Schafe im Sold der Wölfe

Der Auftritt von Björn Höcke in der Pension „Zum Schäfchen“ in Schnellroda im März ’20 lädt ein, über Schaf und Wolf zu sprechen.

Das Schäfchen, das nach eigenem Bekunden ein Wolf

„Heute, liebe Freunde, lautet die Frage nicht mehr Hammer oder Amboss, heute lautet die Frage Schaf oder Wolf. Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf.“

sein möcht‘, droht im „Schäfchen“ der eigenen Parteikameraderie. Das Schäfchen schaut dabei in das Mikrofon und sieht sich als Wolf widergespiegelt. Aber ein Mikrofon ist kein Spiegel. So ist es verständlich, daß das Schäfchen ein falsches Bild von sich …

Es bleibt nicht aus, wenn ein Schäfchen Mäh-Mähs blökt, die vor ihm schon Schafe, die ebenfalls meinten Wölfe zu sein, blökten. Aber der Spitzname „Wolf“ des Gefreiten aus Österreich diente ihm bloß dazu, für sich und für alle zu verschleiern, ein Schäfchen zu sein. In den madigen zwölf Jahren wird es nicht leicht gewesen sein, zu unterscheiden, zu bestimmen, wer ist Wolf, wer ist Schaf.

In diesen madigen zwölf Jahren wird die Behauptung von Menschen, wenn sie beispielsweise die Schafe Goebbels und Hitler gesehen haben, sie hätten wirkliche Wölfe gesehen, wahr gewesen sein. Sie traten schließlich auf wie wirkliche Wölfe, benahmen sich wie wirkliche Wölfe, wie wirkliche Wölfe rissen sie Schafe, nein, wie Menschen rissen sie in maßloser Blutgier Menschen massenweise, an ihrem Ende nach madigen zwölf Jahren rissen sich die vermeintlichen Wölfe selbst wie wirkliche Schafe. Sie waren doch bloß künstliche Wölfe.

Avatare im Sold der tatsächlichen Wölfe.

Nun, im Rückblick, von der Gegenwart aus, auf die Vergangenheit, um doch einen Zeitraum zu nennen, im Rückblick auf die vergangenen hundertzwanzig Jahre kann kein Mensch mehr Schafe und Wölfe verwechseln, die tatsächlichen Wölfe sind die, die immer Wölfe waren und sind und weiter sein werden.

Wer kennt sie nicht, die tatsächlichen Wölfe. Alle kennen die tatsächlichen Wölfe, die unbeschadet durch alle Zeiten streifen, unangetastet auf ihren Thronen hoch über den Wäldern sitzen, von wo aus sie Schafe erwählen, um sie als Wölfe auszuschicken. So wollen sie selbst als Wölfe unerkannt bleiben, als mildtätige Schafe geachtet, bewundert und gelobt werden.

Von diesen tatsächlichen Wölfen wird in „Die Tagesordnung“ erzählt, aus der zu zitieren ist, nicht um etwas Neues erzählen, sondern nur zur Erinnerung an die Gegenwart der Wölfe …

„Sie heißen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I. G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Unter diesen Namen kennen wir sie. Kennen sie sogar bestens. Sie sind hier, unter uns und zwischen uns. Sie sind unsere Autos, unsere Waschmaschinen, unsere Reinigungsmittel, unsere Radiowecker, unsere Hausversicherung und die Batterie in unserer Uhr. Sie sind überall, in Gestalt von Dingen. Unser Alltag ist der ihre. Sie heilen und bekleiden uns, fahren uns über die Straßen der Welt und lullen uns ein. Und die an jenem 20. Februar im Reichtstagspräsidentenpalais versammelten vierundzwanzig Biedermänner sind nichts anderes als ihre Bevollmächtigten, der Klerus der Großindustrie; Hohepriester des Ptah. Reglos verharren sie dort, wie vierundzwanzig Rechenmaschinen an den Toren zur Hölle.“

Es wird von einem Montag erzählt. Von einer Sitzung am 20. Februar ’33.

