Ein tapffeiger kleiner Gebirgsjäger, Parteigänger verlorener Sachen in letzter kärglicher Festung, führt als Kommandant den Kampf gegen den Kommunismus an – in Österreich

„Rechts wird man nicht, wenn man Rechten, sondern wenn man Linken zuhört.“

Das wird das Original sein, das Herbert Kickl zitierte. Seine Quelle nannte er nicht. Vielleicht hat er es auf der Plattform des Konzerns Twitter gelesen, auf der dieser Randspruch auch verbreitet wird, zugeschrieben Nicolás Gómez Dávila.

Weder Twitter noch Dávila aber nannte er, Herbert Kickl sagte bloß ohne Quellenangabe, aber dafür auswalzend

Stimmt schon, stimmt schon, was ein sehr gescheiter Mensch einmal gsogt hot, der sogt, ein Rechter wird man meistens nicht dadurch, daß man einem Rechten zuhört, nein, ein Rechter wird man ganz oft dadurch, daß man einem Linken zuhört oder zuschaut bei dem, wos sie so treiben. Und do is schon wo dran, oder?

Es darf vermutet werden, weshalb er seine Quelle nicht nannte. Twitter allein kann er nicht nennen. Twitter ist kein „sehr gescheiter Mensch“. Als „sehr gescheiter Mensch“, und das muß er sein, denn nur sehr gescheite Menschen zitieren sehr gescheite Menschen, hätte er anders formuliert seine Einleitung zu Rechter wird man nicht

Daß er seine Quelle nicht nannte, kann nur vermutet werden. Gar viel redet er am 14. Jänner ’23 in Wiener Neustadt von Tapferkeit, Mut, Kampf und dabei doch zu feige, einfach wie kurz und also mit oder ohne twitterische Quellenangabe den Namen Nicolás Gómez Dávila oder noch einfacher und kürzer Dávila als seine Quelle zu nennen. Zu feige, weil die Furcht zu groß, es könnte wieder einmal offenbar werden, aus welchen Quellen er seine Gesinnung auch speist,

in welchen Kreisen Dávila Gott ist? Seine Kirchen Namen tragen wie Antaios

Junge Freiheit, Sezession, in denen, wie eine Tageszeitung in Deutschland bereits 2009 berichtete, etwa

Seit knapp einem Jahr lehrt Dr. Till Kinzel an der Technischen Universität Braunschweig. Nun haben Studenten, die journalistische Beiträge Kinzels in der „neu-rechten“ Jungen Freiheit und der Sezession entdeckt haben, bei der Universität nachgefragt. „Leider kann ich nur sagen, dass wir Herrn Kinzel wegen den Vorwürfen um eine Stellungnahme gebeten haben“, sagte eine Pressesprecherin der Universität der taz. Kinzel hält auch Vorträge beim Institut für Staatspolitik. Antimodernismus gehört dort zum Gestus: Es wird die „ausnahmslose Gleichheit“ kritisiert, sich jedoch im Vagen gehalten, wenn Demokratie und Emanzipation angegriffen werden. Der emeritierte Professor Wolfgang Gessenharter bezeichnet diese Szene als „Scharnier“ zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus. Mit seinem Buch „Nicolás, Gómez Dávila – Parteigänger verlorener Sache“ machte Kinzel sich in der „neu-rechten“ Szene 2003 einen Namen. Das Werk über den sich selbst als „Reaktionär“ bezeichnenden kolumbianischen Philosophen erschien bei der „Edition Antaios“ der „neuen Rechten“. Mit großen Worten schwelgt Kinzel über Dávilas „literarische Stahlgewitter im Kampf gegen die Moderne“, in der Paraphrase wird gegen die der „Massengesellschaft“ innewohnenden „ästhetisch und ethisch nivellierenden Tendenzen“ gewettert und beklagt, dass das „aristokratische Prinzip der Rangunterschiede“ nicht mehr anerkannt wird. In Rezensionen für die Sezession diffamiert Kinzel den Islam als den „gefährlichsten Terrorismus“ und klagt über die „Kollektivschuldideologeme“. Multikulturalistische Theorien und das „feministische Establishment“ findet er in „Freiheit der Wissenschaft“ nicht minder gefährlich. Eine Professur Kinzels, so befürchten Studenten, könnte wissenschaftliche Mitarbeiterstellen für „neu-rechten“ akademischen Nachwuchs mit sich ziehen.

