ÖVP, Staatskrisenanbauerin – Rücktritt von Landbauer für Van der Bellen eine wichtige Frage

Aus der Sicht Van der Bellens beginnt die Rote Linie nicht erst beim Strafrecht. Für ihn liege die Grenze schon „davor“ – nämlich vor der von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vorgegebenen „Rote Linie“ der strafrechtlichen Verurteilung, sagte Van der Bellen.

Im Dezember 2017 wird ÖVP zum ersten Mal als Bundeskanzlerin angelobt. Es vergehen nicht einmal zwei Jahre, bis Österreich unter dieser Kanzlerinschaft mit blauer Mithilfe in eine Staatskrise gestürzt wird. Schon nach siebzehn Monaten die erste Staatskrise.

Im Jänner 2020 wird ÖVP zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin angelobt. Es vergehen wieder nicht einmal zwei Jahre, bis Österreich von dieser Kanzlerinschaft ganz allein in eine Staatskrise gestürzt wird. Schon nach neunzehn Monaten die zweite Staatskrise, diesmal nur von ihr allein verursacht.

Die Bilanz von ÖVP als Bundeskanzlerin in nicht einmal vier Jahren: Zwei Staatskrisen.

Diese Bilanz verwundert nicht. Schon zu Beginn dieses Jahrhunderts stürzt die ÖVP mit ihrem Obmann, der nicht von sich sagte, er sei die ÖVP, Österreich in eine Staatskrise, ihre Kanzlerinschaft mit blauer Mithilfe endete nach neunzehn Monaten.

Und nun endet es wieder nach neunzehn Monaten, nach nur neunzehn Monaten. Vielleicht hat nun türkis gesockte ÖVP davon geträumt, es länger zu schaffen, als Bundeskanzlerin länger als der damalige Obmann der ÖVP sich zu halten.

Das wird es nicht mehr.

Zu viel ist in den nicht einmal vier Jahren von ÖVP an „roten Linien vor …“ überschritten worden.

Ein Fortschritt ist aber doch dabei: Es kommt früher ans Tageslicht, es kommt früher zu „Erhebungen“, als damals, in den Nuller-Jahren … Es sind gerade einmal zehn Monate her, daß ein Mann zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, den die Sebastian Kurz, als sie noch meinte, die ÖVP zu sein, als ihren Obmann haben wollte, einen Mann als ihren Obmann haben wollte, der Jahre später, im Dezember 2020, zu acht Jahren Haft –, es dauerte weit, weit über zehn Jahre, bis der beinahe Obmann der ÖVP gewordene Mann zu acht Jahren Haft …

Und wenn dieser Fortschritt weiter anhält, wird es in Österreich nicht mehr so lange dauern, bis Urteile gefällt werden, nicht mehr so lange, bis alles zu spät ist, Schäden nicht mehr abzuwenden sind. Dafür gibt es Zuversicht: Es sind gerade einmal zwei Monate her, daß ein Mann – und das nicht erst nach weit, weit über zehn Jahren – wegen des Verbrechens der Korruption verurteilt wurde, der Vizekanzler war für kurz …

Ach ja, der Herr Bundespräsident, beinahe ihn zu erwähnen vergessen, obgleich er in der Kapitelüberschrift angeführt ist. Nun in dieser von ÖVP ganz allein herbeigeführten Staatskrise weiß der Herr Bundespräsident bloß, daß es „Erhebungen der Staatsanwaltschaften gibt“. Von „roten Linien“ weiß er nichts.

Oh, was wußte der Herr Bundespräsident noch alles vor bald vier Jahren, im Jänner 2018, er wußte, daß es „rote Linien vor der strafrechtlichen Verurteilung“ gibt, er wußte, von wem der Rücktritt zu verlangen ist, er wußte, was der wußte, von dem der Herr Bundespräsident den Rücktritt forderte, obgleich es damals, vor bald vier Jahren, auch nur Ermittlungen, bloß wie jetzt „Erhebungen“ der Staatsanwaltschaft gab, aber was er dabei damals nicht wußte, daß der Mann aus der Partei ist, genau aus der Partei ist, die er kurz davor angelobte, als Regierungspartei, die sie blieb für kurz – bis zur Staatskrise …

Was der Herr Bundespräsident aber stets weiß, ist, was zu trennen ist, beispielsweise ist ein Mann, von dem er den Rücktritt verlangt, von der von ihm wenn auch nur für kurz in die Bundesregierung gelobte Partei, die gesinnungsgemäß nicht von dem Mann getrennt ist …

Und was der Herr Bundespräsident ebenfalls stets weiß, Gegenwart ist als Geschichte aufzuarbeiten, irgendwann in ferner Zeit, verbunden mit schönen Reisen, die in getragener Betroffenheit …

Wie recht wird sich die Staatskrisenerzeugerin, vulgo ÖVP, wohl in diesen Tagen wünschen, die österreichische Justiz hätte, hätte bloß die österreichische Justiz auch dieses Gegenwartsverständnis des Herrn Bundespräsidenten …

Großschadenibiza

„Van der Bellen verlangt Rücktritt …“

… nach den weiteren und nun an diesem 6. Oktober 2021 recht vielen Hausdurchsuchungen, u. a. im Bundeskanzleramt, im Finanzministerium, in der teuren Umsonst, wäre es die Stunde des Bundespräsidenten, ÖVP als Bundeskanzlerin zu entlassen.

Damit könnte Alexander Van der Bellen im Angesicht von Großschadenibiza ein wenig die Stunde vergessen machen, in der – im Angesicht von Alkoholtraumibiza – er fehlte, als er Sebastian Kurz nicht aus seinem Amt entließ, seine Verantwortung auf das Parlament abwälzte, sondern mit ihm, der gegenüber einem Richter von sich „Ja, ich bin ja die ÖVP, ja.“ sagt, mit ihr gemeinsam also das „Vertrauen in die Politik“

Nun ist ÖVP persönlich ein zweites Mal als Beschuldigte geführt. Die Hausdurchsuchungen von einem Richter bewilligt. Von einem Richter mußte ÖVP persönlich erst vor rund einem Monat zum ersten Fall, in dem sie ebenfalls als Beschuldigte geführt wird, sich vernehmen lassen.