„Göring macht seine Hausherrenrunde, hat für jeden ein persönliches Wort und schüttelt wohlmeinend sämtliche Hände. Doch der Reichtstagspräsident ist nicht nur zu ihrer Begrüßung gekommen, er nuschelt ein paar Willkommensworte und kommt umgehend auf die baldigen Wahlen am 5. März zu sprechen. Die vierundzwanzig Sphinxe lauschen aufmerksam. Der in Aussicht stehende Wahlkampf sei entscheidend, erklärt der Reichtstagspräsident, mit der Instabilität des Regimes müsse nun endlich Schluss sein; die Wirtschaftstätigkeit verlange Umsicht und Entschlossenheit. Die vierundzwanzig Herren nicken andächtig mit dem Kopf. Die elektrischen Kerzen des Kronleuchters flackern, die große, auf die Decke gemalte Sonne leuchtet kräftiger als vorhin. Und falls die Nazipartei die Mehrheit erringe, fährt Göring fort, seien diese Wahlen die letzten für die nächsten zehn Jahre, ja, setzt er lachend hinzu, für die nächsten hundert.

Eine zustimmende Regung geht durch die Zuhörerschaft. Im selben Moment hört man Türgeräusche, endlich betritt der neue Kanzler den Salon. Diejenigen, die ihm noch nie begegnet sind, harren neugierig auf seinen Anblick. Hitler lächelt, wirkt entspannt, überhaupt nicht wie man es sich vorstellt, leutselig, ja geradezu liebenswürdig, sehr viel liebenswürdiger als gedacht. Er hat für jeden ein Wort des Dankes, einen energischen Händedruck. Als die Begrüßungen absolviert sind, nehmen alle wieder in ihren behaglichen Sesseln Platz. Krupp sitzt in der ersten Reihe und pickt mit einem nervösen Finger in seinem winzigen Schnurrbart; direkt hinter ihm schlagen zwei Direktoren der I. G. Farben, aber auch von Finck, Quandt und einige andere gewichtig die Beine übereinander. Man hört ein kehliges Husten, das kaum vernehmliche Klicken einer Stiftkappe. Stille.

Sie hören zu. Die wesentliche Aussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein. Die Rede dauert eine halbe Stunde. Als Hitler fertig ist, steht Gustav auf, tritt einen Schritt vor und dankt ihm im Namen aller anwesenden Gäste, endlich die politische Situation geklärt zu haben. Der Kanzler dreht noch eine kurze Runde und bricht wieder auf. Man beglückwünscht ihn, zeigt sich zuvorkommend. Die alten Industriellen wirken erleichtert. Sobald er gegangen ist, ergreift Göring das Wort, wiederholt nachdrücklich ein paar Ideen und kommt erneut auf die Wahlen vom 5. März zu sprechen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, der bisherigen Sackgasse zu entkommen. Doch um einen Wahlkampf zu führen, brauche man Geld; die Nazipartei habe jedoch keinen müden Groschen mehr, und der Wahlkampf rücke näher. In diesem Augenblick erhebt sich Hjalmar Schacht, lächelt in die Versammlung und ruft: ‚Und nun, meine Herren, an die Kasse!‘

Seine zugebenermaßen etwas zackige Auffordeurng ist für diese Männer nichts sonderlich Neues; sie sind mit Bestechungs- und Schmiergeldern bestens vertraut. Im Budget großer Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung. Die Mehrheit der Gäste zahlt umgehend etliche hunderttausend Reichsmark. Gustav Krupp spendet eine Million, Georg von Schnitzler vierhunderttausend, und so kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising. Sie alle sollten das Regime überlegen und in Zukunft mit ihren jeweiligen Erträgen noch weitere Parteien finanzieren.

