Achttausendjähriges Österreich

Mit dem 1. Jänner 1975 ist der Paragraph 188 in Österreich in Kraft gesetzt worden, und er soll bis zum 31. Dezember 9999 in Kraft bleiben.

Bis zum 31. Dezember 9999.

In Kraft für 8024 Jahre.

Achttausendundvierundzwanzig Jahre. Das ist wahrlich ein Anspruch! Das ist wahrlich groß angemessen – Österreich, das achttausendjährige Reich.

Wie klein hingegen, zum Vergleich, der Anspruch des Mannes, der immer noch Österreichs Gegenwart – fragen Sie beispielsweise nur die Mölzers! – bestimmt, mit seinem tausendjährigen Reich, das schließlich bloß madige zwölf Jahre als deutsches reich

Wie klein hingegen, um einen weiteren Vergleich heranzuziehen, die biblische Erwartung von jenen, die mit ihrem Führer – noch einer, der Österreichs Gegenwart nach wie vor bestimmt – im Reiche bloß eintausend Jahre zu herrschen …

Wie madig, um noch einen Vergleich heranzuziehen, nehmen sich die rund 650 Jahre Reichsherrschung der Führerinnen von einer einzigen Familie hingegen aus …

Wie mickrig, um einen letzten Vergleich heranzuziehen, hingegen die vier Jahre der aus einer Partei herrschenden Führer in Österreich, die von einem tausendjährigen Reich nur mit der Hinwendung zur österreichischen Vergangenheit träumen konnten …

Das Gesetz also tatsächlich, von eines einzelnen Menschen Leben aus gesehen, für die Ewigkeit gemeißelt. Das Gesetz, Fundament für ein achttausendjähriges Österreich der Ewiggestrigkeit …

Und keine Hoffnung für Generationen über Generationen darauf, daß das Ewiggestrige an und in Österreich bald endet, beispielsweise schon in zwölf oder gar schon in vier Jahren …

Aber in 7980 Jahren werden Menschen in ein Österreich hineingeboren werden, werden in einem Österreich ohne Ewiggestrigkeit leben.

Kurz zusammengefaßt, um es mit einem etwas abgewandelten Satz des ehrwürdigen Herrn Präsidenten zu sagen:

Österreich wird nicht aussterben.

Er, der edelreiche Herr Präsident, sagt es freilich identitätsstiftender:

„Wir werden nicht aussterben!“

Die schönste Aktivität, die Menschen von Organisierten Glauben je setzen können

Es gehört, auch das, gehört zum
Ewiggestrigen an und in Österreich,
einen derartigen Paragraphen nach
wie vor in seinem Gesetz zu führen.

Es werden Richter und Staatsanwalt das sich nun wohl hoch anrechnen, den Mann nicht verurteilt zu haben. Sondern ihm lediglich das Erbringen gemeinnütziger Leistungen im Ausmaß von 120 Stunden auferlegt zu haben.

Dafür darf der Mann sich weiterhin als nicht vorbestraft empfinden.

An wen wird der Mann nun wohl seine Dankgebete richten? An Österreich den Allerbarmungswürdigen? In welche Richtung wird der Mann nun wohl seine Dankgebete sprechen, kniend auf der Scholle? Gen Wien – Mekka des Ewiggestrigen?

Was hat der Mann getan, das ihm nun die Allgüte österreichischer Rechtssprechung zuteil ward?

Er schlägt auf eine heilige Schrift ein. Das Zerreißen eines Exemplars des Koran läßt ihn die ganze Nachsicht Österreichs in seiner unendlichen Weisheit und in seiner Allwürdigkeit, solche Paragraphen gemeißelt zu haben, spüren.

Der Mann zerreißt also ein einziges Exemplar eines Buches, ein einziges Exemplar einer Massenware. Wie viele Millionen sind von diesem Buch der Dutzendware seit seiner Abfassung gedruckt worden? Wie viele Millionen von diesem Buch, das nach einem dieser Sekte grundgelegten Mythos einem des Schreibens Unmächtigen diktiert wurde, dem zur Verbreitung seines Glaubens die Ehefrau tatkräftig zur Seite stand, sind in dieser Sekunde auf der Welt im Umlauf, wie viele Millionen dieser Meterware liegen in dieser Sekunde in Wohnungen, in Kellern, auf Dachböden, in Scheunen, in Verliesen herum? Aber das Zerreißen eines einzigen Exemplars von diesen Millionen von Millionen Exemplaren genügt, daß Österreich der Allhartgerechte seinen Paragraphen gleich einem Blitz gegen Dich schickt. Jedoch mit einem „Ich bereue“, kaum daß Du es gesprochen hast, wird Dir Österreich der Allhartgerechte mit seiner ganzen Güte, zu der Österreich der Allerbarmungswürdigste fähig, entgegentreten.

In den Berichten im November ’19 über das Gütige Urteil des österreichischen Staates gegen den Mann wird dieser Mann „Muslimischer Aktivist“ genannt. Was für eine schöne Aktivität, wenn „muslimische Aktivität“ keine andere ist, als diese, das Zerreißen des eigenen Exemplars. Und im Lichte der Ökumene wird es zur schönsten Aktivität, die je gedacht werden kann, die der Mensch in dieser Welt je gesetzt, wenn Aktivistinnen jedweder Sekte diesem Manne gleich die eigenen Exemplare von allen ihren heiligen Schriften zerreißen.