FF Villach/Ostpreußen zum Spezialeinsatze im geschlossenen Raume

Der den Beruf Filosofielehrer ausübende Konrad Paul Liessmann ist, und das ist zu wenig bekannt und noch mehr zu wenig gewürdigt, auch ein Mann des Ehrenamtlichen.

Für seine verdienstvolle Tätigkeit, die er zusätzlich zu seinem Berufe Filosofielehrer engagiert freiwillig ausübt, hat er eigens eine FF geschaffen: die FF Villach/Ostpreußen, deren Kommandant und Mannschaft er ist.

Ganz nach dem Vorbilde einer Freiwilligen Feuerwehr sieht Kommandant Liessmann die Aufgabe seiner FF Villach/Ostpreußen darin, sich den Befehl zum Ausrücken zu erteilen, wenn es brennt, rasch die Schläuche auszurollen und sich zu befehligen: Wörter Marsch! Und nach jedem Einsatz bleibt dem Kommandanten die letzte Meldung noch zu erstatten: F Aus! Ermattet vom anstrengenden Einsatze fehlt dem Kommandanten stets die Kraft, alle Wörter seiner Erfolgsmeldung gänzlich auszusprechen. So kürzt er sie müde auf F Aus! ab, aber seine Mannschaft, auf ihn einzig eingeschworen, versteht ihn taub.

Seine FF Villach/Ostpreußen ist eine Sondereinheit. Sie rückt nicht zu jedem Herd aus. Wenn sein Beruf des Filosofielehrers ihn eines gelehrt hat, dann dies, eine FF kann nicht alle Brände der Welt löschen, sie müsse sich, um erfolgreich zu sein, auf spezielle Brandherde konzentrieren, sie müsse ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen, um gerufen zu werden.

Die FF Villach/Ostpreußen mit ihrem Kommandanten und sich selber als ihre Mannschaft wird gerufen, wenn Löschwörter vonnöten zu

Gender

Burschenschaften

Kunst, Literatur

Universität

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der FF Villach/Ostpreußen ist, sie steht ausschließlich für Einsätze in geschlossenen Räumen zur Verfügung. Das mag möglicherweise dem fehlenden Vermögen für längere und allwettertaugliche Schläuche geschuldet sein.

Ihr letzter Einsatz im geschlossenen Raum liegt kurz zurück, am 5. Dezember 19. Es ging um den Hörsaal. Welche FF könnte hierzu geeigneter sein, gerufen zu werden, als eben die FF Villach/Ostpreußen mit ihrem Kommandanten als eigene Mannschaft, der täglich im Klassenzimmer steht und soher auch aus seinem Berufe sein Rüstzeug in sein ehrenamtliches Wirken einzubringen vermag und es auch liebend gern tut. Und auch diesmal geizte er nicht mit seinem Rüstzeug … er als „Kantianer“ —

So ist auch der Name seiner FF noch nebenher erklärt. Sein Wille, sein Herkommen im Namen seiner FF zu verewigen, einerseits von Muttern her aus Villach, andererseits von Vatern her aus Königsberg

Und wer würde nicht gerne ein „Kantianer“ sein? Findet sich doch vor allem der Mann vor dem Spiegel in voller Montur, bereit zum Ausrücken zum Einsatze, bestätigt in dem Satz von Kant:

„Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen.“

Wie gut ist der Kommandant Liessmann zu verstehen, daß er ein „Kantianer“ ist, und, um einen weiteren Philosophen zu nennen, kein Appiahner beispielsweise ist … wie stünde er da, vor dem Spiegel in seiner FF-Uniform, der Kommandant mit sich als seine Mannschaft als Appiahner oder als Hanianer, um eine Philosophin zu nennen, als Garcésianer und vor allem, wer riefe sie, die FF Villach/Ostpreußen, in Österreich noch zum Einsatze im geschlossenen Raume …

„Immanuel Kant, der einflussreichste Philosoph des 18. Jahrhunderts, ließ sich 1764 zu der berüchtigten Bemerkung hinreißen (es war nicht sein bester Augenblick), wenn jemand ‚vom Kopf bis auf die Füße ganz schwarz‘ sei, dann sei dies ‚ein deutlicher Beweis, dass das, was er sagte, dumm war‘.“

Kurz, ja doch erwähnenswert, auch das, nicht immer sind es Löscheinsätze, zu denen die FF Villach/Ostpreußen gerufen wird, ab und an sind es auch Weiheeinsätze, festliche Räume mit Weihwörtern zu besprengen …