Doch um besser zu verstehen, was dieses Treffen vom 20. Februar bedeutet, um seinen Ewigkeitsgehalt zu begreifen, müssen wir diese Männer künftig bei ihrem Namen nennen. Nicht mehr Günther Quandt, Wilhelm von Opel, Gustav Krupp und August von Finck versammeln sich an jenem frühen Abend des 20. Februar 1933 im Reichtstagspräsidentenpalais; es müssen andere Namen her. Denn Günther Quandt ist ein Deckname; hinter ihm verbirgt sich etwas ganz anderes als der Biedermann, der sich gerade den Schnurrbart schmierig macht und brav auf seinem Platz am Ehrentisch sitzt. Hinter ihm, ganz dicht hinter ihm schwebt eine ungleich imposantere Silhouette, ein übermachtiger Schatten, kühl und undurchdringlich wie eine Statue aus Stein. Grimmig und anonym überragt sie sein Gesicht mit ihrer ganzen Macht, lässt es starr wirken wie eine Maske, eine Maske jedoch, die ihm besser zu Gesicht steht als die eigene Haut — und man erahnt über ihm die Accumulatoren-Fabrik AG, die spätere Varta, die wir kennen, weil die juristischen Personen ihre Avatare haben, so wie die antiken Gottheiten unter vielerlei Gestalt auftraten und sich im Laufe der Zeit mit anderen Göttern vereinigten.

So also lautet der eigentliche Name der Quandts, ihr Demiurgenname, denn, er, Günther, ist nur ein winziger Haufen Fleisch und Knochen, wie Sie und ich, und nach ihm werden seine Söhne und die Söhne seiner Söhne den Thron besteigen. Der Thron aber bleibt, wenn der kleine Haufen Fleisch und Knochen in der Erde verschimmelt. Und so heißen die Vierundzwanzig weder Schnitzler noch Witzleben noch Schmitt, Finck, Rosterg oder Heubel, wie uns ihr Familienname weismachen will. Sie heißen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I. G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Unter diesen Namen kennen wir sie. Kennen sie sogar bestens. Sie sind hier unter uns und zwischen uns. Sie sind unsere […]“

… Autos ihre Autos, bereitgestellt zum freiwilligen Dienst als Kraftwagenführer, Chauffeusen für sie.

Solche Sitzungsmontage werden nach wie vor nicht aufgegeben. Immer wird irgendwo auf dieser Welt zu jeder Zeit ein Sitzungsmontag zelebriert, mit liebenswürdigen

Seit dem Montag ’33 ist es also zu keiner entscheidenden und wesentlichen Veränderung im Verhalten gekommen. Nur, neue Konzerne sind hinzugekommen, die es damals noch nicht gab, Konzerne, die für ihr Geld scheffeln keinen Hammer und keinen Amboß mehr brauchen, sondern nur die virtuelle Welt, in der sie agieren wie seit jeher in der analogen …

Und mit diesen neuen Konzernen kann zu Björn Höcke, das Schäfchen zurückgekehrt werden. Was wären solche Figuren wie Höcke ohne die neuen Konzerne, ohne all die neuen Plattformen, auf denen sie blöken, als wären sie Wölfe? Wie Mercedes, wie Thyssen werden auch die Namen der neuen Konzerne gekannt, Facebook, Google und so weiter und so fort.

Wenn der Konzerne Laune es beliebt, wird das Blöken der Wölfe stumm geschaltet, die Bilder der Schäfchen gelöscht … Wer erführe dann noch, was etwa ein Höcke blökt? Der Nachbar vom Schäfchen vielleicht noch, weil der hat es nicht weit in die Wirtsstube in Schnellroda …

Code "Chinesischer Hof"

Im Grunde ist es seit dem Zeitpunkt, als Sebastian Kurz zum ersten Mal vom „Team Österreich“ redete, klar gewesen, dies ist der Auftakt seines und seiner Partei Wahlkampfes, wenn auch noch ohne dazugehörig unmittelbar bevorstehender Wahl, und trägt dieser Wahlkampf vielleicht den parteiinternen Code „Chinese Corona“.

Ein Wahlkampf nach einem schwarzen Stufenplan.