Es darf gesagt werden, daß er wohl zu feige, Twitter oder Dávila zu nennen, denn seine anderen Quellen nannte er beim Namen – George Orwell, Hugo Portisch, Schiller

auch Schiller, der in seinem Gesinnungskreis eine besondere Stellung —

Wen er nicht brachte, seinen Hölderlin

Dabei hätte er in Wiener Neustadt viele Gelegenheiten gehabt, etwas von seinem Hölderlin zu zitieren, etwa, als er über Corona … oder als er dem anwesenden Volksanwalt für seinen Kampf im letzten Herbst dankte, der sich dafür wieder aufstehend bei ihm artig bedankte; der Volksanwalt, der mit Wiener Neustadt wohl selbst recht beschauliche Erinnerungen verbinden wird, als er draußen am Platze im Fahnenmeer mit ident…

Aber Herbert Kickl hätte sich nicht fürchten müssen, Dávila zu nennen, Vorhaltungen hätte er beispielsweise mit Botho Strauß oder mit Martin Mosebach entgegentreten können, mit einem Verlag wie Eichborn

Nicolás Gómez Dávila ist in Deutschland viel früher bekannt geworden als in seiner Heimat. […] Der kleine Wiener Karolinger Verlag wagte daraufhin die Veröffentlichung einer größeren Auswahl unter dem Titel Einsamkeiten […] Der Karolinger Verlag paßte glänzend zu Gómez Dávilas Stil der Verborgenheit; seine Geschäftsführer Peter Weiß und Jean-Jacques Langendorf, die von Günter Maschke beraten werden, veröffentlichen nur, was ihnen selber interessant erscheint […] Von Wien aus gelangte Gómez Dávila nach Frankreich und Italien […]

Das schreibt Martin Mosebach in seiner Einleitung „Schöner Zweifel, schönere Wahrheit“, und unmittelbar davor:

Niedermayer veröffentlichte die Übersetzung einer kleinen Auswahl von Escolios in der von Casper von Schrenck-Notzing herausgegebenen Zeitschrift Criticón.

Ein Mann aus Deutschland, der einen sehr gescheiten Menschen in seiner Zeitschrift veröffentlicht, hat selbst auch viel zu schreiben, etwa zur Bildung der „Umerziehung“, und er verdient es, in Österreich aufgenommen zu werden, Heimat zu finden in einem Verlag

Und auch ein Till Kinzel ist in Österreich ein Mann zum Verlegen. Vom Karolinger-Verlag … vielleicht wollte Herbert Kickl nicht auf einen Mann aufmerksam machen, über den Till Kinzel ein Buch schrieb, nicht weil Till Kinzel das Buch schrieb, nicht weil es ein Buch über Gómez Dávila ist, das 2023 in fünfter Auflage erscheinen wird, wie auf der Website Thalia zu lesen ist, sondern weil „Parteigänger verlorener Sachen“ im Titel …

Auf der Website des Verlages Karolinger ist ein Randspruch von Gómez Dávila zu lesen, den Herbert Kickl wohl nie und nimmer zitieren würde, in seiner Festung:

“Die vollständige Ablehnung der demokratischen Doktrin ist die letzte kärgliche Festung der menschlichen Freiheit.”

Parteigänger verlorener Sachen in letzter kärglicher Festung, das macht sich, das weiß der sehr gescheite Mensch Herbert Kickl, in keiner Bewerbung gut, mit solch einer Bewerbung wird Arbeitslosigkeit nicht überwunden.

Aber ein Friedrich kommt doch vor, zwar von Herbert Kickl ungenannt, daß er, Kickl, werden möchte, was Friedrich war, was so manche in Nachfolge von Friedrich auch schon waren

Und ein freiheitlicher Bundeskanzler, das kann ich Euch guten Gewissens versprechen, das wird der erste Diener dieses Volkes sein, der erste Diener. Ich glaub, da haben ein paar eine Vermutung, wie der erste Diener des Volkes heißen könnte mit Vornamen.

