Novecento

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Vieles, das in Österreich seit 1945 passierte, wurde rasch zurückgeführt auf die madigen zwölf Jahre des deutschen reiches, und vieles, das im zurzeitigen Österreich passiert, wird weiter rasch verglichen mit den madigen zwölf Jahren des deutschen reiches. Von allen Seiten wird, aus unterschiedlichen Motiven und von unterschiedlichen Weltanschauungen heraus, Empörung zelebriert.

Widerwärtig ist es. Skandalös ist es. Ein Machtwort ist zu sprechen.

Ein Machtwort ist zu sprechen. Österreich, ein wahrlich christliches Land, nach wie vor. Herr, sprich nur ein WortFührer, sprich nur ein Wort, es ist ein wahrlich modernes christliches Land, in dem ab und an auch schon ein Führerin, sprich nur ein Wort

Es ist ein wahrlich modernes christliches Land und ein Land des Abendlandes, dessen Kollektiverinnerung weit, gar weit nicht zurückreicht, gerade einmal bis etwa, kurz gesagt, zur zwölfjährigen Katastrophe des deutschen reiches … Zwölf, eine biblische Zahl. Ein Heiland und seine zwölf Jahre, ein Führer und seine zwölf Jünger … Modernisiert dabei die biblischen Landplagen, also ökonomisch von zehn auf eine Landplage reduziert, bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz, mit einer, einer einzigen Plage noch eine viel höhere Katastrophenernte als mit zehn Plagen heimgefahren. 

Und ein Beispiel, wie wenig das mit den madigen zwölf Jahren des deutschen reiches zu tun hat, mit den noch madigeren sieben Jahren – noch so eine unglückselige biblische Zahl – des deutschen reiches auf dem Gebiet des Österreichs, ist das, was diese christfeudalidentitäre Regierung zur Zeit in Österreich will, also die Ausgangsperre ist gleich die Anwesenheitspflicht ist gleich die Einsperrung.

Alles gab es schon, wie ein weiteres Mal diesmal mit dem Begriff Sonderbehandlung exemplarisch ausgeführt, bereits vor den madigen zwölf oder noch madigeren sieben Jahren des deutsches reiches. Es müssen also nicht immer die Zwölfmadigen oder stets die Siebenmadigen bemüht werden, um aufzuzeigen, aus welch einer schrecklichen Geisteshaltung heraus, die Zurzeitigen auf derartige Ungeheuerlichkeiten verfallen.

Die Zurzeitigen wollen also gegen Menschen eine Ausgangssperre verhängen. Verharmlosend soll es nun Anwesenheitspflicht genannt werden. Die Verharmlosung setzt aber schon früher ein, mit dem Auftauchen der Eingangssperre. Viele Medien schrieben sofort von einem „Ausgehverbot“. Ausgehverbot. Wer erinnert sich nicht an seine Eltern, als Sie ein Kind, ein Teenager, eine Jugendliche waren, wer erinnert sich nicht an ihre Eltern, die Ausgehverbote erteilten, es nicht erlaubt wurde, auf eine Party zu gehen. Als wären die Menschen, gegen die nun eine Ausgangssperre verhängt werden soll, alles Kinder, Teenager, Jugendliche, Minderjährige, und die Regierung Vater und Mutter, die nur das … Ausgehverbote, die gehören doch einfach dazu, zum Erwachsenwerden, es bleiben doch nur schöne Erinnerungen daran zurück, wie es doch gelang, aus dem Haus zu schleichen, der Groll gegen die Eltern ob ihrer Ausgehverbote mit der Zeit gänzlich weicht, und nur Liebe gegen Vati und Mutti, auch ob ihrer Ausgehverbote, bleiben.

Dieses Einsperren von Menschen läßt nicht an die Zwölfmadigen oder Siebenmadigen denken, aber an die Gutshofbesitzer, an die Großgrundbesitzer. Es werden damals, um 1900, so wenige Frauen Gutshofbesitzerinnen, Großgrundbesitzerinnen gewesen sein, daß, um der historischen Wirklichkeit zu entsprechen, auf das Gendern von Gutshofbesitzer, Großgrundbesitzer zur Vermeidung der geschichtlichen Verfälschung verzichtet werden und gesagt werden muß, die wenigen Frauen als Gutshofbesitzerinnen, die wenigen Frauen als Großgrundbesitzerinnen sind mit gemeint, wenn von Gutshofbesitzern, von Großgrundbesitzern gesprochen wird.

