AKP will von ihrem A… abstammen

Wie nun zu lesen ist, soll in der Türkei die Evolutionstheorie des Charles Darwin aus den Lehrplänen der Gymnasien gestrichen werden.

Das wäre keine Aufregung wert. Denn. Charles Darwin ist einer aus der langen Entwicklung der Evolutionstheorie, und mit ihm endet auch nicht die Evolutionstheorie, die seit ihm mannigfache Weiterentwicklungen erfahren hat. Wenn also bloß Charles Darwin aus den Lehrplänen gestrichen werden würde, allerdings nur dann, wenn Schüler und Schülerinnen bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr in ihrer Schulpflichtzeit im gemeinsamen Unterricht genügend über die Evolutionstheorie auch eines Charles Darwin gehört, gelernt haben, so daß es im Gymnasium bloß noch eine sie langweilende Wiederholung wäre.

Eine Streichung der Evolutionstheorie des Charles Darwin aus den Lehrplänen der Gymnasien machte also nur Sinn, wenn Schülerinnen und Schüler bereits vor dem Besuch eines Gymnasiums je nichts von der Evolutionstheorie gehört hätten, wenn es darum geht, die Evolutionstheorie von Charles Darwin im besonderen und die Evolutionstheorie im allgemeinen gar nicht erst in das Gedächtnis der Menschen …

Was erfuhren sie bisher und was erfahren sie jetzt in ihrer gemeinsamen achtjährigen Schulpflichtzeit in der Türkei über die Entwicklung des Menschen?

Aber einen Sinn dahinter sehen zu wollen, ist wohl mehr als müßig. Es reicht der Hinweis, wer das in der Türkei will, das ist die AKP, die Partei von Recep Tayyip Erdoğan: eine alternative Bezeichnung für Sinn, der auch als Unsinn übersetzt werden kann.

Der Mensch stamme – wie es stets verkürzt heißt – vom tierischen Affen ab. Das ist ein Kompliment, für den Menschen. Wenn die AKP die Streichung der Evolutionstheorie aus den Lehrplänen der Gymnasien durchsetzt, dann ist es in der Türkei kein Kompliment mehr, vom tierischen Affen abzustammen. Denn. An die Stelle des tierischen Affen träte dann ein menschlicher Affe. Es müsse ja auch türkischen in den Gymnasien weiterhin etwas erzählt werden, etwa von wem der Mensch abstamme, . Von Allah, darf angenommen werden, also von einem menschlichen Affen. Auch die Erzählung der Abstammung des Menschen von einem A… ist eine Erzählung der Evolution, also der Entwicklung von einem A… zum Menschen.

Woher die AKP ihre Entwicklungsfabel hat, die sie jetzt in den Gymnasien durchsetzen will? Sie wird darauf beharren, eine eigene Fabel zu besitzen. Aber diese Fabel geht zurück auf eine Urfabel, über die ein Mann in Wien bestens Auskunft geben kann, ein Mann der keinen, wie es nun stets so schön heißt, Hintergrund hat, der auf die Türkei schließen läßt, ein Mann, der es wohl als Beleidigung empfinden würde, würde gesagt werden, der Mensch, also auch er, stamme vom tierischen Affen ab, hingegen er wohl seinen größten Dank sprechen würde, wenn gesagt werden würde, er stamme vom menschlichen Affen mit den drei Köpfen ab, von diesem Affen, von dem sich noch so viele Menschen weltweit, also nicht nur in der Türkei, zum Affen machen lassen. Und da es um Schule, Bildung geht, darf nicht unerwähnt bleiben: Es ist ein Mann aus einer Organisation, die sehr viel über Pädagogik weiß, die nach wie vor auch bei der Pädagogik das große Wort führen will, nicht in der Türkei, aber beispielsweise in Österreich, wo dieser Mann residiert …

Mit einer Weltanschauung in Österreich schutzlos und vogelfrei – wie in einem Gottesstaat

