Domain of naught

Von Gustave Flaubert heißt es, er wollte immer einen Roman über das Nichts schreiben, er wollte ein Buch schreiben, in dem nichts geschieht, nichts passiert. Vielleicht ist er einem Witz von Laurence Sterne zu ernst erlegen. In Tristram Shandy sind zwei Seiten vollkommen geschwärzt. Zwei geschwärzte Seiten: das ist bereits ein ganzer Roman. Zwei geschwärzte Seiten, damit hat Sterne bereits ein ganzes Buch vorgelegt, in dem nichts geschieht, nichts passiert.

Seither ist viel Zeit vergangen. Viele sind gekommen und kommen immer noch, die ein Flaubert werden wollen, die das schreiben wollen, was Flaubert nicht gelang, einen Roman des Nichts zu schreiben, ein Buch, in dem nichts geschieht, nichts passiert. Sie probierten und probieren es, freilich ohne dabei den Witz von Sterne zu haben.

Vielleicht gelang das Flaubert deshalb nicht, weil er zu groß dachte, das Kleine übersah. In dieser Hinsicht war sein Unglück, in Frankreich zu leben und nicht in Österreich … kurz gesagt, soher konnte es ihm gar nicht in den Sinn kommen, viele Stufen tiefer zu beginnen, einen Roman zu versuchen, in dem nichts geschieht, nichts passiert. Er hätte beginnen müssen, das Nichts zu lokalisieren. Denn. Auch das Nichts muß eine Adresse haben. Das ist aber nicht das Versäumnis von Flaubert. Das kann ihm nicht angelastet werden. Damals mußte noch nicht alles eine Anschrift haben. Wie heutzutage. Heutzutage müssen sogar Küchenmaschinen, der Hergottswinkel, die Waschmaschine schon eine Adresse haben.

Daß Flaubert ein Roman über das Nichts nicht gelang, könnte auch einen ganz profanen Grund gehabt haben: es fehlte ihm einfach ein Modell für das Nichts …

Ein Tristram Shandy von heute würde mit einer geschwärzten Seite auskommen, sie zeigte eine schwarze Website, auf der nichts geschieht, eine schwarze Webpage, auf der nichts passiert – die Domain des Nichts.

Und mit diesem zitierten, bloß der Gegenwartstechnik angepaßten Witz ist noch ein weiterer ganzer Roman geschrieben, ein weiteres ganzes Buch geschaffen, in dem nichts geschieht, nichts passiert. Und damit die Lesenden wissen, was für eine schwarze Seite das ist, ist in das Inhaltsverzeichnis geschrieben:

Ach, www.liste-sebastian-kurz-die-neue-volkspartei.at

Liste Sebastian Kurz - die neue Volkspartei

Das Neue in alten Schüsseln

Kurz Opa und Oma Griss - Wer Ohren habe der höre Morgenjournal 15-05-2017.jpg

Opa redet also viel von Neuem, von „tiefgreifenden Veränderungen“, er hat es eilig, als bliebe ihm keine Zeit mehr, wie dem Uropa des speed kills, der einst auch meinte, es bliebe keine Zeit mehr …

Ach, wie neu das alles ist, sein wird. Oh! Wie tiefgreifend die Veränderungen sind, sein werden. Alles schon erlebt. Alles vorübergegangen, und geblieben: alles aufzuarbeiten, alles zu reparieren.

Nun, wer Ohren hat, der höre.

Wolfgang Schüssel habe ihn, den Werteopa, heißt es, beraten. Wie neu kann das sein, das Neue von Sebastian Kurz? Nicht nur in bezug auf Inhalt gefragt, sondern auch auf die Vorgehensweisen, wie er, Kurz, nun wurde, was er wurde. Wer ein Gedächtnis hat, der erinnere. Wolfgang Schüssel, der Eurofighterkanzler. Wolfgang Schüssel, der Hypoporschemitfahrkanzler …

Sebastian Kurz redet von „besten Köpfen“, die er …

Irmgard Griss soll eine davon sein. Wahrlich, sie ist mehr als ein bester Kopf – ein Orakel. Ihr letzter Orakelspruch über das Radio am heutigen Morgen, 15. Mai 2017, verkündet: Sie gehe über die Brücke, wenn sie davor stehe.

