Antisemitismus: Wen verachtet Dr. Heinz Fischer (wenn überhaupt) tatsächlich, den Verbreiter oder den freiheitlichen Wiederverbreiter?

Brav hat Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer gesprochen, aber zu ungenau, und, auch zu beliebig, und, auch zu allen entgegenkommend, und, auch mit falschen Begriffen im falschen Rahmen, und, auch wieder zu interpretierbar  …

Ob die brave Reaktion des Herrn Bundespräsidenten auch viel zu spät erfolgte, Wochen nach der Verbreitung des antisemitischen Cartoons, darüber kann keine endgültige Meinung gebildet werden, denn es könnte sein, daß Dr. Heinz Fischer auf die schnellen ablehnenden Antworten von anderen auf der Staatsspitze Hockenden wartete, um sich nicht selbst dazu äußern zu müssen, was richtig gedacht gewesen wäre, denn eine antisemitische Karikatur auf einer Site des Unternehmens Facebook verdient nicht die Aufmerksamkeit des Bundespräsidenten, sehr wohl aber eine unmißverständliche Zurückweisung durch das Personal der operativen Politik.

Diese unmißverständliche Zurückweisung kam aber nicht … Womit bereits die Ungenauigkeit angesprochen ist in der fischerschen Formulierung „feige Spekulation mit Überresten des Antisemitismus“ … „Überreste des Antisemitismus“: einerseits eine verharmlosende Formulierung in bester also schlechtester österreichischer Tradition, eine typische österreichische Verniedlichung, deren Hochzeit begann mit dem Untergang der nationalistischen Totaldiktatur …

Oder dachte Dr. Heinz Fischer an die Überreste des Antisemitismus im Parlament, wie sie jährlich durch die christschwarze Staatsspitze mit dem Gedenken an den „österreichischen Streicher“ serviert werden -, womit die Interpretierbarkeit angesprochen ist … Es gibt weit schlechtere Redner als Dr. Heinz Fischer (wer dabei vor allem an die Reden im Bundesrat denkt, wird dem beipflichten können), dennoch darf Heinz Fischer nicht glauben, seine Sätze haben die Qualität von beispielsweise eines Imre Kertész und soher das Recht auf Interpretation, und, er kann seinen Zuhörerinnen und Zuhören die Pflicht auferlegen, diese seine Aussagen erst interpretieren zu müssen. Die Reden eines Bundespräsidenten haben klar, deutlich und unmißverständlich zu sein, sie ist nicht dazu gewählt, interpretationsreiche Werke abzuliefern … Oder wollte Dr. Heinz Fischer damit ausdrücken, an der Staatsspitze sei er der letzte Verbliebene, der gegen Antisemitismus …

„Wenn jemand in den politischen Diskurs eine Karikatur einbringt“, sagte Dr. Heinz Fischer -, womit der falsche Begriff und die Beliebigkeit angesprochen sind … Das Posten einer antisemitischen Karikatur auf der Plattform des Unternehmens Facebook ist kein Einbringen von irgend etwas in den politischen Diskurs, sondern die übliche Verwechslung von Politik und Hetze, die Übelkeit erzeugende freiheitlich-akademische Verwechslung von Diskurs und Budengeschnatter. Das Wort von der Feigheit aber dürfte, beinahe, gut gewählt sein, denn es bedarf in diesem Land nach wie vor weiter keines Mutes, um sich antisemitisch zu äußern -, Mut ist das falsche Wort … Es braucht sich in diesem Land Österreich nach wie vor weiter keiner und keine zu sorgen, eine hohe und höchste Staaatsfunktion wegen antisemitischen Äußerungen zu verlieren …

„Jemand“ … Es ist allen klar und es wird von allen so gedeutet, Dr. Heinz Fischer hat das „Jemand“ auf Heinz-Christian Strache bezozgen. Nur, Dr. Heinz Fischer hat nicht den Namen des zurzeitigen freiheitlichen Obmannes genannt … Diese allgemeine Interpretation wird seine Richtigkeit haben, kaum ist es anzunehmen, daß ein Bundespräsident den ursprünglichen Verbreiter der antisemitischen Karikatur tadeln wollte, also in den staatstragenden Augen eines Bundespräsidenten einen Niemand … Dr. Heinz Fischer hätte zur Deutlichkeit, zur genaueren Bestimmung, wen er allgemein verachte, zumindest vom Wiederverbreiter, was der Tatsache mehr entspricht, denn Heinz-Christian Strache hat die antisemitische Karikatur wiederverbreitet, sprechen können. Das „Jemand“ ist für Dr. Heinz Fischer wohl auch die sichere Tür zum Waschraum, sollte es dazu kommen, daß Heinz-Christian Strache von Dr. Heinz Fischer nach der nächsten Nationalratswahl vom Verachteten zum Regierungsmitglied … Aber verachtet Dr. Heinz Fischer tatsächlich wen? Er sagte nicht, er verachte, sondern er sagte, verdiene allgemeine Verachtung -, eine sichere Doppeltür …

