Zwei Buben im Gras

Es habe, wird nun berichtet, keine weiteren Termine gegeben. So ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie doch wer noch aufklärte, in dieser Hinsicht aufklärte, es im Angesichte des Gottespaktes nicht so leicht ist, der Kirche Steuerprivilegien zu streichen, Förderungen zu kürzen, wesentliche Beiträge zu deckeln, sie also aufgeklärt wurden, daß dies wohl nur möglich ist, wenn der Kirche der Gottespakt gekündigt …

Die zwei Buben saßen nicht im Grünen, während dieser ihrer Unterhaltung. Modern wie sie sind, unterhielten sie sich über ihre Handys. Nun wurde ihre Unterhaltung bekannt und so veröffentlicht, wie diese im folgenden zitiert wird.

– Heute ist die Kirche bei uns Schipka kommt um 16.00 Wir werden Ihnen ordentliches Package mitgeben Im Rahmen eines steuerprivilegien Checks aller Gruppen in der Republik wird für das BMF auch die Kirche massiv hinterfragt Alles sind gleich Dann gehen wir unsere Liste durch. LG Thomas

– Ja super. Bitte Vollgas geben.

– Yea! Das taugt mir voll. Also Schipka war fertig! Steuerprivilegien müssen gestrichen werden Förderungen gekürzt Und bei Kultus und Denkmalpflege wesentliche Beiträge Heimopfergesetz werden wir deckeln Er war zunächst rot und dann blass dann zittrig Er bot mir Schnaps an den ich in der Fastenzeit ablehnte weil Fastenzeit Waren aber freundlich und sachlich

– Super danke vielmals!!!! Du Aufsichtsratssammler

– Das ist dort mein Hauptberuf – bitte mach mich nicht zu einem Vorstand ohne Mandate Das wäre ja wie Wiener Stadtrat ohne Portfolio

– kriegst eh alles was du willst

– Ich liebe meinen Kanzler Ich muss übrigens Didi gerade aufpäppeln weil ihm Schipka so leid getan hat

Die Orthographie ist genauso wiedergegeben, wie die zwei Buben ihre Unterhaltung schrieben, wie Buben eben schreiben, in einem Alter, in dem alles wichtiger ist als Grammatik, Rechtschreibung … Weggelassen lediglich ihre Emojis, also ihre dazu gemalten Gesichtchen … nicht zuletzt deshalb, weil gerade die bei gewissen Aussagen dazu gemalten Gesichtchen etwas Anstößiges ausdrücken könnten, da, das muß eingestanden werden, die Bedeutung dieser Gesichtchen nicht gekannt wird.

Es ist also März. Wieder einmal Frühlingserwachen. Buben werden hinausgeschickt, zum Spielen auf die Wiese. Sie tollen umher, irgendwann, wohl auch ein wenig müde geworden, die Phase des forcierten Wachstums ist die anstrengendste Lebenszeit für Menschen, ganz besonders für Buben, lassen sie sich im Gras nieder, und sie erzählen einander abenteuerliche Geschichten, der eine geht ganz in seiner Geschichte auf, der andere hört fasziniert zu, und er befeuert ihn, er möchte einfach noch mehr hören von der Komödie seines phantasiemutigen Kerls …

Es muß bei der oben zitierten Unterhaltung einfach vergessen werden, daß diese mittels Telefon geführt wurde, vergessen werden, daß der eine das und der andere dies ist, ihr Alter bloß über ihren Bubenstatus hinwegtäuscht. Es muß diese Unterhaltung in den richtigen Rahmen gestellt werden, um sich vorstellen zu können, um was für eine Unterhaltung es sich dabei tatsächlich handelt. Es sind Träumereien von Buben, die sich schon groß und stark wähnen, hinausgeschickt zum Spielen, nebeneinander im Gras …

Frühlingserwachen. Es muß aber um die Buben nicht gebangt werden, eine Kindertragödie, wie, um eine Zahl zu nennen, vor 115 Jahren werden sie nicht erleiden müssen, zumindest die zwei Buben …

Jedoch, so heißt es, die Tragödie, von der die einen verschont bleiben, trifft die anderen mit voller Wucht als Tragödie, auch dann, wenn es eine Komödie …

Edelweißpflicht

Es ist kein Jubiläum, das besonders zu begehen ist.

Vor 35 Jahren wurde Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt. Das Datum seiner Angelobung am 8. Juli 1986 wird in den Geschichtsbüchern von seiner Amstszeit bleiben, und auch noch das Datum seines Amtsausscheidung. Denn das ist die Pflicht der Geschichtsbücher, die Daten anzugeben.

Die Veröffentlichung des Buches „Blutiges Edelweiß“ hat er, Waldheim, nicht mehr erlebt.

Was er wohl, wenn er die Veröffentlichung in 2008 noch erlebt hätte, dazu gesagt hätte, wenn er danach gefragt worden wäre, sofern es überhaupt noch wen interessiert hätte, ihn irgend etwas zu fragen, was hätte er geantwortet, wenn er geantwortet hätte? Besonders zur Passage, in der er, Waldheim, selbst vorkommt:

Oberleutnant Kurt Waldheim, der spätere Präsident Österreichs und Generalsekretär der UNO, der das Kriegstagebuch des deutschen Generalstabes bei der italienischen 11. Armee führte, vermerkte darin am 17. August: „Im Bereich der 1. Geb.Div. Ort Komeno […] gegen heftigen Feindwiderstand genommen. Hierbei Feindverluste.“ Im Laufe eines Tages wurde also der ohnehin unwahre deutsche Bericht über das Morden in Kommeno dahingehend weiter manipuliert, daß die ursprünglich im Regimentsbericht angeführten „150 toten Zivilisten“ im Divisionshauptquartier schließlich als „Feindtote“ bezeichnet werden. Daraus macht die Ic-Dienststelle dann „150 tote Banditen“, und Waldheim spricht im Kriegstagebuch des Generalstabes nur ganz unbestimmt von „Feindverlusten“. So verwandelte sich ein Kriegsverbrechen in einen konventionellen Akt der Verteidigung.

Es muß zugegeben werden, ohne das Edelweiß gäbe es nicht die Erinnerung daran, daß es einmal einen Bundespräsidenten in Östereich mit dem Namen Kurt Waldheim gab. Kurz ist es her, daß das Edelweiß wieder breite Aufmerksamkeit erfuhr, nicht im Zusammenhang mit einem Krieg, aber mit einer Seuche.

Der Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres ist der Bundespräsident, der auch in diesem zweiten Coronafrühling ein Mann ist, deshalb kann keine Oberbefehlshaberin, keine Bundespräsidentin hinzugeschrieben werden; es wäre bloße Wirklichkeitsleugnung.

