Hin- und Grisssichtl und das Verharren im Alten in Österreich

Vor einigen Tagen gab es eine Fernsehdiskussion. Irmgard Griss trat auf. Mit jeder Wortmeldung mehr von ihr bestätigt sie, was bereits bei Bekanntgabe ihrer Kandidatur geschrieben wurde: Irmgard Griss in der Bandion-Ortner-Falle …

Allerdings mit einer Korrektur. Im Dezember 2015 war es noch als Frage formuliert: Wie arm muß ein Land sein … Heute kann es nur mehr eine Feststellung mit Ausrufezeichen sein. Wie arm dieses Land ist! Wie armselig Österreich ist!

Dabei kann Irmgard Griss selbst gar kein Vorwurf gemacht werden; ist sie doch selber ein Opfer dieser Armseligkeit, auch wenn sie vermeint, eine Hauptrolle zu spielen, die den Namen tragen könnte: „Ich freue mich wie ein neuer Schilling“. Ob des vielen Aufhebens um sie kann sie verstanden werden, daß sie die Freu-mich-neuen-Schilling gibt …

Und dieser wohl als politische Sendung gedachte Talk im Hangar des Fernsehsenders – Na seawas: mit diesem Ausruf wäre bereits alles gesagt, was zu dieser … oder mit einer kleinen Titelveränderung: Talk im Hänger. Hänger ist ein Kurzwort für Anhänger, bezeichnet aber auch eine Gedächtnislücke während eines Vortrages. Und spätestens ab dieser Sendung bezeichnet Hänger sowohl Gedächtnislücke als auch und vor allem Politlücke.

Es will gar nicht groß ausgeführt werden, sondern lediglich ein paar Stichworte dazu auf einen Schmierzettel geschrieben werden, angemessen dem politischen Gewicht von Irmgard Griss, mehr aber noch der politischen Gewichtslosigkeit  vor allem des Moderators …

Parteien, nicht mehr wählbar?

Parteien, so etwa der Befund im Angesicht der rund neunzehn Prozent von Irmgard Griss in der Bundespräsidentschaftswahl am 24. April 2016, seien nicht mehr wählbar … Nun, die Kandidaten der vier Parteien zusammen haben beinahe neunundsiebzig Prozent erhalten. Kann es in einer Demokratie, wenn sie eine Demokratie bleiben will, noch mehr Zustimmung für die Wählbarkeit von Parteien geben? (Nebenher: wer erinnert sich noch Stronach, Martin …)

Irmgard Griss, Erbin von Jörg Haider?

Es war, soweit Aussagen des Moderators überhaupt erinnerlich bleiben können, der Moderator, der fragte, ob das ein Erbe von Jörg Haider sei, daß so viele sie gewählt hätten. Daß heutzutage nicht mehr brauchtumsstur gewählt wird, dafür steht Jörg Haider mit Sicherheit nicht. Ganz im Gegenteil. Es waren ganz andere Bewegungen, von denen diesmal eine Irmgard Griss profitieren konnte. Gänzlich dem über Jahrzehnte beherrschenden System von Rot und Schwarz und Blau entgegengesetzte Bewegungen, denen Irmgard Griss ihren hohen Stimmenanteil zu verdanken hat. In dem nicht durch Jörg Haider aufgebrochenen System hätte Irmgard Griss höchstens lugnerische Prozente bekommen; vielleicht wäre sie gar nicht angetreten, sondern hätte als brave Wählerin einen Kandidaten von Rot oder Schwarz oder Blau ihre Stimme …

Wahlempfehlung?

Um es nicht mißzuverstehen, es wird hier von Irmgard Griss ganz und gar keine Wahlempfehlung abverlangt. Aber ihr Herumgetue um eine von vielen Seiten herangetragene Forderung, sie möge eine Empfehlung abgeben – auch diesmal im Na-seawas-Hänger –, offenbart wohl ganz deutlich, wie sehr sie in diesem Alten verharrt, als wäre sie eine Parteipolitsoldatin uralten Zuschnitts. Ja nichts Genaues sagen. Hinsichtl und Rücksichtl, es kann ja nicht gewußt werden, wie das alles noch wird, und dann könnte es geschehen, auf der falschen Seite … diese in Österreich so weit verbreitete Angst, auf der falschen Seite …

Es wird von ihr die Nichtwahlempfehlung damit argumentiert, die Bürgerinnen seien mündig genug … Werch ein Illtum! Nicht von den Bürgern, sondern von ihr. Eine Empfehlung ist kein Befehl, aber Irmgard Griss scheint zu denken, es ist ein Befehl. Eine Empfehlung ist lediglich eine klare Positionierung der Empfehlenden. Die Mündigkeit im Umgang mit Empfehlungen besteht darin, abzuwägen, ob die Argumente für eine Empfehlung derart stichhaltig sind, sie für die eigene Wahlentscheidung miteinbeziehen zu können oder nicht. Das Geschwefel von Irmgard Griss, wofür sie stehe, stets geht es nur um sie, wenn sie spricht, wofür sie stehe, also für weltoffen, war ein Wort, wenn richtig in Erinnerung, legt eher den Schluß nahe, es ist gut, daß es von ihr …

Neuer politischer Stil?