Gerechtigkeit für Pohl

Als abschließendes Kapitel zu den Kapiteln, die unter dem Titel Rezension einer Buchbesprechung zusammengefaßt werden könnten, ist doch eines noch zu schreiben, und zwar unter der Überschrift „Gerechtigkeit für Pohl“ …

„Die Lügen, die Fesseln“ haben beim Lesen, gleich an welcher Stelle im Buch, gleich über welches Land gerade im Buch gelesen wurde, immer wieder eine Rückkehr nach Österreich herausgefordert, zum Vergleich, wie es in Österreich bestellt ist um die Fragen von „Nationalität, Gender, Klasse, Rasse, Religion, Identitäten“ … um diese Fragen ist es in Österreich so bestellt, daß „The Lies that bind“ nicht nur in Wien als Gratisbuch mit einer Auflage von einhunderttausend Stück dringend zu verteilen wäre, sondern in ganz Österreich „The Lies that bind“ in einer Auflage von acht Millionen Exemplaren verschenkt werden …

Nun, was die Gerechtigkeit für Pohl angeht; wenn berücksichtigt wird, in was für einem Land er diese Buchbesprechung schreibt, tut er, schreibt er, was er kann, schreibt immerhin den Namen Kwame Anthony Appiah hin, und nicht etwa Samuel P. Huntington, der sonst in Österreich für viele, sehr viele Ausdruck höchster Belesenheit, Beweis dafür, dem Internationalen zugewandt zu sein, und das noch auf der Höhe der Zeit …

Kurz ist es her, eine Woche, daß ein Schriftsteller in einer Fernsehanstalt mit seinem Verweis auf den „Kampf der Kulturen“ sich, um es mit einem Modewort zu sagen, outete, ein international belesener Mann zu sein, der jetzt, gut wie er ist, sein Butterbrot teilt mit seinem Freund, der bessere Tage sah und dessen Name in der Sendung bei nahezu jeder Wortmeldung zum Schriftstellernamen eingeblendet wurde.

Während also Appiah an diesem in Österreich dringlich millionenfach zu verschenkenden Buch arbeitet und schreibt, setzt in Österreich ein Mann, um ein Beispiel zu geben, über sechstausend Wörter ab, um zu „Heimat, Identität und Nation“ auf der Höhe seiner huntingtonschen BelesenheitGerechtigkeit für Pohl!

Dieser belesene und gar so international ausgerichtete Mann ist nicht irgend ein Dahergelaufener, er war Chefredakteur von einer ehrwürdigen Tageszeitung und sogar Chefredakteur von der Tageszeitung der Republik Österreich, und seine sechstausend Wörter veröffentlicht er bei einem Mann, der auch nicht irgend ein Dahergelaufener ist, bei einem, der immer noch und nicht nur für die Tageszeitung der Republik Österreich schreibtGerechtigkeit für Pohl!

Sie möchten wissen, was dieser Mann bei seinem Mann zu „Heimat, Identität und Nation“ – nun, Wörter, Wörter, nichts als Wörter, um genau zu sein, 6177 Wörter; das ist alles, was dazu gesagt werden kann, daß die Wörter gezählt werden können, und das ist als Beschäftigung mit diesen bereits mehr als …

"Professor Höbart"

Es muß eingestanden werden, je nicht überlegt zu haben, was aus Höbart nach seinem Ausscheiden im Parlament geworden ist, aber es ist doch erstaunlich, was aus ihm geworden ist: ein „Professor“ auf der Universität.

Als Quelle hierfür darf die Presseaussendung vom 3. Dezember 19 von der FPÖ genannt werden, in der ihr Generalsekretär wie folgt zitiert wird:

„Wer aber schützt die Teilnehmer der Vorlesung von Professor Höbart  […]“

„Professor“ auf der Universität ist er also geworden, jedenfalls nach dieser Aussage …

Was er wohl lehren wird?

Wurde gar ein neues Studienfach für ihn eingerichtet?

Das Identitäre im Wandel der Zeit?

Oder wurde er als Nachfolger von jenem ehrenreichen Professor bestellt, von dem schon länger nichts Neues zu erfahren war, und auch bei ihm muß eingestanden werden, je nicht nachgedacht zu haben, was aus ihm geworden ist, vielleicht sitzt er noch auf seinem Stuhl in der Universität, vielleicht wird eine neue Lehrmethode erprobt, Lesungen in Doppel-Conférence, also er gemeinsam mit Professor Höbart …

"Die Lügen, die Fesseln" – Was das Buch mit dem jeweiligen Land zu tun hat, in dem es gelesen wird.

