„Das Lachen des soldatischen Mannes“

Villach

Sie lachen, wenn sie töten. Es ist ein herrisches, zynisches Lachen. Als Anders Breivik, der selbst ernannte „Tempelritter“, am 22. Juli 2011 auf der norwegischen Insel Utøya innerhalb einer Stunde 69 Menschen – zumeist Jugendliche – erschoss, lachte er. „Ihr entkommt mir nicht!“, soll er gerufen haben, als sich ein Mädchen ins Wasser flüchtete. Ein Jahr später im Gerichtssaal lächelte er, immer wieder. Unerträglich für Opfer und Angehörige. Breivik ist nicht der einzige, der lacht, wenn er im Blutrausch mordet. Klaus Theweleit, einer der unangepasstesten Intellektuellen hierzulande, hat ein Psychogramm des „soldatischen Mannes“ entworfen, für den das Lachen nach dem Töten typisch sei. „Das Lachen der Täter: Breivik u.a.“ ist ein qualvolles, schmerzhaftes Buch, aber eben auch eines, das dem Leser zu erklären sucht, was häufig als „unerklärlich“ erachtet, als „abnormal“ abgetan wird oder wofür gern radikale Religionsauslegungen oder extreme Ideologien verantwortlich gemacht werden. Theweleits eigenwilliger Erklärungsversuch ist auch angesichts der Terrorakte von Paris ein Interpretationsangebot, das zur rechten Zeit kommt. Das Buch beginnt mit der berühmten Szene aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“, als der Killer, gespielt von Henry Fonda, gleich zu Anfang kaltblütig einen kleinen Jungen erschießt – und dabei lächelt. Es folgen Breivik, die Teile der indonesischen Armee, die in den Sechzigern in Indonesien Hunderttausende Menschen abschlachteten, die Mordmaschine der Nazis, die „Killing Fields“ des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha, der Völkermord in Ruanda 1994, die Massenmorde von Srebrenica 1995, Terrorakte in Pakistan, bei denen Taliban 2014 auch 130 Kinder ermordeten, und schließlich die jungen Mörder des sogenannten IS, die ihre Bluttaten werbewirksam über die sozialen Medien verbreiten und dabei lachend ihren Herrschaftsanspruch untermauern. Die Lektüre dieser Aneinanderreihung von Monstrositäten, nach Theweleit-Art collagiert aus Zeitungsartikeln, Interviews, Augenzeugenberichten, Zitaten oder Videobeschreibungen, ist knallharter Tobak.

Jede Mordlust ist sexuell konnotiert

Aber das Vor-Augen-Führen dieses Wahnsinns ist notwendig, um Theweleits Interpretation verstehen zu können. Und da geht es, wie immer bei Theweleit, hoch her. Filme, Songs, Literatur, Philosophie, Kunst oder Psychologie werden herangezogen, um der Lust, die vor allem Männer offensichtlich beim Morden empfinden können, auf die Schliche zu kommen. Theweleit bedient sich einer etwas esoterisch wirkenden Psychoanalyse, die in anderen Täteranalysen wie beispielsweise bei der von Harald Welzer („Täter: Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“) keine Beachtung findet. „Das Töten ist kein abstrakter Vorgang; das Erlernen des Tötens schon gar nicht“, heißt es in dem Buch. „Jedes Detail der Zerstörung ist körperlich.“ Theweleit nimmt bei den Tätern eine sexuell konnotierte Mordlust an, die von Körpern ausgehe, die aufgrund von negativen Erfahrungen, von „Beschädigungen, Rissen, Verletzungen, Wunden, Narben“ ihre Einheit verloren hätten. „Fragmentierte Körper“ nennt er deshalb die Täter, die er aber nicht als Opfer, Patienten, Irre oder als das Böse verstanden wissen will. „Und es geht um die Lust zu töten, nicht gezwungen, nicht befohlen, sondern weil man will.“ Das Töten sei eine „Begleiteruption zur eigenen Selbstgeburt“. Zum Täter könne deswegen eben jeder werden.

Lachen als Spannungsausgleich

Begleiterscheinungen seien: eine körperliche Verunsicherung, die soziale Vereinsamung und der Wille, sich einem „Ganzheits-Überkörper“ anzuschließen. Dieser kann der Dschihad sein, die SS-Ideologie, der Glaube an eine „höhere Rasse“ oder eine sonstige herrische Ideologie. Die Art der Ideologie sei dabei zweitrangig. Breivik, so schreibt Theweleit, sei ein „strukturell patriarchalischer Muslim wie auch norwegisch-christlicher Antisemit wie auch germanisch-sektiererischer SS-Mann“. Woher kommt aber das Lachen? Meistens, so Theweleit, werde das Töten bühnenartig inszeniert. Das Lachen verhelfe dem Täter dazu, einen „Spannungsausgleich“ zu seinem kaputten Körper herzustellen. Das Lachen ist dabei so etwas wie die orgiastische Feier dieses vollzogenen Aktes. Dieser Ansatz ist nicht ganz neu. Er geht auf Theweleit selbst zurück, der 1977 mit seinem Buch „Männerphantasien“ schlagartig berühmt wurde und damit vor allem im linken Milieu große Beachtung fand. In seiner Doktorarbeit untersuchte er die faschistischen Männlichkeits- und Gewaltfantasien von Freikorpssoldaten in den 1920er-Jahren. Das aktuelle Buch soll sicher auch diesen mittlerweile in der Wissenschaft vergessenen Ansatz wieder in Erinnerung rufen. Entsprechend schnoddrig und abschätzig geht Theweleit mit anderen Täterforschern um. Vor allem aber plädiert er dafür, die Morde nicht als Extremfälle zu betrachten, sondern als eine Normalität, die überall geboren werden kann. Das Mittel, das Theweleit vorschlägt, um diesen „fragmentierten Körpern“ entgegenzuwirken, erscheint da schon banal, erschreckend banal. Nur Beziehungen würden helfen, schreibt er, „Liebschaften, gute, tragfähige Gruppen oder Vereine und natürlich ein guter Arbeitsplatz“.

Klaus Theweleit: „Das Lachen der Täter: Breivik u.a. – Psychogramm der Tötungslust“. Residenz Verlag, Salzburg 2015, 248 Seiten, 22,90 Euro

Was für eine Überschwemmung wieder einmal mit Unverständnis, mit willkommener Unwissenheit, mit Erschütterung auch und vor allem mit Empörung darüber, daß ein Mann „lacht“, nachdem er gemordet hat, diesmal in Villach, geradeso, als ob es nicht gewußt wird, was es mit dem „Lachen“ nach dem Morden auf sich hat, dabei ist das Buch „Das Lachen der Täter“ sogar in Österreich verlegt und sogleich verlegt worden, von dem bereits vor neun Jahren Ingo Petz im „Fluter“ erzählte.