Im Na-seawas-Hänger konnte auch nicht ausbleiben, daß Irmgard Griss gefragt wurde, ob sie denn weitermachen wolle, mit einer eigenen Partei vielleicht. Und wieder dieses ihr Freu-mich-Schilling-Herumgetue. Das also wird derzeit von nicht wenigen in Österreich als „neue Politik“ erhofft und ersehnt – das Verharren im alten System von Rot und Schwarz und Blau.

Und wer die 21 Punkte von Irmgard Griss für einen „neuen politischen Stil“ nur einmal überfliegt, findet bloß No-Na-Punkte. No-Na-Punkte und dazu ihr Freu-mich-Schilling-Herumgetue: Na seawas!

Am 24. April 2016 waren die Bürger und Bürgerinnen mündig genug, nicht Irmgard Griss zur Kandidatin für den zweiten Urnengang, zur Stichwahlkandidatin zu wählen. Denn. Für den 22. Mai 2016 hätte das nur heißen können: der Wahl fernzubleiben. Eine Kandidatin des alten und darüber hinaus nicht einmal politischen Stils als Alternative zu einem Kornblumenträgerkandidaten hätte für den 22. Mai 2016 nur eines bedeuten können: auf das Wahlrecht zu verzichten.

Imgard-Freu-mich-Schilling-Griss

 

Die heutige identitäre Partei im Geiste Hofers ist keine NSDAP, aber bietet seit dem Nazi-Untergang nichts Neues

Wie oft in all den Jahren konnte schon nicht verstanden werden, weshalb nicht endlich aufgehört wird, mit unüberlegten Aussagen einer identitären Partei unfreiwillig und ohne Not zu helfen, wie aktuell wieder. Als wegen einer derartigen Unüberlegtheit – und als Unüberlegtheit eines politischen Menschen wiegt diese noch schwerer – ein sozialdemokratischer Bürgermeister sich bei einem Kandidaten zu entschuldigen hat, der es im Grunde ist, der sich täglich für sich und für seine Partei zu entschuldigen hat.

Die heutige identitäre Partei im Geiste Hofers ist keine Nazi-Partei aber bietet seit dem Nazi-Untergang nichts NeuesDabei macht diese Partei wie keine andere Partei in diesem Land es so dermaßen leicht. Es muß nicht überlegt werden, was für eine Partei das ist, es müssen keine Vergleiche mit Parteien aus der Vergangenheit angestellt werden.

Es reicht vollkommen aus, zu sagen oder zu schreiben, was diese Partei selbst sagt oder selbst schreibt, also einfach nur zu zitieren. Ständig offenbart die Kornblumenpartei selbst, was für eine Partei sie ist, aber auch der jetzt sehr besprochene Kornblumenparteikandidat zeigt offen, daß er gesinnungsmäßig ein extrem leidenschaftlicher Rechtsträger ist.

Es ist eine identitäre Partei. Das wird aus ihr heraus gesagt. So ist diese Partei: immer ehrlich und immer ohne Maske …

Es ist eine identitäre Partei, in deren Medien über einen neuen Faschismus schreibend nachgedacht wird … das alles will nicht mehr, nicht noch einmal notiert werden. Wenn Sie es noch nicht wissen sollten, was Ihnen nicht mehr geglaubt werden will, die Sie diese Partei und deren Kandidaten und Kandidatinnen wählen, lesen Sie es nach. Dafür nur ein paar Schlagwörter zum Heraussuchen: Eurofaschismus, Südtirol, Hooton, Hellstorm, identitäre Partei, Zur Zeit, Nagel, Morgengrauen, Körner-Lakatos, Mölzer, Höbart, Stiehl, Verbelen, Antifaschismus, Silone, Haimbuchner, Unzensuriert, Handbuch, Parteiprogramm, Mannheimer, Schreibstaffel, Morgenthau, Steinbruch und so und weiter und so fort. Ach, und vielleicht ohne Heraussuchen zu müssen: uralte Erfahrung mit einem Schutzherrn namens Hindenburg

Nicht einmal im Umgang mit Kritik hat die Kornblumenpartei seit dem Untergang und dem anschließenden Verbot der Nazi-Partei vor etlichen Jahrzehnten etwas Neues zu bieten, das nicht schon diese zum Einsatz gebracht hätte, aber nicht nur diese Organisation, derart gehen im Grunde alle jene mit Kritik um, denen ihre Gesinnung Ausweis ist, einer gar so armen und gar so verfolgten Sekte anzugehören, sogar dann, wenn sie an der Macht ist, wie eben beispielsweise die NSDAP: angetreten zum brutal eigenen und nur zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil und hinterließen ein Europa in Ruinen in jedweder Hinsicht, auch in ethischer und moralischer …

…rache-Partei wird die Partei nicht selten genannt, wohl auch, um sich diese Partei als Regierungspartnerin … wenn es zu einem Obmannwechsel … aber ist es denn nicht mehr, wird gerade an das Parteiprogramm mit Handbuch gedacht, längst schon mehr eine Partei des Kornblumenträgerkandidaten, der im Geiste Hofers …