Menschen in Slowenien, Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Menschen in Australien, Menschen in Nigeria, Menschen in Brasilien, Menschen in Indien, kurzum, in welchem Land in dieser Welt auch immer Menschen das Buch von Kwame Anthony Appiah lesen, sie werden Parallelen zu dem Land ziehen, in dem sie aufhältig sind, sie werden Bestätigungen dieses Buches durch das Land, in dem sie vielleicht seit ihrer Geburt sich aufhalten, vorweisen können, sie werden durch dieses Buch an das Land erinnert werden, das ihnen Lebensmittelpunkt ist, und sie werden möglicherweise über Rezensionen dieses Buches verwundert sein, wie beispielsweise in Österreich über die Buchbesprechung von Ronald Pohl, der es schafft, auf das Buch auf eine Weise einzugehen – nun, es wurde in den vorhergehenden Kapiteln davon ausführlich erzählt, so daß es nicht ein weiteres Mal erzählt zu werden braucht …

Es ist doch eine interessante Reaktion des Ronald Pohl, also die Reaktion in Österreich auf dieses Buch, was etwa Pohl für seine Buchbesprechung auswählt …

Es blieb Philosophen wie Johann Gottfried Herder vorbehalten, das Wirksamwerden eines „Geistes“ zu behaupten, der sich in Sprache und Literatur verkörpert.

So Pohl in seinem Absatz „Nationalgeister“. Und Appiah in seinem Kapitel „Land“:

Das Verständnis des Nationalcharakters veränderte sich durch das Bestreben, hier etwas Spirituelles zu feiern, die Seele oder den Geist des Volkes – oder den „Volksgeist“, um hier einen Ausdruck zu verwenden, der den Gedanken erfasste, der sich in der deutschen Philosophie entwickelte. Hegel dürfte der erste Philosoph gewesen sein, der diesen Ausdruck verwendete, doch der Gedanke eines Nationalgeists findet sich bereits in den Schriften des großen deutschen romantischen Philosophen Johann Gottfried Herder.

In der literarischen und philosophischen Bewegung, mit der die europäische Romantik begann und die wegen ihrer stürmischen Stimmungswechsel als
Sturm und Drang bezeichnet wird, erkundete Herder den Gedanken, das deutsche Volk werde von einem Geist zusammengehalten, der vor allem in der deutschen Sprache und Literatur verkörpert sei[.]

Das Seltsamste oder das Kenntlichste an der pohlschen Buchbesprechung ist das völlige Fehlen eines Hinweises auf das bei weitem längste und wohl entscheidendste Kapitel in diesem Buch, nämlich auf das Kapitel „Klasse“. Es sei denn, bei großzügigster Betrachtung, Pohl bezieht sich mit seinem Absatz „Hilfen“ auf dieses Kapitel, jedoch, dann wurde das umfangreichste Kapitel „Klasse“ von ihm vollkommen mißgelesen. Die Kapitelüberschrift „Klasse“ kann, kurz zusammengefaßt, in keiner Weise durch „Hilfen“ ersetzt werden, es verkehrte den Inhalt dieses Kapitels vollkommen in sein Gegenteil.

In diesem Kapitel „Klasse“ ist auch Johann Gottfried Herder wieder anzutreffen, mit einer Ansicht, die Pohl für seine Buchbesprechung nicht aussuchte, er wählte stattdessen das Geschwefel der „Nationalgeister“.

Bei der Schaffung eines Auswahlsystems für berufliche Positionen oder Bildungschancen kann man daher nicht fragen, wer dieser Chancen am ehesten würdig wäre, da es, wie Michael Young in seinem fiktiven „Chelsea Manifesto“ erklärt, keinen einheitlichen Maßstab für eine derartige Rangordnung gibt. Da wir alle vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen, kommt es letztlich gar nicht darauf an, wie wir im Vergleich mit allen anderen abschneiden. Wir brauchen nichts zu finden, in dem wir die Besten wären. Wichtig ist allein, dass wir unser Bestes tun. Jeder von uns, schrieb einst Herder und brachte damit eines der großen Leitmotive der Romantik zum Ausdruck, hat sein eigenes Maß.

