„Zeit im Bild“

„Ich hätte gerne Tantiemen von der ZiB für den Titel! Dabei ist der Name wirklich nichts Besonderes. Ich habe ihn mir damals kaum vorzuschlagen getraut, weil er so altvaterisch klingt. Fernsehchef Freund meinte: Na ja, gut ist er nicht, aber lassen wir ihn einstweilen einmal. Und wie man sieht: Ein österreichisches Provisorium hält lange.“
– Teddy Podgorski: Interview in der Wiener Zeitung, Februar 2012

Die Tantiemen, wenn der 1936 geborene Teddy Podgorski diese je bekommen hätte, wären ihm nicht geblieben, er hätte sie gleich weiter überweisen müssen, an die Illustrierte „Zeit im Bild“, die ab 1946 in der sowjetischen Besatzungszone und dann in der DDR erschien. Aber auch der „Zeit im Bild“ wären die Tantiemen nicht geblieben, die „ZiB“ hätte sie ebenfalls gleich weiter überweisen müssen, an „Die Zeit im Bild“, illustrierte Wochenschrift ab 1903 …

Als in diesem März 2024 Teddy Podgorksi starb, mußte augenblicklich an die „Zeit im Bild“ gedacht werden, in der ab dem 1. Jänner 1914 „Der Unteran“ von Heinrich Mann in Fortsetzung erschien, aber nur bis zum 13. August 1914, der Kriegsausbruch verhinderte einen vollständigen Abdruck des „Untertanen“ in der „Zeit im Bild“ als Fortsetzungsroman.

Es ward aber auch gleich wieder vergessen, bis zum Juli ’24, als auf der Konzernplattform X einer Lesung aus dem „Untertanen“ zugehört wurde.

Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäumen das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gnom und schielte her!

Der Mann in seinem Garten, auf seiner Bank, liest seinen „Untertanen“, in Fortsetzung.

„Hurrah!“, schrie Diederich, denn alle schrien es; und inmitten eines mächtigen Stoßes von Menschen, der schrie, gelangte er jäh bis unter das Brandenburger Tor. Zwei Schritte vor ihm ritt der Kaiser hindurch. Diederich konnte ihm ins Gesicht sehen, in den steinernen Ernst und das Blitzen; aber ihm verschwamm es vor den Augen, so sehr schrie er. Ein Rausch, höher und herrlicher als der, den das Bier vermittelt, hob ihn auf die Fußspitzen, trug ihn durch die Luft. Er schwenkte den Hut hoch über allen Köpfen, in einer Sphäre der begeisterten Raserei, durch einen Himmel, wo unsere äußersten Gefühle kreisen. Auf dem Pferd dort, unter dem Tor der siegreichen Einmärsche und mit den Zügen steinern und blitzend, ritt die Macht! Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Die über Hunger, Trotz und Hohn hingeht! Gegen die wir nichts können, weil wir alle sie lieben! Die wir im Blut haben, weil wir die Unterwerfung darin haben! Ein Atom sind wir von ihr, ein verschwindendes Molekül von etwas, das sie ausgespuckt hat! Jeder Einzelne ein Nichts, steigen wir in gegliederten Massen als Neuteutonen, als Militär, Beamtentum, Kirche und Wissenschaft, als Wirtschaftsorganisation und Machtverbände kegelförmig hinan, bis dort oben, wo sie selbst steht, steinern und blitzend! Leben in ihr, haben teil an ihr, unerbittlich gegen die, die ihr ferner sind, und triumphierend, noch wenn sie uns zerschmettert: Denn so rechtfertigt sie unsere Liebe! … Einer der Schutzleute, deren Kette das Tor absperrte, stieß Diederich vor die Brust, dass ihm der Atem ausblieb; er aber hatte die Augen so voll Siegestaumel, als reite er selbst über alle diese Elenden hinweg, die gebändigt ihren Hunger verschluckten. Ihm nach! Dem Kaiser nach! Alle fühlten wie Diederich. Eine Schutzmannskette war zu schwach gegen so viel Gefühl; man durchbrach sie. Drüben stand eine zweite. Man musste abbiegen, auf Umwegen den Tiergarten erreichen, einen Durchschlupf finden. Wenige fanden ihn; Diederich war allein, als er auf den Reitweg hinausstürzte, dem Kaiser entgegen, der auch allein war. Ein Mensch im gefährlichsten Zustand des Fanatismus, beschmutzt, zerrissen, mit Augen wie ein Wilder: Der Kaiser vom Pferd herunter, blitzte ihn an, er durchbohrte ihn. Diederich riss den Hut ab, sein Mund statt weit offen, aber der Schrei kam nicht. Da er zu plötzlich anhielt, glitt er aus und setzte sich mit Wucht in einen Tümpel, die Beine in der Luft, umspritzt von Schmutzwasser. Da lachte der Kaiser. Der Mensch war ein Monarchist, ein treuer Untertan! Der Kaiser wandte sich nach seinen Begleitern um, schlug sich auf den Schenkel und lachte. Diederich aus seinem Tümpel sah ihm nach, den Mund noch offen.

Es ist nicht von Heinrich Mann, das der Mann auf seiner Gartenbank liest, er liest aus einem Buch, dessen Titel ebenfalls „Untertan“ enthält, aus einem Buch, das nicht in der „Zeit im Bild“ abgedruckt wurde, sondern von einem Verlag vertrieben, dessen Qualitätsnamen compacte Mannen wie Jürgen Elsässer auf ihrer Brust als Orden tragen.

Und dann fällt doch noch einmal Teddy Podgorski ein, in seiner Zeit, in der er noch berufstätig war. Es gab damals eine Sendung mit einer Signation, in der über lange Zeit ein recht lieb und freundlich lächelnder Mann gezeigt wurde — in der Art, wie in diesem Land ein jeder Mensch die Macht sich erträumt — mit seinem Modigruß.

Arbeitnehmer der patriotischen Partei haben für ihr Elitensystem, Arbeitnehmerinnen der patriotischen Partei haben für ihre Systemelite Verantwortung und Schuld auf sich zu nehmen

Die Berichte über den Tathergang, der nun zu einem Schuldspruch für Christian Hafenecker führte, zu lesen, lassen nicht zu, der Vorstellung sich erwehren können, was das für eine Volkskanzl, die diese Partei errichten will, werden wird, in der eine tragende Rolle, darf angenommen werden, auch

Christian Hafenecker … Ein Tathergang, der an Aberwitz kaum zu überbieten ist,

der nun zu einem Schuldspruch von Christian Hafenecker führte. So ein Aberwitz kann und wird, sollte die Volkskanzl je Wirklichkeit werden, die Volkskanzl sein, nur nicht so harmlos und von den dann verursachten Schäden her, der dann zu Verurteilungen wohl auch führen wird, derart geringfügige.