Und Sebastian Kurz selbst? Ein alter Christenmann mit Werten, die etwa einen Orbán zu Hymnen des Lobes …

Wer Ohren hat, der höre, wer ein Gedächtnis hat, der erinnere, und wähle dann …

Es ist nun zu hören, auch und vor allem von Kurz, es sollen noch bis zum Sommer Dinge umgesetzt werden, die vereinbart wurden, also von dieser Regierung vereinbart wurden, die er, Kurz, nicht mehr …. wie sonderlich, Dinge doch noch umsetzen zu wollen, die von der von ihm nicht gewollten Regierung vereinbart wurden – sonderlich oder abgründiger …

Der Orakel Schwestern sind die Träume … und es erscheint nicht wunderlich, daß in einem Land, in dem nicht wenige eine Orakeloma zur Bundespräsidentin wählen wollten, Menschen von absonderlichen Träumen heimgesucht werden, wie jener einfache Mann in seinem Kirchgangsrock am gestrigen Sonntag im Landgasthaus auf der Völkermarkter Straße, in das zur Mittagszeit zu einer kurzen Autorast eingekehrt wurde, am Stammtisch von seinem ihn noch beim Frühschopppen zu beschäftigenden Traum laut erzählte … ihm sei in seinem Traum in Gestalt von Jörg Haider der Eurofighter-Ausschuss erschienen, und der weint bitterlich darüber, daß er abgedreht werde und beschwört einen ganz alten Mann mit einem reptilienschuppigen Gesicht, er solle dagegen etwas tun, es verhindern, aber der Mann mit dem Furchengesicht kann nicht sprechen, kann sich nicht bewegen, seine Augen starr, als wäre er blind, er reagiert überhaupt nicht auf die Beschwörungen, als wäre er taub, und in dem Moment bringt eine Pflegerin eine Schüssel, auf die sie ihn setzt, und die Schüssel spricht, es werde verhindert, was zu verhindern ist … während die Schüssel so spricht, beginnt es zu tropfen, von der Decke herunter, mehr und mehr,  eine Flüssigkeit, schwarz schimmernd, dann wieder blau schimmernd, mehr und mehr, bis die Farben ununterscheidbar ineinanderfließen und die Wände zu Schimmelpilzen …

Von der Genügsamkeit in heutiger Zeit

Es wird Ihnen vielleicht ähnlich ergangen sein. Sie werden am 12. Mai 2017 zufällig beim Rathaus vorbeigekommen sein, ohne auf dem Rathausplatz bleiben zu wollen, sie wollen nur kurz stehenbleiben, um dem Geschehen auf der Bühne einen Blick zu schenken, aber Sie können den Rathausplatz nicht mehr verlassen, gefesselt von der Frage, passiert hier tatsächlich die Eröffnung der Wiener Festwochen.

Verantwortlich ist allein und einzig der Moderator, der auch singt, für die Frage, ob Sie tatsächlich der Eröffnung der Wiener Festwochen in die Arme gelaufen sind. Sie erleben einige wunderbare Liedvorträge, und eben auch den Moderator, der spricht wie er singt.

Der Moderator vermittelt Ihnen den Eindruck, es könne sich nicht um die Eröffnung der Wiener Festwochen handeln. Sie kennen die Programme der Wiener Festwochen seit Jahrzehnten, die äußerst interessanten, die äußerst spannenden Aufführungen, die Angebote der Wiener Festwochen, die nichts mit Seichtheit, nichts mit Oberflächlichkeit, nichts mit Äußerlichkeit, nichts mit Veräußerung des Geistes zu tun haben, und nun eine Eröffnung mit einem Moderator, der mit jedem seiner Worte, der mit jeder seiner Geste, der mit jeder seiner Gesichtsverzerrungen vermittelt, es werde etwas hier und heute eröffnet, aber es sind nicht die Wiener Festwochen, ein Moderator, der alles verkörpert, was nicht die Wiener Festwochen sind.

Unauthentischer, um ein Modewort zu verwenden, kann ein Festival nicht eröffnet werden.

Mit einem Moderator des hohlen Sinns, mit einem Moderator der Ichsucht im Endstadium, mit einem Moderator, der seinen Hals noch so in die Höhe strecken kann, bei seinem Singen, der dabei noch so weit mit weit nach hinten gestrecktem Kopf seinen Mund aufreißen kann, um damit zu imitieren, er hätte Stimme …

Aber Sie werden dabei vielleicht auch ein wenig traurig … Denn. Der Moderator erzählt, das gewiß nicht seine Absicht ist, von seiner Zukunft. Sie hören einen Moderator von sich, nur von sich erzählen, aber so, als wäre seine Zeit vorbei, und vielleicht spürt er das auch, seine große Zeit gehabt zu haben, es ihn deshalb so erbarmungswürdig antreibt, zu erzählen, von sich, von sich und von sich, allein das, wie es war, als er seine große Zeit hatte, wen er treffen durfte, wo er singen durfte, mit wem er … auch davon, auf die billigste und auf die schlüpfrigste Weise …

