Kaunertalisierung Österreichs I

a) Bundespräsidentinwahl in Österreich oder b) Dorfmeisterwahl in Kaunertal?

Wenn in der letztsonntäglichen Erniedrigungssendung alle sieben Bewerber anwesend gewesen wären, hätte statt des Abprüfens der Verfassung, das ein Abstrafen der anwesenden sechs Bewerber war, die Frage gestellt werden können, ob die Bewerber wissen, für welches Amt sie kandidieren, es hätten ihnen zwei Ämter als Antwort vorgegeben werden können:

a) für das Amt der Bundespräsidentin in Österreich
oder
b) für das Amt des Dorfmeisters in Kaunertal.

Sechs Bewerber hätten sich wohl für die Antwort a) entschieden. Für den siebenten Bewerber wäre es wohl nicht so leicht gewesen, sich zu entscheiden, welche Antwort denn wirklich die richtige —

Vor allem deshalb, weil zu frisch noch für ihn die Erinnerung an seinen Wahlkampfauftakt im Museumsquartier, in das er einzieht, genauer, wo er in einen Raum, in einen kleinen Saal des Museumsquartiers, mit Blasmusik, einer trachtigen Abordnung eines Vereins hinter einer Fahne einhergehend, die nicht die österreichische Flagge ist, sondern, darf angenommen werden, irgendeine Vereinsfahne aus Kaunertal, so zieht der siebente Bewerber also am Freitag, 9. September 2022, ein in sein berglerisches Kaunertal, während draußen, außerhalb des kleinen Saals, die Menschen noch meinen, sich auf den Straßen einer Großstadt zu befinden, laufen sie, das für den siebenten Bewerber keine „Utopie“, sondern ihm Wirklichkeit: über Stock und Stein …

Für welche Antwort er sich letztendlich in der letztsonntäglichen Sendung entschieden hätte, wird nie zu erfahren sein – er war ja nicht da.

Kaunertalisierung Österreichs

Statt Kaunertalisierung Österreichs könnte auch Verprovinzialisierung Österreichs geschrieben werden. Aber wie städtisch schnitte Provinzialisierung in einem Vergleich zwischen Kaunertalisierung und Provinzialisierung ab. Seltsam dabei ist, der siebente Bewerber spricht, auch diesmal, vom Höhersteigen, vom Hoch hinauf in die Berge, während es doch immer nur hinunter, tiefer und tiefer hinunter —

Der siebente Bewerber sieht sich, so legen es Bilder im gezeigten Werbespot nahe, ganz oben, über allem, wie der „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich. Über das Sehen, die Vorwegnahme des Kommenden, der Innovationen anhand des Wanderers über den Nebelmeer hat László F. Földény den Essay „Der Maler und der Wanderer“ geschrieben. Was hätte Földény über einen männlichen Kandidaten als Wanderer unten, weit unten im Tal geschreiben? Nichts? Über das Starren in die felsigen Wände? Über die Ausblickslosigkeit, die Aussichtslosigkeit im diesigen Tal? Földény wird diesen Essay nie schreiben, das kann verstanden werden, wenn es auch dauert, da er auch in einem solchen Essay mit Einsichten aufwarten würde, die wieder zum Besten gehörten, das zur Lektüre angeboten wird.

Wenn schon ein Buch angesprochen ist, darf das nicht unerwähnt bleiben. Am Sonntag hat einer der sechs Bewerber Alexander Kluge zitiert. Alexander Kluge wird von einem Bewerber, der in der Provinz lebt, zitiert und beweist damit, Provinz ist nicht Kaunertal.

Und wen zitiert, plakatiert der siebente Bewerber? Jemanden mit ein paar noch Zeilen, und das nur, weil diese gesetzlich vorgeschrieben sind, sie nicht vergessen zu dürfen. Das ist mehr als Provinz, das ist Kaunertal.