Der derzeitige Bundespräsident heißt nicht Kurt Waldheim, und es ist nicht abzusehen, wann je eine Frau in Österreich Bundespräsidentin …

Was aber auf der Website des Bundesheeres, dessen Oberbefehlshaber er ist, zum Edelweiß zu lesen ist, würde eher in der Zeit vor 35 Jahren verortet werden, als der Oberbefehlshaber Kurt Waldheim hieß …

Aber das kam erst viel später hinzu. So geschrieben. Zu einer Zeit, in der bereits gedacht werden hätte können, mit dem Geschehen um Kurt Waldheim hat es sich für immer erledigt, so zu schreiben. Zu gut gedacht. Von Österreich. Schlecht gesagt. In Österreich, weiter mit dem schlecht Gesagten. In Österreich wird weitergemacht, als hätte es nie …

Es wird in Österreich gut gesehen, was schlecht gesagt werden kann, es wird in Österreich gut gesehen, was schlecht gesagt werden muß …

Die kurze Notiz des ehemaligen Oberbefehlhabers des österreichischen Bundesheeres über „Feindtote“ in Kommeno ist … Er setzte pflichtgemäß den Ermordeten die Maske des Feindes auf. In „Blutiges Edelweiß“ von Hermann Frank Meyer kann gelesen werden, was auch in Kommeno verbrochen wurde, wer die Menschen ohne waldheimische Masken waren, die ermordet wurden.

Was der Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres auch nicht mehr erlebte, im beginnenden zweiten Coronafrühling, daß die Pflicht auch anders verstanden werden kann. Kurz ist es her, daß sogar einer aus der eigenen Familie, vollkommen seinen Werten verpflichtet, sich gänzlich anders entschied, als der Rest seiner …

Gottespakt

Es wirft kein schmeichelhaftes Licht auf die Staaten Deutschland und Österreich, die Diktaturenkirchenverträge nicht sofort mit dem Ende des Massenmordens für null und nichtig erklärt zu haben, nicht sofort 1945 mit dem seit zwölf Jahren überfälligen Untergang des nationalsozialistischen deutschen reiches die Diktaturenkirchenverträge für null und nichtig erklärt zu haben. Noch weniger schmeichelhaft ist es dadurch, es bis heute nicht getan zu haben.

Noch weniger schmeichelhaft ist es für die römisch-katholische Kirche, weil sie zum einem nicht von diesen Diktaturenkirchenverträgen lassen kann, zum anderen aber vor allem deshalb, weil sie 1933, also vor 88 Jahren, es nicht eilig genug haben konnte, mit den Diktaturen Kirchenverträge abzuschließen.

Ganz und gar nicht schmeichelhaft für die römisch-katholische Kirche ist der Vertragsabschluß vor 88 Jahren am 20. Juli mit dem Diktator aus dem Oberösterreichischen, mit dem sie dem Diktator aus dem Oberösterreichischen zu seinem ersten großen außenpolitischen Erfolg verhalf, für seine Reputation außerhalb des deutschen reiches sorgte. Vor 88 Jahren hatte es der oberösterreichische Diktator, der gerade einmal sein erstes halbes Jahr als Diktator hinter sich hatte, ebenfalls sehr eilig, diesen Gottespakt zu schließen.

Ebenso wenig schmeichelhaft ist für die römisch-katholische Kirche der Vertragsabschluss vor 88 Jahren am 5. Juni mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen. Auch hier konnte es der römisch-katholischen Kirchen nicht schnell genug gehen, mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen einen Gottespakt zu schließen. Auch der niederösterreichische Diktator hatte es eilig, noch eiliger als der oberösterreichische, denn sein Staatsstreich, seine Ausschaltung der Demokratie lagen gerade einmal drei Monate zurück, seine Diktatur war, einfach wie kurz gesagt, drei Monate jung, als er den Gottespakt schloß. Mit dabei war auch bereits sein mit 35 Jahren doch recht junger Führernachfolger.

Jetzt sich damit zu befassen, werden Sie vielleicht sagen, was vor 88 Jahren war, ist der ungünstigste Zeitpunkt, im Angesicht der Pandemie.

Aber das Konkordat, dieser Gottespakt, ist wohl mit verantwortlich, daß Kirchen heute noch sich Freiheiten nehmen und Frechheiten herausnehmen, ihnen Freiheiten, ohne mit der Wimper zu zucken, gewährt werden, die allen anderen, ohne mit der Wimper zu zucken, genommen werden, wie jetzt in dieser Pandemie.

Der Gottespakt mit dem Diktator aus dem Oberösterreichischen, der Gottespakt mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen kommen auch deshalb gerade jetzt in den Sinn wegen der von der Glaubenskongregation erst kürzlich verkündeten Verweigerung der Segnung … Die Diktaturenkirchenverträge wurden vor 88 Jahren im „Saal der Kongregationen im Vatikan“ besiegelt. Und zu den Kongregationen gehört auch die Glaubenskongregation, im Saal auch der Glaubenskongregation also wurden die Gottespakte …

Der Saal der Kongregationen im Vatikan ist der einzige Raum auf dieser Welt ohne Zeit, oder, der Saal der Kongregationen ist der einzige Raum und der einzigen Zeit auf dieser Welt, angezeigt von einer Uhr mit einer einzigen Zahl — deren kleiner Zeiger unbewegbar auf 19 und dessen Schatten auf 33 …

Show von der idealen Familie: Herrn Kirche ist seine Frau Kirche Hure und Mutter

In Zeiten der Corona gibt es ja lang nichts mehr zu lachen. Und zugleich ist alles bloß noch zum Lachen. Jedoch zu einem Lachen, das nicht vergessen läßt. Wie gut, daß für einen weiteren Ablenkungsversuch das Kirchentheater wenigstens noch seine Pforten weit geöffnet hat und einlädt zur Show in sein Innerstes.

Die Show läuft ab, wie jede Show in der Theaterkirche abläuft.

Der Conférencier mit seinen Girls zieht in die Bühnenkirche ein. Das Eingangslied wird gesungen. Der Conférencier küßt die Schulter.

Rasch darauf erfolgt die Verkündigung der ersten Nummer. Der Conférencier zieht es in die Länge, er schmückt es aus, was gleich in der ersten Pantomime zu sehen. Er macht es spannend. Der Conférencier weiß, nicht alle im Publikum wissen Gestik, Mimik zu lesen, er übersetzt die Pantomime in Worte, er sieht sich als Pädagoge, er erzählt den Inhalt der Pantomime der Familie Kirche.

Freilich verrät er nicht alles. Daß etwa Frau Kirche in ihrer Doppelrolle gleich zu sehen ist: Mutter und Hure.

