Dollfuß abgehängt, Kunschak entpreist

Kunschak entpreist

Hans Rauscher schreibt darüber, am 20. Juli 2017. Er ist begeistert von dieser „richtigen, längst fälligen Maßnahme“, Dollfuß abzuhängen, Kunschak zu entpreisen. Und „richtige Maßnahmen“ stimmen milde, lassen harte Worte nicht zu. Ein abgehängter Mann, wird der gütige Hans Rauscher sich wohl gedacht haben, muß nicht noch streng benannt werden. Abgehängt zu werden, ist bereits Strafe genug. Ein Diktator muß deshalb nicht mehr Diktator genannt werden, es reicht: „Antidemokrat“. Und es ist ja klar, also für Hans Rauscher, eine Antidemokratin kann ohnehin nur ein Diktatorin sein. Ein Austrofaschist muß deshalb nicht mehr Austrofaschist genannt werden, es reicht: „konservativer Politiker“. Und es ist ja klar, also für Hans Rauscher, eine konservative Politikerin kann ohnehin nur eine Austrofaschistin sein.

Für eine „richtige, längt fällige Maßnahme“ muß auch wer so richtig demokratisch verantwortlich sein, eine solche muß wer so richtig demokratisch „verordnen“, und er, Rauscher, weiß auch gleich, wer das nur sein kann. Hans Rauscher ist ein moderner, aufgeklärter Mann, und das verbietet ihm mit der gleichen Begeisterung, wie er diese „richtige, längst fällige Maßnahme“ begrüßt, den Mann zu feiern, der für diese Maßnahme nur verantwortlich, diese nur „verordnet“ haben kann. Rauschers Begeisterung fällt daher verhalten aus. Und verhaltener kann eine Begeisterung nicht ausfallen, als dadurch, diese

„Kann es sein, dass die Entfernung zu der Umkrempelung gehört, die Sebastian Kurz der Partei verordnet?“

in eine Frage zu kleiden. Noch. Welche „Umkrempelungen“ der konservative Politiker noch „der Partei veordnet“, kann in ebendiesen Tagen auch erfahren werden, aus dem Ausland in das Inland getragen, eine aber, so viel kann mit Gewißheit gesagt werden, ist nicht dabei, die Umkrempelung der Partei zu einer auch italienischsprechenden.

Dollfuß abgehängt, Kunschak entpreist. Wenn das kein Grund ist, ins Schwärmen zu geraten, über „die ÖVP“, die „im Unterschied zur FPÖ lernt“. Ist dieser Unterschied nicht auch gerade in diesen Tagen wieder so eindrücklich feststellbar, wie lernunwillig die FPÖ im Hübner sitzt, während die ÖVP lernt und lernt, vor allem die Jungen in der ÖVP sind so lernbegierig, wie es in keiner anderen Partei die Jungen sind. Ganz gleich, wo die Jungen in der ÖVP sich aufhalten, im Juridicum oder anderswo, sie lernen und lernen. So ganz anders als die Jungen in der FPÖ. Weil die Jungen in der FPÖ lernen nicht, die Jungen in der FPÖ nehmen nur die Fackel auf und tragen diese weiter. Denn das Lernen scheint den Jungen in der FPÖ „geistige Onanie“ zu sein. Aber sie sind damit zugleich doch brave Christenkinder, denn der Katechismus lehrt weiter, Onanie ist nichts Erstrebenswertes.

Hans Rauscher hätte seine verhaltene Begeisterung für Kurzens „verordnete Umkrempelungen“ vielleicht jetzt schon gänzlich aufgegeben und wäre vollends der Begeisterung verfallen, hätte er nicht nur darüber berichten können, daß „Dollfuß abgehängt“ wurde, sondern auch Kunschak entpreist wurde.

