Freiheitliche in Paraguay: Fern vom Heim ist das Deutsche auch bedroht – Durch Indianer, die mitnaschen wollen

III. Präsident NR Dr. Martin Graf betätigte wieder die Kurbel des altdeutschen Leierkastens, um erneut ins Gerede zu kommen, diesmal mit einer Solidaritätsbekundung … Über diesen grafschen Knicks wurde bereits eine Bemerkung gemacht, so daß auf die aktuelle Affäre nicht weiter mehr eingangen zu werden braucht, denn die freiheitlichen Reisen nach Paraguay rufen weitere Aspekte in Erinnerung, auch von heiterer Art …

Andreas Mölzer war auch mal mit in Paraguay, und das erlaubt einen Schwenk zur freiheitlichen ZZ, die in der aktuellen Ausgabe 38/2012 zur Wiederlesung den Schriftsteller August Kraft empfiehlt, der nicht nur über Richard Wagner schrieb, sondern auch bekannt ist als Unterstützer -, des Reiches Namen muß wohl nicht ausgeschrieben werden … Freiheitliche scheinen nicht nur in literarischen, musikalischen und künstlerischen Belangen ihre Schritte auf vertrauten Boden setzen zu müssen, sondern auch wenn sie Österreich oder, wie es Freiheitliche meinen, den deutschen Kulturraum verlassen, um beispielsweise nach Paraguay zu reisen …

Kaum sind Freiheitliche in Paraguay suchen sie augenblicklich die vertraute Scholle oder flüchten sich sofort auf eine vertraute Scholle. In Paraguay haben sie diese in der Kolonie Fernheim zu ihrem Glück und ihrer Sicherheit auch gleich gefunden, wie auf der Ansichtskarte die Bilder und Texte … Auch geographisch verläßt die Freiheitlichen nie ihre Treffsicherheit, über die vor kurzem geschrieben wurde, ein Auszug aus dem Lexikon der Mennoniten auf der Ansichtskarte gibt Auskunft über diese Treffsicherheit …

Es wurde weiter oben Heiteres angekündigt, und das leistet die grafsche Unzensuriert mit ihrem Bericht über diese freiheitliche Reise – die lustigsten Stellen aus diesem:

Die drei Mennoniten-Kolonien liegen im 17. Bundesstaat von Paraguay, Boqueron. In der gepflegten Hauptstadt Filadelfia ist der Österreich-Bezug allgegenwärtig. Bürgermeister Berthold Doerksen erzählt der Delegation, dass er sich Videobänder mit ZDF-Sendungen schicken lässt. Seine Lieblingssendung sei der Musikantenstadl mit Karl Moik. Martin Graf klärt auf, dass dieser nun von einem Wiener, Andy Borg, moderiert wird. Blasmusik sei hier sehr beliebt, es gebe auch eine eigene Blasmusik-Kapelle, die eine Tracht aus Deutschland trägt. Eine Volkstanzgruppe gibt es nicht, dies lasse sich mit dem strengen Glauben der Mennoniten nur schwer vereinbaren. Augenzwinkernd gibt Doerksen aber zu, dass sich die Regeln in der Vergangenheit gelockert haben.

Indianer wollen am System mitnaschen. Gouverneur Walter Stöckl, dessen Vorfahren aus Tirol stammen, schildert, dass immer mehr Indianer in die Gegend ziehen. Waren die Mennoniten früher praktisch unter sich, so hat sich die Bevölkerungszahl komplett gedreht: 40 Prozent Mennoniten stehen 60 Prozent paraguayischen Indianern gegenüber. Die meisten Indianer würden nicht gerne arbeiten, bei der Allgemeinheit aber mitnaschen wollen. Des sozialen Friedens Willen habe man ihnen gratis Land zur Verfügung gestellt, sie versucht, in den Arbeitsprozess und in der Gesellschaft zu integrieren. Keiner weiß, wie lange das noch funktioniert. Der eine oder andere denkt da bereits schon wieder ans Auswandern. Aber wohin? Die weißen Flecken auf der Welt werden immer weniger, wohl auch die Bereitschaft, irgendwo wieder ganz von vorne zu beginnen.

