„Euer Wille geschehe“

Vor 65 Jahren trug Erich Kästner zu seinem 60. Geburtstag, der vor 125 Jahren geboren und vor 50 Jahren verstarb, in einer Rundfunksendung selbst sein Gedicht „Die Maulwürfe oder Euer Wille geschehe“ vor.

Die identitäre Parlamentspartei plakatiert in diesem August 2024 also so einfach wie kurz Erich Kästner.

Erich Kästner trägt somit Jahrzehnte später zu einer Aufregung in Österreich bei, zu einer Aufregung, weil gemeint wird, die patriotische Parlamentspartei hätte nicht Erich Kästner zitiert, sondern die Bibel.

Die Bibel hat die gebirgsjägerisch geführte Partei nicht plakatiert. Ein Zitat ist, wie allgemein bekannt, eine wörtliche Wiedergabe, und stets in Anführungszeichen.

Die parlamentarische Festungspartei hat also Erich Kästner zitiert, ohne ihn zu nennen, ohne Anführungszeichen, damit ein Plagiat, einen Diebstahl als Werbung für sich plakatiert.

Erich Kästner zu plakatieren, meinen Sie, könne doch nicht eine eine derartige Aufregung verursachen. Doch. Es muß bloß der Wille zu einer Aufregung stark genug sein. Dann geschieht die Aufregung wie von selbst. Es muß nur verbreitet werden, diese Partei habe etwas aus der Bibel zitiert. Verdrängt, verschwiegen muß dabei bloß werden, daß es genauso Erich Kästner schrieb: „Euer Wille geschehe“. Dafür muß nur laut in die Aufregung gedrängt werden, diese Partei habe sich am Glauben vergangen, einen Spruch plakatiert, der wörtlich lautet: „Dein Wille geschehe“ — „Dein Wille geschehe – Die schönsten islamischen Gebete“ von Schimmel Annemarie, 5. Auflage 2004, Spohr, Kandern im Schwarzwald.

Und schon ist die perfekte Aufregung in Gang gesetzt, der Marschbefehl erteilt und befolgt.

Der Satz „Euer Wille geschehe“ spiele mit einem Zitat aus der Bibel, „und noch dazu mit dem wichtigsten Gebet, das Christinnen und Christen kennen“, sagte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, am Donnerstag im Interview mit Kathpress: „Leider kommt so etwas im wirtschaftlichen und politischen Marketing immer wieder vor. Wer das tut, dem muss bewusst sein, dass er mit etwas spielt, das Menschen heilig ist, und damit diesen Menschen nicht die Wertschätzung entgegenbringt, die sie verdienen.“

Es wird Peter Schipka wohl seine Lehre daraus gezogen haben, aus seinem traumatischen Erlebnis, keine Wertschätzung zu erfahren, als ein für kurz gewesener Bundeskanzler für den Termin mit Peter Schipka den Auftrag gab: „Ja, super. Bitte Vollgas geben.“ Seine Lehre wohl daraus, fortan hellhörig zu sein, was immer gesagt oder geschrieben wird.

Noch schwerere Geschütze fuhr die Wiener Theologin Regina Polak in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Furche“ auf. Wenn die FPÖ Slogans in Anlehnung an das Vaterunser-Gebet plakatiert, sei das, so Polak, „die zynisch-spottende, nichts und niemanden ernst nehmende Ankündigung eines politischen Projektes zur Zerstörung der liberalen, menschenrechtsbasierten Demokratie und ihrer Institutionen“. Das Plakat sei deshalb nicht „nur“ Blasphemie, sondern Ausdruck einer „postmodernen Dämonie“. Blasphemie lästere zwar, anerkenne aber immer noch die Wirklichkeit Gottes. „Eine Dämonie anerkennt nur mehr irdische Macht und leugnet faktisch die Existenz Gottes, ungeachtet dessen, was öffentlich verkündet wird“, so die Leiterin des Instituts für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Postmodern sei sie zudem, „weil sie keinen wie immer gearteten Anspruch auf Wahrheit anerkennt und alles für Eigeninteressen interpretiert und benützt“.

Regina Polak weiß viel über zynisch-spottende Ankündigungen, weiß viel über Demokratie, weiß genau, wer zu herrschen hat … „Dein Wille geschehe!“: Der erste Satz im Pflichtenheft einer jedweden Diktatur. „Dein Wille geschehe!“: Der erste Satz des Schwurs auf jedwede Diktatur.

Zulehner indes nahm den weiteren Plakat-Slogan „Dein Herz sagt Ja“ zum Anlass, nach dem Verstand zu fragen: „Es geht immer nur um Emotionen“ – dabei brauche Demokratie und eine reife Wahlentscheidung „politische Nachdenklichkeit“. Dass der FP-Obmann offenbar an einem „eigenen Kickl-Vaterunser“ arbeite, zeuge indes von einem „Missbrauch der Religion eigener Art“.

Paul M. Zulehner, oh, was für ein Propagandist der Religion der eigenen Art, zu der auch dieser Partei Herz rückhaltlos Ja …

Für das Bündnis Demokratie und Respekt sind Christentum und Rechtsextremismus nicht vereinbar. Die FPÖ sei deshalb „unwählbar“, hieß es bei einem Medientermin am Donnerstag im Cafe Landtmann in Wien. Ökonom und Bündnissprecher Stephan Schulmeister sagte: „Beide Weltanschauungen widersprechen sich fundamental.“ Besorgt stimmte ihn die Verwendung christlicher Begriffe auf FPÖ-Plakaten. Parteichef Kickl habe sich zuletzt „verändert“, so Schulmeister. Schulmeister zitierte eine Erklärung der deutschen Bischofskonferenz, wonach völkischer Nationalismus und Christentum unvereinbar seien. Universelle Menschenrechte würden etwa von Rechten abgelehnt. Ähnliche Widersprüche erkennt das Bündnis auch bei der Haltung zur Klimakrise, zur EU und zu Frauenrechten. Die Kirche sei zwar „keine Vorfeldorganisation des Feminismus“, bemerkte Schulmeister, der Grundsatz der Gleichheit werde aber dennoch hochgehalten.

„Parteichef Kickl habe sich zuletzt ‚verändert‘,“ Gott würde Schulmeister wohl fragen: „Wo warst du, Stefan?“

Oh, und wie „der Grundsatz der Gleichheit dennoch hochgehalten werde“, geradeso,

als hätte ein Gottesmann das Gleichbehandlungsgesetz vom Berge herunter zu den Menschen …

„Völkischer Nationalismus und Christentum“ sei unvereinbar, zitiert die Schulmeister die Erklärung der deutschen Bischofskonferenz, von dieser auf ihrer Vollversammlung am 22. Februar 2024. Aus Österreich kann er dergleichen nicht zitieren. Wie auch. In diesem Land der Vereinbarkeit von allem mit seinem reichen Erbe des christlichen volkskanzlerischen Nationalen …

Heftige Kritik kam am auch von Abt Pius Maurer vom Stift Lilienfeld. Den zentralen Satz „Dein Wille geschehe“ aus dem Vater Unser leicht verändert („Euer Wille geschehe“) für politische Wahlwerbung zu nützen, halte er für „geschmacklos“, so Maurer. Die christliche Religion sei grundsätzlich friedlich, dennoch sollte sie sich nicht alles gefallen lassen müssen wie etwa „die taktlose Benützung eines Gebets- und Bibelzitates für Parteipropaganda“.

Die christliche Religion sei grundsätzlich friedlich, so friedlich, wie diese vom Grundsatz her die Gleichheit hochhalte … Ob Pius Maurer ab und an auch für seinen vor langer Zeit verstorbenen Zisterzienserbruder betet, ihn in seine Fürbitten einschließt, der viel geschrieben, Fahnen aufzog, viele Vorarbeiten leistete für seine Gesinnungsbrüder bis zum Heute herauf?

Die frühere evangelische Pfarrerin und Gründerin von „Omas gegen Rechts“, Monika Salzer, sprach von „Vernunft und Wahrung von Werten“ in den Kirchen. Kräfte wie die FPÖ würden hingegen den „gesellschaftlichen Frieden infrage stellen“. Salzer: „Kickl will die Verfassung aushebeln.“

Was der Festungskommandant für seine Machtträume an Verfassung braucht, hat er bereits mit dieser

Verfassung, die eine „Zeitbombe“ für solch gesinnungsgemäß zugerichtete Menschen ist —

Die Arbeit des Aushebelns der Verfassung wurde für solche Gesinnungen unter christlicher Patronanz vor Jahrzehnten bereits erledigt.

Sehr nachdenklich zeigte sich der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, in einem Kommentar in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“: „Was macht man da als Christ? Soll man sich freuen, dass die Volkssouveränität mit einer verfremdeten Zeile aus dem Vaterunser gewürdigt wird? Oder soll man Diabolisches vermuten – weil der Teufel ja gerne die guten Dinge durch kleine Verschiebungen, die ganz unschuldig daherkommen, auf den Kopf stellt? Hier hätte er ja nur ein besitzanzeigendes Fürwort von der Einzahl in die Mehrzahl gehoben.“ Es gäbe da in der Tat viel Nachdenkstoff. Zum Beispiel auch, ob die FPÖ mit „Euch“ das Volk, die Mehrheit oder die frustrierte Masse ermächtigen wolle. „Oder ob das Vaterunser nicht irgendwie denkmalgeschützt sein sollte. Oder ob es doch irgendwie nett ist, dass die Partei, der doch die ganze Literaturgeschichte offengestanden wäre, gerade zum christlichen Erbe greift, noch dazu einmal ohne erkennbare Absicht, damit irgendjemandem anderen wehtun zu wollen.“

Ohne Teufel geht es nicht. Das ist religiöse Tradition. Was antwortete Gott auf die Frage der Identität? Sagte Gott: „Ich bin der andere“?

Teufelvater des Sohnes, dem gelehrt, das Schwert zu bringen,

dem befohlen, das Schwert zu bringen,

vereidigt auf des Vaters Willen, das Schwert zu bringen

und nicht den Frieden, und nicht den Frieden.

„Vater… denkmalgeschützt sein sollte“ — Prüller … denkmalgeschützt wie der einstige christliche Landesvater zu Wien …

Und es zeigt sich auch hier wieder, das recht große christliche Herz, bereit, zu vergeben, bereit zu vergessen, für sie einzutreten, bereit sie aufzunehmen, jene die „nett gerade zum christlichen Erbe, noch dazu einmal ohne erkennbare Absicht, damit irgendjemandem anderen wehtun zu wollen“ …

Wie recht doch Michael Prüller hat, es wäre doch dieser Partei die ganze Literaturgeschichte offengestanden, für ein zu plakatierendes Zitat.

Und es steht ihr auch die ganze Literaturgeschichte offen,

von der sie reichlich Gebrauch macht,

für die Lyrik die Freude, durch die sie Kraft

Bei Hölderlin sah diese von Bildung ganz und gar durchdrungene Partei die Notwendigkeit, seinen Namen doch hinzuschreiben, wenn sie ihn zitiert:

„Wo aber Gefahr […]

Bei Kästner, der doch noch sehr gegenwärtig ist, vertraute sie wohl darauf, daß die Menschen beim Lesen von „Euer Wille geschehe“ sogleich ausrufen: Kästner!

Vor bald 60 Jahren durfte Erich Kästner noch persönlich erleben, was in diesen letzten Augusttagen 2024 so heftig und aufgeregt beschworen wird: die „Unvereinbarkeit von Christentum und […]“

»Am Erntedanksonntag des Jahres 1965 brannten am Rhein wieder einmal Bücher. Der evangelische »Jugendbund für Entschiedenes Christentum« warf beim Gesang frommer Lieder »Schundhefte« sowie Werke von Kästner, Grass, Camus, Sagan und Nabokov ins Feuer. Das Ordnungsamt hatte die Aktion offiziell genehmigt. Der CVJM sah in ihr einen »Akt der Notwehr«.

Für solch einen Erntedank werden auch rechte Materialien gebraucht, und es werden immer welche gefunden, so etwa wie 2016 für den Erntedankgottesdienst mit dem biblischen und koranischen „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“

Wessen Wille diese Partei aber will, daß er geschehe — nun, es ist der Wille von Durchlauchten, und so kam es wohl auch zur recht respektvollen und hochwertschätzenden Fürbitte auf dem Plakate: „Euer Wille geschehe“ —

Nun aber genug, von dieser Aufregung im Wettstreit um Wahrheit, Lüge und Propaganda. Es soll das Gedicht von Erich Kästner, das er vor 65 Jahren an seinem 60. Geburtstag rezitierte, als das Wesentliche dieses Kapitels zitiert sein.

Die Maulwürfe oder Euer Wille geschehe

I
Als sie, krank von den letzten Kriegen,
tief in die Erde hinunterstiegen,
in die Kellerstädte, die drunten liegen,
war noch keinem der Völker klar,
daß es ein Abschied für immer war.

Sie stauten sich vor den Türen der Schächte
mit Nähmaschinen und Akten und Vieh,
daß man sie endlich nach unten brächte,
hinab in die künstlichen Tage und Nächte.
Und sie erbrachen, wenn einer schrie.

Ach, sie erschraken vor jeder Wolke!
War´s Hexerei oder war´s noch Natur?
Brachte sie Regen für Flüsse und Flur?
Oder hing Gift überm wartenden Volke,
das verstört in die Tiefe fuhr.

Sie flohen aus Gottes guter Stube.
Sie ließen die Wiesen, die Häuser, das Wehr,
den Hügelwind und den Wald und das Meer.
Sie fuhren mit Fahrstühlen in die Grube.
Und die Erde ward wüst und leer.

