduzierte seine politischen Aktivitäten, ging nur in nebensächlichen Fragen auf Konfrontation zu Mussolini und den Faschisten und lobte außerdem die territorialen Expansionsbestrebungen der Faschisten in Afrika, die seinen nationalistischen Vorstellungen des Mittelmeeres als italienischem „Mare Nostrum“ entsprachen. D’Annunzio starb am 1. März 1938 in seiner Villa bei Gardone Riviera, die bereits vorher von der Regierung zur nationalen Gedenkstätte erklärt worden war. Bestattet wurde er in einer repräsentativ ausgebauten Grabstätte aus weißem Marmor auf dem Gelände seiner Villa.

Und wieder die seltsame Selektion der Verantwortlichen von „Projekt Gutenberg-DE“ der biographischen Angaben. Zu welchem Zweck diese sonderliche Selektion? Und auf der „alternativen“ Website der gesinnungsgemäßen Parteilichkeit ist am 14. Oktober 2023 zu lesen:

Gabriele d’Annunzio (12. März 1863 in Pescara; 1. März 1938 in Gardone) war ein italienischer Schriftsteller und Politiker. Als Wegbereiter des italienischen Faschismus war er zugleich Mussolinis größter Konkurrent.

Nur nebenher gesagt, aber doch festzuhalten, es sind Runen, die von der „alternativen …“ immer als Symbole für „Geboren“ und „Gestorben“ verwendet werden.

„Projekt Gutenberg-DE“ ist es also wichtig festzuhalten, hervorzuheben: „ohne allerdings jemals bekennender Faschist oder Mitglied der Faschistischen Partei gewesen zu sein“ …

Wie unwichtig hingegen ist es für dieses Unternehmen, für „Projekt Gutenberg-DE“ ist das etwas einfach zum Wegzulassen, daß er, D’Annunzio, „Wegbereiter des italienischen Faschismus war“ und „ließ sich von der faschistischen Regierung bis zu seinem Lebensende seinen weiterhin aufwändigen Lebensstil finanzieren“ und „lobte außerdem die territorialen Expansionsbestrebungen der Faschisten in Afrika, die seinen nationalistischen Vorstellungen des Mittelmeeres als italienischem „Mare Nostrum“ entsprachen“.

„Unser Meer“, bis herauf in die Gegenwart ein recht verwendeter Begriff, wenn es gilt …

Es ermüdet, diese Kapitel zu schreiben, die zu schreiben nicht mehr notwendig sein sollten, es jetzt einfach abbrechen, und was zu den biographischen Angaben zu Ewers und zu Frenssen auf „Projekt Gutenberg-DE“

Houston Stewart Chamberlain schreibt vor einem Jahrhundert an den mit Putschplanungen für seinen Terror eingedeckten Adolf Hitler zur rechten Zeit aus Bayreuth

Ein weiterer Schreibender, der von dem Unternehmen Hille & Partner mit seiner Herausgeberin Hella Reuters auf „Projekt Gutenberg-DE“ verbreitet wird: Houston Stewart Chamberlain. Bei seinen biographischen Angaben wird als „Quelle Wikipedia“ genannt.

Diesmal erübrigen sich Fragen, wie sie bei von „Projekt Gutenberg-DE“ vertriebenen Schreibenden mit den Anfangsbuchstaben

A,

B,

C

gestellt wurden, diesmal reicht es, einfach festzuhalten.

Das reicht, einfach festzuhalten, was für „Projekt Gutenberg-DE“ an biographischen Angaben ausgewählt wird für

Chamberlain Houston Stewart

Geboren am 09.09.1855 in Portsmouth; gestorben am 09.01.1927 in Bayreuth. Houston Stewart Chamberlain ist der Sohn eines britischen Generals. Nach dem Tod seiner Mutter wächst er bei seiner Großmutter in Versailles bei Paris auf. Er besucht eine englische Privatschule und erhält später Privatunterricht bei einem deutschen Theologen. 1879 beginnt er ein naturwissenschaftliches Studium in Genf. 1884-1889 Studienaufenthalt in Dresden. Neben botanischen Forschungen setzt er sich in dieser Zeit vor allem mit der Geistesgeschichte der deutschen Klassik und des deutschen Idealismus auseinander. Ab 1889 lebt er in Wien, wo er sich als freier Schriftsteller betätigt. In zweiter Ehe heiratet Chamberlain 1909 Richard Wagners Tochter Eva von Bülow. Seitdem lebt er in Bayreuth im Kreise der Wagner-Familie.
Quelle: Wikipedia

Das wurde, ist am 12. Oktober 2023 zu lesen, ausgewählt, mehr nicht, dabei informiert die „Quelle Wikipedia“ um vieles mehr über Houston Stewart Chamberlain. Allein im ersten Absatz ist ebenfalls am 12. Oktober 2023 schon zu lesen:

Houston Stewart Chamberlain (* 9. September 1855 in Portsmouth, England; † 9. Januar 1927 in Bayreuth) war ein englisch-deutscher Schriftsteller. Chamberlain, der in französischer und deutscher Sprache schrieb, war Verfasser zahlreicher populärwissenschaftlicher Werke, unter anderem zu Richard Wagner, Immanuel Kant und Johann Wolfgang von Goethe, mit pangermanischer und antisemitischer Einstellung. Sein bekanntestes Werk ist Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts (1899), das zu einem Standardwerk des rassistischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland avancierte.

Und weiter unten im Eintrag der „Quelle Wikipedia“ der „Projekt Gutenberg-DE“:

Chamberlain schuf mit den Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts ein Standardwerk des theoretischen Rassenantisemitismus[7], das einen großen Einfluss auf die Vorstellungen Alfred Rosenbergs und später Adolf Hitlers hatte.[8] In seinem Hauptwerk postulierte Chamberlain, dass die germanische Rasse, die er auch als „arisch“ bezeichnete, zur Führung der Welt bestimmt sei.

Wie selektiv von den Verantwortlichen von dem „Projekt Gutenberg-DE“ bei biographischen Angaben vorgegangen wird, zeigt auch das Beispiel Houston Stewart Chamberlain. Die bisherigen Stichproben zeigen eines deutlich auf: Das Verschweigen hat System. Das kann bereits gesagt werden, schon nach vier Stichproben auf der Website „Projekt Gutenberg-DE“. Das Verschweigen ist System. Zu welchem Zweck? Die Frage kann nur das Unternehmen Hille & Partner mit seiner Herausgeberin Hella Reuters beantworten.

Das „Standardwerk“ des Rassismus und des Antisemitismus von Chamberlain wird von „Projekt Gutenberg-DE“ nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, nicht verbreitet, auch nicht als Werk von ihm angeführt; darüber zu schweigen, es dem Vergessen anheimzugeben, das kann verstanden werden.

Sogar die Website einer „alternativen Enzyklopädie“ kann, ist am 12. Oktober 2023 zu lesen, in ihrem ersten Satz ihres Eintrages nicht verschweigen, daß Houston Stewart Chamberlain ein „Rassentheoretiker“ war, freilich, sie verschweigt es gesinnungsgemäß aus Stolz nicht.