Zuerst die, wie es in der Wirtschaftssprache erhellend heißt, feindliche Übernahme des Begriffes „Team Österreich“, dann seine türkise Einfärbung, wie diese jetzt schon betrieben wird in den Verbreitungen vor allem durch Nehammer und Kurz, aber nicht in deren Funktionen als Funktionäre der ÖVP, sondern als Innenminister und Bundeskanzler der Republik Österreich. Mit dem bezweckten Endziel wohl, daß durch ihre als Bundeskanzler und Innenminister dafür verwendete türkise Parteifarbe schließlich nicht mehr unterschieden können werden soll zwischen dem neutralen und alle in diesem Land einschließenden „Team Österreich“ und dem parteilichen „Team Kurz“, es zur Gleichsetzung von Partei und Staat kommt, the party and its leader sind der Staat, die ÖVP ist die Republik Österreich, die demokratische Republik Österreich ist die türkisgetupfte schwarze Partei …

Ein Wahlkampf mit dem Fokus auf besonders eine Zielgruppe. In dieser Zielgruppe haben der leader and his party die höchste Zuwachsrate; es gilt, diese abzusichern und auszubauen, von dieser Wahlzielgruppe den höchsten Stimmenabgabendank zu bekommen in allen noch kommenden Wahlen. Wer wird sich nicht dankbar erinnern, an die vor allem von Nehammer und Kurz gar rührend vorgebrachte Sorge um Mutti und Vati, um die vor allem von Nehammer und Kurz bekundeten herzerweichenden Vorkehrungen zum Schutze von Omi und Opi, deren hohes Alter das höchste „Risiko“ einer Covid-19-Erkrankung birgt, indem sie das Opfer bringen, sie nicht zu besuchen, nun Sonntage zu verbringen ohne Papi, ohne …

Es wäre, muß abschließend gesagt werden, lieber darüber geschwiegen worden, aber wer eine derartige Notlage, die alle in diesem Land trifft und betrifft, auf eine derart unverschämte Weise versucht für sich zu vereinnahmen, die Gleichsetzung von leader, party and state zu etablieren, darf nicht erwarten, daß dies verschwiegen werden kann.

Darüber hinaus. Es überschlagen sich bereits die Lobpreisungen für den leader and his party, wie gut sie mit dieser Krise umgehen. Das ist nüchterner zu sehen. Schließlich ist es auch eine wesentliche Aufgabe einer jedweden Regierung, jedwede Krise zu meistern. Eine Selbstverständlichkeit, auch dafür ist eine Regierung eingesetzt. Wesentlicher Teil der Stellenbeschreibung jedweder Regierung. Ein zu erfüllender Arbeitsauftrag. Den nicht alle aus dieser party tatsächlich kompetent und ihrer ihnen übertragenen Verantwortung gemäß zu erfüllen imstande sind, wie etwa in Tirol …

Vom Schäfchen

Im vorherigen Kapitel „Kurz zu den Hindenburgs“ bereits ausgeführt, was zu dem „Wortspiel“ dieser Figur zu sagen ist, daß es nämlich aus geschichtlicher Unkenntnis ein völlig falsches ist. Und daß niemand sich vor solchen Figuren zu fürchten braucht, bis auf die sogenannten eigenen Leute einer Partei mit solchen Figuren. Gefährlich, lebensgefährlich werden solche Figuren erst dann, wenn welche dem Aberwitz verfallen, für solche Figuren die Hindenburgs zu machen.

Ist es nicht nachgerade bezeichnend, daß Björn Höcke die eigenen Parteileute ausgerechnet in einer Gaststätte „Zum Schäfchen“ zwar mit einem falsch gewählten „Wortspiel“ warnt? Das ist doch erwähnenswert. Björn Höcke spricht im „Schäfchen“ zum „Schäfchen“ Parteimitglied streng. Und das sollten vor allem Wählerinnen und Wähler für jedwede Wahl in Erinnerung behalten. solche Figuren meinen stets, Schafe vor sich zu haben, aber Schafe, wie in einem Kapitel bereits ausführlicher erzählt, wählen nicht ihr Schlachthaus und kollaborieren nicht mit solchen Figuren