II
Drunten in den versunkenen Städten,
versunken, wie einst Vineta versank,
lebten sie weiter, hörten Motetten,
teilten Atome, lasen Gazetten,
lagen in Betten und hielten die Bank.

Ihre Neue Welt glich gekachelten Träumen.
Der Horizont war aus blauem Glas.
Die Angst schlief ein. Und die Menschheit vergaß.
Nur manchmal erzählten die Mütter von Bäumen
und die Märchen vom Veilchen, vom Mond und vom Gras.

Himmel und Erde wurden zur Fabel.
Das Gewesene klang wie ein altes Gedicht.
Man wußte nichts mehr vom Turmbau zu Babel.
man wußte nichts mehr von Kain und Abel.
Und auf die Gräber schien Neonlicht.

Fachleute saßen an blanken, bequemen
Geräten und trieben Spiegelmagie.
An Periskopen hantierten sie
und gaben acht, ob die anderen kämen.
Aber die anderen kamen nie.

III
Droben zerfielen inzwischen die Städte.
Brücken und Bahnhöfe stürzten ein.
Die Fabriken sahn aus wie verrenkte Skelette.
Die Menschheit hatte die große Wette
verloren, und Pan war wieder allein.

Der Wald rückte näher, überfiel die Ruinen,
stieg durch die Fenster, zertrat die Maschinen,
steckte sich Türme ins grüne Haar,
griff Lokomotiven, spielte mit ihnen
und holte Christus vom Hochaltar.

Nun galten wieder die ewigen Regeln.
Die Gesetzestafeln zerbrach keiner mehr.
Es gehorchten die Rose, der Schnee und der Bär.
Der Himmel gehörte wieder den Vögeln
und den kleinen und großen Fischen das Meer.

Nur einmal, im Frühling, durchquerten das Schweigen
rollende Panzer, als ging´s in die Schlacht.
Sie kehrten, beladen mit Kirschblütenzweigen,
zurück, um sie drunten den Kindern zu zeigen.
Dann schlossen sich wieder die Türen zum Schacht.

Es gibt so viele Hinwendungen an einen ungarischen Mann in Österreich, „dem Erlöser der ungarischen Kirche“,

so viele Wünsche, Träume, Fürbitten, sein Wille möge auch in Österreich geschehen, daß zu seiner Ehrerbietung das Gedicht von Erich Kästner in der Übersetzung von Békés István auch in seiner Sprache zu ziteren, die viele in Österreich schon sprechen, auch wenn sie noch meinen, deutsch zu sprechen

A vakondok avagy Legyen meg a ti akaratotok
I
Háborúktól tönkregyötörve
jó ezer ölre szálltak a földbe,
a városodukba, pincegödörbe,
de senki se tudta azt, hogy ott
minden időkre elbúcsúzott.

Tolongtak a tárnarácsot elérve,
bőg a barom, masinák vasa kong,
mind le szeretne jutni a mélybe,
a mű-tüzü napba, a mü-ködü éjbe.
S gyomruk kavarog, ha egy sikong.

Rémíti őket a kóbor felhő!
Átok-e már avagy élet-e még?
Fürdik a pázsit, a patak, a rét?
Vagy szökevény tömegekre lepergő
gyilkos mérgeket ont az ég?

Az Úr szép napját messzire hagyták.
És messze a rétet, a rengeteget,
a házat, a tengert, lenge szelet.
És jártak a liftek, teltek az aknák.
És a föld színe puszta lett.

II
Lent, hol a mélyben városok álltak,
mint állt rege-régen Vinéta alant,
folyt a nagy élet, dalt muzsikáltak,
tollal, atommal manipuláltak,
az pénzt keresett, ez ágyba zuhant.

Föléjük az Új Haza gép-ege zárul.
Kék horizontja csiszolt üveg.
Szunnyad a félsz. Az elme feled.
Csak néha meséltek anyák ibolyárul,
s a fű, falevél, telehold mese lett.

Ég meg a föld csak lírai forma.
Ódon verset idéz csak a régi idő.
Ki tudja: mi volt Bábel csodatornya.
A Káin, az Ábel kinek fia-bornya.
S a síron a mécses: neoncső.

Lestek a mesterek szemvakulásig,
hogy száz csodagépük mit dübörög.
Nagy periszkópok tükre mögött
ülve figyeltek: jön-e a másik.
Ám az a másik az sose jött.

III
Fent térdrerogyott paloták kőteste.
Sín kiszakadt, leomolt a híd.
Gyár suta csonkja meredt az égre keresztbe.
A tétet az ember elvesztette,
a néma magányba’ csak Pán dala sírt.

Beárad az erdő, rázúdul a romra,
gépcserepen tör az ablakoromra,
lokomotívokon átgázol,
tornyokat tűzdel a zöld hajú lombba,
s Krisztust ledönti az oltárról.

Újra parancs, ami ősjogu rend yolt.
Nem törhetik el törvényköveit.
Szavát medve, virág meg a hó követik.
Az égi madáré újra a mennybolt,
s nagy és kis halaké a víz, fenekig.

Évente, tavasszal, előkerekeztek
a tankok, alattuk porzik az út.
Cseresznyevirág-gallyakat szedegettek,
hogy lent mutogassák a kisgyerekeknek.
S ismét becsukódtak a tárnakapuk.

18 hatte bald vom geraubten Begriff „Volkskanzler“ die Schnauze voll und war gesetzlich für die restlichen 11 Jahre „Führer und Reichskanzler“ zu nennen

Es dauerte gerade einmal 18 Monate, daß Adolf Hitler die Schnauze davon voll hatte, „Volkskanzler“ genannt zu werden, die Schnauze davon voll hatte, „Volkskanzler“ zu sein, und schon wurde gesetzlich festgelegt, was er sein wollte, wie er genannt werden wollte — „Führer und Reichskanzler“. Und das war, einfach wie kurz gesagt, ehrlich; denn mit dem „Volk“ hatte er nichts zu tun, das „Volk“ war ihm kein Anliegen, „Haus- und Hofkanzler des Volkes“ zu sein, das war nicht sein Bestreben, dafür gierte er nicht nach der Macht, zu der er nicht gewählt wurde, sondern die ihm gegeben wurde, ausgemacht hinter verschlossenen Türen, nach einer Wahl, in der seine Partei sogar Stimmen verlor, ihr Anteil fiel von 37,1 % auf 33,1 %, die ihr zwar den ersten Platz einbrachte, mit 20,4 % kam die SPD auf den zweiten Platz in dieser November-Wahl 1932, aber keine Bekundung der Wähler war, keine Legitimation durch die Wählerinnen war, aber nicht der Wille des „Volkes“ war, daß seine Partei Regierungspartei werden müsse, daß 18, also Adolf Hitler, Kanzler werden müsse.

Daß 18 so schnell sich vom „Volkskanzler“ verabschiedete, ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß 18 möglicherweise eines Tages erfuhr, woher der Begriff „Volkskanzler“ stammte, und als solcher sah sich 18 wohl ganz und gar nicht.

„Volkskanzler“, ein Begriff, der schon vor einhunderteinundneunzig Jahren in einer Erzählung Verwendung fand, also bereits 56 Jahre vor der Geburt von 18.

Es hätte ihm vielleicht zu wenig geschmeichelt, als er möglicherweise erfuhr, was des „Volkskanzlers“ Platz und Aufgabe … so wie es über „Die öffentlichen Schreiber in Venedig“ im November 1833 in „Echo“ zu lesen war, in der „Zeitschrift für Literatur, Kunst, Leben und Mode“ —

Porta della Carta heisst das grosse Thor des Dogenpallastes an S. Marcus, wo seit undenklichen Zeiten die öffentlichen Schreiber die Haus- und Herzensangelegenheiten des Venezianischen Volkes von Geschlecht auf Geschlecht dem Papier vertrauen. Haus-und Hofkanzler des Volkes, sitzen sie als wahre Helden der Feder vom Morgen bis zum Abend in ihren Kathedern und trotzen eben so fest der Schwüle der Hundstage, welche den Athem versetzt, als sie beherzt mit einer ärmlichen Koblenpfanne alle eisigen Stürme des Winters heraus fordern, welche von drey Seiten frey in den alten Pallast hinein und heraus fahren, und nach Lust und Laune durch die erhabenen Gewölbe toben.
Was die alles schreiben mögen!
Mehr als Einmal ist mir der Gedanke gekommen, hundertmal hat mich die Lust angewandelt, meine Kleider mit einem verschlossenen Wams zu vertauschen, das einen ernsten Blik auf den Gang der Zeit thun liesse, und eine entschiedene Abwechslung in der Wahl und Zusammenstellung der Knöpfe zeigte: darüber einen ehrwürdigen Radmantel, worauf alle Farben des Regenbogens spielten, und auf den Kopf einen Plüschhut, der hier und da den haltenden Pappendeckel hervorsehn liesse! In so stattlichem Aufzuge wäre ich für mein Leben gern einen Tag (versteht sich keinen Winter oder Hundstag) in so einer Catheder gesessen, das Schreibzeug vor mir, Papier und Feder zur Hand: um in dieser Art von Beichtstuhl die Geheimnisse manches schönen Kindes zu belauschen!
» Ma! Es geht schlecht, schlecht, sehr schlecht! sagte eines Tages der alte Schreiber, an dessen Katheder ich eben stand, um einen Bekannten zu erwarten. Ja sonst, in den alten Zeiten, als im Dogenpallaste noch alle Regierungsbehörden sassen, ja da war es ein anderes Ding. Da waren wir es, die den Ignoranten die nicht lesen und schreiben konnten, alle die Suppliken und Memoriale aufsetzten! Auch später war noch ein Stück Brot zu verdienen, bis auf den Tag, wo alle die Aemter wegverlegt wurden. Jetzt sitzen wir auf dem Trockenen. Vor vierzig Jahren, als ich durch Verwendung und Protection zu diesem Platze kam, hätte ich meinen Verdienst nicht um einen Silber-Ducato des Tages losgeschlagen. Jetzt erwerbe ich kaum den nothdürftigen Unterhalt. Die Zeiten haben sich sehr verändert. Nicht die Suppliken und Bittschriften allein trugen sonst klingenden Vortheil das Lesen und Schreiben war überhaupt noch nicht so gemein geworden; kaum einer oder der andere verstand es. Da war keine zärtliche Mutter um Nachricht von dem fernen über See gegangenen Sohn besorgt, kein zärtliches Mädchen hatte etwas an ihren Geliebten zu berichten, ohne dass es durch uns ging. Wir mussten die Briefe schreiben, und die Antworten mussten wir lesen; und sehn Sie lieber Herr, das wurde bezahlt! Jetzt geht jedes Kind in die Schule, sogar die kleinen Mädchen lernen schon schreiben. Da ist es aus.
Während ich den kunstreichen Schmuck an Jen Brunnen betrachtete, und den Mädchen und Frauen zusah, die kamer und gingen, um ihre Wassergefässe zu füllen, kamen mir die Worte meines venezianischen geheimen Volkssecretärs nicht aus dem Kopfe. War es doch eine so weise Vorsicht die Bureau’s aus dem Dogenpallaste zu entfernen, um dies ehrwürdige Denkmahl Venezianischer Hohheit vor der Gefahr des Feuers sicher zu stellen. Aber der Volkskanzler berechnete nur, wie viele Soldi, des Tages ihm dadurch entgingen.
Und die Klagen über die Verbreitung des Unterrichtes! Nun die sind nichts so besonderes. Wie viele klagen im Stillen mit dem geheimen Secretär unter dem Papierthor des Dogenpallastes in Venedig! Wie mancher schlägt das Kreuz vor der steigenden Bildung des Volkes, von der er nichts Gutes für sich weissagt. Freylich so ein geheimer Secretär gewinnt wenig dabey; und auch der Pfarrer hatte offenbar recht, welcher die Ehelosigkeit so vieler Mädchen den arithmetischen Kenntnissen unserer jungen Leute zuschrieb. Die Bedürfnisse des schönen Geschlechtes wachsen von Jahr zu Jahr. Wer dieses ewige Subtrahiren mit den leider nicht in gleichen Verhältnisse steigenden Summen der Einkünfte zusammenhält, und sich auf die Arithmetik versteht: sieht leicht, dass dabey aus der Multiplication kein sonderlicher Gewinn erwachsen kann.

November 1918 wurde einer als „Volkskanzler“ bezeichnet, und das war nicht einer aus der 18er Partei, und das war noch lange nicht 18 selber, der, einfach wie kurz erzählt, im November 1918 auf dem Weg von einem Lazarett nach München war, in eine persönliche Zukunft, die wieder eine hätte werden können, wie seinerzeit in Wien: arbeitslos, obdachlos und sozial untergebracht in einem Männerheim …

Und trotz dieser Geschichte des Begriffes „Volkskanzler“ wird nach wie vor die Geschichte vom „NS-Begriff“ verbreitet, wie auch wieder am 27. August 2024 in der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards, diesmal von Stefan Weiss.

Was [11] damit eigentlich sagt: Er, der „Volkskanzler“ (ein NS-Begriff) werden will, rede lieber hier in Hallein auf einer Straßenbühne zu den „einfachen Leut'“, als sich bei den Festspielen unter die vermeintlichen Eliten zu mischen.