Houston Stewart Chamberlain […] war ein germanophiler englischer Schriftsteller und Rassentheoretiker, seit 1916 deutscher Staatsbürger und seit 1917 Mitglied der Deutschen Vaterlandspartei.

Und diese Website einer „alternativen …“ verbreitet, ist am 12. Oktober 2023 zu lesen, einen Brief von Houston Stewart Chamberlain. Das werden sich die Verantwortlichen dieser Website gesinnungsgemäß stolzhoch zu ihrer Ehre anrechnen. Es ist ein mit 7. Oktober 1923 datierter Brief, den Chamberlain an Adolf Hitler schrieb, aus Bayreuth.

Vor einhundert Jahren schrieb Houston Stewart Chamberlain diesen Brief an Adolf Hitler, einen Monat vor dem Hitler-Ludendorff-Putsch, in den Tagen also vor einhundert Jahren als Adolf Hitler wohl recht mit seinem Terrorplan des Putsches in Bayern beschäftigt war, schreibt Chamberlain diesen unten zitierten Brief; es wird ihm, Hitler Adolf, dieser Brief eines Mannes der „hohen Bildung“ nicht letzter, vielleicht zusätzlicher Ansporn gewesen sein, den Putsch zur Errichtung seines Terrorregimes schon vor einhundert Jahren — er schlug fehl.

Bayreuth, den 7. Oktober 1923.
Sehr geehrter und lieber Herr Hitler.
    Sie haben alles Recht, diesen Überfall nicht zu erwarten, haben Sie doch mit eigenen Augen erlebt, wie schwer ich Worte auszusprechen vermag. Jedoch ich vermag dem Drange, einige Worte mit Ihnen zu sprechen, nicht zu widerstehen. Ich denke es mir aber ganz einseitig – d. h. ich erwarte keine Antwort von Ihnen.
    Es hat meine Gedanken beschäftigt, wieso gerade Sie, der Sie in so seltenem Grade ein Erwecker der Seelen aus Schlaf und Schlendrian sind, mir einen so langen erquickenden Schlaf neulich schenkten, wie ich einen ähnlichen nicht erlebt habe seit dem verhängnisvollen Augusttag 1914, wo das tückische Leiden mich befiel. Jetzt glaube ich einzusehen, daß dies grade Ihr Wesen bezeichnet und sozusagen umschließt: der wahre Erwecker ist zugleich Spender der Ruhe.
    Sie sind ja gar nicht, wie Sie mir geschildert worden sind, ein Fanatiker, vielmehr möchte ich Sie als den unmittelbaren Gegensatz eines Fanatikers bezeichnen. Der Fanatiker erhitzt die Köpfe, Sie erwärmen die Herzen. Der Fanatiker will überreden, Sie wollen überzeugen, nur überzeugen, – und darum gelingt es Ihnen auch; ja, ich möchte Sie ebenfalls für das Gegenteil eines Politikers – dieses Wort im landläufigen Sinne aufgefaßt – erklären, denn die Asche aller Politik ist die Parteiangehörigkeit, während bei Ihnen alle Parteien verschwinden, aufgezehrt von der Glut der Vaterlandsliebe. Es war, meine ich, das Unglück unseres großen Bismarck, daß er durch den Gang seines Schicksals – beileibe nicht durch angeborene Anlagen – ein bißchen zu sehr mit dem politischen Leben verwickelt ward. Möchte Ihnen dieses Los erspart bleiben!
    Sie haben Gewaltiges zu leisten vor sich, aber trotz Ihrer Willenskraft halte ich Sie nicht für einen Gewaltmenschen. Sie kennen Goethes Unterscheidung von Gewalt und Gewalt! Es gibt eine Gewalt, die aus Chaos stammt und zu Chaos hinführt, und es gibt eine Gewalt, deren Wesen es ist, Kosmos zu gestalten, und von  d i e s e r  sagte er: „Sie bildet regelnd jegliche Gestalt – und selbst im Großen ist es nicht Gewalt.“
    In solchem kosmosbildenden Sinne meine ich es, wenn ich Sie zu den auferbauenden, nicht zu den gewaltsamen Menschen gezählt wissen will.
    Ich frage mich immer, ob der Mangel an politischem Instinkt, der an den Deutschen so allgemein gerügt wird, nicht ein Symptom für eine viel tiefere staatsbildende Anlage ist. Des Deutschen Organisationstalent ist jedenfalls unübertroffen (siehe Kiautschou!), und seine wissenschaftliche Befähigung bleibt unerreicht: darauf habe ich meine Hoffnungen aufgebaut in meiner Schrift „Politische Ideale“. Das Ideal der Politik wäre,  k e i n e  zu haben. Aber diese Nicht-Politik müßte freimütig bekannt und mit Macht der Welt aufgedrungen werden. Nichts wird erreicht, solange das parlamentarische System herrscht; für dieses haben die Deutschen, weiß Gott, keinen Funken Talent! Sein Obwalten halte ich für das größte Unglück, es kann immer nur wieder und wieder in den Sumpf führen und alle Pläne für Gesundung und Hebung des Vaterlandes zu Fall bringen.
    Aber, ich weiche ab von meinem Thema, denn ich wollte nur von Ihnen sprechen. Daß Sie mir Ruhe gaben, liegt sehr viel an Ihrem Auge und an Ihren Handgebärden. Ihr Auge ist gleichsam mit Händen begabt, es erfaßt den Menschen und hält ihn fest, und es ist Ihnen eigentümlich, in jedem Augenblicke die Rede an einen Besonderen unter Ihren Zuhörern zu richten, – das bemerke ich als durchaus charakteristisch. Und was die Hände anbetrifft, sie sind so ausdrucksvoll in ihren Bewegungen, daß sie hierin mit Augen wetteifern. Solch ein Mann kann schon einem armen geplagten Geist Ruhe spenden!
    Und nun gar, wenn er dem Dienste des Vaterlandes gewidmet ist.
    Mein Glauben an das Deutschtum hat nicht einen Augenblick gewankt, jedoch hatte mein Hoffen – ich gestehe es – eine tiefe Ebbe erreicht. Sie haben den Zustand meiner Seele mit einem Schlage umgewandelt. Daß Deutschland in der Stunde seiner höchsten Not sich einen Hitler gebiert, das bezeugt sein Lebendigsein; desgleichen die Wirkungen, die von ihm ausgehen; denn diese zwei Dinge – die Persönlichkeit und ihre Wirkung – gehören zusammen. Daß der großartige Ludendorff sich offen Ihnen anschließt und sich zu der Bewegung bekennt, die von Ihnen ausgeht: welche herrliche Bestätigung!
      Ich durfte billig einschlafen und hätte auch nicht nötig gehabt, wieder zu erwachen. Gottes Schutz sei bei Ihnen!
Houston Stewart Chamberlain

Emigration ins Innere, in den Luxus

Die Schreibenden auf der Website „Projekt Gutenberg-DE“ sind alphabetisch geordnet. Nach Schreibenden unter A und B soll in diesem Kapitel ein unter C gereihter Schreibender vorgestellt werden, mit dem auf die Frage, ob es denn eine verzeihliche Nachlässigkeit sei, gewisse biographische Angaben zu verschweigen, bereits eine Antwort gegeben werden kann, zum Teil eine Antwort gegeben werden kann.