Was die Medien betrifft, so haben sich die Mennoniten mit den neuen Zuwanderern bereits arrangiert. In der genossenschaftseigenen Radiostation ZP30 (Stimme des paraguayischen Chacos) gibt es Nachrichten auf deutscher Sprache nur noch zu 24 Prozent. Die restlichen  Prozent teilen sich auf andere in dieser Region gesprochenen Sprachen wie Spanisch, Guarani usw. auf. Radio-Direktor Helmut Giesbrecht und Programmchefin Dorothea Eid erzählen, dass es den Sender bereits seit 35 Jahren gibt und sie mit einem Budget von umgerechnet 380.000 Dollar pro Jahr auskommen müssen. Der Anteil der religiösen Sendungen beträgt 34 Prozent des 24-Stunden-Programmes. Dass die Österreich-Delegation nach Filadelfia gefahren ist, um sich das Leben der Mennoniten anzuschauen, durfte in den deutschsprachigen Nachrichten natürlich nicht fehlen. Nicht nur das: Reporterin Gatti Harder führte mit Graf und Mölzer ein Live-Interview.

Inhaltlich ist der Bericht nicht heiter, aber erhellend, macht verständlich, weshalb Feiheitliche in Österreich derart, um es zurückhaltend auszudrücken, gegen Menschen, die nach Österreich einwandern, massiv agitieren, weil sie wissen, wie sie selbst als Zuwanderer und Zuwanderinnen wären, oder, weil sie Rechte nur sich selbst zugestehen können, weltweit … Freiheitliche fühlen sich scheinbar wohl auf der ihr vertrauten Scholle beispielsweise in Paraguay, aber vor lautet deutschen Lauten und Blasmusik haben sie bis heute nicht vernommen, wie viele Rechte den Einwanderinnen und Einwandern in Paraguay zugestanden und eingeräumt wurden,

Das Parlament von Paraguay hatte im Juli 1921 das Gesetz Nr. 514 verabschiedet, das den mennonitischen Siedlern ganz außergewöhnliche Rechte gewährte: Sie mussten keinen Eid auf die Verfassung leisten, sie wurden nicht zum Militärdienst herangezogen, sie durften ohne Einschränkungen Deutsch als Schulsprache verwenden, sie konnten ihre eigene Verwaltung in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Rentenversicherung einrichten, sie erhielten zehn Jahre Steuerfreiheit usw.

die sich nun beklagen, daß es „nur noch zu 24 Prozent in deutscher Sprache …“, daß „immer mehr Indianer in die Gegend …“, daß „die Bevölkerungszahl komplett gedreht: 40 Prozent Mennoniten stehen 60 Prozent paraguayischen Indianern gegenüber“ … Ach, nie endet die Gefährdung der eigenen Kultur, geliefert durch das Zweite Deutsche Fernsehen und präsentiert durch Karl Moik, der lange schon Andy Borg heißt, ihr Herabsinken, das Schreckgespenst des „weißen Indianers“ kehrt zurück wie ehemals, die Erde selbst sogar versinkt in politischer Korrektheit: „immer weniger „weiße“ …

Wie viele Wiener und Wienerinnen stehen Kärntnerinnen und Kärntnern eigentlich gegenüber? Ein Glück, daß sie alle die deutsche Sprache sprechen, denn sonst würde es auch in Wien nur noch 24 oder gar weniger … und die restlichen Prozente verteilten sich auf Sprachen wie Kärntnerisch, Drautalerisch, Gurkerisch …

Freiheitlichen Frontmann Martin Graf fragen, wer noch in „Breivik“ bezahlen soll

Wenn auch beim Lesen des Namens Richard Millet allein kurz gedacht werden darf, ah, ein Schriftsteller aus der Gegenwart, sogar ein französischer, in der freiheitlichen ZZ -, aber nach dem Lesen des Zitats ist augenblicklich klar, die freiheitliche ZZ läßt sich nicht ihre Ehre nehmen, ihrer Gesinnung treu zu bleiben, auch in ihrer Ausgabe 36-37/2012, in der wieder einmal der III. Präsident NR selbst schreibt, diesmal über die Wehrpflicht als Wert

Es wurden hier bereits mehr als genügend viele Ergänzungen zu den Beschönigungen durch die freiheitliche ZZ zur Wiederlesung empfohlenen Autoren geschrieben, so daß bei der Ausgabe 35/2012 beim Lesen des Namens Hermann Löns gedacht wurde, diesmal wird darauf verzichtet werden können, etwas zum durch die freiheitliche ZZ empfohlenen Hermann Löns zu schreiben, denn es wird ohnehin gewußt, in welchen Kreisen Hermann Löns heute noch höchste Verehrung genießt, in welchen Lagern heute noch wohl vor allem der lönsische „Wehrwolf“ mit Ergriffenheit und Eifer gelesen wird, für wen Hermann Löns heute noch ein Malmotiv … Von und für Menschen, die zwar in der Gegenwart leben, aber Zeitgenossen sind von …