A Hofer

 

Unzensuriert warnt seit Monaten täglich vor … (noch subtiler als „Die Presse“?): „wandere aus, solange es noch geht“

FPÖ unzensuriert ist für das Auswandern, solange es noch geht

Entweder kennen Wähler und Wählerinnen, die die dritte Systempartei FPÖ wählen oder wie vorvorvorgestern den dritten Systemparteikornblumenträgerkandidaten, sich sehr gut aus und sind also nicht so verwirrt wie …

… oder sie sind genauso durcheinander und wissen nicht, was sie tun. Im Falle der FPÖ unzensuriert heißt das: sie merkt sich nicht einmal bei einem Kommentar von der ersten bis zur letzten Zeile, was sie schreibt.

Gestern schreibt FPÖ unzensuriert, wie in der Collage gelesen werden kann, wütend gegen eine Tageszeitung, die ihr nun keine Qualitätszeitung mehr sein will:

„Die Tageszeitung ‚Die Presse‘ war einmal als Qualitätsblatt bekannt – nun schreibt sie Pseudo-Katastrophen herbei.“

Und am Ende des Kommentars schreibt sie wieder, wie seit Monaten täglich am Ende eines jeden Kommentars:

„wandere aus, solange es noch geht“.

Klingt das nicht nach einem Herbeischreiben von tatsächlichen „Katastrophen“ und nicht nur „Pseudo-Katastrophen“? Weil täglich die Warnung: „solange es noch geht, wandere aus“. Tägliche Aufrufe zum Auswandern mit dem eindringlichen Hinweis: „solange es noch geht“… wenn dies keine Panikmache ist? Was dann?

Daß Wählerinnen und Wähler den Mut haben, diese dritte Systempartei und diesen Systemkandidaten dennoch zu wählen, bei diesem Durcheinander, ja, das erfordert mehr als Mut, das muß schon blindes Vertrauen in die Vorsehung sein, jemanden zu wählen, ohne zu wissen, was dann kommen wird. Im konkreten Fall, um es noch einmal zu wiederholen: Einwanderung wird strikt abgelehnt, ist „kein Menschenrecht“, Auswanderung aber ist ein Recht. Wie das funktionieren soll, also auszuwandern ohne einwandern zu dürfen, darauf gibt es nur eine so schlüssige Antwort wie auf die Frage, gibt es einen Gott oder gibt es einen Allah Jahwe nicht.

Wie lange FPÖ unzensuriert für das Heil in der Auswanderung – „solange es noch geht“ – wirbt, kann nicht gesagt werden; aufgefallen ist es jedenfalls schon vor Monaten, in der ersten Dezember-Hälfte des Jahres 2015, wie nachgelesen werden kann:

He.-Chr. Strache – “Einwanderung ist kein Menschenrecht – wandere aus, solange es noch geht”

“Harald Vilimsky auf Facebook und Twitter wandere aus, solange es noch geht”

FPÖ-ZZ: “Einwanderer, nein danke!”

Möglicherweise wird hier einfach kompliziert in Gleichnissen gesprochen, wie es schon Mohammed Jesus tat, und die Schrift verstehe, wer zu lesen vermag. Wenn bedacht wird, wer mit dieser Auswanderung beworben wird, könnte es natürlich sein, daß es keine Auswanderung ist, weil es dabei gesinnungsgemäß zu keiner Auswanderung, zum Verlassen der Geistesheimat kommt, sondern lediglich zu einem Ortswechsel.

Aber. Gleichnisse mögen etwas Schönes sein auf den Knien in den kalten Bänken einer Kirche oder auf den kalten Böden einer Moschee oder …, in einer Wahlkabine aber sollte das Kreuz doch bei Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten gemacht werden, deren Rede klar und unmißverständlich ist.

Es gibt also eine Alternative, es gibt immer eine Alternative. In diesem Fall sogar eine ganz leicht umzusetzende Alternative. Statt also auf FPÖ unzensuriert zu hören und auszuwandern, „solange es noch geht“, einfach am 22. Mai 2016 den Kornblumenträgerkandidaten nicht zu wählen, und damit auch die dritte Systempartei abzuwählen …

Bundespräsidentschaftswahl 2016 Österreich - Den Kandidaten der dritten Systempartei auch nicht wählen

Bundespräsidentschaftswahl in Österreich, 22. Mai 2016

 

Bundespräsidentschaftswahl 2016 Österreich - Den Kandidaten der dritten Systempartei auch nicht wählen

Die lustigste Erklärung zum Ergebnis der Bundespräsidentschaftswahl am 24. April 2016 ist wohl jene, es sei ein „ganzes System abgewählt“ worden. Damit will vor allem der hohe Stimmenanteil des Kornblumenträgers erklärt werden.