Herrn Kirche ist seine Frau Kirche nämlich Hure und Mutter. Als Hure muß sie es ihm ordentlich anrüchig besorgen, als Mutter hat sie ihn zu umsorgen, wie eine Mutter eben für ihr Kind zu sorgen hat. Für den Sohn ist Frau Kirche seine Mutter, aber, so tief eingedrungen ist in ihn bereits seines Vaters Welt, auch schon Hure. Wie Vater und Sohn Kirche Tochter und Schwester auf ihre zukünftige Rolle als Mutter und Hure vorbereiten, sie in diese einführen, das deutet der Conférencier bloß stumm, aber mit vielversprechenden Gesten an, wie es in der Pantomime gleich eindeutig lustig …

Der Conférencier verrät nicht alles seinem Publikum, auch deshalb, um nach der ersten Nummer, nach der aufgeführten Pantomime, noch etwas zu erzählen zu haben, so etwas von der Moral der mit Purzelbäumen abtretenden Familie …

Ich gehe von einer ganz einfachen Beobachtung aus: Viele Mütter segnen ihre Kinder. Meine Mutter macht es immer noch bis heute. Ich gehe nicht weg von Zuhause, ohne dass sie mich segnet. Eine Mutter wird den Segen nicht verweigern, auch nicht, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter Lebensprobleme hat. Im Gegenteil. Und genauso ist es in dem Fall dieses Leserbriefes, wenn der Sohn sich outet, dass er gleichgeschlechtlich empfindet und auch gleichgeschlechtlich liebt. Die Eltern werden, gerade wenn sie gläubig sind, diesem Kind, diesem Sohn oder dieser Tochter doch nicht den Segen verweigern.

Ich war nicht glücklich über diese Erklärung der Glaubenskongregation. Und zwar aus dem einfachen Grund: Die Botschaft, die medial rübergekommen ist in der ganzen Welt, war nur ein ‚Nein‘. Und zwar ein ‚Nein‘ zum Segen; und das ist etwas, was viele Menschen zuinnerst verletzt, als würden sie spüren und sagen: ‚Mutter, hast du keinen Segen für mich? Ich bin doch auch dein Kind.‘

Die Kirche ist, wie man traditionellerweise sagt, Mater et Magistra, Mutter und Lehrerin. Sie muss lehren, aber sie ist zuerst Mutter. Und viele gleichgeschlechtlich Empfindende und Lebende sind gerade in dieser Frage besonders sensibel: ‚Ist uns die Kirche Mutter?‘ Und sie bleiben Kinder Gottes. Und sie wollen auch die Kirche als Mutter sehen und deshalb hat diese Erklärung viele so besonders schmerzlich getroffen, weil sie das Empfinden haben, sie werden von der Kirche abgelehnt.

Dass hinter dem Anliegen dieser römischen Erklärung auch ein positives Anliegen gefunden werden kann, ist überhaupt nicht rübergekommen.

Nämlich die hohe Wertschätzung der sakramentalen Ehe, die in der heutigen Welt fast schon eine Seltenheit geworden ist. Die aber etwas Großes und Heiliges ist, der Bund von einem Mann und einer Frau. Ein Bund fürs Leben, vor Gott versprochen und geschlossen, der dann auch zu Kindern führen kann, die als Geschenk Gottes empfunden werden.

Deshalb ist das berechtigte Anliegen der Glaubenskongregation, dass durch eine Segnungsfeier nicht der Eindruck entsteht, dass hier eine sakramentale Ehe geschlossen wird.

Aber dieses „Ja“ zur Familie muss man nicht in einem „Nein“ zu allen anderen Formen sagen. Die Kirche hat sich längst daran gewöhnt – es war ein schmerzlicher, lange Prozess -, dass sie nicht die einzige Stimme ist, die über Partnerschaften ein Wort zu sagen hat. Seit dem 19. Jahrhundert hat der Staat die Souveränität der Kirche über die Ehe zurückgenommen, und es ist für uns selbstverständlich – auch für die Kirche -, dass man sich zuerst zivil verheiratet, ehe man kirchlich heiratet. Und trotzdem ist das staatliche Verständnis von Ehe als einem Vertrag etwas wesentlich anderes als das Verständnis der sakramentalen Ehe. Damit leben wir längst.

Die Frage, ob man gleichgeschlechtliche Paare segnen kann, gehört in die gleiche Kategorie wie die Frage, ob dies bei Wiederverheirateten oder Partnerschaften ohne Trauschein möglich ist. Und hier ist meine Antwort relativ einfach:

Wenn die Bitte um den Segen keine Show ist, also nicht nur eine Art Krönung von einem äußerlichen Ritual, wenn die Bitte um den Segen ehrlich ist, es wirklich die Bitte um den Segen Gottes für einen Lebensweg ist, den zwei Menschen, in welcher Situation auch immer, zu gehen versuchen, dann wird man ihnen diesen Segen nicht verweigern.
Auch wenn ich als Priester oder Bischof sagen muss: ‚Das ganze Ideal habt ihr nicht verwirklicht. Aber es ist wichtig, dass ihr euren Weg auf der Basis menschlicher Tugenden lebt, ohne die es keine gelungene Partnerschaft gibt.‘ Und das verdient einen Segen. Ob die richtige Ausdrucksform dafür eine kirchliche Segnungsfeier ist – darüber muss man gut nachdenken.

Stellen Sie sich vor, es ist Pandemie, und Gesundheitsminister ist Herbert K.

Vor wenigen Tagen hat der für kurz gewesene Innenminister im „Ibiza-Ausschuss“ ausgesagt, es sei von ihm gefordert worden, nicht mehr Innenminister zu sein, und dafür sei ihm, von der türkis getupften christschwarzen Partei angeboten worden, er soll Sozialminister werden, und der für kurz gewesene Infrastrukturminister soll Vizekanzler werden. Darin sah die türkis getupfte christschwarze Partei ihre Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Regierung mit blauer Erduldung.

Es werden wohl nicht wenige diese Aussage von dem für kurz gewesenen Innenminister skeptisch sehen, ob er im Ausschuss also wirklich die Wahrheit sagte. Das darf ihm aber in dem Sinn als wahre Aussage abgekauft werden, wie beispielsweise je die Aussagen von Seb. Kurz als glaubwürdige einzustufen sind.

Wenn also Herb. Kickl zugestimmt hätte, Sozialminister zu werden, Nor. Hofer zugestimmt hätte, Vizekanzler zu werden, dann gäbe es heute noch eine türkisblauchristschwarze Bundesregierung in Österreich. Und wenn die Aufgabenverteilung genauso wäre, wie die Aufgabenverteilung jetzt in der Bundesregierung ist, dann wäre Herb. Kickl auch Gesundheitsminister.

Stellen Sie sich vor, es ist Pandemie, und Gesundheitsminister ist Herb. Kickl …

Was wäre dann anders – als jetzt.

Herb. Kickl hätte dann wohl keine Zeit etwa, am Heldenplatz, auf der Jesuitenwiese Reden zu halten, sich mit Männern zu unterhalten, von denen er, sagt er, nicht weiß, wer sie sind.