Alexander Van der Bellen könnte nun im Angesicht von Großschadenibiza zumindest ein wenig ausbügeln, was er im Angesicht von Alkoholtraumibiza verabsäumte. Wenngleich dies ihm nicht würdiger machte, um noch einmal für dieses Amt zu kandidieren.

Alexander Van der Bellen ist in einem Alter, in dem das Langzeitgedächtnis hervorragend funktioniert. Wie gut wird sich der Herr Bundespräsident also daran erinnern können, daß er schon für strafrechtlich nicht zu Verfolgendes Rücktritte verlangte — Rücktritte verlangte wegen des in Österreich üblichen Geredes, also wegen nichts –, etwa den von Jörg Haider wegen seiner „inakzeptablen Irak-Reise“ und seines „Ost-Küsten-Geredes“ …

ÖVP hat sich erst vor kurzem für eine Einladung nach Teheran artig bedankt, bei einem Mann, der dem Herrn Bundespräsidenten selber einer ist, der „die Hoffnungen und Sehnsüchte“ …

Und wie gestaltet Alexander Van der Bellen seine Stunde in der anbrechenden Dunkelheit des 6. Oktober 2021? Der Herr Bundespräsident spricht milde:

„Momentan wissen wir nur, dass es Erhebungen der Staatsanwaltschaften gibt.“

Um dann einen armen Teufel von einem Abgeordneten, der von ÖVP darauf konditioniert ist, zu ihrer Verteidigung ausgelassen wird, zu maßregeln. Tapferer, großer Bundespräsident —

Wenn ÖVP das Enkerl vom Herrn Bundespräsidenten wäre, könnte seine Nachsichtigkeit, seine Milde verstanden werden. Wer läßt schon sein Enkerl im Stich, wer verzeiht seinem Enkerl nicht alles, was immer es anstellt, und das über Jahre, wer drückt bei seinem Enkerl nicht alle Augen zu, und mag es noch so mißraten sein, wer wischt nicht alle Bedenken vom Tisch, das würde dem Enkerl nicht helfen, alles immer durchgehen zu lassen, wer weist nicht von sich, nur beim Enkerl so kurzsichtig zu handeln, das heißt, nicht zu agieren.

Aber ÖVP ist nicht sein Enkerl, und dennoch … Ein Rätsel, das Großväterchen zu erklären haben wird, vor allem im nächsten Jahr, wenn er …

Graz

Es hat einmal ein Bürgermeister in Österreich gesagt, so in etwa, Wahlkampf sei die Zeit fokussierter Unintelligenz.

Was ist über die Zeit nach Wahlen, die sofort mit der ersten Hochrechnung am Wahlabend zu ticken beginnt, zu sagen?

Fortsetzung der fokussierten Unintelligenz? Ja, warum nicht.

Oder:

Heimkehr aus dem Fokus der Unintelligenz in die breite Alltagsdummheit. Ja, schon eher.

Bereits die ersten Stellungnahmen, die ersten Meinungen zum Wahlergebnis, groß verkauft als Analysen, am Abend des letzten Sonntags im September ’21 bestätigen dies wieder einmal mehr als deutlich, und diesmal nicht nur die breite tägliche Dummheit, sondern auch die geschichtliche Unbildung, die noch harmlos genannt werden könnte, aber es ist schlimmer, sie bestätigen den Mißbrauch der Geschichte auf erschreckende Weise, mit einem Plattheitssager.

Dieser Sager von einem „Stalingraz“ offenbart nicht nur die Plattheit des Sagers an sich, sondern, wenn berücksichtigt wird, wie eilplatt seit dem der Sager von „Stalingraz“ n-fach nachgesprochen, nachgeschrieben, wiederholt wird, das Tiefplatte dieses Landes.

Es ist bezeichnend, von wem und wo dieser Sager schon am Wahlabend ausgespien wurde – vom seinerzeitigen Medienkoordinator der kurzen christschwarzblauen Regierung in der Fernsehanstalt von …

Wie fehl dieser Sager ist, läßt sich einfach wie kurz zusammenfassen.

„Stalingrad“ kann – im kommenden Jahr wird es 80 Jahre her sein, daß in Stalingrad das Massenmorden begann – wie kein zweites Verbrechen stellvertretend für alle Verbrechen herangezogen werden, die so viele, viele, viel zu viele weiter als „Krieg“ verklären.

In Graz gab es am letzten Sonntag im September ’21 eine Wahl, zu der die Menschen friedlich gingen, zu der die Menschen nicht in Panzern fuhren, zu der die Menschen ohne Waffen kamen, in ziviler Kleidung, nicht in Uniformen, sie schoßen nicht, sie verletzten nicht, sie mordeten nicht, sie wählten Parteien.

„Stalingrad“ steht für den Sieg der kommunistischen Partei, die sich sowjetunion nannte, über die nationalsozialistische Partei, die sich deutsches reich nannte.

In Graz kandidierten siebzehn Parteien. Siebzehn Parteien stellten sich einer demokratischen Wahl. Es marschierten nicht siebzehn Armeen auf, es schoßen nicht siebzehn Armeen aufeinander, es mordeten nicht siebzehn Armeen. Es gab in Graz am 26. September ’21 nicht einen einzigen ermordeten Menschen, ganz im Gegenteil von Stalingrad vom 23. August 1942 bis zum 2. Februar 1943. In diesen wenigen Monaten in Stalingrad über eine Million Tote in deutscher und in russischer Uniform – erfroren, verhungert, ermordet von Menschen in Uniform. Dabei nicht gezählt, ungezählt die Toten der Zivilgesellschaft; 1941 betrug die Einwohnerinnenzahl von Stalingrad rund 525.000, nach dem Ende der wenigen Mordmonate waren es gerade noch etwa 23.000 Einwohner.

