„Zeit für Sauberkeit“ …

Als ein paumgartterisches Buch vom Heimatverlag des Gerald Grosz beschlagnahmt und Stocker wegen seiner Verbreitung zu einer Strafe verurteilt wurde

Beschlagnahme einer antisemitischen Druckschrift von Karl Paumgartten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde durch das Landesgericht für Strafsachen in Graz die Beschlagnahme der Druckschrift „Judenfibel – das ABC der 4000jährigen Judenfrage“ von Karl Paumgartten, die im Verlag Leopold Stocker im Jahre 1922 erschienen war, verfügt. Die Beschlagnahme erfolgte unter der Anschuldigung, daß die Schrift ihrer ganzen Tendenz nach zu Feindseligkeiten wider die jüdische Religionsgesellschaft aneifere und zu verleiten suche und die Lehren der jüdischen Religionsgesellschaft herabzuwürdigen sucht. Der Verleger Leopold Stocker wurde wegen Verbreitung durch das Grazer Landesgericht zu 100 S Geldstrafe verurteilt. Karl Paumgartten, recte Dr. Karl Huffnagl, war Bibliothekar an der Wiener Parlamentsbibliothek; er ist seit mehreren Jahren tot.

Als einer, der für kurz Vizekanzler war, mit dem Mann, der seine Biographie herausbrachte, auf dem Weg im Graben darauf sich freute, gleich seine Biographie zu präsentieren, erzählt der Verlagsmann, sein Verlag habe zwar aber in den zwanziger Jahren einige antisemitische Bücher … Das sei Vergangenheit, erzählt also der Verlagsmann weiter, das sei, so darf er verstanden werden, doch nur in den zwanziger Jahren gewesen, und recht kritisch fügt er hinzu, das in den zwanziger Jahren sei kein Ruhmesblatt gewesen …

Von der Zukunft der von seinem Familienverlag in den zwanziger Jahren herausgebebenen Büchern erzählt der Verlagsmann nicht. Als hätte sein Familienverlag, kaum waren die zwanziger Jahre vorüber, darauf vergessen, diese Bücher herausgebracht zu haben, als wäre sein Familienverlag, kaum waren die zwanziger Jahre vorüber, schon zur Erkenntnis gelangt, daß diese Bücher kein Ruhmesblatt

Dabei begann erst nach den zwanziger Jahren der Aufstieg solcher Bücher zum Ruhm. Solch ein Ruhm ist stets hart zu erkämpfen, in der Vergangenheit ebenso wie in der Gegenwart, wenn auf den Gassen zu marschieren ist, wenn Bücher beschlagnahmt, Strafen zu bezahlen sind, wie vor 85 Jahren etwa, als des Verlagsmanns Vorfahre eine Strafe zu bezahlen, eines seiner Bücher beschlagnahmt – berichten am 6. Juli 1937 die „Innsbrucker Nachrichten“.

Wie finster muß im Sommer 1937 im Verlag doch die Stimmung gewesen sein. Das Buch beschlagnahmt. Zu einer Strafe verurteilt. Geradeso, als wären solche Bücher nur noch Bücher der Vergangenheit, Bücher ohne Gegenwart, als hätten solche Bücher bloß als Heizmaterial noch Zukunftsverwendung.

Doch dies währt nur kurz. Denn. Wie kann auch in diesem Familienverlag ruhmreich in die Zukunft geschaut werden. Und das schon nicht einmal ein ganzes Jahr danach. Mit Zuversicht und Vorsehungsvertrauen wieder an die Pressen, nicht um neue Bücher zu drucken, die zu lesen in dieser recht geschäftigen Zeit dem Volke nicht auch noch zugemutet werden kann, aber es mit Postkarten zu erfreuen, es einzustimmen auf einen ruhmreichen

Und so geht es voran, wächst der Ruhm solcher Bücher von Jahr zu Jahr. Wie groß muß die Freude auch in diesem Familienverlag gewesen sein, beispielsweise vor achtzig Jahren, besonders im März 1942, kaum war die Verlagsreklame „Das Judentum muß vernichtet werden.“ für ein Buch von Karl Paumgartten dem Reichsvolke verkündet, als zweieinhalb Wochen später in Birkenau, am 20. März 1942, die ersten — —

Das seit den zwanziger Jahren auch in diesem Familienverlag Ersehnte, das Wort möge Tat werden, endlich erfüllt: das Wort nun Tat. Wie hätte das wohl einem Mann des Wortes erfreut, dies ebenfalls noch erleben zu dürfen, daß Worte Taten, einem Mann des Buches, der mit Rat und Wort zu Gründung des Familienverlags am 13. April 1917 beiträgt, vor 105 Jahren es ihm wohl nicht mehr als ein Traum, ein von der Zukunft zu erfüllende Sehnsucht: Worte zu Taten …

Und nun, heutzutage, in der Worte wieder bloße Worte sind, die beispielsweise in das Parlament getragen werden, vielleicht vom Präsidenten höchstselbst liebevoll in ein Parlamentsbibliotheksregal gestellt werden, auch von diesem Familienverlag, kann gefragt werden, auf welchem Ruhmesblatt werden diese einst geschrieben sein, wenn wieder vergangen einhundertundein, fünfundachtzig, achtzig, nur zwei Jahre oder auch bloß ein Jahr …

Wie viele Stimmen hätte Karl Paumgartten, dessen Hausverlag der stockerische Familienbetrieb war, bekommen, wäre er je um das Amt der Bundespräsidentin geritten, mehr als Breitner, mehr als Burger, mehr als Rosenkranz, mehr als Scrinzi? Ein vom Stocker-Verlag recht ordentlich Verlegter ersehnt sich mehr Stimmen. Und eine erste Meinungsumfrage nährt seinen Traum, mehr Stimmen zu bekommen als Scrinzi, als Rosenkranz, als Burger, als Breitner, und vielleicht träumt er schon recht hoch hinauf, im Fall eines zweiten Durch… so viele Stimmen wie Hofer — —