Der Mörder in Villach soll sich selbst als „Soldat des islamischen Staates“ bezeichnet haben, und auch gelacht haben, nach seinem Mord …

Es trifft also beides auf ihn zu, ein „soldatischer Mann“ zu sein, und einer der lacht, das Lachen, das zum verbrecherischen „soldatischen Mann“ gehört; soher gibt es kein Umhin, von dem Buch „Das Lachen der Täter“ zu erzählen …

Opernballaeskes Wien, Österreich

Es wird zweifellos der Höhepunkt des „Staatsopernballs“, der zur Identität des Landes Österreich gehört, sein, wenn ein mit dieser österreichischen Identität sich identifizierender oder, wie kurz so einfach auch gesagt werden kann, identitärer Mann aus der identitären Parlamentspartei, Mitgastgeber an der Seite seiner Namensgeberin sein wird, und für ihn selbst wird es ein persönlicher Höhepunkt sein, dessen bisherigen Höhepunkte auf verlassenen Straßen bei „Deutschkreutz-Kolbenhof“

So sehr identifizieren sich identitäre Männer mit der österreichischen Identität, zu der die Bälle wie nichts sonst gehören, daß sie keinen der Bälle hängen lassen, sie auf vielen tanzen und dabei nichts sehen, außer das, womit sie sich identifizieren, darin kommen sie ganz nach dem Papa seiner Namensgeberin, der ja auch auf vielen Bällen …

Ob der einen neuen Namen Erhaltene morgen, am 27. Februar 2025, wenn es „Alles Walzer“ heißen wird, nur für sich hörbar in der Loge ein „Alles Remigration“ anschließen wird, so wie erst vor kurzem ein ebenfalls mit dieser Identität infizierter Mann laut von einem Ball im Wiener Rathaus

Das ist die Identität dieses Landes, sie, die Infizierten, werden gern gesehen, gern hofiert, auf Bällen, ob als Gäste, ob als Mitlaufgastgeber, ach, so schön, wie sie anzusehen sind, im Wiener Rathaus, in der Hofburg, in der Staatsoper, gleich wo, wer will ihnen den Eintritt denn verwehren, gehören sie doch zur Identifikation des Landes wie sonst niemand, und sind es nicht sie, die erst einen jeden Ball zu einem leuchtenden machen, sie, die selbst heller strahlen als je Kronlüster in jedwedem Saal erstrahlen könnten, sie sind die Juwelen, die mit Stolz getragen werden, dem Lande zur Ehre gereicht …

Eingeladen von der Namensgeberin zu diesem Opernball am 27. Februar 2025 ist ein Künstler, dessen Namen von einem Spiel herrührt — „Monopoly“. Über dieses Spiel ist zu lesen, wofür einmal „Wikipedia“ herangezogen werden soll:

Monopoly (englisch für „Monopol“)[1] ist ein US-amerikanisches Brettspiel. Ziel des Spiels ist es, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Dazu erwirbt man möglichst viele Besitzrechte, um von den Mitspielern Mieten zu erhalten, wenn diese durch Würfeln auf gewissen Feldern landen.

Als Vorlage für das Spiel diente The Landlord’s Game, ein 1904 von Elizabeth Magie patentiertes Brettspiel, das die Gefahren des monopolistischen Landbesitzes aufzeigen sollte. Als Vorbild für das mit einem Zylinder ausgestattete Monopoly-Maskottchen diente der aus Mannheim stammende deutsch-amerikanische Bankier Otto Hermann Kahn.[2][3]

Sie [Elizabeth Magie Phillips] entwickelte das Spiel The Landlord’s Game, welches die Grundlage des heutigen Monopoly-Spiels ist,[1] um die Lehren des zu ihrer Zeit progressiven Ökonomen Henry George zu veranschaulichen.[2]

Der Georgismus wurde hauptsächlich durch Georges Buch Progress and Poverty aus dem Jahre 1879 bekannt[1], das zum Bestseller wurde und den Autor zu einem der bekanntesten Amerikaner seiner Zeit machte. Nach Henry George sei die Ursache aller sozialen Missstände und aller Wirtschaftskrisen die ungleiche Verteilung des Bodeneigentums. Die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital werden demnach vom Produktionsfaktor Boden ausgebeutet, da sie für die Produktion auf den Faktor Boden angewiesen seien und durch die Produktionssteigerung ein ständig steigender Betrag auf den Boden entfalle. Mit steigendem Landverbrauch in einer wachsenden Wirtschaft durch z. B. mehr Infrastruktureinrichtungen und technische Anlagen steige auch der Bodenpreis. Deshalb müsse immer mehr Pacht bzw. Miete an die Grundbesitzer bezahlt werden, was zu einer Umverteilung von Vermögen führe. Durch die steigenden Bodenpreise werde Land zu einem Spekulationsobjekt und auf Vorrat gekauft. Dadurch werde Land dem Produktionskreislauf entzogen, und es entstehen Spekulationsblasen, die irgendwann platzten und zur Wirtschaftskrise führten.

Wenn der in Deutschkreutz-Kolbenhof Herumstehendmarschierende den Namen Kahn hörte, wer ihm gesinnungsgemäß dazu wohl gleich einfiele? Vielleicht dieser. Oder auch dieser.

Woran beim „Ziel des Spiels“, ein „Grundstücksimperium aufzubauen“, sofort gedacht werden muß, ist ein Mann, mit dem sich über lange Zeit wohl viele in Österreich identifizierten, er es beinahe zur Identität des Landes dazugehörend schaffte —

Es gibt auch heute vor allem Männer, die heißen jedoch nicht Kahn, die ein Imperium aufbauen wollen, die die Anhangsschaft der „österreichischen Schule“ sind, sie werden je keine Vorbilder für neue Spiele werden, aber sie spielen „Monopolisten“, und dann gibt es welche, auch in Österreich, die sich mit ihnen identifizieren und meinen, sie spielen mit ihnen mit, dabei lassen die Monopolisten sie nicht einmal mitspielen, sie sind bloß deren Kiebitze, Spechtlerinnen und als solche nicht einmal im selben Saal with the monopolists

Und dann gibt es noch eine Geschichte, die zu erzählen nicht vergessen werden darf …

DKT – Das kaufmännische Talent ist ein Brettspiel mit einem ähnlichen Spielmechanismus wie Monopoly und basiert auf The Landlord’s Game. Es ist in Österreich eines der erfolgreichsten Brettspiele.[1] 1936 wurde das Spiel unter dem Titel Spekulation bei der 1857/1868 gegründeten Wiener Druckerei Stockinger und Morsack (Stomo Spiele) publiziert.[2] Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde es 1940/41 in DKT umbenannt, um einer Zensur zu entgehen, da Monopoly unter der nationalsozialistischen Herrschaft seit 1936 verboten war.[3]

Das „kaufmännische Talent“ werden der begattete Mitgastgeber und seine Partei bereits beim DKT-Spiel bis zur vollkommenen Beherrschung ausgeübt haben, und vielleicht nehmen sie zum Opernball des Staates in die Staatsoper sogar ein Brett mit; das könnte dann morgen der absolute Höhepunkt der Nacht werden, wenn sie vorzeigten, wie sie Wirtschaft spielen.

