Bloß ein Verein von Brüdern, aber keine Bewegung

Dem Bardenspruch „deutsch und wahr“ folgt Martin Sellner nicht. Vielleicht meinen die „Barden“ selbst, ihr eigener Spruch sei ausschließlich beim Singen zu befolgen. Für das Übrige gilt ohnehin „Ehre, Freiheit und Vaterland“. Und er hat es ja nicht gesungen, sondern geschrieben:

„kümmer dich lieber um die schwerverletzten Demoteilnehmer,“

Martin Sellner - deutsch und wahr sei dein Gesang, nicht aber deine RedeNun ja, wie deutsch und wahr sein Geschreibe ist … In der Collage kann gelesen werden, wie es sich mit den Verletzungen verhält.

Martin Sellner reagierte mit dieser gar deutschen und wahren Mitteilung auf:

Identitäre Bande zieht nächtens zu den Barden im Achten – Und immer wieder FPÖ-Nationalratspräsidenten

NS Wegen des Duzens will nicht streng geurteilt werden. Es ist halt ein junger Mann, mit Bildung zwar – und darüber hinaus möglicherweise sogar aus einem sogenannten bildungsnahen und ökonomisch recht gut abgesicherten Elternhaus –, aber, bei einem jungen Mann darf das durchaus angenommen werden, durch zu viele Besuche von amerikanischen Fastfoodlokalen und zusätzlich durch zu viele Möbeleinkäufe in schwedischen Einkaufshäusern für das Siezen verloren, vielleicht reichte schon ein einziger Burger, um für immer verdorben zu sein – für das Siezen.

Identitäre Bewegung ist bloß ein VereinNNS Identis sprechen großspurig von einer Bewegung, Medien schreiben das kleindenkerisch nach. Aber es ist bloß ein Verein, nur ein Verein, zwei Buben, nun im jungen Erwachsenenalter, haben den Sandkasten gegen den Sandkasten der Erwachsenen getauscht, und einen eigenen Verein gegründet; schließlich, und das kann den Sellner-Brüdern nicht verübelt werden, will ein jeder Mensch schnell zu den Erwachsenen gezählt werden. Und wenn zwei Brüder für die Erhaltung ihrer Geschwisteridentität meinen, einen eigenen Verein hierfür brauchen zu müssen, scheint es eine äußerst schwache Identifikation zu sein. Gleichviel. Es ist in zweifacher Hinsicht keine Bewegung, also auch aus inhaltlicher Sicht ist von keiner Bewegung irgendwohin und schon gar nicht nach vorne zu sprechen. Es ist eine Familiensache im Grunde und als solche von medialer Bedeutungslosigkeit …

Identitäre Bande zieht nächtens zu den Barden im Achten – Und immer wieder FPÖ-Nationalratspräsidenten

„Soeben wurde ich Zeuge eines mitternächtlichen Aufmarsches der Identitären in der Josefstadt. Eine grölende, betrunkene Horde von etwa 150 Identitären mit Megaphon, Fahnen und benaglischen Feuern wurde von der Polizei durch die Laudongasse in eine deutschnationale Burschenschaft in der Albertgasse ‚eskortiert‘, statt dass diese illegale Kundgebung sofort aufgelöst worden wäre. Es ist völlig inakzeptabel, dass ein gröhlender Mob um Mitternacht unbehelligt die Straßen der Josefstadt durchziehen kann. (Die ‚Barden zu Wien‘ in der Albertgasse 51 rühmen sich u.a. der Mitgliedschaft des ehemaligen Polizeipräsidenten und Bundeskanzlers Johann Schober, der am 15. Juli 1927 den Befehl gab, in die demonstrierende Menge vor dem Justizpalast schießen zu lassen.)
Als stellvertretender Bezirksvorsteher werde ich vom Polizeikommandanten der Josefstadt eine Stellungnahme zu diesem Einsatz fordern.“

identitäre bande zieht es zu den barden in die josefstadt - wienEs muß zum Bericht von Alexander Spritzendorfer eigentlich nichts hinzugefügt werden. Wer nächtens derart durch Städte zieht, so viel Zeitgeschehen wird in dieser bildungsarmen, aber informationsüberreichen Zeit wohl noch gewußt werden … Und das vom stellvertretenden Bezirksvorsteher beigefügte und abspielbare Video läßt – nein, nicht verstummen, sondern …

… den Wählerinnen und Wählern in diesem Land muß immer wieder gesagt werden, wen sie wählen, wenn sie die FPÖ wählen, wenn sie diese identitäre Parlamentspartei, die sie nach eigener Bekundung ist, wählen.

Und es muß vor allem den Wählerinnen und Wählern im Parlament gesagt werden, wen sie immer wieder zu einem dritten Nationalratspräsidenten wählen, wenn sie einen aus der identitären Parlamentspartei wählen, mit derart erschreckend hohen Prozentsätzen.

Es müssen die Wählerinnen und Wähler im Parlament immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, daß es in diesem Land auch schon eine sogenannte Realpolitik gab, die nicht zwingend war, jeden Mann der identitären Parlamentspartei zum dritten Nationalratspräsidenten zu wählen, und schon gar nicht mit einer Mehrheit von weit über zwei Drittel.

Barden zu Wien - Genius Gerulf Stix freiheitlicher Nationalratspräsident

Die identitäre Bande zog also zu den Barden zu Wien, und wen kann es tatsächlich noch überraschen, daß ein kurzer Blick genügt, um sagen zu können: Und immer wieder ein freiheitlicher Nationalratspräsident mit am Kornblumenfeld. Die Barden pflegen, wie in der Collage, gelesen werden kann, Kontakt zu Gerulf Stix mit seinem Genius. Erst vor kurzem wurde der Genius von Gerulf Stix hier erwähnt, mit der Feststellung: Dritte Nationalratspräsidenten – Es kann auch anders gewählt werden.

Barden zu Wien SS 2016Das ist nun im Zusammenhang mit dem gestrigen Tag der dritte Abschnitt, der hierzu verfaßt werden mußte, nach: FPÖ-Unzensuriert-Schreibstaffel mit dabei und Sie kamen bis Meter 850.

NS Daß die Identis oder Patriotis sofort nach der Bundespräsidentschaftswahl derart unverschämt, derart widerwärtig aufzutreten wagen, scheint wohl auch ihrer immer noch anhaltenden Besoffenheit ob des hohen Prozentsatzes für Norbert Hofer geschuldet zu sein.

In welche Richtung eine solche Besoffenheit ob weiterer Prozentzuwächse oder gar Wahlsiege, die die identitäre Parlamentspartei zur stimmenstärksten Partei in Österreich machen könnte, es gehen könnte, welche Phantasien der Blutrünstigkeit es in diesen Kreisen gibt, es können hier nicht so viele Verlinkungen gemacht werden, als es zerstörerische Allmachtsphantasien gibt. Deshalb bloß stellvertetend zum Nachlesen:

„Am besten nach Buchwald“

„Nach der Wende – Steinbrüche“

„Ich sags mal unzensuriert … Kopfschuss, galgen“

„Nach der freiheitlichen Reform des ORF werden wir …“

„Krieg“

 

Unzensuriert-Schreibstaffel mit bis M 850

Zu

Sie kamen bis Meter 850

muß etwas nachgetragen werden.

Erstens, weil ein Identis-Mitmarschierer nicht nur die Schätzungen der Polizei in bezug auf die Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen von den Demonstrationen am 11. Juni 2016 in Wien ins rechte Licht rückt, und damit auch die recht geschönte Angabe der FPÖ unzensuriert korrigiert.

Unzensuriert FPÖ Antaios identitär

Zweitens wegen der nun versuchten Selbstinszenierung der Identis mit Unterstützung der parlamentarischen Identis als harmlose und friedliche Gruppierung. Gerade dieser Mitmarschierer hat erst vor kurzem vom Begehren nach einem Putsch, nach einer Bürgerwehr auf der Website der identitären Parlamentspartei als Ziele festgeschrieben, aber auch seine Abscheu von Wahlergebnissen geäußert, die seiner identitären Gesinnung widersprechen, für ihn ist Norbert Hofer „unser rechtmäßiger Bundespräsident“ … Auch das läßt tief blicken, was in diesen außerparlamentarischen und parlamentarischen Gruppen darunter verstanden wird, was „rechtmäßig“ und was nicht „rechtmäßig“ ist.