Eine derartige Meinung können abendländlerische freiheitliche Christen sich nicht entgehen lassen zu zitieren, und Menschen aus der westlichen Welt sollten es sich nicht entgehen lassen, bei jeder sich dafür bietenden Gelegenheit, Dr. Martin Graf, der aufgrund des höchsten Staatsamtes, das ein Freiheitlicher zurzeitig besetzt, als freiheitlicher Frontmann bezeichnet werden kann, zu fragen, ob denn diese zitierte Meinug in der freiheitlichen ZZ, für die er schreibt, ebenfalls seine Meinung ist, und wenn ja, ob der III. Präsident NR, und wenn nein, ob Dr. Martin Graf erklären kann, was seine freiheitliche ZZ mit diesem Zitat vermitteln, bewirken, erwirken, erzwingen …  Die westliche Welt sei dekadent, und weil die westliche Welt dekadent sei, verdiene die westliche Welt, die Norwegen heißt, verdiene also Norwegen, das es nun nicht mehr gibt, weil die 77 Einwohner und Einwohnerinnen von Norwegen, wie bitter bekannt ist, ermordet wurden. … Und kann Dr. Martin Graf etwas über die Dekadenz der 77 Ermordeten berichten, diese belegen? Da vor allem Freiheitliche sich als abendländlerische Bewahrer verstehen und darüber hinaus es heutzutage generell den Zwang gibt, alles irgendwie erhalten zu wollen und sei es in Museen und Archiven, wird es eine neue westliche Welt geben? Dann vielleicht mit dem Namen Österreich? Auch wieder mit Dekadenz?  Und wie viele Einwohner und Einwohnerinnen in Österreich sollen dann in „Breivik“ … Um es abzukürzen, kann Dr. Martin Graf den Wert oder die Zitatwürdigkeit dieser Meinung von Richard Millet erklären. Es gibt die Zuversicht, ein freiheitlicher Spitzenfunktionär kann das, denn es ist das Wesen dieser Gesinnung der Freiheitlichen mit hundertprozentiger Treffsicherheit derartige Meinungen auszuwählen und zu verbreiten …

Während Dr. Martin Graf nach der oben genannten Definition ein parteipolitischer Frontmann ist, war Richard Millet tatsächlich ein Mann an der Front, im Libanon, an der Seite der christlichen Milizen, und schoß damals nicht mit Wörtern …. Die Bezeichnung Frontmann wurde ausgeborgt von Jan Ackermeier, der in der gleichen Ausgabe der freiheitlichen ZZ einen musikalischen Frontmann zur Qualitätsuntermauerung erwähnt … Für Männer an der Front haben Freiheitliche viel … Und es wird weder verwundern noch überraschen, was erfahren werden kann: über „Von Thronstahl“ -, wieder diese gesinnungsgrundgelegte Treffsicherheit …

NS Was ist Dekadenz? Für Richard Millet ist es ein Synomym für Multikulturalismus. Jedenfalls verwendet es Richard Millet für seine Einführung der Währung „Breivik“. Und Richard Millet schreibt viel. Seinen Essay über den „Antirassismus als literarischen Terror“ aber hätte er nicht schreiben können, hätter er dafür nur die von der freiheitlichen ZZ zur Wiederlesung empfohlenen Bücher heranziehen können … Allerdings, wer weiß, möglicherweise hätte Richard Millet dann eine andere Studie geschrieben, mit fast dem gleichen aber ein wenig verkürzten Titel …

NNS Wenn die Wehrpflicht nach der Volksbefragung am 20. Jänner 2013 die gleichen Werte wie Dr. Martin Graf hat, in den zwei Langzeitumfragen, an denen zu beteiligen Sie weiterhin herzlich eingeladen sind, dann gibt es keine Wehrpflicht mehr …

Land unter Trachten

„Tracht ist Uniform“ schrieb vor einigen Tagen die Umsonstzeitung heute, allerdings eingeschränkt auf  Tracht sei die Party-Uniform Nummer 1, noch die Uniform der Feste, die sonst nur halb so lustig, halb so urig -, allerdings bereits ungeschränkt: die Tracht ist absolut alltagstauglich

