Aus Moskau nie herausgekommen

So muß es wohl sein, daß Maximilian Krauss noch nie in Wien war, er nie aus Moskau herausgekommen ist, anders ist es nicht möglich, daß er weit über einem Jahrzehnt später etwas fordert, das seit weit über einem Jahrzehnt erfüllt, die Massenverbrechen des Josef Stalin zu benennen und damit zu verurteilen, seit weit über einem Jahrzehnt gibt es bereits die Zusatztafel zur Gedenktafel in der Schönbrunner Straße in Meidling.

Es kann aber auch sein, daß er, Krauss, etwas anderes fordert, ohne es recht benennen zu können, den Ersatz der Stalin-Gedenktafel durch Gedenktafeln für jenen Mann, der seiner Partei recht nahe, freilich aber ohne Zusatztafel —

Es kann auch sein, daß er, Krauss, es bereits benennen könnte, aber noch nicht weiß, wo diese Gedenktafel anzubringen wäre,

an so vielen Orten, an denen dieser Mann in Österreich schon war. Er sich also nicht entscheiden kann, wo dieses Mann Tafel gehängt werden soll, ohne Benennung und ohne Verurteilung. Dabei. Wäre dies ein Leichtes, ihn ehrend zu hängen, einfach wie kurz gesagt, überall, wo er in Österreich war.

Dafür gibt es Landstriche der Gedenkidole Österreichs, die ihm, Krauss, gesinnungsgemäß auch in Moskau nicht unbekannt sein dürften, etwa das steirische Kloepferland …

Ganzjährige Adventgeschichten

Es ist nicht die stillste Zeit im Jahr, es ist die lauteste Zeit der Geschichten im Jahr, die Adventzeit, und auch ein Christoph Schönborn kommt dem nicht aus, Geschichten zu erzählen, gleich am ersten Adventsonntag dieses Jahres 2024, es sind Geschichten, die der Großmutter geglaubt werden, auch dem Großvater, wenn er denn welche erzählt, weil das Kind weiß, es sind bloß Geschichten, bar jeder Wirklichkeit, bar jeder Wahrscheinlichkeit, bloß Geschichten, und auch die Großmutter weiß, es sind bloß Geschichten, und weil sie das weiß, erzählt die Großmutter die Geschichten so, daß es zu hören ist, daß es bloße Geschichten sind, jede Geschichte beginnt mit „Es war einmal …“

Und das Kind glaubt den erzählten Geschichten der Großmutter so lange die Geschichten dauern, diese irrealen, diese abwegigen Geschichten, und das Kind kann beruhigt einschlafen, es weiß, die Geschichten werden nur aus einem Grund erzählt, damit es zufrieden einschläft.

Was aber Christoph Schönborn bewegt, ganzjährig Adventgeschichten und also Einschlafgeschichten zu erzählen, er hat keine Kinder, soweit gewußt wird, er hat keine Enkelkinder, soweit bekannt ist, die er zu Bett zu bringen, die er mit Geschichten zum Einschlafen anzustiften hat, die Aufgabe, Geschichten zu erzählen, die auf Kinder einschläfernd wirken, hat er sich wohl selbt erteilt, die Gründe dafür kann nur er allein beantworten, wenn er sie denn selbst überhaupt weiß, je dafür Zeit fand, je dafür die stillste Zeit in einem Jahr hatte, eine geschichtenlose Zeit, eine wirkliche Zeit der Stille, in der er seinen erzählten Geschichten also nicht selbst zuzuhören brauchte, sondern —

Es wurde von seinen Geschichten immer wieder mal erzählt, aber es gibt doch welche, die sind hervorzuheben, so zum Beispiel diese:

Das ist auch so eine ganzjährige Geschichte oder, da wieder erzählt am ersten Adventsonntag, 1. Dezember 2024, eine Adventgeschichte für das ganze Jahr: Die Nähe einer politischen Partei zum Christentum oder zur katholischen Kirche bestimme diese Partei selber und nicht eine Erklärung der Bischöfe

Daß dies eine der ganzjährigen Adventgeschichten, dafür reicht, einen Namen zu nennen: Bischof …

Und wie ihre leitenden Angestellten so auch ihre ihnen Unterstellten, wie jener der in diesem Jahr selbst die Nähe zu einer politischen Partei bestimmte, und das gleich mit einem öffentlichen Auftritt bei einer Wahlveranstaltung

Aber nicht nur in Österreich suchen Pfarrer die Nähe einer politischen Partei, beispielsweise auch in einem Nachbarland, das vielen in Österreich eine Paradiesverheißung ist, und eine verantwortungsbewußte Großmutter würde die Geschichten dieser Pfarrer ihren Enkelnkindern nicht erzählen, es sind Geschichten, die lassen kein Kind beruhigt in der Gewißheit einschlafen, wohlbehütet, keiner Gefahr ausgesetzt zu sein. Und wenn sie so unbedacht wäre, diese Geschichten dennoch zu erzählen, es sind die einzigen Geschichten, die nicht beginnen können mit „Es war einmal …“

Und er, Christoph Schönborn, der leitende der leitenden Angestellten, nur für die Dauer einer Geschichte ist es eine reale Geschichte, nicht selbst die Nähe zu einer politschen Partei zu bestimmen

einer sei bloß mit ihm mitgegangen

Und eine Frau, die er, der leitende der leitenden Angestellen in Österreich, an diesem Adventgeschichtensonntag als sehr kompetent hervorhebt, äußert sich, ob doch seinen Willen oder einfach irgendeinen Willen geschehen zu lassen, zu dem, zu dem er sich nicht äußern —

und auch sie erzählt gerne Geschichten, besonders in der Adventzeit,

die den Glauben ganzjährig …

Nachgänger auch bald auf einer Konzerngehaltsliste?

Die Frage, ob Karl Nehammer in Bälde schon auf der Gehaltsliste des Elon Musk stehen wird, Elon Musk also bald schon sein Arbeitgeber sein wird, ist keine ungewöhnliche Frage. Denn. So bereiten österreichische Angestellte eben ihren Arbeitsplatzwechsel vor. Zuerst ein Bewerbungsgespräch und dann ein Motivationsschreiben hinterher. Jedenfalls christschwarze Beschäftigte, die mit ihrem Arbeitsplatz in Österreich vielleicht selbst nicht mehr recht zufrieden sind, die aber vor allem ahnen, sie müssen sich bald schon um einen nächsten Arbeitsplatz umsehen.

So war es schon beim Beschäftigten, der vor Karl Nehammer seine Stelle in Österreich besetzte.

Zuerst gibt es das Bewerbungsgespräch und dann das Motivationsschreiben, das den neuen Arbeitgeber, und solche christschwarze Arbeitssuchende bewerben sich nur bei Männern, endgültig überzeugen soll, sie seien für sie die rechten Angstellten —

Nun hat der Nachgänger sein Bewerbungsgespräch haben dürfen und am 8. Dezember 2024 darf er sein Motivationsschreiben hinterher schicken.