„Deutschland, Land der Dichter und Denker“, sucht Fachkräfte, und beschreitet dabei vergangene Kunstwege des Recruitings

Ja, Deutschland ist immer noch ein „Land der Dichter und Denker“, das zeigt sich auch darein, daß es nach wie vor sehr an Kunst interessiert ist, wie die Verbreitung eines Bildes von „Deutscher Schäferhund“ auf so wunderreiche Weise zeigt, und „Dichter und Denker“ wie „Deutscher Schäferhund“ wissen es nur recht genau, auch in der Kunst kann es nur ein Fortkommen durch Rückgriff auf vergangene Kunst geben, so ist es gesinnungsgemäß folgerichtig, Anleihen im Vergangenen der Kunst zu nehmen, um ein Portrait für das Heute zu … Das Portrait einer standard bearer, inspiriert von einem Portrait eines „standard bearer“

Es scheint in der Gastronomie — sonst würde „Deutscher Schäferhund“ wohl kaum dafür werben — nach wie vor einen Fachkräftemangel zu geben,

und hier zeigt sich die denkerische Kraft nicht nur von „Deutscher Schäferhund“ recht bestehend, es müssen auch im Recruiting von Fachkräften neue Wege beschritten werden,

die Gastronomie attraktiver darzustellen, ihren Standard, den sie einst gehabt haben soll, wieder herzustellen, auch mittels der Kunst zu werben, durch ein Bild, das auf einen Blick sagt, wie prachtvoll, wie angesehen doch für jeden Menschen gleich welchen Geschlechts es erstrebenswert sein muß der Beruf: Bearer

Löbau

Es ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel, die Frage, was bleibt von einem Menschen, wenn er —

Von G. G. könnte es seine herausgestreckte Zunge sein, wenn er einst — würde gewußt werden, wie alt er ist — in vier, in fünf, in sechs Jahrzehnten, aber in vier, in fünf, in sechs Jahrzehnten wird kein Mensch mehr erinnern, daß einer im Februar ’25 die Zunge rausstreckte, in Löbau, und G. G. selbst wird sich wohl auch nicht mehr erinnern können, auch wenn es in einer für ihn selbst tiefwichtig empfundenen Zeit geschah,

als er versuchte, seine kleine Zunge so recht rauszustrecken, in Löbau, in vier, fünf, sechs Jahrzehnten wird er sich, schon lange wieder zahnlos, erinnern, wie es eben im Greisenalter wird, was es war, an seine ersten Zähne, die er bekam, als diese ihn, besonders wenn er auf dem Topf saß und recht fest drückte, schmerzten, wenn er in vier, fünf, sechs Jahrzehnten wieder auf einer Leibschüssel liegen wird, Windeln tragen wird, vielleicht darüber verwundert sein wird, daß ihn beim recht festen Drücken, falls er es noch erinnert, recht fest drücken zu müssen, kein werdender Zahn schmerzt.

Villach, United Arab Emirates – „Never tell just one story, otherwise the canoe will capsize.“

Villach, Vereinigte Arabische Emirate

Sartre ist der einzige, der versucht, uns diesen Täter als modernen Bürger näherzubringen, als einen Menschen des 20. Jahrhunderts, der sich seiner Umgebung entfremdet fühlt, ein kleiner Angestellter, der uns sogleich an Kafkas Helden in der Parabel Vor dem Gesetz denken lässt. In Sartres Erzählung sagt Paul Hilbert von sich, er renne seit dreiundreißig Jahren gegen verschlossene Türen, über denen die Wort stehen „Eintritt nur für Menschenfreunde“. So habe er sich entscheiden müssen: Sein Versuch sei entweder widersinnig bzw. von vorneherein zum Scheitern verurteilt, oder er gereiche den Menschen zum Vorteil und sie würden davor irgendwann in Verehrung niederknien. Sartres Held ergibt sich in seine Resignation und flüchtet sich in das Morden, ganz im Gegensatz zu Kafkas Held, einem „Mann vom Land“, den der Türhüter vor dem „Gesetz“ nicht davon abbringt, seinen Versuch Tag um Tag und Jahr um Jahr, sein ganzes Leben lang zu wiederholen, als wäre er Sisyphos, der seinen Felsblock den Berg hinaufwälzt.

Und die Attentäter von Paris? Haben sie Sartres Helden gekannt, ja, haben sie überhaupt Sartre gelesen? Ich weiß es nicht, aber so, wie sie keine Kenntnisse vom Islam hatten, in dessen Namen sie ihr Blutbad verübten, dürften sie weder den griechisch-hellenistischen Herostratos noch dessen Pariser Wiedergänger, den Helden Sartres, gekannt haben. Denn dies haben die meisten von denen, die als „Dschihadisten“ bezeichnet werden, gemeinsam, nämlich dass ihnen alles fehlt, was irgendeine Beziehung zu islamischer Bildung hat, zu allen guten Formen der religiösen Unterweisung. Ja, im Gegenteil: Ihre eigenen Kommuniqués und alle Statistiken deuten darauf hin, dass Gläubigkeit und die Bereitschaft, Terrorakte zu begehen, sich eher ausschließen. Die meisten dieser neuen Terroristen haben nie Moscheen besucht, und wenn sie es doch getan haben, dann in einer späten und nur kurz währenden Phase ihres Lebens. Ihren Dschihad haben sie aus dem Internet oder aus dem Gefängnis, wo die meisten von ihnen wegen Vergehen eingesessen haben, die nichts mit Religion zu tun haben, wegen Diebstahl,Raub, Drogenhandel und Gewalttaten etwa. Diesselben Statistiken besagen, dass jeder vierte Franzose, den der IS rekrutiert, erst vor kurzem zum Islam konvertiert ist. Dies sind Kinder unserer Zeit, oder, im Fall von Paris, Kinder der Ghettos, die die französische Politik hervorgebracht hat, der Staatsapparat, ob unter einer Regierung der Rechten oder der Linken. Es sind Kinder unserer Zeit, die sich jahrelang mit der Suche nach einer Antwort auf Fragen ihrer eigenen Identität gequält haben, einer Antwort auf die Frage „Wer sind wir?“, jener Frage, die seit frühester Kindheit in ihren Köpfen herumspukte. So dass es nur eine Frage der Jahre ist, bis jeder von ihnen den Schritten Herostrats folgt, und jene vergiftete Saat aufgeht, die er uns hinterlassen hat und die bis heute unverändert auf der ganzen Welt ausgesät wird. Stolz, Intelligenz, Glamour, Glitzern, Aufmerksamkeit, alles, was mit den Blicken, die man auf sich ziehen möchte, in Verbindung steht — das ist es, was die jungen Leute suchen, unwichtig, welcher Ethnie sie angehören oder wo sie leben, welche Hautfarbe sie haben, welche Nationalität oder Religion.

Worauf es ankommt, ist, dass sie etwas finden, was die Blicke auf sie lenkt, was sie Stolz empfinden lässt, das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Jedes Zeitalter und jeder Ort hat diesbezüglich seine eigenen Antworten, ein stadtbekannter Steinewerfer, seinerzeit bekennender Radikaler, mag später zum weltweit geachteten Außenminister der „Großmacht“ Deutschland werden, ein anderer junger Mann mag nach Südamerika gehen, um mit Che Guevara in den Urwäldern Boliviens im Guerillakrieg zu kämpfen, der Franzose Régis Debray nämlich, der später zum Berater französischer Präsidenten im Elysée-Palast geworden ist, der aus dem Urwald und den Bergen, von den Gewehren und Schreien der Revolutionäre zum Schreibtischjob fand, zu einem der vielen Schräubchen im Apparat der Macht wurde, ein Sklave der Routine. Unwichtig, was dieser oder jener in seienr Jugend getan hat, es geht immer um die Suche nach eienr Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“

Im Falle der heutigen Dschihadisten, der Täter von Paris, die aus den Bidonvilles kommen, den französischen oder belgischen, ist die Frage noch gewichtiger. Dem Pass nach sind sie Franzosen oder Belgier — aber in Wirklichkeit? Sie zählen nicht, sind ein vernachlässigstes Ärgernis, sie sehen die politische Heuchelei, sie werden unter dem Vorwand zur Isolation verurteilt, dass sie sich niciht in die Gesellschaft integrieren, in der sie leben, und vor allem sehen sie, wie die Politik des Staates, der sie im Namen ihrer Religion ausgrenzt, Milliardengeschäfte abschließt und die Türen der Moscheen jenen Staaten öffnet, die den religiösen Extremismus zu Ihrer Ideologie erhoben haben, wie etwa die Golfstaaten.

