Legapartie

Es gibt Wahlergebnisse, die Wunden schlagen.

Ein solches Wahlergebnis, eine solche Wunde sind die 2,2 Millionen Vorzugstimmen für Matteo Salvini. Seit der EU-Wahl ist nun mehr als eine Woche vergangen. Aber diese Wunde heilt nicht, sie eitert und eitert, und auch diese Zeilen werden nichts dazu beitragen, daß sie aufhört zu eitern, daß sie heilt. Sie heilt nicht. Jede Zeile bloß ein Pflaster, und mag die Wunde mit noch so vielen Zeilen zugepflastert werden, die Wunde heilt nicht, sie eitert und eitert, das Eiter bricht durch, weicht die Zeilen auf, löst die Zeilenpflaster ab, sichtbar wieder und wieder die eitrig klaffende Wunde: 2,2 Millionen Vorzugsstimmen für Matteo Salvini-Portschy …

Matteo Salvini hat keinen Mann mit dem Namen Portschy geheiratet. Aber er hat sich mit der Gesinnung von Tobias Portschy vermählt, und 2,2 Millionen Menschen bringen vor mehr als einer Woche ihre Wahlvorzugsstimme zur Gesinnungsheirat als verspätetes Gesinnungshochzeitsgeschenk …

Matteo Salvini, der im Jahr 18 die „Roma-Frage“ und Tobias Portschy Jahrzehnte davor die „Zigeunerfrage“ … Was nach der „Denkschrift“ von Portschy kam, ist das massenhafte Morden …

Das muß aber gar nicht gewußt werden, was nach der „Denkschrift“ von Portschy kam. Es reicht die Gegenwart, um zu wissen, was für die Menschen, die für Salvini die „Romafrage“, für Portschy die „Zigeunerfrage“ sind, nicht gekommen ist, und was geblieben ist, die Verfolgung, und auch das Morden ist weiter dabei … Ausschreitungen gegen sie, und das nicht nur in einem Land in Europa, nicht nur in Italien immer mal wieder.

Es verbindet aber Salvini-Portschy nicht nur diese Gesinnung der Vergangenheit mit dem österreichischen Portschy, sondern auch die Gesinnung, die ab dem 17. Mai 19 in Österreich bestens bekannt ist unter dem Begriff Ibizanismus, deren Hauptvertreterin eine Partei ist, zu der Salvini-Portschy kameradschaftlichste Gefühle …

Es muß nicht wiederholt werden, was von solchen Parteien

Was von solchen Parteien bleibt: Schäden, Schulden und Verurteilungen.

bleibt, die gesinnungsgemäß zueinander finden, wie die Nacht und das Schwarze, zu einem Bündnis …

Österreich hat immerhin keine identitäre Regierungspartei mehr, seit dem 27. Mai 19, auch wenn es kein Verdienst der Wähler ist, die Wählerinnen mit ihren Vorzugsstimmen für einen Mann eine Schürfwunde mit etwa 0,44 mm …

Aber es ist nicht auszuschließen, daß die Wählerinnen im Herbst 19, vor allem die Wähler im September 19 in Österreich wieder die Partei wählen, die mit dem Innenminister gesinnungsgemäß in zweifacher Hinsicht verbunden ist, im Ibizanismus und im „Denken“ über Menschen, das ein Portschy verschriftlichte …

Daß solche Parteien, wie Lega, wie FPÖ, wie AfD schlimmer sind als ihre präidentitären Parteien, das wurde bereits in einem Kapitel ausgeführt …

Die Wählenden der präidentitären Parteien konnten im Nachhinein wenigstens sagen, sie konnten nicht wissen, sie konnten nicht ahnen, was kommen wird. Sie sind hereingelegt worden, von den präidentitären Parteien, in Deutschland, in Österreich, in Italien. Was können die Wählenden der identitären und deren verbündeten Parteien in diesen Ländern vorbringen, bereits jetzt?

NS Zum Namen der Partei von Salvini-Portschy fällt ein, zu Lega also, schon einmal eine umgangssprachliche Wendung im Deutschen gehört zu haben: Vorsicht, das ist ein Lega, eine Legapartie. Das bedeuten soll: Hereinlegen, Täuschen, in die Irre leiten …