Wem fällt hierzu nicht gleich die aktuelle Aufregung um die „Ergebnisse“ der „Pisa-Studie 2019“ ein, auch in Österreich, die Erschütterung, die Bestürzung, in der „Rangordnung“ nicht … was für eine verplemperte Zeit mit diesen „Vergleichen“!

In dem Kapitel „Klasse“ wird nicht wenig von Michael Young berichtet, und auch mit ihm kann ein Blick auf Österreich geworfen werden, in dem einige von seiner „Meritokratie“ träumen, träumen eben, aber nicht verstehen …

Und es gibt Variationen dieses Satirewortes, eine ist erst vor kurzem aufgetaucht, in Österreich, in ebendieser pohlschen Tageszeitung österreichischen Qualitätszuschnitts, im Artikel einer Frau, die sich auf ein Buch bezieht, das nicht als Satire geschrieben wurde (obgleich es durchaus …), in einem Artikel also, von dem nicht gesagt werden kann, ist es eine Buchbesprechung als Artikel, ist es ein Artikel mit Buchbesprechung, eine Empfehlung zur Lektüre soll es wohl sein …

DIE LÜGEN, DIE FESSELN

Es lebte in Österreich ein Mann, auf den auch Kwame Anthony Appiah zu sprechen kommt, im Kapitel „Hautfarbe“, sein Name Angelo Soliman, und auf ihn in diesem Buch hätte Ronald Pohl beispielsweise auch in seiner Buchbesprechung hinweisen können, um das Buch für die Lesenden seiner Besprechung greifbarer zu machen, da es auch etwas mit Österreich zu tun hat, es also ein Buch ist, das es wert ist, erworben und vor allem gelesen zu werden, auch in Österreich, gerade in Österreich, in diesem Land, in dem beispielsweise ein Mann im Jahr 18 der für recht kurz gewesenen Bundesregierung „Paragraphe“ schreibt, ein Notar, der sich sonst vor allem als Hautfarbenfanatiker, als Hautfarbenfundamentalist hervorschreibt, ein „Spezial-Jurist“ für die recht kurz gewesene Regierung in Österreich, und dieser Notar mit seiner Regierung und mit seiner Waffenvernarrtheit, von dem nicht bekannt ist, daß er alle Waffen, deren Farbe nicht weiß ist, ablehnt, von dem nicht berichtet wird, daß er sich weigert, unweiße Waffen zu verwenden, fällt beim Lesen von „Die Lügen, die Fesseln“ ein, nein, das ist falsch, dieser fällt nicht beim Lesen von „Die Lügen, die Fesseln“ ein, sondern beim Lesen der Buchbesprechung von Ronald Pohl, weil es ein weiteres Mal auffällt, wie sehr es Ronald Pohl verabsäumt, diesen Bezug zu Österreich, auch zu Österreich, der mit diesem Buch geleistet wird, herzustellen, um den Verkauf dieses Buches in Österreich, gerade in Österreich, zu fördern, und er hätte dafür beispielsweise aus dem Buch zitieren können, diese Stelle über Angelo Soliman und Österreich, wobei auch zu erfahren ist, daß über Menschen ganz anders geschrieben werden kann, als es beispielsweise von dem Hautfarbenjuristen bekannt ist, über 200 Jahre vor dem Hautfarbenjuristen bereits ganz anders geschrieben wurde, und dies das zurzeitige Österreich nicht auszeichnet als ein Land, das sich in das Licht der Entwicklung stellen darf, und das darf zur Vermutung führen, Ronald Pohl möchte sein Land nicht so hingestellt wissen, wenn sein Land mit seiner Gegenwart so gesehen wird, wie es zu sehen ist, zu diesem Sehen gebracht durch die Lektüre dieses Buches „Die Lügen, die Fesseln“, weil dieses Buch eben dazu einlädt, das in ihm Geschriebene mit den Gegebenheiten, den Bedingungen, den Zuständen in dem Land abzugleichen, zu hinterfragen, ob das in ihm Geschriebene auch und wie auf dieses Land zutrifft, in der sich Lesende dieses Buches gerade beim Lesen dieses Buches aufhalten …

Dies also hätte Roland Pohl in seine Buchbesprechung aufnehmen können, das nun zitiert wird, nicht aber um Appiah zu zitieren, da im Grunde das gesamte Buch zu zitieren wäre, sondern die Buchbesprechung von Ronald Pohl aufzufüllen, das von ihm gebrachte Nebensächliche zu tauschen …

