„Ich, Ibizakanzler“ – Erinnerungen

Der Mann, der für eine kurze, sehr kurze, äußerst kurze Zeit in Österreich Kanzler war, scheint eine gewisse Läuterung durchzumachen, jedenfalls, wenn an dem Faktum, das in Österreich, in der Definition von einem Ehemaligen, ein Gerücht ist, etwas Wahres ist, daß er an seinen Erinnerungen schreibt.

Er soll, heißt es, an seinen Erinnerungen schreiben, um ab September 19 von etwas leben zu können, etwas zum Leben zu haben. Da seine Ersparnisse, wie er in seiner offenherzigen Art, nur für drei Monate reichen würden. Memoiren sind eine einträgliche Einnahmequelle. Das wissen Ehemalige. Es gibt keine Ehemaligen ohne veröffentlichte Erinnerungen.

Seine Erinnerungen sollen, und das deutet bereits auf eine gewisse Läuterung hin, nicht „Ich war der Bundeskanzler“ heißen, sondern:

„Ich war der Ibizakanzler.“

Vielleicht auch anders. Noch eine gewisse Unentschiedenheit soll bei der Titelgebung herrschen. Das soll ja erst einmal ein Arbeitstitel sein. Möglicherweise erfährt der Titel eine Verknappung, auf einfach wie kurz: „Ich, Ibizakanzler“ …

Damit die Veröffentlichung der Erinnerungen „Ich, Ibizakanzler“ auch tatsächlich die Lebenshaltungskosten ab September 19 decken, wenn er alle Ersparnisse aufgebraucht haben wird, der von ihm erhoffte Arbeitsplatz anderwertig besetzt sein wird, ist es äußerst wichtig, dafür einen rechten Verlag zu finden, der das auch garantiert kann. Es soll dafür, heißt es, nur einen Verlag in Österreich geben, der das garantieren kann, und es erst mit den Erinnerungen eines Ehemaligen bewiesen hat, einen Verlag in Graz.

Dieser Verlag in Graz hat zudem den Vorteil, es müssen nicht erst mühselige Verbindungen zu diesem hergestellt werden. Es gibt zu diesem bereits recht ordentliche Kontakte, durch Einladungen gefestigte Verbindungen. In jüngster Zeit etwa von einem Mann, der einst als Ehemaliger vielleicht auch in diesem Verlag seine Erinnerungen veröffentlichen wird. Ein naheliegender Titel für seine Memoiren wäre, durchaus: „Ich war der Bote von Ich, Ibizakanzler“

Es soll ihm, so das Faktum in der Definition des Ehemaligen, geraten worden sein, da er mehr ein Mann der einfachen Rede als der Schreibe ist, für seine Erinnerungen „Ich, Ibizakanzler“ einen ghostwriter zu engagieren, also einen in der wörtlichen Übersetzung: „Geisterschreiber“.

Auch solch ein Mann muß in Österreich nicht lange gesucht werden. Solch ein Mann läßt sich recht rasch finden. Er ist bereits gefunden. Er hat sich finden lassen. Eben erst hat er eine Probeseite abgeliefert, wie er die Erinnerungen „Ich, Ibizakanzler“ …

„Die Selbstverständlichkeit, mit der die von dubiosen Hintermännern gestellte Videofalle zu einem legitimen Akt zivilgesellschaftlichen Engagements hochstilisiert wird, verwundert dann doch etwas. Dass der Zweck nicht die Mittel heiligen dürfe, war ja das erklärte Credo all jener Kritiker der Macht, die diese nicht einem rein machiavellistischen Kalkül unterwerfen wollten. Von diesem Glaubensbekenntnis ist nicht mehr viel geblieben.“

Das ist große Philosophie – keine andere Person würdiger als diese, die Erinnerungen „Ich, Ibizakanzler“ …

Wie unphilosophisch es doch wäre, zu meinen, wenn weder Zweck noch Mittel heilig sind, um es konkreter zu sagen, wenn weder Zweck noch Mittel einer inzwischen ehemaligen Ibizaregierung heilig sind, erzwingt eine solche Regierung geradezu das Anwenden von ihr angemessenen und ihr entsprechenden Mitteln.

Kein Kapitel soll der Erinnerung in „Ich, Ibizakanzler“ der Regierung Eurofighter hypogut eingeräumt werden. Von dieser Zeit … einem damals Vierzehnjährigen werden andere Plagen im Mittelpunkt seines Lebens dringlich gestanden haben, als … Freilich, sein potentieller ghostwriter könnte doch einiges über diese damalige Zeit erzählen, als ein anderer recht großer Philosoph des Landes die Rolle prominent eroberte, die er nun selbst für sich …

Aber ein ghostwriter kann nicht seine Erinnerungen im Buch von einem, der damals vierzehn war, unterbringen. Ach, wie viele Erinnerungen noch zu schreiben wären. Was wäre das doch für ein spannendes Erinnerungsbuch, das die zwei großen Philosophen des Landes gemeinsam schreiben könnten: „Österreich, im parteipolitischen Lichte der Philosophie – Von Rudolf zu Paul“ …

ÖVP mit Sebastian Kurz wirbt für Veränderung II

Es konnte, wirbt die ÖVP, schon viel an dem Hause Österreich verbaut werden. Der Regierung Kurz I oder – wie sie es recht gern nennt – der Veränderung I ist es bereits gelungen, recht viel zu verbauen. Die Zeit aber war zu kurz, um mit dem Verbauen ganz fertig zu werden. Das ist, so die ÖVP, aber nicht ihr anzulasten. Einzig nur der Zeit.

Es fehlt aber nicht mehr viel, um den Verbau zu vollenden. Wie auf dem Foto gesehen werden kann. Das ihr Plan für Österreich ist. Für diesen Zukunftsplan wirbt die ÖVP. Für eine Regierung Kurz II oder, wie sie es recht lieber nennt – Veränderung II.

Sie, die ÖVP, kann garantieren, Österreich wird nach einer Regierung Veränderung II genauso aussehen, wie auf der Symbolzeichnung, die die ÖVP für Österreich erstellt.

Bei dieser Gelegenheit möchte sich die ÖVP bei ihrem talentierten Zeichner recht bedanken, der für sie diesen Plan zeichnet. Und noch eines kann die ÖVP garantieren, welche Koalition es geben wird, die die Regierung Veränderung II bilden wird. Ihr, der ÖVP, talentierter Zeichner wird als Bundeskanzler mit ihr eine Koalition eingehen.

Sie, die ÖVP, mit ihrem talentierten Zeichner versprechen heute schon, nach der Regierung Veränderung II wird Österreich vollständig verbaut sein, und eine Regierung Veränderung III wird es dann nicht mehr brauchen, wird Österreich dann doch so verbaut sein wie auf dem Symbolfoto, daß nichts mehr …