Untrennbar verbunden sind mit Büchern die Sprachen – Schriftsprachen. In welche Sprache verfällt der siebente Bewerber immer öfter, so auch an diesem letzten Freitag im kleinen kaunertalerischen Saal? In eine Sprache, die aufzuschreiben nur ein Mensch vermag, der im Kaunertalerischen lebt, und wahrscheinlich auch einer Generation angehören muß, die diese Sprache wenigstens noch versteht, wenigstens zum Teil sprechen kann, wenn auch nicht unbedingt schreiben — Deshalb wohl gibt der siebente Bewerber am letzten Freitag im kleinen kaunertalerischen Saal auch gleich Unterricht in dieser seiner Lautsprache, die für ihn, den siebenten Bewerber, schlicht wie kurz eine „Sprache ist“, für andere ist sie einfach ein Dialekt …

Es war einmal, da wurde in Österreich die Bundespräsidentin kostenneutral von der Bundesversammlung gewählt

Gerade in dieser Zeit oder, wie es in Österreich seit Jahrzehnten gern formuliert wird, in Zeiten wie diesen, in der das Geld an allen Ecken und Enden fehlt, also den Menschen, könnte der Staat auch im Finanziellen es billiger geben, und die Bundespräsidentin nicht durch eine teure österreichweite Wahl ermitteln, sondern durch eine gerade einmal einen Apfel und ein Ei kostende Sitzung der Bundesversammlung.

Es war einmal eine Bundesverfassung in Österreich, in der das auch so – elegant, schön und und darüber hinaus auch noch kostengünstig

Artikel 60
(1) Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gemäß Artikel 38 in geheimer Abstimmung gewählt.
(2) Sein Amt dauert vier Jahre. Eine Wiederwahl für die unmittelbar folgende Funktionsperiode ist nur einmal zulässig.
(3) Zum Bundespräsidenten kann nur gewählt werden, wer das Wahlrecht zum Nationalrat hat und vor dem 1. Jänner des Jahres der Wahl das fünfunddreißigste Lebensjahr überschritten hat.
(4) Ausgeschlossen von der Wählbarkeit sind Mitglieder regierender Häuser oder solcher Familien, die ehemals regiert haben.
(5) Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen für sich hat. Die Wahlgänge werden so lange wiederholt, bis sich eine unbedingte Mehrheit für eine Person ergibt.

festgelegt war, in der Bundesverfassung vom 1. Oktober 1920.

(Ganz gestrichen wurde u. a. später aus der nicht nur schönen und eleganten Verfassung, sondern ach großzügigen, nachsichtigen, die Hand den Familien reichenden, der Absatz vier.)

Der erste Bundespräsident der Republik Österreich wurde am 20. Dezember 1945 aber noch von der Bundesversammlung kostengünstigst gewählt.

Gewählt wurde Karl Renner von „Nationalrat“ und „Bundesrat“ in der Bundesversammlung. Noch aber hatten die vier alliierten Staaten in Österreich das Sagen, und sie anerkannten in dieser Zeit die Bundesverfassung von 1929 – das ist die von Staatsoberhaupt als schön und elegant angehimmelte – nicht, die das österreichische Parlament sofort wieder in Kraft setzen wollte. So blieb nichts anderes übrig, zu gehorchen, die Bundespräsidentin durch die Bundesversammlung kostengünstig ermitteln zu lassen, und nicht durch eine sündteure österreichweite Wahl, und das, so hätte es in Österreich dennoch gewollt werden, in einer Zeit, in der es an allem fehlte.

Erst ab 1951 war es – endlich, so muß es empfunden worden sein in Österreich, geschafft, die im Sinne des Autoritären schöne und elegante Verfassung von 1929 wieder in Kraft gesetzt zu kriegen – dann bis heute hinunter mit den sündteuren Wahlgängen soweit.

Theodor Körner schafft es in die Stichwahl am 27. Mai 1951.

Im ersten Wahlgang am 6. Mai 1951 kandidiert auch … wie viel Geld wurde seitdem hinausgeworfen, nur dafür, daß solche zur eigenen Befriedigung hilflosen Männer mit geldkräftiger Unterstützung Dritter sich befriedigen können.