Kurz zu den Hindenburgs

„In einem Videoausschnitt greift Höcke interne Kritiker des ‚Flügels‘ der Partei an. Er sagt wörtlich: ‚Die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal AUSgeSCHWITZt werden.‘ Das Video soll am 6. März bei einem geheimen Treffen des ‚Flügels‘ in Schnellroda aufgenommen worden sein. Die Anspielung auf das Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau in der NS-Zeit sorgt beim anwesenden Publikum für Jubelstürme, gefolgt von ‚Höcke, Höcke‘-Rufen. In Auschwitz wurde Schätzungen zufolge 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen getötet.“

In Schnellroda, und damit ist die Verbindung zu Österreich auf kurzem Wege bereits hergestellt.

In Schnellroda steht das Rittergut dem Götz Kubitschek.

Von dort bricht Götz Kubitschek immer mal wieder auf nach Österreich. Nicht nur zum Kongress, wie beispielsweise auch der in Österreich für kurz gewesene Innenminister, sondern auch in die Fernsehanstalt eines Milliardärs, der sich einen Fernsehchor der Objektivität hält.

Aber um Götz Kubitschek geht es nicht. Sondern um Björn Höcke. Und es geht im Grunde auch nicht um Björn Höcke, sondern um Figuren wie Björn Höcke, für die Männer aus Österreich ihre Gesinnungsinspiration sind.

Mit welchem Mann soll angefangen werden? Mit einem Mann aus Österreich, vor neunzig Jahren.

„Am späten Mittwochabend, eine halbe Stunde vor Mitternacht, äußert sich der kurz zuvor abgewählte Landesvater erstmals auf Twitter. Bodo Ramelow zitiert Adolf Hitler: ‚Den größten Erfolg erzielten wir in Thüringen. Dort sind wir heute wirklich die ausschlaggebende Partei‘, heißt es in dem Tweet, und: ‚Die Parteien in Thüringen, die bisher die Regierung bildeten, vermögen ohne unsere Wirkung keine Majorität aufzubringen.‘ Unter das Zitat stellt Ex-Ministerpräsident Ramelow eine Art Quellenangabe, ‚A. Hitler, 02.02.1930‘, außerdem zwei Fotos: Auf einem Schwarz-Weiß-Bild ist zu sehen, wie Reichskanzler Hitler am 21. März 1933, dem propagandistisch ausgeschlachteten ‚Tag von Potsdam‘, Reichspräsident Paul von Hindenburg die Hand reicht und sich dabei verneigt. Das zweite Bild ist eine erst wenige Stunden alte Farbaufnahme: AfD-Fraktionschef Björn Höcke reicht darauf dem neuen FDP-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich die Hand, mit gesenktem Haupt. Das Zitat aus Ramelows Tweet stammt aus einem Brief Hitlers, den dieser im Februar 1930 einem Anhänger seiner Partei in den USA geschrieben haben soll. Darin schildert der NSDAP-Chef, wie seine Partei erstmals Teil einer Landesregierung wurde. Begann in Thüringen, was später in die NS-Diktatur mündete? Das jedenfalls ist die Botschaft, die Ramelow mit seinem Tweet in die Welt setzte und wenig später auch in einem SPIEGEL-Interview wiederholte: Eine wie auch immer geartete Kooperation bürgerlicher Kräfte mit ultrarechten Akteuren kann demnach dazu führen, dass nur die Extremisten profitieren – wie in den ersten Monaten des Jahres 1933.“

Wenn Sie meinen, es geht hier um Adolf Hitler. Nein, es geht nicht um Adolf Hitler, den Österreicher, auch wenn er, wie das oben angeführte Zitat aus Schnellroda es zeigt, Inspiration ist, sondern um den Mann, der ihm die Hand reicht. Es gibt immer einen Menschen, der den Hindenburg macht, um solchen Figuren die Macht zu überreichen.

