Der Brief des Dr. Heinz Fischer: Antwort und Forderungen – Eine Gegenüberstellung

Heinz Fischer - Forderungen und Antwort - Eine Gegenüberstellung

Forderungen und Antwort von Dr. Heinz Fischer – Eine Gegenüberstellung.

Das Schreiben von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer an die Menschen in der Votivkirche, die für weit mehr eintreten als nur für eine für sie allein persönlich gute Lösung ihrer individuellen prekären Lebenssituation in Österreich, würde sich für polemische Überschriften anbieten, und es wurden auch solche überlegt, wie Dr. Heinz Fischer – Er tat nur seine Pflicht, oder auch Vom unnötigsten Brief der Republik

Aber der Inhalt des präsidialen Schreibens offenbart vor allem in der Gegenüberstellung, wie diese mit der Collage versucht wurde, mit den Forderungen eindrücklich die mißliche politische und gesellschaftliche Lage, in die Menschen, die nach Europa und somit auch nach Österreich flüchten, von Europa und somit auch von Österreich gedrängt werden, wodurch jedwede Polemik fehl am Platz ist, und nur eines bleibt, bitter festzustellen, wie richtig und wie berechtigt die Proteste dagegen der Menschen sind.

Dr. Heinz Fischer bestätigt nicht nur inhaltlich, sondern auch mit seinem verwendeten Vokabular den unwürdigen Umgang mit Menschen, die nach Österreich flüchten, soher die notwendigen Proteste dagegen. Von der polizeilichen Diktion – „aufhältige“ – bis zu den überbordenden (in diesem Zusammenhang eigentlich richtiger: grenzziehenden) und schon penetrant zu nennenden rechtlichen Hinweisen –

„Gesetzeslage“, „Gerichtsentscheidungen“, „im Rahmen der geltenden Gesetze“, „verfassungsmäßige Rechte des österreichischen Bundespräsidenten“, „Verfahren“, „österreichische Rechtslage“, „Bleiberecht“, „rechtliche Situation“, „verfassungsmäßigen Spielraum“ -,

das in einem Schreiben mit zwölf Absätzen und mit 404 Wörtern einschließlich Anrede- und Schlußformel …  Der Einleitungs- und Schlußabsatz sind aber abzuziehen, so verbleiben für das eigentliche inhaltliche Schreiben zehn Absätze. Sechs Absätze also enthalten rechtliche Hinweise und eine polizeiliche Diktion, zwei weitere Absätze sind der Innenministerin vorbehalten, ein Absatz den rechtlich für eine Ewigkeit gebundenen Händen: „was wir nicht tun können“ …

Diese seine Absätze enthalten aber auch Vorschläge – „Vertrauen zu haben in die Zusage der Innenministerin“, „das Angebot des Herrn Kardinals anzunehmen und unter dem Schutz der Kirche in das angebotene Quartier zu übersiedeln“ – und eine Bestätigung seiner Gespräche u.a. mit Frau Innenministerin Mikl-Leitner über „Ihre Gesundheit und Ihr Schicksal“ … Ja, am besten kann mit Dritten über das Schicksal und die Gesundheit von bestimmten Menschen aber nicht mit diesen selbst gesprochen werden …

Es wurde eingangs geschrieben, es will nicht polemisiert werden, jedoch dieses präsidiale Schreiben –

Was dieses präsidiale Schreiben aber ganz und gar nicht enthält, es keinen einzigen Absatz in diesem Schreiben dazu gibt, ja nicht einmal ein Wort geschrieben steht, ist zu den generellen Forderungen, geradeso, als ob diese Forderungen nicht existierten, als ob Menschen, die nach Europa und somit auch nach Östereich flüchten, keine Forderungen stellen dürften, denn das ist ja im „gesetzlichen Rahmen“ nicht vorgesehen, aber Menschen, die nach Österreich flüchten, genauer und eingegrenzter, die „in der Votivkirche aufhältigen Flüchtlinge“ dürfen sich glücklich und sicher fühlen, in Österreich einen Bundespräsidenten zu wissen, der sich um ihre Gesundheit und ihr Schicksal sorgt, ihnen großzügig den Schutz der Kirche anbietet und mit ihm gemeinsam Vertrauen in die Innenministerin …

„Unter dem Schutz der Kirche“ muß wohl als „Schutz vor dem Staat“ gelesen werden, denn kaum traten zwei Menschen vor die Kirchentüre, wurden sie auch schon abgeschoben; das sind wahrlich vertrauensbildende und vertrauenseinflößende sicherheitsministerliche Maßnahmen, auch die Aussicht für einige auf Schubhaft; es kann aber auch zusätzlich gelesen werden, der Staat kann und will keinen Schutz gewähren, der Bundespräsident ebenfalls nicht -, die Räumlichkeiten der Hofburg sind ja nur geeignet für den Tanz von …