So viel Geld in sieben Jahrzehnten verschwendet, nur dafür, daß solche Männer befriedigt werden.

Und gerade die wieder sündteure Wahl am 9. Oktober 2022, der wohl noch eine wieder sündteure Stichwahl auf die unwohlste Art folgen wird, zeigt auf die Geldverschwendung für Kandidaten, die in ihrer Gesamtheit den Sieg im Tiefpunktwettbewerb schon für sich entschieden haben, gemeinsam mit den Kandidatinnen, die es, wenigstens die, die es nicht geschafft haben, am 9. Oktober 2022 gewählt werden zu können.

Bundespräsidentinwahl in Österreich im Herbst „Im Zentrum“: Die Demütigung

Es werden sich in dieser Fernsehanstalt wohl alle Verantwortlichen hoch anrechnen, wie sie die Diskussion der Bewerber um das Amt der Bundespräsidentin in der Nacht des Sonntags, 11. September ’22, anlegten.

Von Beginn an, bis zum Ende.

Der Beginn: Das Abfragen des Wissens der Kandidaten über die österreichische Bundesverfassung – eine Demütigung.

Österreichgemäß konnten die Verantwortlichen dieser Sendung damit rechnen, daß sie mit dieser demütigenden Verfassungsprüfung der Kandidaten diese vorführen werden können und sie demütigend durch einen Herrn Verfassungslehrer sofort belehren werden lassen können, da das Wissen der Verfassung in Österreich generell ein geringes ist; denn wäre das Wissen um die Bundesverfassung in Österreich ein großes, gäbe es längst schon eine breite Debatte um die überfällige Reformierung der Verfassung.

Nun auf einmal, die telegene Besinnung in diesem Landfunk darauf, daß die Kenntnisse von Gesetzen ein hehres —

Das Wissen von Gesetzen in das Zentrum zu stellen, ist einzig der Gunstbezeugung dem abwesenden Mitbewerber geschuldet, spielt doch sonst in Österreich das Wissen der Gesetze keine Rolle, werden in Österreich sonst nicht einmal höchste Amtsbesetzende nach ihrem Wissen der Gesetze, auf die sie vereidigt sind, befragt und belehrt

Plötzlich das Wissen von Gesetzen in das Zentrum zu stellen, ist dem Demütigungswillen zur Unterstützung des abwesenden Mitwerbers geschuldet, werden doch sonst in Österreich aus lauter Respekt bäuchlings höchste Amtsbesetzende nicht belehrt, daß das Parlament kein Fußballplatz —

Einen wird diese Vorführungssendung zur Demütigung wohl recht freuen, der selbst eine hohe Verantwortungsfunktion seit wenigen Monaten zur rechten Zeit in dieser Fernsehanstalt einnimmt. Lange, lange gab der Abwesende nicht seine Kandidatur bekannt; es wird ihm vielleicht noch eine letzte Versicherung für eine erfolgreiche Wahl gefehlt haben. Aber drei Tage nach der Bestellung dieses Mannes zum Vorsitzenden des Fernsehanstaltsrates fühlt sich der Abwesende sicher, gibt sofort seine Kandidatur bekannt.

Das Ende.

Das Ende der Sendung. Diesmal beendet die Moderatorin nicht wie sonst die Sendung üblich so oft mit „Reden Sie darüber!“ Vielleicht ein generelles Eingeständnis, daß es über die von ihr modererierte Sendung hernach nichts zu reden gibt, vielleicht auch, es soll nicht nicht darüber geredet werden, was die sich der Wahl stellenden Bewerber gesagt haben, zu sagen haben, es könnte ihre Wählbarkeit erhöhen, es könnte ihrem Mitbewerber die Mühsal abverlangen, auch noch die Energie aufbringen zu müssen, für eine —

Der Klugheit, des Wissens, der Erfahrungen und der Ratschläge kein Ende in Wahlzeiten