Wenn dem Plattsager zu diesem Wahlergebnis in Graz „Stalingraz“ einfällt, und das nur deshalb weil eine kommunistische Partei als Siegerin aus dieser Wahl hervorging, muß dieser Plattsager, wenn er schon das geschichtliche Stalingrad für sein Plattsprechen heranzieht, erklären, welche nationalsozialistische Partei von der kommunistischen Partei in Graz denn besiegt wurde, um einen derartigen Vergleich überhaupt in Betracht ziehen zu wollen oder zu – auch wenn dies bei diesem Mann schwerfällt – können. Mit seinem geschichtlichen Vergleich läßt er nur einen Schluß zu, aber das wird er doch nicht gemeint haben wollen, daß die ÖVP mit ihrem Verlust von 11,88 %, daß die FPÖ mit ihrem Verlust von 5,25 %, oder gar die Koalition von ÖVP und FPÖ mit ihrem gemeinsamen Verlust von 17,13 % gemeinsam das deutsche reich ist, die der sowjetunion unterlag …

Es gab aber an diesem letzten Sonntag im September bei fehlender nationalsozialistischer Partei nicht nur die kommunistische Partei, die das Vertrauen der Wählenden gewann, es gewannen auch andere Parteien an Vertrauen dazu, nur die ÖVP verlor das Vertrauen, nur die FPÖ verlor das Vertrauen, nur die türkis getupfte christschwarzblaue Koalition verlor total das Vertrauen der Wählenden in Graz.

Was der Wahl in Graz vor allem fehlte, waren Wählende, 46 % blieben der Wahl fern, beinahe die Hälfte, aber vor lauter Fokussierung auf „Stalingraz“ war dies den Meinenden nicht das vordringlich zu Erwähnende.

Aber der Plattsprecher reduziert es auf seine von einer dumpfen Gesinnung gespeisten Empfindung, seinen Parteien, für die er diente, als sie gemeinsam Regierungsparteien waren für kurz, wäre von einer kommunistischen Partei eine Niederlage zugefügt worden, wieder einmal – und deshalb sei für ihn nun Graz „Stalingraz“ …

Ein Alp muss es ihm nun sein, ausgedrückt durch seine Collage des Uhrturms mit Hammer und Sichel, daß es dazu kommen könnte, der Uhrturm derart verziert, wo doch am Schloßberg der Gesinnung reine Gedenktafel für einen schriftstellernden Hauptmann, der einem Bauer des heutigen Verteidigungsministeriums manch liebes Erinnerungswort …

Freilich, wie einfach wäre es gewesen, ein anderes geschichtliches Wort zu verwenden, zu sagen, wenn schon derart fixiert, das Waterloo der ÖVP und ihrer Partnerin … Es sagt doch alles aus, daß in Österreich nicht Waterloo, sondern Stalingrad …

Auch Waterloo soll nicht im Zusammenhang mit demokratische Wahlen verwendet werden, ist doch auch Waterloo nichts anderes als ein Ort des Verbrechens, des massenhaften Mordens.

The show of the black party won’t go on

Ich hab selber in Graz miterleben dürfen, wie gut die Stimmung ist. Wie dankbar die Masse der Menschen für die gute Arbeit von Siegi Nagl und seinem Team ist und daher wünsche ich viel Kraft noch für die letzte Woche. Alles Gute für den Wahlsonntag! Und darauf, dass die Volkspartei und Siegi Nagl Graz weiterhin gut gestalten werden!

Das spricht die ÖVP am 25. September ’21, noch am Vormittag, am Vortag ihres Totalabsturzes, ihrer Totalniederlage. Eine Stunde vor zwölf Uhr mittags meint die ÖVP, es sei noch eine ganze letzte Woche hin bis zu ihrem High noon mit der Masse der Menschen.

Was die ÖVP aber zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, es dauert nicht mehr eine Woche, sondern nur mehr einen Tag bis zu ihrem High noon mit der Masse der Menschen. So wenig Vorausblick hat die ÖVP, es reicht bei der ÖVP die Vorausschau nicht einmal die wenigen Stunden bis zum nächsten Tag. Die ÖVP meint am 25. September ’21 – für sie eine Woche vor dem 26. September ’21 – noch, sie, die Volkspartei, werde nach dem 26. September ’21 weiterhin gut gestalten … Tatsächlich aber war die Woche vom 20. bis zum 26. September ’21 die letzte Woche, so gering ist die Selbsteinschätzung der ÖVP in bezug auf ihre Gestaltungskraft, in der ÖVP mit ihrem sie anflehenden „Bitte schenk mir dein Vertrauen, damit wir Graz weiterhin Stabilität und Zukunft geben können!“-Mann, wie er sie, die ÖVP, am 22. September ’21, anbetet.

Am 26. September ’21 ist der Show down zwischen der ÖVP und der Masse der Menschen entschieden.

Die Masse der Menschen hat gewonnen.

Die Show der ÖVP ist vorbei. Die auf sie noch in dieser letzten Woche gerichteten Scheinwerfer ausgeschaltet, der Anhimmler der ÖVP verläßt die Manege, mit seinen in den Hosentaschen versenkten Händen, mit denen er so viele Jahre täglich in seinen Hosentaschen den Trick vorführte, die Hände würden nicht in den Hosentaschen stecken, sondern seine zwei Hände würden eine einzige Hand sein, die nicht in seiner Hosentasche steckt, sondern außerhalb seiner Hosentasche, wo sie über irgendwas schützend schwebt.

Einfach wie kurz gesagt:

The show of the black party won’t go on.