In seiner „Geschichte des Begriffs ‚Volkskanzler‘: von [8] zu [11]“ berichtet Markus Sulzbacher im November 2023 zumindest davon, daß auch ein anderer „Volkskanzler“ genannt wurde, und nicht nur 8, dem zwölf Jahre an der Macht zugeschanzt wurden, die er dazu nutzte, alles in einem Fiasko enden zu lassen, zwölf Jahre, die 8 für sich selbst wohl als gute Jahre erlebte, vielleicht wollte 8 für sich selbst auch nicht mehr als zwölf gute Jahre, gar bescheidener hingegen der Anspruch von 11, wie es nun im August 2024 auf Wahlplakaten steht: „5 gute Jahre“

Wenn ein Mensch etwas weiß, möchte er etwa sein Geschichtswissen nicht nur in digitaler Form zu lesen wissen, sondern es auch gedruckt sehen, und die Tageszeitung des österreichischen Medienstandards erfüllt es ihm schon drei Tage später, veröffentlicht es ihm in seiner Druckausgabe vom 30. August 2024 …

Wie immer noch eine sonderliche Anerkennung der 18er Partei vorherrscht, diese hätte je irgendwas geschaffen, beispielsweise Begriffe wie „Volkskanzler“, dabei hat die 18er Partei stets nur eines gemacht, je alles, was sie vorfand, übernommen, gesinnungsgemäß einverleibt und ihrer Gesinnung gemäß mißbraucht

so wie es bis heute herauf in diesen Gemeinschaften gesinnungsgemäße Tradition ist, alles zu plündern, was nur igendwie geplündert werden kann, zum Mißbrauch für die eigene Gesinnung, die selbst nur eine aus dritter Hand —

Wie leicht es doch stets der 11er Partei gemacht wird, zurückweisen zu können, entkräften zu können,

sich als Verfolgte zu beklagen, als Opfer um Mitleid zu heischen,

die doch nichts mit der 18er Partei zu tun habe, wie es auch beim Begriff „Volkskanzler“ der Fall ist.

Und wenn schon auf Geschichte zurückgegriffen wird, um, oh, vor der 11er Partei aus hehren Gründen zu warnen,

so wäre es zutreffender, bei 54 zu beginnen, dessen Regierung unter dem wirtschaftswissenschaftlichen Einfluß stand, unter dem heute auch und weiter die 11er Partei steht, vor allem mit ihrer Kandidatin an sechster Stelle, die gerade das Wirtschaftsprogramm des Augustes 2024 der 11er Partei

In welchem Fiasko es damals endete, angerichtet von 54 und seiner Partei, läßt eher erahnen, wohin es wieder führen wird, einfach wie kurz gesagt,

wenn nach dem 29. September 2024 es wieder zu einer Regierung unter diesem wirtschaftswissenschaftlichen Einfluß kommen sollte,

zu einer nicht gewählten, sondern gemachten und angelobten Bundesregierung kommen sollte,

diesmal aber unter der ebenfalls nicht gewählten sondern gemachten und angelobten Führung von 811 —

„Euer Wille geschehe“

Auf den Straßen sind nun, kurz vor der nächsten Nationalratswahl in Österreich, Plakate abgestellt, auf denen so kurz vor dem 29. September 2024 zu lesen ist: „Euer Wille geschehe“, ohne Satzzeichen, von einer Parlamentspartei, die mit der Einsparung der Interpunktion wohl bereits ein sichtbares Zeichen ihres totalen Einsparungswillen mit verkünden will.

Wessen Wille soll dieser österreichischen Parlamentspartei geschehen? Auch das spart diese Partei bereits ein, den Namen zu nennen, dessen Willen sie will erfüllen. Denn sie, die Partei, kennt die Namen, und meint, das genügt, wenn sie allein die Namen kennt, deren Wille zu geschehen habe, Namen, die bereits durch „Euer Wille geschehe“ offenbart. Durchlauchten sind mit „Euer“ untertänigst anzusprechen, sie, die Partei, erbittet also von Hochherrschaftlichen mit geziemender Unterwürfigkeit, daß ihr Wille geschehe, der Wille auch von August von Hayek geschehe, in den himmlischen Bergen so in den erdigen Tälern.

Und da es geschrieben steht, kein Mensch solle sich von IHm ein Bild machen, ist auf den auf Straßen abgestellten Plakaten nicht ER abgebildet, sondern ein IHn Bittender, der IHm gleich in den Bergen zu wandern rechte Erfüllung findet.

Manche vor solch einem auf der Straße abgestellten „Euer Wille geschehe“-Plakat werden wohl ins Grübeln kommen und meinen, es sei etwas Religiöses dabei, und wahrlich, es ist, einfach wie kurz gesagt, etwas Religiöses dabei. Ein Jünger auf einer „bemerkenswerten Reise des Glaubens und der Einheit, in diesem Sommer an einer bedeutenden Pilgerreise durch die Vereinigten Staaten“ …

Diese Wallfahrt, die Teil des Nationalen Eucharistischen Kongresses 2024 ist, zielt darauf ab, das Land wieder Christus in der Eucharistie zu weihen. Die Pilger legen dabei Tausende Kilometer zurück, um das Allerheiligste in verschiedene Gemeinden zu bringen. [K. W.], der derzeit ein Studium in Washington, D.C. absolviert, verkörpert den Geist der Hingabe und Liebe zur Eucharistie: Er stammt aus Bayern — einer Region in Deutschland, die für ihre eucharistischen Prozessionen bekannt ist — und freut sich, dass diese Tradition in den USA Fuß fasst. „Es ist eine Freude zu sehen, wie sich dieses Konzept hier durchsetzt, wo es meiner Meinung nach viel nötiger ist“, sagte er gegenüber EWTN. Die Pilgerreise erstreckt sich über 10.000 Kilometer auf vier verschiedenen Routen, die auf den entgegengesetzten Seiten des Landes beginnen und in Indianapolis zum National Eucharistic Congress vom 17. bis 21. Juli zusammenkommen. [W.] geht die Marianische Route, die am Oberlauf des Mississippi in Minnesota beginnt und sich durch mehrere Staaten zieht. [K. W.], der von sich sagt, ein großer Liebhaber des Wanderns und Reisens zu sein, fand die Idee, ein dauerhafter Pilger zu werden, „von Anfang an ideal“. Besonders begeistert ist er vom Potenzial dieser Reise, die Menschen in einem umstrittenen und von Spaltung geprägten Wahljahr zu vereinen. „Jesus im Sakrament erwartet uns alle, unabhängig davon, welche Partei wir wählen oder woher wir kommen“, stellte er fest. „Diese Pilgerreise ist ein verbindender Moment, der dem Land Heilung bringen kann.“

Und wenn der Jünger Abkühlung meint zu brauchen, eine Heilung von der Hitze, wird er auf seiner dauerhaften Pilgergasse fern von seinem Swimming-Pool wohl zu seinem iPhone greifen, einen Apostel oder eine Jüngerin anrufen, um sich anzukündigen, er werde gleich vorbeikommen, um sich in dessen eigenen Swimming-Pool oder gar in deren Schwimmbad zu erfrischen, so wie es auf der Website des Hayek-Instituts am 27. August 2024 und wohl für alle Ewigkeit festgehalten, geschrieben von ihm selbst:

Ich weiß nicht wie es Ihnen dabei geht, aber ich fühle mich plötzlich ganz wohl in unserer Lage. Doch die Frage ist, wieso wir solche Katastrophen nicht mehr erleben – und aller Wahrscheinlichkeit nie wieder erleben werden? Wieso bringen unsere Hitzewellen, auch wenn mit negativen Folgen behaftet, nicht mehr solch extreme Konsequenzen mit sich? Natürlich war der Sommer 1540 schlimmer als alles, was wir in unserer Lebzeit durchgemacht haben, doch trotzdem ist es schwer vorstellbar, dass in der heutigen Zeit wieder eine Million Menschen wegen des Wetters sterben würden. Tatsächlich sterben – obwohl Klimatologen meinen, dass es zunehmend mehr Hitzewellen gibt – immer weniger Menschen aufgrund von warmen Temperaturen. Die Todesfälle aufgrund von Hitze in den USA sind seit 1960 dramatisch gefallen, von jährlich vierzig Menschen pro einer Million Menschen zu nur mehr zehn. Von einem Ausgehen des Wassers sind wir in der westlichen Welt weit entfernt – tatsächlich sind wir an einem Punkt, wo wir bei warmen Wetter einfach unseren Wasserkonsum erhöhen. Dass Wasserknappheit zu Essensknappheit führen könnte ist auch schon lange nicht mehr der Fall: die meisten unserer Energiequellen sind nicht mehr von Wasser abhängig und in einer globalen Weltwirtschaft können notfalls woanders die nötigen Lebensmittel eingekauft werden, sollten sie in der Heimat wirklich ausgehen. Der Grund dafür ist, ganz einfach, eben jener freie Markt und jenes kapitalistische Denken, das Handel vereinfacht und neue Technologien hervorbringt. Statt den rigiden Systemen des staatlichen Interventionismus, wo ein Ausscheren kaum möglich ist, kann auf dem freien Markt jeder Mann und jede Frau Innovationen hervorbringen, wenn er oder sie will und eine gute Idee hat. Der Unternehmer sieht eine Nachfrage für etwas und nutzt sodann seine Ressourcen, um die Lücke, die sonst niemand sieht, zu schließen und damit Profit zu machen. Dieser Prozess hat nicht nur immensen und niemals vorstellbaren Wohlstand hervorgebracht, sondern auch neue Technologien und die Möglichkeiten, sich ändernden Bedingungen anzupassen. Eine Hitzewelle lässt sich eben doch deutlich leichter leben, wenn man in einem klimatisierten Haus sitzt, Wasser im Supermarkt einkaufen (oder den Wasserhahn aufdrehen), sich per Uber Essen holen und für Strom (damals, anno 1540, noch nicht mal in Träumen vorstellbar) einfach die Steckdose verwenden kann. Mit seinem iPhone kann man derweil seine Bekannten anrufen und sich zusammen im Schwimmbad oder dem eigenen Swimming-Pool erfrischen. Und wenn man schon keine Klimaanlage hat, ist man zumindest für den Ventilator dankbar. Keine dieser Möglichkeiten stand den Menschen von 1540 zur Verfügung. Sich dies immer wieder bewusst zu machen – die Tatsache, dass es materiell gesehen noch nie eine Zeit in der Geschichte der Menschheit gab, wo das Leben besser und einfacher war – und sich auch immer wieder bewusst zu machen, wieso das der Fall ist, ist von essenzieller Bedeutung. Mit dem Aufstieg des Kapitalismus und der Industrialisierung vor etwas mehr als zwei Jahrhunderten begann dieser Prozess und hat sich seither stetig fortgesetzt. Selbst das Leben mit der Hitze hat dies zutiefst beeinflusst.

Und nach der Erfrischung im klimatisierten oder mit voll aufgedrehten Ventilatoren vollgestelltem Haus stets bei Wasser aus dem Supermarkt und Essen, das Uber bringt, vielleicht von einem anderen Kontinent, wenn die Lebensmittel doch auf dem Pilgerreisekontinent ausgegangen sein sollten, das Anstimmen der Lobgesänge auf Kapitalismus und Industrialisierungselbst das Leben mit der Hitze zutiefst …

In seiner Heimat in ihren Pools Jünger der rechten Wissenschaft, die mit ihm im hayekschen Beirate, erhoffen, er werde ihnen von seiner Pilgerreise ein ebenso reichlich vollgeschriebenes Tagebuch

Zu allen Zeiten das Gebet „Euer Wille geschehe“, und zu allen Zeiten wird ihnen gegeben

Was wohl in jener vergangenen Zeit Menschen ohne Swimming-Pools, ohne Ventilatoren, ohne Essen, ohne eigenen Wasserhahn und ohne eigene Steckdose in ihre Tagebücher über ihr Leben in diesen Tagen schrieben, wenn sie überhaupt noch Tagebücher besaßen, als wieder einmal Euer Wille geschah

Volkskanzler unter dem Einfluß von Hayek

Beim Lesen über die Netzwerke des österreichischen Adels wieder einmal auf Männer der Wirtschaftswissenschaft gestoßen, die auch im Heute noch Einfluß, besonders August von Hayek …

So sehr der Regierung Dollfuß Erfolg beschieden war, in Österreich ein autoritäres Regime zu errichten, so sehr versagte sie auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Regierung stand hier unter dem Einfluss des Ludwig von Mises (Ludwig Heinrich Edler von Mises) Kreises, dem u. a. die Wirtschaftswissenschaftler Friedrich August von Hayek […]

Die Regierung des „Volkskanzlers“ also „stand unter dem Einfluss“ dieses wirtschaftswissenschaftlichen Kreises, und

Sie standen für einen Kurs der Hartwährungspolitik, Haushaltsgleichgewicht, steuerlichen Entlastung für Unternehmen und einer Sozialabbaupolitik. Auf Mises Anregung erfolgte eine Erhöhung der Massensteuern. So ging das Jahr 1934 als ein Jahr erheblicher Steuer- und Gebührenerhöhungen in die Geschichte ein. Die Arbeitslosigkeit kletterte 1934 auf einen Rekordwert von 770.000 Betroffenen. „Aus blühenden Industriezentren wurden sterbende Städte: In Wiener Neustadt waren 60 Prozent arbeitslos, Steyr wurde zum Armenhaus Österreichs.“ „Die Arbeitslosen vom Marienthal“ wurden zum wissenschaftlich fundierten Zeugnis des wirtschaftlichen und persönlichen Elends: „Die Ansprüche an das Leben werden immer mehr zurückgeschraubt … die Energie, die noch bleibt, wird auf das Aufrechterhalten des immer kleiner werdenden Lebensraumes konzentriert … Am Ende dieser Reihe stehen Verzweiflung und Verfall.“ Von der Arbeitslosigkeit waren weniger die Frauen als die Männer betroffen. Die Betriebe hatten in der Krise schnell reagiert, die Männer entlassen und Frauen eingestellt. Frauenarbeit war billiger. Österreichs Kreditwürdigkeit war gegenüber anderen Staaten, wie Deutschland, Schweiz und England gering. So musste Österreich einen Zinssatz von durchschnittlich 14,9%, Deutschland hingegen nur 9,5%, die Schweiz 6,5% und England 6,3% zahlen. Industrielle Großinvestitionen blieben dadurch aus. Die USA als Hauptgläubiger der Welt begannen die Auslandsschulden einzutreiben.