In Wahlzeiten besinnen sich vor allem Menschen, die sich um ein Amt bewerben, ihrer Klugheit, ihres Wissens, ihrer altgedienten Erfahrung. Und sie bringen das auch herzerweichend zum Ausdruck, durch ihre Sprüche, durch ihre Zitate höchster Literatur, aber auch durch Ratschläge, auf die gerade junge Menschen, die noch nicht reich an Erfahrungen und zumeist auch noch ohne eigenes Geld, angewiesen sind wie auf einen Bissen Brot. Und wie dankbar junge Menschen sein können, für jeden Rat, was sie etwa beißen könnten, wenn es in der Suppe nichts zum Beißen gibt, das wird nach diesem Rat erlebt werden können, beim Zusehen, wie junge Menschen, diesen Rat beherzigend, mit Heißhunger dankbar ihre Zähne —

Österreichs Verfassung

Es ist nun die so lange verabsäumte und somit die letztbeste Gelegenheit, wohl wieder auf Jahre hinaus, also so kurz vor der Wahl in Österreich im Herbst, von der Verfassung Alexander Van der Bellens zu sprechen, von der er gar recht schwärmt, sie sei so schön, derart elegant

Von welcher Verfassung schwärmt er?

Er schwärmt von der in Österreich gültigen Verfassung.

Er schwärmt von der schon ganz im Geiste des Autoritären für Österreich geschriebenen Verfassung, von der Verfassung für die kommenden „starken Männer“, er schwärmt von der noch ganz den Geist des Autoritarismus weiter verströmenden Verfassung.

Und er ist nun Mitbewerber von Männern für das Amt der Bundespräsidentin, die sich um dieses Amt anstellen, das ist für sie so recht, recht verlockend, die Aussicht, einmal den „starken Mann“ —

Es geht um des Mannes Machtphantasie, mit der die gültige Verfassung in Österreich so zahlreich Männer lockt.

Und was machte einen Mann so recht zum „starken Mann“

Wenn er ganz allein, wie es ihm gerade beliebt, ohne je irgendwen fragen zu müssen, ohne sich je mit irgendwem absprechen zu müssen, beispielsweise eine Bundesregierung entlassen kann. Und dazu ist er von der gültigen österreichischen Verfassung ins Recht gesetzt, das im Sinne einer Demokratie und wohl auch im Sinne einer, wie es nun einschränkend, breit auslegend und verblendend gern genannt wird, liberalen Demokratie ein Unrecht ist. Konkret wird dieses verfassungsrechtliche willkürliche Gutdünken den „starken Männern“ durch diese Paragraphen zugestanden:

Artikel 70. (1) Der Bundeskanzler und auf seinen Vorschlag die übrigen Mitglieder der Bundesregierung werden vom Bundespräsidenten ernannt. Zur Entlassung des Bundeskanzlers oder der gesamten Bundesregierung ist ein Vorschlag nicht erforderlich; die Entlassung einzelner Mitglieder der Bundesregierung erfolgt auf Vorschlag des Bundeskanzlers. Die Gegenzeichnung erfolgt, wenn es sich um die Ernennung des Bundeskanzlers oder der gesamten Bundesregierung handelt, durch den neubestellten Bundeskanzler; die Entlassung bedarf keiner Gegenzeichnung.
Artikel 74. (3) Unbeschadet der dem Bundespräsidenten nach Art. 70 Abs. 1 sonst zustehenden Befugnis sind die Bundesregierung oder ihre einzelnen Mitglieder vom Bundespräsidenten in den gesetzlich bestimmten Fällen oder auf ihren Wunsch des Amtes zu entheben.

Alexander Van der Bellen würde wohl auch die Bundesverfassung vom 1. Oktober 1920, wäre diese noch in Kraft, ergebendst hinnehmen, er würde vielleicht auch diese einhundertundzwei Jahre alte und in Österreich nicht mehr geltende Verfassung als eine schöne und elegante preisen wie das Kaunertal, beklatschen wie die Blasmusik, die Verfassung von 1920, die der Bundespräsidentin nicht das Recht einräumt, nach seiner Befindlichkeit, nach seiner Tagesverfassung, nach seiner Laune, nach seinem wilkürlichen Gutdünken die Bundesregierung zu entlassen, ohne von irgendwem dazu beauftragt zu werden, ohne dies mit irgendwem besprechen zu müssen, ohne irgendwen konsultieren zu müssen, und wenn es wenigstens sein Goldfisch wäre.