In keinem Film kommt diese Gutshofmentalität, diese Großgrundbesitzermentalität besser zum Ausdruck, wird diese Gutshofgesinnung, dieses Großgrundbesitzergehabe deutlicher, als in dem Film „1900“. In diese Zeit will die zurzeitige christfeudalidentitäre Regierung Österreich zurückbringen, aus dieser Zeit mit ihrer Gutsherrenart heraus agiert diese, kurz gesagt, feudale Regierung, in dieser Zeit der Gutsherrenart lebt diese Regierung.

Wenn die Nacht hereinbricht, in 1900, macht der Gutsherr seine Runde, seine Arbeiterinnen und seine Arbeiter haben sich schon in ihren Unterkünften eingefunden, macht der Gutsherr seine Runde, kontrolliert, ob alle in ihren Unterkünften sind, und dann schließt er ab, schließt seine Arbeiter und seiner Arbeiterinnen ein – Ausgangssperre, Anwesenheitspflicht, Ausgehverbot. Schließt der Gutsherr seine Arbeiterinnen und seine Arbeiter ein, bis in die frühen Morgenstunden sind sie eingesperrt, in den frühen Morgenstunden öffnet ihnen der Gutsherr wieder das Tor, aus dem sie dann wieder hinausströmen dürfen, zur Arbeit, zur Arbeit in den Ställen, zur Arbeit auf den Feldern.

Wenn die Nacht hereinbricht, in Österreich in 1900 der zurzeitigen Regierung, so möchte sie als Gutsherr seine Runde machen, kontrollieren, ob alle Menschen in ihren Unterkünften, und dann das Tor schließen.

Lustig daran ist nur eines, wenn eine Regierung in einem Land sich als Gutsherr, als Großgrundbesitzer fühlt, Großgrundbesitzer spielt in einem Land, das insgesamt nicht größer ist als der Besitz eines einzigen Gutsherrn, und dabei wird gar nicht von den größten Großgrundbesitzungen noch gesprochen, so groß wie der Besitz eines mittleren Großgrundbesitzers das Land insgesamt, Österreich.

Das ist das einzige Lustige.

Lustig ist es in 1900 nicht einmal. Es sind harte, bittere Jahre, Jahre des Elends, für die Arbeiterinnen und Arbeiter, und noch schrecklichere für die Tagelöhner und Tagelöhnerinnen (deren damals mündliche Arbeitsverträge gar modern wohl schriftliche Prekariatsverträge …) und dann kommt, nein, nicht das Paradies für die Arbeiter und Arbeiterinnen und schon gar nicht für die mit Prekariatsverträgen — dann kommt die eine, eine einzige Landplage mit den Führern (und unmodern ohne Führerinnen an der Spitze der staatshierarchischen Pyramide ) und ihren madigen …

Den Zwölfmadigen und den Siebenmadigen zu entkommen, könnte gesagt werden, unmöglich. Aber nur, wenn stets nicht weiter zurückgegangen wird, als bis zu den Zwölfmadigen und Siebenmadigen, wenn darauf vergessen wird, wer zu den Zwölfmadigen und Siebenmadigen hinführte, welche Mentalität, welche Geisteshaltung direkt in die Katastrophe führte, die Landplage brachte …

Es ist diese Gutsherrenart von 1900. Auch wenn es im zurzeitigen Österreich von 1900 lustig erscheint, wenn Kleinhäuslbauerinnen sich das Gehabe von Gutsherren zulegen, noch dazu, in einem Land, das im Gesamten nicht größer ist als ein mittlerer Gutshof. Die Katastrophe aber ist der Kleinheit dennoch nicht angepaßt, die Plage ist für einen Acker, so klein dieser auch sein mag, stets eine große, eine gewaltige, eine alles zerstörende …

Österreich 1900 - Gutsherrenart

3 Gedanken zu „Novecento

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