Der Idee Schuschniggs, den Schilling deutlich abzuwerten, um die Exportwirtschaft wieder anzukurbeln, erteilten Nationalbankpräsident Viktor Kienböck und Finanzminister Ludwig Draxler eine Abfuhr. Man wollte sich vom Goldstandard nicht entfernen und die Hartwährungspolitik beibehalten. Man war der Überzeugung, dass die große Krise durch den Vertrauensverlust in das internationale Kreditsystem entstanden war. Für Kienböck war der Währungssektor das Fundament für eine „geordnete Wirtschaft“. Die größte Gefahr für eine stabile Währung sah er in der mangelnden Ausgabendisziplin des Staates. Deshalb wurde eine restriktive Finanzpolitik verfolgt und an einer harten Währung festgehalten. Damit verbunden waren Lohndisziplin, Abbau „unfinanzierbarer“ Leistungen im Bereich der Arbeitslosenfürsorge, Sparsamkeit bei öffentlichen Ausgaben. Mit der Wirtschaftskrise ging auch eine Krise der Sozialpolitik einher. Die Errungenschaften der Ersten Republik auf diesem Gebiet wollte man, da man sie mit der Sozialdemokratischen Partei in Verbindung brachte, abschaffen. So wurden die Arbeitslosenunterstützungen weitgehend eingeschränkt (1937 bekam nur mehr jeder zweite Arbeitslose eine Unterstützung). Es wurde ein „Freiwilliger Arbeitsdienst“ eingeführt, um v.a. die Jugend in Beschäftigung zu halten: Für einen Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es somit oft nur zwei Alternativen, entweder ohne Unterstützung zu bleiben, oder zumindest Beschäftigung und damit Unterkunft und Verpflegung zu bekommen. Auch mit dem Modell einer „Innenkolonisation“ wurde experimentiert: Man erhoffte sich damit eine Rückkehr zum Bauernstand, die Wiederverbindung des Menschen mit dem Boden. Dies brachte zwar eine Existenzmöglichkeit, doch das Verhältnis zwischen Arbeit und Ertrag, die Rentabilität, war gering. Außerdem waren die Lebensverhältnisse in diesen Notsiedlungen prekär, viel schlechter als in den angeprangerten Proletariersiedlungen. Bestimmungen für die im öffentlichen Dienst stehenden verheirateten weiblichen Bediensteten sahen ein Ausscheiden vor, wenn der Mann ebenfalls hier beschäftigt war. Nur Armee und Polizei blieben im „Ständestaat“ vom Sparkurs ausgenommen. Eine Arbeitsanleihe (1935) und eine Investitionsanleihe (1937) wurden nur zum kleinen Teil dafür verwendet, der große Teil hingegen zum Stopfen der Budgetlöcher. Dass die Wirtschaftskrise durchaus auch anders überwunden hätte werden können, zeigen die Beispiele aus Großbritannien, Schweden und den USA. In Großbritannien wurden veraltete Industrieanlagen abgebaut, die Wohnbautätigkeit gefördert, Exportgarantien abgegeben, um Exportsteigerungen zu erzielen und es wurden Industrieansiedlungen unter Steuererleichterungen in von der Krise besonders betroffenen Gebieten durchgeführt. Per Albin Hansson (Schweden) scheute sich nicht, die Staatsschulden zugunsten einer Beschäftigungspolitik auszuweiten. Unter dem US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt wurde die Abwertung des Dollars eingeleitet, mit dem Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken.

Kurz ist es her, daß ein Jünger von Hayek Präsident ward geworden, zu dem nichts mehr zu sagen ist, als bereits

August von Hayek selbst wird sich wohl nicht als Jünger von einem der „gewalttätigsten Diktatoren der Geschichte Lateinamerikas“ gesehen haben, und einer, der „Ideengeber“ ist, also Hayek, versteht sich menschgemäß mehr als einer, dem zu folgen ist, wie ihm eben zum Beispiel ein …

Nicht kurz ist es her, daß eine Jüngerin von Hayek eine Kandidatin für eine Partei ist, die in Österreich nicht nur eine Parlamentspartei zu bleiben sich erhofft, sondern auch wieder für sich erträumt, Regierungspartei zu werden, und diesmal sogar den Traum träumt, dem im Traum selbst die Unmöglichkeit der Verwirklichung beschieden wird, die nächste Regierung in Österreich anzuführen.

Und diese hayeksche Jüngerin arbeitete, es heißt „federführend“, mit an dem Wirtschaftsprogramm dieser Partei, für die sie kandidiert und hofft, nach der Nationalratswahl am 29. September 2024 einen Stuhl im österreichischen Parlament zu bekommen, vielleicht träumt sie gar von einem Stuhl als Ministerin … Das Wirtschaftsprogramm liege, so sie am „Dienstag bei einer Pressekonferenz“, vor und werde „derzeit noch etwas feingetunt“. „Die ehemalige Vizepräsidentin des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) kandidiert auf Platz sechs der Bundesliste und in Tirol auf Platz zwei.“ Die für diese Partei „frühere Innsbrucker Gemeinderätin, die nach Jahrzehnten ein politisches Comeback feiere, arbeitete an dem neuen Programm mit.“ „Sie nehme an,“ ihr „Bundesparteiobmann“ werde in seinem ORF-‚Sommergespräch‘ am 19. August bereits das ein oder andere daraus präsentieren und dann beim offiziellen“ „Wahlkampfauftakt Anfang September in Graz auch daraus referieren“, so sie „bei dem Pressegespräch in Innsbruck“.

Ein Bundesparteiobmann unter dem Einfluß einer Hayek-Jüngerin —

Zur Jüngerin Hayeks fällt unweigerlich ein weiteres Land Lateinamerikas ein – Honduras, in der sie eine Rolle innehatte. Und nur zur und doch nicht unwichtigen Erinnerung soll ein wenig aus einem Artikel aus „amerika21“ vom 29. Dezember 2022 zitiert werden:

Ohne die Narco-Diktatur hätten die ZEDE niemals eingerichtet werden können. Das Projekt trat 2013 mit der Veröffentlichung des Gesetzes 120-2013 im Amtsblatt La Gaceta in Kraft. Ein weiteres Gesetz installierte das Komitee für die Übernahme bewährter Praktiken (CAMP), das ist die Regierung der ZEDE. Darin sollten 21 Personen zusammenarbeiten, von denen nur vier aus Honduras stammen, die übrigen kamen aus anderen Ländern, vor allem aus Europa. Das CAMP wurde von [Jüngerin] aus Österreich, der Präsidentin des dortigen Hayek-Instituts, geleitet. Außerdem wurde per Gesetz die Gestalt des Technischen Sekretärs der ZEDE etabliert. Mit diesen Komponenten wurde 2017 die erste ZEDE gegründet, ZEDE Próspera. Sie verfügt über ein eigenes Gebiet auf den Bay Islands [vor der honduranischen Nordküste] und strebt derzeit den Aufbau von elf weiteren ZEDE-Projekten in Honduras an. Anfang 2023 präsentierten sie ihren ersten Wohn- und Bürokomplex: das Projekt Duna Ressorts.

Der Staat Honduras ist eine freie, souveräne und unabhängige Republik. Auf der Grundlage der Verfassung der Republik Honduras ist es unmöglich, die nationale Souveränität, das Territorium, die Grenzgebiete, die Küstengebiete, die Gebiete indigener Völker oder die Gebiete nicht-indigener Bevölkerung in irgendeiner Form abzutreten. Verfassungsrechtlich ist es völlig inakzeptabel, die nationale Souveränität in all ihren Dimensionen aufzugeben. Dazu gehören unter anderem wirtschaftliche, politische, territoriale und kulturelle Souveränität und die Souveränität über die Staatssymbole. Für die ZEDE wurde deshalb 2012 die Verfassung der Republik geändert, um gegen alles, was ich erwähnt habe, verstoßen zu können. Das bedeutet, dass die ZEDE alle Formen der Souveränität in Honduras mit legalen, aber keineswegs legitimen, Argumenten angreifen können. Denn die Bevölkerung von Honduras wurde bei der Durchsetzung dieses Projekts niemals konsultiert.

Aus diesem Grund hat Arcah erklärt, dass die ZEDE das größte extraktivistische Projekt des Kontinents sind, denn sie können alles enthalten, vom Bergbau bis zu agroindustriellen Parks, privaten Städten, internationalen Logistikzentren und allem, was in Artikel 2 des Gesetzes über die ZEDE steht. Damit könnten sie 65 Prozent des Staatsgebiets für sich beanspruchen und in Zukunft ihre Unabhängigkeit als ein weiteres Land erklären, wodurch der Staat Honduras allmählich verschwinden würde. Die Vorgehensweise ähnelt dem, was ein Parasit in einem Körper tut, indem er ihn von innen auffrisst, bis er stirbt. Es handelt sich um kleine Territorien, die wachsen, und am Ende wird die gesamte honduranische Bevölkerung als solche aufhören zu existieren. In den ZEDE geht nämlich auch die Nationalität verloren. Es gibt dort ein neues System von Dokumenten, Ausweispapieren, Geburtsurkunden, Zollunterlagen und Steuerunterlagen, die nichts mehr mit Honduras zu tun haben.

Grundlegend für die ZEDE ist auch, dass es sich um autonome Zonen handelt, die nicht mehr zum honduranischen Staat gehören. Dort haben weder die Vereinten Nationen, noch ein Parlament oder ein internationales Gericht etwas zu sagen, weil es sich um ein völlig privates Gebiet außerhalb des honduranischen Territoriums handelt.

Das Projekt der Privatstädte wurde 2010 in Honduras von transnationalen Investoren vorgestellt. Ausgehend von dem Gedanken, dass Honduras ein extrem verarmtes Land ist, schlugen sie eine Art Motor vor, der die Wirtschaft und den industriellen Produktionsprozess in Honduras beschleunigen soll. Honduras ist kein Industrieland, sondern ein Agrarland. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass das ZEDE-Projekt im Zusammenhang mit dem Staatsstreich von 2009 ins Leben gerufen wurde. Die honduranischen Privatstädte sind Laboratorien für Governance, für politische und wirtschaftliche Modelle, die in anderen Teilen der Welt noch nie ausprobiert wurden. Sie gehen sogar über den kapitalistischen Ansatz hinaus und sprengen die bisherigen Grenzen und Möglichkeiten des Handels und des Marktes. Ein klares Beispiel dafür ist das europäische libertäre Modell, das auf Murray Rothbard zurückgeht. Er schlägt unter anderem vor, dass alles um uns herum zu Geld gemacht werden kann. Alles um uns herum kann verkauft werden, und alles um uns herum kann gehandelt werden. Das ist der Grundgedanke der privaten Städte.

Dort haben weder die Vereinten Nationen, noch ein Parlament oder ein internationales Gericht etwas zu sagen, weil es sich um ein völlig privates Gebiet außerhalb des honduranischen Territoriums handelt. Das Projekt wurde international als eine sehr umfassende Zone für Investitionen präsentiert, in der jeder von überall her seinen Platz finden kann. Es ist wichtig zu betonen, dass sich mehrere transnationale Unternehmen mit großen Summen daran beteiligt haben. Ein Beispiel ist das Unternehmen Meta, zu dem jetzt auch Facebook gehört. So hat Mark Zuckerberg zum Beispiel Investitionen in die ZEDE Próspera getätigt. Es gibt auch Investitionen und ideologische Einflüsse von Elon Musk, der vor kurzem Twitter übernommen hat und von weiteren Unternehmen wie PayPal, acht europäischen Bitcoin-Unternehmen, Erdöl-Unternehmen, dem Architekturbüro Zaha Hadid, der Apolo Gruppe. Etliche große transnationale Unternehmen sind beteiligt.

Die rechten Regierungen in Honduras förderten die Gründung von „libertären“ Unternehmerstädten, den sogenannten „Zonen für Beschäftigung und Entwicklung“ (ZEDE). Nach massiven Protesten der Bevölkerung gegen diese totalkapitalistischen Enklaven wurde Anfang 2022 unter der neuen progressiven Regierung von Xiomara Castro ein Sonderbeauftragter für die Abwicklung der ZEDE ernannt und der Nationalkongress hob das ZEDE-Gesetz von 2013 auf.

Und wie wird „ZEDE“ in Österreich recht gar philosophisch dargestellt? Auf der Website von „Philosophicum Lech“, dessen Intendanz Österreichs gar bedeutsamster Philosoph innehat, ist am 23. August 2024 zu lesen über die Vortragende, über die Jüngerin, sie ist

Vorsitzende des Board of Trustees von ZEDE, Honduras, einer NGO für die Etablierung von Wirtschaftszonen zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Als „NGO“ hat der Bundesparteiobmann der Partei, für die Barbara Kolm nun kandidiert, auch eine Bruderschaft bezeichnet, die kein Mensch sonst als „NGO“ bezeichnen würde, außer eben deren Gesinnungsschwestern.

