Als Octave Mirbeau vor einem Schaufenster mit Smartphones steht …

sieht er keine Smartphones an, sondern red rubber, also roten Kautschuk. Und beim Ansehen der Kautschukmuster sieht er im Nu etwas anderes, das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen. Das ist lange her. Über einhundertzehn Jahre. Heutzutage sehen sich Millionen von Menschen im Internet Bilder und Videos vom Eigentlichen, vom Wesentlichen, vom Verbrechen an. Aber wenn die Millionen von Menschen vor den Auslagen stehen, sehen sie das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen nicht, sondern nur Smartphones, und dann stürmen sie sofort die Geschäfte, um den Geschäftskönigen Millionen, Milliarden …

Smartphones in Auslagen

Octave Mirbeau braucht keine Collage dazu, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen, wenn er in die Auslage mit den Kautschukmustern sieht.  Heutzutage muß eine Collage erstellt werden, um zu zeigen, was tatsächlich zu sehen ist, wenn in Auslagen Smartphones gesehen werden. So arm ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es ihm nicht mehr möglich ist, Bilder und Videos im Internet mit der in Auslagen ausgestellten Ware in Verbindung zu bringen. Heutzutage im Westen, in der ach so kreativen Zeit.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, und das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen sieht, gab es einen Menschen, der Geschäftskönig genannt wurde. Leopold von Belgien, verheiratet mit einer Habsburgerischen aus dem tirolerischen Österreich. So reich ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es viele Geschäftskönige gibt. Und es gibt wohl nicht wenige Geschäftskönige, die immer noch ganz begierig darauf sind, mit einer Frau aus der Familie Habsburg aus dem tirolerischen Österreich verheiratet zu werden. So nichts hat sich seither im Westen verändert. Aber das ist nicht das Schlimme, eine Frau aus der Operette … Das ist hier auch ganz nebensächlich.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, geht es um den Kongo. Und auch heute geht es um den Kongo, nicht nur um den Kongo, aber auch und weiter um den Kongo, wenn in den Auslagen das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen ist. So nichts hat sich seither verändert, daß es nicht notwendig ist, über seltene Erden, über Kobalt, über Smartphones zu schreiben, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen in die Auslage zu stellen. Nur weil es heutzutage andere Produkte sind, muß nicht so getan werden, als hätte es einen Fortschritt gegeben.

Heutzutage ist ebendas Smartphone der Hauptkautschuk.

Über das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen kann auch über einhundertzehn Jahre später geschrieben werden, indem einfach zitiert wird, was Octave Mirbeau schreibt, über den Kautschuk. Freilich muß die heutige Einfalt berücksichtig werden, und also stets, wenn Kautschuk genannt wird, Smartphone hinzugeschrieben werden. Korrekter wäre es, Kobalt, seltene Erden … aber die Einfalt, die Kombinationsmängel des westlich gebildeten Menschen … sonst aber, wie bitter für die heutige Zeit der ständigen Weiterbildung und Fortbildung, muß nichts geändert, nichts hinzugefügt werden.

„Der rote Kautschuk [Smartphone]

Dieses Schaufenster wirkt harmlos; der Laden macht einen friedlichen Eindruck. Und doch beginnen mich diese Muster allmählich zu faszinieren. Schließlich kann ich meine Augen nicht mehr von diesen Kautschukstücken [Smartphonestücken] lösen. Warum gibt es keine erläuternden Bilder, keine Photos in diesem Schaufenster? … Meine Phantasie ersetzt sie im Nu.

Ich denke an die Wälder, an die Seen, an das Märchenhafte dieses Paradieses voller Sonne und Blumen … Ich denke an die kindlichen Neger, an die bezaubernden Neger, die zu den gleichen Freundlichkeiten und den gleichen Roheiten wie die Kinder fähig sind. Ich erinnere mich an jenen Satz eines Forschungsreisenden: ‚Sie sind hübsch und sanftmütig wie jene Kaninchen, die man abends am Rande der Wälder sieht, wie sie sich putzen oder im duftenden Grase spielen.‘ Was ihn im übrigen nicht daran hinderte, sie zu töten … Ich sehe die vollendeten Bronzen der Frauenkörper und die Kleinen mit ihren geblähten Bäuchen umherrennen. Ich sehe große Teufel, so schön wie antike Statuen, über einen Lendenschurz, über Glasperlenschmuck ungeduldig mit den Füßen stampfend um Uhren, um Phonographen, um all den erbärmlichen Nippes drängen, den wir für sie herstellen; sich in die Brust werfen, hin- und herschwanken, als würden sie sich lustig machen, sich lustig machen über uns oder über sich selbst; den Kopf hin und her wiegen wie Kinder, die sich genieren. Ich sehe an ihren Frauen, die den Karessen der Weißen zugänglich sind, die linkische Gebärde einer Bäuerin, die ein Städter vor Freude zum Erregen bringt.