Unbeantwortet wird je bleiben, ob es verzeihlich ist. Gewiß ist nur eines, die Frage nach Verzeihlichkeit oder Unverzeihlichkeit ist eine vollkommen falsch gestellte Frage. Verzeihlich ist aus der Frage zu streichen.

Die Frage kann daher nur lauten, auf vier Fragen aufgeteilt: Darf es diese Nachlässigkeit noch geben? Warum diese Nachlässigkeit? Ist diese Nachlässigkeit tatsächlich nur eine Nachlässigkeit und wenn nein, zu welchem Zweck? Was „Projekt Gutenberg-DE“ konkret betrifft, kann mit einem Schreibenden mit dem Anfangsbuchstaben C beantwortet werden. Es ist keine Nachlässigkeit.

Carossa Hans

Es ist keine Nachlässigkeit, wenn auf „Projekt Gutenberg-DE“ von Hans Carossa lediglich zu erfahren ist:

Hans Carossa wurde am 15. Dezember 1878 in Tölz geboren und starb am 12. September 1956 in Rittsteig bei Passau. Er war ein deutscher Schriftsteller. Seine Arztpraxis gab er schließlich auf, um sich ganz seiner literarischen Betätigung widmen zu können.

Da es beinahe wortgleich ist, darf durchaus gesagt werden, zumal von „Projekt Gutenberg-DE“ bei anderen Schreibenden selbst als Quelle für dessen biographischen Angaben dieses digitale Nachschlagwerk genannt wird, es ist von dieser Enzyklopädie übernommen, zitiert nach dieser, in der der Eintrag über Hans Carossa derart beginnt. Nur das wird von „Projekt Gutenberg-DE“ übernommen, alles, was sonst noch über Hans Carossa im Eintrag steht, wird nicht übernommen, wird also verschwiegen. Zu verschweigen ist keine Nachlässigkeit, sondern, wer verschweigt, entscheidet sich bewußt für das Verschweigen.

Er, Carossa, selbst aber hüllte sich nicht in Schweigen, während Jahrzehnte später, wie zu lesen ist am 11. Oktober 2023 auf der webseitigen „weltweit größte deutschsprachige Volltext-Literatursammlung kostenlos für alle an: für Schüler, Lehrer und Studenten, für Menschen“ —

Sobald der Name Hans Carossa fällt, fällt sofort unweigerlich der Begriff „Innere Emigration“ …

Ein „Magazin für politische Kultur“ der besonderen Art etwa weiß augenblicklich,

als was der heutige Umgang mit Menschen wie Hans Carossa zu benennen ist:

„Cancel Culture“ … und die Bewahrung des ehrenvollen Ansehens und Gedenkens von Menschen wie Hans Carossa ist menschgemäß nicht ohne eine gewisse Verschwiegenheit —

Es gibt heutzutage auch die Bemühungen für die „neue Würdigung der Inneren Emigration“ von Menschen mit einer Gesinnung der besonderen Art …

Was zur „Inneren Emigration“ einfällt, ist das Wort „Luxus“. Auch und gerade zur „Inneren Emigration“ des Hans Carossa. Was für eine luxuriöse Emigration.

Als Emigrant 1933 in das Innere von Goebbels in die „Deutsche Akademie der Dichtung“ berufen zu werden, es aber abzulehnen.

Als Emigrant 1941 zum „Präsidenten der nationalsozialistischen ‚Europäischen Schriftsteller-Vereinigung‘ ernannt zu werden. „Auf Bitten von Joseph Goebbels.“

Als Emigrant 1944 von „Hitler persönlich in die sogenannte Gottbegnadetenliste“ aufgenommen zu werden.

Als Emigrant „mit Erfolg Kontakte zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels“ nutzen zu können, „um Alfred Momberts Entlassung aus dem Konzentrationslager Gurs und die Genehmigung seiner Ausreise ins Schweizer Exil zu erwirken.“ Auch „erfolgreich für die Freilassung von Peter Suhrkamp“ sich einsetzen zu können.

Die Emigration in das Innere, ein Luxusleben.

Als Emigrant 1938 den „Goethepreis der Stadt Frankfurt“ verliehen zu bekommen.

Als Emigrant 1938 zum „Ehrendoktor der Universität zu Köln“ ernannt zu werden.

Als Emigrant 1939 den „San-Remo-Preis“ im gesinnungsgemäß verbündeten Ausland verliehen zu bekommen.

Es gibt noch eine Enzyklopädie, die sich gesinnungsgemäß als eine „alternative“ versteht, von der über dieses Luxusdasein in der Emigration im Inneren zu erfahren ist:

Carossa wurde als Sohn eines Landarztes mit Vorfahren aus Oberitalien geboren. Im Ersten Weltkrieg als Militärarzt verwundet, ließ er sich anschließend in den 1920er Jahren mit einer Praxis in München nieder. Er wurde einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Weimarer Republik, geprägt von einem katholischen Humanismus. In der BRD wurde seine Selbstdarstellung, er sei unter der Regierung Adolf Hitler in eine innere Emigration gegangen, akzeptiert. Tatsächlich hatte er auflagenstarke Werke veröffentlicht und 1942 auch eine Hymne auf den Reichskanzler verfaßt. 1938 wurde er im Deutschen Reich mit dem Frankfurter Goethepreis, 1939 in Italien mit dem San-Remo-Preis geehrt. Auf Bitten von Joseph Goebbels übernahm er 1941 die Präsidentschaft des Europäischen Schriftstellerverbandes.[1]

Die Emigration in das Innere, in den Luxus, eine Erfolgsgeschichte der Integration, zu der beide Seiten beitrugen, die den Emigranten Hans Carossa Aufnehmenden und der Emigrant Hans Carossa, der wußte, was sich gehört, der wußte, was für ein Verhalten von einem Emigranten erwartet wird, Emigrierende wissen, für die Willigkeit zur Integration braucht es Beweise, und wie belegen Emigrierende ihre Bereitschaft zur Integration – am besten durch eine „Hymne auf den Reichskanzler“ …

Die Grabinschrift des J. F. Perkonig für R. H. Bartsch zum 60. Geburtstag, der vor 150 Jahren in die steierdeutsche Welt geworfen mit 79 Jahren starb

Ob es denn eine verzeihliche Nachlässigkeit sei, Biographisches zu verschweigen, wie beim Papalagi Erich Scheurmann, wurde im vorherigen Kapitel gefragt, ohne darauf eine Antwort zu geben, so bleibt nur eines, ehe eine Antwort gegeben werden kann, weiter zu fragen, ob es denn eine verzeihliche Nachlässigkeit noch sein kann, wenn auch bei einem weiteren Schreibenden Biographisches mehr verschwiegen als angegeben wird, wie bei einem unter B gereihten?