In den Räumen eines Immobilienimperiums in Österreich wurde einst, und die Jüngerin Hayeks war auch hier wieder mit dabei, ein „Rising Star Business-Netzwerk Club Tirol“ gegründet, das ist abschließend doch zu erwähnen, um zu zeigen, wie kurz das alles währt, von welch kurzer Dauer das alles ist, was von Menschen dieser Gesinnung geschaffen wird; von dem Imperium ist nichts geblieben außer …

Ein Mann von nachgesagtem Einfluß äußerte in diesem Sommer 2024 so etwas wie einen Aufruf: „Spielen wir also nicht mit. Spielen Sie da nicht mit.“ Wie wahr seine Äußerung, getätigt auf einer Bühne an ein Publikum, das nicht mitspielt, sondern, wie es in Theatern üblich ist, nur zusieht; so war es kein Appell, so war es nicht einmal ein Aufruf, so war es kaum eine Äußerung, sondern lediglich eine Feststellung für das, was auf Bühnen passiert, die einen spielen, die anderen sehen zu.

Und es wird zu erleben sein, kaum daß der September 2024 vorüber sein wird, daß wieder mitgespielt und wieder zugesehen werden wird — bei der Wende zu alles hin

Netzwerke

Am 20. August 2024 wieder einmal im falschesten Moment oder zum rechtesten Zeitpunkt den Fernsehapparat eingeschaltet, um folgende Geschichtsvorstellung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs zu hören, in der Sendung „Erbe Österreich“ mit Karl Hohenlohe, der diesmal zum idyllischen Besuch bei der Familie Piatti, in ihrem Schloß, in dem die Mutter der Astrologie zugetan, die Tochter Menschen mit ihrem „Heilssingen“ beglückt:

Berichtsstimme aus dem Off: Als sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die russischen Soldaten durch das von der deutschen Armee verwüstete Osteuropa Loosdorf näherten, um auch Österreich vom Nationalsozialismus zu befreien, versuchte der Großvater des heutigen Besitzers, Ferdinand Piatti, die Sammlung zu verstecken, wie sich sein Sohn in einer Willkommen-Österreich-Sendung 1996 erinnert:

Manfred Piatti: Man kann sich vorstellen, daß hier im Frontgebiet einiges passiert ist. Die Rote Armee hat hier sofort die Wehrmacht vertrieben und ein Divisionsstab hat sich hier eingenistet. Mein Vater hat, bevor er weg ist, durch belgische Kriegsgefangene im Keller das Porzellan in Kisten verpacken lassen, diese Kisten vergraben lassen. Die Russen haben das nach einiger Zeit gefunden und aus Wut und Zorn, daß der Besitzer nicht zu finden war, haben sie die Porzellansammlung, das was man hier sieht, ist der Rest davon, eben zu Scherben zertrümmert.

Karl Hohenlohe: Wer hat das dann ins Leben gerufen?

Verena Piatti: Das war der Großvater von Alfons, Ferdinand Piatti. Er hat nach dem Krieg das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Museum eingerichtet.

Karl Hohenlohe: Das ist er?

Alfons Piatti: Das ist er zum Beispiel ja. Auf dem Bild sieht man, er hat ja auch schon mit Afrika zu tun gehabt.

Karl Hohenlohe: Wer ist das?

Alfons Piatti: Das war irgendein Häuptling oder König, den er empfangen hat, weil mein Großvater war sehr politisch tätig, gesellschaftlich tätig […]

Karl Hohenlohe: Warum hat dein Großvater mitten im Weinviertel plötzlich, er macht ein Museum? Das ist ja ein Entschluß, du mußt quasi dein privates Haus aufmachen, du mußt Leute herlocken. Wieso, war das auch eine finanzielle Überlegung, warum hat er das gemacht?

Alfons Piatti: Eine finanzielle Überlegung war es ganz sicher nicht, ist es auch bis heute gar nicht wirklich. Aber er hat es gemacht, er war Soldat, also Offizier im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Und wie er zurückgekommen ist, nach dem oder während des Zweiten Weltriegs, war Loosdorf verwüstet, zerstört, kaputt, er hat ein Zimmer so belassen, wie er es vorgefunden hat, da wurde nichts restauriert, alles was kaputt war, Boden, Decke, und alles so gelassen. Und das war so die Grundidee, das zu transportieren, an Leute, die das sehen wollen, wie hat das ausgeschaut damals, damit das nicht vergessen wird.

Karl Hohenlohe: Das heißt, das ist wie ein bissel eingefrorene Zeit.

Alfons Piatti: Ja. Das hast du schön gesagt, genau. Eingefrorene Zeit. So kann man das sagen.

„Belgische Kriegsgefangene“ haben also für den „sehr politisch“ und „gesellschaftlich“ tätigen Großvater sein Familienporzellan verpackt und vergraben. „Damit das nicht vergessen wird“, wie das Enkelkind des Offiziers in zwei Weltkriegen sagt, also die Verwüstung, Zerstörung, die Familienporzellanscherben, Wut und Zorn von den Eingenisteten … „Damit das nicht vergessen wird.“ Das „Scherbenzimmer“ der …

Auf der Website der Piatti ist am 22. August 2024 hierzu zu lesen:

Die Familie musste im 2. Weltkrieg vor den Russen fliehen. Vorher wurde das wertvolle Porzellan im Keller von Schloss Loosdorf als Versteck eingemauert. Das Versteck wurde an die russischen Besatzer verraten und daraufhin mit unvorstellbarer Zerstörungswut in tausende Scherben zerschlagen. Alle Scherben wurden nach Rückkehr der Familie eingesammelt und in dem sog. „Scherbenzimmer” im Museum aufgelegt.

Wie recht doch das Enkelkind des Ferdinand Piatti hat, damit das nicht vergessen wird, etwa das, auf das auf der Website vergessen wird, daß „belgische Kriegsgefangene“ …

Damit auch das nicht vergessen wird, von dem in dieser hohenloheischen Idylle nicht erzählt wird, soll es hier erzählt sein, mit Zitaten aus „Österreichs Adel: Heimwehren, Widerstand gegen das NS-Regime Rudolf Graf Hoyos, Ferdinand Graf Piatti, Georg Graf Thurn-Valsassina“ von Manfred Stadler:

Ferdinand Piatti schrieb einen Brief an seinen Freund, den Staatssekretär der „Vaterländischen Front“, Guido Zernatto, in welchem er vorschlug, die Idee des Heimatschutzes wieder entstehen zu lassen: „In den Wehrformationen lag echte Begeisterung, ein wesentlicher Teil der Jugend von 17-30 Jahren stand in ihnen und schließlich habe der Hasch. (Anm.: Heimatschutz) alle politischen Schattierungen angezogen. Ich halte die heutige Form der V.F. (Anm.: „Vaterländische Front“) mit ihren 3,000.000 Mitgliedern für die Durchführung absolut ungeeignet, es sei denn es würde sich aus dieser unförmigen, unbeweglichen & unzuverlässigen Masse, ein Kern von verhältnismässig wenigen Männern herausschälen lassen, welche die Eigenschaften der alten Wehrformation aufweisen. Nicht das ich für das Wort Wehrformation eintrete (die Zeit ist für Waffen ausserhalb des Militärs auf jedenfall ungeeignet) nur auf den Geist, die Idee, den Elan lege ich Wert. War es nicht ganz etwas einzigartiges um diese prachtvolle Gesinnung dieser Männer? Alles hätten diese Leute hergegeben für die Idee & diese Menschen sind zum überwiegenden Teil noch immer zu haben, die Verbindung hat man ja noch immer mit ihnen … Es ist jammerschade, dass diese Bewegung nicht in vollster Blüte ist. Ich glaube, dass wenn sich dieser Geist voll erhalten hätte, würde der Naz. Sozialismus nicht annähernd diese Rolle spielen, diesen Anhang haben. So wie in Italien der Faschio, in Deutschland der Naz. Soz., wäre hier der Heimatschutz & es würden die meisten keine Veranlassung haben einer neuen Form des „Neuen“ nachzulaufen, respektive der Nachbar (Anm.: Italien, Deutschland) sich nicht verpflichtet fühlen uns eine für unser Land niemals passende Art der autoritären Führung aufoktruieren zu sollen. Gibt es die Möglichkeit noch einmal von Frischen diese 3 notwendigen Voraussetzungen zu schaffen?

Ob das Wort Heimatschutz das Richtige ist, weiss ich nicht, vorallem dürfte aber das Wort Faschismus nicht hervor gehoben werden, da letzterer Begriff der Arbeiterschaft durch Jahre als ihr grösster Feind (zwar sehr zu Unrecht) & als Inbegriff der Unterdrückung aufgezeigt wurde.

„Vor allem aber“ dürfe „das Wort Faschismus nicht hervor gehoben werden“, schreibt der Großvater an Guido Zernatto, dem auch die „Zigeunerfrage“ ein rechtes Anliegen zur Lösung

Wie heutig schlägt Ferdinand Piatti „Heimatschutz“ und nicht „Faschismus“ vor, will dem „Faschismus“ die Maske „Heimatschutz“ überziehen, „Heimatschutz“, für das weiter und wieder ein Wort des „Richtigen“ gesucht wird, und manche scheinen es wieder gefunden zu haben: „sichere Heimat“ etwa … Heimatsicherheit ist dem Großvater nicht eingefallen, oder Heimatsicherung, vielleicht, weil Sicherungen durchbrennen können und zu viele doch, die Befürchtung, wissen, was dann passiert, wenn Sicherungen durchgebrannt sind — Dunkelheit, Finsternis …

Rudolf Hoyos, Ferdinand Piatti und Georg Thurn-Valsassina waren miteinander durch viele Netzwerke, die eng geknüpft waren, verbunden: Verwandtschaft, Freunde, Heimwehren, „Vereinigung katholischer Edelleute in Österreich“, „Vaterländische Front“ und „Österreichische Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“. Hoyos und Piatti waren Mitglieder im Malteser-Ritter-Orden. Rudolf Hoyos hatte noch Mitgliedschaften im „Jockey-Club für Österreich“, in der „Viribus unitis“, im „Reit- und Polo-Klub“ und in der „Leo-Gesellschaft“. Ende der 1920er Jahre waren die drei Grafen als Kommandanten in den Heimwehren, Hoyos und Piatti in Niederösterreich, Thurn-Valsassinain Kärnten, zu finden und schließlich an den Februarkämpfen und an der Niederschlagung des NS-Putsches 1934 beteiligt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren sie christlichsozial, ab ihrem Eintritt in die Heimwehren faschistisch orientiert. In der „Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“ fanden Rudolf Hoyos und Ferdinand Piatti ein reiches Betätigungsfeld. In dieser Gesellschaft bekleideten sie mehrere Funktionen und veröffentlichten in den„Mitteilungen der Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“zahlreiche Artikel. Politische Aufgabengebiete bekamen Hoyos, Piatti und Thurn-Valsassinac innerhalb der „Vaterländischen Front“: Rudolf Hoyos hatte hier die höchsten Funktionen als Vorsitzender des Staatsrates und Präsident des Bundestages inne. Ferdinand Piatti war Bundeswirtschaftsrat in der Sektion Land-und Forstwirtschaft, Mitglied des Bundestages, des Budget-und Finanzausschusses und des Sozialpolitischen Ausschusses. Georg Thurn-Valsassina war Staatsrat, im Außenpolitischen Ausschuss und Bundesjugendführer von „Jung-Vaterland“. In dieser Funktion veröffentlichte er auch zahlreiche Artikel in den Organen der Arbeitsgemeinschaften der österreichischen Jugendverbände. Rudolf Hoyos war Legitimist. Piatti und Thurn-Valsassina standen den legitimistischen Organisationen nahe. Beim „Anschluss“ sprachen sich Hoyos und Piatti für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich aus. Rudolf Hoyos und Georg Thurn-Valsassina wurden mehrmals von der Gestapo verhaftet. Ferdinand Piatti wurde nicht verhaftet, da er politisch im „Ständestaat“ nicht so exponiert gewesen war. Piatti nahm als Offizier der Deutschen Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil (bis Sommer 1943). Auch Rudolf Hoyos wurde zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und war für die Assentierung von Pferden zuständig (bis Juli 1944). Hoyos und Piatti hatten im Krieg den Tod ihrer Söhne zu beklagen (Hoyoseinen, Piatti zwei Söhne). Im adeligen Widerstandsnetzwerk fanden sich Ferdinand Piatti und seine Frau Anna („Widerstandsgruppe Helfenberg“ von Peter Revertera).