Sie werden sich vielleicht an sein Gesicht vor wenigen Jahren, im Höhepunkt seiner gehabten großen Zeit, erinnern, an dieses junge und frische Gesicht. Und nun, am 12. Mai 2017 auf dem Rathausplatz, ein Gesicht, das ahnen läßt, wie es mit ihm weitergeht, im Niedergang, ein Gesicht mit den Spuren des Aufgedunsenen, des Verbrauchten, des Aufgeplusterten. Dieses Gesicht der Menschen, die einmal eine große Zeit hatten, und es fortan, lange nach ihrer großen Zeit, nicht lassen können, von dieser einmal gehabten großen Zeit, die unentwegt von dieser lange zurückliegenden Zeit erzählen müssen, immerzu, immerzu das Schlüpfrige, immerzu das Billige, immerzu das Hohle, als gäbe ihr Leben sonst nichts her, als diese einmal gehabte große Zeit eines Augenblicks auf immer einzufrieren, immerzu als Eiswürfel aus dem Kühlschrank zu holen und vor jedwedem Publikum zu lutschen, bis an das Ende ihrer Tage damit als Tingeltangel …

Wie dieser Tage zu hören ist, gibt es den Wunsch, dieser Moderator soll den Ball übernehmen, der im und vor dem Rathaus … Was für ein Ausblick, jahrzehntelang einen Ball zu erleben, wenn dieser Moderator für diesen verantwortlich werden sollte … Jahr für Jahr seine Schlüpfrigkeit über seine einst gehabte große Zeit, ergänzt bestimmt noch um das letzte Zipfelchen seiner großen Zeit, also um seine Moderation der Eröffnung der Wiener Festwochen als Negierung der Wiener Festwochen, während sein Gesicht mehr und mehr verfällt zu dem, das es heute bereits ahnen …

Die Größe von Männern ist stets mit einem Irrtum befleckt, das konnte Paul Valéry für die Zeit, in der er lebte, noch schreiben. Nun, könnte ein Zeuge im Mai 2017 sagen,  gibt es weder große Männer noch Irrtümer. Was es noch gibt, sind die Fehlritte der Genügsamkeit, die heute Menschen bekanntmachen, während es zugleich und doch nur vorgekaukelte höchste Anspruchsforderungen gibt, gibt es heutzutage nur die vollkommene Aufgabe von Ansprüchen, es reicht bereits die Imitation von Gesangeskunst, es reicht bereits das schlüpfrige Erinnerungsplappern, es reicht bereits, die Zunge ab und an fett sichtbar in einen Mundwinkel zu schieben, um ein Festival gegen das Festival zu eröffnen.

Das schlimmste von allen Tieren ist, kurz gesagt, das autofahrende Tier

Seit der Überlandpartie am 1. Mai, bei der dem entzückenden Bericht über das radfahrende Pferd gelauscht werden durfte, sind wieder, wie festgestellt werden muß, ganz und gar nicht erfreuliche …

drei junge Menschen wurden ermordet

Menschen rissen der Bildung ihre Maske herunter und zeigten ihre Kruckenkreuznase des Antisemitismus und …

Menschgemäße Tage eben, menschgemäße Tage sind wieder vergangen, und menschgemäß ging es ebenfalls weiter mit innenpolitischen Wirren

kurz und sobotka - schwarz macht altWie gut ist es dann, auch dieses Wochenende neben Karl-Loisl Platz nehmen zu dürfen, über das Land fahren zu können, dabei dem auf der Rückbank bequem Sitzenden zuzuhören, erfreut darüber zu sein, schon am Freitag, dem 12. Mai, losgefahren zu sein, um nichts von dem mitzubekommen, was gerade an diesem Tag noch so plapp plapp plapp … wie angenehmer und vielsagender hingegen die Motorgeräusche, das Schnauben und Wiehern der radfahrenden Pferde, das Geschnatter der Gänse …

Und sogleich wird von ihm, kaum ist der Motor angelassen, sind die ersten Meter zurückgelegt, die Erzählung vom 1. Mai wieder aufgenommen und fortgesetzt, die von ihm abgebrochen wurde mit: „Aber da ist auch noch der Autofahrer.“

Aber da ist auch noch der Autofahrer. Haben wir den Mut, es zu bekennen: Er ist von allen Tieren der Landstraße vielleicht das schlimmste.