Alle Figuren vom Schlage eines Björn Höcke wissen nicht viel über Geschichte. Wie auch dieses „Wortspiel“ von Björn Höcke es wieder einmal belegt. Höcke richtet sein „Wortspiel“ gegen „interne Kritiker“, also gegen seine eigenen Parteikameradinnen. Wäre er geschichtlich tatsächlich bewandert, hätte Höcke ein anderes „Wortspiel“ bringen müssen. Beispielsweise eines von dieser Unart:

‚Die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal in Wiessee gebadet werden.‘

Vor solchen Figuren wie Björn Höcke haben sich also vor allem und zuerst die eigenen Parteikameraden zu fürchten. Und dann erst alle anderen, und das allerdings auch nur dann, wenn irgendwer bereit ist, für solche Figuren den Hindenburg zu machen.

Erst wenn solche Figuren wie Björn Höcke von einem Hindenburg die Macht eines ganzes Landes in die Hand gelegt bekommen, also ein ganzes Land zu einer solchen Partei, wie es die identitären Parteien sind, machen läßt, wird es für alle gefährlich, lebensgefährlich, denn solche Figuren behandeln dann alle Menschen so skrupellos um, als wären sie ihrer Partei zugehörig, sehen sie doch in einem ganzen Land nichts anderes als ihre Partei, in der sie befehlen, erniedrigen, auslöschen, vernichten können, ganz nach ihren Lüsten, Launen … Erkennbar sind solche Figuren wie Björn Höcke, solche Parteien, wie die seine, stets. Denn. Eines tragen sie immer, von Beginn an, die Gamaschen des Gemeinen, die Schaften des Gemeinen der Marke Volk ziehen sie niemals aus, bis zum Untergang der eigenen Partei behalten sie die Schaften des Gemeinen an, bis zum Untergang, wenn ein Hindenburg sich dafür hergegeben hat, eines ganzen Landes stecken sie in ihren Gemeinheitsschaften Volk

Ein Hindenburg der Gegenwart ist nicht zwangsläufig ein einzelner Mensch. Hindenburg, das können viele sein, vornehmlich jene, die in einem Staat die, wie es schön heißt, Sagen horten. Sie erzählen viele Sagen. Gesammelt und gedruckt ergäben diese ihre Sagen ein Sagenbuch mit etlichen Bänden. Das ist gerade in Österreich gut zu studieren.

Aber auch der Hindenburg der Vergangenheit war kein einzelner. Auf der Tagesordnung von so vielen stand damals nur ein Punkt zur Erledigung – Astronomische Gewinnsteigerung durch Verpachtung der Staatsmacht.

Ein weiterer Mann aus Österreich, der für Figuren wie Björn Höcke Gesinnungsinspiration ist, dazu braucht es keine Worte. Die Abbildung sagt alles. So wie Höcke sich abbilden läßt, mit den gleichen Worten, abgeschrieben von dem Österreicher.

Es sind aber nicht nur einzelne Männer aus Österreich, die für Figuren wie Björn Höcke Inspiration sind. Es ist auch eine ganze Partei aus Österreich Gesinnungsinspiration für für eine gesamte Partei in Deutschland, die immer wieder einmal bekräftigt, von der Partei aus Österreich lernen zu können und lernen zu wollen. Das wurde erst in diesem Jahr ’20 dem für kurz gewesenen Innenminister aus Österreich anläßlich seiner Deutschlandreise bestätigt.

In Deutschland gibt es ein Gerichtsurteil, nach dem dürfen Figuren wie Björn Höcke „Faschist“ genannt werden. In Österreich hingegen …

Wie gut, daß nicht das gesamte Deutschland von Österreich lernen will, sondern nur Figuren wie Gauland …

Wie gut es Deutschland hat, nicht eine Bundeskanzlerin zu haben, die sich „sichtlich“ freut „auf Vertreter der AfD“ …

Wie gut es Deutschland hat, es gibt höchstens auf den niedersten Staatsrängen welche, die für solche Figuren wie Björn Höcke, die für solche Parteien den Hindenburg machen wollen …

Und weil in einem Zitat oben auch Thüringen angesprochen wird. Kommen Sie jetzt aber nicht mit Geographie, aber der Weg von Österreich nach Thüringen ist kürzer, als die Strecke von Deutschland nach Thüringen

Was Figuren wie Björn Höcke auch vereint mit Mannen und Frauen aus Österreich, aber nicht nur beispielsweise mit einem für kurz gewesenen Innenminister, nicht nur mit Mannen und Frauen dieser Parlamentspartei, ist die Ansicht, international zu sein, heißt, zwei Wörter in englischer Sprache zu sprechen: „No way.“

Ungustiöses

Identitärer Zeitgeist

Die FPÖ versucht, mit der Coronavirus-Krise politisches Kleingeld zu sammeln.