Was dieses präsidiale Schreiben auch nicht enthält, nicht einmal die Höflichkeit, sich für eine Einladung zu bedanken und diese wenigstens mit der beliebten Entschuldigung auf einen übervollen Terminkalender … Das ist halt nicht rechtlich geregelt, daß ein Bundespräsident sich von Flüchtlingen einladen und vor allem dieser Einladung nachkommen darf, um selbst vor Ort nicht nur über die konkrete Situation in der Votivkirche sich auszutauschen, sondern vor allem die generellen Forderungen zu diskutieren, Möglichkeiten gesetzlicher Änderungen gar in näherer Zukunft zu besprechen, zu entwickeln, zu bekräftigen, sich dann auch im „verfassungsmäßigen Spielraum“ dafür einsetzen zu wollen …

Dr. Heinz Fischer kann oder konnte als Bundespräsident auch schon andere Briefe schreiben, die ohne penetrante rechtliche Hinweise auskamen, ohne expliziten Hinweis auf seinen verfassungsmäßigen Spielraum, die sogar von Entwicklungen sprachen, die nicht nur ein paar bestimmte Menschen und auschließlich deren persönliche Gesundheit und persönliches Schicksal betrafen, sondern von generellen Entwicklungen:

“Ich kann Ihnen somit bekräftigen, dass die von Ihnen vorgebrachten Anliegen […] im Zusammenhang mit den diesbezüglichen Bemühungen Österreichs sehr ernst genommen werden. Es ist zu hoffen, dass es in den angesprochenen Themenbereichen in näherer Zukunft auch zu konkreten Entwicklungen kommen kann.”

Aber das schrieb der Herr Bundespräsident auch nicht an Menschen, die beispielsweise von Pakistan, von Afghanistan nach Österreich flüchteten, sondern

Das freiheitliche WIR ist kein persönliches Fürwort der ersten Person Mehrzahl

WIR VotivkircheSondern eine Abkürzung, allerdings wird die „Wiener Identitäre Richtung“ nicht befürchten müssen, von den Freiheitlichen, die WIR ja viel länger schon in Verwendung hat, wegen Namensdiebstahles geklagt zu werden, zumal die gemeinsamen Wurzeln, an denen gekaut wird, einen Gang zum Gericht wohl verunmöglichen, darüber hinaus, die Einverleibung der gleichen Nahrung in der Gegenwart nicht einen Kampf untereinander …

Ideologische Nahrung der Identitären sind die Theoretiker der Neuen Rechten wie Alain Benoist und Pierre Krebs. Doch es ist weniger die Ideologie der Neuen Rechten, die – etwa bei Krebs – nur unscharfe Abgrenzungen zu klassischen faschistischen bzw. nationalsozialistischen Ideologien enthält, die innerhalb der rechten Szene ihre Atttraktivität ausmacht, sondern ihre Aktions – und Propagandaformen, die auf Web 2.0 zugeschnitten sind. Die „Hardbass“-Aktionen der Identitären, die sie von russischen Neonazis übernommen haben, stellen popkulturelle Elemente dar, die als „Flashmobs“ über Facebook und YouTube transportiert und reproduziert werden.

Dieses Beschreibung ist der Serie „Die braunen Ränder der Identitären“ entnommen, die zwei auch für die Freiheitlichen wichtige Namen enthält. Alain de Benoist, der allenthalben für die freiheitliche ZZ schreibt, wie eben erst wieder in der vorletzten Ausgabe 5/2013, und Pierre Krebs, der beispielsweise auch schon einmal auf Einladung der Martin-Graf-Burschenschaft Olympia in Wien

WIR - Benoist - KrebsMöglicherweise denken Freiheitliche bei WIR gar nicht an eine Klage, sondern denken stolz daran, daß ihre Nahrungsgeber auch außerhalb ihres Lagers die Schüssel schon füllen, vielleicht rechnen sich Freiheitliche es auch recht hoch an, etwas mit ihren Publikationen, Reden, Plakaten dazu beigetragen zu haben, glauben möglicherweise gerührt daran, die WIR-Kinder seien erst durch sie auf diese idelogische Nahrung der Identitären, deren The

