Das Ewiggestrige an Österreich

Es sind stets erfrischend die Analysen von Peter Filzmaier im Fernsehen. Analysen, die humorig sind. Und vor allem seine Vortragskunst. Er verdiente sich längst eine eigene Hymne: Atemlos

Auch in der Tageszeitung „Kronen-Zeitung“ analysiert er, so auch am 1. November ’19. Freilich, seine Schlagzeile lautet nicht: Das Ewiggestrige an Österreich, sondern „Die Ewiggestrigen in der FPÖ“.

Anlaß seiner Analyse, das nächste Liederbuch, das nach beinahe eineinhalb Jahrzehnten hervorgezaubert aus dem Wahlkampfantifaschismussteirerhut, kurz gesagt, Anlaß seiner Analyse die Daueraffäre Österreich …

„Wie berichtet, liegt der ‚Krone‘ ein Exemplar des Liederbuches vor – und keines der insgesamt 114 Lieder ist als Parodie, Satire oder dergleichen gekennzeichnet.“

Das ist auf dritten Seite dieser Tageszeitung ebenfalls am 1. November ’19 zu lesen. Dem Niveau dieser Tagespostille und ihrer lesenden Gefolgschaft entsprechend, muß eine Parodie, muß eine Satire als Parodie, als Satire ausgewiesen sein, damit es eine Parodie, eine Satire ist. Und wer für dieses Produkt der gutter press schreibt, muß zwar ein Professor für Politikwissenschaft sein, aber kein Lyrikexperte. Das „Rattengedicht“, das Filzmaier als „rassistisches Rattengedicht“ bezeichnet, in der „Liste an rechten Ausrutschern der FPÖ“ führt, weil Christian Schilcher, die „Ratte“, wie er sich in diesem selbst und seine Familie bezeichnet, „verglich darin Menschen mit Ratten“ … Dieses Gedicht ist doch schon ein Fortschritt. Sind doch für Rassisten sonst „Ratten“ immer die anderen, nie aber fiele einer Rassistin ein, sich selbst als „Ratte“ zu bezeichnen. Und nun kommt Schilcher, erneuert den lyrischen Rassismus durch die Erkenntnis, selbst eine „Ratte“ inmitten seiner „Rattenfamilie“ aus einem „Rattenvolk“ zu sein, das freilich kein freundliches ist, auch wenn so manche aus diesem ein recht freundliches Gschau …

Oh, wie hart geht Filzmaier in dieser seiner Analyse vom 1. November ’19 vor, gegen die FPÖ, er führt sogar Anton Reinthaller an, „der in der Nazizeit Staatsseketär in Berlin und SS-Brigadegeneral war“ … Auch an Reinthaller ist das Ewiggestrige in Österreich abzulesen. Wer an Reinthaller, um nur bei diesem Beispielgeber zu bleiben, erinnert, sollte auch Raab, Figl erwähnen und die anderen Trios bis herauf in die Gegenwart …

Österreich: Wilhelm Brauneder, auch er, erinnert, wie das Land insgesamt eine Gegenwartskommission dringend benötigt

Oh, wie kritisch Filzmaier auf die „viel zu spät eingesetzte Historikerkommission“ der identitären Parlamentspartei eingeht. Seine Frage wird möglicherweise Wolfgang Sobotka oder Anneliese Kitzmüller oder Sobotka und Kitzmüller gemeinsam ihm beantworten können, der sich bei seiner Einladung von Lothar Höbelt in das Parlament möglicherweise auch darüber recht rege …

Und Filzmaier beendet seine Analyse mit:

„Apropos Demokratie: Auf Bundesebene hat sich die FPÖ in eine Warteschleife begeben und will in Wahrheit wieder regieren. Der in der letzten Koalition zu lange schweigende Sebastian Kurz dürfte allerdings wenig Lust haben, Woche für Woche ein antisemitisches Liederbuch, ein rassistisches Rattengedicht oder andere Unappetitlichkeiten kommentieren zu müssen. Dafür kann sich Norbert Hofer bei Herrn Zanger und Konsorten bedanken.“

Das Ewiggestrige, auch das das Ewiggestrige in Österreich.

Dem Kaiser bleibt halt nichts erspart.

Die Führer sind über jeden Verdacht erhaben, rein und sauber ist ihre Gesinnung, Gequälte nur ihrer Schaften, Ertragende und Leidende an dem gesinnungsgemäßen Niedrigen ihrer ihnen auf Treu‘ und Ehr‘ ergebenen Gefolgschaften …

Der Arme. Wie gut er doch ist, wie freundlich er doch ist, was für ein recht liebes Gschau er hat, und dann diese …

Ach, der Grundgütige aus dem Pinkafelde …

„Dafür kann sich Norbert Hofer bei […] bedanken.“ Er selbst ist doch eine „normale Partei“

Peter Filzmaier ist ein kluger Mann. Er weiß um die Last, die ein Führer von solchen „Konsorten“ zu tragen, kennt seine Sorgen, und so ist es verständlich, daß er, Filzmaier, ihm mit Anteilnahme begegnet, und nicht so ungehörig wie Pamela Rendi-Wanger von ihm fordert, er solle sein „Durchgriffsrecht nutzen“, ist er, Hofer, doch recht ganz gütiger Schutzherr seiner …

Aber eines Tages wird auch der Gütigste recht zornig, und dann wird er eine Rede halten, oh, und was für eine Rede das sein wird, eine Rede, die bereits seit den Iden des Mais fertig geschrieben ist, deren Wirkung er bereits hat testen lassen durch deren Vortrag eines ebenfalls recht feinen jungen Herrn, mit der er seiner Partei entgegenschleudern wird: „Genug ist genug!“