Und auf einmal sehe ich über ihnen – und sie bedrohend – die Peitsche des Händlers, des Kolonisten und des Beamten. Ich sehe nur noch solche, die mit dem Revolver in der Faust zur Arbeit geführt werden und so brutal wie die Soldaten in unseren afrikanischen Strafkolonien behandelt werden und die hundemüde, die Haut übersät mit Striemen, weniger zahlreich als sie aufgebrochen waren, von der Arbeit zurückkehren. Ich sehe Hinrichtungen, Massaker, Folter, unter denen, wahllos durcheinander, blutüberströmt, Athleten aufschreien, die gefesselt sind und gekreuzigt werden, Frauen, deren Martern ein abscheulich wollüstiges Schauspiel bieten, Kinder, die, die Hände schützend über ihren Kopf haltend, mit ihren kleinen krummen Beinen unter ihren hervortretenden Bäuchen die Flucht ergreifen. Ganz deutlich habe ich in einer grauen Scheibe, in einer schwarzen Kugel den zu hübschen Rumpf einer vergewaltigten und enthaupteten Negerin erkannt und habe darin auch verstümmelte Greise gesehen, die im Sterben liegen und deren ausgetrocknete Glieder knacken. Und ich muß die Augen schließen, um den Anblick all dieser Greuel zu entgehen, zu denen sich diese Kautschukmuster [Smartphonemuster], die dort so reglos, so neutral daliegen, urplötzlich belebt haben.

Dies sind die Bilder, die eigentlich fast jeder Pneu, der vorrüberrollt, und fast jedes in seinen isolierenden Mantel gehüllte Kabel erwecken müßte. Aber man weiß nicht immer, woher der Kautschuk [Smartphone] stammt. Hier weiß man es: Er stammt aus dem Congo. Er ist tatsächlich jener red rubber, der rote Kautschuk [Smartphone]. In Antwerpen landet davon nicht ein einziges Gramm an, das nicht in Blut getränkt ist.

Im tropischen Amerika, in Malaysia, in Indien ist die Ausbeutung der Kautschukpflanzen [Smartphoneerden] nur eine landwirtschaftliche Industrie. Im Congo ist sie dagegen die schlimmste Ausbeutung der Menschen. Zu Beginn hat man nur die Rinde der Bäume eingeritzt wie in Amerika und in Asien, doch dann hat man, als die Händler aus Europa und die Industrie ihren Bedarf immer mehr erhöhten und die Handelsgesellschaften, die den Reichtum des Königs Leopold ausmachen, immer höhere Einkünfte benötigen, schließlich die Bäume und die Lianen ganz ausgerissen. Nie liefern die Dörfer genug von diesem kostbaren Rohstoff. Man peitscht die Neger aus, da einen die Ungeduld packt, wenn man sie so gemählich arbeiten sieht. Die Rücken übersäen sie mit blutigen Tätowierungen. Entweder sind sie Faulpelze, oder aber sie verstecken ihre Schätze irgendwo. Expeditionen werden organisiert, die jeden Winkel durchsuchen, alles beschlagnahmen, ganze Stämme gefangennehmen. Man nimmt sich Geiseln, die jüngsten unter den Frauen, ja sogar Kinder, mit denen man sich ja wohl noch vergnügen darf, um sich ein wenig zu beschäftigen, oder Greise, an deren Schmerzensschreien man etwas zu lachen hat. Man wiegt den Kautschuk [Smartphone] vor den versammelten Negern ab. Ein Offizier schlägt in einer Notizkladde nach. Es genügt bereits eine Nichtübereinstimmung von zwei Ziffern, und schon fließt das Blut, und ein Dutzend Köpfe rollen zwischen den Hütten.

