Karge Gerechtigkeit

Es sollte durchaus Seb. Kurz zum Vorbild genommen werden, sich also mit „anderen Sorgen“ zu beschäftigen, als ständig auf das Coronavirus zu starren, das ohnehin mit dem berühmten freien Auge nicht zu sehen ist, aber nicht, wie er, Seb. Kurz, um das total Fernliegende eines vollkommen Danebenliegenden, sondern tatsächlich um Naheliegendes, etwa darum, „Gerechtigkeit zu schaffen“.

„Gerechtigkeit zu schaffen ist uns als neue Volkspartei ein zentrales Anliegen. Darum wollen wir die Pflege langfristig sichern und das Gesundheitssystem stärken. Gerechtigkeit heißt aber auch, dass wir jene, die viel für unser Land leisten, entsprechend entlasten. Und ist es ein Anliegen, dass die Familien echte Wahlfreiheit und Frauen die gleichen Chancen haben.“

Dieses Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“, wie es auf der Website des Seb. Kurz steht, sagt bereits mehr als die berühmten tausend Worte.

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ kann nur in einer für das Geisthaltige besonderen Umgebung gezeichnet worden sein, wie so vieles, das …

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ aber zu diesem Bild sagt nicht mehr als tausend Worte, sondern alles. Das Bild zeigt keinen Boden für Gerechtigkeit. Sondern Wasser, in das die Gerechtigkeit …

Es gibt auf der Website des Seb. Kurz doch auch ein Bild mit festem Boden. Es ist ein Bild des Ausblicks für Österreich. Wohin Seb. Kurz Österreich „bringen“ möchte. Wo für ihn Österreich „vorne“ sein soll. Es ist ein fester Boden, aber ein karger Boden. Auf dem nichts wächst. Geröll. Nur Geröll. Nackter Schutt. Ein Untergrund, auf dem voranzukommen, ein vergebliches Unterfangen.

Statt in Gerechtigkeit zu schwimmen, wie von der Zukunft einst erträumt, wird das Glück der Menschen sein, dem Ertrinken entgangen, für ein fortan karges Leben.

Fairness in der Übersetzung von zwei Parteien in Österreich: „Blondheit“ und „Kirchtag heit“

Als heute kurz nach sieben Uhr im österreichischen Radio die Frage von Cornelia Vospernik gehört wurde, ob denn der höhere als der geforderte Mindestlohn fair sei, mußte augenblicklich gedacht werden, der Zugang und der Umgang mit dem Begriff „Fairness“ ist in Österreich ein höchst seltsamer, insbesondere von zwei Parteien.

In diesem Interview ging es um die Nachfolgediskussion im ÖGB und im Zusammenhang mit den bevorstehenden Lohnverhandlungen fragte Cornelia Vospernik:

„ihre branche gehört zu den am besten entlohnten. der mindestlohn beträgt da 1785,00 euro. das ist über dem mindestlohn, den die gewerkschaft fordert. ist das fair?“

Ist das fair? Das fragte sie Rainer Wimmer, den Bundesvorsitzenden der Teilgewerkschaft PRO-GE.

Was wäre für Cornelia Vospernik fair? Daß diese Branche ihren Mindestlohn an den geforderten Mindestlohn von 1.500,00 Euro für alle anpasst? Die Arbeitenden in dieser Branche auf ihren Mindestlohn von 1785,00 Euro verzichten, freiwillig ihren Lohn um 285,00 Euro senken? Damit es fair

Ist das fair? Huch, eine Branche hat einen höheren als den geforderten Mindestlohn – oh, wie un…

Eine seltsame Frage von Cornelia Vospernik, jedenfalls. Eigentlich gar nicht zu erwähnen. Journalisten und Journalistinnen stellen oft, zu oft Fragen, bei denen gefragt werden kann, wissen sie eigentlich, was sie fragen?

Aber es ist doch zu erwähnen, als ein kleines, kleines Beispiel zu Zugang und Umgang mit dem Begriff „Fairness“ in Österreich. Es fällt dazu die identitäre Parlamentspartei ein, die nun „Fairness“ plakatiert. Es steht eine Nationalratswahl bevor. Und für wen sie „Fairness“ fordert? Kurz gesagt, Rolex hin und nur hin, nicht für jene, die einen unfairen hohen Mindestlohn von 1785,00 Euro haben, nicht für jene, die nicht einmal den geforderten Mindestlohn von 1.500,00 Euro haben.

Fairness - ÖsterreichDie identitäre Parlamentspartei plakatiert „Fairness“, vielleicht deshalb, weil bereits der christschwarze Gernot Blümel „Gerechtigkeit“ plakatierte: „Gerechtigkeit für die Leistungswilligen“. Gernot Blümel weiß dabei auch ganz genau, wer heutzutage die Ausgebeuteten sind; für ihn die „soziale Frage unserer Zeit“. Und deshalb wohl wurde jetzt ein Programm vorgestellt, um diesen Ausgebeuteten beizustehen. Es steht eine Nationalratswahl bevor. Kurz gesagt, es sind dies nicht die Leistung erbringenden Menschen mit dem Huch-so-unfairen-Mindestlohn und mit dem Nicht-habenden-aber-fair-geforderten-Mindestlohn.

Jedenfalls wird hinkünftig bei „Fairness“ nicht mehr an übliche Übersetzungen gedacht werden, wie „Gerechtigkeit“, „Anständigkeit“, wenn von diesen beiden Parteien Plakate mit dem Begriff „Fairness“ und „Gerechtigkeit“ gesehen werden, oder wenn irgendwer aus diesen beiden Parteien von „Fairness“ und also Gerechtigkeit spricht.

Fairness - Blondheit - identitäre ÜbersetzungBei der identitären Parlamentspartei wird das englische „Fairness“ übersetzt werden mit „Blondheit“, oder freier übersetzt: „Blondes Monster“.

Fairness - Gerechtigkeit - Kirchtag heitUnd bei der blümeligen christschwarzen Partei: „Kirchtag heit“ …

PS Es ist noch gar nicht so lange her, als Cornelia Vospernik eine Autorin nicht fragte, ob es denn von ihr fair sei, als diese gar so fair über Menschen sprach. Es ging nicht um Löhne, aber um Menschen, die, wofür sie wohl täglich zu danken haben, wenn sie zumindest für ihre Leistungen annähernd den geforderten Mindestlohn bekommen.