Was bleibt noch? Ah, der falsche Rahmen … Ist eine Eröffnungsrede nicht bereits zu viel an Ehre für einen Verbreiter bzw. Wiederverbreiter einer antisemitischen Karikatur?  Und das Entgegenkommen: Dr. Heinz Fischer kann sich Namen merken, mehr noch, er kann auch Namen nennen, wie beispielsweise gleich im Anschluß an sein „Jemand“ den Namen von Armin Thurnher … Und wie werden gerade Freiheitliche den Worten des Bundespräsidenten aus vollem Herzen zustimmen können, wenn Dr. Heinz Fischer von der „zerstörerische[n] Rolle, die verantwortungsloser Journalismus …“ Und das fischersche Entgegenkommen ist ein zweifaches, denn er will nicht allein die Freiheitlichen, die von ihm übrigens in diesem Zusammenahng gar nicht genannt werden, aber Hauptakteure der Verlotterung der politischen Kultur sind, in die Pflicht nehmen, sondern mahnt von allen eine Anstrengung ein, die politische Kultur zu festigen, sogar „überparteiliche Anstrengungen in Österreich und übrigens auch in anderen Demokratien“ … Dachte Dr. Heinz Fischer dabei vor allem an das Zurzeitige in Ungarn, das vor allem für Freiheitliche … Wer kann das wissen?

Womit die Rede des braven Bundespräsidenten Fischer für ein Buch von Imre Kertész wieder zur Seite ….

Hilferuf der Freiheitlichen: Wählt nicht uns!

Karl Kraus habe schon Bessere als Rudolf Hans Bartsch nicht gelesen -, er mußte auch einen Rudolf Hans Bartsch nicht lesen, vielleicht weil Karl Kraus bereits damals ahnte, daß ohnehin andere als die Besten kommen werden, die auch einen Rudolf Hans Bartsch lesen, mehr noch, sogar wiederlesen werden, wie die freiheitliche ZZ …

Über die Wiederlesungen der freiheitlichen ZZ wurde hier bereits nicht wenig geschrieben. Im Grunde wäre es soher nicht mehr notwendig, ein weiteres Mal über die bevorzugte Literatur der Freiheitlichen zu schreiben, um aufzuzeigen, nach welcher Ordnung sich Freiheitliche sehnen. Aber an der Wiederlesung von Rudolf Hans Bartsch  in der aktuellen Ausgabe 36-37/2012 der freiheitlichen ZZ kann nicht vorbeigegangen werden. Was die freiheitliche ZZ über Rudolf Hans Bartsch schreibt, das jedoch wurde nicht gelesen, es reichte die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis: „Wiedergelesen: Brüder im Sturm Seite 39“ …

Es reicht vollauf die Ankündigung im Inhaltsverzeichnis, um ein wenig über die Beweggründe, weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt dieses Buch wiedergelesen und also empfohlen wird, im Augenblick des zwar bereits wieder Abklingens der Aufregungen um eine antisemitische Karikatur, die Heinz-Christian Strache verbreitete und als antisemitische Karikatur nicht erkennen will können …

Denn schon im Zusammenhang mit „Brüder im Sturm“ gab es eine Auseinandersetzung um eine antisemitische Karikatur … Zu diesem Zeitpunkt allerdings hieß der bartsche Roman noch: „Der letzte Student“. Das auf die Ansichtskarte geklebte Kapitel 26 aus „Literatur und Lüge“ von Karl Kraus erzählt ausführlich davon. Im Jahre 1913 urteilte Rudolf Hans Bartsch streng über eine von ihm 1905 geschaffene Figur und strich diese aus dem Roman,

weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)

Aber dieser Roman, 1905 anonym unter dem Titel „Als Österreich zerfiel … 1848“ und 1913 nicht mehr anonym unter dem Titel „Der letzte Student“ veröffentlicht, wurde von Rudolf Hans Bartsch ein weiteres Mal bearbeitet und 1940 noch einmal wiederum nicht anonym unter dem Titel „Brüder im Sturm“ veröffentlicht. Die 1940er Fassung, die nun die freiheitliche ZZ zur Wiederlesung empfiehlt, wurde nicht gelesen. Worin die bartsche Bearbeitung bestand, kann daher nicht gesagt werden, möglicherweise war es einfach die Rückkehr zur ersten Fassung, zur Ausgabe von 1905, die Wiederaufnahme der „gehässigen Karikatur ohne künstlerischen Wert“, aber eben dadurch so massenmörderisch passend zur nationalistischen totalitären Diktatur der …