Ich spüre es an mir selbst. Wenn ich, mit beiden Füßen fest auf dem Boden und kühlem Kopf, mein Gewissen erforsche, stelle ich mit Entsetzen fest, daß ich selbst zuweilen dieses Tier bin … Und doch, verehrter Herr, bin ich in meiner generellen Lebenshaltung weder ein Snob, den der Anblick des Reichtums begeistert, noch ein Herzloser, den der Anblick der Armut beleidigt. Ohne Pose, ohne Literatur, ohne Hintergedanken im Hinblick auf die Karrieren, da ich mir keinerlei Pöstchen, keinerlei Mandat, keinerlei Orden erwarte, habe ich tiefstes Mitleid mit dem menschlichen Unglück. Jeden Tag empöre ich mich immer mehr darüber, daß die Männer, die an der Macht sitzen – egal, unter welchem Etikett, und sei es auch das röteste, sie an die Macht gelangen –, allein aus Liebe zur Macht die soziale Ungleichheit, die sorgfältig gezüchtet wird, zur ständig gleichen Regierungsmethode machen und daß sie ein leidendes Proletariat – das den Reichtum eines Landes erarbeitet, ohne daß man es jemals daran teilhaben läßt – unerbittlich in der härtesten, der ungerechtesten Versklavung halten. Und da der Reiche – mit anderen Worten: die Regierung – immer blind gegen den Armen ist, bin ich, ebenfalls blind und zu allen Zeiten, gemeinsam mit dem Armen gegen den Reichen, mit dem Niedergestreckten gegen den Niederstrecker, mit dem Kranken gegen die Krankheit, mit dem Leben gegen den Tod. Das ist vielleicht etwas zu sehr vereinfacht, von unreflektierter Parteilichkeit, wogegen es gewiß vieles einzuwenden gibt … Aber ich verstehe nichts von den Feinheiten der Politik. Und sie verletzen mich wie ein Unrecht.

Sobald ich aber im Automobil sitze, von der Geschwindigkeit mitgerissen und vom Schwindel ergriffen werde, erlöschen diese humanitären Gefühle. Ich spüre, wie sich in zunehmendem Maße dunkle Fermente von Haß in mir regen, ich spüre, wie die schweren Hefen eines schwachsinnigen Stolzes in mir gären und aufsteigen … Es ist wie ein verabscheuungswürdiger Rausch, der in mich fährt … Die schmächtige menschliche Einheit, die ich bin, verschwindet und weicht einer Art wunderlichem Wesen, in dem sich – oh, lachen Sie nicht, ich flehe Sie an! – die Pracht und Kraft der Elemente, der Naturgewalten verkörpern. Im Laufe dieser Seiten habe ich schon mehrmals von den Erscheinungsformen dieses kosmogonischen Größenwahns gesprochen.

Und da ich die Naturgewalt, der Wind, der Sturm, der Blitz bin, müßte Ihnen begreiflich werden, mit welcher Verachtung ich von der Höhe meines Automobils herab die Menschheit … was sage ich? … das gesamte meiner Allmacht unterworfene Universum betrachte. Doch welch erbärmliche Naturgewalt, da bereits ein kleiner Karren, der den Weg versperrt, genügt, um sie machtlos und kleinlaut zum Anhalten zu bringen … Welch erbärmliche Allmacht, da sie bereits ein Stein, der auf der Straße liegt, in den Straßengraben stürzen läßt!

Und dennoch … und dennoch.

Da ich die Naturgewalt bin, lasse ich nicht zu, kann ich nicht zulassen, daß sich auch nur das geringste Hindernis vor der Laune meiner Bewegungen aufrichtet. Es ist nicht nur unter der Würde einer Naturgewalt, daß sie anhält, wenn sie es nicht will, sondern es ist absolut lächerlich und ungebührlich, daß eine Kuh, ein Bauer, der sich auf dem Weg zum Markt befindet, ein Fuhrmann, der Mehl- oder Kohlesäcke in die Stadt befördert, daß all diese Leute, die niedrige alltägliche Arbeiten verrichten, sie zwingen, ihren unbesiegbaren, alles beherrschenden Lauf zu verlangsamen.