Und wir brauchen immer noch mehr Pneus, immer noch mehr Regenmantel, immer noch mehr Vernetzungen für unsere Telephone, immer noch mehr Isolationsmaterial für die Kabel der Maschinen. Also ritzt man genauso, wie man die Rinde der Pflanzen einritzt, die Haut der beklagenswerten Eingeborenenrassen ein, und mit der gleichen Roheit, mit der man die Lianen ausreißt, reißt man dem Land seine menschlichen Pflanzen aus.

Zum Teufel mit den Engländern, die eifersüchtige Kerle sind und es dem König Leopold nicht verzeihen, daß er sie an der Nase herumgeführt und bestohlen hat! Zum Teufel mit den Zeitungsschmierern und Radaumachern! Wenn an all unseren Pneus [Smartphone], an all unseren Kabeln Negeblut klebt, dann ist das doch ein gutes Geschäft! Können wir die niederen Rassen denn besser mit unserer Zivilisation verbünden, sie enger in die Bedürfnisse unseres Handels und unseres Lebens einbinden? … Außerdem sind Leopolds Paläste, seine Launen, seine Reisen, seine Sinnenfreuden kostspielig. Muß man nicht auch die Dividenden der Aktionäre erhöhen, die Zeitungen bezahlen, damit sie den Mund halten, das Interesse des belgischen Parlaments wachrütteln, damit e dafür stimmt, und das Interesse der anderen Regierungen einlullen, damit sie über diese Greuel die Augen verschließen?

Aber das ist egal. Wenn ich König Leopold noch einmal begegne, während er sich in Monte Carlo, in Trouville oder in der Rue de la Paix herumtreibt, wenn ich unterm Glase sein Auge strahlen sehe, während er die Schmuckschatullen eines Juweliers betrachtet, die Bluse oder die Lippen einer vorübergehenden Dame taxiert, wenn ich die zu reife Begleiterin einer sehr hübschen Demoiselle in einem Restaurant an den Champs-Élysées dem Souverän etwas ins Ohr tuscheln sehe, dann werde an dieses Schaufenster hier denken, und dann wird mit die Lust zu lachen vergehen …

‚Wir haben auch noch ganz wundervolles Elfenbein …‘, meinte der Mann im Gehrock zu mir, während er mich zurück bis zur Tür begleitete.“

Zum friedlichen Weihnachtsfeste in der FPÖ-ZZ ein recht christliches Gedenken an „Kongo-Müller“

„‚Man macht normalerweise keine Gefangenen. Und wenn es doch vorkommt, dann wird stückchenweise abgeschnitten. Zuerst das linke Bein, dann das rechte‘, sagt Siegfried Müller im Tarnanzug mit einem Lächeln im Gesicht (siehe Video im Kasten). Die Szene stammt aus einem DDR-Dokumentarfilm von 1966 mit dem Titel ‚Der lachende Mann – Bekenntnisse eines Mörders‘. Die beiden Propaganda-Filmemacher Walter Heynowski und Gerhard Scheuman interviewten im selben Jahr den Söldner mit dem kurzgeschorenen Haar. Unverdrossen erzählte er ihnen, was er mit kongolesischen Rebellen während des Bürgerkrieges machte – zum Beispiel mit ihren Köpfen: Er liess die Schädel blank putzen und verzierte mit den Totenköpfen seinen Jeep.“

FPÖ-ZZ 51-52 2014 - Kongo-Müller - EK LDas ist kein Zitat aus der Nummer 51-52 vom 19. Dezember 2014 bis 8. Jänner 2015 der „Zur Zeit“. E. K. L. fällt gesinnungsgemäß anderes zu Siegfried Müller ein: „Der Wehrmachtsrecke (EK I)“ und „Die Legende“. Und: „Kongo-Müller, dessen voller Name Siegfried Müller lautet, lehrt mit seinen weißen Söldnern den eingeborenen Aufständischen das Fürchten. Die Weißen sind ihnen haushoch überlegen, da sich die Kongolesen aus Angst vor bösen Geistern in der Nacht nicht kämpfen trauen. So schlagen die Söldner um Kongo-Müller im Schutz der Dunkelheit zu, richten ihre FN-Sturmgewehre auf einen Gegner, der wie gelähmt erscheint.“

Weiße Söldner schießen nicht, sie richten bloß ihre Sturmgewehre auf einen Gegner, und schon erscheint er wie gelähmt, und ist in Wirklichkeit tot, bloß durch das Richten ihrer Sturmgewehre …