Weshalb die freiheitliche ZZ gerade die Fassung aus 1940 zur Wiederlesung empfiehlt? Vielleicht auch, um ein wenig und indirekt Werbung für den Leopold-Stocker-Verlag zu machen, für den u.v.a.m. auch als Herausgeber ein III. Präsident NR tätig ist? Vielleicht auch als Versprechen, im Alter erfolgt die Rückkehr zu den theoretischen Positionen des gewesenen jungen Menschen, der diese den bewegten Jahren in den Wäldern …

Im Gegensatz zu Karl Kraus kann nicht dem Luxus gefrönt werden, nicht zu lesen, es müssen auch Schlechtere und eben auch Rudolf Hans Bartsch gelesen werden. Möglicherweise sehnen sich Freiheitliche nicht nach dieser geordneten Welt, wie die von ihnen empfohlenen Männer des Federschwertes repräsentieren, sondern sind auf der Suche nach der Erkenntnis über sich selbst, und sind stets erschüttert und verzweifelt, wenn sie lesen müssen, wie genau etwa auch ein Rudolf Hans Bartsch sie bereits 1905 schon als anonymer Autor erkannte:

Heute aber, wo das politische Leben und das Wesen vieler Volksvertreter in ernsten Menschen einen kräftigen Ekel erzeugt, wendet man sich wieder rückwärts nach idealeren Tagen, welche im blauen Dufte der Entfernung reizvoller aussehen als die heutigen.

Es stehen in der Geschichte jenes Jahres fast nur erbärmliche Namen zu lesen. Wer jedoch danach urteilen wollte, der würde an der wahrhaften Größe jener Zeit ebenso irre werden, wie wenn er die Völker nach einzelnen Vertretern in den Parlamenten beurteilen müßte.

Auch mich habe ich gezeichnet, wie ich war: Der österreichische, leichtbegeisterte und leicht nach allen Seiten zu führende Junge, – als Warnung für all jene, welche nach außen wirken wollen, da ihnen ihre Art doch für ein Leben lang nach innen zu arbeiten gäbe! Solche Menschen sollten sich nicht um Volksvertretung, Partei und Staatsform kümmern, sondern allein um die Läuterung und Stärkung ihrer Seele.

Der Deutsch-Österreicher hat Helden und hatte sie auch damals. Aber es ist der Fluch einer nach dem Äußerlichen strebenden Zeit, daß in diesem Volke wie in einem Sumpfe nur Blasen an die Oberfläche gelangen.

Vielleicht sind es gerade solche Sätze, die die Freiheitlichen dazu bringen, auch einen Rudolf Hans Bartsch zur Wiederlesung zu empfehlen, weil sie sich darin vollkommen erkannt fühlen, darüber erschüttert und verzweifelt sind, verzweifelt, weil sie wissen, sich nicht mehr ändern zu können. Und in dieser Not, mit dem letzten und spärlichen Aufgebot der Anständigkeit, Bücher als Hilferuf empfehlen, die den Wählern und Wählerinnen sagen sollen: wählt nicht uns und wählt uns nicht mehr, entläßt uns vollkommen aus der politischen Verantwortung, der wir unsrem Wesen nach nicht gewachsen sind …

Dr. Michael Spindelegger – Ein Vizekanzler dankt ab

Was alle Welt, kleiner, die österreichische, für einen Scherz hält, meint Dr. Michael Spindelegger ernst. Einen letzten und genaueren Beleg darüber, was es heißt, wenn Dr. Michael Spindelegger „sein Hirn einschalte“, kann nach ihm niemand mehr ausstellen und vorlegen. Das spindeleggersche Hirn wird heilfroh sein, auch im Dunklen die automatisch ablaufenden innerkörperlichen Vorgänge regeln zu können; denn sonst müßte es fortwährend schreien: „Mehr Licht!“

Aber um Beleuchtungsstärken geht es hier nicht.