Oder gar mehr als Alexander Van der Bellen, um dann wie er auch einen Vizekanzler der identitären Partei für wenn auch wieder bloß für kurz …

So mag er schon alle Tage träumen, aber wenn Hausarbeit ansteht, Böden zu fegen, es für ihn also wieder Zeit ist, sauberzumachen, kann es auch ihm passieren, für Momente ganz in der Wirklichkeit zu sein, zu wissen, Meinungsumfragen sind bloß Worte in Zahlen, und vielleicht ist er – Strohwedel, recht müde von seiner erfüllten Profession auf diesen aufgestützt das Lob des Gatten erwartend – in einem solchen Augenblick der Wahrheit fotographiert worden, für den Umschlag seiner „Zeit für Sauberkeit“ im Heimatverlag des Karl Paumgartten

Und des Karl Itzinger, der nicht erwähnt wird, um mit einem weiteren Manne zu spekulieren, wie viele Stimmen dieser Dichter bekommen hätte, wäre er je um das Amt der Präsidentin geritten, sondern, daß dem Familienverlag nicht nur die Verbreitung eines einzigen Buches, auch

[d]iese Bücher waren in der Zeit des Kampfes und des Leidensweges in den letzten 5 Jahren in System-Österreich vielen Zehntausenden Partei- und Volksgenossen in Deutsch-Österreich eine Stärkung zum Ausharren im Kampfe gegen die Regierung und im sieghaften Glauben, weil der Dichter Karl Itzinger in diesem Volkskriege leuchtende Vorbilder und Zeugen des opfer- und leidvollen Freiheitskampfes in Oberösterreich, der Heimat des Führers Adolf Hitler, zeigte, wo die klerikale Macht unter dem Habsburger Ferdinand II. mit Feuer und Schwert und Heimatvertreibung, das um die Freiheit des Geistes und Leibes ringende Volk verfolgte – damals genau so wie in der Jetztzeit. Daher wurden diese dem Dollfuß-System gefährlichen Freiheitsbücher von der Regierung schwer verfolgt. 16 Monate war das Buch „Blutgericht am Haushamerfeld“ beschlagnahmt; zuerst durch den Staatsantwalt und als der Prozeß nach 8 Monaten wegen Mangels an strafbarem Tatbestand eingestellt wurde, wurde durch die Schuschnigg-Regierung ein „Verbreitungsverbot“ ohne Begründung erlassen; nachdem wieder durch zahlreiche Historiker erwiesen wurde, daß das Buch historische Tatsachen schildere, wurde es nach weiteren 8 Monaten zufolge gesetzwidrigem Verbot freigegeben. Diese Bücher verdienen im ganzen Reiche, zum Verständnis für das jahrhundertlange Freiheitsringen der Ostmarkdeutschen, weiteste Verbreitung, weil sie zeigen, wie treudeutsch, wie opferbereit das Volk in Österreich seit Jahrhunderten um seine heiligsten Volksgüter kämpfte – und immer in gleicher Weise von undeutscher ultramontaner Macht mit Blut und Eisen und Drangsal verfolgt und unterdrückt wurde – in der Jetztzeit genau so wie vor 300 Jahren.

So die Reklame am 22. März 1938, im „Börsenblatt“.

Wie muß den nachfahrenden Verlagsmann die Jetztzeit schmerzen, die ihn hinaus auf die Straße jagt, auch seinen Sohn, der wohl einst das Verlagserbe … sie wieder marschieren müssen für —

In Frankenburg muß nicht auf die Straße gegangen werden, in Frankenburg wird auf der Wiese unter Bäumen gespielt, unter dem Gefühle schonenden Titel: „Das Frankenburger Würfelspiel“. Vielleicht auch aus Sorge um die Einnahmen. „Das Blutgericht am Haushamerfeld“ könnte doch zu abschreckend wirken, die Aufführungen mit Kind und Hund (auch die dürfen mit in die Vorstellungen) zu besuchen, und so manche Schule könnte die „Vermittlungsprogramme für Grund- und Sekundarstufe“ nicht in Anspruch nehmen wollen, aber zu „Würfelspiel“ kann ein noch so, wie es modern heißt, politisch korrektes, mehr noch, bildungskorrektes Lehrpersonal nicht nein … Leicht war es in der Jetztzeit

Nachdem die Spielsaison 2021 leider abgesagt werden musste, wäre eine turnusmäßige Aufführungspause bis zum 2023 entstanden. Die ist uns leidenschaftlichen Würfelspielern eindeutig zu lang. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, im Sommer 2022 eine Zwischensaison einzuschieben.

in Frankenburg auch nicht. Vielleicht waren so manche der Würfelspielenden durch die virenerzwungene Absage auch auf den Straßen unterwegs, und nun die Entscheidung, da für den heurigen Sommer kein Märsche angekündigt sind, gegen den Traditionsturnus zu spielen. Lang hin ist es noch bis zum Jahr 2025, dem wohl schon leidenschaftlich entgegengefiebert wird, in Frankenburg, diesem recht besonderen Jahr, und so rechtes Jahr – Frankenburg verdient sich für sein Jahr ein eigenes Kapitel.

Mit dem Verlagsmann leidet wohl auch recht der Besenmann besonders mit – an der Jetztzeit. Und wie damals, als die Zeit den Menschen ihre für kurz nur Jetztzeit war, erbittert sie Zensur, recte Verbreitungsverbote, Systemparteien, recte System-Österreich, Freiheit, recte Freiheit