Die Antwort seines nächstmöglichen Arbeitgebers läßt nicht lange auf sich warten, eine Antwort, die ihn, den Arbeitssuchenden, hoffen lassen kann, die Stelle bei ihm bald schon tatsächlich zu bekommen, sollte er seinen Arbeitsplatz in Österreich in Bälde schon verlieren —

Wer noch meint, Motivationsschreiben müssen ausführlich sein, wer noch meint, es müssen Motivationsschreiben Unterlagen beigefügt werden, aus denen hervorgeht, die beweisen, was bis zum Bewerbungsgespräch und dem hinterher geschickten Motivationsschreiben geleistet wurde, hängt einem alten bürokratischen Bewerbungsverfahren an, das solchen Arbeitgebern lästig ist, diesen genügt das Kürzeste, eben solche Motivationsschreiben, beispielhaft geschrieben von den zwei Männern aus Österreich:

Great to meet @peterthiel at #MSC2017 and to discuss how #digitalization changes our world. Thank for the opportunity!

Freedom of speech and freedom of opinion are paramount. @X makes a valuable contribution to enabling people to express both. @elonmusk , it was a pleasure meeting you and discussing economic policy issues.

An derselben Seite

Nun ist es also vorbei, mit der Terrorherrschaft des Baschar al-Assad, die vor vielen, vielen Jahren schon hätte vorbei sein müssen, wenn nicht, einfach wie kurz gesagt, so viele in ihm einen unverzichtbaren Player gesehen haben wollten …

Wie alle Mordenden ist er, Baschar al-Assad, nun einmal geflohen, um sich nicht der Verantwortung für alle seine Verbrechen stellen zu müssen, von Gerichten unbehelligt zu bleiben. Nun soll er in Moskau sein.

Er wird unbehelligt bleiben, er wird ohne gerichtliche Verurteilung bleiben, solange er unter dem Blutdach eines ihm Gleichtuenden, und es ist nicht ungerechtfertigt anzunehmen, sogar darüber hinaus, wo immer er auf dieser Welt sich je aufhalten sollte.

Aber was macht ein Augenarzt, dem sein Schlachthaus geschlossen wurde, was fängt er an mit seiner verbrechenslosen Zeit? Bis zur Rente hat er doch ein paar Jahre noch, ist anzunehmen. Doch noch eine neue Arbeit finden? Und wo? Wer stellte ihn an?

Es gibt aber auch für einen Mann mit solch einem Leistungsnachweis, einen Staat zerstört zu haben, einen idealen Arbeitgeber, besonders einen, der ihn wohl mit Handkuß sofort nehmen würde, stehen sie doch

„auf derselben Seite“, wenn es darum geht, Staaten den Garaus zu machen.

„Massive Welle“ — Andreas Mayer-Bohusch

Andreas Mayer-Bohusch: Grüß Gott!

Christoph Schönborn: Ich bin kein Demographieforscher, da müssen Sie [Barbara Tóth] die Frau Professor Polak fragen, die hier äußerst kompetent ist.

Sein Verweis, sie müsse Frau Professor Polak fragen, bringt in Erinnerung den Adventsonntag vor zwei Jahren, den 8. Dezember 2022, in der seine Frau Professor Polak bewies, worin sie noch „äußerst kompetent“

Andreas Mayer-Bohusch: In ganz Europa ist die demographische Entwicklung so, daß wir vermutlich tatsächllich massive Zuwanderung brauchen. Man kann aber ja auch nicht wegleugnen oder wegreden, daß durch Migration auch viele Probleme entstehen. Ich sag nur, in ganz Europa erleben wir eine Welle, eine massive Welle des Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit oder gegenüber anderen Minderheiten Feindlichkichkeiten, hat man da auch seitens der katholischen Kirche eine Aufgabe, noch klarer darauf hinzuweisen, wo stehen wir mit unseren Werten, was ist positiv an der Zuwanderung, egal ob jetzt durch Flüchtlinge oder gezielte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt und wo ist sozusagen für uns als Gesellschaft und als Kirche die rote Linie, über die man nicht drüber darf?

Am Adventsonntag vor zwei Jahren hat Professorin Regina Polak äußerst kompetent über „Frauen“ gesprochen“, als sie von einem Mann erzählte, der sich eine Frau willkürlich zum Schwängern aussuchte, und von ihr verlangte, dem durch den befohlenen Geschlechtsverkehr gezeugten Kind den Namen zu geben, den er sich für das Kind willkürlich aussuchte und ihr vorschrieb

Er, Christoph Schönborn, sei „kein Demographieforscher“, aber „äußerst kompetent“ über „Frauen“ zu sprechen, ist auch ihm gegeben, und so sprach er am Adventsonntag zwei Jahre später äußerst kompetent —

Er, Christoph Schönborn, hat sich bei Andreas Mayer-Bohusch in der Adventsendung nicht bedankt, daß dieser „Antisemitismus“, „Frauenfeindlichkeit“ und „Feindlichkeit gegenüber anderen Minderheiten“ so klar und deutlich ausspricht, dies nicht nur eine „Welle“, sondern eine „massive Welle“, er so unmißverständlich einfordert, „noch klarer hinzuweisen, wo stehen wir mit unseren Werten“ —

Dafür kann Andreas Mayer-Bohusch wahrlich nur gedankt werden. Und damit es kein leerer Dank ist, soll seiner Klarheit ein Ergebnis einer jüngsten Befragung beigesellt werden, die seine Klarheit untermauert, von dem im Kapitel „38 …“ gelesen werden kann, über die Werte in bezug auf „Minderheiten“ —

Was den „Antisemitismus“ betrifft, nun auch hier in Österreich

eine „rote Linie, über die man nicht drüber darf“, wie es Andreas Mayer-Bohusch so treffend …

Aber Andreas Mayer-Bohusch kann zur Beruhigung gesagt werden, er ist nicht der einzige, er ist nicht allein, auch andere sehen eine „massive Welle“ des „Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit, gegenüber anderen Minderheiten Feindlichkeiten“, und sie machen sich auf den Weg,

sie, die äußerst kompetent sind, holen Erkundigungen ein, bei jenen, die äußerst kompetent sind,

sie, die äußerst kompetent sind, versammeln sich auf Plätzen, um sich mit jenen, die äußest kompetent sind, auszutauschen, einander ihre Werte vor- und aufzusagen

Und wenn es gilt, in einem Parlament abzustimmen, so wissen sie äußerst kompetent, wie sie abzustimmen haben, ganz und gar erfüllt von ihren Werten

Mit ihren äußersten Traditionskompetenzen, von Generation zu Generation weitergetragen durch zweitausend Jahre, und ein Mann, der alle diese äußersten Kompetenzen in sich vereinigt, zugewandert aus Kreenheinstetten, ist bis heute herauf geehrt durch Denkmal und Gasse zu Wien …

Lehrstunde der Barbara Tóth

Andreas Mayer-Bohusch: Sie akzeptieren, daß sozusagen auch die Zahl der Katholiken in Österreich offenbar dramatisch abnimmt. Wir haben eine Graphik vorbereitet, das ist natürlich auch eine Momentaufnahme aus einem Ballungsraum, in Wien ist es so, daß inzwischen 35 % der Volksschüler islamisch sind, nur 26 % sind gleich ganz ohne Religionsbekenntnis und nur 21 % sind noch katholisch, also nicht einmal ein Viertel, jeder fünfte Schüler ist nur mehr mit katholischem Glauben.