Auf „Projekt Gutenberg-DE“ ist am 10. Oktober 2023 dies, nur dies zu lesen:

Bartsch, Rudolf Hans

Rudolf Hans Bartsch wurde am 11. Februar 1873 in Graz, Steiermark, geboren und starb am 7. Februar 1952 ebendort. Er war ein österreichischer Offizier und Schriftsteller. Bartsch schrieb seit 1908 Romane und Novellen, die nach Aussagen heutiger Kritiker das alte Österreich oft sentimental verklären. Nach Gero von Wilpert »ein überaus fruchtbarer, unkritischer Erzähler aus dem alten Österreich mit gefühlsselig-liebenswürdigen Romanen und Novellen, herzigen und bittersüßen Liebesgeschichten von spielerischer Leichtlebigkeit …« Bereits für seine ersten Werke wurde er sehr positiv rezensiert, für »Zwölf aus der Steiermark« wurde er von dem einflußreichen Kritiker Hermann Bahr als »die neue Stimme Österreichs« gelobt.

Verschwiegen also das, was heutzutage sogar auf der Website der Stadt Graz zu lesen ist:

Nach dem sog. „Anschluss“ wurde er gezielt durch die Nationalsozialisten gefördert, u. a. erfuhr der stark antisemitische Roman „Brüder im Sturm“ (1940) durch die Nationalsozialisten eine Neuauflage. Zu seinem 70. Geburtstag übermittelte der RSK-Präsident seine persönlichen Glückwünsche. Zum Reichsparteitag in Nürnberg war Bartsch als Ehrengast geladen. Karl Holz beschreibt Bartsch 1938: „Also in der sogen. illegalen Zeit, [habe ich ihn] als einen absolut deutschgesinnten Mann und als begeisterten Verehrer des Führers kennen gelernt. Für diese Gesinnung bürge ich. Sie spricht ja auch aus allen seinen Werken.“ (BDC 19.11.1938) Kurz nach dem sog. „Anschluss“ stellte er außerdem ein Ansuchen an die Wiedergutmachungsstelle der Landesleitung der NSDAP Wien, weil er sich in einem zwanzig Jahre langen Rechtsstreit von einem jüdischen Anwalt hintergangen fühlte. Schlussendlich bekam er 1.300 RM zugesprochen (vgl. BAUR/GRADWOHL-SCHLACHER, S. 76f). Ab 1938 nahm seine Publikationstätigkeit stark ab. Im Juli 1939 wurde Bartsch verhaftet, da er in der Sommerfrische in Seewalchen einen randalierenden Hausbesorger erschossen hatte. Ende Juli kam er durch Fürsprache Ginzkeys wieder frei. Obwohl Bartsch ideologisch in die „Blutund Boden-Literatur“ der Nationalsozialisten passt, wich er, laut Kuchling, von deren politischen programmatischen Konzepten in einigen Punkten ab. Ab 1949 gewährte ihm die Stadt Graz eine Ehrenrente, die 1951 nochmals erhöht wurde. Im selben Jahr erhielt Bartsch den Peter-Rosegger-Preis verliehen (vgl. KUCHLING 71-73).

Er, Bartsch, wurde einmal verhaftet, nicht wegen seines Widerstands, sondern weil er einen Menschen erschossen hat, aber er kam wieder frei. Davon wurde schon einmal erzählt. Und nicht nur das.

Es sind noch unter weitere Buchstaben geordnete Schreibende, deren Biographien ausgebürstet, so daß die Frage, ob es denn eine verzeihliche Nachlässigkeit sei, Biographisches derart auszubürsten, zur Frage führt, ob denn diese erste nicht durch eine andere Frage abzulösen, anders zu stellen ist, die beinahe schon so etwas wie eine Antwort ist.

Da aber heute in Kärnten dieser Dienstag wie ein Feiertag begangen wird, nämlich der 10.-Oktober-Tag, soll diese Frage jetzt einmal nicht weiter beschäftigen, sondern von Josef Friedrich Perkonig erzählt werden.

„Projekt Gutenberg-DE“ verbreitet u. a., ist am 10. Oktober 2023 zu lesen, „Zwölf aus der Steiermark“ von Rudolf Hans Bartsch, mit der Einleitung von Josef Friedrich Perkonig:

Am 11. Februar 1933 wird Rudolf Hans Bartsch sechzig Jahre alt …

Siehe du ewiger Deutscher der du schon in der Nibelunge Not
Sagen des Nordens raunen um seinen Kopf
Und nirgendwo andershin konnte dieser Dichter gehen als in das ewige Deutschland
denn nur es hat Raum und Sinn für so glückhaften Überfluß
an dichterischem Zustrom mit einer Frische ohnegleichen in die deutsche
Dichtung sprang da wanderte nicht nur der alte Peter Rosegger nach Graz
um dem neuen Dichter die Hand zu drücken Es gab einen regelrechten Aufruhr
im geistigen Deutschland denn da war plötzlich ein herrlicher Rebell
aus seiner Namenlosigkeit erwacht und hatte die unerhörte Kühnheit zu einem völlig
neuen Ton Dichter davon redet wie »das Glück des deutschen Menschen«
beschaffen sein muß wie es zu erlangen ist wie es Verzweifelnde zu erlösen
imstande wäre und jetzt da er in einem tröstlichen Buche ein Beispiel gibt
»wie wir unsere Armut tragen« sollen muß es endlich auch für die Blindesten
und Taubsten offenbar geworden sein was seines Amtes ist ein zeitloses Glück
zu lehren durch das die Menschen naturnäher naturwahrer geworden besser
und fröhlicher leben könnten eine der seltsamsten schönsten Gestalten im
geträumten Deutschland verdichtet ist aus Wunsch und Leiden
einer großen Zeit daß er also diese Geister mit beschatteten Stirnen von dem sanften
Lächeln menschlicher Schwäche angolden läßt Evangelium von irdischer Glückseligkeit
noch gedämpfter vortrug als dort wo sie nun vollendet und immer wieder neu bestätigt
die Lehre vom Glück des deutschen Menschen verkündet Diese Treue zu sich
Deutschland allein zu reden Und da war Einer der nur den Mund zu öffnen brauchte
und man hörte aus ihm wunderbar erneuert den Klang jenes ewigen Deutschland
Dieser Hang zum Geheimnis aber dieses gottesdienstliche Hingegebensein diese freudige
vertrauende Demut kommt aus deutschem Blute sie sind so deutsch und arteigen so seltsam
und wirklich gnadenhaft daß sie einer fremden Seele und Zunge nicht mitgeteilt werden können
sie können in eine andere Sprache nicht übersetzt werden weil sie nicht einmal in der Sprache
desjenigen der sie in seinem Blute ahnt gegenständlich zu sein vermögen Es ist ein verschollener
in unbewußter Eifersucht gehüteter Mythos der nicht beschworen werden kann der vielmehr von Anbeginn in der Berufung zugegen sein muß es ist das Geheimnis die Legende die das umfangreiche Werk von der anderen Welt abschlossen Es gibt nur noch einen Dichter freilich geographisch und geistig in einer herberen kühleren Landschaft daheim der so eigensinnig deutsch die dunklen Unterströme unnachahmlicher Wesenheit spüren läßt wie Bartsch Hermann Stehr Auch er ist natürlich dem Auslande unbekannt auch er leidet das scheinbar unwiderrufliche Schicksal des großen Deutschen Undank
Da ist das Baumrauschen in den »Zwölf aus der Steiermark« da ist das trauliche Klopfen und
Plappern der Klapoteze im »Deutschen Leid«

Auf seinem Grabstein könnte einstens die Inschrift stehen

»Die Jahreszeiten waren seine erlauchten Ahnen sein Bruder war der große Pan«

Josef Friedrich Perkonig, der dies zum sechzigsten Geburtstag von Rudolf Hans Bartsch schrieb, mußte ein Jahr weniger als zwei Jahrzehnte darauf warten, daß er seine Grabinschrift auf dem Grabstein seines Gelobten endlich lesen konnte, dem er seine Grabinschrift bereits zu seinem sechzigsten Geburtstag verfaßte, wie sehr mußte Josef Friedrich Perkonig seinen Hochgelobten schon mit sechzig Jahren unter die Erde gewünscht haben, daß ihm, Perkonig, zum sechzigsten Geburtstag seines Hochgelobten eine Grabinschrift einfällt.