Artikel 70. (1) Die Bundesregierung wird vom Nationalrat in namentlicher Abstimmung auf einen vom Hauptausschuß zu erstattenden Gesamtvorschlag gewählt.
Artikel 72. (1) Die Mitglieder der Bundesregierung werden vor Antritt ihres Amtes vom Bundespräsidenten angelobt.
Artikel 74. (1) Versagt der Nationalrat der Bundesregierung oder einzelnen ihrer Mitglieder durch ausdrückliche Entschließung das Vertrauen, so ist die Bundesregierung oder der betreffende Bundesminister des Amtes zu entheben.

Als Österreich im Sinne der Demokratie noch visionär modern war, vor einhundertundzwei Jahren …

Ob Österreich im Sinne der Demokratie und nicht nur im Rückzug in die liberale Demokratie je wieder so visionär modern werden wird, wie es vor einhundertundzweimillionen —

„Vielgeliebtes Österreich – Sollte dem Wirt Schaden erwachsen, werde ich dafür gerade stehen.“

Als „Wirt“ wird ein Organismus bezeichnet, der andere mit Ressourcen versorgt. Ist die Beziehung zwischen „Wirt“ und „Gast“ zum beiderseitigen Vorteil, wird von einer Symbiose gesprochen, erleidet der „Wirt“ einen Nachteil, handelt es sich um Parasitismus. Nutzt der „Gast“ lediglich die Nahrungsreste, besteht Kommensalismus. Als „Wirte“ kommen u. v. a. m. Menschen in Betracht. Der „Wirt“ ist in aller Regel das größere Lebewesen.

Es war die Firma, und es war nicht das Staatsoberhaupt.

Die Firma ist es, so das Kampagnenteam des Bewerbers, die seine Wahlplakate gegen das Gesetz in Vorarlberg jetzt im September 2022 in Vorarlberg zu früh aufstellt.

Es war das Staatsoberhaupt, und nicht der Wirt.

Es ist der Gast, und nicht der Wirt. Nicht der Wirt übersieht im Mai 2020 die nach dem Covid-19-Gesetz verordnete Sperrstunde.

Commensalis hat die Sperrstunde „übersehen“.

Der Tischgenosse hat übersehen, wann Sperrstund‘

Vienna’s fathernight, austrian standards

Italien zählt zu den streng gläubigen Ländern. Deshalb hatte ich von der Zensur wichtige Fragen erwartet. Aber der Vorsitzende der Kommission fragte mich nur, weshalb die Frau beim Liebsakt auf dem Mann sitzt. Ich antwortete: „das könne schon mal vorkommen“. Der Nachtportier wurde also nicht aus ideologischen Gründen zensiert.

Das sagt Liliana Cavani zum dann doch abgewendeten Aufführungsverbot (Interview mit ihr, Bonus-Material zu „Der Nachtportier“, DVD, Weltkino-Verleih), in Italien.

Im Gegensatz zu Liliana Cavani mit ihrer persönlichen Erfahrung mit der Zensurkommission hat Stephan Hilpold, „Ressortleiter Kultur“ in der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards eine extrem hohe Meinung von einer Zensurbehörde, er traut ihr höchste denkerische Auseinandersetzungen zu, schreibt er doch in seiner Kritik:

Das Begehren, die Moral und die Macht driften in dieser Beziehung derart auseinander, dass die italienische Staatsanwaltschaft den Film verbot. Erst nach einem Gerichtsprozess wurde er schließlich freigegeben […]

(Noch strenger gläubig als Italien heutzutage Österreich, in diesem Land hat ein Regisseur es nicht mehr erlebt, aber das nur nebenher, seinen Film freizubekommen.)