Die Umsonst schränkt die trachtenuniformierte Party noch räumlich und zeitlich ein -, allerdings scheint inzwischen das ganze Land eine einzige Trachtenparty geworden zu sein -, wenn an die christschwarzen Trachtner und Trachtnerinnen voran … Es gesellen sich, besser, drängeln sich in der erste Reihe vor allem die freiheitlichen Trachtner

Welch ein Glück oder welch ein Unglück, 2012 in Österreich zu leben. Weil, es muß nichts Neues geschrieben werden, es muß nicht die Zeit damit verplempert werden, eigene Formulierungen dafür finden zu müssen, was Anton Kuh bereits 1928 schrieb, und der sich ebenfalls nicht die Mühe machenn wollte, alles selbst formulieren zu müssen, was zu Österreich damals zu heute zu sagen war -, der Unterschied höchstens darin, daß es damals um andere Gesetze und Verordnungen ging, und auch wieder nicht, denn in irgendeiner Form ist Überwachung stets dabei. Anton Kuh überließ es also Franz Blei:

Ich beginne mit den Worten eines andern. Nachdrücklich sei die Wiener Öffentlichkeit auf das Feuilleton verwiesen, das Franz Blei kürzlich im „Berliner Tageblatt“ über Wien schrieb. Ich weiß, daß man diesen Schriftsteller gerade in seiner Wiener Heimat wenig kennt und schätzt. Ich weiß auch die Gründe: man ist hierzulande in aktuellen Bildungsdingen auf die Gnade und Informiertheit der Mittler angewiesen; und Blei genießt bei denen keine Sympathie. Nun, ich lasse hier einige Zeilen des Berichtes folgen:

„Und eine Bundeshauptstadt, eines Bundes provinzialer Landschaften, ohne sonderliches, sondern von allgemein alpinen, bauernhaftem Gepräge. Mit den ländlichen Regenten dieses kleinen Bauernstaatswesens zog ein gar nicht in das Format und die Vergangenheit passender Geist in diese Weltstadt und richtete sich da ein. Etwas mit dem Haß und der Verachtung, die der bäuerliche Mensch immer gegen die Stadt und die Städter hat, die er von der Sommerfrische her zu kennen glaubt, und verachten zu müssen glaubt, weil sie sich ‚wurzen‘ lassen.

Dieser Bundesgeist, der nach dem Lande riecht, kann man in Wien überall dort wahrnehmen, wo der Bund verwaltet, sei es in Justiz, sei es in Wehrmacht, sei es das Bildungswesen. Es ist das ein provinzieller etwas stark hinterweltlerischer Geist, der so wenig Geist ist, daß er selbst seinen eigenen noch für zu viel hält. Drastisch gesprochen könnte man sagen, die tierärztliche Hochschule erscheint diesem Geiste wichtiger als die menschenärztliche, weil man vom Gesundbeten der Bäuerin überzeugter ist als vom Gesundbeten der Kuh.“

Wir gehen rigorosen Zeiten entgegen. Und es wird nicht lange dauern, daß man einen neuen Franz Stelzhammer, der den Vers zu dichten wagte: „Ein Östereicher bin i/Aus’m Österreicher Land/Das is zwar ka Unglück/Aber do is a Schand‘!“ im Zeichen der „Rechtsangleichung“ wegen Hochverrats zu fünf Jahren Zuchthaus verdonnert!

Die Woche trug Anton Kuh für seinen Artikel eine Reaktion in Österreich auf eine 700 km entfernte Kriminalbegebenheit zu, die österreichische Reaktion also auf einen Fall in Deutschland, wobei die Angelegenheit, bei der es um Jugend und deren Verführbarkeit ging, selbst nicht von Belang ist, sondern die damalige scharfe Reaktion in Österreich, weil sie vom heutigen Österreich ebenfalls bekannt ist … Es kann darin kein Fortschritt gesehen werden, daß im heutigen Österreich weiter als bis nach Deutschland gesehen wird, sogar bis Norwegen, denn im heutigen Österreich hinkt die Reaktion dem Agieren in Norwegen nach, wie seinerzeit die Reaktion in Österreich den Überlegungen in Deutschland nachhinkten, wo „sogar in rechtsstehenden Blättern die Frage aufgeworfen wurde, ob sich nicht Sport, Studium, Familienzucht, väterliche Kontrolle und staatliche Sittenüberwachung zum Schluß als untaugliche Mittel erwiesen“ … Die Reaktion in Österreich hinkt wohl je, ganz gleich ob auf eine belanglose Kriminalbegebenheit oder auf 77 Morde, nach, weil es eben ein reaktionäres Land ist, und aus diesem Grunde stets seine Reaktion zum Anlaß nimmt, mit weit Entferntem seine Reaktion immer endlich ungeniert wieder ausleben zu können …