Ballhausplatz 2, 1010 Wien: Wohnort der ÖVP, ledig, Vermögen dem Rechnungshof offengelegt, Nettoeinkommen laut Bezügegesetz

Aus dem Formular „Beschuldigtenvernehmung“, das die Beschuldigte vor bald einem Monat händisch auszufüllen hatte, ist über die Beschuldigte, die mit dem Vorsatz zur Vernehmung ging, die Wahrheit zu sagen, einiges zu erfahren.

So gibt die Beschuldigte, wie ihren händischen Einträgen im Formular „Beschuldigtenvernehmung“ zu entnehmen ist, als Wohnort an:

Ballhausplatz 2
1010 Wien

Es soll sogar Klügsten in für sie recht angespannten Situationen recht schwerfallen, zwischen Wohnort und Arbeitsplatz unterscheiden zu können. Und, es kann verstanden werden, daß die Beschuldigte – ist es doch nicht ihr tatsächlicher Wohnort, an dem sie hauptgemeldet ist – beinahe eine falsche Postleitzahl hingegeschrieben hätte, nämlich „1110“ statt „1010“. Die richtige Postleitzahl fällt der Beschuldigten dann doch irgendwie noch ein, und so überschreibt die Beschuldigte die falsche „1“ mit der richtigen „0“.

So gibt die Beschuldigte als ihre Schulbildung lediglich

AHS

an. Es kann verstanden werden, daß die Beschuldigte anzugeben vergißt, welche „Unis“ sie absolviert habe. Denn, wer je ein Formular auszufüllen hatte, weiß, was für einem Druck Auszufüllende durch ein Formular ausgesetzt sind, was für eine aggressive, gehäßige Stimmung ein Formular erzeugt, was für eine Feindseligkeit und Verachtung von einem Formular Auszufüllenden entgegenschlägt.

So gibt die Beschuldigte zu ihrem Vermögen an:

Dem Rechnungshof offengelegt

Das österreichische Gerichtswesen muß mit Ressourcen tatsächlich derart überreichlich ausgestattet sein, um selbst zu ermitteln, wie hoch das Vermögen eines Beschuldigten ist. Es sollen Beschuldigte eines Ladendiebstahls auch schon die Antwort auf die Frage, was sie denn bei „Vermögen“ hinschreiben sollen, erhalten haben, es reiche völlig hinzuschreiben, der Bank offengelegt

So gibt die Beschuldigte zu ihrem Nettoeinkommen an:

laut Bezügegesetz

Das österreichische Gerichtswesen muß mit Ressourcen tatsächlich derart überreichlich ausgestattet sein, um selbst zu ermitteln, wie hoch das Nettoeinkommen eines Beschuldigten ist. Es sollen Beschuldigte von Ladendiebstählen auch schon die Antwort auf die Frage, was sie denn bei „Nettoeinkommen“ hinschreiben sollen, erhalten haben, es reiche völlig hinzuschreiben, laut Kollektivvertrag

Ihrer Freundin wird die Beschuldigte wohl vorsorglich nicht erzählen, was sie als ihren „Familienstand“ angibt:

Ledig

Das könnte die Freundin, die von der Beschuldigten ein Kind bekommt, doch recht betrüben, daß die Beschuldigte sie, die Freundin und baldige Mutter des Kindes der Beschuldigten, sie, die Freundin, die sich vielleicht als Lebenspartnerin, gar als Verlobte der Beschuldigten wähnt, da doch allenthalben von einer kurz bevorstehenden Hochzeit zwischen der Beschuldigten und ihr zu hören ist. Die Hochzeit gab es wohl noch nicht, von dieser wäre mit Bestimmtheit bereits davor oder zumindest desselben Tages zu erfahren gewesen, und nicht erst Wochen später, wie von der Einvernahme der Beschuldigten.

Ja-Ja-Ja

Ich möchte zunächst einmal Siegfried Nagl danken für seine Tätigkeit. Er war 18 Jahre lang Bürgermeister von Graz. Ich glaub‘, das verdient Respekt und Anerkennung. Das Ergebnis erfreut uns natürlich nicht, daß die Kommunisten, wenn auch nur regional, aber doch eine Wahl gewinnen können, das stimmt mich persönlich dann doch sehr bedenklich.

Das sendet am letzten Sonntag im September ’21 der ORF.

Was Graz betrifft, ja, das ist etwas, was mich sehr überrascht, daß die Kommunisten in Österreich in einer Stadt, wenn auch nur auf regionaler Ebene, aber doch eine Wahl gewinnen können, das ist etwas, das doch nachdenklich stimmen sollte. Und ich möchte bei der Gelegenheit aber auch die Möglichkeit nutzen, und Siegfried Nagl ganz herzlich danke sagen für seine Arbeit für Graz. Er war immerhin 18 Jahre Bürgermeister dieser Stadt.

Das sendet am letzten Sonntag im September ’21 Puls24.

Ich werde meine schützende, aber auch meine helfende Hand von Graz zurückziehen müssen. Ich werde als Bürgermeister nicht mehr zur Verfügung stehen.

Das sendet am letzten Sonntag im September ’21 der ORF. Shorty – wie er von einem Wirten angeblich gerufen wird – nutzt am letzten Sonntag im September ’21 jede Gelegenheit, um Nagl herzlich zu danken

Und dieser hat sich den Dank wahrlich verdient, 18 Jahre seine schützende, aber helfende Hand über Graz zu halten –, was muß er davon für einen Arm bekommen haben? Wie könnte so ein Arm genannt werden? Wäre es Tennis, das er 18 Jahre lang spielte, wäre die Benennung leicht, aber beim helfenden Schützen

Was für ein bemerkenswerter letzter Sonntag im September ’21 das doch ist. Shorty, wie ihn ein Wirt angeblich ruft: nachdenklich, sehr bedenklich

