Coronatest

Das wird von Corona I bleiben.

Fortan wird der Elchtest, zuvor als Kindertest bezeichnet, Coronatest heißen.

PS Wer die ersten so zu benennenden Elchtests aus den Zeiten von Corona I bestanden haben wird, nicht bestanden haben wird, das wird noch eine Zeit in Anspruch nehmen, bis deren alle Testergebnisse endgültig auf dem Tisch …

Bei einigen Testantinnen, so viel kann bereits kurz gesagt werden, sieht es ganz danach aus, daß sie den Coronatest nicht bestehen …

Besonders einem Testanten, dazu bedarf es aber in keiner Weise der Kunst der Vorhersage, wird sein Coronatest kein positiver … mehr bereits darüber zu sagen, wäre jedoch, ohne die endgültige Auswertung abzuwarten, eine Kultur der Unkultur …

Jetzt noch d‘ Kerzn, dann sans Waach!

Von den ersten zwei Reden in Zeiten von Corona I wurde schon erzählt.

Das sind die Reden vom „Wiederaufbau“ …

Die dritte Rede soll in Erinnerung an den Dreiteiler „Mutig in die neuen Zeiten“ nun dem dritten Kapitel über die Reden in Zeiten von Corona I Inhalt sein. Drei Kapitel, deren Haupttitel „Mutig in die neuen Zeiten“ …

Das Kapitel über die zweite Rede hätte bereits genannt werden können: „Im Reich der Reblaus“ …

Über die dritte Rede, ein paar Tage später ebenfalls gehalten vom Büronachbarn am Ballhausplatz, am 8. Mai ’20, könnte in einem Kapitel unter der Überschrift „Alexander Van der Bellen kehrt heim“ oder „Und jetzt, Van der Bellen – jetzt noch d‘ Kerzen, dann sans Waach!“

Alexander Van der Bellen kehrt heim – in die christschwarze Partei, deren Wähler er einst war, und er findet sich in einer Zeit wieder, als es wohl tatsächlich notwendig war, zu appellieren, „an dieses Österreich zu glauben“ …

„Gerade in Zeiten so großer Herausforderungen ist es wichtig, an unser Österreich zu glauben.“

Denn. Es reicht ein Blick in die Ergebnisse der Umfragen durch die Jahrzehnte über die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer höhere Akzeptanz Österreichs als Nation, über das absolute Bekenntnis der Zugehörigkeit, die über die absolute Anerkennung Österreichs als „Heimatland“, um sagen zu können, ein derartiger Appell ist so notwendig wie ein K…

Die „großen Herausforderungen“, nun, kaum größer als die Herausforderungen etwa nach der Finanzkrise mit seinem BIP-Rückgang von 3,8 Prozent in 2009, und nun, für 2020 die Prognose von einem BIP-Rückgang von 5,5 Prozent – eine Steigerung der „großen Herausforderungen“ um 1,7 Prozent … Und dennoch im Zentrum, so auch gestern wieder in der gleichnamigen Fernsehsendung, das schaurigwohlige Bild von der „größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren“ … Was würde ein tatsächlicher Vergleich der 1930er Jahre mit den Zeiten von Corona I über die „großen Herausforderungen“ von 2020 aussagen? Würden für diesen Vergleich tatsächlich die konkreten Zahlen aus den 1930er Jahren in Österreich herangezogen werden: Die Arbeitslosigkeitsraten unter Berücksichtigung der „Ausgesteuerten“, die enormen Einbrüche bei den Exporten, der massive Niedergang der Industrieproduktion und so weiter und so weiter und so fort … Und das alles zusätzlich noch in äußert prekären politischen, gesellschaftspolitischen und weltanschaulichen Verhältnissen, die …

An welches „Österreich zu glauben“ also appelliert Alexander Van der Bellen? An dieses, das nun gar modern als „Team Österreich herausfordernd die Situation“ für sich …

„Waach“ gemacht müssen sie werden, für den Kraftakt der nun besonders geforderten „Solidarität“ – deren Lied auch Alexander Van der Bellen so herzerwärmend anstimmt …

„So sind wir.“ Und. „So sind wir nicht.“ Alexander Van der Bellen weiß einzuteilen.

Und. Wie es wirklich war, in den Zeiten von Corona I, wird in Jahren in Büchern zu lesen, vielleicht sogar in einer diesmal mit „So war es wirklich“ betitelten Fortsetzung … Bei dieser Rede von Alexander Van der Bellen und schon bei der Rede von seinem Büronachbarn fiel unweigerlich dieses Buch „Und keiner sang die ‚Reblaus‘. Die Wahrheit über Leopold Figl, Andreas Hofer und andere österreichische Mythen“ von Konrad Kramar und Georg Mayrhofer ein.

Alexander Van der Bellen mit seinem figlschen Appell und sein Büronachbar, für den Figl ein Vordenker …

„Die Geschichte von der Reblaus und dem österreichischen Staatsvertrag glaubt jeder über die berühmte Karikatur von E. H. Köhler mit der Bildunterschrift ‚Und jetzt, Raab – jetzt noch d‘ Reblaus, dann sans waach!‘ zu kennen. Diese Szene kann aber so gar nicht stattgefunden haben, ‚einfach aus dem Grund, dass an dem Abend, als die österreichische Delegation in Moskau den Staatsvertrag verhandelt hat, der arme alte und damals schon gesundheitlich schwer angeschlagene Außenminister Figl um 8 Uhr ins Bett gegangen ist, weil er wie üblich seine ziemlich hohe Dosis Alkohol bereits intus hatte und schlicht und einfach nicht mehr stehen konnte‘, erzählt Kramar und legt auch gleich die Quellen seines Wissens offen: ‚Sie finden das nicht nur in den Aufzeichnungen seines Widersachers, des SPÖ-Vizekanzlers Schärf, sie finden es in vielen Biografien über Figl – versteckt, ein bisschen unterspielt, aber es ist da. Figl ist am nächsten Tag in der Früh aufgestanden und hat gefragt: War irgendwas letzte Nacht?, und hat vom Schärf brühwarm serviert bekommen, ja, es war was, wir haben den Staatsvertrag ausverhandelt.‘