Stellvertretend für den österreichischen Adel gaben die Grafen Rudolf Abensperg und Traun, Rudolf Hoyos, Max Coreth, Ferdinand Piatti und Peter Revertera folgende Erklärung ab: „Bewegten Herzens sind wir alle Zeugen grössten geschichtlichen Geschehens gewesen. Freudig begrüssen wir die glückliche Beendigung des unseligen Bruderstreites und das durch des Führers Tat geschaffene grosse einige deutsche Vaterland. Seit unvordenklichen Zeiten war der deutsche Adel Österreichs gewohnt, seine Pflicht gegenüber Volk und Vaterland restlos zu erfüllen. Er stand in vorderster Front, hat auf fast allen Schlachtfeldern geblutet … in allen Zweigen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft seinen Mann gestellt. Eingedenk dieser grossen, heiligen Tradition erklären wir es als unsere selbstverständliche Pflicht, als deutsche Edelmänner … zu Volk und Reich zu stehen und damit seinem grossen Einiger und Führer Adolf Hitler volksverbunden und bodenverwurzelt die Treue zu halten. In diesem Sinn ergeht unsere Aufforderung an den gesamten österreichischen Adel, sich nicht nur am 10. April zu Volk, Reich und Führer zu bekennen, sondern auch … alle Kräfte in den Dienst des Aufbaues des erneuerten Deutsch-Österreich als Glied des nationalsozialistischen deutschen Reiches und seiner segensreichen Zukunftsgestaltung zu stellen.“ „Fünf Vertreter des Oesterreichischen Adels erschienen gestern bei Gauleiter Bürckelund brachten in einer Erklärung (Anm.: die eben zitierte) die Bereitwilligkeit zum Ausdruck, Seite an Seite mit Bürgern, Bauern und Arbeitern in neubesiegelter Volksgemeinschaft ihre Pflicht zu tun, in einer Stunde, die nach tausendjährigem Hader den heissen Wunsch aller Deutschen verwirklicht und erfüllt: Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ Unterschrift  (unleserlich) Rudolf Graf Abensperg und Traun Max Graf Coreth Rudolf Graf Hoyos Ferdinand Graf Piatti Peter Graf Revertera
Am gleichen Tag (24. März 1938) wendete sich Rudolf Hoyos in einer Rede zu den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Hoyos`schen Gutsbetriebe:„Im Einvernehmen mit unserem Gutsherrn, meinem Vater, und über dessen Auftrag richte ich heute in ernster schicksalshafter Stunde die folgenden Worte an Euch: „Bewegten Herzens … (Anm.: siehe die ersten zwei Sätze der vorher zitierten „Erklärung“). Im Sinne des Führers und seiner Bewegung … gilt es nun nach alter Gewohnheit ganze Arbeit zu leisten … Wir haben einen schweren oft verkannten Kampf gegen demokratische Korruption, gegen Eigennutz, gegen antinationales marxistisches Denken, gegen Wirtschaftsverderbnis, gegen Zerreissung des Volksganzen in Klassen und Parteien geführt … Wir freuen uns, dass nun nach dem historischen Umbruche auch unsere ursprünglichen Kampfziele im jungen nationalsozialistischen Deutschösterreich glückliche Erfüllung finden sollen. Unter den neuen Fahnen wollen wir in wohlgeordneter sozialer Zusammenarbeit opfermutige treue Mitkämpfer und Mitarbeiter sein. Unser Bekenntnis zu Volk, Reich und Führer, unser ganzes starkes Wollen werden wir Schulter an Schulter am 10. April, am Tag der Abstimmung des deutschen Volkes durch ein klares und offenes Ja besiegeln.  H e i l  H i t le r ! ” Wien, am 24. März 1938 (Unterschrift) Rudolf Graf Hoyos

Angesichts der Weltwirtschaftskrise und den daraus resultierenden Problemen, wäre eine Zusammenarbeit der beiden Großparteien von größter Wichtigkeit gewesen. Mit den Arbeitslosen stiegen die Zahl der Unzufriedenen und das soziale Elend. Wirtschaft und Industrie drängten auf Lösungen. Die von der österreichischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen (Großbauprojekte und Stützung der Preise für landwirtschaftliche Produkte) zur Bewältigung der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit blieben wirkungslos, da man an der Hartwährungs-und Sparpolitik festhielt. Dass es durchaus auch anders gegangen wäre, haben Länder, wie Großbritannien, Schweden und die USA vorgezeigt. Mussolini hatte mit dem italienischen Faschismus einen politischen „Erfolgsweg“ (Vernichtung des politischen Gegners, Wirtschaftsaufschwung) eingeschlagen, der vielen Staaten Europas mit instabilen politischen Verhältnissen und wirtschaftlichen Problemen nachahmenswert schien, so auch Österreich. Der „Duce“ hatte, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgend, zunehmend in der österreichischen Innenpolitik mitgemischt und Dollfuß gedrängt, sein Erfolgsmodell auch in Österreich zu installieren, damit die Demokratie zu beenden und die Sozialdemokratie zu zerschlagen. Die Auflösung des Parlaments und die Februarkämpfe hatten Dollfuß dabei in die Hände gespielt. Die Heimwehren waren, zusammen mit Einheiten des Bundesheeres und der Exekutive, an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt. Sie (die Heimwehren) und die in ihnen wirkenden Adeligen vertraten einen faschistischen Kurs („Korneuburger Eid“). Dieser wurde nun auch eingeschlagen.

An den adeligen Netzen wird, kann einfach wie kurz gesagt werden, weiter gesponnen, wie es auch die Lostorffer Sommergespräche 2024 nahelegen. Wenn auch die Zitate zu Ferdinand Piatti den Eindruck erwecken, es ginge um ihn und seine Familie,

es ginge um die Vergangenheit, es ginge um den Adel,

so nur höchstens in einer Hinsicht, daß es nicht vergessen wird, damit es nicht vergessen ist, womit die Forderung seines Enkelkindes erfüllt sein sollte.

Worum es aber tatsächlich geht, ist die Gegenwart, für die Männer der Wirtschaftswissenschaft stehen, die in diesem Buch von Manfred Stadler über den österreichischen Adel auch genannt werden, die damals einen großen und also katastrophalen Einfluß auf die kanzlerdiktatorische Regierung in Österreich hatten, und eine Anbeterin dieser ökonomischen Zugerichtetheit könnte bald schon — dazu aber, weil es wesentlich für Gegenwart und Zukunft, ist ein eigenes Kapitel vonnöten …

Einst Pflichtlektüre in einer Volkskanzl

So weit wird es wohl nicht gehen, daß aus den Lehrplänen die Evolution, das Periodensystem der Elemente, Energiequellen verschwinden, wie in einem Land, das dennoch weiter als Demokratie verkauft wird, eine mit der sich noch weiter zu verbinden, kurz ist es her, auch der Österreichs Staatsspitze ein heißer Wunsch

Dies ist nicht das einzige Land, dessen Führer

beispielsweise die Evolution nicht mehr zu unterrichten wünscht

Und was in einem weiteren Land, das von seinem Führer auch weiter als Demokratie verkauft wird, alles nicht mehr, dies alles aufzuzählen, ist nicht notwendig, ein paar Klicks genügen, um auch über diesen Führer alles zu erfahren, was ihm keine Schule der Menschen mehr sein will.

Und seit es diesen Führer in einem weiteren Land gibt, ist manches zur Pflichtlektüre geworden, gewiß aber auch einiges,

das mit Bestimmtheit je keine Pflichtlektüre in der chinesischen Kolonie, aber, das würde nicht überraschen, auf einen Index

Und was auf einen Index kommt, ist im harmlosen Fall, wenn es denn so genannt werden darf, ein Aus-den-Regalen-Nehmen von Büchern mit finanziellen Einbußen für die Schreibenden,

im schlimmsten Fall zum Verbrennen, das für die Schreibenden selbst lebensbedrohlich werden kann, mit tödlichen Folgen.

Bei dem einen und anderem oben erwähnten Land setzt sich, auch in Österreich, die Begrifflichkeit durch, von „illiberalen Demokratien“ zu sprechen, wie zur Eigenberuhigung, „illiberal“ aber doch weiter „Demokratien“, mit denen sich zu verbinden, „Demokratien“ aber noch „liberale“ keine Verbiegung ihrer Demokratien, deren Gewissen weiter unbefleckt bleiben können. Von „liberaler Demokratie“ zu sprechen ist zum einen ein gedankenloses Nachsprechen der „Illiberalen“, die die Marke „illiberale Demokratie“ aufbrachten, eine „illiberale Demokratie“ ist keine Demokratie, und das hilflose Entgegentreten mit „liberaler Demokratie“ ist im Grunde schon die Aufgabe der Demokratie.

Denn. Demokratie ist Demokratie, ohne Beiwort, ohne Beschränkung, ohne Einhegung, sonst ist sie keine Demokratie.

Es gibt auch in Österreich

Begehren, noch bescheiden als Empfehlungen,

Anpreisungen als „Fundgrube“,

aber wenn die Volkskanzl kommen sollte, wieder gemacht und wieder nicht gewählt, dann könnte es auch zu Pflichtlektüren kommen; von den möglichen Spielplänen wurde schon erzählt …

Für die Erwachsenen in der Nacht zum Genuß auf der Bühne das „Melodrama Theodor Körner“ mit weberischen Gassenhauer und für Schüler als Pflichtlektüre; und wenn das Lehrpersonal modern, dann die Pflichtlektüre für Schülerinnen mit den Schwertmelodien von Carl Maria von Weber

Wenn dies eines Tages, stellen Sie sich vor, dies eines Tages an österreichischen Schulen, stellen Sie sich vor, Pflichtlektüre, dann ist es nicht unvorstellbar, daß es in Österreich so weit kommen kann, wie es jetzt schon in den illiberalen und also demokratielosen Staaten gekommen ist, auch in den Schulen …

Oberjäger. (Wickelt sich fest in seinen Mantel und legt sich bei dem Wachtfeuer nieder.) Der Lieutenant hat Recht ! Schlaft, daß morgen die Schwerter nicht bleiern wiegen. Gute Nacht !
Einzelne Reiter. (Durcheinander.) Gute Nacht !
Körner. (Tritt, sobald die Musik verklungen, vollständig gerüstet aus der letzten Coulisse links, geht, die Arme verschränkt, langsamen Schrittes zum Wachtfeuer, wo er im tiefsten Ernste die Schläfer betrachtet.) Wie sie so ruhig schlafen ! — — — — — — —
Ehe die Sonne ihre Höhe erreicht, ist Mancher der Erde entrückt ; Mancher steht vor seinem Richter, — Mancher ! – Mancher ! — — — — — Die üppige Blüthe kraftvoller Jugend ist für Viele zum Grabe gereift ; — Mancher, den jetzt ich noch, ein Bildnis der Vollendung, schaue, wird morgen verstümmelt auf dem Felde liegen, und unter den Hufen unserer Rosse den erlösenden Tod herbeisehnen ! — — — — — Und sie schlafen ! — — — — —

Hier schaue her, armes Vaterland, suche Hoffnung auf der Stirne dieser Schläfer ! Tritt her, herzlose Tyrannei, tritt her und zittere vor der strafenden Nemesis : Schau‘ auf diesen Mund, der eine Stunde vor der Schlacht lächend köstlicher Küsse gedenkt, sieh‘ diese Linke die gramgebeugte Eltern von sich drängt, während die tapfere Rechte an Schwertesgriff sich trotzend ballt !

Ja, Vaterland, deine Sache ist gerecht : Dieser Schläfer Handwerk ist blutig, doch schuldig sind sie nicht; sie wirst Du nimmer fragen, himmlische Gerechtigkeit : „Wer hieß Euch morden ?“ Nimmer wirst Du fragen : „Wieviel des Blutes klebte an Euren Schwertern ?“ — — Wer, den Fuß im Grabe, schlafen kann, wer in dem letzten Traume dieser Welt seiner Lieben gedenkt und abwehrend nach dem Schwerte greift, wer lächeln kann, wenn schon die Posaunen zum Gerichte rufen und der giftige Odem der Verwesung ihn umgibt, der kann nicht schuldig sein : Er siegt in der gerechten Sache, oder geht unter als Held ! — — Legt dem jungen Löwen Ketten an, — er wird sie tragen, dann wird er sie brechen, wie morsche Stränge, und Wehe dem, der der erwachten Natur entgegentritt: Mit seinem Leben muß die Tyrannei er zahlen !

Ein weiser Schöpfer gab dem Thiere den Drang nach Freiheit, — soll der Mensch sich knechten lassen ? –

Soll er im eisernen Joche Gesetze gehorchen, die eine fremde Hand dictirt?

Nein, nein, das willst Du nicht, Schöpfer des Löwen ; Du hast auch diese Brust geschaffen, Du kenn’st ihr Drängen und richtest nicht, wenn für Freiheit und Recht alle Saaten mit Blut getränkt, Du richtest nicht, selbst wenn eine Welt darüber zu Schanden ginge. — — — — — — — — — — —
Dem großen Werke habt Ihr Euch geweiht, frei wollt Ihr leben oder sterben den Helden auf den Trümmern einer Nation : So kämpfet denn, wie Männer, siegt oder fallet als Helden, und Euer Schlaf wird der der Unschuld sein, möge er auch währen bis zu dem jüngsten Tag ; — Ihr lebt und werdet ewig leben in dem Herzen einer dankbaren Nachwelt !

(Kleine Pause, während welcher Körner tief ergriffen nach dem Vordergrunde geht.)

Die Nacht ist schon weit vorgerückt und noch finde ich keine Ruhe !

(Setzt sich an den Fuß der Eiche und legt den Ezakow ab.)

Das Herz ist mir so voll, trübe Bilder beengen die Brust : Ich weiß nicht was, aber ich fühle ein Etwas in mir, das mich zur Wehmuth stimmt. — — Ist es Furcht ? — — Nein, nein: Bis jetzt habe ich sie nicht gekannt, warum sollte sie denn heute Raum gewinnen ? — — — Ist es der Gedanke an das Elternhaus ? — — Was mögen sie machen ? Wird der Vater, wie sonst, noch bei der Lampe sitzen und in Büchern und Acten sich vertiefen, oder ist er im Geiste bei seinem Theodor?