Josef Friedrich Perkonig hatte dann doch noch neunzehn Jahre Zeit, an seiner Grabinschrift zu feilen, bis Rudolf Hans Bartsch, sein Hochgelobter, endlich unter der Erde, genauer, endlich Asche in einer Urne … und so wurde seine Inschrift etwas länger, noch dichterischer, wie diese am Ehrengrab von Rudolf Hans Bartsch

Die Gestirne waren seine Uhr
Die Winde sein Atem
Die Jahreszeiten seine Herzschläge
Sein Bruder war der große Pan
J. F. Perkonig

Hier ruht die Asche des steirischen Heimatdichters
Rudolf Hans Bartsch
Ihrem Ehrenbürger – die Stadt Graz

auf dem grazerischen Schloßhügel …

„Des Deutschen Vaterland – Ernst Moritz Arndt“

Es stellt sich die Frage ein, ob es eine verzeihliche Nachlässigkeit ist, auf der Website „Projekt Gutenberg-DE“ das Biographische von Erich Scheurmann derart reduziert zu seinem und zu wessen Vorteil noch anzugeben, oder —

Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist wohl nur möglich, mit einem Blick auf die biographischen Angaben zu weiteren Schreibenden von dem Unternehmen Hille & Partner mit dessen Herausgeberin Hella Reuters.

Mit wem beginnen? Die Schreibenden sind auf dieser Website des Unternehmens Hille & Partner alphabetisch geordnet, also beginnen mit A…

Arndt, Ernst Moritz.

Bei Ernst Moritz Arndt stehen nicht die veröffentlichten biographischen Angaben zur Diskussion, und dennoch kann er nicht unerwähnt bleiben, sondern, was von ihm auf dieser Website veröffentlicht, besonders „Des Deutschen Vaterland“ …

Weshalb muß dieses „Lied“, gerade dieses „Lied“ auch noch auf dieser Website verbreitet werden, das ohnehin von vielen gesungen wird? Nicht vor zweihundertzehn Jahren, als Arndt es schrieb, sondern jetzt gesungen wird, über zweihundert Jahre später, wie im Kapitel „Vom Winken mit Schriften“ gelesen werden kann, in dem ein paar Verse daraus zitiert, aus dem hervorgeht, für wessen Gesinnung Ernst Moritz Arndt ein zu erinnernder, ein zu folgender Sänger ist, gerade auch mit „Des Deutschen Vaterland“ … Und wer ihm „Feind“ ist jenen mit solch einer Weltanschauung auch heute noch „Feind“, wie diesen beispielsweise von einer „alternativen …“, auf deren Website zu lesen ist, am 8. Oktober 2023:

Die Deutschen, so schrieb Arndt, sind nicht „verbastardet, keine Mischlinge geworden“, sondern auf ihrer „Urerde“ über Jahrtausende hinweg rassisch „rein“ geblieben. Aktuell drohe dem „germanischen Wesen“ freilich größte Gefahr – durch die Franzosen und die Juden. „Verflucht aber sei die Humanität und der Kosmopolitismus, womit ihr prahlet! Jener allweltliche Judensinn, den ihr uns preist als den höchsten Gipfel menschlicher Bildung.“ – mit diesen Worten brachte Arndt 1814 den Feind auf einen Begriff.

Geschieht denn gegen das Vergessen von Arndt nicht schon mehr als genug, ist denn für sein Verbreiten das nicht schon mehr als genug, was allein diese „alternative …“ an Schriften von Arndt propagandiert?

Ist denn für Arndt an „Auszeichnung und Ehrung“ nicht mehr als genug der „Eintrag auf dem Dichterstein in Offenhausen“ der Wiederbetätigenden?

Erich Scheurmann vulgo Tuiavii, nationalsozialistischer Häuptling

Es ist zu verstehen, daß Verlage, die „Die Reden des Südseehäuptlings“ über den „Papalagi“ vertreiben, nicht damit werben, letztendlich wollen sie ja ihre, auch dieses Buch verkaufen, daß die Lebensreise dessen Schreibers im Nationalsozialismus endete, er, auch er ein Nationalsozialist war.

Wie jedoch ist zu verstehen, daß „Projekt Gutenberg-DE“ mit dem

Zweck und Ziel. Gutenberg-DE wurde in den Kindertagen des Internet im Jahr 1994 gegründet. Wir wollten sofort dieses »Neuland« nutzen, um neben die oft flüchtigen und flachen Inhalte etwas Dauerhafteres zu setzen und nach unseren Möglichkeiten einen Beitrag zu Förderung und Stärkung der deutschen Kultur und Sprache zu leisten. Mit Gutenberg-DE bieten wir die weltweit größte deutschsprachige Volltext-Literatursammlung kostenlos für alle an: für Schüler, Lehrer und Studenten, für Menschen, die Deutsch lernen möchten und für alle, die einfach Freude am Lesen haben.

Das ist am 7. Oktober 2023 auf der Website, für die gemäß ihres Impressums Hille & Partner mit Herausgeberin Hella Reuters verantwortlich ist, zu lesen, wie also ist es zu verstehen, daß von ihr ebenso der nationalsozialistische Hintergrund des Schreibers Erich Scheurmann verschwiegen wird, sie sich ebenso für die Nicht-Aufklärung entscheidet. Dabei, gehörte es nicht gerade für ein Unternehmen, das „Volltext-Literatursammlung kostenlos für alle: für Schüler, Lehrer und Studenten [anbietet]“, unbedingt dazu, aufzuklären, nicht zu verschweigen …

Im Fall von Erich Scheurmann ist von diesem Unternehmen nur dies auf seiner Website zu erfahren:

Geboren am 24. November 1878 in Hamburg, gestorben am 4. Mai 1957 in Armsfeld. Scheurmann war Maler, Schriftsteller, Dramatiker, Märchenerzähler, beschäftigte sich mit psychologischen Randgebieten, war Puppenspieler, Lehrer und Prediger. Im Alter von neunzehn Jahren durchwanderte er ganz Deutschland. Seit 1903 lebte er auf der Halbinsel Höri/Bodensee, wo er mit Hermann Hesse zusammentraf. Mit einem Vorschuß seines Verleger fuhr er 1914 nach Samoa, wo er von Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht wurde. Im Herbst 1915 verließ er Samoa und fuhr in die U.S.A., kam aber erst kurz vor Kriegsende nach Deutschland zurück. Ab 1930 lebte er in Armsfeld.