Was es wohl auch weiter geben würde, wäre Herb. Kickl Gesundheitsminister, sind die Demonstrationen, bloß halt ohne Herb. Kickl, bloß halt ohne Rücktrittsaufforderung der ÖVP an Herb. Kickl, der aber immer der Herb. Kickl ist, wie er gekannt wird, mit und ohne Pandemie, als für kurz gewesener Innenminister, als kurz umworbener Sozialminister

Und das kann ebenso von Nor. Hofer gesagt, mit und ohne Pandemie, als für kurz gewesener Infrastrukturminister, als kurz umworbener Vizekanzler.

Was auf diesen Demonstrationen, wäre Herb. Kickl Gesundheitsminister und Sozialminister, wäre Nor. Hofer Vizekanzler, unverändert aber weiter skandiert werden würde, ist: „Kurz muss weg.“

Die Tafeln, die Transparente, die Fahnen mit „Kurz muss weg“ würden wohl ein wenig anders gestaltet sein, vielleicht mit einem Abbild von dem Dreigespann und ergänzt um die von Seb. Kurz gemachte Aussage über von ihm als „inakzeptabel“ gelittenen Demonstrationen: „Das widert mich an.“

In Österreich Geborene sind nicht „Nachgeborene“ von „Fremden“

Nehammer rückte aus, verteidigte die Linie der ÖVP und sagte in ein ORF-Mikrofon: „Ich muss darauf hinweisen, dass Österreich allein in diesem Jahr 5.000, ich wiederhole die Zahl, 5.000, unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Schutz gewährt hat.“ Wenig später sprang auch ÖVP-Integrationsministerin Susanne Raab bei: „Eines möchte ich noch sagen, weil das kommt immer zu kurz. Man tut gerade so, als dass Österreich hier im Land nichts leistet. Wir haben 5.000 unbegleitete Minderjährige nur in diesem Jahr in Österreich aufgenommen.“

Nehammer kleinlaut

Innenminister Karl Nehammer zeigte sich am Mittwoch eher kleinlaut und ließ über sein Büro lediglich verlauten, er habe sich damals „versprochen“. Er habe nicht unbegleitete Minderjährige gemeint, sondern allgemein 5.000 „Minderjährige“. Das sei wenig später in einer APA-Meldung korrekt dargestellt worden. Es seien „zu keinem Zeitpunkt falsche Zahlen genannt worden“. Zudem liege Österreich bei den Asylanträgen unbegleiteter Minderjähriger sogar an zweiter Stelle in der EU. Es sei natürlich ein Fehler passiert, gibt man auch im Büro der Integrationsministerin Susanne Raab zu. „Fakt ist, dass Österreich im letzten Jahr 5.730 Minderjährigen Schutz gewährt hat. Bei der Bezeichnung ‚unbegleitete Minderjährige‘ sei es eben „zu einem Versprecher“ gekommen“.

Zwischen Karl Nehammer großlaut und Karl Nehammer kleinlaut liegen drei Monate. Ebenso liegen drei Monate zwischen Susanne Raab großlaut und Susanne Raab kleinlaut. Raab und Nehammer lassen von ihren Büros gleichlautend ausrichten, es sei zu einem „Versprecher“ gekommen, vor drei Monaten haben Nehammer und Raab sich gleichlautend versprochen.

Was für ein Phänomen.

Zwei Menschen versprechen sich wortgleich, zwei Büros müssen drei Monate später für zwei sich wortgleich versprechende Menschen sich gleichlautend herausreden, es sei „zu einem Versprecher“ gekommen.

Das Gegenteil von kleinlaut scheint nicht nur in den Fällen von Nehammer und Raab, sondern generell in der türkis getupften christschwarzen Partei nicht großlaut zu sein, sondern kurzlaut … Vor drei Monaten sagte Susanne Raab im Nachrichtenstudio:

„Eines möchte ich noch sagen, weil das kommt immer zu kurz.“

Wenn Medien nun diesen Satz von ihr zitieren, schreiben sie „kurz“ klein. Welches „kurz“ sie meinte, nun, ob ein großgeschriebenes oder ein kleingeschriebenes kurz, das kann von einer mündlichen Aussage her nicht bestimmt werden.

„Weil das kommt immer zu Kurz.“

Das könnte ihre Sorge, wohl auch Furcht vor Konsequenzen ausgedrückt haben, „weil das kommt immer zu Kurz“, deshalb: „eines möchte ich noch sagen“, also kurzlautend möchte sie noch sagen, damit er, das ja doch immer zu Kurz kommt, nicht meint, sie würde mit ihm nicht genauso gleichlautend wie Nehammer mit ihm und ihr, der vor drei Monaten eben nicht großlaut, sondern kurzlaut

„Das kommt immer zu Kurz“, der aber im Gegensatz zu den Kurzlauten keine „Versprecher“, sondern „Versprechen“ macht, an deren Nicht-Einlösung aber er nicht die Schuld trägt, jedoch kann er stets aufdecken, wer die Einlösung der Versprechen verhindert.

„Weil das kommt immer zu Kurz.“ Damit hat Susanne Raab vor drei Monaten das Mantra der türkis getupften christschwarzen Partei preisgegeben.

Einmal noch zurück zum Kurzlauten mit dem Namen Nehammer, der nun kleinlaut … In seiner sechsseitigen Anfragebeantwortung vom 10. März ’21 ist sein letzter Satz auf der Seite fünf von sechs Seiten:

„Hiermit darf nochmals festgehalten werden, dass im Jahr 2020 5.730 Minderjährigen ein Schutzstatus erteilt wurde. Karl Nehammer, MSc“.

Darauf folgt die sechste Seite.

Die sechste Seite aber ist eine leere Seite.

Eine leere Seite, ideal dafür, einen Gesetzesantrag einzubringen. Auch für diesen Kurzlauten ist solch ein Gesetzesantrag kein idealer, das Ideale für ihn und seine Gleichlautenden ist eine leere Seite, also das Leere.