Ihre eigenen Väter aber, die Muslime sind und für die ihre Religion immer eine Privatangelegenheit gewesen ist, sind in ihren Augen unterwürfige Feiglinge, die sich dem Staat ergeben haben, Duckmäuser. Diese Kinder scharen sich um ihre Väter, suchen vergeblich bei den eigenen Eltern nach Vorbildern für Stolz und Helligkeit, doch da ist nichts, gähnende Leere, Unterwürfigkeit und Arbeitslosigkeit, also bleibt nichts als der Wunsch nach einem Bruch und nach Ersatz. Auch was die Arbeit angeht, so sind sie es überdrüssig, getadelt und kritisiert zu werden. Nichts bringt Freude in ihr Leben, kein Licht erstrahlt vor ihnen am Horizont. Sie sind Kinder unserer Zeit, die, wenn sie an die Türen des „Gesetzes“ klopften, von dem Wächter des Gesetzes vielleicht am Zutritt gehindert würden, so wie Kafkas Held der Eingang verweigert wird. Oder sie rennen vergebens gegen die verschlossenen Türen, über den die Worte „Eintritt nur für Menschenfreunde“ stehen, weil die Wächter dieser Türen in ihnen Fremde sehen, die nichts mit der Menschheit verbindet. Oder sie verlieren ihren Job, werden entlassen, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen, wie ihre Väter sich in das ihre gefügt haben, oder nach einem Ersatz zu suchen, nach Trost, den sie sich selbst bescheren, der Emigration vielleicht, oder aber zu bleiben und es Herostrat nachzutun. Doch während Sartres Held einen Revolver mit sechs Kugeln bei sich trug, rüsten sie sich mit Maschinengewehren, mit Handgranaten und Sprengstoff. Denn immerhin sind sie Söhne unserer Zeit, und die Gegenwart besagt nun einmal, dass wir in einer aufgerüsteten Welt voller hochtechnisierter Waffen leben.

„Never tell just one story, otherwise the canoe will capsize.“ Und so wird den Geschichten zugehört, die Najem Wali in „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ erzählt, und für heute soll es mit der Geschichte über die „Kinder unserer Zeit“ genug sein …

Es werden aber noch Geschichten zu lesen sein müssen, zu sehr wird, wenn so viele nun von Villach erzählen, nur eine Geschichte gebracht —

„Auf1“ ruft „Auf, Polizei“

Der Chef ist in diesem Februar in seinem ’25 bei einer Strippe — es muß sogleich hinzugefügt werden, daß nicht gewußt wird, ob dieser Mann

sich selbst ebenfalls als Strippe versteht, wie die sich als Strippen des Chefs verstehenden Mannen –, in ihrer meiernden Fernsehvereinsanstalt, zu anal-ysieren …

Die Anal-yse mag gesinnungsgemäß für den Chef von größter Tiefe aller Zeiten sein, und auch für den Mann, dem erst im letzten Jahr seine Großmutter im Gesinnungsgeiste abhanden kam, dessen Anstalt des Fernsehens „AUF1“ benannt ist, aber sie, die Anal-yse, vermag nicht dermaßen zu fesseln, um sich ihr zu widmen, sie läßt dazu abschweifen, zu fragen, ob es zwischen „AUF1“ und „AUF“ Funksprüche gibt, und was für Funksprüche es sein könnten, wenn „AUF“ ruft „AUF1“ oder „AUF1“ „AUF“ —

Von einem Funkspruch durfte, kurz ist es her, erfahren werden, eine den Chefkleidungsstil nachahmende Strippe funkte einen Videospruch „Alles Remigration“ vom „Alles-Walzer“-Polizeiball

Von der „AUF“ werden sich wohl auch einige oder vielleicht sogar nicht wenige diese rauschende Nacht nicht entgehen lassen haben,

vielleicht auch heute Ehemalige, von denen nicht gewußt und nicht mehr nachgeforscht werden will, was aus ihnen geworden ist, wo sie nun ihre „Auf-Kameradschaft“ —

„IMMER TREU“

Es hat sich nun A. W. beim Bergmenschen im österreichischen Parlament bedankt, nicht dafür, wählen zu gehen, sondern W.s Partei der Treue und Ehre zu wählen, und das ist gesinnungsgemäß nur folgerichtig, ist doch des Bergmenschen Parlamentspartei Koppelspruch — auf wie vielen Äckern wohl schon Plakate mit diesem Spruch stehen? –:

„IMMER TREU“.

Und treu sind sie einander, spricht doch die eine patriotische Partei aus Deutschland, was die patrotische Partei aus Österreich spricht, als wären sie eine und sind eine einzige Partei, die eine aus Deutschland spricht nach, was die aus Österreich vorspricht, so recht vieles, zu viel, um alles zu wiederholen,

ein Beispiel dafür genügt: treu spricht einer aus W.s Partei des Bergmenschen Freispruch für Angehörige der Organisation, die gegründet und deren Wesen, das kein Geheimnis war oder nur ein Geheimnis für jene, die im Nachhinein noch es als Geheimnis sehen wollen, einzig der Massenmord und die Massenverbrechen, nach, und diese Treue durch die Zeiten ist ihm ehrenreich eine Verpflichtung, aufzurufen zur Wahl der patriotischen Partei

Am kommenden Sonntag AfD wählen – denn „wer einer guten Zukunft im Geiste eines gesunden Patriotismus den Weg bereiten will, der reißt die undemokratische Brandmauer ein!“ Danke @H[…]_K[…] für den Wahlaufruf aus Österreich!

der A. W.

Sie mit ihrem Spruch „IMMER TREU“ auf der Koppel sprechen ein Deutsch,

das in das Deutsche übersetzt werden muß, um ihr Deutsch zu verstehen. So könnte die Übersetzung des Gesagten von W. und Bergmenschen lauten:

Am kommenden Sonntag A wählen – denn wer einer putrimpischen Zukunft im Geiste eines Ehrenpatriotismus den Weg bereiten will, der reißt die Demokratie.

Die „Zukunft“, von der sie sprechen, ach, wie viele wollen es als Heilsversprechen mißverstehen, Zukunft, ein Wort, in das Menschen ihre Hoffnung setzen, es werde für alle besser werden, doch es ist nur ein Wort, das eine Zeit benennt, die weder Gegenwart noch Vergangenheit ist, aber wer in die Vergangenheit blickt, weiß, daß deren Zukunft in diesem Sinne keine Zukunft ist, sondern —

Mises Zukunft, auch von und besonders

von Männern propagandiert, von denen gemeint werden will, u. a. in der Berichterstattung, sie marschierten in anderen Reihen ebenso für eine verheißungsvolle Zukunft …

Aber es ist keine Zukunft im Sinne des Besserwerdens, sondern nur eines soll werden, eine Zeit, die im Sinne des Besserwerdens nicht Zukunft genannt werden kann, aus zwei Namen, die jetzt noch unvergänglich erscheinen, zusammengesetzt ist: Putrimp.