Zwei Tage nach den massigen Bekenntnissen – auch in Österreich – zur Weltoffenheit wird es immer klarer, was mit weltoffen tatsächlich gemeint war und ist, nämlich die Welt offen für weitere Gesetze … Die Welt offen zu machen für weitere Gesetze, die wieder nichts mit weltoffen zu tun haben werden. Schon gibt es beispielsweise in Deutschland aus dem christschwarzen Hergottswinkel Vorstöße, jetzt den sogenannten Blasphemie-Paragraphen verschärfen zu wollen …

Und ebendiese sogenannten Blasphemie-Paragraphen erlauben es im Vergleich von Deutschland und Österreich pointiert davon zu sprechen, daß Österreich ein Gottesstaat ist, in dem ein Mensch mit einer Weltanschauung  ohne Schutz und vogelfrei ist, ein Mensch einer Religion hingegen aber eine bevorzugte und beschützte Stellung genießt …

Deutschland, Strafgesetzbuch, § 166 und § 167

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

(1) Wer

1. den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört oder

2. an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Dem Gottesdienst stehen entsprechende Feiern einer im Inland bestehenden Weltanschauungsvereinigung gleich.

Österreich, Strafgesetzbuch, § 188

Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

Mit einer Weltanschauung im Gottesstaat Österreich vogelfrei und schutzlosBemerkenswert an dem österreichischen Paragraphen ist die Zeit seiner Inkraftsetzung. Das war 1975. Also in der Zeit einer sozialistischen Alleinregierung. Es ist ein sonderliches Land, dieses Österreich, in dem eine sozialistische Partei katholischer als eine katholische Partei … Oder wähnte die sozialistische Partei, wie sich die sozialdemokratische Partei damals noch nannte, ihre Weltanschauung als eine Religion? Und erschien es ihr deshalb als nicht notwendig, auch Weltanschauungen einen gesetzlichen Schutz …? Genau müßte es heißen, auch andere Weltanschauungen gesetzlich zu schützen, da Religionen ja nichts anderes sind als Weltanschauungen …

Mit dem Aufzeigen der Schutzlosigkeit und der Vogelfreiheit von Menschen mit Weltanschauungen in Österreich ist aber nicht die Forderung verbunden, nicht einmal die Überlegung ist damit verbunden, in Österreich soll das Gesetz gemäß der deutschen Regelung verändert werden. Ganz im Gegenteil. Das Gesetz in Österreich ist gänzlich zu streichen. Aber auch das Gesetz in Deutschland ist in dieser Form nicht zu halten, zum einen aus dem Grund der Meinungs- und Pressefreiheit, zum anderen aufgrund der Sonderstellung von Religion, da die Religion als Weltanschauung ohnehin bereits im Begriff Weltanschauung inkludiert und soher redundant … Wie generell, um es wieder einmal zu betonen, die rechtlichen Verankerungen der Sonderstellungen von Religion aus allen Gesetzen bis hin aus den Menschenrechten zu entfernen sind.

Diese Bevorzugung von Religionen, diese Einräumung von Sonderrechten an Organisierte Glauben gebiert immer wieder und weiter Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen, wie das Beispiel Österreich zeigt. Auch heute noch, 2015. Ungleichbehandlung, Diskriminierungen und Diffamierungen durch Gesetze, aber nicht nur von anderen Weltanschauungen, sondern auch von anderen Organisierten Glauben. In Österreich soll dieser Tage ein Islamgesetz beschlossen werden, das alle Kriterien der Diskriminierung, Diffamierung und Ungleichbehandlung erfüllen wird. Wenn oben pointiert geschrieben wurde, Österreich ist ein Gottesstaat, muß das noch präzisiert werden, es ist ein römisch-katholischer Gottesstaat, wie das vor der Beschlußfassung stehende Islamgesetz belegt. Aber auch das wurde bereits ausgeführt.