Und es werden dann, wenn auch die Volkskanzl vor Gericht aufzuarbeiten sein wird, wieder Angestellte der patriotischen Partei sich einfinden müssen, um Verantwortung zu übernehmen, um Schuld auf sich zu nehmen. Denn. Es hat System in dieser Partei, daß Angestellte dieser Partei für ihre Elite einstehen muß.

Diese Verurteilung von Christian Hafenecker ruft wieder einmal das System dieser patriotsozialistischen Partei in Erinnerung, in dem die Angestellten die Volkstribune ihrer Elite zu sein haben, wenn es gilt, Verantwortung zu übernehmen, Schuld für ihre Elite auf sich zu nehmen, statt, daß ihre Elite, die sich sonst als Volkstribunin von deren System versteht, den Angestellten von ihr beisteht, für ihr Wohlergehen sorgt.

All das ist schon lange bekannt. Dieses System der Elite dieser Partei. So bekannt, daß jetzt nicht mehr groß darüber zu schreiben gebraucht wird. Es braucht nur noch auf einige Kapitel hingewiesen werden, etwa auf das

„Bei Freiheitlichen als Arbeitnehmer aber ein armes Schwein“ oder auf das

„Hofer-FPÖ: Auf den Knecht hinhauen, damit der Herr ihn schützen kann“ oder auf das

„FPÖ unzensuriert – Österreichischen Medien groß über ihre Seiten geschrieben: Es ist der Graf und nicht der Höferl“ …

Wie aber aus diesen Kapiteln auch zu erfahren ist, das System der Elite dieser Partei spiegelt bloß die Einstellung gegen Angestellte in diesem Land wider, in der die Elite,

gegen die und deren System gerade diese Partei dieses Systems und dieser Elite so recht das kühne Wort führt, freilich stets nur, wenn sie nicht zur Verantwortung gezogen wird, und wenn sie zur Verantwortung gezogen wird, nur noch Elite und System sind,

alles für sich beansprucht, bis auf Verantwortung und Schuldeinbekenntnis.

Die compacte Susanne W. und der patriotische Nachläufer Martin S. der hafeneckerischen Parlamentspartei

Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß Christian Hafenecker in „Info-Direkt“ in Stellung geht vor dem Verbot von dem Magazin „Compact“,

daß darüber die gesinnungsgemäß zensurierte Website berichtet, im Verbot „Zensur“ und „Anschlag auf die Pressefreiheit“ — wo sonst als in der gesinnungsgemäßen „Info-Direkt“ und wer sonst als die gesinnungsgemäß zensurierte Website … Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website dazu Stefan Magnet in ihrem Bericht über das Verbot des Magazins Compact am 17. Juli 2024 — wen sonst, ist er doch ein Mann, der stets zur Stelle, auch dann, wenn verurteilten Urgroßmüttern juristisch beizuspringen ist

Es könnte jetzt einiges darüber geschrieben werden, daß der compacte Jürgen Elsässer ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ares“ trägt —

wen sonst als Ares sollte er auf seiner Brust zur Wehr tragen: „Ares“, der auch der Name eines in Österreich hoch staatsausgezeichneten Verlages ist …

Und es könnte jetzt auch einiges über das Magazin Compact selbst geschrieben werden, das aber lediglich eine Wiederholung dessen wäre, was zu diesem Magazinmann bereits geschrieben

der offensichtlich nun auch von sich ein ikonisches Foto haben möchte wie jener hinter dem großen Teich

Worüber aber tatsächlich zu schreiben ist, wie die Tageszeitung des österreichischen Medienstandards am 17. Juli 2024 darüber berichtet unter dem Titel

„Compact“-Chef Jürgen Elsässer: Pöbler, Putin-Fan und Geschäftemacher
Das rechtsextremistische Magazin wird in Deutschland verboten. Dessen Chefredakteur bot eine Melange aus Rassismus, Putin-Verherrlichung und Hass auf den Westen

Beinahe kommt Hansjörg Friedrich Müller ohne Österreich-Bezug aus, sein Fokus Deutschland. Nur um einen Satz mit Österreich-Bezug kommt er nicht umhin …

Martin Sellner, der österreichische Vordenker der Identitären Bewegung, hatte bei Compact eine Kolumne.

Und auf diesen Bezug hätte er leicht verzichten können. Ein unnötiger Österreich-Bezug. Und noch dazu, Martin Sellner als „Vordenker“ zu verkaufen, der nichts weiter ist als ein patriotischer Nachläufer der hafeneckerischen Parlamentspartei.

Er hätte sich auf Susanne Winter beziehen können, die von der hafeneckerischen Partei zum Magazin Compact wechselte,

er hätte sich auf den für kurz gewesenen Vizekanzler und auch auf Harald Vilimsky beziehen können, dessen Wahrheit in der hafeneckerischen Partei recht geschätzt,

er hätte sich auf den für kurz gewesenen Innenminister beziehen können, der mit dem Compactmann so recht großmütig sich schon mal eine Bühne teilt, nicht nur mit ihm,

sondern auch mit Höcke, von dessen „Taler“ er, Hansjörg Friedrich Müller, so kenntnisreich zu schreiben weiß,

er hätte also über das „rechtsextremistische Magazin“ berichten können, gänzlich ohne deren Verflechtungen in Deutschland, dafür aber sehr viel über deren Verbindungen zu einer österreichischen Parlamentspartei, die auch schon mal für kurz Regierungspartei und nun wieder,

ach, wieder davon träumt sich zu betätigen, gar als eine volkskanzliche Regierungspartei

„Volkstribun“

Es gab einmal einen Redner, in Deutschland, der schrieb vor bald einhundert Jahren in sein Tagebuch,

Alles hat dieser Mann, um König zu sein. Der geborene Volkstribun. Der kommende Diktator.