Diesen Trachtengeist in der Bundeshauptstadt verströmen nicht nur jene, die in Tracht mit dem Handy telefonieren, das sie als einziges Accessoire der Moderne an ihnen zulassen und an sich heranlassen, sondern schon auch jene, die noch nicht, bis jetzt noch nicht in Tracht gesehen wurden, aber als Mittler ihres Geistes beispielsweise die Umsonst bevorzugen und verhätscheln …

Anton Kuh, Franz Blei und nicht zu vergessen, Hugo Bettauer, der in den 1920er Jahren Wien beschrieb, wie Wien als Stadt in Tracht hergerichtet und zugerichtet war … Und an Thomas Bernhard ist zu erinnern, weil er sich irrte, als er schrieb, in Österreich sei die gegenwärtige Situation noch viel schlimmer als vor fünfzig Jahren, und er bezog sich damals auf das Jahr 1938. Denn schlimmer als das Jahr 1938 konnte kein Jahr in Österreich nach 1945 gewesen sein, auch nicht das Jahr 1988, am Heldenplatz. Aber ein jedes Jahr nach 1945 war schlimmer als die 1920er Jahre, und die gegenwärtige Situation in Österreich ist noch einmal eine viel schlimmere, nicht nur weil alles über die 1920er Jahre gewußt werden müßte, und auch darüber, was danach aus diesen Jahren kroch, sondern auch deshalb, weil nicht einmal mehr die Mühe unternommen wird, für die Politik Menschen zu gewinnen, die wenigstens das geistige Niveau des Jahres 1928 … Vor allem das rechtsstehende Lager beleidigt permanent durch ein Personal, das 1928 nicht einmal eine Anstellung gefunden hätte: weder in einer Partei noch in einem Medium …

Wenn die Party „mit den ländlichen Regenten“ vorüber sein wird, was wird dann sein, was wird kommen? Was wird geblieben sein? Einzig die Tracht -, dann aber nur mehr als reine Uniform, der der Alltag absolut unterworfen sein wird …

Antisemitismus: Wen verachtet Dr. Heinz Fischer (wenn überhaupt) tatsächlich, den Verbreiter oder den freiheitlichen Wiederverbreiter?

Brav hat Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer gesprochen, aber zu ungenau, und, auch zu beliebig, und, auch zu allen entgegenkommend, und, auch mit falschen Begriffen im falschen Rahmen, und, auch wieder zu interpretierbar  …

Ob die brave Reaktion des Herrn Bundespräsidenten auch viel zu spät erfolgte, Wochen nach der Verbreitung des antisemitischen Cartoons, darüber kann keine endgültige Meinung gebildet werden, denn es könnte sein, daß Dr. Heinz Fischer auf die schnellen ablehnenden Antworten von anderen auf der Staatsspitze Hockenden wartete, um sich nicht selbst dazu äußern zu müssen, was richtig gedacht gewesen wäre, denn eine antisemitische Karikatur auf einer Site des Unternehmens Facebook verdient nicht die Aufmerksamkeit des Bundespräsidenten, sehr wohl aber eine unmißverständliche Zurückweisung durch das Personal der operativen Politik.

Diese unmißverständliche Zurückweisung kam aber nicht … Womit bereits die Ungenauigkeit angesprochen ist in der fischerschen Formulierung „feige Spekulation mit Überresten des Antisemitismus“ … „Überreste des Antisemitismus“: einerseits eine verharmlosende Formulierung in bester also schlechtester österreichischer Tradition, eine typische österreichische Verniedlichung, deren Hochzeit begann mit dem Untergang der nationalistischen Totaldiktatur …