Diese Erklärung aber taugt nicht als Erklärung dafür, weshalb der Kornblumenträger auf den ersten Platz gewählt wurde. Oder höchstens dann, wenn gesagt wird, es war eine paradoxe Abwahl. Es ist doch tatsächlich paradox, ein System dadurch abzuwählen, daß der Kandidat einer Systempartei gewählt wird. Und seine Kornblumenpartei gehört seit Jahrzehnten zum österreichischen System. Das österreichische System ist seit Jahrzehnten, um es farblich auszudrücken, ein System von Rot und Schwarz und Blau.

Es scheint die Propaganda der Kornblumenpartei, keine Partei des Systems, keine Systempartei zu sein, zu wirken, oder die Faulheit, nachdenken zu wollen, hat weiter und beängstigend zugenommen, so daß nun schlicht nur noch nachgeplappert wird, es sei ein ganzes System abgewählt worden, während tatsächlich bloß ein Systemkandidat einer bloßen Systempartei gewonnen hat.

Und die Kornblumenpartei ist seit ihrer Gründung, seit ihrem Herauskriechen aus den materiellen und moralischen Trümmern nach 1945 fester Bestandteil des ganzen Systems in Österreich. Es stimmt für die Kornblumenpartei also ganz und gar nicht, daß sie nicht Urbestand dieses Systems ist, wie es ebenso nicht stimmt, daß die Kornblumenpartei je ausgegrenzt worden sei, wie sie stets vorgeben will und viele ihr nachzureden bereit sind.

Wie sehr die Kornblumenpartei mit ihrem Kornblumenträgerkandidaten unausgegrenzt ist und also zu diesem System gehört,

Für die … sprach EU-Abgeordneter Franz Obermayr, der insbesondere die gesellschaftliche Verankerung der … und ihre mehrmalige Regierungsbeteiligung in den Ländern und im Bund hervorhob.

wurde bereits vor langer Zeit einmal zusammengefaßt, so daß es nicht noch einmal wiederholt werden muß, sondern nur darauf verwiesen zu werden braucht: In Japan die Wahrheit, in Österreich

Der Kornblumenträgerkandidat selbst ist ein letzter schlagender Beweis, wie sehr er und seine Kornblumenpartei zu diesem System gehören. Durch dieses System wurde er, dieses System machte ihn zum Präsidenten. Und jetzt verspricht er viel, weil er auf der Präsidentenleiter noch ein paar Sprossen höher klettern möchte, das er bereits auf der Präsidentensprosse, auf der er noch systemgemäß abgesichert hockt und hocken bleiben wird, wenn es mit dem Hinaufkraxeln nicht funktioniert haben wird, nicht getan hat.

Kandidat und Partei der Kornblume sind nur eines, Garant und Garantin für das Fortbestehen dieses Systems mit einer Realpolitik, die lange schon für nichts mehr tauglich ist.

Wenn also in Österreich die Menschen tatsächlich das „ganze System“ abwählen wollen, dann müssen Sie nach den am 24. April 2016 zwei abgewählten Systemparteien am 22. Mai 2016 auch noch die dritte Systempartei abwählen.

NS Ein Absatz aus dieser Auflistung, wie sehr die Kornblumenpartei in das System involviert ist, soll doch gleich hier zitiert werden, und dieser betrifft nicht die Kornblumenpartei, sondern den Umstand, wie viele Jahre wieder vergeudet wurden, um eine Gegenwart zu vermeiden, in die heute europaweit mit hohem Tempo geschlittert wird; das wurde vor rund vierzehn Jahren geschrieben:

Wem es aber nicht egal ist, wie die politische Wirklichkeit in zehn bis fünfzehn Jahren in Europa sich uns präsentiert, wird zur Überzeugung gelangen, daß die Antwort jetzt gefunden werden muß, um genügend Zeit für die Entwicklung und Verbreitung einer Gegenvision zu haben, die für die Bürgerinnen und Bürger Europas eine (weil eine soziale und demokratische) unterstützenswerte Vision ist. Denn ein von Ihrem geträumten „Rechten Block“ regiertes Europa ist die denkbar schlechteste Zukunft.

Kornblumenland Österreich: 80,3% wählten „Nazi-Blume“-Träger zu ihrem Präsidenten

Kornblumenparlament - 80 Prozent wählen Kornblumenträger zu ihrem Präsidenten in Österreich.jpg

Nach der gestrigen Bundespräsidentschaftswahl in Österreich ist wieder zu hören, es seien die Ungebildeten, die Dumpfen, die von Angst Zerfressenen, die Unreflektierten, die Geldlosen, die Leistungsnichterbringenden, die den Träger der „Nazi-Blume“ (wie die Kornblume von der Umsonst Österreich aktuell bezeichnet wird) wählten.

Aber es wählten den Kornblumenträger lediglich nach dem vorläufigen Endergebnis 35,1%. Bloße Fünfunddreißig Prozent, viel zu wenig, um ihn bereits im ersten Urnengang zum Präsidenten zu machen.

80,3 Prozent aber wählten den Kornblumenträger bereits im ersten Wahlgang zu ihrem Präsidenten. Achtzig Prozent wählten den Kornblumenträger zu ihrem Präsidenten, somit formal in das vierthöchste Amt im Kornblumenland Österreich.