Davor schreibt Stephan Hilpold einleitend:

Neunzig Minuten […] zu und am Ende. […] NV/Night/Vater/Vienna nennen der amerikanische Künstler Paul McCarthy und die deutsche Schauspielerin Schauspielerin Lilith Stangenberg das Projekt, mit der sich das Wiener Volkstheater in die neue Saison […] Die Wiener Festwochen hatten seinerzeit die Finanzierung der Performance zurückgezogen, das Volkstheater unter Kay Voges sprang mit stattlichen 120.000 Euro ein. Mit Körperflüssigkeiten kennt man sich an diesem Theater ja aus. Dabei geht die Vorlage, auf die sich McCarthy und Stangenberg berufen, damit recht sparsam um. Liliana Cavanis Kultfilm Der Nachtportier aus dem Jahre 1974 erzählt von der sadomasochistischen Verstrickung einer KZ-Insassin mit ihrem Peiniger. Zwölf Jahre nach Ende des Kriegs treffen diese in einem Wiener Hotel wieder aufeinander – und setzen die Liaison in der Wohnung des ehemaligen SS-Manns fort.

Am 3. September 2022, als Stephan Hilpold wohl Zuschauer der Performance gewesen sein dürfte, kam eine „Gurke“ zum Einsatz, am 4. September keine Gurke, aber eine Karotte … Was Stephan Hilpold nach seiner intellektuellen Hervorhebung der Zensurbehörde bereits zu Beginn und dann weiter noch über diese Performance schreibt, nun, ja, ist von der höchsten Qualität, wie sie nur alle paar Jahrzehnte erreicht wird. Das letzte Mal war dies, als österreichische Tageszeitungen über die „Uni-Ferkelei“ schrieben. Das war 1968. Was noch zu zitieren bleibt, um seine Leistung auf der Höhe dieser seiner Zeit angemessen würdigen zu können, ist sein letzter Absatz, als Essenz seiner Kritik. Das Geld, das ihm, Stephan Hilpold, wohl ein rechtes Begehr. Fängt er doch gleich mit der stattlichen Summe an, und er endet mit finanziell kräftig mitschneiden …

Also weicht der von der Megagalerie Hauser & Wirth vertretene McCarthy auf europäische Bühnen aus (in Hamburg lief der erste Teil). Man kann nur hoffen, dass diese an der Weiterverwertung dieser Ferkelei finanziell kräftig mitschneiden.

Glück auf, für die Stichwahl

Alexander Van der Bellen hat es nun, 2. September 2022, geschafft, die notwendigen Unterstützungserklärungen zu bekommen, um als Bewerber um das Amt der Bundespräsidentin, die nur ein Mann sein darf, am 9. Oktober 2022 in Österreich antreten zu dürfen. Es wird eine reine Männerwahl, im 21. Jahrhundert in Österreich. Es wird keine Bewerberin gewählt werden können. Des Mannes Österreichtraum erfüllt: die einhundertprozentige Quote —

Alexander Van der Bellen bekannte auch vor Kurzem, es brauche nur ihn, den Bundespräsidenten, es brauche also keine sie, keine Bundespräsidentin

Und bei seinem gestrigen Herzeigen auf der Straße

nahm der 78-jährige Volkswirt nicht beim Innenministerium, sondern vor seinem Amtssitz am Ballhausplatz vor. „Das Leben ist zu kurz, um schieche Bilder zu machen“, begründete er die Ortswahl vor Journalisten, denn bei der Wahlbehörde gebe es zurzeit eine Baustelle.

bekannte er „erneut,

dass er sich keinen TV-Diskussionen mit seinen Gegnern stellen werde. „Nein, ich stoße mich schon am Wort Politduell“, sagte er auf eine entsprechende Frage.