Und welche zwei Namen dies sind, ist nicht schwer erkennen, die zwei Namen, die A. W. und der Bergmensch heiß ersehnen von der Vorsehung …

„Never tell just one story or the canoe will capsize“

Villach, Syrien

All dies ereignete sich vor über zweihundert Jahren und geschieht in noch abscheulicherer und hässlilcherer Form bis heute, und zwar begleitet vom Schweigen des Westens, um nicht zu sagen, mit dem devoten Einverständnis des Westens, welcher der Familie Al Sa’ud freie Hand lässt, nach eigenem Gutdünken zu herrschen. Denn wir sollten nicht vergessen, dass dieses Königreich der Finsternis bis heute fest auf seinem Thron sitzt, vor allem dank der Engländer, die Abd al-Aziz ibn Sa’ud als Gegenleistung für seine Unterstützung gegen die Osmanen im Ersten Weltkrieg dabei behilflich waren, den Hedschas einzunehmen, der höher entwickelt war als der Nadschd und sich vergeblich gegen den Vormarsch der islamisierten Beduinen unter Führung Ibn Sa’ud mit tätiger britischer Unterstützung 1932 schließlich zum König über fast die gesamte arabische Halbinsel und konnte sich obendrein noch mit dem Titel „Hüter der beiden heiligen Stätten“ Mekka und Medina schmücken. Seither hat sich das saudische Königreich nur noch weiter ausgedehnt, hat aggressiv expandiert und gemordet, lässt Köpfe abschlagen, wann immer und wo immer es ihm gefällt. Dies muss immer wieder betont werden, wenn es um den heutigen Terror und um sein Verhältnis zum saudischen Königreich geht.

Und ebenso unumgänglich ist es, die Vorzeichen zu erkennen: Die mit Petrodollars gefütterte wahhabitische Katastrophe wird sich für alle noch zum Sturm auswachsen. Wer im Westen glaubt, er müsse nichts unternehmen, um ihr entgegenzutreten, wer meint, immer noch in Sicherheit vor ihr zu sein, erinnert an den Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt. Es lassen sich wohl keine klareren Worte finden als jene des verfolgten Schriftstellers Salman Rushdie. Als man ihn nach den Gründen für das Aufkommen des radikalen Islams in der Welt fragte, antwortete der Autor des Romans Mitternachtskinder unlängst: „Kurz gesagt: Öl.“

Najem Wali erzählt in seinem Buch „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ mehr als eine Geschichte, er erzählt auch die vom „spanischen Bürgerkrieg“, auch die von der „Fremdenlegion“, auch die von der „französischen Revolution“, die vom „Terror in seiner pragmatischen Form, oder: Der Staat als Schirmherr der Bigotterie und Pate des Mordens“, die vom „Töten aus persönlichen Gründen oder aus Überzeugung?“, die „Ohne politische Motive? Ohne religiöse Beweggründe? Aber was ist mit dem Fanatismus? Und mit dem heiligen Krieg?“, die vom „Töten als Gewerbe“, die „Über das Morden ohne Gott, oder: Wenn es Gott nicht gäbe, wäre alles erlaubt“, die vom „Zurück zu den Ursprüngen des Terrors: westwärts und ostwärts“, die alle eines gemein haben, das Morden, den Terror, der verurteilt wird, und den Terror, der freigesprochen wird, mehr, den Terror, der niemals angeklagt wird, den Terror, dem Akzeptanz und Ehre zuteil wird.

Und angesichts des offenbaren Unverständnisses des Journalisten fügte Rushdie erklärend hinzu: „Die Saudis folgen dem Wahhabi-Kult. Niemand in der islamischen Welt interessierte sich für diese kleine Splittergruppe. Aber die Saudis haben mit dem Ölgeld sehr gezielt den Wahhabismus in der islamischen Welt propagiert. Damit begann der große Ärger und Konflikt.“ Als der Interviewer nachfragte, ob die Erklärung tatsächlich so einfach sei, erläuterte Rushdie weiter: „Es war das Geld der Saudis, mit dem die Koranschulen finanziert wurden, in denen die Taliban an der Grenze zu Pakistan und Afghanistan ausgebildet wurden. Mullahs wurden mit dem Geld der Saudis trainiert, um den sehr strikten Islam in der ganzen Welt zu verbreiten.“ Auf die Frage, wie das denn konkret ausgesehen habe, liefert Rushdie ein persönliches Beispiel: „Meine Familie stammt aus Kaschmir. Dort war die vorherrschende Religion der Sufi-Islam, eine milde, offene Form des Islam. Es gab alle möglichen Überlappungen zwischen Islam und Hinduismus. Überall standen kleine Schreine, in denen Sufi-Heilige verehrt wurden. Der Islam ist eine monotheistische Religion, aber trotzdem wurden Heilige verehrt. Sogar Lastwarenfahrer, die Hindus sind, hielten an und legten ihre Opergaben dort ab. Es gab keine Konflikte. Heute erlebt die Region eine ‚Arabisierung‘. Früher sagte man zum Abschied: ‚Gott sei mit dir!‘. Es konnte also jeder Gott gemeint sein. Heute sagt man ‚Allah sei mit dir!‘ Es gibt nur noch einen Gott, keinen anderen.“