Oder dachte Dr. Heinz Fischer an die Überreste des Antisemitismus im Parlament, wie sie jährlich durch die christschwarze Staatsspitze mit dem Gedenken an den „österreichischen Streicher“ serviert werden -, womit die Interpretierbarkeit angesprochen ist … Es gibt weit schlechtere Redner als Dr. Heinz Fischer (wer dabei vor allem an die Reden im Bundesrat denkt, wird dem beipflichten können), dennoch darf Heinz Fischer nicht glauben, seine Sätze haben die Qualität von beispielsweise eines Imre Kertész und soher das Recht auf Interpretation, und, er kann seinen Zuhörerinnen und Zuhören die Pflicht auferlegen, diese seine Aussagen erst interpretieren zu müssen. Die Reden eines Bundespräsidenten haben klar, deutlich und unmißverständlich zu sein, sie ist nicht dazu gewählt, interpretationsreiche Werke abzuliefern … Oder wollte Dr. Heinz Fischer damit ausdrücken, an der Staatsspitze sei er der letzte Verbliebene, der gegen Antisemitismus …

„Wenn jemand in den politischen Diskurs eine Karikatur einbringt“, sagte Dr. Heinz Fischer -, womit der falsche Begriff und die Beliebigkeit angesprochen sind … Das Posten einer antisemitischen Karikatur auf der Plattform des Unternehmens Facebook ist kein Einbringen von irgend etwas in den politischen Diskurs, sondern die übliche Verwechslung von Politik und Hetze, die Übelkeit erzeugende freiheitlich-akademische Verwechslung von Diskurs und Budengeschnatter. Das Wort von der Feigheit aber dürfte, beinahe, gut gewählt sein, denn es bedarf in diesem Land nach wie vor weiter keines Mutes, um sich antisemitisch zu äußern -, Mut ist das falsche Wort … Es braucht sich in diesem Land Österreich nach wie vor weiter keiner und keine zu sorgen, eine hohe und höchste Staaatsfunktion wegen antisemitischen Äußerungen zu verlieren

„Jemand“ … Es ist allen klar und es wird von allen so gedeutet, Dr. Heinz Fischer hat das „Jemand“ auf Heinz-Christian Strache bezozgen. Nur, Dr. Heinz Fischer hat nicht den Namen des zurzeitigen freiheitlichen Obmannes genannt … Diese allgemeine Interpretation wird seine Richtigkeit haben, kaum ist es anzunehmen, daß ein Bundespräsident den ursprünglichen Verbreiter der antisemitischen Karikatur tadeln wollte, also in den staatstragenden Augen eines Bundespräsidenten einen Niemand … Dr. Heinz Fischer hätte zur Deutlichkeit, zur genaueren Bestimmung, wen er allgemein verachte, zumindest vom Wiederverbreiter, was der Tatsache mehr entspricht, denn Heinz-Christian Strache hat die antisemitische Karikatur wiederverbreitet, sprechen können. Das „Jemand“ ist für Dr. Heinz Fischer wohl auch die sichere Tür zum Waschraum, sollte es dazu kommen, daß Heinz-Christian Strache von Dr. Heinz Fischer nach der nächsten Nationalratswahl vom Verachteten zum Regierungsmitglied … Aber verachtet Dr. Heinz Fischer tatsächlich wen? Er sagte nicht, er verachte, sondern er sagte, verdiene allgemeine Verachtung -, eine sichere Doppeltür …

Was bleibt noch? Ah, der falsche Rahmen … Ist eine Eröffnungsrede nicht bereits zu viel an Ehre für einen Verbreiter bzw. Wiederverbreiter einer antisemitischen Karikatur?  Und das Entgegenkommen: Dr. Heinz Fischer kann sich Namen merken, mehr noch, er kann auch Namen nennen, wie beispielsweise gleich im Anschluß an sein „Jemand“ den Namen von Armin Thurnher … Und wie werden gerade Freiheitliche den Worten des Bundespräsidenten aus vollem Herzen zustimmen können, wenn Dr. Heinz Fischer von der „zerstörerische[n] Rolle, die verantwortungsloser Journalismus …“ Und das fischersche Entgegenkommen ist ein zweifaches, denn er will nicht allein die Freiheitlichen, die von ihm übrigens in diesem Zusammenahng gar nicht genannt werden, aber Hauptakteure der Verlotterung der politischen Kultur sind, in die Pflicht nehmen, sondern mahnt von allen eine Anstrengung ein, die politische Kultur zu festigen, sogar „überparteiliche Anstrengungen in Österreich und übrigens auch in anderen Demokratien“ … Dachte Dr. Heinz Fischer dabei vor allem an das Zurzeitige in Ungarn, das vor allem für Freiheitliche … Wer kann das wissen?