Erschreckt, erschüttert aber sind nun die Gebildeten, die Nichtdumpfen, die mit Angst Umgehenkönnenden, die Reflektierten, die Nichtarmen, die Leistungsträger nicht über die achtzig Prozent, sondern über die fünfunddreißig Prozent der Wählerinnen und Wähler … und schon wird wieder einmal darüber spekuliert, was kann man mit diesen machen? Wie können sie geführt werden? Welche Programme müssen für sie eingesetzt werden, für die 35,1%. Bildungsprogramme menschgemäß. Deren Ängste und Sorgen sich anzunehmen, ein Gebot der Stunde, sich ihrer doch zu erbarmen. Es sind ja doch Hascherln, die einer starken Führung oder, wie es neoliberal heutzutage so schön heißt, einer Steuerung bedürftig sind.

Das hier ist kein Hohelied auf die Wähler und Wählerinnen des Kornblumenträgers. Wer etwa am letzten Freitag die Abschlußkundgebung … wird sich weder am 22. Mai 2016 noch je in irgendeiner Wahl einreihen können wollen in diese Stimmzettelkreuzgemeinschaft: Kreuz bei einer bestimmten Partei heißt ausgeschrieben: „Trottel, Drecksau, Mißgeburt …

Was beispielsweise am Freitag nicht zu hören war, der Kornblumenträger sei das liebe Gesicht dieser Partei. Ständig aber kann in österreichischen Medien von diesem sympathischen Gesich des Kornblumenträgers gelesen werden, und das schreiben nicht die Ungebildeten, die Dumpfen

Was beispielsweise am Freitag auch nicht zu hören war von den Anhängerinnen und Anhängern des Kornblumenträgers, war etwas darüber, von welcher Gesinnungsliebe die „Herzensangelegenheit“ der Kornblumenpartei ist: ihr Einstehen für Südtirol. Hierbei wenigstens herrscht Einklang beispielsweise zwischen den Menschen auf dem Abschlußkundgebungsplatz und den Menschen in den Redaktionen österreichischer Medien. Hier bilden sie einen gemeinsamen Chor des Schweigens.

Am letzten Freitag hätten sie, wenn sie über Kunst gesprochen hätten, vielleicht einen bestimmten Maler „Trottel“ genannt, aber sie hätten Menschen, die in bezug auf Kunst ein „Faible für Spezielles“ haben, nicht „Experten“ genannt. Diese wohlmeinende Bezeichnung zum Vorteil des Kornblumenträgers bleibt einer Redaktionsmannschaft vorbehalten

Um zu einem Ende zu kommen.

Wenn am 22. Mai 2016 der Kornblumenträger es schaffen sollte, in die Hofburg einzuziehen, dann wird das vielleicht mit einem Stimmenanteil von 51 Prozent sein, vielleicht werden 52 Prozent der Wählerinnen und Wähler dafür verantwortlich sein, daß dann die Kornblumenflagge die Hofburg … Vielleicht können dann zweiundfünfzig Prozent der Wählerinnen und Wähler offen sagen oder nur still für sich sagen, sie hätten den Kornblumenträger zu ihrem Präsidenten gewählt. Im Vergleich zu den achtzig Prozent der Wähler und Wählerinnen, die jetzt schon sagen können, sie haben den Kornblumenträger zu ihrem Präsidenten gewählt … derart ungebildet, dumpf und so weiter und so fort sind also die Menschen in diesem Land, daß sie einen Kornblumenträger nicht mit achtzig Prozent Stimmenanteil zu ihrem Präsidenten wählen.

Soher kann abschließend gesagt werden, von einem Kornblumenland Österreich kann – noch nicht – gesprochen werden, aber von einem Kornblumenparlament, nicht nur deshalb, weil die dort arbeitenden Wählerinnen und Wähler einen Kornblumenträger bereits mit achtzig Prozent zu ihrem Präsidenten machten, sondern auch, wer in das Parlament eingeladen wird – gesinnungsgemäß vom Kornblumenträger – zu Vorträgen, Symposien; und das sind, wie sie neuerdings genannt werden, die „Experten“ …

Für die Kronenzeitung sind Liebhaber germanischer Odin-Wiesinger-Kunst neuerdings „Experten“

Odin-Wiesinger-Experte ein Kandidat für die Bundespräsidentschaftswahl 22-05-2016

Gestern schaute die Mannschaft der „Neuen Kronen Zeitung“, wer hinter der Fassade steht. Und bei einem Kandidaten schrieb sie in der Spalte „Favoriten in der Kunst“:

„Faible für Spezielles, wie für den nur Experten bekannten Maler Odin Wiesinger.“

In der Mehrzahl wohl Liebhaber und wohl kaum Liebhaberinnen – es darf angenommen werden, ein Spiegelbild der Zusammensetzung der Wähler und Wählerinnen dieses Kandidaten – germanischer Kunst sind also „Experten“, die ein „Faible für Spezielles“ haben. Ein „Experte“ also ist dieser Kandidat mit einem „Faible für Spezielles“ soher wohl auch selber. Bis zum 24. April 2016 war, wenn von Odin Wiesinger gesprochen und nur deshalb gesprochen wurde, weil er dieses Kandidaten Mal-Liebling ist, keine Rede von „Experten“, sondern …