Christoph Schönborn: Noch eine andere Zahl. Die anderen Christen.

Andreas Mayer-Bohusch: So ist es. Sehr viele orthodoxe Christen.

Christoph Schönborn: Orthodoxe, orientialische Christen, die wir Dank der Immigration ja haben, und wenn wir die beiden zusammenzählen, sind wir immer noch ein bißchem mehr als die Muslime, was keine Entschuldigung ist, daß wir uns nicht anstrengen müssen, aber, ich darf jetzt den Bürgermeister Michael Ludwig zitieren, der angesichts dieser Zahl gesagt hat, ja, lieber Österreicherinnen und Österreicher dann müßt ihr euch überlegen, warum treten so viele aus der Kirche, katholischen oder evangelischen aus, da wundert euch nicht, daß die islamischen Kinder in der Mehrzahl sind. Also es ist auch eine Frage an uns. Wir sagen immer, wir das christliche Erbe bewahren. In Österreich gibt es eine klare Mehrheit in der Bevölkerung, wir wollen, daß Österreich christlich bleibt. Was tun wir dafür?

Barbara Tóth: Wäre nicht ein Ansatz noch einmal über den Religionsunterricht in den Schulen zu sprechen. Es gibt, Stichwort Brückenbauer Erzdiözese Wien, ein Pilotprojekt für ein neues Unterrichtsfach, das heißt, Werte interkulturelles Lernen Religionen W.I.R., und das ist so ein gemeinsamer Religions-Ethik-Werte-Unterricht quer über die Konfessionen hinweg. Warum ist das bis jetzt nur ein Pilotprojekt? Wäre das nicht die Antwort auf genau solche Herausforderungen?

Christoph Schönborn hätte als Antwort beispielsweise nur vorzulesen brauchen:

Seit dem Schuljahr 2021/22 ist der Ethikunterricht beginnend mit der 9. Schulstufe zweistündig ein verpflichtendes Fach. Dieser bietet den Schüler:innen die Gelegenheit, sich mit den wichtigen Grundfragen und den verschiedenen Deutungen der Wirklichkeit auseinanderzusetzen sowie Grundwerte unserer Gesellschaft kennen und verstehen zu lernen. Mit dem Schuljahr 2019/20 gibt es aufsteigend von der 5. bis zur 8. Schulstufe eine Stunde pro Woche das Fach „W.I.R.: Werte – interkulturelles Lernen – Religionen“. Der W.I.R.-Unterricht ist ein Begegnungsunterricht, der Schüler:innen die Möglichkeit bietet, gemeinsam zu philosophischen und religiösen Fragestellungen Wissen zu erwerben. Er ermöglicht über
Gemeinsamkeiten und Unterschiede ins Gespräch zu kommen und auf Augenhöhe mit- und voneinander zu lernen. Inhaltlich fördert der W.I.R. Unterricht die von der Europäischen Union beschriebenen gemeinsamen Grundwerte wie Menschenwürde, Demokratie, Vielfalt, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität oder die Gleichheit von Menschen. Er leistet einen Beitrag, Gesellschaft miteinander zu denken und zu gestalten.

LEHRPLAN
Dieser wurde ausgehend von den Schulversuchslehrplänen für Ethik an der AHS-Unterstufe, den religiös-ethisch-philosophischen Anteilen der allgemeinen Lehrpläne sowie den Lehrplänen der einzelnen Religionen für die entsprechenden Schulstufen erarbeitet.

Interkulturelles Lernen ist bereits seit 1992 als fächerübergreifendes und fächerverbindendes Unterrichtsprinzip in den Lehrplänen aller allgemein bildenden Schulen verankert. Zahlreiche Fachlehrpläne enthalten ebenfalls implizite und explizite Bezüge zur Interkulturellen Bildung.
Der Grundsatzerlass Interkulturelle Bildung, der 2017 gemeinsam mit Expert/innen unterschiedlicher Disziplinen erarbeitet wurde, beschreibt Inhalte und Umsetzung des Unterrichtsprinzips Interkulturelles Lernen. Er trägt dazu bei, dass das gemeinsame Lernen im Schulalltag in einer wertschätzenden und respektvollen Atmosphäre gelingen kann.

Wie gut, daß Sie mit Ihren Fragen doch dazu verleiteten, die gesamte Sendung anzusehen. Es war doch eine Lehrstunde an diesem Sonntag, ein erster Adventsonntag kann nicht besser begangen werden, wie einen Samstag später, am 7. Dezember 2024, festgestellt werden kann, nach einer Woche, in der beginnend am Mittwoch diese Adventstunde häppchenweise im Nachhinein angesehen wurde …

Barbara Tóth lehrte, daß ein „Pilotprojekt“ die „Antwort auf genau solche Herausforderungen“ wäre, während bis zur ihrer Unterichtung gedacht wurde, mit einem „Pflichtgegenstand“ wäre die Antwort bereits gegeben worden.

Christoph Schönborn las nichts vor von einem „Pflichtgegenstand“, wofür er auch Papiere aus seiner eigenen Organisationen hätte heranziehen können, sondern er antwortete der Lehrenden Tóth:

Christoph Schönborn: Das paßt in der Realität nicht. Weil Menschen Werte nicht abstrakt haben. Werte haben immer eine konkrete Gestalt. Für das Christentum sind das die Werte des Evangeliums, das heißt, Mitgefühl, Nächstenliebe, Sorge für die Armen, Zuwendung zu den Notleidenden. Das sind die Werte die im Evangelium ganz konkret gestaltet sind. Wo wollen Sie die Werte für einen allgemeinen Werte-Unterricht hernehmen? Der Islam hat auch seine beachtlichen Werte, die sehr oft in den Schatten gestellt werden durch den politischen radikalen Islam, aber die Alltagstugenden, die viele Muslime bei uns leben, und zwar sehr anständig, die brauchen ein konkretes Gefäß, eine konkrete Gestalt, deshalb ist unser Modell, das wir praktizieren in der pädagogischen Hochschule, St. Pölten und Wien, die die größe pädagogische Hochschule in Österreich ist, die kirchliche, dort haben wir eine interreligiöse Religionslehrerinnen- und -lehrerausbildung, eine interreligiöse, die Muslime, die Juden, die Buddhisten, die Protestanten, die Katholiken, alle werden dort gemeinsam für den Relligionsunterricht ausgebildet, das ist der Weg, wie wir gemeinsam Werte vermitteln können.