Interessant zu erfahren wäre, was Salman Rushdie wohl sagen würde, wüsste er, dass die gezielte wahhabitische Propaganda und ihre fetten Verheißungen einen Dichter wie den Syrer Adonis umgarnt haben — von dem bis dahin angenommen wurde, es handle sich um einen gereiften, modernen Lyriker — und ihn bewegen konnten, zusammen mit seiner Frau ein Buch über Scheich Ibn Abd al-Wahhab zu schreiben, den Gründer dieses erzreaktionären, doktrinären Islam. Das ist umso dramatischer angesichts der Tatsache, dass Adonis dies nicht etwa in jugendlichem Überschwang tat — wie damals, als er im Alter von 19 bis 24 Jahren Mitglied in der Syrischen Sozial-Nationalsozialistischen Partei (SSNP) war, einer extrem nationalistischen Partei, die in ihrer Organisationsform und Ideologie den faschistischen europäischen Parteien der dreißiger Jahre entsprach und deren bis heute verwendetes Symbol dem nationalsozialistischen Hakenkreuz nachempfunden ist. Nein, als er 1983 sein Buch über den Gründer der wahhabitischen Bewegung schrieb, war Adonis bereits dreiundfünfzig, in einem Alter mithin, in dem er schon reichlich Erkenntnisse gesammelt und Erfahrungen gemacht hatte, persönliche wie allgemein menschliche, sodass man eigentlich hätte erwarten können, er würde in allem, was er sagte oder schrieb, mehr Verantwortungsbewusstsein an den Tag lebwen. Diwan der Erneuerung des Scheichs Ibn Abd al-Wahhab, so lautet der Titel des Buches, dessen Ziel, wie es im Vorwort heißt, „eine Bestandsaufnahme der geistigen und literariaschen Erträge des Ibn Abd al-Wahhab und ihre Darstellung unter neuem Blickwinkel und in neuer Bewertung … usw., usw.“ sei. In diesem Werk wird sogar die Einschätzung vertreten, der Gründer des Wahhabismus sei Teil der arabischen Nahda-Bewegung gewesen, welche die Grundwerte des Islam mit der Moderne zu verbinden suchte. Und so fragt man sich erstaunt, wie Adonis den salafistischen, rückwärtsgewandten Imam Muhammad ibn Abd Al-Wahhab zu diesen reformatorischen Neuerern zählen kannn, da es doch eben dieser Mann war, der die Musik verbot, der die Verschleierung von Frauen verordnete und ihre Steinigung erlaubte, der unzählige positive Rechtsgutachten zu reaktionären Praktiken erließ. Oder sollten Dinge wie Rückschrittlichkeit und Morden ein Synonym für Erneuerung und Modernisierung geworden sein? (Und um unser Erstaunen vollständig zu machen, sei daran erinnert, dass dieser „zeitgenössische“ Dichter im Jahr 2015 den Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück verliehen bekommen hat, wie es heißt „für sein Eintreten für eine Trennung von Religion und Staaat“, ungeachtet der Tatsache, dass seine Elogen auf einen salafistischen Scheich gegen jeden Staat und jede Religion gerichtet sind!) Aber warum dieses Erstaunen, da uns Salman Rushdie doch berichtet, das saudische Geld habe es sogar bis nach Kaschmir geschafft?
[…]
Die Propagandamaschine des Wahhabismus weiß dies nur zu genau, sie konzentriert seit Jahrzehnten ihre Aktivitäten auf eben solche jungen Männer, weiß, wo solche Anfälligkeit gedeiht, in den Untiefen eben dieser sozialen Verwüstung. Und dank der saudischen Petrodollars und mit Unterstützung des Westens, auf die man zählen kann, verbreitet der Wahhabismus frei und ungehindert seine gefährlichen Pestilenzen, errichtet an jedem Ort auf der Welt, an dem er will, prachtvolle Moscheen, vollkommen unverhohen finanziert mit saudischem Geld, in allen europäischen Metropolen, in Hamburg, Antwerpen und Brüssel, in Paris und Madrid, London, Bonn und anderswo, zumeist in den Außenbezirken wie etwa im Brüsseler „Problemviertel“ Molenbeek. In diesen saudischen Moscheen predigen junge Imame, die in Saudi-Arabien ausgebildet worden und auf die Gehirnwäsche der Gläubigen spezialisiert sind, sie pflanzen deren Verstand den vergifteten salafistischen Samen ein, und dies alles unter den Augen und Ohren der Behörden vor Ort. Und wenn wir noch einen Augenblick in Belgien verweilen, sollte man wissen, dass saudisches Geld inzwischen die Hälfte der Anteile am Hafen von Antwerpen hält, und dies, obgleich eine Koalition unter Führung der „Neuen Flämischen Allianz“, einer stramm rechts-nationalistischen Partei, die dortigen Stadtgeschäfte führt. Doch diese Partei mag zwar an der Macht sien, aber was wirklich regiert, ist das Geld, denn Geld ist erst einmal nur Geld, auch wenn es sich um saudisch-wahhabitisches Geld handelt. Wer das bestreitet, der verleugnet, wie der rückwärtsgewandte Wahhabismus in Europa mit tätiger Mithilfe der Behörden sein Unwesen treibt.

Wie wir gesehen haben, hat sich sogar der syrische Dichter Adonis im reifen Alter von dreiundfünfzig JAhren von der wahhabitischen Propagandamaschine einspannen lassen und ein Buch über Scheich Muhammad ibn Abd Al-Wahhab verfasst, in dem er diesen als reformatorischen Denker und einen der Vorreiter der arabischen Renaissance beschreibt. Man sollte allerdings wissen, dass Adonis‘ Buch auf dem Höhepunkt des saudischen Feldzugs erschien, den die as-Sahwat, eine einflussreiche Gruppe islamischer Gelehrter, zur Unterstützung der Aufständischen in Afghanistan zur Bewaffnung der sogenannten afghanischen Araber initiiert hat. Wenn dem so ist, wie sollen dann ungebildete junge Männer, von denen die Mehrzahl kaum mehr als die Grundschule besucht hat, wie sollen diese „Versager“, die am Rande der Gesellschaft leben oder mit dieser im Konflikt liegen, junge Männer, die Gefangene der eigenen Triebe sind, wie sollen sie nicht in die Falle der wahhabitischen, rückwärtsgewandten Propaganda gehen, zumal diese Falle fett bestückt ist? Tausende solcher jungen Männer ohne Erfahrung, solcher resignierten „Desperados“, haben sich verführen lassen von der wahhabitischen Idee eines Dschihad im Namen Allahs gegen […]