FPö unzensuriert Martin Lichtmesz Martin Sellner Austausch

Drittens weil dieser Mitmarschierer oder vielleicht doch Mitmarschiererin sich Antaios nennt. Wohl nach dem Verlag, in dem auch Martin Lichtmesz publiziert, auch mit Martin Sellner zusammen. Und Martin Lichtmesz ist neben NR Barbara Rosenkranz und Wolfgang Dvorak-Stocker und dem Waffenrassysten einer der wenigen namentlich Genannten von FPÖ unzensuriert …

Matin Lichtmesz FPÖ unzensuriert Lesung 20-04-2016 Identitäre

Wie in den Collagen ebenfalls gesehen werden kann, ist Martin Lichtmesz auch einer, der für Identis Lesungen hält, wie beispielsweise am 20. April 2016. Es wird nicht gewußt, ob er für seine Lesung am 20. April 2016 ein Motto hatte, wie dieser Tag in einer solchen Gesinnungsgemein-Schaft begangen wird. Parolen, Losungen sind in solchen Schaften recht beliebt, im Gegensatz von Lösungen im positiven Sinne und für die Menschen. Wäre es allzu verkehrt anzunehmen, das Motto seiner Lesung am 20. April 2016 könnte gewesen sein:  Deutsche Weihnacht‘ – Seht, ein Kindlein ward uns geboren?

Antaios - wegen Frauen und Mädchen demoralisiert

 

Sie kamen bis Meter Achthundertfünfzig

Identitäre kamen nur bis Westbahnhof

Der entscheidende Satz an diesem Samstag, dem 11. Juni 2016, wurde von einem Sprecher der Identitären vor der Wiener Stadthalle gesagt. Er meinte, wenn nicht so viele Medien anwesend wären, „wären wir um ein Drittel weniger“.

Seitens der Polizei wird eine Schätzung von „bis 800“ abgegeben, die Identitären nehmen diese Schätzung wohl recht dankbar auf und meinen „über 800“ … Hingegen die Schätzung der Polizei in bezug auf die Gegendemonstration: „500“ … Nun ja, die Fotos unten, aufgenommen von der Wiener Stadthalle bis zum Westbahnhof, geben bereits ersten einen Eindruck, was von diesen wohlmeinenden Schätzungen zu halten ist.

Ach, nicht einmal eintausend Menschen. Da ist es die treulieb‘ Pflicht, die ehrenreiche Aufgabe der Mannschaft und Frauschaft der Website der identitären Parlamentspartei, den außerparlamentarischen Identitären beizustehen, die Eintausend herbeizuzaubern; schließlich sind doch alle Identitären geeint durch die Vorstellung, Patrioten zu sein.

 

Zurück zum entscheidenden Satz dieses Tages.

Eine derartige mediale Aufmerksamkeit für ein Grüppchen mit fahnengeschmückten Stangen spornt natürlich eine derartige Gruppierung an, verhilft ihr zu einer Bekanntheit, die in keiner Weise der Bedeutung dieser Gruppierung entspricht.

Ohne Medien „wären wir um ein Drittel weniger“. Das heißt, es wären dann so etwa um die 150 Identitäre gewesen. Es waren auch Frauen dabei. Sollen diese Identitärinnen genannt werden? Die Befürchtung, es könnte bei schlampiger Aussprache als Identinärrinnen verstanden werden, ist zu groß. Deshalb fällt die Wahl auf eine geschlechtsneutrale Bezeichnung: Identis. Und Patriotis, um auch das geschlechtsneutral zu formulieren.

Über die Demonstration der Identis selbst ist nichts zu schreiben. Es war eine Demonstration, über die nur eines zusammengefaßt gesagt zu werden braucht: Polizei und Medien mit Identis kamen achthundertfünfzig Meter weit. Nicht einmal einen Kilometer schafften Patriotis.

Und der einzige wichtige Satz, der einzige zitierbare Satz von diesem ganzen Nachmittag des 11. Juni 2016 ist der Satz, ohne Medien „wären wir um ein Drittel weniger“ … Das ist der einzige Inhalt, dem fortan die ganze Aufmerksamkeit zu gelten hat: der Medienarbeit in diesem Land.

Die absolute Inhaltslosigkeit der Identis zieht also Medien an – der Vergleich mit dem Licht, das die Mücken anlockt, wäre im Zusammenhang mit Identis ein absoluter falscher –, hingegen meiden Medien …  veränderungsaktive Initiativen und Projekte in Österreich …

NS Das ist doch noch erwähnenswert. Identis wollten eigentlich von der Wiener Stadthalle bis zum Schloß Schönbrunn. Aber Identis kamen bloß bis zum Westbahnhof. Das ist eine Strecke von zehn Minuten Gehzeit. Identis brauchten für diese zehn Minuten natürlich viel, viel länger. Für achthundertfünfzig Meter konnten sie sich der Illusion hingeben, sie können die Straße erobern, aber daraus ist nichts geworden. Deshalb setzen Identis derart auf die Medien, und die Medien machen freiwillig und ohne Not mit, obgleich Identis nichts anzubieten haben, oder richtiger, sie bieten eben genau das an, was österreichische Medien gerade noch verstehen können: Inhaltslosigkeit.

NNS Beim Anblick dieser wenigen Fahnenstangenträgerinnen wurde gedacht, wenn diese wenigen alle wären, die die identitäre Parlamentspartei wählen, würden vielleicht auch die Medien das Interesse verlieren, weil es einfach eine von der Zahl her vernachlässigbare Gruppe wäre … inhaltlich sind sie es schon längst, waren es eigentlich immer …

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Migration ist des Menschen Heimat

Es heißt jetzt, Josef Hader ist Stefan Zweig. Aber, alle sollen Stefan Zweig sein, wie vor langer Zeit ausgeführt, weil es immer noch und immer mehr darum geht, gegen die Welt von gestern zu sein.

Es ist ein Film, der von den letzten Jahren des von Josef Hader gespielten Stefan Zweig erzählt, des Flüchtlings Stefan Zweig. Freilich wird bei herausragenden Menschen nicht davon gesprochen, er sei ein Flüchtling, sondern er ist Exilant. Eine Ehrenbezeichnung, und diese steht einem König des Geistes, einem Fürsten des Wortes auch rechtmäßig zu. Jedoch es ist ein zweifelhafter Titel. Denn. Das Exil ist kein Reich zum Leben. Und am Ende ist der Mensch im Exil schlicht ein Flüchtling.

Es sollen nicht nur alle Stefan Zweig sein, sondern auch der Flüchtling Stefan Zweig. Und dafür eignet sich dieser Film sehr gut, als Zuschauer und als Zuschauerin mit Josef Hader zum Flüchtling Stefan Zweig zu werden, um auf diese Weise eher zu verstehen, was es heißt, ein Flüchtling zu sein. Denn. Die sogenannten sachlichen Argumente, die Daten und Fakten, die ökonomischen, die sozialen, die politischen Zusammenhänge bringen immer weniger Menschen dazu, verstehen zu wollen, was es heißt, Flüchtling zu sein, was es sogar für einen Menschen heißt, Flüchtling zu sein, der zu seiner Flucht nicht auch noch die Last der Armut zu tragen hat, der sich überall auf dieser Welt ökonomisch gesichert sein Leben weiter gut einrichten könnte. Aber.

Es bräuchte den Film nicht, um auch zum Flüchtling Stefan Zweig zu werden, um also zu verstehen, wenn schon sogenannte sachliche Gründe zum Verstehenkönnen weniger und immer weniger gewollt werden, was es heißt, Flüchtling zu sein. Es reicht Stefan Zweig allein, der sich, lange bevor er zum Flüchtling werden mußte, vorstellen konnte, was es heißt, ein Flüchtling zu sein, wie er es im Jahr 26 des letzten Jahrhunderts in seiner Episode am Genfer See beschrieb.

Nahe des Genfer Sees starb ein weiterer Flüchtling, im April 1942. Auch einer aus Österreich, ebenfalls einer, von dem heute Österreich lebt als Kulturnation. Robert Musil hatte zur Last der Flucht die Sorge um den Lebensunterhalt. Im Februar zuvor nahm sich Stefan Zweig das Leben.