Barbara Tóth: Aber auf der islamischen Seite gibt es meines Wissens solche interreligiösen oder religionsübergreifenden Ausbildungen derzeit nicht, oder?

Christoph Schönborn: Bei uns schon.

Barbara Tóth: Nein, ich mein auf der islamischen Seite.

Christoph Schönborn: Nein. Die islamischen Religionslehrer werden auch auf der kirchlich-pädagogischen Hochschule ausgebildet. Natürlich haben sie ihren eigenen, jede dieser Religionen und Konfessionen haben ihren eigenen Teil, aber sie haben einen gemeinsamen Sockel. Sie werden wirklich gemeinsam ausgebildet. Das ist ja die geniale Idee gewesen, die Gründung dieser pädagogischen Hochschule, daß sie wirklich religionsverbindend ist. Und wir brauchen solche religionsverbindende Projekte und nicht ein säkularisiertes abgespecktes Wertesystem, das kein existenzielles Fundament hat.

Andreas Mayer-Bohusch: Kommen wir kurz noch einmal zurück zur Migration, Sie sagen […]

„Kommen wir kurz noch einmal“ auf die von Andreas Mayer-Bohusch gezeigte Graphik zurück. Welches Kind, in Erinnerung an die eigene Kindheit, sagte von sich aus, mit sechs oder sieben oder acht Jahren, es sei katholisch, es sei islamisch — Säßen die Eltern statt ihren Kindern in den Volksschulen, wäre korrekt zu schreiben: „Religionen in den Wiener Volksschulen“. Aber es sind deren Kinder, die die Volksschulen besuchen, so kann die Überschrift der Graphik korrekt nur lauten:

„Religionen der Eltern der Volksschüler und der Volksschülerinnen an Wiener Volksschulen“ …

Die Kinder werden Organisierten Glauben aufgrund ihrer Eltern zugeordnet, die Kinder sind von ihren Eltern glaubensgebrandmarkt — Das so gar beklagte Austreten etwa aus der katholischen Kirche ist also nicht die Abwendung vom Glauben, weil es keine eigene Hinwendung je gab, nicht die Aufgabe des Glaubens, weil es keine eigene Annahme des Glaubens je gab, sondern stets das auferzwungene Austreten aus einer Organisation, in die nie ein bewußtes Eintreten aufgrund einer freien Entscheidung des Kindes stattfand, sondern immer nur durch die Nötigung seiner Eltern … Es muß gar nicht von einem Irrglauben geschrieben werden, es reicht: Glaube. Was für ein Glaube, Kinder blieben ihr Leben lang das, was ihre Eltern sind, das, zu dem ihre Eltern sie von Geburt an vergatterten … Und so werden sie statistisch eingereiht, als das, was nicht sie sind, sondern ihre Eltern —

Die Wahrheit ist IHm ein hohes Mannesgut

Sie haben mit der Frage, ob er außer der Blausegnung in dieser weihevollen mittäglichen Fernsehsendung noch etwas hervorbrachte, das lohnend wäre, zu erwähnen, dazu genötigt, doch die gesamte Sendung anzusehen, trotz der Einstellung, eine verpaßte Sendung je eine verpaßte Sendung sein zu lassen, und diese also nicht nachträglich, drei oder vier Tage später aus dem Archiv zu holen …

Es reicht Ihnen nicht, was die Tageszeitung „Kurier“ am Montag darauf …

Frauenfrage

Zurückhaltend gibt sich Schönborn beim Thema Frauen in kirchlichen Weiheämtern. Entgegen der Hoffnung vieler erfolgte dazu bei der jüngsten Weltsynode keine Klärung. „Eine Änderung kann nur ein ökumenisches Konzil beschließen“, betont der Kardinal und stellt die Frage in den Raum: „Sind wir im Jahr 2024 so viel gescheiter als eine 2.000 Jahre alte Tradition? Es kann sein.“ Die Frage sei, ob dies wirklich der Wille Gottes sei. Schönborn bezweifelt, dass es bald zu einer Entscheidung kommen werde. „Das Thema bleibt aber auf dem Tisch.“

diese Verkürzung des Gesamten dazu …

Barbara Tóth: Sie sprechen an den Priestermangel, Sie kennen jetzt sicher das Thema, nämlich die Frauenfrage. Auch das war auf der Weltsynode ein wichtiges Thema. Wir haben auch ein Bild vorbereitet, da sieht man deutsche selbsternannte Bischöfinnen, die stark dafür eintreten, daß auch Frauen ein Amt in der Kirche haben dürfen. Als Minimialziel haben viele gesehen, daß zumindest Ordensfrauen als Diakoninnen geweiht werden dürfen, in Zukunft. Auch das konnte nicht beschlossen werden. Wenn es nach Ihnen persönlich gegangen wäre, hätte man diesen Schritt wagen können?

Christoph Schönborn: Ich kenne persönlich eine ganze Reihe Frauen, auch wirklich befreundet, die von sich sagen, ich habe eine Berufung zur Priesterin, zur Diakonin. Ich kann nur sagen, das akzeptiere ich und ich halte das für etwas Schönes und Starkes. Aber das hat nicht direkt zu tun mit der Frage der Gleichberechtigung. Denn es gibt kein Recht auf ein Amt in der Kirche. Es gibt Berufungen dazu und Zulassungen dazu. Nun gibt es eine zweitausend Jahre alte Tradition, die auf Jesus selber zurückgeht, nämlich daß er zwölf Männer als Apostel gewählt hat und deren Nachfolger durch 2000 Jahre Männer waren. Jetzt kann man darüber diskutieren, ist das patriarchalisch, woher kommt das, warum ist das so. Eines ist für mich klar, eine Änderung dieser Vorgabe, die für die katholische Kirche eine Vorgabe, die auf Jesus zurückgeht, ist, das kann nur ein ökumenisches Konzil entscheiden. Das kann nicht eine Synode, die obendrein keine Entscheidungsvollmacht hat, sondern Vorschläge an den Papst abstimmt, und dieser Vorschlag, Diakoninnen zu weihen, ist nicht formalisiert gewesen, sondern es war eine offene Frage.

Barbara Tóth: Was sind denn die Gründe jetzt, wenn man quasi innerhalb der Kirche diskutiert, daß man sagt, wir sind noch nicht reif dafür, also was ist das schlagende Argument dagegen? Außer der Tradition und der 2000 Jahre, wo man es halt anders gemacht hat. Hat man Angst?