Zu diesem Zeitpunkt, als er, Shorty, sich einer so sehr bedenklich nachdenklichen Stimmung hingab, wird er, Shorty, noch nicht das Ergebnis von Wels gekannt haben – wie nachdenklich wäre er dann … 60,13 % für einen Mann von einer Partei, die keine kommunistische ist, aber auch eine, einfach wie kurz gesagt, die Hand ausstreckt nach …

Und er, Shorty, bei diesen Wahlen selbst: in Wels nur 7,33 % heimgebracht, und in Graz einen Verlust von 11,88 % …

Das ist die Ernte von Shorty an diesem Sonntag, der ja

Ja, ich bin ja die ÖVP, ja.

die ja Partei ist, ja, wie er es selbst erst vor kurzem einem Richter bestätigt, den er, auch den Richter daran erinnert, daß er, Shorty, mit dem Vorsatz die Wahrheit zu sagen, hin…

Es wird ein kurzer Sonntag der Bedenklichkeit, der Nachdenklichkeit gewesen sein. Bald schon wird wieder das Nicht-Bedenken und das Nicht-Nachdenken die schützenden, aber auch helfenden Arme ausstrecken, damit Ja-ich-bin-ja-die-ÖVP-ja wieder mit der Partei in Oberösterreich regieren kann, die keine kommunistische

Ja-ich-bin-ja-die-ÖVP-ja wieder mit einer Partei herrschen will, die keine kommunistische ist, dafür aber eine, die Erinnerungen wachruft

Genfer Konsenserklärung: Es geht nicht allein gegen Abtreibung, es geht gegen alles, gegen alle

Nicht einmal ein Jahr ist es her, daß über dreißig Staaten in Genf, das ihnen ihr Mekka, diese Erklärung unterzeichneten.

Wir, Minister und hohe Vertreter der Regierungen, in der Absicht, am Rande der Weltgesundheitsversammlung 2020 in Genf zusammenzukommen, um die Fortschritte und Herausforderungen bei der Wahrung des Rechts –

Die folgenden 32 Länder, die über 1,6 Milliarden Menschen und alle Regionen der Welt repräsentieren, unterzeichneten am 22. Oktober 2020 die Genfer Konsenserklärung: Königreich Bahrain, Republik Belarus, Republik Benin, Föderative Republik Brasilien (Kosponsor), Burkina Faso, Republik Kamerun, Democratische Republik Congo, Republik Congo, Republik Djibouti, Arabische Republik Ägypten (Kosponsor), Königreich Eswatini, Republik Gambia, Republik Haiti, Ungarn (Kosponsor), Republik Indonesien (Kosponsor), Republik Irak, Republik Kenya, Staat Kuwait, Staat Libyen, Republik Nauru, Republik Niger, Sultanat Oman, Islamische Republik Pakistan, Republik Poland, Königreich Saudi Arabien, Republik Senegal, Republik Süd Sudan, Republik Sudan, Republik Uganda (Kosponsor), Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigte Staaten von Amerika (Kosponsor), Republik Zambia

Das Begehren zur Vergenferung der Welt finanziell gefördert von: Brasilien, Arabische Republik Ägypten, Ungarn, Republik Indonesien, Republik Uganda, Vereinigte Staaten von Amerika.

Es geht ihnen dabei nicht nur um Abtreibung, die sie gesetzlich verbieten wollen, nicht nur um gesetzlich mit Kopfgeld zu belohnende Verfolgung von allen Menschen, die in irgendeiner Form etwas mit Abtreibungen zu tun haben, es geht ihnen gegen alles, sie sind gegen alle Menschen, die nicht ihrer Gesinnung frönen.

Das macht eine Website mehr als deutlich, die sofort diese Erklärung zum Anlaß für eine weitere Petition nahm:

PatriotPetition.org ist eine überparteiliche und länderübergreifende Wertegemeinschaft von Patrioten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und darüber hinaus. Gemeinsam wollen wir dem Volk in der Öffentlichkeit wieder eine starke Stimme verleihen und kämpfen für die christlich-abendländische Kultur und Tradition unserer Heimat, für Ehe und Familie, für den Schutz des Lebens, für die Freiheit, sowie für die Souveränität und Unabhängigkeit der Völker und Nationen. Während die sogenannten “Volksvertreter” und Massenmedien nur den Interessen globalistischer Eliten dienen, setzt sich PatriotPetition.org für die Anliegen der Bürger im gesamten deutschsprachigen Raum ein, indem wir gemeinsam mit Ihrer Unterstützung gegen den um sich greifenden Kulturmarxismus und für folgende Ziele kämpfen: Unsere Heimat ist ein christliches Land, Europa ein christlicher Kontinent – und das soll auch so bleiben. Die christlichen Werte und Traditionen bilden die Grundlage unserer Gesellschaft. Hingegen muss die Islamisierung des Abendlandes unter allen Umständen verhindert werden. Die illegale Masseneinwanderung muss beendet werden. Millionen verfolgter und ermordeter Christen in aller Welt mahnen zum rigorosen Widerstand gegen die tödliche Ideologie des politischen Islam. Der Islam gehört weder zu Deutschland noch zu Europa, vielmehr haben über die Jahrhunderte hinweg unzählige unserer Vorfahren in Abwehrschlachten gegen mohammedanische Invasoren ihr Leben dafür geopfert, dass wir – ihre Erben – in Frieden und Freiheit leben können. Die Familie ist der Grundbestandteil des Volkes, das wiederum nichts anderes ist, als unsere “größere Familie”. Sie zu schützen muss oberstes Gebot jedes Patrioten sein. Wir fordern, die Kindererziehung den Eltern zu überlassen und verwehren uns gegen jede Art staatlicher Indoktrinierung von Kindern in Schulen und Kindergärten. PatriotPetition.org setzt sich besonders für kinderreiche Familien und frühe Elternschaft ein. Natürlich kann eine Familie nur aus einem Mann, einer Frau und deren Kindern bestehen. Der sogenannten Homo-“Ehe” erteilen wir genauso deutlich eine Absage wie der Gender-Ideologie und dem Feminismus. Wir setzten uns entschieden für den kompromisslosen Schutz des Lebens, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Der millionenfache Abtreibungsmord an unseren Kindern – unserer Zukunft – muss endlich aufhören! Diesen unschuldigen Kindern, die noch keine eigene Stimme haben, soll unsere Stimme gehören. Genauso kämpfen wir gegen die Euthanasie an den Alten und Kranken. PatriotPetition.org kämpft für die zentralen Bürgerrechte; das Recht auf Waffenbesitz, die Ausübungsfreiheit unserer christlichen Religion, den Schutz des Privateigentums und den Erhalt des Erbrechts. Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und das Recht auf freie Rede sind für eine Demokratie von konstituierender Bedeutung, genauso wie die Freiheit im Internet und die Privatsphäre. Wir setzen uns für die freie Marktwirtschaft und die Grundsätze der österreichischen Schule der Nationalökonomie ein. Unsere Freiheit ist heute mehr bedroht denn je durch Big Government, Big Tech, Big Media, Big Pharma, die unser Leben mit sozialistischen Ansätzen beherrschen wollen. Lassen wir das nicht zu, wehren wir uns gemeinsam! Der Nationalstaat ist und bleibt die wahre Grundlage für Wohlstand, Harmonie und Glückseligkeit. Er besitzt aus sich selbst heraus alle Mittel und Fähigkeiten zur umfassenden Bewältigung aller Herausforderungen (“societas perfecta“) und bedarf keinerlei übergeordneter Institutionen wie der EU oder UNO. Niemals werden wir unser Volk und Land dem Globalismus opfern. Wir sind der festen Überzeugung, dass dauerhafter Friede zwischen den Nationen nur gewährleistet werden kann, wenn jedes Volk das Recht hat, in Freiheit und Selbstbestimmung in seiner angestammten Heimat zu leben. Den Bestrebungen der globalistischen Eliten, einen Welteinheitsstaat zu erschaffen und die souveränen Nationalstaaten zu beseitigen, erteilen wir eine klare Absage. Wir setzen uns ein für ein Europa der Vaterländer und lehnen den EU-Zentralismus ab. Die Europäische Union ist nicht Europa.