Es geht nicht um die Fürsten der Schrift. Es geht schon gar nicht um Österreich. Es geht um das Verstehen, was es heißt, Flüchtling zu sein, wie es auch die Episode am Genfer See erzählt, die sich vor bald einhundert Jahren zugetragen hat.

Und es geht immer noch und immer mehr und immer dringender auch darum, mit dem besonderen Blick auf Menschen, die flüchten müssen, daß es, wie es aller Menschen Zeitgenosse Stefan Zweig sagt, keine Opposition gegen den Krieg als solchen gibt, in keinem Land, daß es immer noch fehlt an einer Opposition gegen den Krieg als solchen, in jedem Land.

Auch dafür, um nicht wieder und wieder an Menschen appellieren zu müssen, doch verstehen zu wollen, was es heißt, Flüchtling zu sein, weil der grausamste Grund, der der Krieg nun einmal ist, wegfiele. Es blieben dann immer noch viele Gründe für die freiwillige Auswanderung und die widerwillig gewährte und allzu häufig abgelehnte Einwanderung, zum Unglück auch für die erzwungene Auswanderung und die verwehrte Einwanderung, Aber wie leicht ist es zu verstehen. Denn. Wenn es ein Synonym für Heimat gibt, dann ist es Migration. Wenn es für Migration ein Synonym gibt, dann ist es Heimat.

Heimat ist Migration, Migration ist Heimat, das lehrt die gesamte Menschheitsgeschichte von Anbeginn.