Er spricht viel vom „Volk“ in Wiener Neustadt,

Dieser Großauftrag, den wir hier zu erledigen haben, wenn wir das alles umsetzen wollen, was ich jetzt in den Überschriften kurz aufgerissen hob, dann heißt das, daß dafür die Freiheit mehr und nicht immer weniger werden muß. […] Konzept, da ist der Volk, äh, da ist das Volk der Chef und niemand anderer. Das Volk ist der Chef. Und ein freiheitlicher Bundeskanzler, das kann ich Euch […]

und auch der oben zitierte „sehr gescheite Mensch“ schreibt viel zum „Volk“, nicht auf Twitter, zu lesen beispielsweise in Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten, herausgegeben vom Verlag Eichborn …

Das Volk ist weniger pervers als stumpf.

„Volk“ ist die Summe der Mängel des Volkes. Alles andere sind schönfärberische Wahlreden.

Der kleine Gebirgsjäger in seiner Festung, die zu kommandieren ihm in einem Traumplakat erschien, redet auch davon, was alles mit ihm und seiner Kameradschaftspartei „einziehen“ werde, die „Freiheit“ und dies noch und das noch und auch dies noch und das auch noch und … ein in einer Festung Festsitzender möchte also als „Befreier“ sein, und dann einziehen mit … dafür muß er aber zuerst einmal ausziehen, damit er, aber wo, einziehen kann mit Freiheit und und und … in seine Festung?

Das Heil eines „Befreiers“ wird der kleine Gebirgsjäger nicht bringen, dennoch hier soll ein Satz, ein letzter einfacher wie kurzer Satz noch von Gómez Dávila hier festgehalten werden:

Jeder „Befreier“ präsentiert am Ende die Rechnung.

Das Heil kann er nicht versprechen, dafür aber kann er versprechen, daß er es wieder tun werde, seine Jacke anziehen, wenn er in Niederösterreich, in Salzburg, in Kärnten wahlkämpferisch unterwegs sein wird, und in Kärnten besonders in einer Pizzeria in Millstatt, weil es eine Jacke einer kärntnerischen Firma und weil seine Frau ihm sagte, sie, die Jacke, stehe ihm gut, auch wenn es, wie er sagt, keine Uniform —

Wenn man sein Hirn benutzt, den Hausverstand benutzt und ein Herz hot man donn, ein Herz am rechten Fleck und ein Gespür für Zusammenhänge und für Ursächlichkeiten und für Wechselwirkungen, aber alles das, das sind aussterbende Kategorien bei den politisch Handelnden, dafür kommt etwas anderes gerade wieder in einer schrecklichen Ort und Weise zur Welt. Und das ist das Monster des Kommunismus. Und ich sage das ganz bewußt, der Kommunismus erlebt gegenwärtig seine Wiedergeburt, als gutmenschlicher Meinungskommunismus, als Gesundheitskommunismus, als Asylkommunismus und als Ökokommunismus, und das ist die Spaltung der Gesellschaft, dort die selbsternannte Elite als Bonzen dieses neuen Kommunismus und dort das Volk dort unten, das zu kuschen hat und des alles ausbaden soll. Und da weiß ich, wo ich als Freiheitlicher hingehöre, auf welche Seite. Und deshalb ist es so wichtig, daß wir Freiheitliche hier einen umgekehrten Ansatz haben, genau den gegenteiligen […]

Das ist seine Glosse zu einem Text von einem „sehr gescheiten Menschen“ aus dem südlichen Bollwerk, der nicht auf Twitter, sondern vor ihm sitzt, wohl recht zufrieden, daß seine Ausführungen zum Kommunismus von seinem Festungskommandanten anerkannt und fortgeschrieben wird.

Gar recht viele Glossen hat „ein sehr gescheiter Mensch“ mit Namen Gómez Dávila zu einem inexistenten Text geschrieben,

über Kommunismus,

über Marxismus

Doch keine dieser Scholien, keine einzige dieser Randbemerkungen war von Herbert Kickl in Wiener Neustadt zu hören;

Ihr müßt’s entschuldigen, das wor jetzt ein kleiner Exkurs, aber eigentlich wors kein Exkurs, weil wir sind jo mit dem, wos

vielleicht wollte er sich nur nicht noch einmal bei seinen Zuhörenden entschuldigen, seine Hörigschaft in Wiener Neustadt nicht noch einer Abschweifung aussetzen, nach seinem eigentlich keinem Exkurs Rechter wird man nicht …