Womit die Rede des braven Bundespräsidenten Fischer für ein Buch von Imre Kertész wieder zur Seite ….

Hilferuf der Freiheitlichen: Wählt nicht uns!

Karl Kraus habe schon Bessere als Rudolf Hans Bartsch nicht gelesen -, er mußte auch einen Rudolf Hans Bartsch nicht lesen, vielleicht weil Karl Kraus bereits damals ahnte, daß ohnehin andere als die Besten kommen werden, die auch einen Rudolf Hans Bartsch lesen, mehr noch, sogar wiederlesen werden, wie die freiheitliche ZZ

Über die Wiederlesungen der freiheitlichen ZZ wurde hier bereits nicht wenig geschrieben. Im Grunde wäre es soher nicht mehr notwendig, ein weiteres Mal über die bevorzugte Literatur der Freiheitlichen zu schreiben, um aufzuzeigen, nach welcher Ordnung sich Freiheitliche sehnen. Aber an der Wiederlesung von Rudolf Hans Bartsch  in der aktuellen Ausgabe 36-37/2012 der freiheitlichen ZZ kann nicht vorbeigegangen werden. Was die freiheitliche ZZ über Rudolf Hans Bartsch schreibt, das jedoch wurde nicht gelesen, es reichte die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis: „Wiedergelesen: Brüder im Sturm Seite 39“

Es reicht vollauf die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis, um ein wenig über die Beweggründe, weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt dieses Buch wiedergelesen und also empfohlen wird, im Augenblick des zwar bereits wieder Abklingens der Aufregungen um eine antisemitische Karikatur, die Heinz-Christian Strache verbreitete und als antisemitische Karikatur nicht erkennen will können …

Denn schon im Zusammenhang mit „Brüder im Sturm“ gab es eine Auseinandersetzung um eine antisemitische Karikatur … Zu diesem Zeitpunkt allerdings hieß der bartsche Roman noch: „Der letzte Student“. Das auf die Ansichtskarte geklebte Kapitel 26 aus „Literatur und Lüge“ von Karl Kraus erzählt ausführlich davon. Im Jahre 1913 urteilte Rudolf Hans Bartsch streng über eine von ihm 1905 geschaffene Figur und strich diese aus dem Roman,

weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)

Aber dieser Roman, 1905 anonym unter dem Titel „Als Österreich zerfiel … 1848“ und 1913 nicht mehr anonym unter dem Titel „Der letzte Student“ veröffentlicht, wurde von Rudolf Hans Bartsch ein weiteres Mal bearbeitet und 1940 noch einmal wiederum nicht anonym unter dem Titel „Brüder im Sturm“ veröffentlicht. Die 1940er Fassung, die nun die freiheitliche ZZ zur Wiederlesung empfiehlt, wurde nicht gelesen. Worin die bartsche Bearbeitung bestand, kann daher nicht gesagt werden, möglicherweise war es einfach die Rückkehr zur ersten Fassung, zur Ausgabe von 1905, die Wiederaufnahme der „gehässigen Karikatur ohne künstlerischen Wert“, aber eben dadurch so massenmörderisch passend zur nationalistischen totalitären Diktatur der …

Weshalb die freiheitliche ZZ gerade die Fassung aus 1940 zur Wiederlesung empfiehlt? Vielleicht auch, um ein wenig und indirekt Werbung für den Leopold-Stocker-Verlag zu machen, für den u.v.a.m. auch als Herausgeber ein III. Präsident NR tätig ist? Vielleicht auch als Versprechen, im Alter erfolgt die Rückkehr zu den theoretischen Positionen des gewesenen jungen Menschen, der diese den bewegten Jahren in den Wäldern …

Im Gegensatz zu Karl Kraus kann nicht dem Luxus gefrönt werden, nicht zu lesen, es müssen auch Schlechtere und eben auch Rudolf Hans Bartsch gelesen werden. Möglicherweise sehnen sich Freiheitliche nicht nach dieser geordneten Welt, wie die von ihnen empfohlenen Männer des Federschwertes repräsentieren, sondern sind auf der Suche nach der Erkenntnis über sich selbst, und sind stets erschüttert und verzweifelt, wenn sie lesen müssen, wie genau etwa auch ein Rudolf Hans Bartsch sie bereits 1905 schon als anonymer Autor erkannte:

Heute aber, wo das politische Leben und das Wesen vieler Volksvertreter in ernsten Menschen einen kräftigen Ekel erzeugt, wendet man sich wieder rückwärts nach idealeren Tagen, welche im blauen Dufte der Entfernung reizvoller aussehen als die heutigen.