Flüchtlinge – Zwei Episoden am Genfer See

Flüchtlinge - Zwei Episoden am Genfer See - Musil Robert und Stefan Zweig

 Am Ufer des Genfer Sees, in der Nähe des kleinen Schweizer Ortes Villeneuve, wurde in einer Sommernacht des Jahres 1918 ein Fischer, der sein Boot auf den See hinausgerudert hatte, eines merkwürdigen Gegenstandes im Wasser gewahr, und näherkommend erkannte er ein Gefährt aus lose zusammengefügten Balken, das ein nackter Mann in ungeschickten Bewegungen mit einem als Ruder verwendeten Brett vorwärts zu treiben suchte. Staunend steuerte der Fischer heran, half dem Erschöpften in sein Boot, deckte seine Blöße notdürftig mit Netzen und versuchte dann, mit dem frostzitternden, scheu in den Winkel des Bootes gedrückten Menschen zu sprechen; der aber antwortete in einer fremdartigen Sprache, von der nicht ein einziges Wort der seinen glich. Bald gab der Hilfreiche jede weitere Mühe auf, raffte seine Netze empor und ruderte mit raschen Schlägen dem Ufer zu. In dem Maße, als im frühen Licht die Umrisse des Ufers aufglänzten, begann sich auch das Antlitz des nackten Menschen zu erhellen; ein kindliches Lachen schälte sich aus dem Bartgewühl seines breiten Mundes, die eine Hand hob sich deutend hinüber, und immer wieder fragend und halb schon gewiss, stammelte er ein Wort, das wie »Rossiya« klang und immer glückseliger tönte, je näher der Kiel sich dem Ufer entgegenstieß. Endlich knirschte das Boot auf den Strand; des Fischers weibliche Anverwandte, die auf nasse Beute harrten, stoben kreischend, wie einst die Mägde Nausikaas, auseinander, da sie des nackten Mannes im Fischernetz ansichtig wurden; allmählich erst, von der seltsamen Kunde angelockt, sammelten sich verschiedene Männer des Dorfes, denen sich alsbald würde bewußt und amtseifrig der wackere Weibel des Ortes zugesellte. Ihm war es aus mancher Instruktion und der reichen Erfahrung der Kriegszeit sofort gewiss, dass dies ein Deserteur sein müsse, vom französischen Ufer herübergeschwommen, und schon rüstete er sich zu amtlichem Verhör, aber dieser umständliche Versuch verlor baldigst an Würde und Wert durch die Tatsache, dass der nackte Mensch (dem inzwischen einige Bewohner eine Jacke und eine Zwilchhose zugeworfen) auf alle Fragen nichts als immer seinen ängstlichen Ausruf »Rossiya? Rossiya?« wiederholte. Ein wenig ärgerlich über seinen Misserfolg, befahl der Weibel dem Fremden, durch nicht misszuverstehende Gebärden, ihm zu folgen, und, umjohlt von der inzwischen Gemeindejugend, wurde der nasse, nacktbeinige Mensch in seiner schlotternden Hose und Jacke auf das Amtshaus gebracht und dort in Verwahr genommen. Er wehrte sich nicht, sprach kein Wort, nur seine hellen Augen waren dunkel geworden vor Enttäuschung, und seine hohen Schultern duckten sich wie unter gefürchtetem Schlag. Die Kunde von dem menschlichen Fischfang hatte sich inzwischen bis zu den nahen Hotels verbreitet, und einer ergötzlichen Episode in der Eintönigkeit des Tages froh, kamen einige Dame und Herren herüber, den wilden Menschen zu betrachten. Eine Dame schenkte ihm Konfekt, das er misstrauisch wie ein Affe liegen ließ; ein Herr machte eine photographische Aufnahme, alle schwatzten und sprachen lustig um ihn herum, bis endlich der Manager eines großen Gasthofes, der lange im Ausland gelebt hatte und mehrerer Sprachen mächtig war, an den schon ganz verängstigten nacheinander auf deutsch, italienisch, englisch und schließlich russisch das Wort richtete. Kaum hatte er den ersten Laut seiner heimischen Sprache vernommen, zuckte der Verängstigte auf, ein breites Lachen teilte sein gutmütiges Gesicht von einem Ohr zum anderen, und plötzlich sicher und freimütig erzählte er seine ganze Geschichte. Sie war sehr lang und sehr verworren, in ihren Einzelheiten auch nicht immer dem zufälligen Dolmetsch verständlich, doch war im wesentlichen das Schicksal dieses Menschen das folgende: Er hatte in Russland gekämpft, war dann eines Tages mit tausend anderen in Waggons verpackt worden und sehr weit gefahren, dann wieder in Schiffe verladen und noch länger mit ihnen gefahren durch Gegenden, wo es so heiß war, dass, wie er sich ausdrückte, einem die Knochen im Fleische weichgebraten wurden. Schließlich waren sie irgendwo wieder gelandet und in Waggons verpackt worden und hatten dann mit einemmal einen Hügel zu stürmen, worüber er nichts näheres wusste, weil ihn gleich zu Anfang eine Kugel ins Bein getroffen habe. Den Zuhörern, denen der Dolmetsch Rede und Antwort übersetzte, war sofort klar, dass dieser Flüchtling ein Angehöriger jener russischen Division in Frankreich war, die man über die halbe Erde, über Sibirien und Wladiwostok an die französische Front geschickt hatte, und es regte sich mit einem gewissen Mitleid bei allen gleichzeitig die Neugier, was ihn vermocht habe, diese seltsame Flucht zu versuchen. Mit halb gutmütigem, halb listigem Lächeln erzählte bereitwillig der Russe, kaum genesen, habe er die Pfleger gefragt, wo Russland sei, und sie hätten ihm die Richtung gedeutet, die er durch die Stellung der Sonne und der Sterne sich ungefähr bewahrt hatte, und so sei er heimlich entwichen, nachts wandernd, tagsüber vor den Patrouillen in Heuschobern sich versteckend. Gegessen habe er Früchte und gebetteltes Brot, zehn Tage lang, bis er endlich an diesen See gekommen. Nun wurden seine Erklärungen undeutlicher, es schien, dass er, aus der Nähe des Baikalsees stammend, vermeint hatte, am anderen Ufer, dessen bewegte Linien er im Abendlicht erblickte, müsse Russland liegen. Jedenfalls hatte er sich aus einer Hütte zwei Balken gestohlen und war auf ihnen, bäuchlings liegend, mit Hilfe eines als Ruder benützten Brettes weit in den See hinausgekommen, wo ihn der Fischer auffand. Die ängstliche Frage, mit der er seine Erzählung beschloss, ob er schon morgen daheim sein könne, erweckte, kaum übersetzt, durch ihre Unbelehrtheit erst lautes Gelächter, das aber bald gerührtem Mitleid wich, und jeder steckte dem unsicher und kläglich um sich Blickenden ein paar Geldmünzen oder Banknoten zu. Inzwischen war auf telephonische Verständigung aus Montreux ein höherer Polizeioffizier erschienen, der mit nicht geringer Mühe ein Protokoll über den Vorfall aufnahm. Denn nicht nur, dass der zufällige Dolmetsch sich als unzulänglich erwies, bald wurde auch die für Westländer gar nicht fassbare Unbildung dieses Menschen klar, dessen Wissen um sich selbst kaum den eigenen Vornamen Boris überschritt und der von seinem Heimatdorf nur äußerst verworrene Darstellungen zu geben vermochte, etwa, dass sie Leibeigene des Fürsten Metschersky seien (er sagte Leibeigene, obwohl doch seit einem Menschenalter diese Fron abgeschafft war) und dass er fünfzig Werst vom großen See entfernt mit seiner Frau und drei Kindern wohne. Nun begann die Beratung über sein Schicksal, indes er mit stumpfen Blick geduckt inmitten der Streitenden stand: die einen meinten, man müsse ihn der russischen Gesandtschaft nach Bern überweisen, andere befürchteten von solcher Maßnahme eine Rücksendung nach Frankreich; der Polizeibeamte erläuterte die ganze Schwierigkeit der Frage, ob er als Deserteur oder als dokumentloser Ausländer behandelt werden solle; der Gemeindeschreiber des Ortes wehrte gleich von vornherein die Möglichkeit ab, dass man gerade hier den fremden Esser zu ernähren und zu beherbergen hätte. Ein Franzose schrie erregt, man solle mit dem elenden Durchbrenner nicht so viel Geschichten machen, er solle arbeiten oder zurückspediert werden; zwei Frauen wandten heftig ein, er sei nicht schuld an seinem Unglück, es sei ein Verbrechen, Menschen aus ihrer Heimat in ein fremdes Land zu verschicken. Schon drohte sich aus dem zufälligen Anlass ein politischer Zwist zu entspinnen, als plötzlich ein alter Herr, ein Däne, dazwischenfuhr und energisch erklärte, er bezahle den Unterhalt dieses Menschen für acht Tage, inzwischen sollten die Behörden mit der Gesandtschaft ein Übereinkommen treffen; eine unerwartete Lösung, welche sowohl die amtlichen als auch die privaten Parteien zufrieden stellte. Während der immer erregter werdenden Diskussion hatte sich der scheue Blick des Flüchtlings allmählich erhoben und hing unverwandt an den Lippen des Managers, der einzige innerhalb dieses Getümmels, von dem er wusste, dass er ihm verständlich sein Schicksal sagen könne. Dumpf schien er den Wirbel zu spüren, den seine Gegenwart erregte und ganz unbewusst hob er, als jetzt der Wortlärm abschwoll, durch die Stille beide Hände flehendlich gegen ihn auf, wie Frauen vor einem heiligen Bild. Das Rührende dieser Gebärde ergriff unwiderstehlich jeden einzelnen. Der Manager trat herzlich auf ihn zu und beruhigte ihn, er möge ohne Angst sein, er könne unbehelligt hier verweilen, im Gasthof würde die nächste Zeit über für ihn gesorgt werden. Der Russe wollte ihm die Hand küssen, die ihm jedoch der andere rücktretend rasch entzog. Dann wies er ihm noch das Nachbarhaus, eine kleine Dorfwirtschaft, wo er Bett und Nahrung finden würde, sprach nochmals zu ihm einige herzliche Worte und ging dann, ihm noch einmal freundlich zuwinkend, die Straße zu seinem Hotel empor. Unbeweglich starrte der Flüchtling ihm nach, und in dem Maße, wie der einzige, der seine Sprache verstand, sich entfernte, verdüsterte sich wieder sein schon erhellteres Gesicht. Mit zehrenden Blicken folgte er dem Entschwindenden bis hinauf zu dem hochgelegenen Hotel, ohne die anderen Menschen zu beachten. Als ihn dann einer mitleidig anrührte und in den Gasthof wies, fielen seine schweren Schultern gleichsam in sich zusammen, und gesenkten Hauptes trat er in die Tür. Man öffnete ihm das Schankzimmer. Er drückte sich an den Tisch, auf den die Magd zum Gruß ein Glas Branntwein stellte, und blieb dort verhangenen Blicks den ganzen Vormittag unbeweglich sitzen. Unablässig spähten vom Fenster die Dorfkinder herein, lachten und schrien ihm etwas zu – er hob den Kopf nicht. Eintretende betrachteten ihn neugierig, er blieb, den Blick auf den Tisch gebannt, mit krummem Rücken sitzen, schamhaft und scheu. Und als mittags zur Essenszeit ein Schwarm Leute den Raum mit Lachen füllte, Hunderte Worte um ihn schwirrten, die er nicht verstand, und er, seiner Fremdheit entsetzlich gewahr, taub und stumm inmitten einer allgemeinen Bewegtheit saß, zitterten ihm die Hände so sehr, dass er kaum den Löffel aus der Suppe heben konnte. Plötzlich lief eine dicke Träne die Wange herunter und tropfte schwer auf den Tisch. Scheu sah er sich um. Die anderen hatten sie bemerkt und schwiegen mit einmal. Und er schämte sich: immer tiefer beugte sich sein struppiger Kopf gegen das schwarze Holz. Bis gegen Abend blieb er so sitzen. Menschen gingen und kamen, er fühlte sie nicht und sie nicht mehr ihn: ein Stück Schatten, saß er im Schatten des Ofens, die Hände schwer auf den Tisch gestützt. Alle vergaßen ihn, und keiner merkte darauf, dass er sich in der Dämmerung plötzlich erhob und, dumpf wie ein Tier, den Weg zum Hotel hinaufschritt. Eine Stunde und zwei stand er dort vor der Tür, die Mütze devot in der Hand, ohne jemanden mit dem Blick anzurühren: endlich fiel diese seltsame Gestalt, die starr und schwarz wie ein Baumstrunk vor dem lichtfunkelnden Eingang des Hotels im Boden wurzelte, einem der Laufburschen auf, und er holte den Manager. Wieder stieg eine kleine Helligkeit in dem verdüsterten Gesicht auf, als seine Sprache ihn grüßte. »Was willst du, Boris?« fragte der Manager gütig. »Ihr wollt verzeihen«, stammelte der Flüchtling, »ich wollte nur wissen … ob ich nach Hause darf.« »Gewiss, Boris, du darfst nach Hause«, lächelte der Gefragte. »Morgen schon?« Nun ward auch der andere ernst. Das Lächeln verflog aus seinem Gesicht, so flehendlich waren die Worte gesagt. »Nein, Boris…jetzt noch nicht. Bis der Krieg vorbei ist.« »Und wann? Wann ist der Krieg vorbei?« »Das weiß Gott. Wir Menschen wissen es nicht.« »Und früher? Kann ich nicht früher gehen?« »Nein, Boris.« »Ist es so weit?« »Ja.« »Viele Tage noch?« »Viele Tage.« »Ich werde doch gehen, Herr! Ich bin stark. Ich werde nicht müde.« »Aber du kannst nicht, Boris. Es ist doch eine Grenze dazwischen.« »Eine Grenze?« Er blickte stumpf. Das Wort war ihm fremd. Dann sagte er wieder mit seiner merkwürdigen Hartnäckigkeit: »Ich werde hinüberschwimmen.« Der Manager lächelte beinahe. Aber es tat ihm doch weh, und er erläuterte sanft: »Nein, Boris, das geht nicht. Eine Grenze, das ist fremdes Land. Die Menschen lassen dich nicht durch.« »Aber ich tue ihnen doch nichts! Ich habe mein Gewehr weggeworfen. Warum sollten sie mich nicht zu meiner Frau lassen, wenn ich sie bitte um Christi willen?« Dem Manager wurde immer ernster zumute. Bitterkeit stieg in ihm auf. »Nein«, sagte er, »sie werden dich nicht hinüberlassen, Boris. Die Menschen hören jetzt nicht mehr auf Christi Wort.« »Aber was soll ich tun, Herr? Ich kann doch hier nicht bleiben! Die Menschen verstehen mich hier nicht, und ich verstehe sie nicht.« »Du wirst es schon lernen, Boris.« »Nein, Herr«, tief bog der Russe den Kopf, »ich kann nichts lernen. Ich kann nur auf dem Feld arbeiten, sonst kann ich nichts. Was soll ich hier tun? Ich will nach Hause! Zeige mir den Weg!« »Es gibt jetzt keinen Weg, Boris.« »Aber, Herr, sie können mir doch nicht verbieten, zu meiner Frau heimzukehren und zu meinen Kindern! Ich bin doch nicht mehr Soldat!« »Sie können es, Boris.« »Und der Zar?« Er fragte es ganz plötzlich, zitternd vor Erwartung und Ehrfurcht. »Es gibt keinen Zaren mehr, Boris. Die Menschen haben ihn abgesetzt.« »Es gibt keinen Zaren mehr?« Dumpf starrte er den anderen an. Ein letztes Licht erlosch in seinen Blicken, dann sagte er ganz müde: »Ich kann also nicht nach Hause?« »Jetzt noch nicht. Du musst warten, Boris.« »Lange?« Ich weiß nicht. Immer düsterer wurde das Gesicht im Dunkel: »Ich habe schon so lange gewartet! Ich kann nicht mehr warten. Zeig mir den Weg! Ich will es versuchen!« »Es gibt keinen Weg, Boris. An der Grenze nehmen sie dich fest. Bleib hier, wir werden dir Arbeit finden!« »Die Menschen verstehen mich hier nicht, und ich verstehe sie nicht«, wiederholte er hartnäckig. »Ich kann hier nicht leben! Hilf mir, Herr!« »Ich kann nicht, Boris.« »Hilf mir um Christi willen, Herr! Hilf mir, ich ertrage es nicht mehr!« »Ich kann nicht, Boris. Kein Mensch kann jetzt dem anderen helfen.« Sie standen stumm einander gegenüber. Boris drehte die Mütze in den Händen. »Warum haben sie mich dann aus dem Haus geholt? Sie sagten, ich müsse Russland verteidigen und den Zaren. Aber Russland ist doch weit weg von hier, und du sagst, sie haben den Zaren … wie sagst du?« »Abgesetzt.« »Abgesetzt.« Verständnislos wiederholte er das Wort. »Was soll ich jetzt tun, Herr? Ich muss nach Hause! Meine Kinder schreien nach mir. Ich kann hier nicht leben. Hilf mir, Herr! Hilf mir! »Ich kann nicht, Boris.« »Und kann niemand mir helfen?« »Jetzt niemand.« Der Russe beugte tiefer das Haupt, dann sagte er plötzlich dumpf: »Ich danke dir, Herr«, und wandte sich um. Ganz langsam ging er den Weg hinunter. Der Manager sah ihm lange nach und wunderte sich noch, dass er nicht dem Gasthof zuschritt, sondern die Stufen hinab zum See. Er seufzte tief auf und ging wieder an seine Arbeit im Hotel. Ein Zufall wollte es, dass derselbe Fischer am nächsten Morgen den nackten Leichnam des Ertrunkenen auffand. Er hatte sorgsam die geschenkte Hose, Mütze und Jacke an das gelegt und war ins Wasser gegangen, wie er aus ihm gekommen. Ein Protokoll wurde über den Vorfall aufgenommen und, da man den Namen des Fremden nicht kannte, ein billiges Holzkreuz auf sein Grab gestellt, eines jener kleinen Holzkreuze über namenlosem Schicksal, mit dem jetzt unser Europa bedeckt ist von einem bis zum anderen Ende.