»Platz gemacht … Platz gemacht …. Hier kommt die Naturgewalt!«

Und ich bin nicht nur die Naturgewalt, bestätigt mir der Automobil-Club, mit anderen Worten,  die herrliche blinde und brutale Kraft, die verwüstet und zerstört, sondern ich bin auch der Fortschritt, flüstert mir der Touring-Club ein, mit anderen Worten, die organisierende und erobernde Kraft, die unter anderen zivilisatorischen Wohltaten auch den Familienpensionen im hintersten Winkel der Gebirge einen neuen Anstrich in Lackfarbe verleiht und hochmoderne water-closets samt Gebrauchsanweisung in den kleinen Hotels der entlegensten Provinzen verteilt …

»Also Platz gemacht für den Fortschritt! … Platz gemacht! Platz gemacht!«

Und siehe da!

Sobald die Sirene ertönt, kommen die Menschen aus ihren Häusern gestürzt, sie verlassen ihre Felder, rotten sich zusammen, verfluchen mich, zeigen mir die Faust, drohen mir mit Sensen und Mistgabeln, bewerfen mich mit Steinen. Seit Jesus ist das immer die gleiche Geschichte. Man opfert sich für die Menschen. Und was passiert? Man wird von ihnen gesteinigt, da die Verweichlichung der Zeit es nicht mehr erlaubt, daß sie einen kreuzigen!

Diese rückschrittliche Verstocktheit der Dorfbewohner, denen ich ihre Hühner, ihre Hunde, manchmal auch ihre Kinder überfahre, ist sie nicht im höchsten Grade beunruhigend, entmutigend, ja empörend, da sie nicht begreifen wollen, daß ich der Fortschritt in Person bin und daß ich für das Glück der Allgemeinheit arbeite? Angewidert von diesem Empfang, wütend über dieses Unverständnis, wie ich bin, könnte ich sie durchaus ihrem lächerlichen Schicksal überlassen, ihre trübselige Ruhe respektieren, mit einer regressiven Langsamkeit, dem gemäßigten Tempo einer alten Postkutsche durch ihre Dörfer und über ihre Landstraßen fahren … Aber nein … Ihre Beschränktheit darf mich nicht daran hindern, meine Mission des Fortschritts zu erfüllen … Ich werde ihnen das Glück bringen, auch gegen ihren Willen; ich werde es ihnen bringen, selbst wenn sie nicht mehr auf dieser Welt sind! …

»Platz gemacht! Platz gemacht für den Fortschritt! Platz gemacht für das Glück!«

Und um ihnen zu beweisen, daß es das Glück in Person ist, was da angefahren kommt, und um ihnen ein herrliches und dauerhaftes Bild von diesem leibhaftigen Glück zu hinterlassen, zermalme, überfahre, töte ich … Ich verbreite Schrecken! Alles ergreift Hals über Kopf die Flucht vor mir … Selbst die Telegraphenmasten werden von Panik ergriffen; die Bäume werden vom Schwindel gepackt … Die Häuser scheinen von Epilepsie geschüttelt … Auf den Feldern sehe ich Pferde vor dem Pflug sich so verrückt aufbäumen wie die steinernen Pferde vom Heldenplatz … Die Kühe stürzen in die Straßengräben … Und hinter dem Jupiter, dem Zusammenfüger des Staubs, der ich bin, wird die Landstraße übersät von zertrümmerten Fuhrwerken und totem Getier …

»Schneller! Noch schneller … Es naht das Glück!«

An dem Tag, als ich endlich über die triste Sankt Pöltner Landstraße und die trübseligen Öden des kreuzbuckeligen Waldviertels von meiner Reise zurückkehrte, da sah ich zwischen Stiftmelken,  Heiligenkreuzerhof und Kreuzbrünsting aus der Ferne eine Gruppe von Leuten, die sich sonderbar gebärdeten … Einer löste sich aus der Gruppe und gab mir ein Zeichen anzuhalten …

Mitten auf der Straße lag ein eingedrücktes, ganz verbogenes Automobil … Ein paar Schritte weit entfernt auf der Böschung lang ein kaum zwölfjähriges Mädchen mit zerschmetterter Brust und blutüberströmtem Gesicht … Eine Frau war über sie gebeugt und versuchte sie wieder ins Leben zurückzurufen.

»Jaqueline!« schrie sie. »Meine kleine Jaqueline!«

Ich trat heran, untersuchte das Kind, verabreichte ihm Äther- und Koffein-Injektionen in den Thorax, doch leider vergebens!

»Sie ist tot«, erklärte ich der Mutter.