Wird die Mutter die Sorge um den Sohn im Schlafe vergessen haben, oder sitzt sie weinend auf ihrem Lager ? — — — Und Toni ? — — (Starrt gedankenvoll vor sich hin, fährt dann plötzlich betroffen in die Höhe.) Wer ruft ? Wer nennt meinen Namen ? — — — — — Niemand ? — — — Ich hörte deutlich „Theodor“ rufen und, wie mir schien, von lieber Stimme ! — — Giebt es Ahnungen ? (Kleine Pause, dreht sich dann erschrocken rasch um.) Ich komme ! Wer ruft ? (Geht suchend nach dem Hintergrunde, kehrt dann in den Vordergrund zurück; erschrickt plötzlich und ruft mit schmerzvoller Sehnsucht.) Toni ! — — — — — — (Mit unheimlichem Gefühle.) Keine Antwort ? — — — — Sollte es ein Lebewohl gewesen sein ? — — — — Dunkle Gottheit, darf die Seele den Leib verlassen, um den Geliebten zu umschweben ? — — — — — Giebt es Ahnungen ? — — — — — — — —

(Gefaßt, mit Gefühl.) Sollte es ein letzter Gruß gewesen sein, so lebet wohl, alle meine Lieben, lebt wohl und zürnt mir nicht : Ich konnte euch den Schmerz nicht sparen ! – Nicht jugendlicher Uebermuth zwang mir aus Euren Armen, nicht war es die Ehrfurcht, die mir die Leyer entriß und mit dem Schwerte mich waffnete, nein, es war ein heiliges Drängen, es war die Vaterlandsliebe, die mich in’s Feld geführt !

(Der Morgen dämmert.)

Die Erde, die unseren Hermann trug, war deutsche Erde, und deutsch soll sie sein, so lange ein deutscher Arm noch ringen kann : Für Deutschlands Freiheit zerschellte ich die Leyer, für Deutschlands Freiheit muß ich siegen oder bluten !

(Klopft auf die Brust.) Es ist hinweg, ich athme wieder frei ! (Setzt sich wieder an den Fuß der Eiche, und blickt gedankenvoll in die nach und nach emporsteigende Sonne.)

„Ahnungsgrauend, todesmuthig;
„Bricht der große Morgen an ;
„Und die Sonne kalt und blutig,
„ Leuchtet uns’rer blut’gen Bahn.
„In der nächsten Stunde Schooße
„Liegt das Schicksal einer Welt :
„Und es zittern schon die Loose,
„Und der eh’rne Würfel fällt !“

(Kleine Pause.)

Jetzt brichst du dir Bahn, hehres Licht ; rein, wie die Gottheit selbst, tritt’st du aus dem Nebelschleier neidischer Wolken und kündigst uns so freundlich die Gnade der allwaltenden Liebe ; doch, wenn dein Lauf vollendet, wirst du trüben Blickes scheidende Grüße auf ein Feld der Verwüstung senden, trauernd wirst du bleiche Lippen zum Abschiede küssen, um dann mit dem Schleier der Nacht das blutige Werk der eitlen Welt zu decken` — — — — — Vielleicht sind es auch meine Lippen, die du küssest ! — — — — —

(Er lehnt sich gegen den Eichbaum und nimmt aus der Brusttasche ein Notizbuch, in dem er liest und blättert; nach kleiner Pause schreibt er mit mehrfachen Unterbrechungen:

Es ist dies die Dichtung des Schwertliedes; eine säuselnde Musik hinter der Scene (conf. Partitut Kro. 5) begleitet den allmählig begeisterter werdenden Dichter mit der bekannten Melodie des Schwertlieds; um die in der Handlung entstehende Leere nicht zu fühlbar werden zu lassen, ist das Erwachen des Tages in möglichster Pracht und Ausdehnung zu geben, als: Sonnenaufgang, entferntes Glockengeläute; nach zwei Versen schweigt die Musik.)

(Trompetensignal hinter der Scene.)

(Körner wird weder durch das Signal, noch durch die Unterhaltung der erwachenden Reiter gestört, und dichtet ruhig weiter.)

Oberjäger. Heda ! Auf ! Der Hahn hat gekräht !
Alle. (Erheben sich dehnend und streckend.)
2 r Reiter. Das war ein göttlicher Schlaf !
4 r Reiter: Davon weiß ich just nichts zu sagen : Meine Knochen sind wie gerädert !
3 r Reiter: Das gewöhnt sich, Kleiner ! Der Schlaf war prächtig, nur ein Bischen kurz !
1 r Reiter. Gar nicht des Niederlegens werth !
Oberjäger. Kein Wunder, wenn man bis gegen Morgen tollt ; — doch jetzt zur Fütterung : Erst das Pferd und dann der Mann, das ist Reiter-Manier.
Alle. (Durch die letzte Coulisse links ab.)
(Kleine Pause, während welcher die Melodie des Schwertliedes von oben sich wiederholt ; nach einem Verse schweigt die Musik.)

„Der Freischütz“ am Jahrestag der Befreiung Europas

Am Jahrestag wurde zur Feier der Befreiung Europas „Der Freischütz“ uraufgeführt.

Es ist also nicht gleichgültig, was an einem bestimmten Tag gegeben wird, was an einem bestimmten Tag mit einer bestimmten Aufführung vermittelt werden will; was wohl die Wiener Staatsoper am Tag der Befreiung vermitteln möchte? „Der Freischütz“ wurde von ihr am Tag der Befreiung nicht aufgeführt, sondern —

„Der Freischütz“ wurde nicht am Tag der Befreiung vom industriellen massenmörderischen Nationalsozialismus gegeben, sondern am 18. Juni 1821 in Berlin, am Jahrestag der Schlacht von Waterloo 1815, als Feier von der Befreiung von einem kriegsmassenmörderischen Diktator. Und mit welcher Oper sonst hätten sie den Jahrestag der Befreiung feiern können, als eben mit dieser Oper, die, so heißt es, die „deutsche Oper“ begründete, die als die „erste deutsche Nationaloper“ bezeichnet wird, zu der vor rund einhundertachtzig Jahren die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ schrieb:

„Kinds und Webers Freischütz ist aber auch eine echt deutsche Oper. Ja, man kann in gewisser Hinsicht sagen, sie hat in sich selbst die erste in jeder Beziehung rein deutsche Nationaloper hingestellt. Die älteren Erscheinungen im Gebiete der deutschen Oper (natürlich ist hier nur von den bedeutenden die Rede) hatten fast alle irgendetwas Fremdartiges, Nichtdeutsches an sich, sei es in der Musik oder in den Büchern.“

Zum „Freischützen“ fällt Ludwig Börne vor rund zweihundert Jahren dies ein:

Es ist eine Deutsche volkstümliche Musik, wie wir doch eigentlich noch gar keine haben.

Wer kein Vaterland hat, erfinde sich eins! Die Deutschen haben es versucht auf allerlei Weise […] und seit dem Freischützen tun sie es auch mit der Musik. Sie wollen einen Hut haben, unter den man alle deutschen Köpfe bringe. Man mag es den Armen hingehen lassen, dass sie sich mit solchen Vaterlandssurrogaten gütlich tun.

Dieses „Vaterlandssurrogat“ wird nun, mehr als zweihundert Jahre später, in Bregenz gegeben, die Premiere war am 17. Juli 2024 — desselben Tages wird der „Welt-Emoji-Tag“ gefeiert …

Es wird vielleicht bald die Zeit kommen, wenn die Volkskanzl hinter verschlossenen Türen ungewählt ausgemacht, in der Carl Maria von Weber selbst

auf der Bühne zu erleben sein wird, wenn die Werke zu Theodor Körner Wiederauferstehung feiern werden,

die namensgleiche Oper in der Wiener Staatsoper,

die namensgleiche „biographische Handlung“ im Burgtheater, in der dann Carl Maria von Weber als eine der „stummen Personen“ —

und das namensgleiche Melodrama in der Volksoper

Carl Maria von Weber als „stumme Person“ in der „biographischen Handlung“ braucht nicht zu reden, es sprechen in dieser für ihn seine Noten, die er geschrieben zum „Schwertlied“; es waren dies nicht die einzigen Noten, die er körnerischen Gedichten beisetzte. Wie er wohl reagiert hätte, wäre er im Melodrama gesessen und hätte seine „Schwertlied“-Noten gesungen gehört, aber ungenannt, nicht einmal als „stumme Person“ angeführt, hätte er die Bühne gestürmt, unter Rufen „Das Schwertlied bin ich!“?

Vielleicht hätte er, Carl Maria von Weber, auch geklagt, seine „Lützows wilde Jagd“ fehle in diesem Melodrama der Reiter, Lützows reitenden Jägern

Zuschauerraum und Scene gleichen genau dem Burgtheater zu Wien am Abend des 31. Dezember 1812 bei der historischen ersten Vorstellung von Körner’s „ Zriny „. Man giebt, möglichst treu und Art nachahmend, gerade die letzte (siebente) Scene des letzten Aktes. Man hat sich vorzustellen, dass die Tragödie zum ersten Male aufgeführt wird. Die vorhergehenden Akte haben die volle Symphathie des erwartungsvollen Publikums gefunden, das bereits bewegt und zum Enthusiasmus angeregt ist. Unter grösster Stille hebt sich der Vorhang.

So beginnt die „biographische Handlung“. Und wenn es wieder aufgeführt wird, wird wohl bald die Forderung erhoben werden, den ganzen „Zriny“ auch zu geben, statt das Stück von einem späteren Dichter, der die

Anna und Olga gehen nach dem Begräbnis des Vaters nachhause; Professor Robert Schuster, ihr Onkel, bleibt im Hintergrund, ist noch nicht zu sehen; aber man sieht das Burgtheater im Nebel

Burg bloß von außen — Aus dem Burgtheater ist er, Körner, gekommen, oder, wie es in der „biographischen Handlung“ geschrieben, in seinen Worten:

Ich bin aus Oestreich’s Kaiserstadt gekommen, so wie ich dorten Lützows Ruf vernommen, dem Freiheitskampfe hab‘ ich mich geweiht, in ihm zu sterben seht Ihr mich bereit.

Zu was er gerufen, das verschweigt er nicht.

Und daß, wenn Deutschland einig blieb, es einer Welt Gesetze schrieb“. Doch wollen wir im Tod und Leben des eignen Muthes uns erfreu’n. „Und mögen gold’ne Schurken beben, und sich vor Kraft und Tugend scheu’n und mit der Feigheit Schwindeldreh’n vor dem erwachten Volke steh’n – es kommt die Zeit zur guten Sache, zur Freiheit, zum Tyrannnentod. Du wirst die Feinde doch erschlagen, dein deutsches Land befrei’n! Liegt auch der Tag noch Jahre weit,“ es kommt die Zeit, die rechte Zeit, „die rechte Zeit zur guten Sache“, zur Freiheit, zum Tyrannentod. Du treuer Gott, verwalt‘ es gut!“ „Und färbt die deutschen Ströme roth mit Sclavenblut und freiem Blut im Kampfe für das höchste Gut! Du treuer Gott, verwalt‘ es gut.“

Kaum daß die Rede von der bregenzerischen Bühne herab beginnt, ist es auch schon vorbei mit dem Zuhören, verleitet die Vorfreude auf den „Freischützen“ am „Welt-Emoji-Tag“dazu, mit Carl Maria von Weber und Theodor Körner in die Vergangenheit der Gegenwart … Von der Rede aber wird doch etwas im Gedächtnis bleiben: „Das mit dem Dirigenten. Das hat schon was. Wenn man da am Pult steht und alle machen genau das, was sie machen sollen.“ Und auch das, die Einführung des Redenden durch den „Teufel“: „Doch wen sehe ich denn dort? Ist das der neue Dirigent? Ach quatsch, der Bundespräsident.“

„Entdeutschen“

Was für ein Witz!

Was für ein Witz auch dieser Ein-Satz-Witz doch ist. Der unbedingt zu erzählen ist:

Harald Vilimsky liest Gerald Grosz, um „seinen Horizont doch deutlich zu erweitern“.

Die Pointe in diesem einsätzigen Witz

„seinen Horizont doch deutlich zu erweitern.“

ist von Hararld Vilimsky selbst, so viel Ehre, ihn als Urheber zu nennen, darf ihm unumwunden zugestanden werden.

Ein Meister des Witzes ist gesinnungsgemäß Gerald Grosz,

der Brunnen des Witzes, aus dem ganze Bücher des Witzes, dessen Pointen er mit seinem Knicker zuspitzt, heraussprudeln, hochgepumpt vom Wolfgang Dvorak-Stocker, der die hochgepumpten Witze eimerweise in Bücher gießt, und wenn

Wolfgang Dvorak-Stocker mal keine Eimer voll Bücherwitze aus dem Brunnen zieht, versucht er sich selbst als Witzeschreiber

daß Deutschland jeden Tag wieder etwas deutscher wird – und Österreich genauso.

mit einem Horizont, der an den von Harald Vilimsky nicht heranreicht, obgleich sie beide, Vilimsky wie Dvorak-Stocker aus demselben Brunnen der Horizonterweiterung schöpfen, aber Dvorak-Stocker dürfte im Gegensatz von Vilimsky Nietzsche gar nicht kennen, gar nie gelesen haben, der schreibt:

Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen. —

Das, worin man die nationalen Unterschiede findet, ist viel mehr, als man bis jetzt eingesehen hat, nur der Unterschied verschiedener Culturstufen und zum geringsten Theile etwas Bleibendes (und auch dies nicht in einem strengen Sinne). Deshalb ist alles Argumentiren aus dem National-Charakter so wenig verpflichtend für Den, welcher an der Umschaffung der Überzeugungen, das heißt an der Cultur arbeitet. Erwägt man zum Beispiel was Alles schon deutsch gewesen ist, so wird man die theoretische Frage: was ist deutsch? sofort durch die Gegenfrage verbessern: „was ist jetzt deutsch?“ — und jeder gute Deutsche wird sie practisch, gerade durch Überwindung seiner deutschen Eigenschaften, lösen.