über einen Österreicher, der ein paar Jahre nach diesem Tagebucheintrag für kurz „Volkskanzler“ zu nennen war, und gerade einmal zwanzig Jahre nach diesem Tagebucheintrag hatte dieser Mann nichts, nicht einmal mehr sein Leben, aber auf seinem Konto Abermillionen von Ermordeten, für madige zwölf Jahre wird er sich wohl als „König“ gefühlt haben, der ein Diktator war, jedoch von einem „Volkstribunen“ im römischen Sinn hatte er nichts, er war kein Magistrat, er stand den Bürgern nicht bei, für die Bürgerinnen hatte er nichts, bis auf das Mutterkreuz.

Die Website des Bildungsinstituts einer österreichischen Parlamentspartei ruft diesen Tagebucheintrag in Erinnerung, beim Lesen des Wortes „Volkstribun“, am 14. Juli 2024.

Was ist er heute? Nicht mehr. Seit 2008 hat er nicht einmal mehr sein Leben, und sein Konto auf null …

Und es fällt noch ein „Volkstribun“ dazu ein, dem es wohl recht gefallen wird, tribune of the people genannt zu werden, wie es allenthalben geschieht, der sich wohl auch als „König“ fühlen wird, aber er ist in einem Alter, in dem ihn in jeder Sekunde der natürliche Tod ereilen kann, liegt doch die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten bei etwas mehr als 77 Jahren, so die Statistik vom letzten Jahr, und einen großen Zuwachs an Lebenserwartung von 77,3 wird es 2024 wohl nicht gegeben haben. Ein „Diktator“ möchte er auch sein, so sein geäußerter Traum, aber nur „für einen Tag“ … Was für ein realistischer Traum. In Anbetracht der statistischen Lebenserwartung recht realistisch von ihm geträumt, sein Traum, seine Wirklichkeit. Und was wird dann sein Kontostand sein? Eine Null, ja. Aber dazu mit einem Saldo zu Lasten der Abermillionen von Menschen wird es wieder einmal gewesen sein.

Nun gibt es von diesem tribune of the people, dem in diesen Tagen eine „Krönungsmesse“ ausgerichtet werden soll, von jenen, denen er ein „König“, dessen Reich nicht von dieser Welt, ein Foto, das von vielen als ein jetzt schon ikonisches Bild gefeiert, verehrt wird, wie „Raising the Flag of Iwo Jima“, aber wie das Foto aus 1945 falsch, absichtlich falsch gedeutet wurde, es war kein Hissen einer Flagge zu einem Sieg, sondern bloß ein alltägliches Austauschen der Flagge, vielleicht notwendig geworden, weil die Flagge zerrissen ward, so wird auch jetzt, beinahe achtzig Jahre später, das Foto absichtlich falsch gedeutet, der Tagebuchschreiber hätte damit wohl seine reinste Freude, setzen es doch nicht nur die seine Gesinnungsschaften für ihre Propaganda ein, sondern wird es auch von jenen mit verbreitet, die sich gegenüber dieser Gesinnung kritisch wähnen, immun gegen deren Gesinnung zu sein meinen.

Nach diesen, um zum Redner für den Österreicher zurückzukehren, zwei verlorenen „Volkstribunen“, der letzte vor zweimal acht Jahren gestorben, gibt es in Österreich keine Redner mehr, die in ihr Tagebuch schreiben könnten, was einmal dieser in sein Tagebuch schrieb — bloß eine gibt es noch, eine in „deutscher Kulturgemeinschaft“ steckende Partei in Österreich, die ihrem Tagebuch anvertraut ihren Volkskanzltraum.

„How fascism works: the politics of us and them“ – It’s beneficial, a book without the party of patriots of Austria

Es ist wohltuend, es ist nützlich, es ist von Vorteil, daß in „Wie Faschismus funktioniert“ von Jason Stanley die österreichische Parlamentspartei nicht vorkommt, nicht erwähnt wird, nicht einmal als ein weiteres Beispiel unter den vielen, die er anführt, von den Parteien mit einem Orbán über die Parteien mit einem Trump über mit einer Le Pen bis …

Dabei wäre es so leicht gewesen, auch noch diese österreichische Parlamentspartei als Beispiel anzuführen, erfüllt diese doch so vieles von dem, was Jason Stanly beschreibt. Es wird sie ihm wohl nicht wichtig genug gewesen sein, oder was immer der Grund dafür gewesen sein mag, wahrscheinlich wird es dafür gar keinen Grund gegeben haben, bloß das Fehlen einer Lupe vielleicht, um sie in den Blick zu bekommen. Von Österreich aus ist es wohltuend, daß diese Parlamentspartei keine Erwähnung findet. In Österreich aber kann es von Nutzen sein, ein Vorteil sein, „Wie Faschismus funktioniert“, dieses parlamentsparteifreie Buch, zu lesen, um sich der österreichischen Situation, des Hergerichtetseins in Österreich bewußt zu werden.

Nichts zu und nichts über die Parlamentspartei Österreichs zu lesen, wird zur Folge haben, jedes Kapitel von „Wie Faschismus funktioniert“ so zu lesen, als hätte es mit der österreichischen Parlamentspartei nichts zu tun, als hätte es mit Österreich nichts zu tun, weil eben Österreich, weil eben die patriotische Partei in diesem Buch nicht vorkommt, und dabei wird sich zwangsläufig einstellen,

daß alle Kapitel mit der Parlamentspartei, mit dem dieser Parlamentspartei Zuarbeitenden in Österreich, zu tun haben, diese Parlamentspartei und deren Zuarbeitenden beschreiben, ohne sie je zu erwähnen, wird das Ergebnis der Lektüre von „Wie Faschismus funktioniert“ sein, wenn die letzte Seite dieses Buches von Jason Stanley gelesen.

Es werden in Österreich durchaus viele Versuche unternommen, beispielsweise die Verbindungen, die Verflechtungen der Partei der Patriotinnen mit, einfach wie kurz gesagt, Extremistischen aufzuzeigen, aber diese sind lediglich Wirkungen der Ursache der Gesinnungszugerichtetheit dieser Partei

Bei jedem Kapitel, es sind zehn — „Die mythische Vergangenheit; Propaganda; Anti-Intellektualismus; Unwirklichkeit; Hierarchie; Die Opferrolle; Recht und Ordnung; Sexuelle Ängste; Sodom und Gomorrha; Arbeit macht frei“ –, wird das Wesen dieser Partei, wird das Buch in Österreich gelesen, für jeden Lesenden offenkundig, kann keine Lesende ein anderes Urteil fällen, als dieses, hier wird eine österreichische Parlamentspartei ohne deren Nennung bis zur Kenntlichkeit in ihren gesinnungsgemäßen Strukturen beschrieben, eine Partei, die vielleicht sogar von dem einen und anderen Leser schon gewählt wurde, vielleicht von der einen oder anderen Leserin demnächst zu wählen beabsichtigt.