Es geht darum, daß Dr. Michael Spindelegger mit seinem Frank Stronach solle die ÖBB kaufen und sanieren als Vizekanzler aber auch als Parteiobmann abgedankt hat. Dafür müssen ihm die Wähler und Wählerinnen eigentlich danken. Eine weitere Partei kann dadurch von der Liste der wählbaren gestrichen werden. Zu den unter mehreren Namen auftretenden in ihrer Gesamtheit unwählbaren Freiheitlichen kommt nun die christschwarze Partei hinzu. Das wird in jedweder kommenden Wahl die Stimmabgabe ungemein erleichtern, Christschwarze und Freiheitliche nicht mehr in die Entscheidung, wen wählen, einbeziehen zu müssen …

Als Vizekanzler hat Dr. Michael Spindelegger abgedankt, weil er offenbart, kein Konzept, geschweige denn ein seriöses, gerade für diesen in vielerlei Hinsicht wichtigen Bereich des Verkehrs zu haben, vorlegen zu können, sondern verantwortungslos einen äußerst wichtigen Betrieb dem nächstbesten Milliardär in den … Eigentlich dem nächstschlechtesten Milliardär, denn Frank Stronach wird wohl kaum die Mittel haben, um die Eisenbahn eines ganzen, wenn auch sehr kleinen Landes … Frank Stronach tritt nun groß als Käufer der ÖBB auf, und das kann er wohl deshalb, weil er weiß, es wird dann doch wieder Steuergeld für ihn geben, der Staat, dem er alles Schlechte und sich selbst alles Gute unterstellt, für ihn da sein …

Als Vizekanzler hat Dr. Michael Spindelegger auch wegen seiner falschen und verantwortungslosen Einschätzung von Frank Stronach abgedankt. Michael Spindelegger meinte im heutigen „Morgenjournal“, in vermeintlicher Argumentation und Bekräftigung seines -, Frank Stronach solle das tun, was er am besten könne … Wie in der Collage gelesen werden kann, ist das, was Frank Stronach am besten kann, Autoteile zu verkaufen. Möglicherweise kennt Michael Spindelegger den Unterschied zwischen Auto und Zug nicht, einen gefährlicheren Vizekanzler hat es noch nicht gegeben, in diesem an Gefährlichen reichen Land. Und noch etwas kann Frank Stronach gut, sich durch Staaten retten zu lassen …

Als Parteiobmann hat Dr. Michael Spindelegger abgedankt, weil er durch sein Wie-kann-es-Genannt-werden-ohne-das-Wort-Idee-oder-Vorschlag-verwenden-zu-müssen daran erinnerte, daß seine Partei in langen sieben Jahren nichts zur Sanierung der ÖBB beitrug. Wie in der Collage gelesen werden kann, es waren freiheitliche Verkehrsminister und eine freiheitliche Verkehrsministerin, doch auch ein christschwarzer Staatssekretär … Es hätten die ÖBB längst schon … Und die ÖVP stellte lange sieben Jahre sogar den Kanzler, war die sogenannte große Regierungspartei … Es führt auch unweigerlich zur Frage, was hat die christschwarze Partei in diesen langen sieben Jahren überhaupt getan, außer heute noch Gerichte und Ausschüsse zu beschäftigen? Wolfgang Schüssel würde, sagte er etwas, vielleicht „Pensionsreform“ sagen, aber diese ist, wie allenthalben zu hören ist, auch schon wieder zu sanieren … Und was tut seit 2007 bis zum heutigen Tag die ÖVP? Als Regierungspartei? Und Dr. Michael Spindelegger, christscchwarzer Spitzenmandatar seit über einem Jahrzehnt, selbst?

Als Parteiobmann hat Dr. Michael Spindelegger auch deshalb abgedankt, weil er einem politischen Konkurrenten zwar irrtümlich aber doch die Kompetenz der Sanierung der ÖBB einräumt und die Verantwortung für diesen ökonomischen und ökologischen wichtigen Bereich auf einen politischen Konkurrenten abschieben will, statt hervorzustreichen, daß die eigene Partei die Kompetenz und die Verantwortung … Ob es Ehrlichkeit ist, sei dahingestellt, aber vor allem die Jahre 2000 bis 2007 haben bewiesen, daß die christschwarze Partei als federführende Regierungspartei weder die Fähigkeiten noch die Verantwortung … Und seit 2007 beweisen die Christschwarzen bloß weiter …

Ob „Mehr Licht“ tatsächlich die letzten Worte des Johann Wolfgang von Goethe waren, ist nicht mehr festzustellen, hingegen aber mit Blick auf Michael Spindelegger und seine Partei können eindeutig und unmißverständlich die ebenfalls Goethe angedichteten letzten Worte den Christschwarzen und Freiheitlichen zugeordnet und ausgerufen werden: Mehr Nicht!

PS Dieses spindeleggersche Vorgehen in Sachen ÖBB steht exemplarisch, um nicht für das Wirken schreiben zu müssen, für das Spindeleggersche und Christschwärzliche …