Christoph Schönborn: Nein. Nein. Es ist nicht eine Frage der Angst, sondern, das ist, ich sag das ganz einfach so. Sind wir im Jahr 2024 so viel gescheiter als eine zweitausendjährige Tradition, die auch argumentiert worden ist, die, über die man viel sagen kann, sind wir so viel gescheiter, daß wir sagen können, das war jetzt zweitausend Jahre lang ein Irrtum? Es kann sein, es kann sein, ich glaub vor allem, daß der heilige Geist die Kirche, ich hoffe doch, daß der heilige Geist in der Kirche etwas zu tun hat, ja, vielleicht sogar viel zu tun hat, aber ob das jetzt wirklich der Wille Gottes ist, ob das dem entspricht, was Jesus in seine Stiftung hineingegeben hat, das zu prüfen und das zu entscheiden, das wird, das kann passieren, aber ob das jetzt passieren, daran zweifle ich.

Barbara Tóth: Jetzt, in den nächsten 30 Jahren, in den nächsten 60 Jahren?

Christoph Schönborn: Schauen Sie, ich bin kein Prophet oder eine Prophetin.

Barbara Tóth: Die Kirche denkt in Jahrtausenden.

Christoph Schönborn: Das wird sich zeigen. Das Thema bleibt am Tisch. Aber eines möchte ich auch sagen, nach doch einiger Kenntnis, die ich von der Weltkirche hab, weltweit sind Frauen überall in Leitungspositionen, nämlich, ich nenne Ihnen ein Beispiel. Mein Cousin ist Priester in Equador, er hat dort eine Gemeinde mit fünfzig Dörfern. Ich habe ihn dort besucht, wir haben einige dieser Dörfer besucht, alle diese Recintos, diese Dörflein sind praktisch von Frauen geleitet.

Barbara Tóth: Es könnte doch die Kirche vom Süden lernen.

Christoph Schönborn: Das könnte, ja, ich sage immer als Beispiel, ich nenne jetzt nicht den Namen dieser Pfarre, wir haben eine Gemeinde hier in Wien, die von einer Frau geleitet wird, und das ist auch in unserem Programm so vorgesehen, daß die sogenannten Teilgemeinden auch von Laien geleitet werden können und sollen, da sind wir noch sehr wenig weit in der Entwicklung. Aber ich muß sagen, diese Pfarre ist für mich ein großes Vorbild, wie dort Familienarbeit geschieht, wie dort Lebendigkeit ist, da habe ich überhaupt kein Problem damit, daß Frauen auch Gemeinden leiten können. Das Pfarramt ist für uns an das Priestertum gebunden und Pfarrer ist im Moment nur so möglich.

Die Wahrheit ist ihm ein hohes Mannesgut.

Auf seine weihevolle Erzählung in dieser sonntäglichen weihevollen Stunde braucht nicht mit langen Erklärungen geantwortet zu werden, es genügt hinzuweisen, hinzuweisen nicht nur auf die eine „Apostelin der Apostel“ —

Ob zweitausend Jahren später, wie Christoph Schönborn fragt, die Menschen gescheiter wären, ist mit einer solchen Frage bis zu ihrer Kenntlichkeit hinlänglich beantwortet, wenn jedoch nicht nach dem Gescheitsein gefragt wird, sondern nach dem Erlebten vor rund zweitausend Jahren, kann gesagt werden, sie wußten mehr um das Geschehen rund um den Stifter, lebten sie doch in dieser Zeit, wie Paulus, wenngleich dieser lediglich ein indirekter sogenannter Zeitzeuge war, weil er mit dem Stifter nicht persönlich bekannt war, wie Christoph Schönborn mit ihm nicht persönlich bekannt ist, zu dem er in seinem Aposteljahr vor fünfzehn Jahren im Discotanzwagen pilgerte:

Paulus dagegen versteht den Begriff ganz anders. 24 Mal spricht er in seinen Briefen von Aposteln und Apostelinnen und meint damit nie die Zwölf, sondern vor allem Botinnen und Boten seiner Gemeinden und besonders wichtige Missionarinnen und Missionare. Auch sich selbst bezeichnet er als „Apostel Jesu Christi“, obwohl er nicht zur Gruppe der Zwölf gehörte und Jesus gar nicht persönlich kennengelernt hatte.

Die römische Gemeinde vor 2.000 Jahren wusste es natürlich, denn sie kannte Junia. Doch wie können wir heute herausfinden, wer gemeint ist, zumal uns die Namen Junia und Junias beide nicht geläufig sind?

Der Theologin Bernadette J. Brooten ist es bereits in den 1970er-Jahren gelungen, das Rätsel zu lösen. Zunächst studierte sie alte Bibelauslegungen und stellte fest, dass der Akkusativ „Junian“ erst seit dem 15. Jahrhundert als zu einem Männernamen gehörig gedeutet wurde.

Bis ins Mittelalter hinein gingen Auslegungen und Bibelabschriften von einer Frau aus. Auch gibt es antike Abschriften des Römerbriefs – die Schriften des Neuen Testaments mussten jahrhundertelang durch Abschreiben vervielfältigt werden -, in denen aus dem Namen „Junia“ eine „Julia“ wurde. 

Die Abschreiber, die diesen Schreibfehler machten, hielten es also für klar, dass Paulus hier eine Apostelin grüßt. Bernadette Brooten studierte darüber hinaus auch nichtbiblische antike Schriften und Inschriften und fand heraus, dass „Junia“ ein weit verbreiteter Frauenname war, während es keine Belege für den männlichen Namen „Junias“ gibt. Schon allein deshalb war es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Paulus hier einen Mann grüßt, der einen völlig einzigartigen Vornamen trägt.

Nicht zuletzt legt auch der Römerbrief selbst nahe, an eine engagierte Frau und damit an ein gemischtgeschlechtliches Apostelpaar zu denken. In Röm 16 grüßt Paulus zahlreiche Frauen, die Diakonin Phöbe etwa, Maria, die Frauen Tryphäna und Tryphosa, Rufus und seine Mutter, Nereus und seine Schwester sowie die Paare Priska und Aquilla und Philologus und Julia, die sich in der römischen Gemeinde engagierten, was in unterschiedlicher paarweiser Zusammensetzung geschah.

Erfolge der feministischen Bibelforschung

Doch offenbar ließ die Bezeichnung „Apostel“ lange Zeit die Vorstellung nicht zu, dass es sich um eine Frau handeln könnte. Erst die feministische Bibelforschung der letzten Jahrzehnte machte verdrängte und verschwiegene Jüngerinnen und Apostelinnen wieder sichtbar.

Mit Erfolg: Maria aus Magdala wird endlich wieder als Apostelin der Apostel gefeiert. Und Junia hat nach langem Verstecktsein schließlich ihren Weg in unsere Bibelübersetzung gefunden. 