In einer Zeit, in der alle in Österreich eine schwere Krise durch das Coronavirus überstehen müssen, macht die FPÖ geschmacklose Parteipolitik. Die FPÖ-Organisation in St. Dionysen (Stadtteil von Traun, Bezirk Linz-Land, Oberösterreich) veröffentlichte auf Facebook dieses in der Zwischenzeit anscheinend gelöschte Posting:

„Unser Tipp zur aktuellen Situation: IMMER so Händewaschen, als hätte man gerade Kurz, Hofer oder Kickl die Hand gegeben.“

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie genau die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei und kurz gewesene Regierungspartei weiß, was, wie in diesem Fall, „ungustiös“ ist, wie sie in anderen Fällen genau weiß, was Verbrechen, was Rassismus, was Hetze, sie aus dieser Partei fragen können, warum dieser Haß

…aber die Gesinnung, die Gesinnung ist nun nicht mal so, und so hat die gesinnungsgemäß zensurierte Website den ihren oben kursiv gesetzten Kommentar auch diesmal nicht über die FPÖ, sondern diesmal über die SPÖ geschrieben, das Posting als „ungustiös“ verurteilt, während sie einen Tag davor ein ebenso „ungustiöses“ Posting als, ach als so gar nicht „ungustiös“ empfindet, sondern von ihr zu loben ist, als nur „eine Frage“, als nur eine „Kritik“ und vor allem so gar kein Begehren danach, mit diesem „politisches Kleingeld zu sammeln“.

No way

„Der Coronavirus wird in einigen Wochen wieder verschwunden sein, aber was ist mit der illegalen Zuwanderung?“

Das nennt eine „Frage“, eine „Kritik“ die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei, die für kurz auch wieder eine identitäre Regierungspartei

Und der für kurz gewesene Innenminister meint, wenn er sein „No Way“ als ein „australisches No Way“ verkauft, dann ist sein „No Way“, kurz gesagt, schon etwas Hochanständiges, schon etwas Nachahmenswertes.

Es ist so hochanständig und so nachahmenswert wie, kurz gesagt, das „No Way“ von Der in der Hofburg tanzt …

Schwarze Entwicklung hin zum blauen Obmann in fünfzig Jahren

Nachdem auch auf der Plattform des Unternehmens Twitter Vermutungen geäußert wurden, es könnte das Video mit den Aussagen von Erhard Busek über Sebastian Kurz, daß dieser, Kurz, „goar nix waß“, eine Fälschung sein, und auch manche ihren Tweet,

„Parteifreund“ – Erhard Busek über Sebastian Kurz pic.twitter.com/kwjPjjSWx8

mit denen sie das Video verbreiteten, offensichtlich wieder löschten (jedenfalls nicht mehr verfügbar sind), vielleicht aus der Befürchtung heraus, es könnte eine Fälschung sein, weil das Wesentlichste fehlte, nämlich, wann sprach Erhard Busek so über Sebastian Kurz, kann nun geschrieben werden, es ist keine Fälschung.

Erhard Busek sprach so über Sebastian Kurz.

Und zwar am 24. September 2019.

Im Rahmen einer BSA-Diskussionsrunde.

Der Titel dieser Diskussion am 24. September 2019, in der Erhard Busek so über Sebastian Kurz sprach, war: „Der Wille zum aufrechten Gang und der FPÖ-Historikerbericht“.