Es ist Karl Nehammer jedoch nicht anzulasten,wenn er in seiner Anfragebeantwortung von „nachgeborene[n] Asylwerber[n]“ spricht. Auch die Abgeordneten der NEOS sprechen in ihrer parlamentarischen Anfrage von „nachgeborene[n] Kinder[n]“. Es ist eben österreichische Gesetzessprache. Aber es sind keine „nachgeborenen Asylwerber“, es sind keine „nachgeborenen Kind[er] eines Fremden“, wie es beispielsweise im Asylgesetz § 17 heißt,

(3) Ein Antrag auf internationalen Schutz von einem in Österreich nachgeborenen Kind eines Fremden, dem der Status des Asylberechtigten oder der Status des subsidiär Schutzberechtigten zukommt […]

sondern es sind Menschen, die in Österreich geboren wurden. „Nachgeborene Asylwerber“ im besonderen, das klingt nicht positiv. „Nachgeborene“ im allgemeinen klingt schon nicht positiv. Wem nachgeboren? Schnell kommt der Gedanke, nicht den Guten nachgeboren, sondern … Es reicht hier, beispielhaft auf „An die Nachgeborenen“ zu verweisen. Anders aber als den „Nachgeborenen“ in diesem Gedicht

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

ergeht es den „Nachgeborenen“, die in Österreich geboren werden. Sie, die in Österreich Geborenen, tauchen aus der Flut nicht auf, sie, die in Österreich Geborenen, entrinnen nicht der finsteren Zeit, vor der ihren Eltern wenigstens zu fliehen gelungen ist. Die in Österreich Geborenen gehen einer finsteren Zeit entgegen, sie, die in Österreich Geborenen, schutzlos dem österreichischen Schutz ausgeliefert, wenn sie zur nachtschwarzen Stunde aus ihren Betten geholt und …

Eine sechste leere Seite wieder ungenutzt gelassen, statt gleich für einen Gesetzesantrag zur Beschlußfassung im österreichischen Parlament zu nutzen, der besagt, daß „Nachgeborene“ aus allen Gesetzen zu streichen ist, daß in Österreich Geborene insbesondere nicht im Asylgesetz weiter vorzukommen haben, daß in Österreich Geborene keine Asylwerber sind, denn in Österreich Geborene sind keine Asylwerberinnen, die von irgendwoher nach Österreich kommen, sondern von der ersten ihrer Lebenssekunde an in Österreich sind.

Im Lockdown

Bei so manchen Manne werden beim Lesen des Einsatzes der gesinnungsgemäß zensurierten Website für die „Rotlicht-Betriebe“ Erinnerungen in Strömen fließen, an die goldene Zeiten, als noch nicht alles von Coronen verstrahlt war.

Besonders wohl die Erinnerungen an die Aufenthalte im „Goldentime“. Darein gemischt auch Träume von zukünftigen Auftritten im „Goldentime“, auch die Sorge, wann wird es wieder so weit sein.

Die bangen Fragen um die Zukunft, wer kann diese schon lange aushalten.

Erleichterungen in schweren Zeiten verschaffen nur die Erinnerungen, bei Spaziergängen im Freien, und die Träume. Wieder, auch im „Goldentime“ aufzuspielen, wie einst, ach, was waren das für fulminante Zeiten in Simmering, in Kapfenberg …

Und nun, vergessen. Auf sie vergessen, Mehr vergessen als auf die „Rotlicht-Betriebe“. Nicht einmal mehr die gesinnungsgemäß zensurierte Website setzt sich ein, für die musizierenden Menschen, etwa einer „Otti-Band“.

Sie, die Website, hätte das doch verbinden können, nicht nur die Geschäftsführerin zu befragen, sondern mit ihr gemeinsam auch den Frontmann der Band, wie es denn nun in Zeiten der Corona um sie bestellt ist, die doch auch viel leistet, für die Sicherheit in der Stadt, gemeinsam mit den „Rotlicht-Betrieben“.

Ist nicht auch die Band „eine wichtige Institution, die ebenfalls dazu beiträgt, sexuelle Übergriffe zu verhindern“? Wenn sie aufspielt, wo immer in der Stadt und auf dem Land, scharen sich die Männer um sie, und die Frauen zuhause sind vor ihnen in Sicherheit, brauchen sich nicht vor Übergriffen mannigfacher Weise zu fürchten, nur, wenn die spiellosen Zeiten zu lange währen, die Auftritte gar ganz ausfallen, kann es für die Frauen zuhause gefährlicher denn je werden. Ja, schon allein „aus Sicherheitsgründen“ muß die Band wieder spielen, in Simmering und anderswo.

Aber sie kann hoffen, wieder zu Orten zum Spielen zu kommen, wenn der Einsatz für die „Rotlicht-Betriebe“ erfolgreich gewesen sein wird, von diesem Einsatz indirekt zu profitieren, auch wieder dort und da …

Oh, was könnte das wieder für ein fulminanter Auftakt werden. Wieder mit Losen, mit herrlichen Preisen – sieben Tage Ibiza

Faktenwarnung

In der ZIB 2 des österreichischen Rundfunks am 17. März ’21:

Martin Thür: Herr Bundeskanzler, bevor wir zur Problemlösung kommen, beginnen wir vielleicht mit letzter Woche. Sie sagen, sie hätten erst jetzt, Mitte März, mehr zufällig entdeckt, daß Österreich proportional weniger Impfstoff als andere Länder geliefert bekommt. Wie kann es sein, daß Ihre Regierung über einen der wohl wichtigsten Faktoren in der Pandemiebekämpfung offensichtlich monatelang nicht Bescheid wußte.

Sebastian Kurz: Ich glaub, der Journalist aus Dänemark, der in Ihrem Beitrag interviewt worden ist, hat das sehr gut auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt, das war eine Blackbox, dieses Gremium, und es war nicht nur für Journalisten schwierig, Informationen zu bekommen, sondern auch die Masse der Regierungschefs war nicht informiert. Ich habe letzte Woche mit fünfzehn Amtskollegen telefoniert und ich kann Ihnen nur sagen, fast alle sind aus allen Wolken gefallen, weil sie nicht gewußt haben, daß in einem Beamtengremium von Gesundheitsbeamten das widerlegt wurde […]

Martin Kaae, der Journalist aus Dänemark, in dem kurz vor dem Interview mit dem zurzeitigen Bundeskanzler, auf den er sich bezieht, gesendeten Beitrag sagt:

Martin Kaae: Dänemark hat einfach die Chance genutzt, Impfstoffe zu kaufen, die andere Länder, vor allem Bulgarien, aus Kostengründen nicht wollten. Das war ein ganz normales bekanntes Procedere. Deshalb sind wir beim Impfen schon viel weiter als andere. Was schon stimmt, dieses Steuerungssystem ist gerade für uns Journalisten sehr undurchsichtig, weil vieles geheim bleiben muß. Aber aus politischer Sicht stimmt sich der dänische Vertreter in diesem Gremium eng ab mit unserer Regierung. Im Fall von Dänemark arbeiten sie wie ein Team.

Beispielhaft führt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich in diesem Interview also vor, wie Verschwörungstheoretiker agieren. Verschwörungstheoretikerinnen ziehen aus dem, was gesagt wird, ein Wort heraus, wie im konkreten Fall der zurzeitige Bundeskanzler das Wort „Blackbox“, und zimmern sich daraus ihre Welt.

Kennzeichnend für Verschwörungstheoretikerinnen ist ebenfalls, daß sie es sind, sie die einzigen sind, die etwas aufdecken. Auch der zurzeitige Bundeskanzler sieht sich als Aufdecker.

Sebastian Kurz: Wir haben dieses Thema am Freitag aufgedeckt.