Zu lesen auch am 7. Oktober 2023 ist auf der Website dieses Unternehmens,

Im Projekt Gutenberg-DE vorhanden (gesperrt bis 2027)
Der Papalagi

„Der Papalagi“, allenthalben angepriesen als „die grüne Bibel der Umweltschützer“, ist also schon zur kostenlosen Dauerhaftigkeit vorgemerkt, als Beitrag gegen das Flüchtige, gegen die flachen Inhalte; es muß nur vier Jahre noch darauf gewartet werden, bis eben sein Urheber siebzig Jahre tot sein wird, bis sein „Papalagi“ gilt, wie es so schön heißt, „gemeinfrei“ …

Mit dem Papalagi in den Nationalsozialismus

In einer bayrischen Almhütte wurde im Sommer des Jahres 2023, ohne es zu wollen, ein Gespräch gehört, in dem es um eine anzutretende Reise zu einem „indigenen Volk“ ging, dessen Ort auf einem nur mittels Flug zu erreichenden Kontinent erst nach Binnenflug, Autofahrt, Fußmarsch und Kanufahrt, die viele Tage des Mühsals in Anspruch nehmen, zu erreichen ist. Es wurde geschwärmt, das Leben des „indigenen Volkes“ verstanden als die „Zivilisationskritik“ besthin, von seinem „Leben“ als nachzuahmendes Vorbild für den „zivilisierten Menschen“ des „Westens“ begeistert erzählt, dem „weißen Menschen“ Europas empfohlen, von diesem „indigenen Volk“ zu lernen.

Dieses Gespräch am Almhüttennebentisch brachte, ohne es zu wollen, ein Buch in Erinnerung, von dem vor Jahrzehnten gar viel geschwärmt wurde. Es muß eingestanden werden, es nie gekauft zu haben, es nie gelesen zu haben, trotz der ringums grassierenden Empfehlerei für dieses Buch. Auch damals ging es um „Zivilisationskritik“, für die dieses Buch vielen Grundlage, auch damals ging es darum, von „primitiven Völkern“, das war vor Jahrzehnten der nun durch „indigende Völker“ abgelöste Begriff, zu lernen.

Und in diese Erinnerung an ein Buch der Kritik an einer Zivilisation durch eine Zivilisation hinein sofort die Frage, was wohl aus diesem Buch geworden ist.

Was aus „Der Papalagi – Die Reden des Südseehäuptlings“ geworden ist. Ob es noch gelesen wird, ob es noch verkauft wird, ob es noch verlegt wird, ob es noch gekauft wird.

„Der Papalagi“ wird noch immer vertrieben.

„Das Buch verkauft sich immer noch gut … ewige Wahrheiten bleiben aktuell.“ So spricht Ursula Kohler, Programmleiterin des Oesch-Verlags, über dieses Buch, das im Oesch-Verlag erhältlich ist. Ist zu lesen, im Anfang des Oktobers 2023. Sie schwärmt für dieses Buch, menschgemäß muß sie begeistert davon reden, ist es doch ein Produkt ihres Verlages, und wie sie redet, als hätte sie es schon vor Jahrzehnten aufgenommen:

Vielleicht waren Sie wie ich in den 70er-Jahren jung. Dann kennen Sie den Papalagi mit grosser Wahrscheinlichkeit. Das kleine Bändchen mit den Reden des Südseehäuptlings Tuiavii erlebte zu jener Zeit gerade ein Revival.

Die Europäer durch die Augen des Südseehäuptlings gesehen

Doch weshalb wurde das 1920 erstmals erschienene Büchlein plötzlich wieder gelesen und ist bis heute aktuell geblieben. Ganz einfach: Häuptling Tuiavii aus Samoa hält den Weissen, uns Europäern, einen Spiegel vor. Wir sehen darin einen Menschen, der sich sehr weit von einer natürlichen Lebensweise entfernt hat. Der kritische Blick auf unser Leben, das von Industrialisierung und Kapitalismus geprägt ist, wird in einer bildlichen und naiven Sprache ausgedrückt.

Leben Sie in einer Stadt? Dann sind Sie – nach unserem Häuptling – ein Spaltenmensch, der in steinernen Truhen lebt und sich mit Lendentüchern bedeckt.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit leiden Sie an gewissen Tagen unter Stress. Doch Tuiavii schüttelt nur den Kopf darüber, dass der Papalagi nie Zeit hat, obwohl doch von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang viel mehr Zeit da ist, als ein Mensch je gebrauchen kann.

Je schillernder der Südseehäuptling die Unsitten der Weissen beschreibt, desto mehr taucht im Gegenzug die Idylle der Südseeinsel Samoa auf. Es ist ein entspanntes, ein befreites Leben in der Natur, das wie ein Traum vor unserem inneren Auge aufsteigt.

Doch zurück nach Europa: Kritisch beleuchtet der Südseehäuptling das runde Metall und das schwere Papier, das der Papalagi Geld nennt. Zwischen ihren Lendentüchern und zusammengefalteten harten Häuten schleppen es die Weissen herum, bei seinem Anblick leuchten die Augen und Speichel tritt sogar auf ihre Lippen.

Erstaunt ist Tuiavii, dass man auch mit einem demütigen Lächeln und dem freundlichsten Blick nichts bezahlen kann, nein, im Gegenteil, sogar für die Geburt muss man bezahlen und nach dem Tod noch dafür, dass der Leib in die Erde gegeben und ein grosser Stein auf das Grab gerollt wird.

Aber nicht alle, die Geld haben, arbeiten auch viel. Denn zahlreiche Weisse häufen das Geld an, das andere für sie gemacht haben, bringen es an einen gut behüteten Ort, bringen immer mehr dahin, bis sie eines Tages keine Arbeiter mehr brauchen, denn nun arbeitet das Geld selbst für sie. Wie dies ohne wilde Zauberei möglich ist, ist dem Häuptling nicht klar.

Ja, er weiss sich in klugen Worten auszudrücken, unser Südseehäuptling. Doch wer ist er? Das werden wir wohl nie erfahren. Sicher ist, dass der Autor Erich Scheurmann 1914 auf Samoa lebt, wo er vom Ausbruch des 1. Weltkrieges überrascht wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der 1878 in Hamburg geborene Schriftsteller an einer Weggabelung seines Lebens angelangt. Zusammen mit seiner Frau musste er den frühen Tod ihrer drei Kinder verkraften. Die Reise nach Samoa, mit einem Vorschuss seines Verlegers finanziert, soll Distanz zu dem Geschehen schaffen. Über die USA verlässt Erich Scheurmann während der Kriegsjahre die Insel und kann erst 1918 nach Deutschland zurückkehren. 1920 erscheint der Papalagi und wird innert Kürze zum Kultbuch der Jugend. Nach der silbernen Hochzeit mit seiner Frau kommt es zur Trennung und Scheurmann lernt Anfang 30er-Jahre ein 17-jähriges Mädchen kennen, das seine zweite Frau wird. Zusammen hat das Paar sechs Kinder. 1957 stirbt Erich Scheurmann. Die Neuausgabe seines Werks erscheint erst 20 Jahre später, im Jahr 1977.