Nun aber hat diese Tageszeitung sich die hehre Aufgabe vorgenommen, diesen „Experten“ zu dem Ansehen zu verhelfen, das sonst Expertinnen und Experten etwa aus der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kunst, der Geschichte bereits genießen. Einem Walter Marinovic beispielsweise wird das freuen, im hohen Alter doch noch als Experte anerkannt zu werden, oder, wie wird es Martin Graf freuen, der schon so viele Jahre ein Experte für Spezielles ist. Oder eine ganz spezielle Galerie in Italien wird es mit rechter Freude lesen, eine Galerie der Experten zu sein. Sogar des Kandidaten Pg. Obmann kann jetzt darauf verweisen, selbst einmal ein Experte zu sein, nicht nur einer zu sein, der sich stets auf andere Experten verlassen muß, wie beispielsweise Schachtschneider oder Friedman

Mit diesem Kandidaten würden also nicht nur einer in die Hofburg einziehen, der selbst ein Experte für Spezielles ist, sondern er würde, wie es eben bei einem Wechsel üblich ist, mit seiner Expertenschar in die Hofburg einziehen, und sich dann wohl bald die Bundesregierung in die Hofburg „holen“, weil die Regierung nicht so expertenhaft arbeitet, wie er als Experte mit seinen Experten sich das vorstellt, wenn also das Land nicht so regiert wird, wie dieses Kandidaten Expertenschaft gesinnungsgemäß …

 

Felix Baumgartner, Generalrepräsentant des Deutschen

capture the flag

Felix Baumgartner ist ein bescheidener Mann. Denn. Er wirbt nicht für sich. Er wirbt für einen anderen Mann. Aber für einen, der die Flagge bloß zeigen will. Ob er diese wohl zum Herzeigen stets bereit unter seinem Rocke trägt? Für einen Mann, der das Aufstehen bloß übt, wirbt also Felix Baumgartner. Für einen Mann, der im Sitzen sich bloß vorsagt: aufstehen. Und dabei stets sitzen bleibt. Wie Wladimir und Estragon, die einander zurufen, gehen wir, und dabei nicht von der Stelle kommen, nicht einen Millimeter von der Stelle kommen, auf die sie vor ewiger Zeit gestellt wurden – von ihrem Schöpfer.

Dabei wäre Felix Baumgartner selbst der einzige und wahre Repräsentant. Er zeigt nicht nur die Flagge des Deutschen, er erobert auch die Flagge des Deutschen. Ihm ist das Aufstehen keine bloße Übung. Ihm ist das Aufstehen kein bloßes Vorsagen. Er steht auf. Und überwindet dabei Entfernungen, bringt das Deutsche in die Höhe, ohne aber dabei den Inhalt in der Tiefe zu vergessen.

Und mit Felix Baumgartner könnten sich vor allem junge Männer identifizieren, die recht ordentlich viel für Spiele überhaben, auch in der Höhe: capture the flag. Aber auch das Spiel conquer the spelling ist ihnen schon recht bekannt, das in einer härteren Version als butchered language gekannt und gespielt wird.

Wäre das nicht wunderbar, wenn nach dem 24. April 2016 ein fliegender Wechsel noch möglich wäre, und am 22. Mai 2016 statt …

 

 

Aladdin, die Wunderlampe, Amazon und der Antisemitismus

Aladdin und die Wunderlampe - Amazon AntisemitismusEs könnte darüber spekuliert werden, weshalb Helge Morgengrauen in der von NR Wendelin Mölzer geführten ZZ in der vorliegenden Ausgabe, in der Walter Seledec mit seinem Hofburgkandidaten einer „neuen Zeit“ entgegenfiebert, zur Lektüre Konrad Haemmerling empfiehlt, dessen Roman „Der Mann, der Shakespeare hieß“. Offensichtlich ein Roman, der schon bei seinem Erscheinen vor Jahrzehnten … Aber wer den Anspruch von Morgengrauen an die Literatur kennt, wird das nicht verwundern.

Sonderbar an dieser morgengrauenschen Empfehlung ist, daß im deutschen reich Bücher von ihm verbrannt wurden, er mit eingeschränkten Publikationsmöglichkeiten, wie von anderen berichtet wird, sich abzumühen hatte. Das wird von Morgengrauen, der selbst ein Märchenerzähler wohl recht gerne geworden wäre, aber nicht erwähnt. Morgengrauen schreibt, sein Shakespeare-Roman sei 1938 erschienen. Es gibt auch Mitteilungen, daß der Roman 1937 zwar gedruckt worden sei, aber gleich auch verboten. Aber das ist nicht von Belang. Bloß als Notiz. Auch, daß Morgengrauen sonst bei seinen Empfehlungen recht vornehm verschweigt, wenn wer im deutschen reich

Es hat was von Ironie. Konrad Haemmerling soll es im deutschen reich deshalb schwer gehabt haben, seine Bücher sollen verbrannt worden sein, weil er nämlich irrtümlich für einen Juden gehalten worden sei. Ein Pseudonym von ihm war Curt Moreck.