„Am 24. September diskutierten unter der Leitung des BSA-Vorsitzenden Matthias Vavra

Dr. Brigitte Bailer-Galanda (Historikerin)
Dr. Helmut Brandstätter (NEOS-Politiker und langjährige Journalist)
Dr. Erhard Busek (Ex-ÖVP Chef und Ex-Vizekanzler)
Dr. Caspar Einem (Ex- Innen-, Verkehrs- & Infrastrukturminister)
Robert Wiesner (ORF-Journalist & Dokumentarfilmer)

u.a. die bisherigen Erkenntnisse zum FPÖ-Historikerbericht und die Frage in wie weit der Wille zu einer schonungslosen Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit in Bezug auf den Nationalsozialismus bei den Freiheitlichen, aber auch bei anderen österreichischen Parteien, besteht.

Dr. Erhard Busek begrüßt grundsätzlich die Bereitschaft von Parteien und Organisationen sich mit den dunklen Flecken Ihrer Vergangenheit zu befassen und erzählt, dass es auch in der ÖVP nicht immer leicht war dem rechten Flügel der Partei klar zu machen, dass es für eine konservative Partei wichtig ist sich schonungslos mit ihrer eigenen Vergangenheit zu befassen.“

In dieser Diskussion vom 24. September 2019 also machte Erhard Busek seine Aussagen über Sebastian Kurz, mit dem zu beschäftigen es gilt, jedenfalls so lange er in Österreich Bundeskanzler ist, aber keine Sekunde länger, auf politischer Ebene jedenfalls …

Erhard Busek sagte in dieser Diskussion noch mehr, als es in diesem verbreiteten Zusammenschnitt in der Kürze von einer Minute und zehn Sekunden zu hören ist.

Erhard Busek sagte u.v.a.m. auch das, er kam dabei auf Josef Klaus zu sprechen:

„Was uns angenehm überrascht hatte, muß ich sagen, war 1970, daß er [Klaus] , als die Wahl verloren wurde, nicht mit der FPÖ eine Koalition gemacht hat. Das hat ihn unterschieden von Bruno Kreisky. Das muß man ganz deutlich sagen. Die Versuchung hat es sicher gegeben, aber das ist massiv abgelehnt worden, innerhalb der Volkspartei.“

Das ist interessanter als das, was er über Sebastian Kurz selber sagte, das ohnehin keinen Neuigkeitswert besitzt, weil er, Busek, damit etwas über die Entwicklung der ÖVP in diesen fünfzig Jahren erzählt. Hin zu einem Wolfgang Schüssel, von dem Busek in dieser Diskussion sagte, es sei „der Wille zur Macht“ gewesen, der ihn, Schüssel, eine Koalition mit der FPÖ eingehen ließ, zu einem Sebastian Kurz,

„Die freiheitliche Partei hat sich durch das Lehrbeispiel der Schüssel-Koalition verändert. Die hat heute einen harten Kern. Das muß man ganz nüchtern zur Kenntnis nehmen. Das merkt man ganz deutlich. Das ist keine historische Betrachtung. Ich habe einmal ein Gespräch geführt mit einem ehemaligen freiheitlichen Abgeordneten, der hier eine gewisse Rolle spielt. Dem habe ich einmal nach einer Fernsehdiskussion gesagt, wenn ihr in die Regierung wollt, ihr habt ja nicht einmal die Leute dafür. Da hat er gesagt, da irren sie sich, wir trainieren die Schlagenden schon die längste Zeit.“

der dann wieder mit einer FPÖ eine Koalition schmieden ließ, zu einem blauen Bundeskanzler mit Priester, der Türkis trägt.

Daß Josef Klaus 1970 damit „angenehm überraschte“, so Erhard Busek, „nicht mit der FPÖ eine Koalition“ einzugehen, ist wohl zum Teil dem geschuldet, wie vor 1970 auch von einem schwarzen Obmann und Bundeskanzler nationalsozialistischen Höchstrangigen und somit der FPÖ zugearbeitet wurde; und in diesen Fällen noch der Umgang des österreichischen Staates mit seinem eigenen Gesetz der Aufklärung harrt, die Aufarbeitung noch fehlt.