Doch immer noch setzt sich das Unsichtbarmachen von Frauen fort: Schon heute schreiben manche Bibelwissenschaftler gelehrte Aufsätze über Junia und andere Apostelinnen, ohne die Forschungen ihrer Kolleginnen wie Bernadette Brooten zu erwähnen.

Sonja Angelika Strube, katholische Theologin, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands

Weihestunde mit Blaupreisung

Was waren das für Zeiten, als eine verpaßte Fernsehsendung eine verpaßte Sendung war, ohne die Möglichkeit, die Sendung nachträglich zu sehen, und so wäre es am verwichenen Sonntag geblieben, durch den generellen Vorsatz und ohne das Bedürfnis im konkreten Fall, eine übersehene „Pressestunde“ mit Christoph Schönborn je aus dem Archiv zu holen, um sich diese doch noch anzusehen, wäre am Montag darauf, dem 2. Dezember 2024, nicht in der Tageszeitung „Kurier“ der übergroße Artikel „Wir sollen einander nicht verteufeln“ erschienen, in dem eine Aussage recht hervorsticht:

Nicht anschließen will sich Schönborn der Kritik an der FPÖ, die auch für ihre jüngsten Wahlkampfslogans Anleihe im Christentum (Euer Wille geschehe“) genommen hatte. „Ich will als Bischof nicht der Belehrer der Nation sein“, betont er — und findet lobende Worte für FPÖ-Chef Herbert Kickl: „Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache: Aber als ich ihn in seiner Zeit als Innenminister um eine menschliche Lösung für Migranten aus dem Iran gebeten habe, haben sie alle Asylstatus bekommen.“ Und weiter: „Es ist wichtig, dass wir einander nicht verteufeln.“

Es ist dann doch unumgänglich, es nachzuholen, und also diese Weihestunde mit Lobpreisung anzusehen, um zu erfahren, was der leitende Angestellte dieses Organisierten Glaubens tatsächlich sagte. Und er sagt:

Andreas Mayer-Bohusch: Und wenn man jetzt vielleicht auch parteipolitisch einen kurzen Blick in die Regierungsverhandlungen werfen. Zum Beispiel die freiheitliche Partei hat im Wahlkampf schon mit christlichen Botschaften eigentlich auch gute Ergebnisse erzielt. Paßt das der katholischen Kirche oder sollte man sich da gegen diese Vereinnahmung auch eine parteipolitische nicht klar distanzieren.

Christoph Schönborn: Ich werde auf dieses Terrain nicht eingehen, weil ich hier nicht parteipolitische Äußerungen machen möchte, das war unsere Regel, wir halten, die Nähe einer politischen Partei zum Christentum oder zur katholischen Kirche bestimmt diese Partei selber und nicht eine Erklärung der Bischöfe […]

Barbara Tóth: Ganz möchte ich Sie nicht auslassen bei der Frage zur Politik, weil die FPÖ unter Herbert Kickl verwendet ja schon bewußt sein Jahren immer wieder biblische Metapher oder biblische Analogien, nur ein Beispiel, heuer im Wahlkampf war dieses „Euer Wille geschehe“ oder in der Bundespräsidentschaftswahl 2016 stand dort „So wahr mir Gott helfe“, „Abendland in Christenhand“, kann man das als Kirche einfach so stehen lassen, wenn eine Partei quasi diese Slogans nimmt, die in ganz vielen ihrer Werte so gar nicht dem christlichen Vorbild entspricht?

Christoph Schönborn: Ich möchte das bewußt nicht kommentieren. Ich habe auch gesagt, wenn jemand so einen Slogan in der Wahl verwendet, ist das seine Verantwortung, zu sagen, das gefällt mir oder das gefällt mir nicht. Ich möchte nicht als Bischof der fingerzeigende Lehrer der Nation sein, darin sehe ich nicht meine Aufgabe, meine Aufgabe sehe ich darin oder unsere Aufgabe als Bischöfe ist wirklich auf die christlichen Grundwerte hinzuweisen. Und. Ich möchte das einmal sagen, ich weiß damit mache ich mich nicht beliebt, wie Kickl Innenminister war, hat er in einer ganz schwierigen Frage, da ging es um Migranten aus dem Iran, christliche und andere Religionen, die hier in einer schwierigen Situation waren, und er hat, ich habe ihn dringend gebeten, hier eine wirklich menschliche Lösung zu finden, er hat das durchgezogen, sie haben alle Asylstatus bekommen. Das rechne ich ihm hoch an. Und ich halte es für ganz wichtig, daß wir einander nicht verteufeln.

Die gesamte Aussage von Christoph Schönborn erhellt, für welche Migrantinnen er ein sogenanntes offenen Ohr beim Innenminister fand, der Klientenliebe kann auch ein Innenminister sich nicht verschließen, solch eine Klientinnenchristlichkeit ist auch einem Innenminister eine Pflicht, die er gerne durchzieht,

solch ein dringendes Gebeten läßt die eigene Gesinnung für einen Augenblick vergessen machen, in solch einer Sekunde kann das Recht der Willkür folgen, und hienieden auf Erden den Lohn hierfür zu empfangen kann gewartet werden, aber allzu lange mußte der Innenminister auf diesen nicht warten, nur bis zu dieser sonntäglichen Weihestunde …

„Sie haben alle Asylstatus bekommen.“ Alle. Wie viele sind alle? Eine Zahl nannte Christoph Schönborn nicht, und nach einer Zahl wurde er auch nicht gefragt.

Mehr sagte er nicht? In einer ganzen Stunde? Nur das, die blaue Lobpreisung? Er sagte mehr, und was er sagte, sagte er weihevoll, so weihereich wie er befragt wurde, so weihereich antwortete er, und eine Weihestunde ohne eine Segnung ist keine Weihestunde, so segnet er den vom Amt des Innenministeriums Hinabgestiegenen, dem diese noch ein Zeichen der Vorsehung erscheinen muß, aufzufahren am dritten Tage, wann immer diese sein möge, in den Volkskanzl —

38 …

Am 27. November 2024 hat das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes seinen „Rechtsextremismus-Barometer“ präsentiert, und österreichgemäß ist die Antwort auf die Frage, „welche dieser Personengruppen hätten sie NICHT gern als Nachbarn?“ nicht, daß achtunddreißig Prozent keine Kärntnerischen, keine Steirirschen, keine Burgenländischen, keine Niederösterreichischen und so fort in ihrer Nachbarschaft gern haben wollen, weil diese Minderheiten wurden nicht abgefragt, die Antwort auf diese Frage war, 38 Prozent hätten nicht gern „Roma/Romnja und Sinti/Sintizze“ als Nachbarinnen.