Was für ein wunderbar lernfähiger Bewerber. Vor seiner letzen Wahl stellte er sich TV-Diskussionen, die auch damals schon massenhaft Duelle genannt wurden, für ihn aber kein Anstoß waren. Brav duellierte er sich. Sechs Jahre seine Lernzeit, dieses Wort anstößig zu finden.

Es ist auch nicht notwendig, daß er noch einmal in TV-Diskussionen geht, um mit seinen Bewerbern – es werden, ach, gute alte, alte Zeit des 21. Jahrhunderts, diesmal ausschließlich Männer sein – sich auszutauschen, zu erzählen, zu beteuern, wie er, Alexander Van der Bellen, in den nächsten … die Wählenden brauchen für ihre Stimmentscheidung bloß die sechs Jahre seiner letzten Amtszeit in Erinnerung zu rufen, um zu wissen, was sie von ihm zu erwarten haben werden, er braucht nichts mehr zu versprechen, sie werden sich je nicht zu wundern brauchen, was alles nicht geht —

Alle Kirchen sind Propaganda

Welche Stadt, welche Ansiedlung in den Bergen, welches Dorf unten in den Tälern auch immer im Sommer besucht wird, Urlaubende auferlegen sich die erste Urlaubspflicht, gläubig oder nicht, Kirchen zu besuchen, muß, in einem Café auf dem Platz vor dem Dom in S. beim Anblick der Massenurlaubsprozessionen in den Dom, gedacht werden. Sie gehen in die Kirchen hinein, nicht um dem Domherrn zu besuchen, zu huldigen, sondern, so ist es massenhaft zu hören, die Kunst in den Domen zu bestaunen, die Kunst in den Kirchen, die unbedingt, so ist es massenhaft zu hören, zu besichtigen ist.

Aber die Kunst in den Kirchen ist die Kunst, von der Eric Arthur Blair schrieb, die Propaganda ist. Allerdings sagte er dies über alle Kunst. Alle Kunst sei, so Blair, Propaganda.

Er hätte es einschränkend formulieren müssen, vielleicht so:

Die Kunst in den Kirchen ist Propaganda, weil alle Kirchen Propaganda sind.

Und was ist das für eine Propagandakunst in den Kirchen. Es ist eine einfältige Kunst, eine auf wenige Motive absolut beschränkte Reklamekunst. In jedweder Kirche stets dasselbe. Es sind immer die nach dem angeblich vom Domherrn verfaßten Werbeleitkatalog angefertigten und anzufertigenden Propagandawerke. Von so vielen Künstlerinnen. Als wäre alle Kunst in den Kirchen von einer einzigen Künstlerin, die auf wenige durch den Werbeleitkatalog absolut vorgegebenen und absolut einzuhaltenden Motive, die wohl auch domherrngefällig ebenso fixiert und einfallslos und dankbar, sich nicht selbst Motive —

Es sind, was in Kirchen vorzufinden ist, nichts weiter als Verfielfältigungen eines Sujets, wie die Serien etwa von Suppendosen, Coca-Flaschen eines Andy Warhol, bloß mit dem einen Unterschied, daß es Wiederholungen von Hunderten, von Tausenden Warhols —

Kirchen bestehen aus nichts anderem als aus Gleichartigem, deren Herstellungsgrund einzig Propaganda ist. Und für diese Propagandakonservendosen werden gerade in den Urlaubswochen Kirchen über Kirchen besucht, für diese Propagandakonservendosen wird darüber hinaus auch Eintritt bezahlt, um die Kathedralen der Propaganda betreten zu dürfen, werden lange, lange Wartezeiten in Kauf genommen, um beispielsweise den Dom in S. betreten zu dürfen. Und Frauen lassen sich verordnen, ihre nackte Schultern zu bedecken. Wenn sie selbst keine Textilie bei sich haben, um ihre Schultern zu bedecken, bekommen sie im kirchlichen Gebäude selbst ein ideologisch nicht abbaubares Wegwerftuch aufgedrängt, mit dem sie sich ihre Schultern bedecken müssen, während im Propagandadom ihnen dann präsentiert werden: aufreizende nackte Frauenpopos, die Domherren erotisierende Putten, also nackte Kindergestalten