Systempartei Hofer-FPÖ – Der Unwille zur Veränderung in Österreich

Systempartei FPÖ

Wie der rascheste Blick auf die Tabelle es schon zeigt, ist die identitäre Parlamentspartei genau das, wovor die FPÖ immer warnt, wogegen die identitäre FPÖ immer wettert: eine Systempartei.

Wie die Ergebnisse der Nationalratswahlen in Österreich seit 1945 zeigen, ist die identitäre Partei seit 1949 die dritte Systempartei, um den von ihr als Schimpfwort verwendeten Begriff doch zu verwenden.

Eine seit weit mehr als einem halben Jahrhundert fest und tief verankerte Partei im österreichischen Polit-System versucht ständig allen einzureden, sie gehöre nicht zu diesem System, und vor allem, sie wolle das System verändern, sie wolle Österreich verändern.

Aber, was will eine Partei, die seit bald siebzig Jahren mitspielt, verändern? Und vor allem: wo war die Partei als drittlängste Bestandspartei in diesem Staat in all diesen Jahrzehnten? Sie hätte doch als solche Veränderungen längst schon herbeiführen können. Aber nichts hat sie getan.

Eine Maulheldin des Systems.

Es kann diese Partei auch gefragt werden. Wo war sie, als es um Veränderungen ging? Was tat sie, als es in Österreich die großen Veränderungen gab, also vor allem und prägend in den 1970er Jahren? Sie war damit beschäftigt, als Partei zu überleben, wie die Ergebnisse der Wahlen zeigen. Damals wollten die Menschen in Österreich Veränderungen. Damals wußten die Menschen in Österreich, wer Veränderungen will, setzt nicht und wählt also nicht eine FPÖ. Dementsprechend katastrophal waren die Wahlergebnisse für die FPÖ. Damals wußten die Menschen in Österreich, Maulaffen feil zu halten, hat nichts mit Veränderungen zu tun. Die FPÖ stand bloß herum, während die Veränderungen passierten, während andere die Veränderungen machten, sie beleuchtete nichts

Und wenn heute die identitäre Partei Hofer-FPÖ von so vielen, viel zu vielen gewählt wird, in Meinungsumfragen seit geraumer Zeit sogar als eine Partei geführt wird, die in Österreich stimmenstärkste Partei werden könnte, muß festgestellt werden, der Unwille zur Veränderung greift in Österreich in einem erschreckenden Ausmaß um sich, mehr und mehr Menschen bekennen sich durch ihre Stimme für die FPÖ zur Nichtveränderung, bekunden ihren Unwillen, für Veränderungen im positiven Sinne zu sein, also für die Menschen.

Systempartei FPÖ - Maulheldin und Nutznießerin des SystemsDie FPÖ ist aber nicht nur eine Maulheldin des Systems, sie ist auch die Begünstigte des Systems. Die Funktionäre und die Funktionärinnen der FPÖ sind Maulheldinnen und Günstlinge des Systems. Als es um Veränderungen ging, als so vieles in Österreich verändert wurde, war den Menschen in Österreich klar, dazu kann die FPÖ nichts beitragen. Dementsprechend waren die Wahlergebnisse. Seit Jahrzehnten trägt also die FPÖ nichts zu positiven Veränderungen bei. Aber die FPÖ hat von den Veränderungen profitiert. Die FPÖ: Maulheldin und Profiteurin des Systems. Bis zum Jahr 1970 gab es im österreichischen Parlament 165 Abgeordnete. Dann kam es zur Veränderung. Es wurde auf 183 Sitze im Parlament aufgestockt. Und wer profitierte überlebensnotwendig von dieser Austockung? Die Maulheldin FPÖ. Bei einem gleichbleibenden Stimmenanteil hatte die FPÖ im Jahr 1971 trotzdem plötzlich mehr Mandate im Parlament als ein Jahr zuvor. Die FPÖ ist also nicht, wie sie es recht gerne verbreitet, die wahre Erbin von Bruno Kreisky, sondern bloß die Profiteurin der Ära Kreisky, bloße Nutznießerin der damaligen Veränderungen.