In dieser oben zitierten Selbstbeschreibung der Website ist mit Fettierung hervorgehoben, worum alles ihnen geht, wogegen sie sind, gegen wen und was sie sind. Das von ihnen begehrte Abtreibungsverbot ist nur ein unter vielen, vielen weiteren Verboten, die ihnen Gebote sind. Entsprechend dieser Gesinnung sind auch ihre Petitionen aufgesetzt, wie anhand einiger gesehen werden kann.

Es wird nicht verwundern, daß bei einer solchen Gesinnung es nicht ausbleiben kann, gesinnungsgemäße Petitionen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie vorzufinden.

Bleibt abschließend nur die Frage. Von wem wird diese Website betrieben? Ein Impressum gibt es nicht. Verortet ist die Website in den USA. Betreiben diese Website proud boys? Von der Hand zu weisen wäre das nicht, war doch Anführer und Sponsor der Genfer Erklärung ein grey boy.

Andererseits, wenn bedacht wird, wie viele Websites zwar auf Servern in den USA liegen, aber die Betreiber nicht in den USA wohnen, die Betreiberinnen irgendwo auf der Welt leben, können auch die Treiber dieser Website irgendwo auf der Welt aufhältig sein. In diesem Fall wäre es aufgrund der verwendeten Sprache schon naheliegend in Deutschland, in Österreich, in Liechtenstein, in Südtirol oder in der Schweiz. In diesem Fall spricht es recht dafür, daß die Treiberinnen dieser Website in Deutschland sind.

Es könnte eine von einer Partei betriebene Website sein. Zwei Punkte sprächen für diese Annahme. Wie gelesen werden kann, bekam ein Mann, der eine Petition unterstützte, eine Antwort per E-Mail. Jedoch nicht von „patriotpetition“, sondern von:

Mit einer Spende sichern Sie eine „Alternative für Deutschland“. Möchten Sie uns finanziell unterstützen, richten Sie Ihre Spende bitte an:
Alternative für Deutschland
Berliner Volksbank e.G.
Spendenbescheinigungen erhalten Sie im Frühjahr des folgenden Jahres.
Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung unserer Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Bundesgeschäftsstelle
Sprecher Bundesverband
Prof. Dr. Jörg Meuthen

AfD bewirbt selbst, wie gelesen werden kann, Petitionen von „patriotpetition“, wie diese: „Solidarität mit Ungarn – Schluss mit familienfeindlicher Hetze gegen Ungarn und sein Volk!“. AfD fordert auf: „Jetzt unterzeichnen“ … Und etwas darf so recht gar nicht fehlen, Afd bittet um Spenden:

P.S.: Bitte unterstützen Sie die Arbeit von PatriotPetition.org auch mit einer Spende! Bequem per PayPal, Kreditkarte oder SEPA-Lastschrift; in Euro, Schweizer Franken oder US-Dollar. Herzlichen Dank für Ihre großzügige Unterstützung! https://www.patriotpetition.org/spenden/
P.P.S.: Bitte leiten Sie diese Nachricht auch an Ihre Freunde und Bekannten weiter und teilen Sie sie in den sozialen Netzwerken. Je mehr Menschen unsere gemeinsamen Anliegen unterstützen, desto größer sind die Erfolgsaussichten für die Petitionen. Vielen Dank!

Ach, wie recht höflich ist doch die AfD; sie bedankt sich persönlich für „Ihre Unterstützung unserer Arbeit“ und bittet freundlich um eine Spende: „unterstützen Sie die Arbeit von …“

Backstreet workshops of abortionists established by Bill Law

Es ist ein kurzes Jahr her, daß über dreißig Staaten die sogenannte Genfer Konsenserklärung unterzeichneten.

In vielen Ländern ist 1963 die Wirklichkeit 2021.

