Von Märtyrern und Bluthunden

Bluthund und Märtyrer - Bluthündin und Märtyrerin.png

So schnell die Aufregung kam, so schnell ging diese auch wieder.

So schnell wie kurz.

Und noch etwas ist sehr kurz in diesem Land. Oder. Sehr klein in Österreich. Das Gedächtnis. Das läßt sich auch an der kurzen Aufregung um den Sprecher des montagsgemachten Vizekanzlers ein weiteres Mal zeigen.

Kaum schreibt der Sprecher des Vizekanzlers das Wort „Blutzeuge“, geholt aus deren Wissensbunker, ist die Reaktion darauf: „Nazi-Ausdruck“. Beispielsweise von Helmut Brandstätter, wie in der Collage zu lesen ist.

Wie Karnickel wird in Österreich alles auf die Nazi-Zeit hin gerammelt. Alles klein-und-kurz-gerammelt auf die madigen zwölf Jahre des deutschen reiches. Aus der Geschichte stets die Nazi-Zeit herausgerammelt.

Dabei ist die Vorgeschichte gerade für die Gegenwart von größerer Bedeutung. Die madigen zwölf Jahre sind zwölf Jahre von Verbrecherinnen und Verbrechern, von Mördern und Mörderinnen. Die Mittel aber für ihren Massenmordzweck wurden ihnen in die Wiege gelegt, von ihren Vätern, Müttern, Großvätern, Urgroßvätern, Urgroßmüttern, Onkeln, Tanten, Uronkeln, Ururtanten, Urururur… und so weiter und so fort.

Was kommt nun, das ist die entscheidende Frage, aus dieser Wiege gekrabbelt, wird an die lange, lange Vorgeschichte, die zum Nationalsozialismus führte, gedacht. Welche Mittel noch genommen, vor allem für welchen Zweck?

Wofür auch das Wort „Blutzeuge“ ein Beispiel ist. Es ist ein altes Wort. Eingedeutscht. Und es heißt nichts anderes als Märtyrer. Es ist im sogenannten christlichen Österreich ein katholisches Wort. Wie viele Märtyrerinnen werden noch immer verehrt, angebetet …

Verwundert es, daß gerade die FPÖ so recht viel der christlichen Tradition Wert beimißt?

Nichts Geistiges kam von den Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen selbst; sie plünderten nur, wo sie konnten, für ihren Zweck des Mordens. Sie waren nur Mordwerkzeuge, programmiert in Jahrhunderten.

Abgerichtete, mit geistigem Unrat gefütterte und überfressene Bluthunde … Auch „Bluthund“ ist ein altes Wort, lange vor Thomas Mann geläufig. Aber Thomas Mann verwendete es für einen Mann, der für Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten zum „Märtyrer“ gemacht wurde, einer von den vielen Bluthunden und Bluthündinnen: Reinhard Tristan Eugen Heydrich …

Tristan, ein Vorname, zu dem unweigerlich ein Wochenmagazin einfällt:

„Es sollten alle Juden in einer Aufführung von Nathan verbrennen“ – Für die freiheitliche ZZ aber sind Wagners Zeilen antisemitismusfrei

Wann immer also einer oder eine aus der nun montagsgemachten identitären Regierungspartei mit einem Zitat kommt, wie beispielsweise des Vizekanzlers Sprecher mit „Blutzeuge“ soll dem nicht mit Aufregung begegnet werden, mit dem Gekreische von der Nazi-Zeit, sondern entgegnet werden, sie oder er solle nicht diese Zeit mit Begriffen wie „Märtyrer“ verharmlosen oder schlimmer noch … Denn es waren keine „Blutzeugen“, es waren wutblasse und blutgierige Täter und Täterinnen, es waren Bluthunde und Bluthündinnen.

Wer in der nationalsozialistischen Massenmordtotaldiktatur hohe und höchste Positionen hatte, war kein Zeuge, sondern Regimetäter und Regimetäterin, und daran ist auch nicht zu rütteln, wenn der eine oder andere Regimetäter manchen Menschen half, wie etwa Reinthaller einem Leopold Figl …

Und es sollte sich, wenigstens nun im 21. Jahrhundert herumgesprochen haben, daß auch nicht mehr von „Idealisten der NS-Bewegung“ gesprochen und geschrieben werden kann, wie in der Festschrift 2016 der FPÖ. Von Idealismus im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus kann nur sprechen und schreiben, der im Nationalsozialismus noch Ideale sieht, die erstrebenswert sind.

NS Und wie gesinnungsgetränkt Harald Vilimsky darauf reagiert auf der Plattform des Unternehmens Twitter zu der Auseinandersetzung zwischen Martin Glier und Helmut Brandstätter über die Bluthunde, die für Martin Glier „Märtyrer“ sind, kann in der Collage gelesen werden.  Die übliche Übersetzung ist zwar „Gezwitscher“, aber im Fall von Harald Vilimsky darf es freier übersetzt werden: Er, Vilimsky, bellt nicht nur gegen Helmut Brandstätter, sondern er bellt es auch gleich als Vollzugsmeldung seinem Vizekanzler, der für „ideelle Kontiunität von Reinthaller bis zu … steht, daß er gegen Helmut Brandstätter recht ordentlich bellte.

NNS Ebendieser Harald Vilimsky soll nun, ist zu lesen, auch bei der „Historikerkommission“ eine „Schlüsselrolle“ … nun, was die FPÖ bräuchte, ist keine „Historikerkommission“, sondern eine Gegenwartsschulung, eine Denkschulung in Anbetracht der fehlenden Denkbereitschaft …

Lothar Höbelt hat seine Vergangenheit bereits aufgearbeitet: „8. Mai 1945: Tag der Niederlage“ nach dem „sogenannten Holocaust“.

jedoch beispielsweise weder Höbelt-Kabas noch Mölzer als Lehrende …

Harald VIlimsky bellt gegen Helmut Brandstätter und meldet gleich seinem Vizekanzler

 

3 Gedanken zu „Von Märtyrern und Bluthunden

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