Ihre Klageschreie wurden herzzerreißend. Da trat auch der Herr des umgestürzten Automobils heran. Er hatte keinerlei Verletzung …

Er war barhäuptig, da er bei dem Zusammenstoß seine Schirmmütze verloren hatte. Ein wenig Staub blondierte seinen schwarzen Bart …

»Seien Sie nicht traurig, gute Frau«, sagte er. »Was passiert ist, ist zweifellos unerfreulich, und vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich Ihr Kind nicht getötet hätte … Ich kann also mitfühlen mit Ihrem Schmerz … Ich selbst bin übringens in einer geradezu verdienstvollen Lage, denn die Affäre ist für mich, da ich versichert bin, ohne Bedeutung, und ich habe keinen Schaden …

Denken Sie doch nach, gute Frau. Ein Fortschritt stellt sich nie in der Welt ein, ohne daß dies ein paar Menschenleben kostet … Betrachten Sie die Eisenbahn, die Unterseeboote … ich könnte Ihnen noch schlagendere Beweise nennen … Aber reden wir über die Sache, die uns betrifft … Es ist doch evident, nicht wahr? … daß der Automobilismus ein Fortschritt ist, vielleicht der größte Fortschritt dieser bewundernswerten Zeit … Also erheben Sie Ihre Seele über dies banalen Alltäglichkeiten. Sagen Sie sich, daß der Automobilismus, auch wenn er Ihre Tochter getötet hat, allein in Österreich zweihunderttausend Arbeiter ernährt … zweihunderttausend Arbeiter, verstehen Sie? … Und die Zukunft? … Denken Sie an die Zukunft, gute Frau! Bald wird es überall Massenverkehrsmittel geben. Sie werden kleine Landstriche, die heute noch völlig isoliert sind, die nicht mal die geringsten Kommunikationsmittel besitzen, schon morgen mit allen Produktionszentren verbunden sehen … Sie werden in den toten Regionen neue Formen des Austauschs funktionieren, neue Quellen des Reichtums entstehen, ein ganz neues Leben aufkommen sehen, das bislang unbekannt war, das man sich nicht mal zu erhoffen wagte … Sagen Sie sich mit bestem Gewissen, daß Ihre Tochter sich dafür geopfert hat … daß sie eine Märtyrerin ist … eine Märtyrerin des Fortschritts … Und Sie werden getröstet sein …

Jetzt werde ich mir Ihren Namen und Ihre Adresse notieren … Schon heute abend werde ich an meine Versicherungsgesellschaft schreiben. Das ist eine ausgezeichnete Gesellschaft … Sie wird Ihnen eine kleine Entschädigung anbieten …

Eine Entschädigung in Relation zu Ihrem gesellschaftlichen Stand, versteht sich, der mir eher gering zu sein scheint …

Wie dem auch sei, seien Sie ganz beruhigt, sie wird die Sache in korrekter Weise regeln … Wer mehr zu bedauern ist, der bin ich … Sehen Sie meinen Wagen an … Ich werde die Eisenbahn nehmen müssen, um nach Kloster Neudorf zurückzukehren, was für einen wahren Automobilisten, wie ich es bin, immer eine Qual ist … Aber auch ich tröste mich, indem ich mir sage, daß ich für den Fortschritt und für das Glück der Allgemeinheit arbeite … Grüß Gott!«

Ich wollte einem so vollendeten Autofahrer nicht die Demütigung zumuten, mit der Eisenbahn nach Kloster Neudorf zurückzukehren. Ich bot ihm einen Platz in meinem Wagen an.

Und da die Mutter, immer noch über die Leiche ihres Kindes gebeugt, weiter schluchzte, meinte dieser herausragende Kollege, während er so bequem wie möglich neben mir Platz nahm, betrübt:

»Oh! … Wir werden noch große Mühe haben, die wahre Vorstellung vom Fortschritt zu verbreiten … unter diesen armen Leuten … Ihre Schä…«

Er sprach seinen Satz nicht zu Ende, der vollständig lauten müßte: »Ihre Schädel sind einfach zu hart!« Vielleicht befürchtete er, die kleine Bauerstochter, die da auf der Straße lag, könnte ihm zu leicht das Gegenteil beweisen …

Es wurde Zeit, daß ich wieder weiterfuhr … seit ich festen Boden unter meinen Füßen spürte, begannen meinen Ansichten eines Automobilisten nämlich zu wanken …. Und ich begann mich bereits mit einigem Entsetzen zu fragen, ob ich wirklich der Fortschritt und das Glück in Person war.