Was also in der von NR Wendelin Mölzer geführten ZZ zu Konrad Haemmerling steht und auch nicht steht, ist ohne Belang. Und zu Haemmerling respektive Moreck etwas zu schreiben, wäre nie eingefallen, wenn nicht …

Anhand von Haemmerling kann nämlich gezeigt werden, wie schnell sich etwas ändern kann, gerade dann, wenn von „neuen Zeiten“ geträumt wird, „verheißungsvoll göttliche Morgendämmerung“ ersehnt wird – die „Dämmerung“ … Es mögen die Menschen unehrlich sein, ihre Sprache ist es nicht: Kaum bricht das „verheißungsvolle“ Morgen aus, beginnt es auch schon zu dämmern, geht aus diesem Morgen kein Tag hervor, sondern Nacht.

Im Jahr 1912 erschien von Ludwig Fulda eine Übersetzung von „Aladdin und die Wunderlampe“. In dieser Übersetzung war es einfach ein „Trödler“, der Aladdin betrog. Nicht einmal acht Jahre später war es ein „Jude“ – herausgebracht von Curt Moreck respektive Konrad Haemmerling. So rasch also kann es gehen, wenn es neuen Zeiten entgegen …

Und rund einhundert Jahre später können beispielsweise beim Unternehmen Amazon beide Übersetzungen erworben werden, also die von Curt Moreck, in der der Betrüger ein „Jude“ ist, und die von Ludwig Fulda, in der der Betrüger einfach ein „Trödler“ ist.

Deshalb mußte doch zu Haemmerling/Moreck, der vor langer Zeit einmal als „Mitläufer“ bezeichnet wurde, etwas geschrieben werden: wie gerade einmal innerhalb von acht Jahren aus einem „Trödler“, der ein Betrüger ist, ein „Jude“ …, und wie nach der bekannten massenmörderischen Geschichte des deutschen reiches immer noch die von Curt Moreck herausgebrachte Übersetzung beispielsweise von dem Konzern Amazon …

Konrad Haemerling ZZ Morgengrauen

 

Für Unentschlossene eine letzte Selbsprüfung vor den Bundespräsidentschaftswahlen 2016 in Österreich

Wenn Sie heute noch nicht wissen, wen Sie morgen wählen sollen. Und am 22. Mai 2016 werden Sie vielleicht wieder vor dieser Entscheidung stehen. Am 22. Mai 2016 wird es wohl noch viel wichtiger sein, zu wissen, wen wählen. Wenn Sie nach dem 24. April 2016 wieder nicht wissen sollen, wen Sie am 22. Mai 2016 wählen sollen.

Fragen Sie (dieses Fragen hat nach vorliegenden Prognosen wohl für beide Wahlgänge seine Gültigkeit) sich einfach, ob Sie mit diesem Wähler identifiziert werden wollen, wesentlicher noch, ob Sie sich mit dieser Wählerin identifizieren können, die so schwärmerisch für seinen Kandidaten werben kann:

„Ich habe selten eine so ergreifende und wunderbare Rede gehört! Man spürt ganz deutlich: Dies ist der Aufbruch in eine neue Zeit! Das Verfaulte, das Lebensvergiftende und Menschenfeindliche wird von den Wänden gerissen – und das blühende neue Leben, das Licht der Freiheit und der Aufbruch zur Zeitenwende erscheinen wie eine verheißungsvolle göttliche Morgendämmerung am Horizont! Lasst euch mitreißen von dieser Begeisterung und helft mit eurer Stimme für … mit, diese neue Zeit für uns, für Österreich zu gestalten!“

Fragen Sie sich aber auch, was vermittelt ihm sein Kandidat, daß er derart inbrünstig seinen Bräutigamwerber machen kann, wohl selbst des Kandidaten Braut sein möchte. Was durchaus möglich ist, da er, der sich Peter_ nennt, sich eigentlich auf kein Geschlecht festlegt, wie der an den Namen angehängte Unterstrich nahelegt.

Peter_ scheint gestern bei der Abschlusskundgebung gewesen zu sein, und jetzt stellt sich die Frage, ob gar Peter_ einer der Menschen mit den herzerwärmenden Äußerungen …

Ob Peter_ den Kandidaten gestern persönlich begrüßen konnte, sie scheinen einander zu kennen, wie Peter_ schon einmal durchblicken ließ: Portrait eines liebenden Wählers mit aufrichtigem Charakter. Wie nachgelesen werden kann, gibt es von Peter_ so viele herzerwärmende Äußerungen, daß es nicht mehr wichtig ist, es nicht mehr darauf ankommt, ob eine der gestrigen Äußerungen auch …

Und wenn Sie hier die vielen Vorstellungen von Peter_ nachgelesen haben, stellen Sie eine letzte Frage, ehe Sie zur Wahl gehen: Sieht für Sie das „blühende neue Leben“ so aus, wie es sich Peter_ mit seinem oder ihrem Kandidaten erhofft, ersehnt?