Wenn nämlich ein Volk vorwärts geht und wächst, so sprengt es jedesmal den Gürtel, der ihm bis dahin sein nationales Ansehen gab: bleibt es bestehen, verkümmert es, so schliesst sich ein neuer Gürtel um seine Seele; die immer härter werdende Kruste baut gleichsam ein Gefängnis herum, dessen Mauern immer wachsen. Hat ein Volk also sehr viel Festes, so ist dies ein Beweis, daß es versteinern will, und ganz und gar Monument werden möchte: wie es von einem bestimmten Zeitpuncte an das Ägypterthum war. Der also, welcher den Deutschen wohl will, mag für seinen Theil zusehen, wie er immer mehr aus dem, was deutsch ist, hinauswachse. Die Wendung zum Undeutschen ist deshalb immer das Kennzeichen der Tüchtigen unseres Volkes gewesen.

1879, vor einhundertundvierundfünfzig Jahren schrieb dies Friedrich Nietzsche in seinem Buch, das von ihm bestimmt „für freie Geister“ … Es ist menschlich, allzumenschlich, als Freier von Geist kein Buch, das für freie Geister ist, je in die Hand nehmen zu wollen und noch weniger, es zu lesen.

Harald Vilimsky hingegen hat einen Merchandisingartikel erworben: die Nietzsche-Peitsche, die er als seine Zunge sich hat einsetzen lassen, und ganz in Bewunderung dieser von ihm selbst vorgenommenen Transplantation kann Petra Steger ihn dafür nur mit einem „Danke, lieber Harald!“ grüßen, und die der Zungenpeitscherei beiwohnenden Journalisten darüber ganz und gar in Wunderung erstarrend verbleibt den Journalistinnen nur eines, ergriffen dazu zu schweigen, der Peitschennummer angemessen dem Zungenpeitschenakrobaten und seiner ihn dabei assistierenden Truppe ernsthafte Fragen zu stellen.

Hans Rauscher hätte das als Rezension der Zungenpeitschennummer gar nicht mehr fragen müssen: „Was tun mit Vilimsky?“ Und auch seine Antwort hätte er nicht mehr schreiben müssen: „Frauenhasser mit Kalkül gehören konsequent bekämpft – nicht nur von den Frauensprecherinnen anderer Parteien.“ Am 19. Juli 2024. Denn. Auf die Frage wurde ja im Angesicht der Zungenpeitsche von den Journalistinnen unmißverständlich reagiert. Die Antwort gaben ja im Angesicht der Zungenpeitsche eindrucksvoll die Journalisten.

Es ist, und auch das ist Harald Vilimsky zuzugestehen, eine wahre Horizonterweiterung, den Untertanen zu lesen, eine wahre Quelle der Erkenntnis, Absatz für Absatz, Kapitel für Kapitel … Petra Steger würde wohl Gerald Grosz nach seiner Lesung einer Passage aus dem Untertanen mit seiner Hauptfigur als Vorgestalt und Nachgestalt mit Danke, lieber Gerald! zuwinken …

Allein schon der Beginn, nicht nur erkenntnisreich, nicht nur horizonterweiternd, sondern auch eine Freude des Lesens:

Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!

Leitformel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“

In der Pressekonferenz von Susanne Raab, Wolfgang Mazal und Johannes Klotz um ihre für sich genannte „österreichische Leitkultur“ wurde u. v. a. m. die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ sehr betont, deshalb wohl wird in dieser Vorstellung Susanne Raab von Elisabeth Wenger-Donig, Leiterin „Abteilung V/B/10 (Rückkehr, Reintegration und Qualitätsentwicklung)“ im Bundesministerium für Inneres, ständig als Frau „Bundesminister“ angesprochen, an diesem 25. Juli 2024.

Elisabeth Wenger-Donig, für die eine Bundesministerin ein „Bundesminister“ ist, spricht in dieser raabischen Vorstellung viel von Integration und mehr noch von Verpflichtung. Beim Lesen ihres Aufgabenbereiches aber stellt sich die Frage, wo soll die Integration, gar die „Verpflichtung Integration“ denn erfüllt werden? In Österreich selbst nicht, jedenfalls nach ihrem Aufgabenpflichtenheft, in dem „Rückkehr und Reintegration“ festgeschrieben .– in anderen Staaten also hat, sofern „Rückkehrende“ in diesen je schon einmal integriert gewesen sein sollten, und wenn sie nicht integriert gewesen sein sollten, dann wäre die „Reintegration“ eine Integration; soher ganz im Sinne von „Bundesminister“ Raab, soher hätte „Bundesminister“ Raab, wenn in der raabischen Veranstaltung von „Integration“ gesprochen wird, keine falsche Begrifflichkeit angewandt.

„Integration“ somit auf den Punkt gebracht, zu berechnen nach der wissenschaftlich erstellten christschwarzen Formel: „Rückkehr und Reintegration“ ist gleich „Integration“.

Für „Rückkehr“ wird jetzt oft ein Fremdwort verwendet, und das steht diesem Land gut an, ist es doch, wie Kunschaks Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung sagt, eine Tradition in diesem Land, offen zu sein für Neues, und wie offen es in diesem Land zugeht, das belegt das nun oft verwendete Fremdwort „Remigration“ … Für Neues offen zu sein, nachgerade ein Brauchtumsfest in diesem Land, wie etwa das Martinsfest, von dem der Andenkenmann in dieser raabischen Vorstellung auch erzählt.

Aufgaben
1. Leitlinien, Grundsätze und Koordination in Angelegenheiten der Rückkehr, einschließlich freiwilliger Rückkehr und Reintegration;
2. Fachaufsicht in Rückkehr- und Qualitätsfragen gegenüber dem BFA
3. Interministerielle Koordination einer gesamtstaatlichen Rückkehrpolitik
4. EU-Acquis im Bereich Rückkehr, einschließlich Koordination der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben und Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten, Partnerstaaten, Agenturen und internationalen Organisationen in Rückkehrangelegenheiten sowie Kooperation mit GDISC
5. Fachliche Vertretung in nationalen, europäischen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit Rückkehrangelegenheiten
6. Angelegenheiten der Auswanderung von Fremden, Asylwerbern, Flüchtlingen und Kriegsvertriebenen

„Bundesminister“ Susanne Raab hat sich für diese Vorstellung den rechten Mann zur Seite gestellt. Wolfgang Mazal, der viele, viele Jahre „Vorsitzender der Wissenschaftlichen Begutachtungskommission beim Leopold-Kunschak-Preis“ – und wer,

wer könnte besser als er ein handelnder Zeuge gegen den Antisemitismus sein?

Denn auch der „Kampf gegen den Antisemitismus“ wurde in dieser Vorstellung von „Bundesminister“ Raab recht betont. Leopold Kunschak, der „österreichische Streicher“, Inbegriff der Antisemitin

Aber nicht nur dafür wird „Bundesminister“ Raab sich Wolfgang Mazal zur Seite geholt haben. „Bundesminister“ Raab ist ein umsichtiger, ein österreichisch brauchtumsgeeichter „Bundesminister“. Und wenn es um „Kürzungen“ geht, braucht ein „Bundesminister“ eine Expertin an der Seite, und es geht um „Kürzungen“, „Kürzungen“, „Kürzungen“ …

Auch dafür ist Wolfgang Mazal eine rechte Expertin, sozusagen eine Leitkulturfrau des Sozialen, wie erinnert werden darf, die auch schon beratend tätig für kurz gewesene Bundeskanzlerin war: „Um der Kürzung der Mindestsicherung in Österreich zu entgehen – Ein Rat“

Das Verhalten der Menschen wird in der Vorstellung der Leitkultur doch sehr betont, und Wolfgang Mazal auch dafür eine Expertin, eine gar weise Expertin, die mit Rat zur Seite stehen kann, wenn es darauf ankommt, wie einst unter der für kurz gewesenen Regierung: „Für mich wäre es wichtig, daß auch alle arbeitsrechtlichen Kollegen ein bißchen leiser treten.“

Und wer leiser tritt, braucht auch kein „Fleisch“, dann reichen auch „Kraut und Kartoffeln“, wie schon, und das gehört wohl zum bewahrenden Leitbrauchtum, Leopod Kunschak gütig riet.

Und nicht zu vergessen, Wolfgang Mazal mit einer sagenhaften Breite der Wissenschaftlichkeit, mit der Mazal die Regierungsverhandlung begleitete, jene die kurz —

Und was wäre eine Bioethik-Kommission denn für eine Bioethik-Kommission ohne Wolfgang Mazal?

So wie heutzutage gewußt wird, daß Streicher für Rabauken-Antisemitismus steht, wird heutzutage auch gewußt, daß nur ein Name genannt zu werden braucht, um zu wissen, daß es sich hierbei um Antisemitismus …

Und ein Mann, diesmal nicht in Österreich, tut sich dabei recht hervor, und zu dem Mann ist in diesen Tagen ein Mann aus Österreich,

Herr Bundesministerin, Chefin der Leiterin der Abteilung für Rückkehr und Reintegration, auf dem Weg, zu einem Mann, der, es ist noch nicht so lange her, in Wien zu Besuch war, um Herrn Bundeskanzlerin das Leitkulturelle zu erklären, ihm das „Gemischtrassige“ zu interpretieren.

Abschließend soll doch Wissenschaftlerin Mazal zitiert werden, mit dem was sie u. a. m. in dieser Pressekonferenz sagt:

Andere Orte des öffentlichen Raums sind aber auch Plätze im Stadtgebiet, wo man sich aufhält, sind Wälder, wo man als Jogger usw. sich mit einem gewissen Verhalten anderer rechnen können muß, damit das Zusammenleben funktioniert. […] Die Zivilgesellschaft ein ganz wichtiger Punkt, wo Werte erfahren werden. […] Primär zunächst einmal in der Familie transportiert werden, in einem weiteren Sinn Familie, das ist nicht nur Vater, Mutter, Kind, das ist von Großeltern, Onkel, Tanten, was auch immer dazugehört.

Die Olympe aus der patriotischen Mannschaft für die Nationalratswahl wird hierzu wohl nur zustimmend nicken können, daß zur Familie nicht nur „Vater, Mutter, Kind“ gehören, sondern auch „Großeltern, Onkel, Tanten“ und sich selber bestätigen, wie sehr ihr, Herrn Klubdirektorin, die Ehe aus 1811 besser gefalle als die jetzt „privilegierte Ehe“

Alles hin

Mit einem kleinen Gebirgsjäger präsentiert an diesem 24. Juli ’24 die patriotische Parlamentspartei Österreichs ihre „Mannschaft“ für die Nationalratswahl am 29. September 2024 in Österreich, und sie spricht dabei von einer „Wende“, daß gefragt werden kann: „Wende wohin?“ Die Antwort gibt sie selbst, so einfach wie kurz: „Wende hin“ …

In Österreich drückt „hin“ nicht die Richtung aus, weder räumlich noch zeitlich noch inhaltlich, sondern wie es in seiner gar nicht so geheimen Hymne „O, du lieber Augustin“ besungen wird: „Alles ist hin“. „Hin“ steht umgangssprachlich für: „verloren, weg, defekt, kaputt, unbrauchbar, erschöpft, tot“. Damit ist im Grunde alles gesagt, was diese „Mannschaft alles zu geben“ hat, jeher ihr Versprechen, „alles dafür zu geben“.

Dafür stehen namentlich, um lediglich einige aus dieser zwanzigköpfigen Mannschaft stellvertretend, exemplarisch vorzustellen.

Eine als Gebirgsjäger sie anführende Spitze, die eine compacte Verteidigerin der Festung auf dem Flachlande …

Hinter ihr gleich die Parteipolitkommissarin mit der für sie geforderten Sonderaufgabe Remigration.

Hinter ihr gleich einer, der recht weiß, wer Verantwortung und Schuld, wenn es darauf ankommt, auf sich zu nehmen hat.

An vierter Stelle schon die Parteipolitsagerin: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“

Hinter ihr gleich der Willkommensgrüßer

An sechster Stelle schon die Alles-für-den-freien-Markt, deren Team meint, sie klinge wie Zarah Leander, vielleicht zu oft auf Teeparties gewesen, auf denen vielleicht zu heiß diskutiert, wer die „wahren Barbaren“

An neunter Stelle ein Olympe, ein Solidarisierer, einer, dem die „Rechtslage aus 1811 besser gefällt„, der auch schon bei der letzten „Wende hin“ dabei war, mit am Verhandlungstisch saß, als eine, einfach wie kurz gesagt, Regierung der Veränderungen ausgemacht wurde.

An elfter Stelle ein Spitzensteuersatzmeister

An dreizehnter Stelle Der-von-der-identitären-Fahne-Begrüßte, der als ein so recht, recht Liberaler sie „erfrischend charmant“ findet, er eben einfach ein Spaziergänger der alten Mannschaft wenn die Korona bei Sonnenfinsternis

Gleich hinter ihm die Moderatorin am Meer, wo ihr der Gebirgsjäger ein „Fels in der Brandung“ …

An siebzehnter Stelle nicht der Umvolkungsvater, der Sohn, der Sohn … der Sohn, der recht mehr noch als sein Tate weiß über seine Parlamentspartei, die schon gewesen für kurz Regierungspartei

Es wird
Was es war
Die Wende
Alles hin