Noch ein Augenblick länger … und ich hätte dem Sprichwort über die Fauna der Landstraße gewiß hinzugefügt:

»Und dann kommt nichts … Und dann kommt immer noch nichts … Und dann kommt der Automobilist!«

Rom: Morde in der ORF-Berichterstattung

Es war zu erwarten, daß in der sogenannten Hauptnachrichtenfernsehsendung des österreichischen Rundfunks um 19.30 Uhr die Morde an drei Menschen nicht erwähnt werden.

Und das Erwartete traf ein. Es wurde nicht berichtet. Warum auch? Es waren drei Menschen, die heutzutage – worauf alle wohl sehr stolz sind – doch von vielen schon „Roma“ genannt werden, und nicht mehr … Aber darüber zu berichten, in der Hauptnachrichtenfernsehsendung des österreichischen Rundfunks, das ginge doch zu weit.

Vielleicht war es nur ein zeitliches Problem, schließlich mußte ausführlich über den Liedlwettbewerb berichtet werden, da doch heute der Sänger für Österreich … und was für Freundschaften er schon dort geschlossen hat, wo er heute auftritt, welche Liedchen noch eine Chance hätten, ein zweites Mal … Vielleicht hätten die drei Menschen – ein vierjähriges und ein achtjähriges Mädchen und eine Frau von zwanzig Jahren – in einem Hubschrauber in Tirol statt in einem Wohnwagen in Rom … ja, dann hätte es ZIB-1-Zeit gegeben, vielleicht, wie am 10. Mai 2017, oder wären sie nur irgendwie mit der „Islamistenszene“, ja, dann hätte es ZIB-1-Zeit gegeben, wie am 10. Mai 2017 über ein oder zwei Razzien in Deutschland ohne Verhaftungen … aber nur tote, umgebrachte Menschen aus einer „Roma-Familie“ zu sein, die noch dazu nur in einem Wohnwagen …

Und das gerade in dieser Woche. Was für ein „Fest der Freude“ am Heldenplatz, am 8. Mai 2017. Wie viele Beiträge dazu hat der österreichische Rundfunk dazu noch auf seiner Website abrufbar … es scheint für diese Menschen das Motto zu gelten: wer über diese Mordopfer schweigt in Gegenwart und Vergangenheit, gedenkt ihrer am tiefsten …

Und gerade in dieser Woche. Was für ein „Fest der Freude

„Ich weiß, ich gehöre nicht dazu.“

am Heldenplatz, am 8. Mai 2017. Und wie stolz wird die Redaktion der Umsonst heute auf sich sein, geschrieben zu haben: „Roma-Schwestern“ und nicht … Wohl auch stolz darauf, es zum Anlaß zu nehmen, Aufklärung zu betreiben, indem sie schreibt:

„Roma und Sinti in Italien
In Italien leben etwa 170.000 Roma und Sinti. Der Großteil hat keinen festen Wohnsitz oder Arbeitsplatz. Gewalttätige Übergriffe auf sie gab es in der Vergangenheit immer wieder.“

In der Umsonst wird wohl gütig gemeint werden, und auch darauf werden sie vielleicht noch mehr stolz sein, das helfe ihnen mehr, wenn geschrieben wird, der Großteil habe weder einen festen Wohnsitz noch einen Arbeitsplatz, als wenn geschrieben wird, wie von anderen Medien, sogar von einer österreichischen Zeitung wie der „Kleinen Zeitung“:

„In Italien leben rund 170.000 Roma und Sinti, von denen die Mehrzahl einen festen Wohnsitz und einen regulären Arbeitsplatz hat. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen gegen Angehörige der Minderheiten.“

Das könne doch für „Roma und Sinti“ nie eine Hilfe sein, zu schreiben, die Mehrzahl habe einen festen Wohnsitz und einen regulären Arbeitsplatz.

Aber vielleicht ist das alles nur, also höchst banal und gar nicht böse, alles nur ein Lese-und-Abschreibe-Problem in der Umsonst und der Medienminister sollte weniger über Presseförderung als über Lese-und-Schreibe-Förderung für jene, die alle Bildung …

Morde in Rom - ORf und Umsonst heute 11-05-2017.jpg

Antisemitismus und das Halsbandmaß des Sebastian Kurz

Kurz - Orban - Soros.jpg

Wäre Viktor Orbán nicht Kleinlandregierungs…, sondern ein kleiner christschwarzer Funktionär als Jusstudent in Österreich, er bekäme von Sebastian Kurz kein wie immer geartetes Lob, sondern höchstens die Antwort: „Ausschluss einzig richtige Entscheidung“ … twittert Sebastian Kurz am 9. Mai 2017: nicht zu Orbán, sondern zu den kleinen Jusstudenten mit ihren abgründigen …

