Kathrin Zechner, Schutzheilige der Wachen

Terror - ihr Urteil - orf.jpg

Es muß eingestanden werden, das Theaterstück „Terror“ von Ferdinand Schirach wurde in einer Buchhandlung im Stehen gelesen wie eine Fernsehvorabendsendung gesehen wird.

Es ladet nicht zum Kaufen ein.

Es langweilt.

Der Terrorist muß in dem Stück ein Alkaidaselbstmordattentäter sein. Es darf bei dieser Thematik auch nicht das bereits vor einer Ewigkeit in einem klugen Buch gelesene und also uralte Beispiel von der Brücke fehlen, um die Frage zu behandeln, dürfen einige geopfert werden, um viele zu retten.

Und dann. Das Eigentliche. Was für eine Problematik. Täglich stürmt ein Terrorist ein Flugzeug. Täglich ist irgendwo ein Stadion ausverkauft. Täglich muß ein Militärpilot entscheiden, tötet er 164 Menschen, um 70.000 Menschen zu retten. Und vor allem täglich entscheidet ein Militärpilot, verweigert er Befehle oder nicht.

Was für eine genaue Abbildung der Wirklichkeit, in Deutschland, in Europa.

Und weil die Wirklichkeit und die Problematik und die Gründe des Terrors derart wirklich abgebildet sind, konnte in diesem Theaterstück der österreichische Rundfunk nichts anderes erkennen, als auch die österreichische Wirklichkeit, die in Österreich noch viel schlimmer ist. In Österreich, in diesem armen Land, stürmt seit Jahrzehnten stündlich ein Terrorist, in Österreich aber – wie es eine Tageszeitung, die den Standard für österreichische Qualitätstageszeitungen vorgibt, schreibt – ist es ein islamistischer Terrorist, der stündlich ein Flugzeug in seine Gewalt bringt, um damit 70.000 Menschen umbringen zu wollen. Die Menschen in Österreich sind stadionbegeistert. Zu jeder Stunde sitzen in Österreich in einem Stadion siebzigtausend Menschen. Kein Land auf dieser Welt hat mehr Stadions mit Sitzplätzen für 70.000 Menschen als Österreich. In keinem Land der Welt gibt es mehr Militärpiloten, die Befehle verweigern, als in Österreich.

Und darum kann dieses Land, dieses Österreich, mit Recht stolz sein, das Land des ORF zu sein, mit Recht stolz sein und dafür seinem Gott Kerzen auf allen seinen Ständern anzünden, daß er Kathrin Zechner zur Fernsehdirektorin … Denn noch nie ward je in einem Land zu je einer Zeit dieses Thema derart klug behandelt worden, all die Problematik und all die Gründe des Terrors, unter dem dieses arme Österreich seit Jahrzehnten zu leiden hat, unter diesem grauenvollen islamistischen Terror leiden muß, der Hunderte und Hunderte von Militärs in die Sünde treibt, ihre Pflicht, Befehlen zu gehorchen, zu verletzen, derart umfassend und letztgültig beleuchtet worden, wie es am 17. Oktober 2016 in Österreich geschehen wird, und sehet das Land wird hell erleuchtet sein und strömen werden die Menschen zu Tausenden und Tausenden, um vor der Strahlenden ihr Urteil …

Der 17. Oktober 2016 wird wieder einmal ein Tag des Beweises sein, wie groß Österreich ist, wie groß der ORF ist, wie groß …

Wahrlich, es kann Kathrin Zechner nur zugestimmt werden, wenn sie sagt:

„Für unser TV-Publikum ist Kluges zumutbar!“

So eine Ansage kann nur mit einem Rufezeichen würdig geschlossen werden. Und wer das zechnerische Kluge nicht versteht, das kann nur ein dummer Mensch sein, und das kann nur ein noch dümmerer Mensch sein, der vielleicht auch noch meinen will, eine solche Thematik müßte und muß anders verhandelt werden.

Wenn es um die Frage geht, ob es gerechtfertigt sei, einige wenige Menschen zu töten, um viele zu retten, kommen ganz dumme Menschen auf die Idee, es beispielsweise mit Donald Trump durchspielen zu wollen. Donald Trump, der in diesem Jahr, im Jahr 2016, ernsthaft fragte, weshalb werden nicht Atombomben eingesetzt. Ein Mann, der Präsident eines Staates mit einem reichhaltigen menschheitsauslöschenden Waffenarsenal werden könnte, noch in diesem Jahr, im Jahr 2016. Wäre ein Mensch, der deshalb Donald Trump töten würde, ehe dieser in die Macht zur Menscheitsauslöschung käme, zu verurteilen, als Mörder zu verurteilen? Es gibt viele, die für ein derartiges theoretisches Durchspielen eingesetzt werden könnten. Wäre ein Mensch als Mörder zu verurteilen, wenn er Theresa May töten würde, weil sie, wie auch in diesem Jahr, im Jahr 2016, für die atomare Aufrüstung Millionen um Millionen ausgeben will und einhunderttausend Tote durch eine Atombombe für sie ganz einfach in Kauf zu nehmen wären, das für sie eine so leichte Entscheidung wäre, wie einen Joystick zu kaufen? Oder, wie wäre es mit Barack Obama? Schlechtes Beispiel, zu spät. Es ist seine Präsidentschaft gut ausgegangen, wie eben amerikanische Präsidentschaften ausgehen; es waren ja nicht siebzigtausend Menschen, die aufgrund seiner Befehlsgewalt mittels Drohnen getötet wurden, es waren ja bloß ein paar tausend Menschen, durch deren Tod Siebzigtausend gerettet wurden – der Name des Stadions ist leider nicht bekannt. Sobald er in Erfahrung gebracht ist, wird der Name selbstverständlich nachgereicht werden. Wie wäre es mit Duterte? Wie wär es mit ….