Es stehen in der Geschichte jenes Jahres fast nur erbärmliche Namen zu lesen. Wer jedoch danach urteilen wollte, der würde an der wahrhaften Größe jener Zeit ebenso irre werden, wie wenn er die Völker nach einzelnen Vertretern in den Parlamenten beurteilen müßte.

Auch mich habe ich gezeichnet, wie ich war: Der österreichische, leichtbegeisterte und leicht nach allen Seiten zu führende Junge, – als Warnung für all jene, welche nach außen wirken wollen, da ihnen ihre Art doch für ein Leben lang nach innen zu arbeiten gäbe! Solche Menschen sollten sich nicht um Volksvertretung, Partei und Staatsform kümmern, sondern allein um die Läuterung und Stärkung ihrer Seele.

Der Deutsch-Österreicher hat Helden und hatte sie auch damals. Aber es ist der Fluch einer nach dem Äußerlichen strebenden Zeit, daß in diesem Volke wie in einem Sumpfe nur Blasen an die Oberfläche gelangen.

Vielleicht sind es gerade solche Sätze, die die Freiheitlichen dazu bringen, auch einen Rudolf Hans Bartsch zur Wiederlesung zu empfehlen, weil sie sich darin vollkommen erkannt fühlen, darüber erschüttert und verzweifelt sind, verzweifelt, weil sie wissen, sich nicht mehr ändern zu können. Und in dieser Not, mit dem letzten und spärlichen Aufgebot der Anständigkeit, Bücher als Hilferuf empfehlen, die den Wählern und Wählerinnen sagen sollen: wählt nicht uns und wählt uns nicht mehr, entläßt uns vollkommen aus der politischen Verantwortung, der wir unsrem Wesen nach nicht gewachsen sind …

Karikatur – Heinz-Christian Strache

https://pronoever.wordpress.com/2012/06/19/zur-zeit-martin-graf-wagners-werk-antisemitismuszeilenfrei/

https://pronoever.wordpress.com/2012/07/21/freiheitliches-wagen-der-demokratie-und-freiheitlicher-traum-vom-elitaren-reich/

Zwischen Martin Graf und Heinz-Christian Strache paßt kein …

Wie halten es Martin Graf und Andreas Mölzer mit einem ordentlichen Steuergeldumgang?

Andreas Mölzer wird, wieder einmal, von einem österreichischen Medium zum anderen weitergereicht, um über die „dritten Republik“, von der Freiheitliche einst träumten, Auskunft zu geben, über eine „dritte Republik“, die unterging, ehe sie überhaupt erstehen konnte -, einen teuren Schwank von einer „dritten Republik“ gaben in Kärnten die Freiheitlichen …

Aktuell von der „Kleinen Zeitung“ an den „runden Tisch“ des „Österreichischen Fernsehen“– warum? Weil Andreas Mölzer etwas zu sagen hat? Weil ein Freiheitlicher einmal von Freiheitlichen verlange, alles müsse auf den Tisch? Andreas Mölzer spricht gerne von Aufdeckung und Transparenz, wie hier schon vor längerer Zeit geschrieben wurde, aber aufgrund der aktuellen Herumreichung des Andreas Mölzer ist wieder einmal die Frage zu stellen, wie es denn Andreas Mölzer selbst mit dem ordentlichen Umgang mit Steuergeld halte, im allgemeinen und im besonderen?

Diese Frage betrifft im besonderen aber nicht nur die ZZ der Freiheitlichen, wie in Neger – Deutscher Charakter Österreichs – Grafland bereits geschrieben wurde, sondern auch Unzensuriert von Martin Graf, III. Präsident NR …

NS Der letzten Lacher in diesem Schwank ist Uwe Scheuch zu verdanken, der gestern einen Fotografen aus der Pressekonferenz warf mit der grandiosesten logischen Erklärung, seit es logische Erklärungen gibt – er, Scheuch, komme ja auch nicht zu ihm, dem Fotografen, nach Hause … Die Pressekonferenz fand aber nicht auf dem scheuchischen Bauernhof statt, sondern in Räumlichkeiten des Kärntner Landhauses …