Die Weihnachtszeit ist ja eine Zeit der fokussierten Legendenbildung, wird sich E. K. L. gar nicht dumm gedacht haben, weshalb also nicht wie ein Evangelist eine weitere Legende herbeischreiben? Und es ist auch die Zeit des fokussierten Friedens, wie stumpfdumm wäre es von einem EK L von das Fest der Liebe mit abgeschnittenen Beinen

Und weil es die friedlichste Zeit im Jahr, will hier EK L gar nicht unterstellt werden, er stelle sich dumm, also unwissend über Siegfried Müller. Dabei wäre es auch in diesem Fall leicht nachzuweisen, wie wissend EK L ist und für wie dumm er die Leser und Leserinnen der ZZ, also auch die vielen gewählten Mandatare der identitären Gemein-Schaft, die für dieses Magazin Beiträge gießen, und zugleich auch seiner Leser und Leserinnen sein werden. Menschgemäß sind auch diese gewählten Mandatarinnen nicht dumm, viel mehr benötigen sie gesinnungsgemäß die von EK L gelieferten Expertisen für ihr Herumsitzen in den Gremien auf allen politischen Ebenen in diesem Land. Und EK L liefert recht reichlich. Zu vielen Themen, auch in der Nummer 51-52 wieder, wie bereits ein weiteres Mal ausführlich dargelegt in: „So a Congo-Neger frißt s‘ z’samm“.

FPÖ-ZZ 51-52 2014 - Kongo-Müller zeichnet wahnsinnig gerne

„Kongo-Müller“ – Eine Mediengeschichte.

EK L wird sehr viel über Siegfried Müller wissen, auch den Dokumentarfilm „Der Lachende Mann – Bekenntnisse eines Mörders“ kennen, das darf allein schon daraus geschlossen werden, daß er sein Gedenken mit einem Bild illustriert, das aus diesem Film ist, und als Fotoquelle wird angegeben: „hfhr.org.pl“. Und auf dieser Website wird genau mit diesem Foto über den Dokumentarfilm berichtet. Wie unchristlich wäre es also, EK L gerade zur friedlichsten Zeit im Jahr vorzuwerfen, er betreibe – im harmlosesten Fall – Desinformation … Sollte EK L nicht viel mehr dafür gelobt werden, wie recht schön er über „Kongo-Müller“ schreibt, wie großzügig er überhört, was „die Legende mit dem Eisernen Kreuz I“ spricht? Wie EK L nur das Gute hört, das Müller sagt? Das also, was Müller etwa über den Kampf in Afrika für Europa und dessen „freiheitliche“ und „christliche“ …

Aber, genug von EK L …

Aber auch genug von „Kongo-Müller“, der weithin bekannt und unbekannt ist als „Kongo-Otto“, aus einem Film von Didi Hallervorden: „Didi und die Rache der Enterbten“.

Interessant an der Geschichte von Siegfried Müller ist  – gerade vor dem aktuellen Hintergrund, daß wieder Söldner aus Europa – tatsächlich die Mediengeschichte, die auch aufzeigt, wie weiterhin mit großer Vorsicht und vor allem mit kritischer Analyse Medienberichte zu behandeln sind, und das bezieht sich in der Gegenwart nicht nur auf die Medienberichte über die jungen Menschen, die sich für die Wüstenmordgottbande anwerben lassen … Es lohnt durchaus, diese Mediengeschichte nachzulesen, auch sie erzählt einiges über das Funktionieren der Medien nicht nur in der Vergangenheit, sondern weiter unverdrossen in der Gegenwart.

PS Zu dem oben genannten Dokumentarfilm muß nichts Kritisches angemerkt werden, denn, wie in der Collage zu lesen, gibt es bereits genügend Kritisches über diesem Dokumentarfilm. Ein brutaler Söldner hat sich aus Geltungsdrang eingelassen mit Dokumentarfilmern aus einer brutalen Diktatur – Mitleid kann für ihn deshalb nicht aufgebracht werden, ebensowenig kann ein Lob für die Filmer ausgesprochen werden, die für eine kommunistische Diktatur ihre schmutzige Pflicht erfüllten. Aber „Bekenntnisse eines Mörders“ dennoch ist anzusehen, ist empfehlenswert, denn es gibt Aufschluß darüber, welche Art von Menschen für die ZZ der FPÖ „Recken“ und „Legenden“ sind – wohl wert also ihrer recht schön zu gedenken, als sie noch gewählt wurden und in Gremien herumsaßen …