Der Papalagi wurde weltweit von über 1,5 Millionen Leserinnen und Lesern gelesen. Er ist in zahlreiche europäische Sprachen sowie Chinesisch und Japanisch übersetzt worden. 2013 ist eine hebräische Ausgabe erschienen. Was könnte die Zeitlosigkeit dieses Werks besser belegen? Das ist in der Tat das erstaunlichste, dass der Text – obwohl bald 100-jährig – nie veraltet wirkt.

Was bleibt uns kurz zusammengefasst vom Papalagi? Erstens: Er hält uns Europäern einen Spiegel unseres Lebens vor. Zweitens: Die Botschaft ist in den 20er- und 70er-Jahren genauso schlicht und kraftvoll wie heute: Drittens: Achte auf das Einfache.

„Doch wer ist er?“ Fragt Ursula Kohler. Und sie gibt sogleich die Antwort: „Das werden wir wohl nie erfahren.“ Freilich ist das eine Antwort, die ihr und den Lesenden dieses Buches gefallen mag, um sich nicht und um sich selbst nicht Vorhaltungen auszusetzen, die das Eigenbild beschädigten. Es ist Erich Scheurmann. Der „Südseehäuptling“, der „Primitive“ oder der „Indigene“ oder der „Autochthone“ ist Erich Scheurmann.

Sie, Ursula Kohler, erzählt einiges aus dem Leben des Erich Scheurmann, aber nichts von seiner autochthonischen Reise in den Nationalsozialismus. Mit keinem Wort erwähnt sie seine NSDAP-Mitgliedschaft, seine nationalsozialistische Linientreue, seine Mitgliedschaft in der Reichskammer der Künste, sein Denunzieren, seine Tätigkeiten als Volkstumswart, als Blockwart, als Leiter einer Ortsgruppe des Vereins der Auslandsdeutschen, daß er den Nationalsozialistinnen als politisch zuverlässig, seine Bücher die rassistischen Prinzipien der Nationalsozialisten ausdrückten, über all das verliert sie kein Wort.

Daß vor Jahrzehnten, in den späten siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, darüber geschwiegen wurde, nicht aufgeklärt wurde, wer dieses Buch schrieb, wessen Gesinnung der Schreibende dieses Buches war, mag noch verstehbar sein, daß aber in der Gegenwart immer noch das Prinzip des Verschweigens, das Prinzip der Nicht-Aufklärung oberstes Gebot, ist weder verstehbar noch nachvollziehbar. Dieses mitgehörte Gespräch im bayrischen Gebirg‘ brachte nicht nur den „Papagali“ in Erinnerung, sondern veranlaßte auch, ja, nicht den „Papagali“ zu kaufen, ja, nicht „die Reden“ des Erich Scheurmann zu lesen, aber eines, doch eine „Leseprobe“ aufzurufen, von der die „Einführung“ zu lesen, und die „Einführung“ von Erich Scheurmann genügt bereits vollauf, um zu wissen, daß dies kein zu kaufendes Buch ist, daß dies kein zu lesendes Buch ist, beinahe ein halbes Jahrhundert später bestätigt zu bekommen, wie richtig es war, dieses Buch vor Jahrzehnten nicht gekauft zu haben, dieses Buch nie gelesen zu haben.

Die „Einführung“ des Erich Scheurmann allein gibt bereits preis, wohin die Reise mit solch einer Gesinnung, mit solch einer Weltanschauung nur gehen kann und, l beim Abfassen eines derartigen Buches wohl unbewußt noch, gehen soll, auch wenn er zum Zeitpunkt der Niederschrift es wohl selbst noch nicht bewußt das ZIel zu bestimmen vermochte, vielleicht es aber schon ahnend, ihm schon autochthon unbewußte Verheißung, noch stimmlose Vorsehung, daß das Endziel der Nationalsozialismus, der ersehnte Ort auch seiner Reise der Nationalsozialismus, in dem alles endet.

Es war nie die Absicht Tuiaviis, diese Reden1 für Europa herauszugeben oder überhaupt drucken zu laßen; sie waren ausschließlich für seine polynesischen Landsleute gedacht. Wenn ich dennoch ohne sein Wissen, und sicherlich gegen seinen Willen, die Reden dieses Eingeborenen der Lesewelt Europas übermittle, so geschieht es in der Überzeugung, daß es auch für uns Weiße und Aufgeklärte von Wert sein dürfte zu erfahren, wie die Augen eines noch eng an die Natur Gebundenen uns und unsere Kultur betrachten. Mit seinen Augen erfahren wir uns selbst; von einem Standpunkt aus, den wir selber nie mehr einnehmen können. Obwohl, zumal von Zivilisationsfanatikern, die Art seines Schauens als kindlich, ja kindisch, vielleicht als albern empfunden werden mag, muß den Vernunftvolleren und Demütigeren doch manches Wort Tuiaviis nachdenklich stimmen und zur Selbstschau zwingen; denn seine Weisheit kommt aus der Einfalt, die von Gott ist und keiner Gelehrsamkeit entspringt.

Diese Reden stellen in sich nichts mehr und nichts weniger dar als einen Anruf an alle primitiven Völker der Südsee, sich von den erhellten Völkern des europäischen Kontinents loszureißen. Tuiavii, der Verächter Europas, lebte in der tiefsten Überzeugung, daß seine eingeborenen Vorfahren den größten Fehler gemacht haben, als sie sich mit dem Lichte Europas beglücken ließen. Gleich jener Jungfrau von Fagasa, die vom hohen Riff aus die ersten weißen Missionare mit ihrem Fächer abwehrte: »Hebt euch hinweg, ihr übeltuenden Dämonen!« – Auch er sah in Europa den dunklen Dämon, das zerstörende Prinzip, von dem man sich zu hüten habe, wolle man seine Unschuld wahren.

Als ich Tuiavii zuerst kennenlernte, lebte er friedlich und abgesondert von Europens Welt auf der weltfernen kleinen Insel Upolu, die zur Samoagruppe gehört, im Dorfe Tiavea, dessen Herr und oberster Häuptling er war. Der erste Eindruck von ihm war der eines massigen, freundlichen Riesen. Er war wohl an die zwei Meter hoch und von ungewöhnlich starkem Gliederbau. Ganz im Widerspruch dazu klang seine Stimme weich und milde wie die eines Weibes. Sein großes, dunkles, von dichten Brauen überschattetes, tiefliegendes Auge hatte etwas Gebanntes, Starres. Bei plötzlicher Anrede jedoch glutete es warm auf und verriet ein wohlwollendes lichtes Gemüt.

Nichts unterschied Tuiavii im übrigen von seinen eingeborenen Brüdern. Er trank seinen Kava2, ging am Abend und Morgen zum Loto3, aß Bananen, Taro und Jams und pflegte alle heimischen Gebräuche und Sitten. Nur seine Vertrautesten wußten, was unablässig in seinem Geiste gärte und nach Klärung suchte, wenn er, gleichsam träumend, mit halbgeschlossenen Augen auf seiner großen Hausmatte lag.

