„Zur Zeit“ – Ein lugdummes Wochenmagazin aus dem freiheitlichen Lager?

So sehr das Kaffeehaus an der bestimmten Ecke bevorzugt wird, für die Zeitungslektüre, so ärgerlich ist es, immer wieder, um den Lesehunger befriedigen zu können, mit Zur Zeit, während auf freiwerdende andere Zeitungen gewartet werden muß, die Gegenwart zu verlassen …

Auch heute wieder zum Espresso keine andere Zeitung zum ersten Schluck als die Ausgabe 01/2012 mit Beiträgen, die wieder die Frage hervorrufen, sind diese aus Dummheit geschrieben, oder geschrieben, um zu lügen, oder geschrieben, um Lüge und Dummheit zu vereinen, somit Lugdummes zu verbreiten, oder geschrieben ohne davor, womit u.a. Dummheit zu definieren ist, Informationen einzuholen, ohne, wieder ohne eine Antwort auf diese Frage …

Zwei Beitrage aus dieser Ausgabe sollen dafür als Beispiele herangezogen werden.

Walter Seledec schreibt unter dem Titel „Kriegstreiberei“:

Denn der Autor nimmt keine Rücksicht auf die herrschende Lehre der Angepaßten. Meiser bringt den ausführlichen Nachweiß, daß allierte und tschechische Politiker den Weltkrieg gewollt und herbeigeführt haben. Niemand kann angesichts der vorgelegten Beweise noch von einer Alleinschuld Deutschlands reden. Die Vertreibung der Sudetendeutschen war und bleibt ein Genozid, ein ungesühntes Verbrechen, so Meisers Aussage. Dabei wird die deutsche Mitschuld am WK II nicht in Frage gestellt. Es ist überhaupt sehr zu begrüßen, daß ein Buch dieser Art heute noch erscheinen kann.

Daß ein Buch dieser Art heute noch erscheinen kann … Wie soll eine solche Aussage bewertet werden? Walter Seledec muß zumindest der Buchdienst von der Zeitung, für die er schreibt, bekannt sein, soher muß er wissen, was für eine prosperierende Nationalismus- und Revisionismus-Industrie es nach wie vor gibt …

Alles erscheint heute, das kann einem Walter Seledec ebenfalls nicht unbekannt sein –, somit kann er nur wider besseres Wissens …

Helge Morgengrauen schreibt unter dem Titel „Jeder wird begeistert“:

Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie, die allen Dichtern und Schriftstellern gewidmet ist, die heutzutage von den Medien ausgegrenzt bzw. totgeschwiegen werden. Hier sollen diejenigen gewürdigt werden, die Heimat und Volkstum immer hochgehalten haben, die sich nicht nach dem Wind gedreht haben und daher auch nicht in das linkslastige Konzept des ständig betroffenen Gutmenschentums passen. [D]er deutsche Dichter Robert Hohlbaum wird aber nicht mehr verlegt. Hohlbaum […] war mit Rudolf Hans Bartsch und Mirko Jelusich wie auch mit Franz Karl Ginzkey, dessen Biographie er schrieb, befreundet.

Es erscheinen viele Bücher von Hans Meiser, Robert Hohlbaum wird auch heute verlegt.

Ausgegrenzt bzw. totgeschwiegen werden … Wie soll eine solche Aussage bewertet werden? Helge Morgengrauen wird es wohl auch bekannt sein müssen, daß es Millionen von Dichterinnen und Schriftstellerinnen gibt … Um diesen gerecht zu werden, müßten Medien nur noch ausschließlich über Literatur berichten. Und die Literatur ist den österreichischen Medien im Grunde egal, sie grenzen nicht aus, sie sind schlicht und nicht interessiert. Es ist auch eine Frage des Marketings. Die Vermarktung scheint nicht gut zu sein, wenn das hohlbaumsche Wiederaufgelegte und das Gesamthohlbaumsche es nicht in die Medien schaffen, was aber, genauer besehen nicht stimmt, außer Zur Zeit versteht sich weder als österreichisches noch als Medium … Zusätzlich darf nicht vergessen werden, es sind erst einige Jahre vergangen, seit eine große österreichische Tageszeitung der gutter press durch Günther Nenning Dichter und Schriftstellerinnen vorstellen ließ, unter jenen werden wohl einige dabei gewesen sein, von denen Helge Morgengrauen nun meint, sie werden ausgegrenzt bzw totgeschwiegen, beispielsweise Franz Karl Ginzkey, auf den Helge Morgengrauen selbst verweist, oder Enrica Handel-Mazzetti, die Günther Nenning Millionen von Lesern und Leserinnen präsentierte …