Auf dem Umschlag von „Wie Faschismus funktioniert“ ist zu lesen, und das genügt als Zitat, um dieses Buch zur Lektüre in Österreich zu empfehlen:

Wir alle müssen ihn verhindern – aber was genau ist Faschismus? Weltweit hat faschistische Politik wieder starken Zulauf: ob in Europa, den USA, in Myanmar oder Indien. Jason Stanley, der an der Yale University Philosophie lehrt, identifiziert zehn Säulen faschistischer Politik und zeichnen ihren erschreckenden Wiederaufsteig und ihre Geschichte nach. Ob das die Mythologisierung der Vergangenheit einer Nation ist, ein gegen die Wissenschaft und Experten gerichteter Anti-Intellektualismus oder auch die Kriminalisierung von Minderheitengruppen – diese Säulen formen die Sprache und die Überzeugungen, die Menschen in ein „Wir“ und ein „Sie“ unterteilen. Die faschistischen Taktiken greifen ineinander und entwickeln zusammen eine ungeheure Kraft, die letztlich eine für die Appelle einer autoritären Führung anfällige Gesellschaft formt. Stanley ist sich sicher: Nur wenn wir faschistische Politik erkennen, können wir ihren Auswirkungen widerstehen und zu demokratischen Idealen zurückkehren.

Bei einem solchen Buch ist es aber unmöglich, Österreich nicht doch einmal zu erwähnen, auf einen Österreicher zu verweisen, der zurzeit kein Mandat im österreichischen Parlament hat, dieser Österreicher wird zur Vermessung der Gegenwart öfters zitiert, und Österreich selbst findet Aufnahme:

Die Geschichte des Nationalsozialismus ist ein Lehrbuchbeispiel für die faschistische nationale Identitätsbildung in der Politik. Zu Beginn der 1880er-Jahre entwickelte sich in Österreich und Deutschland eine Version des ethnischen Nationalismus aus der später die NSDAP hervorgehen sollte. Die völkische Bewegung gründete auf einer romantisieren Vorstellung von der ethnischen Reinheit des deutschen Volkes.

Der Umschlag von „Wie Faschismus funktioniert“ mit seiner Gestaltung wie die österreichische Flagge mit den Farben Rot und Weiß und Rot. Es könnte für Österreich eine eigene Ausgabe von „Wie Faschismus funktioniert“ herausgebracht werden. Ohne den Namen des Philosophen, ohne den Titel „Wie Faschismus funktioniert“, sondern nur mit den Farben Rot und Weiß und Rot und lediglich mit dem Verlagsnamen „Westend“ — sofort wüßte ein jeder Mensch, das ist das Buch „Wie Faschismus funktioniert“, in einer Sonderausgabe für Österreich —

Volkskanzls Spielplan: Theodor Körner, Oper

Wie wurde sofort höchst philosophisch gemutmaßt, daß die Zugewinne einer Partei auf den Spielplan in diesem Land Auswirkung werde haben können, die Zugewinne einer Partei, die jene in diesem Land, die an einer Landleitkultur sich denkend versuchen, nicht zur Leitkultur zugehörig meinen, Änderung des Landspielplans erwirken könnten, aber wie würden extreme Zugewinne der Parlamentspartei, die die Leitkultur dieses Landes exemplarisch erfüllt, den Landesspielplan ändern, und das nicht erst vielleicht in ein paar Jahren, sondern sofort, mit dem Tage, an dem diese Parlamentspartei zur Regierungspartei nicht gewählt, aber, wie stets, zur Regierungspartei gemacht, diese Partei, die dem Lande eine Volkskanzl

Wie ohne ihr Zutun, ohne ihr Diktat, ganz der dem Lande eingeschriebenen Leitkultur gemäß verpflichtet, plötzlich, und doch nicht so plötzlich, wie es scheinen mag, sondern über Jahre vorbereitend eingeschlichen, eilfertige Geschäfterei, ihr zu gefallen, auf dem Spielplan beispielsweise der Wiener Staatsoper:

„Theodor Körner“

Auf dem Spielplan der Theater in der Stadt und auf dem Land in Österreich nicht vielleicht in ein paar Jahren, sondern gleich:

„Theodor Körner. Große vaterländische Oper in 5 Akten und einem Vorspiel: Des Königs Aufruf. Dichtung von Louise Otto. Musik von Wendelin Weißheimer.“

Es werden Berufene augenblicklich sich einfinden, zu erklären, wie aktuell diese Oper, deren Notwendigkeit, diese aufzuführen, und wer könnte ihnen je noch widersprechen, bezeugt allein schon deren Vorspiel mit dem Ks Aufruf die Aktualität, ihre Wiedergabe der Gegenwart, mit seinem vielleicht bittersten Vers von den sieben Jahren, die der Menschen Los dieses Landes —

Aus der Zukunft eine staatsoperliche Ankündigung, gar schlicht, ganz dem Stile einer Volkskanzl verschrieben, mit Worten aus dem Vorspiel —

Freier Platz einer deutschen Residenz.