Weiter kennzeichnend ist für Verschwörungstheoretiker, daß sie nichts gelten lassen, was ihren Vorstellungen widerspricht. Martin Thür bringt in diesem Interview zu Recht sehr viel vor, was den Vorstellungen des zurzeitigen Bundeskanzlers in Österreich widerspricht, aber ein Verschwörungstheoretiker bleibt beharrlich in seiner Welt. Kennzeichnend auch für Verschwörungstheoretikerinnen ist, sie können sich nicht vorstellen, daß irgendwer etwas glauben kann, das sie selbst nicht glauben. Verschwörungstheoretiker können auch sehr generös sein, aber nur wenn ihnen andere glaubhaft versichern, das nicht gewußt zu haben, was sie, die Verschwörungstheoretikerinnen, wissen.

Sebastian Kurz: Aber, Herr Thür, ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie ernsthaft glauben, daß irgendein Regierungschef […] Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß irgendein Gesundheitsminister […] Und ich habe ja letzte Woche persönlich den Gesundheitsminister angerufen und ihn mit diesen Fragen konfrontiert. Und auch er hat mir glaubhaft vermittelt, daß er davon nicht informiert wurde.

Weiter kennzeichnend für Verschwörungstheoretikerinnen ist, sie werfen mit Wissen um sich, das ihre Gegenüber, so sind, die Verschwörungstheoretiker überzeugt, sicher nicht haben können, und sie es ihnen deshalb auch erst erklären müssen, etwa auf die Art, wie es der zurzeitige Bundeskanzler mit seinem Englischwissen

[P]ro rata population at the same time, das bedeutet […]

Genug. Es ist genug.

Einfach wie kurz gesagt, das gesamte Interview ist im Grunde auch als ein weiteres Lehrmaterial verwendbar, um die Mechanismen offenzulegen, nach denen Verschwörungstheorien stets ablaufen.

Genug von dem auch, was der zurzeitige Bundeskanzler in diesem Interview von sich gibt, weil es von den Inhalten her nichts hergibt, bloß eines der Faktenwarnung ist. Deshalb soll zum Schluß dieses Kapitels noch aus dem unmittelbar davor gesendeten Beitrag zitiert werden, in dem unter anderen der Journalist aus Dänemark zur Wort kommt. Eingeleitet wird dieser Bericht von Martin Thür: „In Brüssel sorgt die ganze Debatte für Kopfschütteln, wie Raffaela Schaidreiter berichtet.“

Martin Kaae arbeitet seit vier Jahren in Brüssel als Korrespondent der dänischen Zeitung Jyllands-Posten. Er berichtet über die Impfstoffverteilung in der EU. Und er kennt auch Aussagen aus Österreich, sein Heimatland Dänemark hätte ungerechterweise mehr bekommen als andere.

„Dänemark hat einfach die Chance genutzt, Impfstoffe zu kaufen, die andere Länder, vor allem Bulgarien, aus Kostengründen nicht wollten. Das war ein ganz normales bekanntes Procedere. Deshalb sind wir beim Impfen schon viel weiter als andere.“

Ein Abtausch unter EU-Ländern, der berühmte Basar, den die EU-Kommission so nie wollte. Sie schlägt im Herbst vor, jedes EU-Land wird gemäß des Bevölkerungsanteils beliefert. Österreich bekommt 1,9 % aller Impfstoffe, Deutschland rund 19 % und Bulgarien 1,6 %. Allerdings einige Länder weichen von diesem Angebot ab und stehen jetzt beim Impfen schlechter da. Bulgarien etwa bestellt nur einen Bruchteil, auch Österreich hätte mehr haben können, doch davon wollen Bundeskanzler Kurz und weitere fünf Regierungschefs nicht informiert gewesen sein. Sie klagen, die Vertreter ihrer Länder hätten in einem Steuerungsgremium eigenständig gehandelt. Österreichs Vertreter Clemens-Martin Auer aus dem Gesundheitsministerium ist seit vorgestern seine Funktion los. In Dänemark dürfte dieses Zusammenspiel besser gelaufen sein.

„Was schon stimmt, dieses Steuerungssystem ist gerade für uns Journalisten sehr undurchsichtig, weil vieles geheim bleiben muß. Aber aus politischer Sicht stimmt sich der dänische Vertreter in diesem Gremium eng ab mit unserer Regierung. Im Fall von Dänemark arbeiten sie wie ein Team.“

Was in Österreich offensichtlich nicht der Fall war. Doch die Politik müsse für diese Fehlbestellungen gerade stehen, kritisiert ein Parteifreund von Bundeskanzler Kurz, der Europa-Abgeordnete der CDU und Arzt Peter Liese:

„Wenn ich eine herausgehobene Position in der österreichischen Bundesregierung hätte, dann würde ich nicht einen Beamten dafür verantwortlich machen, daß man keine Information bekommen habe. Man ist auch in der Verantwortung bei einer so wichtigen Frage, wenn es sein muß, jeden Tag nachzufragen. Also das wäre das Mindeste, was man jetzt eingestehen müßte, und sagen, wir wissen, daß wir hier einen Fehler gemacht haben und bitten trotzdem um Solidarität.“

Was der EU-Abgeordnete mit Solidarität meint. Bundeskanzler Kurz fordert einen Korrekturmechanismus, um die ungleichen Bestellungen der Länder auszugleichen, damit alle wieder auf den gleichen Stand kommen. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigt heute, kurzfristig gibt es zehn Millionen Dosen extra, von BionTech Pfizer, reserviert speziell für jene Länder, die über Impflücken klagen.

„Ob die Mitgliedsstaaten diesen Vorschlag so annehmen und auch so umsetzen, das ist die Entscheidung der Mitgliedstaaten, da kann ich Ihnen heute keine Antwort darauf geben, aber das ist meine Empfehlung.“

Was zwischen den Zeilen mitschwingt, wären die Länder dem ursprünglichen Verteilungsschlüssel der EU-Kommission gefolgt, müßte jetzt nichts korrigiert werden.

„I feel ‚the world in Austria is too small‘ and I considered starting my own …“

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Es gibt einen Brief mit Sebastian Kurz, aber, um es gleich zu Beginn klarzustellen, in diesem Brief steht nicht der Satz: „I feel ‚the world in Austria is too small‘ and I considered starting my own …“

So ein Brief mit so einem Satz wurde tatsächlich einmal geschrieben, in dem nicht „Austria“ genannt ist, aber auch ein sehr kleines Land.

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Es muß Österreich wahrlich ein Paradies inmitten all der Länder sein, die mit dieser Krise gar nicht zu Rande kommen, wenn sein „Regierungschef“ in Österreich keine Gespräche zu führen braucht, wenn sein „Regierungschef“ sich in Österreich um gar nichts mehr zu kümmern braucht, nichts mehr zu tun hat, wenn seinen „Regierungschef“ die Sorge um andere Länder umtreiben kann, wenn sein „Regierungschef“ die Muße hat, seinen Blick gen Osten … nein, mehr, gen alle Windhimmelsrichtungen schweifen zu lassen.