Die Realität 1964 der Zustand 2021, von dem Annie Ernaux schreibt:

Dem Gewirr der Bilder zu entkommen und stattdessen die unsichtbare, abstrakte Wirklichkeit zu erfassen, die in meiner Erinnerung abwesend ist, die mich damals aber auch die Suche nach einem unauffindbaren Arzt vor die Tür trieb: das Gesetz. Es war überall. In den Euphemismen und doppelten Verneinungen in meinem Kalender, in Jean T.s hervortretenden Augen, in den sogenannten aus Not geschlossenen Ehen, in Die Regenschirme von Cherbourg, in der Scham derjenigen, die abtrieben, in der Verachtung der anderen. In der absolut unvorstellbaren Möglichkeit, dass Frauen sich eines Tages frei für eine Abtreibung würden entscheiden können. Und wie immer in solchen Fällen wusste man nicht, ob Abtreibungen verboten waren, weil sie verwerflich waren, oder verwerflich, weil sie verboten waren. Man urteilte innerhalb des Gesetzes, nicht über das Gesetz.

Obgleich es in vielen, vielen, in zu vielen Staaten 2021 die Lebenswirklichkeit der Frauen nicht anders, das heißt, nicht besser als 1963 geworden ist, unterzeichnen 2020 über dreißig Staaten in Genf, ausgerechnet in Genf diese Erklärung zur Vergenferung der gesamten Welt, eine Erklärung, für die sie keinen für sie offenbarenderen Ort als Genf hätten finden können, für ihre Erklärung, mit der die über dreißig Staaten so tun wollen, als würde das alles, was sie mit dieser Erklärung unterzeichneten, nirgendwo auf dieser Welt geben. Aber das alles gibt es, in vielen, vielen, zu vielen Staaten. Jedoch. Das ist ihnen bei weitem nicht genug. Ihnen will die ganze Welt Genf werden, das Genf vor etlichen Jahrhunderten.

Es hat kurz gedauert, nicht einmal ein Jahr, daß aus der Hauptstadt eines Bundesstaats aus dieser Erklärung ein Gesetz sich ergoß – Austin, Afghanistan.

Wie viele derartiger Gesetzesentwürfe, Gesetzesvorlagen – der Begriff im Englischen bezeichnenderweise auch ein männlicher Vorname -, wie viele Bills werden durch diese Erklärung noch angespornt werden, daraus Gesetze …

Die Bills aber sind nicht allein, sie haben ihre Komplizinnen.

Komplizinnen, die ihnen nicht nur bei ihrem Gießen von solchen Gesetzen handfest behilflich sind, sondern auch, wenn es darum geht, Verbesserungen zu verhindern. Wie es erst vor kurzem im Parlament der Europäischen Union der Fall war, wenige Monate nach der unterzeichneten Vergenferung, nach deren Einfluß auf die Ablehnung von Verbesserungen mit Recht gefragt werden darf. Es waren österreichische Bills und deren Komplizinnen.

Back-alley abortionists

Bald wird – was zählen dabei zwei oder drei Jahre – es sechzig Jahre her sein: Das vom Gesetz als Urheber erzwungene Geschehen, das Annie Ernaux weit über drei Jahrzehnte später in „L’évènement“ schildert, und es vergehen noch einmal zwei Jahrzehnte, bis diese Erzählung einer Abtreibung in einer deutschsprachigen Übersetzung mit dem Titel „Das Ereignis“ zu lesen …

Annie Ernaux wählt für ihre Erzählung das Imperfekt. Jedoch, es kann nicht gesagt werden, daß sie deshalb zu einer raunenden Beschwörerin des Imperfekts wird. Den Lesenden von „Das Ereignis“ in diesem Jahr 2021 muß, in Anbetracht der Entwicklungen, das erzählte Geschehen als eines der Gegenwart vorkommen. Gar mehr noch, wenn die Entwicklungen derart weiter voranschreiten, als ein Geschehen der Zukunft

„der absolut unvorstellbaren Möglichkeit, dass Frauen sich eines Tages frei für eine Abtreibung würden entscheiden können.“

Es wird noch ein weiteres Kapitel bedürfen, um darauf einzugehen, auf diese Entwicklungen, die aus dem Buch von Annie Ernaux eines machen, das von der bevorstehenden Zukunft erzählt, in der es absolut unvorstellbar geworden sein wird, daß Menschen sich eines Tages frei für eine Abtreibung entscheiden werden können.

In diesem Kapitel soll bloß ein Wort, das auch im Buch von Annie Ernaux vorkommt, noch bedacht werden. Engelmacherin.

Daß dies eine liebliche Umschreibung ist, wem müßte das noch erzählt werden. Es wäre für Österreich sehr zutreffend, wäre Engelmacherin österreichischer Herkunft. Nur eines ist dabei gewiß, in Österreich noch nicht gehört zu haben, daß auch von Engelmachern gesprochen wird, wie etwa im Französischen : Le faiseur d‘anges

Le faiseur, Macher, Schöpfer, Gott – so kann der Engelmacher auch mit le dieu d’anges übersetzt und zurückübersetzt: Der Engelschöpfer.

La faiseuse d‘anges, von einer Engelmacherin berichtet Annie Ernaux, die sie, vom Gesetz gezwungen, aufsuchen muß, in ihrer Küche mit einem Resopaltisch, auf dem eine Emailschüssel, daneben eine Haarbürste und eine rote Sonde, die ihr Madame P.-R gleich einführen wird. „Werkstatt der Engelmacherin“ würde Annie Ernaux das Bild mit Resopaltisch, Emailschüssel, Sonde und Haarbürste vor einer Wand wohl selbst auch nennen, das sie nicht malte, aber erleben mußte, vom Gesetz dazu verurteilt.

La faiseuse, Macherin, Schöpferin, Göttin – so kann die Engelmacherin auch mit la dieu d’anges übersetzt und zurückübersetzt: Die Engelschöpferinengelmachende Gott in vielgeschlechtlicher Dreifaltigkeit.