Der Geistliche Abbé Grégoire, der große französische Revolutionär und Kämpfer gegen die Sklaverei, veröffentlichte 1808 eine Untersuchung über die kulturellen Leistungen von Schwarzen. Er gab ihr den Untertitel „Untersuchungen über ihre geistigen Fähigkeiten, ihre moralischen Qualitäten und ihre Literatur“. Und er führte Amo als Beweis für seinen Glauben an die Einheit der Menschheit und die fundamentale Gleichheit der Schwarzen an. Thomas Jefferson hatte in seinen Notes on the State of Virginia (1785) geschrieben, er habe nie erlebt, „dass ein Schwarzer einen Gedanken geäußert hätte, der über das Niveau der einfachen Erzählung hinausgegangen wäre“. Grégoire schickte ihm ein Exemplar seines Buchs De la littérature des Négres, in dem sich eine ausführliche Darstellung des Lebens und Werks Anton Wilhelm Amos befindet, und bat ihn, seine Ansichten zu überdenken.

Amo war nicht das einzige Gegenbeispiel zu Jeffersons negativem Bild des „Negers“. Grégoire nennt als beispielhaften „Neger“ auch Angelo Soliman – gleichfalls ein als Kind versklavter Westafrikaner, der einer Marquise in Messina zum Geschenk gemacht wurde, die für seine Erziehung sorgte; später wurde er Hauslehrer des Sohnes Fürst Wenzels von Liechtenstein in Wien und Mitglied derselben Freimaurerloge, der ein paar Jahre nach Amos Rückkehr nach Ghana auch Mozart angehörte. Soliman war berühmt für die Spaziergänge, die er Arm in Arm mit dem Kaiser durch Wien unternahm. Der revolutionäre französische Geistliche erzählt außerdem die bereits ältere Geschichte von Juan Latino, dem Dichter und Professor für Grammatik und Latein im Granada des 16. Jahrhunderts. Als „El negro Juan Latino“ erscheint er im ersten der possenhaften Gedichte, mit denen Cervantes seinen Don Quijote beginnt. Der schwarze Professor wird deshalb erwähnt, weil er das Lateinische beherrschte – im Gegensatz zu Cervantes, der deshalb in der spanischen Volkssprache schreiben musste.

Als Jefferson De la littérature des Négres las, dürfte er sich auch an seine Landsfrau Phillis Wheatley erinnert haben, die 1773 das erste Buch mit Gedichten einer Afroamerikanerin veröffentlichte.“

Das „erste Buch mit Gedichten einer Afroamerikanerin“ läßt sogleich an ein Buch erinnern, das mit Österreich zusammenhängt, mit der erstmaligen Veröffentlichung von „afro-amerikanischer Lyrik in Wien, 1929 …

Ronald Pohl beginnt seine Buchbesprechung mit einer Frage, die er sich bei Appiah abgeschaut hat: „Wer sind wir? Oder sollte die Frage besser lauten: Was sind wir?“

Wenn an Amo, an Soliman, an Latino, an den Urgroßvater von Alexander Puschkin, an die vielen, vielen weiteren gedacht wird, auch daran, was noch 1929 in Wien veröffentlicht wurde, was zur Zeit von Menschen über Menschen verbreitet wird, ist in Anknüpfung an Tucholskys „Gehn wir weiter“ die Frage angebrachter:

Warum gehen wir nicht weiter? Und wohin gehen wir, wenn wir nicht weitergehen?

The lies that bind

Ronald Pohl hätte in seiner Buchbesprechung, um tatsächliche Anreize zum Erwerb des Buches zu schaffen, im Wissen darum, daß Menschen eher für etwas zu gewinnen sind, von etwas zu überzeugen sind, wenn es ihnen nahe ist, auf die Stellen im Buch von Kwame Anthony Appiah verweisen können, die direkt auf Österreich sich beziehen, etwa auf die Seite im Kapitel „Flucht aus den alten Reichen“, auf der von den Parlamentswahlen 2017 in Österreich geschrieben wird, und also nicht nur indirekt, wie im vorherigen Kapitel ausgeführt, durch den Massenmord an „Juden und Roma“, dessen Umgang nach 1945 in Österreich mit dem Verschweigen der „Roma“ es soher auch zu einem Kapitel über Österreich in bezug auf die ausgehandelte „Identität“ dieses Landes macht …