NS Es muß in diesem Zusammenhang leider auch gesagt werden, es gibt in Österreich eine zur Maulheldin verkommene Presse, die nichts mehr beleuchtet, nur noch nachplappert, auch einer identitären Hofer-FPÖ, wie die Berichte nach der letzten Bundespräsidentschaftswahl zeigen, als davon geschrieben wurde, „ein ganzes System“ sei abgewählt worden, während in Wahrheit der Unwille zur Veränderung …

NNS Die Krone, im Fall von dieser Partei richtiger, den Kornblumenkranz des Nutznießers dieses Systems trägt nun weit hin sichtbar vor allem der kleine Präsident, der nicht nur durch dieses System im Parlament zum dem gewählt worden ist, was er nach wie vor ist, also nicht durch Leistungen und getätigte Veränderungen hat er sich dafür empfohlen, sondern einzig seine Zugehörigkeit zu dieser Systempartei, und nun, wie es für einen Systemparteiling geziemt, will er doch noch vom kleinen Präsidenten zu einem auf einer Stufe darüber aufsteigen … Und schon verbreiten Medien, ihn ohne Not zur Unterstützung eilend, das systemgezeugte Präsidentlein … so lieb anzuschauen, ach, er hätte dabei „Bauchweh“ … gesinnungstypisches Spiel einer uralten Systempartei: der eine gibt den sogenannten bösen Systemparteiengünstling mit der Verkündigung der Wahlanfechtung, der andere den sogenannten guten Systemparteiling mit dem Eingestehen, er hätte keine „große Freude“ … sein Bäuchlein tue ihm dabei ein bisschen … aber es wird wohl nur das Steuergeld, mit dem sein Bäuchlein angefüttert und überfüttert ist, drücken …

Rückkehr nach Wels

Das ist ein weiteres Buch,  das nicht zu besprechen ist, aus dem nicht zu zitieren ist, außer es wird das gesamte Buch zitiert, es ist ein weiteres Buch, zu dem nur eines geschrieben werden kann: es ist zu lesen.

Gäbe es in Österreich andere Soziologen, andere Autoren, mit einem Namen: gäbe es in Österreich einen Didier Eribon, dann hieße sein Buch wohl Rückkehr nach Wels. Und es wäre aus diesem alles autosoziologisch zu erfahren, seit den früheren fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute, wie es so weit gekommen ist und kommen konnte, wie es kam. Im Grunde könnte Didier Eribon seine Rückkehr nach Reims in einer österreichischen Fassung herausbringen, er bräuchte bloß ein paar Namen auszutauschen, wie: FPÖ statt Front National, Sozialistische Partei statt Kommunistische Partei. Alles also, was Didier Eribon über Frankreich erzählt, erzählt alles über Österreich, und mit Blick auf weitere Länder in Europa, nicht nur über Frankreich und Österreich.

Aber es gibt diesen Autor in Österreich nicht, es gibt bloß diese, die sich am Tresen von irgend einem Menschen etwas von einem psychologischen Begriff erzählen lassen, und daraus gleich einen titelgebenden Roman … Es ist auch nicht zu erwarten, daß ein Soziologe und Autor von diesem Format je auf die abstruse Idee verfallen könnte, eine österreichische Fassung herzustellen. Deshalb kann allen nur empfohlen werden, die Rückkehr nach Reims zu lesen und selbst die französischen gegen österreichische Namen zu tauschen; aber Sie werden es gar nicht aktiv tun müssen. Denn. Unweigerlich werden Sie nicht nur beispielsweise FPÖ statt Front National lesen, sondern Sie werden sogar nach ein paar Seiten der Überzeugung sein, hier beschreibt ein Mensch tatsächlich seine Rückkehr nach Wels.

Wenn die Namen FPÖ und Front National genannt werden, dann ist das sehr plakativ, das muß zugegeben werden, aber es soll Sie zu diesem Buch locken. Das Buch ist eine genaue Beschreibung der Entwicklungen über Jahrzehnte, die in der breiten Diskussion nicht vorkommt, weil am Ende dieser Entwicklung nun nur noch das Plakative steht, das Geschrei, in das alle einstimmen, ob sie für oder gegen die FPÖ sind. Auf den heutigen Fahnen steht nur noch geschrieben: Schreit die Ursachen nieder!

Rückkehr nach Wels - E GVielleicht aber gibt es in Österreich eine Soziologin, eine Autorin, die die Rückkehr nach Wels noch schreiben könnte, ein weibliches autosoziologisches Buch, das Buch einer Frau also, die in den frühen fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurde, die aus einer sogenannten Arbeiterfamilie stammt, die erste war, die ein Gymnasium besuchen konnte, die Wels wegen ihrer Homosexualität verließ, die der Selbstexklusion entging, die ihre soziologisch reflektierte Geschichte in der Geschichte einer schwarzen Frau ebenfalls gespiegelt sieht, wie eben Didier Eribon in der Geschichte eines schwarzen Mannes in den Vereinigten Staaten … womit geendet werden kann, mit dem Hinweis auf die ebenfalls nicht zu zitierenden und nicht zu besprechenden, sondern zu lesenden zwei Bücher, von denen in Der Neger ist das weiße Glied geblieben gesprochen wird – zu diesen gehört weiter auch „Schwarze Haut, weiße Masken“ von Frantz Fanon …

Sollte es nicht deutlich herausgekommen sein, so soll doch das Tüpfchen auf das i gesetzt werden, um es deutlich zu sagen: die Verweigerung von Rezensionen, die Verweigerung des Zitierens ist ein Plädoyer zur Rückkehr zu den Quellen, zur Abkehr von Informationen aus dritten und fünften Händen, die taugen bloß noch zum Schlagen der Trommel als Begleitlärm zum Geschrei.

Dritte Nationalratspräsidentschaften – Es kann auch anders gewählt werden

FPÖ unzensuriert bringt wieder einmal einen Kommentar gegen die Caritas. Das ist das für diese Website gesinnungsgemäß Übeliche. Und also eigentlich nicht mehr Erwähnbare. Aber sie bezieht sich auf und verlinkt zu Genius.

Der Herausgeber ist Gerulf Stix. Er war auch einmal für die identitäre Parlamentspartei dritter Nationalratspräsident. Es böte sich an zu fragen, was ist bloß los mit den freiheitlichen Nationalratspräsidenten? Mit Blick auf Franz Dinghofer, der heutigen Ikone der FPÖ, wäre es wohl richtiger zu fragen, was ist bloß los mit den deutschnationalen Nationalratspräsidenten? Die Richtigkeit der so gestellten Frage stützt auch und vor allem der zurzeitige dritte Nationalratspräsident, der das Deutsche wieder in das Programm der identitären Parlamentspartei zurückbrachte. Aber auch das ist eigentlich nicht mehr das Erwähnbare.

Erwähnbar ist aber im Zusammenhang mit der Bundespräsidentschaftswahl 2016 die Bildung. Viele forderten und fordern weiter im Angesicht der Stimmen für die identitäre Parlamentspartei, die Menschen müssen gebildet werden, dann wären sie davor gefeit, eine solche Partei, einen solchen Kandidaten zu wählen.

Es ist wahr, Norbert Hofer wurde außerhalb des Parlaments von über 49 Prozent gewählt. Aber es ist auch wahr, Norbert Hofer wurde im Parlament mit 80,3 Prozent zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt.

Was ist bloß los mit der Bildung im Parlament?

Der Hinweis von FPÖ unzensuriert auf Genius bringt das wieder in Erinnerung, daß es im Parlament Zeiten gab, da nicht jeder freiheitliche Kandidat zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt wurde, wie nachgelesen werden kann.

Es ist erfreulich, daß es in diesem Land nicht Menschen gibt, die zu über 80 Prozent den kleinen Präsidenten als großen Präsidenten haben wollten, nicht erfreulich ist es aber, in einem Land zu leben, die einen solchen Mann mit über 80 Prozent zu ihrem Präsidenten im Parlament wählten.

Es wird wohl notwendig sein, die Bildung zu forcieren – im Parlament. Den wählenden Damen und Herren des Parlaments zu lehren, es kann auch anders gewählt werden.

NS Es ist zwar nicht erwähnenswert, aber doch eine lustige Sache, wie jetzt versucht wird, auch von Genius, einen Verlierer zum Sieger umzuschreiben. Das hat das Niveau eines Posters oder einer Posterin auf FPÖ unzensuriert mit Namen Antaios … Gewonnen hat Norbert Hofer nur einmal, in einem erschreckenden Ausmaß, und zwar im Parlament, das dadurch verloren hat. Aber mit Bildung kann das wieder …

genius fpö unzensuriert

FPÖ unzensuriert: Die angemessenste Website für eine identitäre Parlamentspartei, seit es Websites gibt.

profil unzensuriert fpö ergänzungen

Am 24. Mai 2016 veröffentlichte das Magazin „Profil“ einen Artikel von Jakob Winter und Ingrid Brodnig mit dem Titel „FPÖ im Internet: Tag für Tag ein Propagandastück“.

Zwei Menschen sogar schreiben also an einem Artikel, zu dem sofort nur eines einfällt: schlecht recherchiert hilft auch – –

Womit beginnen?