Erster Bürger. Dort zieh’n sie hin – und erst wenn sie vorüber , darf man ein Wort zu seinem Nachbar wagen . Zweiter Bürger. `s ist schlimme Zeit ! Was hat man sich zu sagen ?! Die alten Leiden – die alten Klagen ! Dritter Bürger. Was hilft`s , darüber Worte noch verlieren ? So lange wir`s im Vaterland ertragen , Daß sich die Fremden drinn als Herrn geberden , So lang wird`s nie den Deutschen besser werden. Erster Bürger. Still still ! Ihr wagt ein unbesonnen Wort ! Zweiter Bürger. Sprecht Ihr so kühn , geh‘ ich lieber fort . Dritter Bürger. Ja , das ist Eure Art ! Ihr zittert schon , Beginnt man nur vom Vaterland zu sprechen . Zweiter Bürger. Für solches Wort ward oft der Tod zum Lohn . Erster Bürger. In diesen Tagen ist das – ein Verbrechen . Dritter Bürger (gewahrt rechts Andere kommend). Dort kommen andre noch von unsern Freunden ; Sie scheinen aufgeregt , — was mag es geben ? Erster Bürger. Auch haben sie zwei Fremde in der Mitte . Zweiter Bürger: Es scheint , sie bringen eine wicht’ge Nachricht . Lüzow. Es ist so , wie ich sage , Freunde, Bürger ! Dies Blatt Papier , das in der Hand ich trage , Es ist ein Aufruf von dem Preußenkönig , gerichtet an die deutsche Nation . Erster Bürger. Der wagt das kühne Wort schon wieder ! Dritter Bürger. Fährt Euch auf‘s Neu‘ ein Schrecken in die Glieder ? Was sagt der Aufruf ?– laßt’s uns hören ! Mehrere aus dem Volk. Laßt hören – sagt es noch einmal ! Lüzow. So hat ein deutscher Fürst noch nie gesprochen . Gleich oben steh’n die Worte : „An mein Volk !“ Mehrere. „Mein Volk – mein Volk !“ Dritter Bürger. — — — — Es sprachen deutsche Fürsten Bisher ja immer nur von Unterthanen , Daß muß `was Großes zu bedeuten haben !

Mehrere. Das muß `was Großes zu bedeuten haben ! Lüzow. Und weiter heißt es in dem Blatt : (Er entrollt das Pergament.) Was Ihr seit sieben Jahren habt ertragen , Bleibt Euer Loos für alle Zeit , Wenn wir zu Boden nicht die Feinde schlagen , nicht muthig ziehen in den Streit ! Es ist ein Kampf für alle höchsten Güter , Für Freiheit , Ehre , Unabhängigkeit ! Warf einst die Schweiz die Unterdrücker nieder , Und hat der Niederländer sich befreit , So wirst auch du , mein Volk , den Sieg erringen , Bist Du bereit , die Opfer darzubringen , Durch die allein die Rettung kann gescheh’n : * „Deutschland muß siegen oder untergeh’n ! “ Das Volk (mit erwachender Begeisterung). „Deutschland muß siegen oder untergeh’n ! “ Körner. Gepriesen sei, Verkünder naher Freiheit! Gepriesen Deines wackern Königs Wort ! Erster Bürger. Daß klingt recht schön – doch ist es kaum zu glauben , Daß wirklich so ein König sprechen sollte . Lüzow. Echt ist das Dokument , kein Zweifel gilt . Erster Bürger. Doch nimmer ist ein solcher Kampf zu wagen . Zweiter Bürger. Die besten Truppen wurden ja geschlagen , Wie kann der Bürger da an Siege denken ?! Mehrere. Es ist umsonst , es ist zu spät , Zu mächtig herrscht der Feind im Land , Ein Wort ist bald im Wind verweht , Ein Aufruf ist kein Siegespfand !

*Diese wie alle in der Folge durch „ “ bezeichneten Stellen sind Th. Körners Dichtungen entnommen.

Körner. Ein mächt’ger König hat gesprochen , Die Sclavenkette ist gebrochen ; „Er hofft auf die gerechte Sache , Hofft , daß sein treues Volk erwache , Hofft auf des großen Gottes Rache Und hat den Rächer nicht verkannt : “ Nun hoffe Du , mein Vaterland , Hoffe Du , mein theures Vaterland : O hört den Ruf an’s deutsche Volk , Bedenkt des Vaterlandes Schmach : „Daß vor des Wüthrichs Ungewittern Die Fürsten seiner Völker zittern , Daß ihre heil’gen Worte splittern , Und daß sein Ruf kein Hören fand :“ Nun folge Du , mein Vaterland , Folge Du , mein theures Vaterland. Erster Bürger. Wer ist der Jüngling mit der kecken Stirne ? Zweiter Bürger. Nicht richtig scheint es mir in seinem Hirne ! Erster Bürger. Sieh nur, wie wild uns keck er um sich blickt. Dritter Bürger. Ein Dichter ist’s – der Zriny = Dichter Körner. Schon leuchtet ihm der Ruhm auf seinen Pfaden Ein echter Dichter ist’s von Gottes Gnaden. Erster Bürger. Den Dichtern ist es leicht zu Ruhm zu kommen , Zweiter Bürger. Sie singen wohl : wir opfern Gut und Blut , Beide. Doch werden sie beim Wort genommen, Dann ist dahin der kühne Heldenmuth. Körner. O Feige ! hört und achtet wohl , Wie Deutschlands Sänger singen will : „Die Knechte will er helfen niederschlagen , Den fremden Herrscher aus den Grenzen jagen , Auf seinem Liede kühn die freien Söhne tragen “ Zu der Vergeltung Rachekampf ! So singt er seinem Vaterland , Giebt Gut und Blut für’s theure Vaterland . Das Volk. Dem Sänger Heil , der mit dem Schwert Die Leyer tauscht. Die Zeit ist da ! das Volk ist aufgerufen Durch eines Königs hocherhebend Wort ; Der Mahnruf schallet von des Thrones Stufen Bis in die Hütten , in die niedern , fort : „Zerbrecht die Pflugschar , laßt den Meißel fallen , Die Leyer still , den Webstuhl ruhig steh’n, Verlasset Eure Höfe, Eure Hallen , Vor dessen Antlitz Eure Fahen wallen : Er will sein Volk in Waffenrüstung seh’n ! Frisch auf , mein Volk , die Flammenzeichen rauchen ! Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht , Du sollst den Stahl in Feindesherzen tauchen , Frisch auf , mein Volk, die Flammenzeichen rauchen ! Die Saat ist reif ; ihr Schnitter zaudert nicht , Das höchste Heil , das letzte , liegt im Schwerte ; Drück Dir den Speer in’s treue Herz hinein , Der Freiheit eine Gasse ! – Chor. Der Freiheit eine Gasse ! Körner. Wasch die Erde , Dein deutsches Land , mit Deinem Blute rein ! Chor. Wasch die Erde , Dein deutsches Land , mit Deinem Blute rein ! “