„Erzähle nie nur eine Geschichte, sonst kentert das Kanu.“

Villach, Iraq

Vor zweieinhalb Jahren, im Frühjahr 2014 also, sprengten sich in der irakischen Hauptstadt Bagdad vier Selbstmordattentäter in die Luft. Die Überraschung, mit der die Medien noch am selben Tag aufzuwarten hatten, war aber, dass die vier, alle zwischen Anfang und Mitte zwanzig, aus Deutschland stammten und deutsche Staatsbürger waren. Und mehr noch: Sie waren nicht bloß im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft, sondern hatten sogar deutsche Väter und Mütter, sie waren mithin — einer später erfolgten Klassifizierung nach — „biologische“ Deutsche ohne „Migrationshintergrund“, so die in offiziellen Verlautbarungen und von Experten (oh ja, so viele Experten gibt es heutzutage!) derzeit benutzte Bezeichnung für Kinder von Zuwanderern.
Das war der Zeitpunkt, zu dem eine ganze Reihe von Menschen im Irak von Verwunderung erfasst wurden, unter ihnen auch meine Schwester, die in einem der Außenbezirke von Bagdad wohnt. Wie sollte sie, die drei Kinder hat, von denen das älteste in diesem Jahr an die Universität gekommen ist, und die davon träumt, ihren Kindern ein Studium in Europa zu ermöglichen — wie sollte sie auch verstehen können, dass dieses Europa, das für sie immer ein Leuchtturm des Wissens und der Aufgeklärtheit war, vier junge Selbstmordattentäter losgeschickt hat, um mit ihren Autobomben eine möglichst große Anzahl von Irakern zu töten? Und dies nur aufgrund der schiitischen Glaubensrichtung dieser Menschen?
[…]
Was damals passiert ist, war nur die Ouvertüre zu dem, was schon bald traurige Alltätglichkeit werden würde. Denn seit dem 9. Juni 2014, dem Tag, an dem der IS die Stadt Mossul erobert und etwas errichtet hat, was am 29. Juni fälschlich als Kalifat des „Islamischen Staates“ bezeichnet wird, mit einem ihrer Führer, dem Iraker Ibrahim Awwad Samirani, besser bekannt als Abu Bakr al-Bagdadi, als selbst ernannten Kalifen, ist der Anblick „biologisch“ ausländischer Selbstmordattentäter ein vertrauter geworden. Parallel zur Einwanderung hunderter junger Männer und Frauen aus muslimischen Familien kamen damals dutzende junge Männer und Frauen europäischer Herkunft ins Land, um gegen die „Ungläubigen“ zu kämpfen und diese zu töten, junge Männer und Frauen, von denen enige erst kurz vor ihrer Reise zum Islam gefunden hatten, andere noch nicht einmal genug Zeit gehabt hatten, das fünfmal am Tag zu verrichtende Gebet zu erlernen — eine der fünf Säulen des Islam, deren Befolgung verpflichtend für jeden Muslim ist. Ja, die meisten dieser „internationalen“ Gotteskrieger dürften in ihrem Leben noch nicht einmal in einer Moschee gewesen sein und ihr Wissen über den Islam haben sie nur aus dem Internet bezogen.
In den zwei Jahren, die seit der Eroberung Mossuls durch den IS vergangen sind, ist die Zahl der europäischen Terroristen angewachsen und mit ihr die der Terroranschläge, es scheint ein Wettstreit stattzufinden zwischen den Terroristen islamischer Herkunft und ihren „bio-europäischen“ Kameraden.
[…]
Eines müssen wir erkennen: Wir stehen vor einem Modell, das mit zwei konträren Phänomen aufzuwarten scheint, eine Wanderbewegung aus dem Norden, dem reichen Westeuropa, in die Kriegs- und Krisenregionen, und im Gegenzug eine Abwanderung aus den Krisenregionen, aus dem armen, verwüsteten und perspektivlosen Süden in Richtung Norden, in das reiche Europa. Oder wenn wir die Sprache der Religionen bemühen: eine Migration junger Frauen und Männer, die mehrheitlich christlich erzogen sind — wobei es keine Rolle spielt, ob sie tatsächlich christlicher oder muslimischer Herkunft sind, da in Europa das allgemeine Klima, die Schulen und die tagtäglichen sozialen Kontakte insgesamt christlich geprägt sind –, und auf der anderen Seite eine Abwanderung junger Frauen und Männer, die islamisch erzogen worden sind, wobei es auch hier unerheblich ist, ob es sich um Schiiten aus dem Irak uder Sunniten aus Syrien oder gar Christen oder Angehörige anderer religiöser MInderheiten handelt, da das allgemeine Klima, die Eriehung, die Schule, die Alltagskontakte, alles, was sich außerhalb des häuslichen Umfelds der Familie abspielt, einen islamischen Stempel trägt und sich die jeweiligen Lebenswirklichkeiten voneinander nur der Form nach unterscheiden. Die einen machen sich auf den Weg, um an Krieg und Morden teilzuhaben, und die anderen migrieren auf der Suche nach Arbeit und einem freien, sicheren Zufluchtsort.
[…]
Da mein Interesse in diesem Essay jenen gelten soll, die den Tod produzieren, und nicht jenen, die vor Tod, Hunger und Zerstörung fliehen, werden die nachfolgenden drei Abschnitte versuchen, den Terror selbst und seine mannigfaltigen Gesicher zu erforschen und zu untersuchen, seine Motive und seine Forderungen. Oder mit einem Wort: Wir werden eine Reise in den Kopf des Terrors unternehmen, sofern dieser Terror denn einen solchen hat, und dies gleichermaßen in der Literatur wie im wirklichen Leben.
[…]
Richtig ist, dass der Terror stets ein einziges Ergebnis zeitigt: den Tod. Doch es wäre falsch zu denken, dass wir eine Deutung des Terrors liefern könnten, ohne auf seine vielfältigen Gesicher zu sprechen zu kommen, auf seine verschiedenen Wesenszüge. Denn der Terror ist so alt wie die Menschheit, so vielfältig wie der Mensch und die Orte, an denen er lebt, und seine Gleichsetzung mit einer einzigen Seite, sei es dem Islam, dem Christentum oder dem Judentum, ist bloß eine Maske der Berichterstattung über den jeweils konkreten Terrorakt.
[…] „Erzähl nie nur eine Geschichte“, sonst kentert das Kanu“, lautet eine alte Indianerweisheit, überliefert von dem amerikanischen Schriftsteller und Weltenbürger Ernest Hemmingway […]
Wir hören von einem Terroranschlag und glauben, dies sei ein Ereignis, das uns zutiefst überraschen müsste, wir suchen nach einer Erklärung dafür, ohne daran zu denken, dass das, was sich soeben ereignet hat, nicht neu ist. Wir sehen das jetzige, sichtbare Gesicht des Terrors und wolle nicht in den Spiegel schauen, wollen nicht wissen, dass der Terror so alt wie der Mensch ist, dass er überall zu finden ist, dass seine Viren in der Luft schweben und es nur eine Frage der Zeit ist, bis er uns erreicht, uns treffen muss, da er uns umgibt wie unsere Atemluft. Und wenn wir den Kopf in den Sand stecken oder all jenen glauben, die nicht einen Tag ohne Geschrei auskommen — ich meine jenes Heer von Politikern und Experten, jene Könige des Pöbels und des Hasses, bei denen jedes Wort, das über ihre Lippen kommt, ein Samenkorn des Gifts ist –, dann erkennen wir nicht, dass die vergiftete Gefühllosigkeit, mit der sie ihre Parolen verbreiten, eine Ergänzung eben jenes Terrors ist, der wie ein Gespenst durch die Welt zieht und an unsere Türen klopft.
[…]
Andere wieder beruhigen sich, indem sie sagen, solange der Terror deutlich sichtbar ist und ein bekanntes Gesicht trägt — unserer Tage das des Islam –, muss man sich mit anderen Geschichten nicht befassen, sondern kann sich mit einer Geschichte begnügen.
Doch wir müssen uns an die alte Weisheit erinnern […] damit das Boot in uns nicht kentert. Denn im Versuch, von unserer Welt auch nur ein Bisschen zu retten, soll hier mehr als nur eine Geschichte des Terrors erzählt werden.

„Erzähl nie nur eine Geschichte, sonst kentert das Kanu.“

Allein diese „Weisheit“ wie eine Anleitung zum Umgang mit jedweder Geschichte und mehr noch zum Handeln für das Heute aus „Im Kopf des Terrors – Vom Töten mit und ohne Gott“ von Najem Wali wäre des Erzählens Genüge getan. Es muß nichts dazu erzählt werden, Najem Wali erzählt genügend, und eben nicht nur eine Geschichte, an dessen Buch erinnert wurde, als von Villach, …