Sie, die Urlaubenden, schlendern dann etwa auf einem Domfußboden, in den eingelassen sind Darstellungen von Massakern, Tötungen, auch etwa das Ermorden von einem Kleinkind, das der Mutter entrissen wird, die, so ist sie dargestellt, darüber entzückt zu sein scheint, als wäre das höchste Mutterglück, wenn ihr Kind ermordet wird, da auch ein Kind nach diesem Werbeleitkatalog schuldig ist, auch wenn sonst, außerhalb von diesen martialischen und pornographischen Gebäuden lange schon die Ansicht sich durchgesetzt hat, Kinder sind unschuldig

Im Café vor dem Dom in S. beim Betrachten der willig stundenlang wartenden Urlaubenden mit dem abgezählten Eintrittsgeld in der einen Hand und dem Smartphone in der anderen Hand kommt das Reichstagsgelände in Nürnberg in den Sinn. Und damit die Vorstellung, wie es wäre, wenn es für den Besuch des Reichstagsgeländes in Nürnberg wie etwa im Dom von S. Bekleidungsvorschriften gäbe, nicht nur gesinnungsentsprechende Bekleidungsvorschriften für Frauen, sondern auch für Männer, die beim Besuch des Reichstagsgeländes beispielsweise SS-Uniformen anzuziehen hätten, die Besuche des Reichstagsgeländes so wie die Besuche der Kirchen ohne jedwede Aufklärung, ohne jedwede Information über die massenhaften Verbrechen passierten, die Besuchenden des Reichstagsgeländes einzig wie in den Kirchen der Propaganda allein ausgesetzt —

Auf dem ehemaligen Reichstagsgelände in Nürnberg des untergangenen massenpropagandistischen Terrorregimes der Massenmorde und der Massenverbrechen jedoch gibt es ein Dokumentationszentrum, für dessen Besuch zwar Eintritt zu zahlen ist, aber keine Bekleidungsvorschriften, keine Propaganda, dafür aber umfassende Aufklärung und Informationen über …

Österreichweit

Darya Dugina (29) war ebenso wie ihr weltweit bekannter Vater Alexander Dugin (60) politische Analystin. Sie äußerte sich immer wieder kritisch zu den Sanktionen des Westens gegen ihr Land. Putins engster Berater, Alexander Dugin musste mitansehen, wie seine Tochter Darya im Feuerball einer Autobombe starb

Richard Schmitt ist Chefredakteur der „web eXXpress Medien Holding GmbH“, ein bekannter —

Diesmal aber die Analyse von Rene Rabeder, die politische. Am 22. August 2022.

Darja Dugina wird bis zur ersten Stunde nach ihrer Ermordung im Gegensatz zu ihrem Vater keine österreichweit bekannte Analystin gewesen sein.

Noch mehr bekannt als Alexander Dugin und absolut bekannt im Gegensatz zu Darja Dugina ist in Österreich Richard Schmitt als —

Wie Richard Schmitt und Rene Rabeder ist der Vater bloß ein „politischer Analyst“, war die Tochter bloß „politische Analystin“ — Das also, wofür der Vater steht, wofür die Tochter stand, ist bloße „politische Analyse“, analysiert eXXpress, ebenso profund wie der Vater — der, wie ein anderes österreichisches Medium des höchsten Standards analysiert, „erfolgreichste Freelancer“ —, analysiert, wie die Tochter analysierte.

Ist es dann nicht die erste Pflicht, die Nähe eines in Österreich weltweit bekannten Analysten zu suchen? Ist es dann nicht die höchste Pflicht, etwa eine Partei mit derartigen Menschen profundesten Analysefähigkeiten in ihrer Reihe zu einer Regierungspartei zu erheben, wie es in Österreich, ganz seines traditionellen Selbstverständnisses als Vorhut der politischen Entwicklung, geradezu avantgardistisch in geschichtlicher Zeitmessung erst vor Kurzem geschah?