Lüzow. Greift nicht der Bürger endlich selbst zum Schwerte, Wird Deutschland immer Frankreichs Sclave sein. Dritter und anderer Bürger. Ja , er hat Recht ! Damit es besser werde, Muß Jeder sich dem Vaterlande weih’n. Lüzow, Körner und das ganze Volk. „In’s Feld, in’s Feld ! Die Rachegeister mahnen ; Auf , deutsches Volk! Zum Krieg , zum Krieg ! “ Lüzow. Noch herrscht der Fremde überall im Lande. Dies Königswort zeigt uns die rechte Bahn. Körner mit dem Volke. „In’s Feld, in’s Feld ! Hoch flattern unsre Fahnen ! Sie führen uns zum Sieg , zum Sieg ! “ Lüzow. Uns zu erretten aus der Knechtschaft Schande , Folg ich dem Ruf und geh‘ Euch gern voran , Und Alle, die des Landes Noth mag rühren , Will ich als Freischaar zu dem Heere führen. Wer hier es mit dem Volke redlich meint , Hat sich mit mir zu einem Bund geeint. Körner. So folg ich Euch ; laß ich auch hier zurück Der Kunst Triumpfe und der Liebe Glück. Viele aus dem Volke. Freiwillig folg auch ich den deutschen Fahnen , Die uns den Weg zu der Erlösung bahnen ! (Trommenwirbel.) Lüzow. Horch ! Es nahet die Patrouille ! Verberget Euch vor ihrem Blick. Alle. Nicht lange mehr wird Eure Herrschaft dauern , Es nahet bald der Tag , der alle Leiden rächt. Lüzow. So gehe jetzt ein Jeder zu den Seinen , Abschied zu nehmen und dann seit bereit , Daß wir im Stillen wieder uns vereinen , Um fort zu ziehen in den heil’gen Streit ; Der Losung denkt, der Freiheit , die wir meinen : , Deutschland muß siegen oder untergeh’n ! Alle (mit großer Begeisterung). Deutschland muß siegen oder untergeh’n!“ (Der Vorhang fällt.)

Modi salute

Es sind noch ein, zwei oder drei Bilder nachzureichen, zu dem Kapitel „Dear friend. How fascism works: the politics of us and them“

Zu erzählen gibt es dazu nichts mehr, über das hinaus, was in diesem Kapitel bereits erzählt wurde. Auch wenn die Bilder nichts Neues zu erzählen haben. Bloß vervollständigen sie, einfach wie kurz gesagt, das Bild

Als könnte er in der einen Sekunde in Wien der Musik lauschen, in der nächsten Sekunde mit seinem „lieben Freund“ durch die Türe schreiten, um dann gleich wieder, ein paar Sekunden später, in Wien auf dem Flugfeld von einem Mann mit aus Ehrfurcht schräger Körperhaltung begrüßt zu werden — und dies für eine „incarnation of god“ die üblichste und gewöhnlichste Reisegeschwindigkeit –, so jedenfalls nach einem auf diese Weise geschnittenen Bericht,

und dann auf zum „Business“ der Männer, das erinnert an einstige Schulklassen, in denen nur Buben saßen.

„Erbe Österreich“ – Ohne Hohenlohe Carl Theodor Körners unverborgene Plätze

Wenn Karl Hohenlohe nicht als Opernkammerlkommentator beschäftigt wird, dann führt er in „Wiens verborgene Palais“, im „Lothringer“ kann er dabei nicht auf ein oder zwei, drei Bier einkehren, aber erzählen, wer im „Lothringer“ verkehrte: Theodor Körner

Karl Hohenlohe weiß überhaupt recht viel zu erzählen, auch von der unverborgenen „Pracht am Ring“, etwa von dem müllnerischen Wehrmann, mit dem, so Hohenlohe, „man nicht nur etwas Gutes getan, auch so seine patriotische Gesinnung“ …

Bei so viel Ausgedrucktem kann es menschgemäß nicht bei sich behalten werden, auch einmal von Carl Theodor Körner zu erzählen, der allenthalben im „Lothringer“ auf ein, zwei oder drei Bier einkehrte …

Theodor Körner, „Hoftheaterdichter anspruchsloser Unterhaltungsstücke und Trauerspiele sowie patriotischer Sänger, mit seinem Tod auferstanden zur patriotischen Identifikationsfigur“ für seine Unterhaltungswiedergesangsschaft der Gegenwart

Unverborgen die Büste von Carl Theodor Körner in Döbling, seit bald einhundertzwanzig Jahren, an „der Front des Frauenklosters – Klosterkirche am Provinzhaus der Schwestern vom armen Kinde Jesu“ — solch ein begnadet patriotischer Sänger gehört allemal „zur heiligen Familie“ … Für die Gemeinde soher eine Selbstverständlichkeit, ein Drittel der Körnerbüstekosten zu übernehmen: „2000 K“.

Unverborgen der Park in Untermeidling, „benannt (22. Oktober 1938 Bürgermeister) nach dem Freiheitsdichter Theodor Körner.“

Im Park befindet sich neben einer Theodor Körner gewidmeten Eiche ein dazugehöriger Gedenkstein mit Inschrift und ein kleines Kriegerdenkmal, das Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedenkt, die Mitglieder eines nach Körner benannten Schulvereins bzw. des Fechtverbandes „Körnerbund“ waren.

Nur Eichen können singers of the patriotic recht sein, und auch Theodor Körner, dem oaks so manche Strophe bewaldete.

Schon bei der Grablegung wurde die Eiche als starker, erwachsener Baum gezeichnet. Von den „Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin“ wird berichtet: Die Eiche am Grab der Familie Körner ist noch die Originaleiche von 1813. Am 27. August 1813 wurde Theodor Körner unter dieser Eiche, nach seiner tödlichen Verwundung einen Tag vorher, unter großer Anteilnahme seiner Lützower Kameraden beigesetzt. Die Begräbnisstätte befand sich zu dieser Zeit auf freiem Feld, abseits der Straße. Auf diesem Feld standen zwei einsame Eichen. Unter der größeren – eine Doppeleiche – wurde der Dichter Theodor Körner begraben.