Vielleicht, so wie Ingrid Brodnig und Jakob Winter, mit Norbert Hofer. Mit dem sie ihren Artikel eröffnen und beenden. Es ist ein Artikel, so wie dieser verstanden wird, der über FPÖ unzensuriert aufklären soll, also u.a. darüber, wie die Verbindungen zwischen der FPÖ und Unzensuriert sind.

Es wird Norbert Hofer recht ein Stein vom Herzen gefallen sein, rund um den zweiten Wahlgang der Bundespräsidentschaftswahl am 22. Mai 2016 nicht lesen zu müssen, daß auch er einmal als namentlich geführter Autor von FPÖ unzensuriert geführt wurde, sondern bloß zu den Menschen gehört, die „den blauen Kanälen mehr Glauben schenken als seriösen Medien“.

NR Barbara Rosenkranz wird wohl auch recht ein Stein vom Herzen gefallen sein, nicht lesen zu müssen, daß sie die einzige ausgewiesene Kolumnistin von FPÖ unzensuriert ist, sondern, wenn auch „führende FPÖ-Mitarbeiter“ im Fokus von Jakob Winter und Ingrid Brodnig stehen. Freilich stehen sie damit in bester österreichischer Tradition, und sie können sich dabei sogar auf eine Nationalratspräsidentin berufen, die etwa von Martin Graf Konsequenzen forderte, gegen seine Mitarbeiter … für sie war übrigens Norbert Hofer ein wählbarer …

Walter Asperl wird es wohl für Norbert Hofer gefreut haben, nicht lesen zu müssen, daß es zum Gründer von FPÖ unzensuriert auch noch Verbindungen gibt, er und Martin Graf mit dem Franz-Dinghofer-Institut von Norbert Hofer in das Parlament eingeladen wird, um beispielsweise in Deutschland entlassene Burschenschafter zu ehren …

höferl chefredakteur unzensuriertOb es Alexander Höferl als Ehre empfindet, nach wie vor als „Chefredakteur“ von Ingrid Brodnig und Jakob Winter verdächtigt zu werden, wird nicht gewußt. „Er bestreitet, Chefredakteur des Portals zu sein – obwohl mehrere Artikel auf unzensuriert.at ihn als solchen beschreiben.“ Eine Suche auf FPÖ unzensuriert selbst bestätigt das, aber lediglich bis zum Jahr 2013 – eine Recherche der aktuellsten Art. Im Jahr 2014 allerdings bringt die von NR Wendelin Mölzer geführte ZZ einen Nachruf auf den geheimsten Chefredakteur Österreichs, einen Mann aus einem steiermärkischen Verlag.

Mit diesem Verlag kann etwas über die wirtschaftlichen Verflechtungen gesagt werden, die für Ingrid Brodnig und Jakob Winter anscheinend zu nebensächlich sind, um etwas darüber zu schreiben, trotz des Eindrucks, den sie vermitteln wollen, umfassend über FPÖ unzensuriert zu informieren. Es wird Wolfgang Dvorak-Stocker möglicherweise nicht recht unangenehm gewesen zu sein, nichts über diese wirtschaftliche Verbindung lesen zu müssen, der möglicherweise die Nachfolge als Chefredakteur angetreten hat.

Zu diesem Absatz von Jakob Winter und Ingrid Brodnig

Nachdem profil-Herausgeber Christian Rainer die deutschnationalen und rassistischen Tendenzen in den Bildern von Norbert Hofers Lieblingsmaler Manfred „Odin“ Wiesinger thematisiert hatte, höhnte unzensuriert.at, ob Rainer „der Rasse-Beauftragte der Regierung oder gar der Justiz“ sei.

In den Leserkommentaren wurden FPÖ-Kritiker dann als „‚journaillistischer‘ Abschaum“ beschimpft oder der Präsidentschaftskandidat Van der Bellen als „EINGEBÜRGERTER Österreich hassender AUS-LÄNDER“ verunglimpft, der gar nicht das Recht haben solle, zu kandidieren. Das Team von unzensuriert.at löscht solche Hasspostings nicht – auch ein Statement.

fällt doch auch wieder ein, die sonderbare Rücksichtnahme, die geübt wird, die Namen nicht zu nennen, sogar dann, wenn es ohnehin bloße Pseudonyme sind, wie im Fall von Ernst Jünger. Auch in bezug auf diesen Artikel kann von einer sonderbaren Rücksichtnahme gesprochen werden. Der zitierte „journalistische Abschaum“ ist nahezu harmlos im Vergleich, was in diesem Zusammenhang noch geschrieben wurde, wie ebenfalls nachgelesen werden kann: Wiesinger, wortkreativer Freund nicht nur von Norbert Hofer: „Muselzecken“ … Sie werden von Zustimmung zu Goebbels lesen, von „entarteter Kunst“, aber auch von der hohen Kunstauffassung von Odin Wiesinger selbst, und als was Christian Rainer bezeichnet wird.

Es soll, so hat es den Eindruck, über die „Fans“ von FPÖ unzensuriert umfassend informiert werden. „Das Netz der Freiheitlichen: Diese Grafik zeigt, welche Facebook-Sites dieselben aktiven Fans wie Heinz-Christian Strache oder unzensuriert.at haben.“ Diese Grafik wie ein quantitatives Profil von einem staatlichen Dienst, mit dem zwar festgestellt wird, wer mit wem wann und wie oft telefoniert … aber was der Inhalt … wie es qualitativ zu werten ist … „Fans“ ist wohl und vor allem für die Poster und Posterinnen der FPÖ unzensuriert mehr eine harmlose als zutreffende Bezeichnung. Diese wissen zu genau, was sie wollen, sie haben ein Programm, und wehe alle in diesem Staat, wenn sich das durchsetzt. Wer läutet draußen an der Tür – wein‘ nicht, sie sind da …

Explosive Mischung digitaler und analoger Raum - fpö unzensuriertGerade vor dem Hintergrund des jüngsten Brandanschlages im Oberösterreichischen muß doch erwähnt werden, daß es verabsäumt wurde, auf das explosive Zusammenspiel von digitalem und öffentlichem Raum einzugehen. Denn. Die „Fans“ und FPÖ unzensuriert selbst belassen es schon längst nicht mehr dabei, sich nur im digitalen Raum zu bewegen. Ein Umstand, der Ingrid Brodnig schon lange vor dem 24. Mai nicht unbekannt war …

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, was unbeachtet bleibt: das sind die verwendeten Pseudonyme auf FPÖ unzensuriert, die allein schon vieles deutlich machen. Ernst Jünger wurde oben bereits erwähnt. Besonders zu erwähnen ist Franz Dinghofer als Pseudonym mit seinem, aber nicht nur Antisemitismus, den er aktuell am neuen Bundeskanzler abarbeitet: eine Ikone der FPÖ … Dann gibt es einen oder eine mit dem Pseudonym Antaios. Das ist auch ein Verlag. Und Martin Lichtmesz wird als Autor von FPÖ unzensuriert geführt.

Antaios Fpö unzensuriert Putsch

In so einem kleinen Land muß wohl auf viel Rücksicht genommen werden, das zeigt gerade das Beispiel von Martin Lichtmesz. Zu kurz ist der Weg etwa von FPÖ unzensuriert zur Wiener Zeitung … oder: Österreich ist nicht groß genug, daß an den Rändern etwas entspringen kann, sondern nur in der Mitte …

Der von Ingrid Brodnig und Jakob Winter erwähnte Götz Kubitschek darf beim Nennen von Antaios nicht vergessen werden. Für sie ein „Neuer Rechter“. In Deutschland kurz und klar: „Salonfaschist“. Und auch Kubitschek hat einen Nachruf auf den geheimsten Chefredakteur geschrieben, wie FPÖ unzensuriert dezent verlinkt …

Uninteressant ist vielleicht auch nicht, wofür Kommentare der FPÖ unzensuriert verwendet werden, beispielweise als unergiebige Quelle für gänzlich unnötige parlamentarische Anfragen …

Georg Zakrajsek wird es vielleicht gekränkt haben, nicht, obgleich auch als Autor von FPÖ unzensuriert geführt, erwähnt worden zu sein. Gerade er als bloggewaltiger Lobbyist für Waffen und Rassen, ein derart wichtiger Mann, sogar während des Wahlkampfs von Norbert Hofer noch empfangen …

PS Was in diesem Artikel vielleicht auch noch fehlte, eine Antwort aus der Hofer-FPÖ, also von He.-Chr. Strache aufwärts, ob sie Handlungsbedarf sehe, ob es für eine Parlamentspartei angemessen sei, eine derartige Website zu betreiben. Hier aber können Jakob Winter und Ingrid Brodnig verstanden werden. Darauf eine Mühe zu verwenden, wäre sinnlos gewesen. Die Antwort wäre bloß eine gesinnungsgemäße gewesen, oder gar keine, wie schon erfahren werden durfte … auch von weiteren, etwa von NR Gerhard Dei…

Für eine identitäre Parlamentspartei ist es eben die angemessenste Website, seit es Websites gibt.