Kann der Kandidat von Peter_ Ihr Kandidat sein

Weltexperte Rau-Hans Rauscher: „Europa, wo man sie einfach nicht braucht.“

Rau - Hans Rauscher - Weltexperte

Fünfhundert ertrunkene Hunde, bereits die Mutmaßung, bis zu fünfhundert, oder gar schlimmer noch, fünfhundert Welpen könnten ertrunken sein, bereits ohne definitive Bestätigung, daß fünfhundert Welpen starben, hätte wohl tagelang in Österreich heute Aufmacher zur Folge: größte Anteilnahme, größte Trauer, Lebensberichte eines jeden ertrunkenen Hundes, Aufrufe, der toten Welpen in einem Staatsakt zu gedenken, das Organisieren eines Trauergebetsmarsches über alle Dörfer und Städte des Landes, um der Bevölkerung die Gelegenheit ihrer Anteilnahme, ihres Abschiednehmens, ihrer Solidarität mit den armen ertrunkenen Hunden und Welpen …

Im Neusiedler See sind nicht fünfhundert Hunde ertrunken, sind keine Welpen ertränkt worden.

Im Mittelmeer aber sind wieder Menschen ertrunken. Es sollen bis zu fünfhundert Menschen ertrunken sein.

In Österreich heute aber nicht eine einzige Zeile an den zwei vergangenen Tagen darüber. Eine der zwei Zeitungen, die beide den Namen Umsonst führen könnten, bringt dafür am letzten Donnerstag auf das Titelblatt: „Sarrazin rechnet jetzt mit Flüchtlingen ab“. Und die zweite Umsonst: „TV-Star tappt in Sex-Falle“. Die Zeitung der Republik vergräbt es in einer kurzen Spalte auf der Seite ihrer ausländischen Berichte, als ob in Österreich heute noch wer lesen möchte, was in der Welt … bis auf Hans Rauscher menschgemäß.

Hans Rauscher interessiert, was in der Welt vorgeht. Hans Rauscher kennt sich in der Welt aus. Hans Rauscher hat, wie es heutzutage so schön heißt, Expertise. Auch Lösungskompetenz, wie es heutzutage ebenfalls so schön heißt.

In Österreich heute ist in der als Qualitätsmedium bekannten Tageszeitung am letzten Freitag auf der Titelseite rau zu lesen:

„[I]n Europa, wo man sie einfach nicht braucht.“

Das schreibt Hans Rauscher im Zusammenhang mit den rund fünfhundert Menschen, die eben erst wieder ertrunken sind, sterben mußten, weil … Hans Rauscher erklärt das profund. Hans Rauscher ist auch ein geeichter Kenner der Geschichte des Kontinents Afrika, er weiß bestimmt, wie es zu Korruption und Inkompetenz gekommen ist. Vielleicht hat er beim Abfassen von „Bestechung“ beispielsweise „Die Verdammten dieser Erde“ von Frantz Fanon aus dem Regal geholt, vielleicht auch als Mann stets auf der Höhe der Zeit an „Kritik der schwarzen Vernunft“ von Achille Mbembe gedacht, nicht nur gedacht, sondern sich beim Schreiben davon leiten lassen.

Das also ist Österreich heute. Wenn Menschen sterben, steht im Nachruf auf sie: „Wo man sie nicht braucht“. So rau also ist es heute geworden, aber nicht nur in Österreich. Anderseits, obgleich diese Menschen wissen, daß „sie einfach nicht …“, besitzen sie trotzdem, wenn schon sonst nichts, die Frechheit:

„Sie kommen trotzdem.“

„Trotzdem kommen sie“ und auferlegen, ungezogen wie sie wohl sind, Europa eine

„Selbst wenn man die apokalyptischen Szenarien von Abermillionen Flüchtlingen für übertrieben hält, ist das eine immense Bewährungsprobe für Europa.“

„Bewährungsprobe“ – oh du von diesen Menschen raugeplagtes Europa, weshalb straft dich für deine Unschuld die Vorsehung nur mit solch immensen …

Als Günter Grass vor bald fünfzig Jahren den Roman „örtlich betäubt“ schrieb, reichte es in seiner Vorstellung noch aus, wohl mit seinem Blick auf die damalige Gegenwart, nur einen Hund öffentlich verbrennen lassen zu wollen, um auf das Leid durch Napalm aufmerksam zu machen. Heute würde Günter Grass, um das Leid und Elend und Sterben von Menschen bewußt zu machen, wohl einen Roman schreiben, in dem fünfhundert Hunde oder gar tausend Welpen im Neusiedler See ertränkt werden. Und als Titel könnte Günter Grass wohl nur einen wählen: „kontinental betäubt“ …

Nein, das ist ungerecht, also Österreich gegenüber ungerecht, Österreich heute ist doch ein recht gutes Land, mit recht guten Menschen, die schon rechten Anteil nehmen, wenn nur einem einzigen Pudel etwas Schreckliches zustößt, des Pudels Leid wird sofort ausführlich berichtet, und wie herzensgut die tiervernarrten Menschen sind, darüber legten sie erst gestern wieder vor dem Hause ihres höchsten Schutzherrn dieses Landes recht beredtes Zeugnis