In der breiten Berichterstattung war aber nicht dieses Ergebnis im Mittelpunkt, sondern, daß sechsunddreißig Prozent nicht gerne „Muslime/Musliminnen“ in ihrer Nachbarschaft hätten …

Geradeso, als wäre das das erschütterndste Ergebnis dieser Umfrage. Dabei wurde gar nicht gefragt, ob sie nicht gern ausländische Menschen als Nachbarn hätten, es wurde gefragt, ob sie nicht gern Muslime/Musliminnen als Nachbarinnen hätten, also es wurde gefragt nach Nachbarn, die sie nicht gerne als Nachbarinnen hätten, mit einer Organisierten Weltanschauung, in diesem Fall nach Nachbarinnen mit einer islamischen Weltanschauung.

Was daran schlagzeilenträchtig sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Wer will schon in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Weltanschauung, die der eigenen Weltanschauung zuwiderläuft? Mehr oder weniger zeitgleich wird vom Exodus berichtet, in Österreich, viele verlassen nun X, weil ihnen die Nachbarschaft zuwider ist, sie ziehen in eine Nachbarschaft in der Hoffnung, dort nur noch unter Gleichgesinnten zu sein, unter einem Himmel, der nicht getrübt ist von anderen Weltanschauungen, aber den blauen Himmel, den sie sich mit ihrem Umzug erhoffen, gibt es nicht, auch unter ihrem blauen Himmel sind sie schon da, die Menschen mit anderen Weltanschauungen … rührend, noch zu glauben, Nachbarschaftsburgen —

Und auch im Fernsehen, beispielsweise am 28. November 2024, im Mittelpunkt die Weltanschauung:

Ani Gülgün-Mayr: Gestern wurde eine der umfassendsten Studien der österreichischen Bevölkerung präsentiert, vom Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, und es war ziemlich ernüchternd, was dabe herausgekommen ist, nämlich, zum Beispiel ein Drittel hat nichts gegen einen starken Mann, der sich nicht ums Parlament kümmert, und 36 % geben auf die Frage, wen sie nicht gern als Nachbarn hätten, Muslime an. Was sagen uns diese Ergebnisse?

Cornelius Obonja: Ich glaube zweierlei, erstens, jetzt kann man natürlich immer wieder sagen, die große Politikverdrossenheit, es gibt vieles, was, es gibt unendlich viele Ängste, Ängste, Dinge zu verlieren, Ängste, allein zu bleiben, Ängste, nicht mitgenommen zu werden, und viele Dinge, die eigentlich wunderbar funktionieren, die auch Dank der Europäischen Union sehr gut funktionieren. Ich darf erinnern, es ist jetzt zum Beispiel gerade eine Direktive herausgekommen, das zum Beispiel, was den black friday betrifft, daß da nicht herumbetrogen wird […] Das andere, was die Muslime betrifft, ist es wahrscheinlich verständlich, ich glaube, daß da vieles unterlassen wurde, wo man immer wieder gesagt hat, ja, offene Hand, die sollten wir haben, die müssen wir haben, das ist das, was Humanität bedeutet, schlicht und ergreifend, ein Mensch, der, niemand, niemand auf der ganzen Welt geht freiwillig aus seiner Heimat weg, das glaub ich nicht, ja, und selbst wenn das Leben da so schlecht ist, daß man nicht weiterkommt, wenn man sich das einmal auf die eigene Person umlegt, wie würde es mir gehen, wenn ich weg müßte, ganz einfaches Beispiel, stellen Sie sich vor, das Wiener Wasser wäre so schlecht, daß ich da nicht mehr leben kann, dann bricht auch hier noch viel mehr die Wirtschaft zusammen, als an allen schiefgegangenen black friday, und dann wenn ich weggehen müßte, würde ich mir auch wünschen, daß es im Land, das mich vielleicht aufnimmt, zumindest erst einmal eine offene Hand gibt. Dann können wir über alles reden. Müssen wir auch reden. Es ist viel falsch gelaufen, was die sogenannte Integration betrifft. Gibt es allerdings auch von den Integrationswilligen tatsächlich auch eine massive Bringschuld, als da wäre in unseren Breiten selbstverständlich Deutsch als Selbstverständlichkeit zu lernen, sich darum zu kümmern, wie die hiesigen Gepflogenheiten sind, und dann muß man sehen, daß man sich eben auch den hiesigen Dingen anpaßt, auch das gehört dazu. Da ist viel schiefgelaufen, aber wir werden es nur gemeinsam regeln können, durch Ausgrenzung und Abgrenzung und den Staat in eine Art von, wie soll ich sagen, in eine Art von orbánischer, Populismusprater umbauen zu wollen, ist, glaube ich, nicht die Lösung. Bei der letzten Nationalratswahl haben das auch 70 % der Österreicher erkannt, daß das nicht die Lösung ist.

Ali Gülgün-Mayr: Cornelius Obonja, vielen Dank.

Kultur heute, menschgemäß an erster Stelle die Faszination des „starken Mannes“, und dann gleich die 36 Prozent der Menschen in Österreich, die nicht gern diese Organisierte Weltanschauung in ihrer Nachbarschaft hätten. Selbstverständlich werden in der Berichterstattung später, weiter unten „Roma und Sinti“ erwähnt, aber die Schlagzeilen sind „Muslime“, wenn über diese Umfrage berichtet wird, ist es eben unvermeidbar, doch auch die Ergebnisse der anderen Fragen zu erwähnen, wenngleich es wohl vielen es gern gewesen wäre, die 38 Prozent, die sich gegen eine Nachbarschaft von „Romnja und Sintizze“ aussprechen, nicht erwähnen zu müssen.

So nicht erwähnen zu müssen, wie zwei Begriffe in diesem Österreich gescheut werden, gescheut werden, wie Gott die Aufklärung fürchtet.

Achtundreißig Prozent hätten nicht gern diese Menschen als Nachbarinnen, das aber nicht, weil sie einer bestimmten Weltanschauung anhängen, sondern weil sie sind, von ihren Weltanschauungen, von ihren Orientierungen her können sie alle Weltanschauungen, alle Orientierungen haben, die es auf dieser Welt gibt, bei diesen Menschen aber ist es vollkommen gleichgültig, welche Orientierung, welche Weltanschauung sie haben, es reicht 38 % der Menschen in Österreich, daß sie sind, daß sie existieren, ihre bloße Existenz reicht aus, sie trotz auch österreichischer Staatsbürgerschaft nicht als Nachbarinnen gern haben zu wollen, so wie ihr Dasein ausreichte, sie in ihrer Gesamtheit vernichten zu wollen.