 

Von der österreichischen Ausrutscher-Kultur (On Austrian slip culture)

austrian slip culture

Es ist vielleicht das deutlichste Kennzeichen für eine kulturlose Zeit, daß ständig von Kultur geredet und geschrieben werden muß. Und die kulturlose Zeit oder die Zeit der Unkultur offenbart sich vor allem dadurch, daß ständig nach einer Kultur gesucht werden muß, und sofort beim geringsten Anzeichen, es könnte sich doch endlich um eine Kultur handeln, ein neuer Kulturbegriff geschaffen werden muß. Wie etwa im letzten Jahr. Kaum daß ein paar Menschen auf ihrer Flucht auch nach Österreich kamen, mußte sofort ein neuer Begriff her, die Willkommenskultur ward erfunden.

Die Unkultur ist, könnte gesagt werden, auch eine Kultur. Aber von welcher Art? In Österreich könnte fortan diese mit dem Begriff der Ausrutscher-Kultur am deutlichsten beschrieben sein.

Jedwede Begrifflichkeit geht auf einen Anlaß zurück, hat einen Paten, eine Patin. So auch die österreichische Ausrutscher-Kultur (austrian slip culture). Es ist der derzeitige Innenminister aus dem Niederösterreichischen, von manchen auf ungehörige Weise auf den Namen Kleinpröll  getauft, der mit seiner Aussage zum Brandanschlag in Altenfelden – dieser müsse ein „Ausrutscher“ bleiben – als Pate des Begriffs Ausrutscher-Kultur lobend zu nennen ist.

Bloß ein „Ausrutscher“. Aber immerhin ein „Ausrutscher“, bei dem doch behördlich ermittelt wird, im Gegensatz zu den täglichen schriftlichen „Ausrutschern“ …

Bloß ein „Ausrutscher“, aber irgendwer dürfte in diesem Land doch noch darum wissen, daß es ein Vergehen, das gegen geltende Gesetze verstößt, war, ein strafwürdiges Verbrechen. Der Innenminister selbst dürfte in bezug auf österreichische Gesetze nicht sehr firm sein, er stünde wohl mit heruntergelassenen Hosen da, mit seinem Slip bei den Knöcheln, müßte er jetzt eine Prüfung über österreichische Gesetze ablegen …

Wie in der Collage gelesen werden kann, meint der derzeitige Innenminister in einem Interview: „Nicht die Religion, die kann jeder behalten.“ Die kleinpröllsche „Hausordnung“ steht also über dem österreichischen Gesetz, aber doch so recht großzügig dabei mit dem Zugeständnis, es dürfen andere ja etwas behalten, das ihnen aber bereits gesetzlich …

„Aber bei uns ist es Kultur“, sagt Kleinpröll, „ist es Kultur, daß ein Kreuz im Kindergarten hängt.“ „Kindergarten“ dürfte von Kleinpröll wohl stellvertretend für alle Örtlichkeiten in Österreich gemeint sein, wo das Kreuz nach dieser „Kultur“ zu hängen hat, weil das eben „bei uns Kultur“ ist, und diese steht eben über dem Gesetz, nicht nur für Kleinpröll, die steht eben gegen das geltende Gesetz. „Wir haben immer“, sagt Kleinpröll, „Leute aufgenommen, aber es muß klar sein, dass diese unsere Mentalität und Kultur übernehmen.“ Aber diese Ängste und Sorgen in bezug auf Mentalität und Kultur braucht Kleinpröll nicht zu haben, denn, wenn es nur ein wenig stimmt, was Menschen, vor allem Männern, die nach Österreich kommen, alles in bezug auf Frauen unterstellt wird, dann kommen sie bereits mit österreichischer Mentalität und Kultur nach Österreich. Und diese österreichische Mentalität und Kultur steht über dem Gesetz, gegen das Gesetz, wie ein „Ausrutscher“ heute am 4. Juni 2016 wieder einmal belegt: In einem Fußballstadion das Abspielen vor Zehntausenden von Menschen der österreichischen Bundeshymne und Tausende von Männern und wohl auch Frauen singen die Hymne gegen die gesetzlich vorgeschriebene Hymne, also ohne „Töchter“.

Im zweiten Interview sagt Kleinpröll, ein Mann, dem sein Slip bei den Ohren hängt, weil er diesen anscheinend stets versucht über den Kopf auszuziehen, er könne sich vorstellen, „Gesetze für Asylwerber“ zu verschärfen , dass „gewisse Delikte, die bisher nur als Verwaltungsübertretungen galten, strafgesetzlich geahndet“ werden. Wenn es gegen Menschen geht, hat auch ein Kleinpröll nichts gegen Gesetze, vor allem gegen neue Gesetze, aber die würden ja der „Mentalität und Kultur bei uns“ entsprechen. Welcher Begriff könnte für die gesetzlichen Vorstellungen des derzeitigen Innenministers verwendet werden, um diese auf den Punkt gebracht zu beschreiben: Zwei-Klassen-Justiz? Zwei-Rassen-Justiz? Ethno-Justiz?

Was Kleinpröll in diesem zweiten Interview noch alles sagt, kann leichter mit einem Satz zusammengefaßt werden. Kleinpröll gehört zu diesen Männern, von denen die identitäre Parlamentspartei immer mit Stolz sagen kann, „unser bester Mann in der Regierung“ …

NS Während der derzeitige Innenminister von dem „Ausrutscher“ spricht, der „bei uns nie wieder passieren“ dürfe, gibt es weiter die „Ausrutscher“, die „bei uns Mentalität und Kultur“ sind, deren Flagge voranträgt die Website der identitären Parlamentspartei, wie die zweite Collage allein für den 3. und 4. Juni 2016 wieder … zitiert aber will es nicht mehr werden … Die Ungeheuerlichkeit dieser Weiterbetätigung der „Ausrutscher“ wird wieder einmal zur absoluten Ungeheuerlichkeit gesteigert, auf wie viel Zustimmung diese nicht zitierbaren Ungeheuerlichkeiten … Unternommen wird dagegen nichts, gesinnungsgemäß fühlt sich die identitäre Parlamentspartei für ihre Website nicht verantwortlich, und für Justizminister und Innenminister, großer Gott, das ist halt „bei uns“ so Sitte, Kultur … Möglicherweise muß es anders gesehen werden, als eine fortschrittliche Bewegung, die das Gotteswort modernisiert, neue gesetzliche Grundlagen auf Basis von „Mentalität und Kultur“ schafft. Es ist ja nicht mehr zeitgemäß: Auge um Auge, Zahn um Zahn … Wie zeitgemäß die Umschreibung von Der Punisher: für „für jede Vergewaltigung eine Asylunterkunft in Flammen aufgehen“ …  „Ausrutscher“ als das Schreiben bloß zur Preisung Gottes durch das Erstellen einer zeitgemäßen Bibel, einer Ethnobibel? Rassenbibel? Sippenhaftungsbibel? Ob es dazu eines „Führers“ braucht, wie Monika Vogt wohl händeringend gen Himmel fragt, wo er denn „abgeblieben“ sei, und sie dabei wohl ahnt, das Beschützen durch Gott allein wird nicht ausreichen?

NNS Kleinpröll sieht in bezug auf „Ausrutscher“ aber doch etwas zu tun, nämlich die „Aufgabe sei es nun, die Mitte der Gesellschaft zu stärken und extremistische Strömungen an den Rändern zu unterbinden.“ Ach, die gute, gute, alte Mitte, aus der nur das Beste, das zu Belobende, das staatlich Auszuzeichnende  entspringt …

Wolfgang Sobotka - Ausrutscher die immer passieren dürfen