Als es am 18. November 2015, fünf Tage nach den Anschlägen von Paris und gleich nach der Verlautbarung der französischen Behörden, hieß, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, sei bei den Polizeirazzien im Pariser Vorort Saint-Denis geötet worden, fühlte ich mich stark an Herostrat erinnert. Doch nicht in erster Linie an den altgriechischen Brandstifter Herostratos, der im vierten Jahrhundert vor Christi lebte und durch die Zerstörung des Tempels von Ephesos, einer der sieben Weltwunder der Antike, zu unsterblicher Berühmtheit gelangen wollte, sondern ich musste unwillkürlich an jene Erzählung gleichen Titels des französischen Existenzialisten Jean-Paul Sartre denken […] handelt von Paul Hilbert, einem kleinen, unverheirateten Angestellten, der in einer Handelsfirma arbeitet und allein in einer Pariser Wohnung im 6. Stock […] Und genau an diesem Tag kommt Hilbert die Idee, auf die Straße zu gehen und wahllos auf Menschen zu schießen. […] Doch die Explosion wird nciht aus der Waffe kommen, sondern aus ihm — Paul Hilbert — selbst. Dieses neue Gefühl, das von ihm Besitz ergriffen hat, sagt ihm, dass er selbst „der Rasse der Revolver, der Granaten und Bomben“ angehört. „Ich selbst würde eines Tages, am Ende meines dunklen Lebens, explodieren und die Welt wie ein Magnesiumblitz mit einer heftigen und kurzen Flamme erhellen.“ […]
Die freie Zeit, die seine Beschäftigungslosigkeit ihm beschert, nutzt er, um einen Brief zu entwerfen, vom dem er hundertzwei Kopien anfertigt, die er an berühmte Autoren schickt, um sie darüber zu informieren, was er vorhat: „Sicher sind sie neugierig, nehme ich an, zu erfahren, wie ein Mensch so aussieht, der die Menschen nicht liebt. Nun — so einer bin ich, und ich liebe sie so wenig, dass ich sogleich ein halbes Dutzend von ihnen töten werde. Vielleicht werden Sie sich fragen: warum nur ein halbes Dutzend? Mein Revolver fasst nur sechds Patronen.“ Und auf die Frage, warum er dies tun wolle, antwortet Paul Hilbert, er könne die Menschen einfach nicht lieben. Und er hoffe, die anderen würden ihn verstehen, dennn schließlich habe er alles unternommen, um die Menschen zu lieben, sei aber in seinem Bemühen gescheitert. Die Zeitspanne, die ihm nohc bis zur Umsetzung seines Vorhabens bleibe, betrage nur mehr einen einzigen Tag, denn schon in den morgigen Zeitungen werde man lesen können, „dass ein gewisser Paul Hilbert in einem Tobsuchtsanfall fünf Passanten auf dem Boulevard Edgar-Quinet niedergeschossen hat“.
[…]
Nicht von ungefähr lässt Sartre seinen Helden in dem Bekennerschreiben, das er in hundertzwei Kopien an berühmte Autoren schickt, auf die Frage nach dem Motiv, die sich jedem stellen muss, der diesen Brief liest, antworten: „Eine Ungeheuerlichkeit, nicht wahr? Und zu alldem ein völlig unpolitischer Akt? Aber ich sage Ihnen, dass ich sie [die Menschen] nicht lieben kann. Ich verstehe Ihre Gefühle sehr gut. Aber das, was Sie an ihnen anzieht, ekelt mich an.“ Um dies noch deutlicher zu machen und um besser verstanden zu werden, liefert Hilbert ein Bild, einem Beleg für seinen Ekel vor den Menschen: „Wie Sie habe ich Menschen bedächtig und gleichgültig kauen sehen, indem sie gleichzeitig mit der linken Hand in einer Börsenzeitschrift blätterten.“ Und das lässt Sartre seinen Helden im Jahr 1939 sagen. Interessant wäre zu erfahren, was Paul Hilbert über die heutige Welt der Börse sagen würde, die es zum Beispiel in Deutschland geschafft hat, Einzug in alle Privathaushalte zu halten, indem sie sich satte fünf Minuten unmittelbar vor der Hauptnachrichtensendung um acht Uhr abends auf dem ersten Kanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gesichert hat. […]
Paul Hilbert auf jeden Fall ist bemüht, sein Verbrechen zu erklären, es von allem Politischen freizusprechen. Sein Brief unterscheidet sich nicht von jenen Kommuniqués, die wir zu sehen bekommen, nachdem Selbstmordattentäter ihre Taten verübt haben. Wobei es bedeutungslos ist, dass einige dieser „erklärenden Verlautbarungen“ in Form von Abschiedsvideos daherkommen, in denen ihre Urheber sich bemühen zu erklären, was sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Videos bereits begangen haben. Dabei suchen sie zumeist bei religiösen Floskeln Zuflucht, bei Koranversen im Fall der islamischen Selbstmordattentäter, von denen die allermeisten den Sinn des Zitierten nicht einmal verstehen und es lediglich nachplappern wie Papagaien. Aus diesem Grund ist es auch falsch, sie als „radikale Islamisten“ zu etikettieren. Denn was diese Menschen in Wahrheit tun, ist, ihrem eigenen Nihilismus eine islamische Bedeutung zu verleihen. Es sind „islamische Nihilisten“ und keine „nihilistischen Islamisten“, ja, sie müssen als „muslimische Mörder“ und nicht als „mörderische Muslime“ bezeichnet werden. (Ähnlich werden Amerikaner oder auch Deutsche, die ein Blutbad anrichten, gern als „Amokläufer“ bezeichnet. Und ist es tatsächlich notwendig, die zumeist rassistische Begründung ihrer Tat zu erfahren? Einer Tat, bei der es sich zumeist nicht um eine „Einzeltat“ handelt, die Ausdruck einer seelischen Störung oder Geisteskrankheit wäre, wie uns die offiziellen Verlautbarungen in der Regel weismachen wollen.)

„Welcher südamerikanische Staatspräsident ist studierter Ökonom und u. a. Anhänger der sogenannten österreichischen Schule?“ – „Milei“

Das ist am 16. Februar 2025 Frage und Antwort in der Radiosendung „Gehört. Gewußt. Das Ö1 Quiz“ —

Eine Frage, bei der es einem patriotischen Herzen warm im Gehirn werden muß, ein „Staatspräsident“, der „Anhänger der österreichischen Schule“ ist — Was für einen Weltruf Österreich auf diesem Planeten doch oder noch immer oder wieder hat, wenn sogar ein „Staatspräsident“, der darüber hinaus auch noch ein „studierter Ökonom“ ist, also einer, der vom Fach ist und von daher kompetent wissen muß, wessen „Anhänger“ er ist.

So recht gut funktioniert in Österreich inzwischen schon die propagandierte „österreichische Schule“, daß sofort die richtige Antwort auch an einem Nachmittag eines Sonntages gewußt wird.

Wie harmlos eine Frage daherkommen kann, wie harmlos eine Antwort ausfallen kann, und ist doch, ohne es wohl bewußt zu wollen, Mithilfe zur Propaganda für —

Hätte die Antwort ebenso rasch und die richtige gegeben werden können, wenn gefragt worden wäre, wofür steht und was vertritt die „österreichische Schule“

Hätte die Antwort ebenso rasch und richtig gegeben werden können, wenn gefragt worden wäre, wohin führte eine solche Wirtschaftswissenschaft Österreich schon einmal

Es sind nicht die Polternden allein,

es sind nicht die auf Bühnen Herumhüpfenden allein,

es sind nicht die mit Motorsägen Fuchtelnden allein,

es sind, kurz wie einfach gesagt,

nicht die Redlichkeit und Kompetenz Vortäuschenden allein,

sie müssen auch von Medien, die nicht deren sogenannten alternativen Medien aus ihrem Gesinnungssystem sind, eingeladen werden,

und sie werden noch und noch eingeladen zu ihrem alleinigen Gesinnungsnutzen,

es braucht auch und vor allem das, etwa an Sonntagen, harmlos und nett und lieblich Dargebrachte und so Mitverbreitete, um ihre Anhangsschaft zu mehren, bis schließlich ein Land in dem endet, in dem Österreich schon einmal endete, und das nicht zum Wohl der Menschen, und nicht zum Wohl der Menschen.