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Es könnte darüber ein Diskurs geführt werden, was des Edens „Regierungschef“ Zeichnung der „Staats- und Regierungschefs“ politisch bedeutet, was für ein Bild er von diesen verbreitet. Damit zugleich von sich selbst. Soweit wird es nicht reichen, um zu bemerken, daß er damit auch sich selbst an die Wand malt.

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Nach dieser etwas mehr als acht Minuten dauernden Verkündigung von Edens „Regierungschef“ vom letzten Freitag, 12. März ’21, gibt es für die Journalisten die Möglichkeit, ihn mit dem gebotenen Respekt zu befragen, er antwortet auch den Journalisten.

In seiner Verkündigung spricht Edens „Regierungschef“ von „Hinweisen“, davon, daß „anscheinend“ dies und „anscheinend“ das, was es gegeben „haben soll“, was „geheim“ … Einfach wie kurz gesagt, er stellt Vermutungen an. Und wie es traditionell eben so ist mit Vermutungen, Vermutungen benötigen keine Beweise, Vermutungen sind den Vermutenden Beweise genug. Und die von Vermutungen Hörenden sind vermutlich von den gehörten Vermutungen stets so überrascht, daß sie darauf vergessen, nach Beweisen zu fragen, in der Eden aber gebietet es der geboten erwartete Respekt, nicht nach Belegen zu fragen.

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Es soll Ihnen die Verkündigung vom „Regierungschef“ der Eden nicht vorenthalten werden. Es wird bedauert, Ihnen diesen etwas mehr als achtminütigen Monolog nicht als Dialog zitieren zu können.

Was wäre das für ein Dialog zwischen Kai Posmik und Sebastian Kurz geworden.

Lesen Sie zuerst den Monolog und dann den Dialog zwischen Kai Posmik und einem Mann, der ebenfalls zusammensucht, Informationen teilt, Hinweise hat, dem auf der Spur ist, was geheim ist, was es für Pläne geben soll — und stellen Sie sich dazu vor, welche Fragen Kai Posmik zu den Ausführungen von Sebastian Kurz einfielen, was er, Posmik, zu dieser und jener Auslassung von ihm, Kurz, sagte, was er, Posmik, wohl nicht nur einmal von ihm, Kurz, verlangte, was er, Posmik, ablehnte, für ihn, Kurz, zu liefern.

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Die gesamte Verkündigung vom „Regierungschef“ der Eden:

„Vielen Dank, sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Sie ganz herzlich zu diesem Pressegespräch begrüßen. Und ich darf Sie heute über etwas informieren, daß Sie vermutlich sehr überraschen wird. Wir alle wissen, daß im Juni die Europäische Union gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten beschlossen hat, daß die Europäische Union den Impfstoff für alle Mitgliedsstaaten beschaffen wird. Und es wurde auch vereinbart, daß diese dann pro Kopf fair auf die Mitgliedsstaaten verteilt werden soll. Das ist ein guter Ansatz und alle haben diesen Ansatz auch zurecht unterstützt, denn unser Ziel ist ja, daß alle 450 Millionen Europäerinnen und Europäer bis zum Sommer die Möglichkeit haben, wieder zur Normalität zurückzukehren und das Virus gemeinsam zu besiegen.
Viele von Ihnen haben wahrscheinlich in den letzten Wochen, Statistiken verfolgt auf Our World in Data und auf anderen Plattformen und haben den Impffortschritt der verschiedenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union genauer beobachtet. Und ich kann Ihnen, das war nicht nur eine tägliche Routine von vielen Journalistinnen und Journalisten, sondern das war auch tägliche Routine von vielen in der Bevölkerung und auch für uns als Regierungschefs.
In den letzten Wochen sind dann viele immer mehr ins Staunen gekommen über den Impffortschrott von Ländern wie Dänemark oder Malta, und gleichzeitig hat viele von uns immer mehr verwundert, warum in Bulgarien oder Lettland so wenig geimpft wird. Zunächst waren eigentlich alle der Meinung, daß es Unterschiede in der Verimpfungsgeschwindigkeit geben muß, also manche, die schneller darin sind, ihre Dosen zu verimpfen und andere langsamer. Aber je weiter in den letzten Wochen die Länder auseinander gedriftet sind, desto klarer wurde irgendwie, daß das allein der Grund nicht sein kann. Ich habe daher Anfang der Woche gemeinsam mit anderen Regierungschefs unsere Informationen geteilt, und wir gemeinsam unserer eigenen Lieferdaten der Mitgliedsstaaten verglichen. Und wenn man das tut, dann merkt man, die Lieferungen erfolgen nicht nach Bevölkerungsschlüssel. Es gibt anscheinend auch Pläne dafür, daß sich dieses Vorgehen in den nächsten Monaten sogar noch verschärft und die Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten immer größer werden. Wenn man sich das alles zusammensucht und anschaut, dann entsteht hier das Bild, daß zum Beispiel Malta so bis Ende Juni fast dreimal so viele Impfdosen pro Kopf bekommen würde wie Bulgarien. Die Niederlanden würden so bis Ende Juni pro Kopf nicht nur mehr Impfdosen als das Nachbarland Deutschland bekommen, sondern fast doppelt so viele wie Kroatien. Und Österreich liegt hier laut unserem Erkenntnisstand aktuell im Mittelfeld. Als ich diese Informationen gestern mit einigen anderen Staats- und Regierungschefs in Europa geteilt habe, konnten viele ihren Augen und Ohren nicht trauen, denn diese Lieferpläne stehen klar im Widerspruch zum politischen Ziel der Europäischen Union, nämlich, daß alle Mitgliedsstaaten gleichermaßen pro Kopf ihren Anteil an Impfdosen erhalten sollen.
Und diese Lieferideen entsprechen auch nicht dem, was die Staats- und Regierungschefs vereinbart haben. Zuletzt in der Sitzung der Staats- und Regierungschefs am 21. Jänner, wo der Ratspräsident Charles Michel danach die Sitzung wie folgt zusammengefaßt hat. Er sagte damals: Leaders reaffirmed that vaccines should be distributed at the same time and must be on a pro rata population basis. Was übersetzt bedeutet, alle Mitgliedsstaaten müssen gleichzeitig nach Bevölkerungsschlüssel ihre Impfdosen erhalten. Allerdings, und das hat sich in den letzten Tagen herausgestellt, wurde anscheinend gleichzeitig, als hier diese Entscheidungen von den Staats- und Regierungschefs getroffen wurde, wurde anscheinend gleichzeitig ganz eindeutig im Widerspruch dazu in einem anderem Gremium, in einem sogenannten Steering Board von Gesundheitsbeamten andere Vereinbarungen mit Pharmaunternehmen getroffen. Diese Verträge sind geheim und ich kenne sie daher auch selbst nicht. Es gibt aber Hinweise darauf, daß es dort auch einen sogenannten Basar gegeben haben soll, wo zusätzliche Abmachungen zwischen Mitgliedsstaaten und Pharmaunternehmen getroffen worden sind. Wenn dieses Vorgehen so fortgesetzt werden wird, dann werden die Unterschiede zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten immer größer werden.
Nach vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen hier mit meinen Regierungskollegen geführt habe und nach dem Vergleich vieler Zahlen der unterschiedlichen Mitgliedsstaaten, stellt sich das Bild so dar, daß Österreich bisher bei den derzeitigen Lieferungen noch keinen Schaden genommen hat. Aber es ist auch eindeutig, daß einige Mitgliedsstaaten viel zu wenig erhalten haben, und daß andere Mitgliedsstaaten dafür deutlich mehr erhalten haben.
Wenn das Vorgehen so fortgesetzt wird, daß manche Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ihre Bevölkerung im Mai durchgeimpft haben werden, und andere Mitgliedsstaaten wie Bulgarien oder Lettland werden bis Ende des Sommers oder vielleicht sogar bis in den Herbst hinein brauchen, um ihre Bevölkerung durchzuimpfen. Ich bin der festen Überzeugung, daß es notwendig ist, daß das verhindert wird. Das entspricht nicht dem Geist der Europäischen Union. Es entspricht nicht dem politischen Ziel der gemeinsamen Impfstoffbeschaffung und es widerspricht vor allem der Vereinbarung der Staats- und Regierungschefs, zuletzt am 21. Jänner.
Falls Sie das, sehr geehrte Damen und Herren, überrascht, dann sind damit nicht alleine, denn viele der Regierungschefs, die ich in den letzten beiden Tagen kontaktiert habe, waren selbst sehr überrascht, daß nicht, so wie vereinbart, nach Bevölkerungsschlüssel ausgeliefert wird.
Aus meiner Sicht braucht es daher dringend volle Transparenz, was diese Vereinbarungen im Steering Board mit den Pharmaunternehmen betrifft. Auf nationaler Ebene stimme ich mit Vizekanzler Werner Kogler völlig überein, daß herausgefunden werden muß, wer diese Verträge unterschrieben hat und warum hier vom Ziel abgewichen wurde, daß es eine gleiche Verteilung in Europa gibt.
Entscheidend ist vor allem aber, daß auf europäischer Ebene gemeinsam eine Lösung gefunden wird, die dem Ziel der Europäischen Union entspricht, nämlich, daß der Impfstoff gerecht pro Kopf in Europa verteilt wird.
Ich möchte ausdrücklich betonen, und das ist mir wichtig, daß es nicht ein Vorwurf ist an die Europäische Union oder sonst irgend jemanden, sondern schlicht und ergreifend das Ziel, daß das Impfen der Bevölkerung bis zum Sommer in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein gemeinsamer Erfolg wird.
Ich möchte mich daher ausdrücklich bedanken bei Charles Michel und Ursula von der Leyen, die die Idee einer gemeinsamen Beschaffung und Auslieferung hatten und die selbstverständlich auch dieses Ziel einer gerechten Verteilung unterstützten. Ich glaube, daß die Impfung unsere gemeinsame Chance ist, diese Pandemie zu besiegen, und es ist unsere gemeinsame Chance, daß 450 Millionen Europäerinnen und Europäer im Sommer wieder in Normalität leben können. Vielen Dank.“