Sebastian Kurz sprach, wie gelesen werden kann,

„Kurz lobt Orban“

kürzlich davon, es sei aufzuhören mit der „Trennung von Gut und Böse und der moralischen Überlegenheit“ … Dringender ist es, endlich aufzuhören mit dem windgetriebenen Messen … und sehr vonnöten sind, kurz gesagt: endlich Moralunterricht, Ethikschulung …

PS In der „Wiener Zeitung“ wird am 9. Mai 2017 getitelt: „Skandal um Antisemitismus im Juridicum“. Über einen anderen Skandal wird in der Zeitung der Republik nicht berichtet, aber der beträfe …

Cordon sanitaire in österreichischer Übersetzung

Österreichische Maßeinheiten für Skandale

„Kurz lobt Orbán“

Kurz lobt Orbán.jpgAm 6. Mai 2017 wurde berichtet, „Kurz lobt Orban“. Freilich mit der Einschränkung, Kurz lobe Orbán für die „Sicherung der …“

Einen Mann wie Orbán für nur eine Sache zu loben, heißt, den ganzen Orbán zu loben.

Seit diesem kurzschen Lob sind bis zum heutigen 10. Mai 2017 ein paar Tage vergangen. Und an einem der Tage seitdem gab es ein großes Ereignis, das in Erinnerung rief, es geht nicht, gewisse Männer nur für eine Sache recht zu loben, denn das heißt, sie für ihr gesamtes Tun zu loben. Und das würde bei diesen Männern wohl auch einem Kurz nicht einfallen wollen. Und das ist keine Frage von „Gut“ und „Böse“. Das ist auch keine „moralische Überlegenheit“. Es ist, so schlicht wie kurz gesagt: sie waren einzig Fälle für die Gerichte. Aber das wird Sebastian Kurz besser verstehen, der, wie zu lesen ist, auch ein Jusstudium – ein Funktionär in der Jusstudiumspause … das führt gleich wieder direkt zu Viktor Orbán zurück.

Orbán macht nicht nur das, wofür ihn Kurz nun lobt. Es könnte vieles angeführt werden, aber es soll nur eine weitere Sache herausgegriffen werden: sein massives Vorgehen gegen George Soros. Wofür der Name in Ungarn für nicht wenige steht, das werden, sollte er noch Aufklärung benötigen, ihm, Kurz, seine Jus studierenden …

Was Sebastian Kurz vor einigen Tagen noch zu seinem Lobe von sich gegeben hat, nun, es ist nicht weiter erwähnenswert, es ist bekannt, belanglos, so schlicht gedacht wie kurz… – trotzdem in der Collage festgehalten. Festgehalten, weil es inzwischen klar sein sollte, das solche Männer, die solche Männer loben, und das hat doch das große Ereignis an diesem Tage wieder eindrücklich in Erinnerung gerufen, keine wählbaren Männer sind.

Und es ist nicht nur Orbán, der auf Kurz als Lobhudler zählen und das kurzsche Lob recht gut für sich verwerten wird können, wie in Erinnerung zu rufen ist, gerade im unmittelbaren Zusammenhang mit dem großen Ereignis:

Sebastian Kurz als alter Christenmann am Spielschreibtisch

Remember nothing – Sebastian Kurz and his merits

Kurz Grasser oder Franz …

Krone Steuergeld, Kasperl und Kurz

Sebastian Kurz kann stolz auf sich sein, für Uncut-News ist er ein „forscher Außenminister“

Als Türken hätten Assad und Putin in Sebastian Kurz den schärfsten Gegner

Der geschichtevergessene Sebastian Kurz, Donald Trump oder Adolf Hitler hielt nie Wahlkampfreden

Sebastian Kurz sponsert Facebook, Plattform des Hasses und der Hetze

Sebastian Kurz zwischen Saudi-Arabien und Australien der Kerker von Raif Badawi – Ein Amtszeitresümee

Es sind keine schlechten Menschen, zu denen Sebastian Kurz fährt, denn sie haben Werte

 Sebastian Kurz übt als Wundermacher: Kriegsflüchtlinge in Wirtschaftsflüchtlinge zu verwandeln

Sebastian Kurz und Johanna Mikl-Leitner mißbrauchen Behördenschreiben an Zivildienstleistende für Eigenwerbung

Abdullah-Zentrum (kurz Kaiciid) – Verbesserung der Situation für Außenminister: Unschuldig im Kerker, aber ohne Auspeitschung