Wenn an dieser Umfrage etwas erschütternd ist, dann dieses Ergebnis, in Österreich, im Portschyreich, dessen Namensgeber ein Burgenländer,

wenn an dieser Umfrage etwas erschütternd ist, dann dieses Ergebnis, in Österreich, im Kloepferland, dessen Namensgeber ein Steiermärkischer,

verehrt, gepriesen nicht nur von einem Hermann, seiner Partei ein Dichter der Heimat

Achtunddreißig Prozent hätten nicht gern diese Menschen, zu denen beispielsweise einem Ben Becker das in Österreich nach wie vor so gern gehörte und gehabte „Zigeuner“ einfällt, als Ihre Nachbarn, 38 % hätten nicht gern diese Menschen als ihre Nachbarinnen, und der einzige Grund, weshalb sie diese Menschen nicht in ihrer Nachbarschaft gern haben wollen, ist, daß sie sind, ihr Dasein, ihre Existenz reicht, um sie nicht in der Nachbarschaft haben zu wollen, deren Weltanschauungen, deren Orientierungen spielen dabei keine Rolle, sie seien ihnen wohl das, was Tobias Portschy in seinem, wenn es richtig in Erinnerung, letzten Interview irgendwann vor seinem Tod 1996 sagte, von Menschen sagte, die für ihn „Krätze“ … Und bei Menschen, die gesinnungsgemäß mit „Krätze“ verglichen werden, wird nicht nach Weltanschauungen, nicht nach Orientierungen gefragt, hier zählt nichts oder nur eines, sie nicht haben zu wollen, sie nicht in die Nachbarschaft zu lassen, und wenn doch, sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden, durch „Remigration“ oder

durch Mord, wie es geschehen ist, und wenn sie ermordet werden, dann sind die Mordenden zuerst, zuallererst unter ihnen selbst zu suchen, wie es geschehen ist, und auch hier hat sich eine Partei hervorgetan, die diese brauchtümelnde Weltanschauung Pflicht …

Heldenplatz, November 2024

Diesem Häufchen an Demonstrierenden wäre ihre Demonstration am 30. November 2024 also wirtschaftsliberal untersagt gewesen,

Die Untersagung erfolgte, da die Prüfung ergab, dass das Recht auf Erwerbsfreiheit der Betriebe der Wiener Einkaufsstraßen und das Interesse der Allgemeinheit am unbeeinträchtigten Verkehrsfluss jenem des Versammlungsanzeigers an der Durchführung der Versammlung überwiegen.

Polizei Wien, LPD Wien, 28. November 2024 X

Die Wirtschaft liegt am Boden, speziell dem Handel geht es sehr schlecht. Die Einkaufssamstage vor Weihnachten sind also enorm wichtig und die Menschen wollen in Ruhe einkaufen. Völlig fahrlässig und wirtschaftsschädlich gerade dann zu Demos aufzurufen

Beate Meinl-Reisinger, 29. November 2024 X

so wilkürlich die Untersagung kam, so willkürlich kam am 29. November 2024 die Nicht-Unterlassung, und so war am 30. November 2024 auf dem Heldenplatz dieses Häufchen an Demonstrierenden zu sehen, ein Häufchen, das weder die „Erwerbsfreiheit der Betriebe der Wiener Einkaufsstraßen“ noch „das Interesse der Allgemeinheit am unbeeinträchtigten Verkehrsfluss“ … Was außerhalb des Heldenplatzes an diesem Samstag zu sehen ist, ist ein nicht „unbeeinträchtigter Verkehrsfluss“ ganz ohne Demonstration durch den Verkehr selbst …

Und was noch zu sehen ist, an diesem Samstag, auf dem Heldenplatz, sind zwei bereitgestellte Wasserwerfer der Polizei, direkt geparkt unter den Räumen, unter denen der Raum mit der Tapetentür —

Zwei Wasserwerfer für oder gegen das Häufchen von zivilen Demonstrierenden, zwei Wasserwerfer aber auch gegen polizeiliche Demonstrierende, die ihre Teilnahme an dieser Häufchendemonstration nicht verbergen, sondern mit einem Transparent „PGF Polizisten für Grund- und Freiheitsrechte Wir gemeinsam mit Euch“ treumutig bekennen …

Und was noch zu sehen ist, an diesem Samstag auf dem Heldenplatz, eine etwa dreißigköpfige Polizeigruppe aufgestellt in einem Kreis, als bildete sie eine Wagenburg, von dem Haupthäufchen rund um das Redepodestchen etwas weiter abgestellt, ganz für sich, so daß nicht gesagt werden kann, gehört sie als teilnehmende zur Häufchendemonstration und veranstalten etwas verschämt aber auch vorsichtig, da doch in Uniform, ein Stand-in, einen Stehstreik, oder gehört sie zur Wasserwurfeinheit …

Gibt es nur heitere Eindrücke zu berichten, von dieser Heldenplatzhäufchenstanddemonstration, keine Informationen, wenigstens etwas Informatives? Doch, durchaus, bis zu diesem Heldenplatzstand-in war ein Verein von Polizisten und Beamtinnen für Grund- und Freiheitsrechte nicht bekannt,

Die Gründung des Vereins „Polizisten für Grund- und Freiheitsrechte“ ist das Resultat und die logische Konsequenz politischer, aber auch gesellschaftspolitischer Fehlentscheidungen, beginnend mit der sogenannten „Covid-19- Pandemie“. Im Verein engagieren sich Polizistinnen und Polizisten für die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere der österreichischen Bundesverfassung, der immerwährenden Neutralität, sowie für die uns allen zustehenden Grund- und Freiheitsrechte.

Eine Demonstration mit dieser lächerlichen Begründung behördlich zu verbieten, impliziert, dass wohl künftig jede nicht „regierungsgenehme“ Demonstration, untersagt werden kann und wird. Mit dem unter den Covid-19 Pandemic Worldgames damals etablierten „neuen Normal“ werden wir uns wohl zukünftig darauf einstellen müssen, dass die Freiheit wie wir sie noch kannten, welche unter unfassbaren Entbehrungen, Blut und Tränen unserer Vorfahren erkämpft wurde, wohl Vergangenheit ist. Es sei denn, wir weichen keinen Schritt zurück, stemmen uns friedlich dem eisigen Wind entgegen, bleiben im Vertrauen und lassen uns nicht (noch) weiter spalten. Wir sind es künftigen Generationen schuldig diese, uns seit Jahrzehnten bekannten Freiheiten, insbesondere das Recht auf Versammlung und Demonstrationsrecht, wie auch das Recht auf freie Meinungsäußerung zu bewahren.

ein Verein, der gar geschichtsreichbewußt zu erzählen weiß, auch das, wer „unter unfassbaren Entbehrungen, Blut und Tränen“ … die „Vorfahren“ seien es gewesen, aber es wird nicht erzählt, wessen „Vorfahren“ es gewesen seien … Gekämpft haben wohl die „Vorfahren“, auch die dieses Vereins Mitglieder, aber nicht alle haben für die „Freiheit“ oder gar die „Freiheit erkämpft“ …