Seit 1965 wird hier auch dem Schicksal derer gedacht, die am Ende des 2. Weltkrieges in dem Konzentrationslager nahe Wöbbelin zu Tode kamen. Auf dem Gelände, wo Theodor Körner zu Grabe gebettet wurde, sind auch etwa hundertsechzig von den mehr als eintausend Toten des KZ-Auffanglagers bei Wöbbelin begraben

Bürgermeister der Gemeinde Wien zu dieser Zeit, als der Park nach Carl Theodor Körner benannt wurde, war Hermann Neubacher, und es lohnt stets, einen Blick in die Enzyklopädie der Patriotischen zu werfen, um beispielsweise zu erfahren, daß

1958 Hermann Neubacher als Obmann der patriotischen Parlamentspartei, die allenthalben für kurz Regierungspartei, im Gespräch gewesen sei, geworden ist es dann ein patriotischer Gesinnungskamerad mit anderem Namen,

zu erfahren, daß er nur, ach nur deshalb von der Diktatur des Kurt Schuschnigg in ein „österreichisches KZ deport“ worden sei, weil er 1933 in die NSDAP eingetreten sei, so, als ob es dazwischen keinen patriotischen Putsch mit Mord gegeben hätte,

zu erfahren, daß es für ihn ab 1956 in Österreich steil aufwärts ging — „Industrieberater tätig. Er wurde als Generaldirektor in die Wienerberger Ziegel-AG berufen. Seine Welterfahrenheit als Kaufmann und Diplomat kam bei der Gründung der Fluggesellschaft „Austrian Airlines“ (AUA) zustatten.“ –,

zu erfahren, daß er ein Buch schrieb: „Die Festung der Löwen“ … „Festung“, weiter und wieder verstärkt ein Gesinnungssehnsuchtsbau der Patriotischen der Gegenwart

Was von der patriotischen Enzyklopädie allerdings nicht zu erfahren ist, dafür von der freien Enzyklopädie, ist das Glück des Hermann Neubacher, bald schon kam er unter Schuschnigg wieder frei und auch nach 1945 mußte er nicht die ganzen zwanzig Jahre Haft in den Bau …

Als österreichische Nationalsozialisten mit dem Juliputsch vom 25. Juli 1934 den Versuch unternahmen, den austrofaschistischen Ständestaat zu beseitigen und dabei Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordeten, tauchte die Partei unter; in dieser Phase der Illegalität übernahm zeitweilig Neubacher die Parteiführung in Österreich, wurde aber im Juni 1935 zusammen mit seinem innerparteilichen Widersacher Josef Leopold verhaftet. Beide wurden aufgrund des Juliabkommens von 1936 amnestiert, Neubacher war fortan „für die reichsdeutschen IG-Farben als Balkanexperte (unter Einschluss Österreichs) tätig.“[1] Einen Tag nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 löste Neubacher Richard Schmitz als Bürgermeister Wiens ab; […] Vom 24. August 1943 bis Kriegsende war Neubacher Sonderbevollmächtigter des Auswärtigen Amtes für den Südosten und dem Militärbefehlshaber Südost in Serbien gleichgestellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er in Jugoslawien im Jahr 1951 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, jedoch bereits nach wenigen Monaten schwer krank entlassen. Von 1954 bis 1956 war er von der Regierung des Kaiserreichs Äthiopien als Berater und Verwaltungskommissar der Hauptstadt Addis Abeba eingesetzt. In dieser Zeit verfasste er ein Buch über Äthiopien, kehrte dann nach Österreich zurück und war vor allem als Bauunternehmer in Salzburg tätig.

Karl Hohenlohe im Kammerl der Staatsoper hat nicht eine Oper zu kommentieren, sondern zur Staatsoperette zu plaudern, aber mit seinem Wissen über Carl Theodor Körner empfiehlt er sich, wenn eines Tages, stellen Sie sich vor, wenn eines Tages die patriotische Volkskanzl in Österreich errichtet und ihr zum Stolze und zur Ehre ergeben „Theodor Körner“ gegeben wird, als Volkskunstbetrachter die Darbietung der „Grossen vaterländischen Oper in 5 Akten und einem Vorspiel: Des Königs Aufruf“ —

Oh, was für eine Zeit
gar,
welch‘ Zeit
des Vaterländischen
wird es dann wieder
einmal gewesen sein —
kurz
aber groß im Abräumen

„Lieber Freund. Wie Faschismus funktioniert.“

So war Modis Besuch in Moskau über weite Strecken mehr freundschaftlicher Akt als mahnender Appell. Die beiden Staatschefs zeigten sich vertraut, tauschten beim gemeinsamen Tee Nettigkeiten aus. Wie es bei „wahren Freunden“ üblich sei, hätten sie zusammengesessen und sich „über eine Reihe von Themen unterhalten“, sagte Modi nach seinem Besuch. Er sei „glücklich“, dass „wir beide unsere Ansichten bezüglich der Ukraine offen und detailliert darlegen konnten“. WIEN. Beim Besuch des indischen Premiers Narendra Modi am Mittwoch in Wien haben Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und sein Gast Indien und Österreich als „Brückenbauer“ auf dem Weg zu einer Beendigung von Russlands Ukraine-Krieg positioniert. Der seit zehn Jahren im Amt befindliche Hindu-Nationalist Modi war am Dienstagabend, aus Moskau kommend, auf dem Flughafen Wien-Schwechat gelandet. Gleich danach traf der 73-Jährige Nehammer bereits zu einem Abendessen samt Vier-Augen-Gespräch. Modi bezeichnete Putin am Dienstag als „lieben Freund“.

Brücken zu bauen, des Zurzeitigen in Österreich vornehmste Aufgabe, und wahrlich, er baut und baut Brücken, nun zum „lieben Freund“, wie Narendra Modi am Dienstag, 9. Juli 2024, nicht ihn nennt, sondern den Mann, von dem er gerade gekommen …

Und wer schon können „wahre Freunde“ sein, als eben die zwei Männer, der eine aus Rußland, der andere aus Indien, die gesinnungsgemäß verbunden, als wären sie Brüder, in deren Adern das Blut desselben Geistes fließt.