Schirach hätte sich wohl sehr anstrengen müssen. Was für einen Beruf hätte er erfinden müssen für den Angeklagten, der wegen Tötung von Trump oder May oder Duterte oder … einen Militär hätte er kaum nehmen können, die sind nicht als die großen Befehlsverweigerer … mit einem Militär hätte also das Stück nicht funktioniert, aber es funktioniert im Grunde in der jetzigen Fassung auch nicht.

Es ist ein theoretisches Durchspielen einer ethisch-juridischen Frage, die Schirach mit seinem Stück … es soll so ein Stück nicht mit lebenden, nicht mit konkreten Menschen als Beispielgeber durchgespielt werden, wie auch immer sie heißen mögen, ob Trump oder Putin oder … Aber auch nicht mit einem lebenden Unbekannten als Vertreter der Menschen, die etwa in Österreich von vielen, viel zu vielen zu erklärten und also zu bekämpfenden Feinden …

Schirach hätte sein theoretisches Stück auch geschichtlich anlegen können. Die Problematik, das Thema hätte sich dadurch in keiner Weise verändert. Er hätte beispielsweise seinen Großvater, Baldur Schirach, töten lassen können, aber durch wen? Durch einen deutschen Militär zur jener Zeit … Es hätte sich wohl auch die zeitliche Verortung des Stücks als eine schwierige … Es spielen lassen, als Baldur Schirach begann die Jugend zu verderben, oder, erst als seine Beteiligung begann an der Deportation von …? Ferdinand Schirach ist ein kluger Mann. Er weiß, geschichtlich hätte sein theoretisches Spiel noch weniger funktioniert, gar nicht funktioniert, und als kluger Mann hätte er befürchten müssen, daß gesagt wird, das sei an den Haaren herbeigezogen …

Abschließend darf nicht verschwiegen werden, daß es noch einen Mann zu feiern gibt, der Österreich groß macht. Es ist der zurzeitige Justizminister. Ein Mann der Gesetze und ein Mann der Geschichte:

 „Dieser Film macht wesentliche Entscheidungen und eine wesentliche Problematik öffentlich, die in unserer Geschichte häufig vorgekommen sind. Ich gratuliere zu dieser gelungenen Produktion, die an Schulen und Universitäten gezeigt werden sollte. Es ist wichtig, juristische Grundlagen zu verbreiten.“

Und so ein großer Mann, der gemeinsam mit Kathrin Zechner Österreich noch ein wenig größer macht, wird selbstverständlich am 17. Oktober 2016 mit dabei sein. Ein Mann der Pflicht, der weiß, was zu tun ist. Und trotz seiner vielen Arbeit, zu der auch sein unerbittlicher Kampf gegen die Verbreitung von Haß auf einer ausländischen Plattform zu zählen ist, läßt er es sich nicht nehmen, am kommenden Montag dabei zu sein, wenn es gilt, über das zu sprechen, was in Österreich erstes und wichtigstes Thema ist. Er möge das ungeschickte Lob verzeihen, gewisse inländische Plattformen werden es recht besser verstehen, ihn zu würdigen als …

Das Lob für Kathrin Zechner wird vielleicht auch von recht besondere Seite besser und geschickter ausfallen, vor allem für ihren Appell:

„Das Spannende an diesem Projekt ist für mich, dass wir versuchen, mit diesem Film an die Wachheit des Publikums zu appellieren – bewusst zu machen, wer in welcher Verantwortung steht und auch, was Verantwortung heißt.“

Wie recht gut werden sich alle jene von ihr verstanden wissen, die schon so lange nahc der Wachheit rufen … ein

Echo aus trenkerischen Zeiten: Erwachet!

Wacht auf. 

Aufwacht. 

Es ist nicht übertrieben und nicht geschmeichelt, zu sagen, Kathrin Zechner hat die Kompetenz, Schutzheilige der Wachen zu werden.

PS Es müßte, weil oben auch von der atomaren Bedrohung geschrieben wurde, wieder einmal zur Hand genommen werden, was etwa Günther Anders vor über dreißig Jahren über den „Tyrannenmord“ geschrieben hat, freilich nicht in einer Buchhandlung und schon gar nicht im Stehen zu lesen wie eine … Ob er heute noch das Wort „Tyrann“ verwenden würde? Bei diesen Figuren? Käme der Streitbare heute auf ein anderes Wort? Wählerschaftsmord? Die Wählerschaft von solchen ihren Puppen als die eigentliche und gefährliche Tyrannin? Was hieße das für sein Denken nach Auschwitz und Hiroshima, das wohl Grundlage war für sein Nachdenken über „Tyrannenmord“ und „militanten Widerstand“. Was wäre das für eine Theaterverhandlung: Anklage wegen Tötung von Tausenden und Tausenden, um alle vor der atomaren Vernichtung zu retten? Wer schriebe so ein Stück? Schirach? Wer produzierte so einen Film nach so einem Stück? Der ORF? Wer appellierte an die Wachheit in der Ankündigung zu einem Themenabend zu so einem Film nach so einem Stück? Zechner?

4 Gedanken zu „Kathrin Zechner, Schutzheilige der Wachen

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