Norbert Hofer spricht mit Martin Thür über Wehrmacht, Deserteure und Franz Jägerstätter, dem Gott half, mit Nein zu stimmen

Dieses Gespräch aus diesem Jahr wurde in einem Kapitel bereits angesprochen und erzählt davon, wie der Gerichtswahlglücksritter sich dafür ausspricht, wenn es um Deserteure geht, die Welt nicht schwarz und weiß zu sehen, nicht zu pauschalieren.

Erzählt wurde allerdings noch nicht, daß in diesem Gespräch Franz Jägerstätter von Martin Thür als Beispiel für einen Deserteur genannt wurde. Norbert Hofer fiel es dabei auch nicht ein, dem zu widersprechen. Franz Jägerstätter war kein Deserteur, sondern ein Wehrdienstverweigerer, ein Wehrmachtsverweigerer, ein Kriegsdienstverweigerer.

Norbert Hofer ist ausreichend gebildet, darf angenommen werden, den Unterschied zwischen Deserteur und Wehrdienstverweigerer zu kennen. Oder er sollte es doch sein, wenn er schon das Amt des Bundespräsidenten für sich erstrebt und damit auch das Militäroberbefehlskommando. Für seine Argumente gegen Deserteure war es für Hofer gesinnungsgemäß hilfreich, Franz Jägerstätter als Deserteur zu belassen. Bei einem Wehrdienstverweigerer hätte er schwerlich vorbringen können, Deserteure hätten andere zu Tode gebracht, weil sie ihre Gruppe verlassen, sie also im Stich gelassen hätten.

Das könnte neuerlich Anlaß sein, auch über Bildung nachzudenken. Über das Versagen der Bildung. Genauer. Über das Versagen der Menschen vor dem überreichen Bildungsangebot. Gerade, was Franz Jägerstätter betrifft, gibt es ein derart überreiches Informationsangebot, wurde derart viel gebildet, daß eine Verwechslung von Deserteur und Wehrdienstverweigerer nicht passieren dürfte – dem Journalisten … der Gerichtswahlglücksritter wird es wohl aus Gesinnungsgründen recht zupaß gekommen sein, sich als ungebildet …

Wenn Martin Thür über Desertion sprechen wollte, und das wollte er augenscheinlich, denn er zeigte das Deserteursdenkmal am Heldenplatz dabei her, und wenn er schon dafür einen Berühmten nennen wollte, dann hätte er beispielsweise Oskar Werner nennen können. Oder auch H. C. Artmann. Oskar Werner war ein Deserteur. H. C. Artmann war ein Deserteur. Franz Jägerstätter war ein Wehrdienstverweigerer, mehr noch, ein Kriegsdienstverweigerer. Er desertierte also nicht heimlich, sondern er stimmte offen mit Nein zum Kriegsdienst in der auf H… vereidigten Wehrmacht zum Zwecke eines Angriffskrieges, der invasorischen Unterwerfung und Vernichtung von Menschen europaweit.

Franz Jägerstätter soll (gesichert belegt ist dies nicht) auch davor schon mit Nein gestimmt haben, als einziger in seinem Ort, in der Volksabstimmung zum Anschluß an H…

Franz Jägerstätter hat mit einem weiteren Nein gestimmt, zusätzlich zu seinem Nein zum Kriegsdienst: in dieser Totaldiktatur den Bürgermeister zu machen.

martin-thur-und-norbert-hofer-und-die-verwechslung-von-deserteuren-und-kriegsdienstverweigerernFranz Jägerstätter war ein sehr gläubiger Mensch. Er hoffte wohl, Gott werde ihm helfen, bei seinem Nein zum Kriegsdienst. Aber Gott, also der Bischof, half ihm nicht. Gott aber half, nach dem Untergang, nicht den Deserteuren und nicht den Kriegsdienstverweigerern, sondern …

„1946 hatte der Linzer Bischof Joseph Fließer die Veröffentlichung eines Artikels über
Franz Jägerstätter in der Linzer Kirchenzeitung mit der Begründung verboten, dass durch eine Würdigung   des   Kriegsdienstverweigerers   den   hunderttausenden   Kriegsheimkehrern   der damaligen  Zeit  eine  unnötige  Gewissenslast  aufgebürdet  würde,  wenn  man  ihnen  indirekt mitteile,  dass  das,  was  sie  getan  hätten,  das  Falsche  gewesen  sei.  Die  Kirchenleitung  hatte während  des  ganzen  zweiten  Weltkriegs  die  ”Pflichterfüllung”  im  Wehrdienst  mit  dem Hinweis gerechtfertigt, dass der Christ der staatlichen Obrigkeit Gehorsam schulde.“

Franz Jägerstätter blieb also nur, einen Gott zu imaginieren, der ihm half, offen mit Nein zum Kriegsdienst zu stimmen, bei seinem Nein offen zu bleiben.

Wie es einem Menschen wohl heute erginge, der zu Gott geht, also zu einem Bischof, um mit ihm zu besprechen, wie soll er sich beispielsweise in einer Volksabstimmung verhalten? Heute ist Gott nicht mehr so diplomatisch wie der jägerstätterische Gott. Heute hilft Gott, wie auf den Plakaten des Gerichtswahlglücksritters gelesen werden kann. Wahrlich, Gott hilft nicht nur, er stellt sich auch brav mit Vornamen und Familienamen vor …

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