„Wie Faschismus funktioniert“, ein in diesen Tagen erst erschienenes Buch von Jason Stanley, das wie zum Geschenk auf die Brücke gelegt, die der Zurzeitige eben dem „lieben Freund“ in Wien baut, über die die „wahren Freunde“, der eine aus Moskau unsichtbar mit dabei, schreiten, und in diesem Buch ist zu lesen, über den „Brückenbauer Indien“, nein, nicht über „Indien“, „Indien“ als „Brückenbauer“ nennt nur der Zurzeitige, in „Wie Faschismus funktioniert“ ist über den „Brückenbauer“, der dem Zurzeitigen „Indien“ ist, „Narendra Modi“ zu erfahren, in „Wie Faschismus funktioniert“ ist also etwas über den „Brückenbauer“ Narendra Modi zu erfahren:

Die von Rosenberg, Himmler und anderen Nazi-Anführern entwickelten Taktiken haben seither die faschistische Politik in weiteren Ländern inspiriert. Den Anhängern der indischen Hindutva-Bewegung zufolge bestand die Urbevölkerung Indiens aus Hindus, die bis zur Ankunft der Muslime und später der Christen – die dekadente Werte einführten – nach patriarchalen Bräuchen und streng puritanischen Sexualpraktiken lebten. Damit haben sie eine mythische Vergangenheit fabriziert, in der das Land noch eine reine Hindu-Nation war, um das, was von Wissenschaftlern als die tatsächliche Geschichte Indiens angesehen wird, auf dramatisierte Weise aufzupolieren. Die heute dominierende nationalistische Partei, die BJP, bekennt sich offen zur Hindutva-Ideologie. Mit einer emotionalen Rhetorik, die eine Rückkehr zu dieser fiktiven, patriarchalen, streng konservativen, ethnisch und religiös reinen Vergangenheit fordert, hat sie die Macht im Land gewonnen. Die BJP ist aus dem politischen Arm der Rashtiya Swayamsevak Sangh („Nationale Freiwilligenorganisation“, RSS) hervorgegangen, einer rechtsextremen, hindu-nationalistischen Partei, die sich für die Unterdrückung von Minderheiten anderen Glaubens einsetzte. Nathuram Godse, der Mann, der den Mordanschlag auf Gandhi verübt hatte, war Mitglied der RSS – wie auch der derzeitige indische Premierminister Narendra Modi. Die Partei stand eindeutig unter dem Einfluß faschistischer Bewegungen aus Europa; in den späten 1930er- und 1940-Jahren lobten seine führenden Politiker regelmäßig Hitler und Mussolini.

Dem RSS-Mann Modi ist es wie seinen vorangegangenen RSS-Mannen das Gesinnungsglück zum Unglück von allen beschieden, auch in der Gegenwart einen Mann zum Loben zu finden, und es gibt kein größeres Lob, als solch einen Mann einen „lieben Freund“ zu nennen, und das vor jenen, die, wie jetzt in Wien auch, einem diesem RSS-Mann den roten Teppich ausrollen, der ihm, wenn auch die kleinste, doch Brücke ist, auf der er den Gang zum Verkauf seiner blutigen Gesinnung fortsetzen kann; Mannen und Frauen von dieser Gesinnung, die ganze Länder unter ihre blutroten Teppichen kehren, ist die kleinste, ist die schmalste Brücke recht und willkommen, um ihre Propaganda auszurollen …

Stets dabei, die Wirtschaft, auf dem roten Teppich zu ihrer Tagesordnung, damals wie heute, immer getreu für sich und für —

Talibans Normalität am Beispiele Polio

Es ging los mit Polio. […] Was man bis heute nicht realisiert hat, ist, daß diese ganze Polio-Geschichte wahrscheinlich eine Riesenlüge ist. Und das Poliovirus ist eins der Virus, das […] und zwar Vergiftung, Pflanzen [Hinweis einer Zwischenruferin] Okay, alles okay, DDT, diese Insektenmittel, die waren wahrscheinlich mitverantwortlich für die […] und der Impfstoff ist nie wirklich geprüft worden, es gibt kein Beleg für die Wirksamkeit der Polioimpfung, gar nicht. So.

Und so weiter und so fort: die Lichtgestalt des Gebirgsjägers, am 12. April ’24.

Zu erwähnen ist das bloß und einzig, weil in diesen Tagen wieder berichtet wird, daß in Afghanistan die nächste Impfkampagne gegen Polio gestartet wurde, es sollen rund acht Millionen Kinder gegen die Kinderlähmung geimpft werden; verantwortlich dafür jene Talibans, die noch vor August 2021 in den von ihnen kontrollierten Gebieten Impfungen verboten hatten, extremistische Verschwörungstheorien gegen Impfungen verbreitet wurden.

Während also in Afghanistan Talibans wenigstens in bezug auf die Polioimpfung sich durchgerungen haben zu einer „Normalität“, wird in dieser Gebirgsjägerveranstaltung am 12. April ’24 die „Rückkehr zur Normalität“ heiß beschworen, die, was die Polioimpfung betrifft, nicht einmal mehr und jetzt schon seit längerer Zeit nicht einmal mehr für islamistische Talibans eine normale

Mehr muß wohl nicht zu den Talibans Normalitäten noch ausgeführt werden. Vielleicht soll noch erzählt werden, daß bei dieser Aufführung die Lichtgestalt eine Vorgruppe hatte: eine Einmanngebirgskapelle zur gesinnungsgemäßen Einstimmung, zum Einpeitschen, zum geistigen Vorglühen —

Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle verneigen, voller Respekt und voller Dankbarkeit und voller Anerkennung, vor diesem Mutigen und vor diesem Unbeugsamen. Egal wo Sie in diesem Kampf für die Freiheit und für die Gerechtigkeit und für die Gesundheit mitgewirkt haben und bis heute mitwirken und niemals müde werden. […] Sie haben es sich verdient, Herr Professor Bhakdi, eine Lichtgestalt, in meiner Religion sagt man, ein Engel, ja, ein Engel für Milliarden Menschen auf dieser Welt. Und es gibt in unserer Sprache einen wunderschönen Ausdruck und dieser wunderschöne Ausdruck ist: Jemand ist eine Seele von einem Menschen. Und genauso eine Seele von einem Menschen, das ist unser heutiger Hauptredner, Herr Professor Dr. Sucharit Bhakdi, herzlich willkommen in unserer Mitte! […] Die Rolle der Profiteure, die Rolle der Treiber […] Eine starke Botschaft, eine starke Botschaft, und ich sage das bewußt so, an die dunklen und an die finsteren Kräfte und Mächte in diesem Land und darüber hinaus, die jetzt alles unternehmen, um ihre Spuren zu verwischen und so zu tun, als ob sie niemals dabei gewesen wären, und gleichzeitig schon in Vorbereitung des nächsten Großangriffes auf die Würde der Menschen