Wie das nun in diesem Lager gesehen wird, ob als Anlaß zur Klage, ob als Grund zur stolzen Freude, ist nicht wesentlich. Wesentlich aber ist, daß das freiheitliche WIR kein persönliches Fürwort der ersten Person Mehrzahl ist, das heißt, es schließt Sie als Wählerin der Freiheitlichen nicht ein, es schließt Sie als Wähler zu einem „Euch“ aus, verurteilt Sie also zum Anderen, für den die WIR nichts übrig haben, also weder die WIR-Kinder, die verwichenen Sonntag eine rührende, aber hilflose Besetzung versuchten, noch die freiheitlichen WIR, die den nach einer dreiviertel Stunde in der Votivkirche bereits frierenden, nach Kräfte ringenden und nach Schwedenbomben bittenden WIR-Kindern in bezug auf Unfähigkeit und Leistungsineffizienz gleichwertig sind, haben für Sie als Andere etwas übrig, soher gibt es zwischen diesen WIR keinen Unterschied -, das eine WIR kandidiert nicht und das andere WIR ist nicht wählbar …

Es geschah aber, daß freiheitliche Plakate herabstiegen, um sich aufzumachen, das Haus der Herren zu besetzen

Jedoch die Besetzung der Votivkirche am verwichenen Sonntag war auch schnell wieder vorüber – diese war wohl nicht sehr überlegt, möglicherweise beschlossen in der Sekunde, beim Stehen vor dem freiheitlichen Plakat auf Dreiecksständern, das seit dem letzten Wochenende auf Wiens Straßen gegen asylsuchende Menschen pauschal und konkret gegen die Menschen in der Votikvkirche …

Freiheitliche Plakate und W-I-REs ward aber zu einer harmlosen Besetzung, zu eine Besetzung von Kindern, die durch das eine dreiviertel Stunde nach Beginn der Besitzung aufgenomene und dann veröffentlichte Video rührten durch ihre kleine Bedarfsliste für die Besetzung, was sie sich als Untersützung wünschten, was ihnen in die Votivkirche – Schwedenbomben … Und bereits nach einer dreiviertel Stunde war diesen Kindern doch recht kalt im Haus der Herren, nach einer dreiviertel Stunde Besetzung bereits klagten diese Kinder, es zerre an ihren Kräften …

Rührend sind die Kinder der Gruppe W.I.R. auch mit ihrem Ersuchen auf ihrer Website zu den von ihnen produzierten Aufklebern:

Schaut aber zu, dass ihr keine Sachbeschädigung begeht und nicht unserem Anliegen schadet! Wir weisen darauf hin, dass wir keine Sachbeschädigungen unterstützen oder in irgendeiner Form dazu aufrufen wollen.  Dass wäre eine  schlechte Werbung für unsere Sache.

Zugleich aber stellen sie Aufkleber her zur Verbreitung, die von „Streetfight Experience since 1529“ sprechen, zu „Moch wos“ aufrufen mit einer abgebildeten skelettierten Hand, und dann, zusätzlich oder vor allem ihr Logo: die einfache Bauernwaffe: eine Sturm- oder Kriegssense -, die wohl nicht unbeabsichtigt an die türkische Flagge erinnern soll, zumal die Sturmsense auch bei der zweiten Türkenbelagerung zum Einsatz kam … Möglicherweise haben aber die W.I.R.-Kinder nur zu viel Respekt vor dem Materiellen, daß sie sich um Sachbeschädigungen sorgen, aber keine Skrupel, Menschen Gefahren auszusetzen …

Weder harmlos noch rührend aber ist das bestellte Feld, auf dem die W.I.R.-Kinder ihre Nahrung suchen, während sie von einer „metapolitischen Revolution“ auch für Östereich träumen, gleich jener für sie in „Ungarn durch Fidesz“  …

Einladung zum Vortrag beim Wiener Akademikerbund …

Die Blogroll der W.I.R.-Kinder belegt auch recht ordentlich, wessen Geistiges sie wiederkäuen, wem sie nacheifern, wessen Vokabular sie fleißig lernen, wem sie mit Straßenkampf imponieren und/oder beistehen wollen:

Dr. Martin Graf mit Unzensuriert …

Sos Österreich …

Sos Abendland …

BI Dammstraße …

Andreas Unterberger …

NS aus aktuellem Anlaß: Der Wiener Akademikerbund wird heute sehr erschüttert sein, sich in dieser Welt noch mehr unsicher fühlen, auch verraten von seinem Herrn des Kleinstaates in einem römischen Grätzel, der als „Stellvertreter auf Erden“ einfach zurücktrat … Ob es heute im Lokal des Akademikerbundes zu Wutausbrüchen kam, das Poster von Herrn Ratzinger von der Wand gerissen wurde? Oder es im Gegenteil zu Anbetungen vor dem Bild des Herrn Ratzinger kam, zu Rufen nach sofortiger Heiligsprechung, sich dabei fest umklammernd, um sich vor der unsicheren Welt gegenseitig zu schützen, zu trösten, in der auf nichts mehr Verlaß ist, nicht einmal mehr darauf, daß der „Stellvertreter auf Erden von Ja-von-wem bis zu seinem letzten Atemzug seine Rechte absolutistisch …