An einem anderen Nachmittag betrat ich eine Kirche, Saint Patrice, in der Nähe des Boulevard de la Marne, um einem Priester zu beichten, dass ich abgetrieben hatte. Sofort bemerkte ich meinen Fehler. Ich fühlte mich erhaben, für ihn war ich eine Verbrecherin. Als ich wieder hinausging, wusste ich, dass die Zeit der Religion für mich vorbei war.

Für den Priester war Annie Ernaux vor bald 60 Jahren eine „Verbrecherin“. Bald sechzig Jahre später ist für Berufsgläubige und Hobbygläubige „Abtreibung Mord“. Es sind ihnen die Frauen nicht nur vage Verbrecherinnen, sondern Mörderinnen. Es ist nicht die einzige Kirche, die Annie Ernaux besucht, vor dem ersten Einführen der Sonde betritt sie eine in unmittelbarer Nähe der vom Gesetz errichteten Schöpfungswerkstatt.

Ich betrat eine Kirche, Saint-Charles-Borromée, blieb lange dort sitzen und bat darum, nicht leiden zu müssen.

Eine Kirche dieses Namens gibt es auch in Wien – die Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus. Hätte Annie Ernaux von Wien erzählen müssen, wo sie vor dem von dem gottgebenedeiten Gesetz erzwungenen Aufsuchen der in unmittelbarer Nähe zur Friedhofskirche gelegenen Werkstatt, die der Ort ihres Todes hätte werden können, eine Kirche betritt, sie hätte die Werkstatt wohl an einen anderen Ort verlegt, vielleicht auf den Karl-Borromäus-Platz mit seiner in der Nähe befindlichen Kirche, denn dies wäre, wenn es sich in der Wirklichkeit auch genauso zugetragen hätte, wohl zu literarisch gesucht erschienen.

Engelmacher, Engelmacherin, diese liebliche, diese verharmlosende, diese wirklichkeitsleugnende Bezeichnung ist ein Wasserwort, das im Abort runterzuspülen ist.

Eine vom Gesetz auf diese Weise erzwungene Abtreibung in solch einer Werkstatt, in der das Gesetz „Wasserkinder“ gebiert, soll fortan als das benannt werden, was sie tatsächlich ist: backstreet workshop of abortion. Gesetzlich errichtete Gassenwerkstätten in Hinterhöfen, in denen back-alley abortionists einer ihnen vom Gesetz beschafften Arbeit mit einer ihnen vom Gesetz angedrohten Strafe nachgehen.

Rechtswiss. Mit einer Gefängnis- oder Geldstrafe belegt wird 1. der Urheber von Abtreibungen oder Abtreibungsversuchen; 2. der Arzt, die Hebamme, der Apotheker oder jeder andere, der eine Abtreibung empfiehlt oder ermöglicht; 3. die Frau, die selbst abtreibt oder abtreiben lässt; unter Strafe steht 4. der Aufruf zur Abtreibung sowie das Werben für Verhütungsmittel. Gegen Schuldige kann zusätzlich ein Aufenthaltsverbot ausgesprochen werden, und Schuldige der Kategorie zwei können mit einem befristeten oder unbefristeten Berufsverbot belegt werden.
Nouveau Larousse Universel
Universallexikon, Ausgabe von 1948

Ein zu früh gesetzter Punkt

Wenn ich diese Erfahrung nicht im Detail erzähle, trage ich dazu bei, die Lebenswirklichkeit von Frauen zu verschleiern, und mache mich zur Komplizin der männlichen Herrschaft über die Welt.)

So lautet der Satz – ungekürzt, zu lesen auf Seite 48.

Wenn ich diese Erfahrung nicht im Detail erzähle, trage ich dazu bei, die Lebenswirklichkeit von Frauen zu verschleiern.

So verkürzt steht der Satz auf der Rückseite des Buchs – mit einem Punkt an der Stelle, an der ein Beistrich gehört.

Ein falsch gesetzter Punkt. Ein zu früh gesetzter Punkt.

Mit einem derart verkürzten Satz auf der Rückseite wird Suhrkamp Menschen wohl dafür gewinnen wollen, „Das Ereignis“ von Annie Ernaux zu kaufen. Es scheint doch mehr zum Kauf verführen, wenn auf Anhieb zu erfahren ist, was zu erwarten ist: „Erfahrung“, „Lebenswirklichkeit“. Die Neugier auf Lebensbeichten ist groß. Auf anrührende Bekenntnisse, die von erduldeter „Erfahrung“ in einer ohne eigenes Tun hingenommenen tatenlos ausgesetzten „Lebenswirklichkeit“ berichten.

Dabei böte die Rückseite des Buches mehr als genügend Platz, um den Satz nicht verkürzt hervorheben zu müssen. Der Satz ist kurz genug, um diesen auf der Rückseite des Buches ohne Auslassung des wesentlicheren Teils seiner Aussage zu zitieren.

Fürchtete Suhrkamp, keine das Buch Erwerbende zu finden, wenn der Satz für die Rückseite des Buchs etwa auf diese Weise verkürzt wäre?

Wenn ich dies nicht im Detail erzähle, mache ich mich zur Komplizin der männlichen Herrschaft über die Welt.

Wäre Suhrkamp eine derartige Verkürzung auf nur eine der zwei Aussagen des Satzes von Annie Ernaux gar als eine unredliche, eine gegen sie gerichtete erschienen?

Was immer die Überlegungen von Suhrkamp gewesen sein mögen, den Satz auf der Rückseite des Buches letztlich so zu verstümmeln, wie dieser verstümmelt wurde. Eines läßt sich sagen zu diesem Punkt über die Rückseite des Buches hinaus:

Der falsch gesetzte Punkt ist ein gegen die Weltwirklichkeit zu früh gesetzter Punkt.