Es scheinen „Die Lügen, die Fesseln“ weiter und weiter zu wirken, bis hinein in Buchbesprechungen von Menschen, die sich selbst wohl aufgeklärt wähnen, wenn das von Menschen überhaupt gesagt werden kann, die in Österreich geboren, hineingeworfen in die österreichische Lügen der österreichischen Identität – gefesselt vom ersten Atemzug an …

Kwame Anthony Appiah on Austria

Ronald Pohl veröffentlicht eine Buchbesprechung zu dem Buch, dessen Titel in der deutschsprachigen Übersetzung eine Bedeutungsverschiebung und eine Verniedlichung erfährt. Der deutschsprachige Titel stellt an die erste Stelle der Bedeutung: „Identitäten“. Und verniedlicht durch „Fiktionen“. Hingegen der Originaltitel: „Die Lügen“ …

Der deutschsprachige Titel eine Einladung zur Urlaubslektüre ohne Aufforderung zur Veränderung des Denkens und vor allem des Handelns.

Hingegen der Originaltitel: „The Lies That Bind: Rethinking Identity“ … Wie könnte eine deutschsprachige Übersetzung dieses Titels sein, die dem mehr entspricht?

Vielleicht:

Die Lügen, die Fesseln.

Besinnung, Überdenken,
Umdenken, Neudenken

Identität

Ronald Pohl jedenfalls hat dieses Buch, das er, wie seine Buchvorstellung es vorgibt, gelesen hat, nicht als ein Buch zum Umdenken verstanden, wenn er im letzten Absatz etwa weiter unbekümmert schreibt: „Der Slowene …“

Wie im vorherigen Kapitel bereits ausgeführt, hat Pohl keine Buchbesprechung als Anreiz zum Kauf dieses Buches geschrieben. Dabei hätte er, Pohl, dieses Buch den Menschen in Österreich, gerade in Österreich, so leicht als ein sehr lesenswertes Buch vorstellen können, kommt darin doch auch Österreich, sogar Österreich vor. Statt den knappen Platz seiner Buchbesprechung für das Ausbreiten der Geschichte mit den Taxifahrten zu vergeuden, hätte er wohl das Interesse an diesem Buch durch seinen Österreich-Bezug steigern, nein, mehr, tatsächlich wecken können.

Warum tat er, Pohl, das nicht?

Ist er dermaßen von der Lüge der Identität, in diesem Fall, von der österreichischen Lüge der österreichischen Identität gefesselt, die es ihm verunmöglichen, davon zu schreiben, was in diesem Buch zu Österreich gelesen werden kann, nur weil es einer aus dem sogenannten Ausland und noch dazu ein N… geschrieben hat?

Das macht „Die Lügen, die Fesseln“ noch einmal bemerkenswerter, noch einmal lesenswerter, im Abgleich, wie auf dieses Buch reagiert wird, beispielsweise in Österreich, gerade in Österreich.

In der Zusammenschau von „Die Lügen, die Fesseln“ mit der pohlschen Buchbesprechung ist es doch notwendig, ein Zitat aus diesem Buch zu bringen, um es verständlicher zu machen, worum es hierbei geht, in der Besprechung der Buchbesprechung, bei nochmaliger gleichzeitiger Betonung, das gesamte Buch ist zu lesen, und es geht dabei bereits weit über Pohl hinaus.

Woran es wohl liegen mag, daß einem Philosophen aus dem sogenannten Ausland es kein Problem bereitet, im Zusammenhang mit „Rassenvorstellungen“ im Kapitel „Die Farbe der Politik“ zu schreiben,

„Und bei den Nazis war dieses Denken von zentraler Bedeutung bei der Organisation des systematischen Völkermords an Millionen von Menschen, Juden und Roma, die als minderwertige Rassen eingestuft wurden.“

während es in Österreich bis in die Gegenwart herauf sowohl vom sogenannten offiziellen und vom sogenannten inoffiziellen Österreich in breitester und in deutlichster Form nicht geschafft wird, von einem „Völkermord an Millionen von Menschen, Juden und Roma,“ zu sprechen, „Juden und Roma“ in einem Satz zu nennen, wenn von diesem „Völkermord“ gesprochen, obgleich seit Jahrzehnten Jahr für Jahr Gedenkveranstaltungen zu diesem „Völkermord“ abgehalten werden, in Österreich, von der Staatsspitze abwärts, obgleich der Täter der „Denkschrift zur Zigeunerfrage“ wie sein oberster massenmordbefehlsgebender Führerverbrecher aus Österreich …