Während der Eingeborene im allgemeinen gleich dem Kinde nur und alleine in seinem sinnlichen Reiche lebt, ganz und nur im Gegenwärtigen, ohne jede Beschau seiner selbst oder seiner weiteren und näheren Umgebung, war Tuiavii Ausnahmenatur. Er ragte weit über seinesgleichen hinaus, weil er Bewußtheit besaß, jene Innenkraft, die uns in erster Linie von allen primitiven Völkern scheidet.

Aus dieser Außerordentlichkeit mochte auch der Wunsch Tuiaviis entsprungen sein, das ferne Europa zu erfahren; ein sehnliches Verlangen, das er schon pflegte, als er noch Zögling der Missionsschule der Maristen war, das sich aber erst in seinen Mannesjahren erfüllte. Sich einer Völkerschaugruppe, die damals den Kontinent bereiste, anschließend, besuchte der Erfahrungshungrige nacheinander alle Staaten Europas und erwarb sich eine genaue Kenntnis der Art und Kultur dieser Länder. Ich hatte mehr als einmal Gelegenheit zu staunen, wie genau diese Kenntnisse gerade in bezug auf unscheinbare Kleinigkeiten waren. Tuiavii besaß im höchsten Maße die Gabe nüchternen,vorurteilslosen Beschauens. Nichts konnte ihn blenden, nie Worte ihn von einer Wahrheit ablenken. Er sah gleichsam das Ding an sich; wiewohl er bei allen Studien nie die eigene Plattform verlassen konnte.

Obgleich ich wohl über ein Jahr lang in seiner unmittelbaren Nähe lebte – ich war Mitglied seiner Dorfgemeinde –, eröffnete sich mir Tuiavii erst, als wir Freunde wurden, nachdem er den Europäer in mir restlos überwunden, ja vergessen hatte. Als er sich überzeugt hatte, daß ich reif für seine einfache Weisheit war und sie keinesfalls belächeln würde (was ich auch nie getan habe). Erst dann ließ er mich Bruchstücke aus seinen Aufzeichnungen hören. Er las sie mir ohne jede Wucht und ohne rednerische Bemühung, gleichsam als ob alles, was er zu sagen habe, historisch sei. Aber gerade durch diese Art seines Vortrages wirkte das Gesagte um so reiner und deutlicher auf mich und ließ den Wunsch in mir aufkommen, das Gehörte zu halten.

Erst viel später legte Tuiavii seine Aufzeichnungen in meine Hand und gewährte mir eine Übersetzung ins Deutsche, die, wir er vermeinte, ausschließlich zu Zwecken eines persönlichen Kommentars und nie als Selbstzweck geschehen sollte. Alle diese Reden sind Entwurf, sind unabgeschlossen. Tuiavii hat sie nie anders betrachtet. Erst wenn er die Materie vollständig in seinem Geiste geordnet hatte und zur letzten Klarheit durchgedrungen war, wollte er seine »Missionsarbeit« in Polynesien, wie er es nannte, beginnen. Ich mußte Ozeanien verlassen, ohne diese Reife erwarten zu können.

So sehr es mein Ehrgeiz war, mich bei der Übersetzung möglichst wortgetreu an das Original zu halten, und wiewohl ich mir auch in der Anordnung des Stoffes keinerlei Eingriffe erlaubte, bin ich mir trotzdem bewußt, wie sehr die intuitive Art des Vortrages, der Hauch der Unmittelbarkeit, verlorengegangen ist. Das wird der gern entschuldigen, welcher die Schwierigkeiten kennt, eine primitive Sprache zu verdeutschen, ihre kindlich klingenden Äußerungen so zu geben, ohne daß sie banal und abgeschmackt wirken.

Alle Kulturerrungenschaften des Europäers betrachtet Tuiavii als einen Irrtum, als eine Sackgasse, er, der kulturlose Insulaner. Das könnte anmaßend erscheinen, wenn nicht alles mit wunderbarer Einfalt, die ein demütiges Herz verrät, vorgetragen würde. Er warnt zwar seine Landsleute, ja er ruft sie auf, sich vom Banne des Weißen frei zu machen. Aber er tut es mit der Stimme der Wehmut und bezeugt dadurch, daß sein Missionseifer der Menschenliebe, nicht der Gehässigkeit entspringt. »Ihr glaubet uns das Licht zu bringen«, sagte er bei unserm letzten Zusammensein, »in Wirklichkeit möchtet ihr uns mit in eure Dunkelheit hineinziehen.« Er betrachtet die Dinge und Vorgänge des Lebens mit der Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe eines Kindes, gerät dabei auf Widersprüche, entdeckt dabei tiefe sittliche Mängel, und indem er sie aufzählt und sich zurückruft, werden sie ihm selber zu endlicher Erfahrung. Er kann nicht erkennen, worin der hohe Wert europäischer Kultur liegt, wenn sie den Menschen von sich abzieht, ihn unecht, unnatürlicher und schlechter macht. Indem er unsere Errungenschaften, gleichsam bei der Haut, unserem Äußeren, beginnend, aufzählt, sie völlig uneuropäisch und pietätlos beim nächsten Namen nennt, enthüllt er uns ein wenn auch begrenztes Schauspiel unserer selbst, bei dem man nicht weiß, soll man den Verfasser oder dessen Gegenstand belächeln.

In dieser kindlichen Offenheit und Pietätlosigkeit liegt meines Erachtens der Wert von Tuiaviis Reden für uns Europäer und das Recht einer Veröffentlichung. Der Weltkrieg hat uns Europäer skeptisch gegen uns selbst gemacht, auch wir beginnen die Dinge auf ihren wahren Gehalt hin zu prüfen, beginnen zu bezweifeln, daß wir durch unsere Kultur das Ideal unserer selbst erfüllen können. Daher wollen wir uns auch nicht für zu gebildet halten, im Geiste einmal herabzusteigen zu der einfachen Denk- und Anschauungsweise dieses Südseeinsulaners, der noch von keiner Bildung belastet und noch urtümlicher in seinem Fühlen und Schauen ist und der uns erkennbar machen hilft, wo wir uns selber entgötterten, um uns tote Götzen dafür zu schaffen.

1 Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea sind zwar noch nicht gehalten, doch aber gleichsam als ein Entwurf in der Eingeborenensprache niedergeschrieben, aus welcher sie ins Deutsche übersetzt wurden.
2 Das samoanische Volksgetränk, bereitet aus den Wurzeln des Kavastrauches
3 Gottesdienst

Von Erich Scheurmann, dem Autochthonen, wird in einem der nächsten Kapitel noch etwas zu erzählen sein, wenn es um Gutenberg …

Cartoon ohne Worte

Der zurzeitige österreichische Bundeskanzler hat nun mit einem Video auf das Video aus seiner halleinerischen Gemeinschaft zum Weine geantwortet, mit dem er bestätigt, er stehe dazu, und er bekräftigt mit seinem Reaktionsvideo sein Mahlzeit — ein Cartoon ohne Worte …

Sie werden einwenden wollen, das sei kein Cartoon ohne Worte, denn es kommen ja in diesem Cartoon zitierte Worte aus dem Video der Reaktion vom zurzeitigen … Aber lassen Sie sich nicht täuschen, was in diesem Cartoon wie Worte aussehen, sind Strichmännchen, die Worte gleich, gar Worte mit Inhalt gleich herumhüpfen.