„Aber ich denke doch, daß dem Publikum, wir reden ja vom Publikum, länger zuzumuten ist, auf digitale Formen auszuweichen.“

Andreas Kowatsch kann beigepflichtet werden.

„Aber ich denke doch, daß dem Publikum, wir reden ja vom Publikum,“ die in die Kirche gehen, zum ewig gleichen Stück. Der einzige Unterschied zwischen dem Theater mit den von der Turmspitze baumelnden Glocken und dem Theater, das nicht für die Dreifaltigkeit spielt, ist, daß das Theater ohne herunterhängende Glocken auf Stückvielfalt setzt und nicht nur auf ein einziges Stück. Es muß die Dreifaltigkeit, einfach wie kurz gesagt, von einer unendlichen Einfalt sein, sich seit einer Ewigkeit und drei Tagen das Immerselbe spielen zu sehen.

Es scheint das Theater mit den herunterhängenden Glocken einflußresistent, lernunwillig zu sein, denn, obgleich es viel, sehr viel später als das Theater ohne herunterhängende Glocken aufgesperrt wurde, gab es je keine Bereitschaft, sich umzusehen, ob die anderen Theater auch nur immer das eine und einzige Stück spielen, wie andere Theater ihre Spielpläne mit wie vielen Stück in einem Jahr gestalten, wie viele Stücke allein in einer Woche gespielt werden, wie Jahr für Jahr die Spielpläne sich ändern, Stücke aufgeführt werden, die in all den Jahrhunderten, Jahrtausenden nie zuvor gespielt wurden.

„Aber ich denke doch, daß dem Publikum, wir reden ja vom Publikum,“ dem stehen alle digitalen Formate seines ewig gleichen Stücks massenhaft zur Verfügung, sogar für das Zwei-Personen-Stück, das sonst in einem kleinen Verschlag im Theater mit den von der Turmspitze hängenden Glocken gegeben wird, das im Grunde auch immer das ewig gleiche Stück ist, nur dürfen in diesem Zuschauende eine kniende zweite Hauptrolle übernehmen. Mögen sie für das Knien auch ihre ganze Theaterkunst aufbringen, der Lohn ist doch nie der Applaus, und sie haben immer dafür zu löhnen, so hingebungsvoll sie die Knienden zu spielen auch vermögen …

In dem Mittagsjournal des österreichischen Rundfunks vom 15. März 2021 geht es um „Grund- und Menschenrechte in der Pandemie … schwer nachvollziehbar, warum zum Beispiel Theater und Konzertsäle geschlossen bleiben müssen, öffentliche Gottesdienste jedoch möglich sind. Hannes Tretter, Mitbegründer des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Menschenrechte“:

„Es ist sehr bedauerlich, daß hier anscheinend der Ausübung der Religion und massenwirksamerer Veranstaltungen eine größere Bedeutung beigemessen wird, als elitär bezeichneter Kunst, auf die die österreichische Politik ansonsten so stolz zu sein behauptet.“

Hannes Tretter kann nicht beigepflichtet werden.

Es wird dieser elitär bezeichneten Kunst mit den von der Turmspitze baumelnden Klöppeln doch, einfach wie kurz gesagt, stolz die größte Bedeutung beigemessen, da sie untrennbar verbunden mit Österreichs …