Über den entpreisten Kunschak allerdings konnte Hans Rauscher nichts schreiben. Kunschak wurde nicht entpreist. Bloß ein Bild wurde abgehängt. Das von Dollfuß. Hans Rauscher ist nicht nur ein moderner und aufgeklärter Mann, er ist auch ein genügsamer Mann. Wohl wert, seiner noch in Jahrhunderten zu gedenken. Kunschak wurde nicht entpreist. Ein Bild gibt nichts her, mit einem Bild können keine Aktivitäten gesetzt werden, ein Bild macht aus keinem Menschen einen „Präsidenten“. Mit einem Bild können keine Menschen für sich eingenommen werden. Hingegen mit einem Preis. Ja, mit einem Leopold-Kunschak-Preis kann rege gehandelt werden. Die Funktionsperiode von Werner Fasslabend ist, wie in der Collage gelesen werden kann, seit weit über einem Jahr als Vereinsvorsitzender abgelaufen, aber der Öffentlichkeit ist er dennoch als „Präsident“ präsent und schickt Presseaussendungen aus, wie beispielsweise im Juni 2017 zum Ableben von Alois Mock, der so viel für das Leopold-Kunschak-Andenken … da kann der Präsident des Kuratoriums des Leopold-Kunschak-Preises – für die Behörde schlicht ein Verein mit abgelaufenen Funktionsperioden – nicht schweigen, muß der Vereinspräsident einfach seine Anteilnahme der Familie von Alois Mock aussprechen und in Dankbarkeit an Leopold Kunschak erinnern, und beispielsweise El Gawhary wird jetzt nicht nur Leopold Kunschak dankbar sein, einen nach ihm benannten Preis bekommen zu haben, sondern auch Alois Mock, der so viel für das Renommee des Leopold-Kunschak-Preises getan hat, dem nun auch El Gawhary ewig dankbar sein wird, nicht nur irgendeinen Preis, sondern einen renommierten Preis bekommen zu haben.

Ein Bild wurde abgehängt. Aber es wird nicht verschwinden, irgendwo in einem tiefen Keller, oder auf einem Flohmarkt, bei der Gerümpelabteilung beispielsweise auf dem Flohmarkt am Naschmarkt. Es soll, ist zu lesen, wieder aufgehängt werden, irgendwo im tiefen Niederösterreichischen, auf dem Lande also, das für sich damit ehrlich werden könnte, insgesamt ein Museum der …

Ein Bild wurde abgehängt, und das läßt Hans Rauscher ins Schwärmen geraten. Für Trost aber für jene, die das Bild vermissen werden, ist reichlich gesorgt. Und außerdem, wer ein braves Christenkind ist, der betet ohnehin nicht vor einem Bild, sondern in der Kirche, zum Beispiel in der vom Parlament unweiten Michaelerkirche, wo er auch vor einem steinernen Dollfuß sein und ihr Knie tiefbeugen kann …

Dollfuß kurz abgehängtVielleicht wurde im Halbdunkel der Michaelerkirche schon einmal Sebastian Kurz gesehen, wie er gespendete Kerzen anzündete. Und wenn ja, woran mag er, für den Hans Rauscher noch verhaltene, aber schon Begeisterung aufbringen kann, beim Anzünden der Kerzen gedacht haben? Vielleicht gedachte er Leopold Kunschak, von dem so viel gelernt werden kann, auch heute noch, beispielweise wer in das Land darf und wer nicht in das brave Land der Christenkinder darf.

Oh, das ist bei weitem noch nicht alles, was von Leopold Kunschak für das Heute gelernt werden kann. Ist er nicht geradezu ein Heiliger der Sozialpolitik, daß die Solidarität wieder reiche bis zu Kraut und Kartoffeln ohne Fleisch …

Hans Rauscher hätte in seiner Begeisterung für Sebastian Kurz gar nicht so verhalten sein müssen.

Sebastian Kurz ist wohl ein Mann, der einst auf Bildern verewigt sein wird. Vielleicht sogar, spricht er doch viel vom Christlichen, ebenfalls als „Religionsstifter, angeschmiegt an …Vielleicht malt der Parteimaler bereits an solch einem Bild, gerade in diesen Tagen im Sommer 2017, in denen schon der Anführer der Partei seiner Gesinnung von „Italien“ verlangt, sich bei Sebastian Kurz zu entschuldigen …

PS Sollte Ihnen der Kirchenfürst neben den „Religionsstiftern“ in der obigen Collage nichts sagen, und sollte es Sie dennoch interessieren, in diesen Kapiteln erfahren Sie auch einiges über ihn.

 

4 Gedanken zu „Dollfuß abgehängt, Kunschak entpreist

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