Alles ist heute unausgregrenzt, nichts ist totgeschwiegen, irgendwo wird über alles geschrieben, gesprochen … Helge Morgengrauen wird das nicht verborgen sein können, soher nur wider besseres Wissens …

Für Robert Hohlbaum ist es aber eine Gnade, breit vergessen worden zu sein, denn so kann er durch Helge Morgengrauen nun eine Auferstehung feiern, die nicht sein literarischer Rang begründet, und er wird wieder seine Leser und Leserinnen finden, die gleich Helge Morgengrauen ein Schrifttum bevorzugen, das …

In Bekenntnis zu Josef Weinheber, 1950 im akademischen Gemeinschaftsverlag Salzburg erschienen, schreibt Robert Hohlbaum:

Was ihn aus der sehr gesiebten Schar der großen Lyriker auf einen unantastbaren Eigenplatz hebt, ist, daß sein „Ewiges“ […] immer „aus der Erde“ kam. Ein Gedicht, wie das wundervolle „Alt-Ottakring“ konnte nur schreiben, wer mit der „Maische Duft“ noch innig verbunden war und den Erdhauch noch nicht verloren hatte wie etwa Rilke, den Weinheber an Blutfülle weit übertrifft, aber auch an Spannweite im Stofflichen.

Nun, wer je Weinheber las, wer je Rilke las, wird verstehen, weshalb ihm oder ihr der Name Robert Hohlbaum bisher noch nicht untergekommen ist, außer, vielleicht auch beim Warten auf andere Zeitungen, beim Durchblättern von diesem Magazin … Als Literaturkritiker ist Robert Hohlbaum auf der Höhe eines H.M, über den in achtzig Jahren mit höchster Wahrscheinlichkeit niemand etwas schreiben wird, aber nicht um H. M. auszugrenzen bzw. totzuschweigen, sondern aus Freundlichkeit, aus Nachsichtigkeit, aus Höflichkeit, nichts Schlechtes …

An anderer Stelle wurde bereits über einen weiteren von diesem Magazin bevorzugten Schriftsteller gesprochen, von Erwin Guido Kolbenheyer. Wer diesen Beitrag liest, wird nicht überrascht sein, in welcher Gegenwart von Zur Zeit bevorzugt sich aufhält

10 Gedanken zu „„Zur Zeit“ – Ein lugdummes Wochenmagazin aus dem freiheitlichen Lager?

  1. Pingback: Prüfkriterien für Wähler und Wählerinnen – Zusammengefaßt vom Innenministerium « Prono Ever

  2. Pingback: Zur Zeit Wkr-Ball « Prono Ever

  3. Pingback: Im Teutschgärtlein von “Zur Zeit” « Prono Ever

  4. Pingback: Odin Freiheitlicher – Wenn das der Wähler wüßte « Prono Ever

  5. Pingback: Freiheitliche hätten mehr als nur zum Schnuppern | Prono Ever

  6. Pingback: Freiheitliche haben mehr als nur zum Schnuppern | Prono Ever

  7. Pingback: Österreichischer Auszählreim: AEIOU – Ka Nazi bist Du | Prono Ever

  8. Pingback: Mirko Jelusich oder die Treue der zurzeitigen Freiheitlichen zu nationalistischen Schriftstellern, auch des deutschen Reiches | Prono Ever

  9. Pingback: Heinz-Christian Strache schenkt Andreas Mölzer einen Odin Wiesinger | Prono Ever

  10. Pingback: Nazisein heißt für FPÖ unzensuriert: „Verwicklungen mit dem NS-Regime“ | Prono ever

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s