Im verklärten Blick auf die Vergangenheit wird alles besser, größer und heldenhafter. Um nationale Identität zu stiften, wird nur selten auf die trockenen Fakten der Geschichtsbücher verwiesen, viel öfter wird die Realität in anekdotischer Form serviert.“

Es wird schon fleißig gekocht, daß nach den servierten Gängen Unabhängigkeitserklärung, Staatsvertrag gleich der nächste Gang serviert werden kann: Corona I …

Dabei. Wie leicht es stets war und wie leicht es stets ist, den Strom abzudrehen, die Herdplatten kalt zu lassen, das Kochen von Mythensuppen einzustellen, davon erzählt auch das Buch von Konrad Kramar und Georg Mayrhofer …

„Um voreiliger Verehrung, etwa als ‚Aufdecker der Nation‘, entgegenzuwirken, geben sich Konrad Kramar und Georg Mayrhofer betont bescheiden. Den im Buch angeführten Wahrheiten haben sie keineswegs mühselig nachspüren müssen, sämtliche Quellen wären jederzeit und jedermann zugänglich, in den meisten Fällen sogar in erfolgreich publizierten Büchern nachzulesen. ‚Es will offensichtlich nur nicht wahrgenommen werden‘, so ihr Schlusswort.“

Es will offensichtlich nur nicht wahrgenommen werden …

Reden in Zeiten von Corona I

Zwei Reden aus dem Mai ’20 sind es, die es gilt aufzubewahren.

Das ist die erste Rede aus dem Mai.

Es sind Reden, die es den kommenden Generationen leichter machen werden, die Zeiten von Corona I zu beurteilen. Alexander Van der Bellen spricht diese selbst an …

„Ich glaube daran, dass die Generationen nach uns, dies als jene Zeit sehen werden, die unsere guten Eigenschaften zum Vorschein gebracht hat.“

Gerade in einer Gasse unweit seiner Wohnung können in dieser Zeit von Corona I „unsere guten Eigenschaften“ nicht nur erahnt, erfühlt werden, sondern auf mit unmißverständlichen Worten überklebten Plakaten gelesen werden

In dieser Gasse, unweit von seiner Wohnung, hängt in dieser Zeit von Corona I auch ein Plakat von seinem Büronachbarn am Ballhausplatz …

„Mutig in die neuen Zeiten!“

Vertieft in schwere Gedanken, die Augen voller Sorgen um Österreich, werden dem Bundespräsidenten die unmißverständlichen Worte „unserer guten Eigenschaften“ und dieser „arbeitsfrohe“ und „hoffnungsreiche“ Plakatruf „Mutig in die neuen Zeiten!“ in der Gasse unweit seiner Wohnung nicht aufgefallen sein, vielleicht bei einem gemeinsamen Spaziergang durch diese Gasse seinem Hund, der vielleicht gerade an diesen Liftfaßsäulen schnupperte und, wie es so ansprechend umschrieben wird, sein Geschäft … Was wohl sein Hund dazu sagte, wenn er lesen und sprechen könnte ….

Kommende Generationen werden sagen, in der Zeit von Corona I gab es in Österreich einen Bundespräsidenten, der nicht, wie ein anderer zu dieser Zeit, Plakatsprüche als seine Reden verkaufte, gab es einen Bundespräsidenten, der auf das Beste, was dieses Land zu bieten hat, zurückgriff, auf die Literatur. Auf die größten Verse der Weltliteratur …

„Mutig in die neuen Zeiten,
Frei und gläubig sieh uns schreiten,
Arbeitsfroh und hoffnungsreich.“

Es sollen die von Alexander Van der Bellen nicht mehr deklamierten Verse dieser letzten Strophe nicht vorenthalten werden, ebenso großartig, ebenso vielbeneidet von der ganzen Welt …

„Einig lass in Jubelchören,
Vaterland, dir Treue schwören,
Vielgeliebtes Österreich.
Vielgeliebtes Österreich.“

„So sind wir.“ Sagt der Bundespräsident. „So waren sie.“ Werden die kommenden Generationen sagen. Die, mit „unseren guten Eigenschaften“ … They were soldiers … those responsible with plans for a brave new normality

Übrigens. Es gab einen Fernsehfilm in drei Teilen mit dem Gesamttitel „Mutig in die neuen Zeiten“. Vor etwa fünfzehn Jahren. Der erste Teil von „Mutig in die neuen Zeiten“ hat den Titel „Im Reich der Reblaus“ …

„Wir waren Helden“ – Erinnerungen an Corona I

Das wird wohl der meistverwendete Titel der Autobiographien nach Corona I sein:

„Wir waren Helden“ …

Also der Autobiographien der Männer und Frauen, die in den wenigen Wochen von Corona I im Jahr ’20 die berühmte Staatsspitze in Österreich waren.

Varianten von diesem Titel wird es geben, manche werden einen kürzeren Titel wählen: „Ich, Held“ oder radikal kurz: „Ich Held“.

Vielleicht auch in der Variante: „Wir waren Vorbild“ …

„Wir waren Vorbild“ … Und auf dem Umschlag dazu groß ein Bild, wie sie tapfer aufmarschieren, damals, in den kurzen Zeiten von Corona I, mit angelegten Masken über Mund und Nase, mutig ihre Bunker mit Terrassen und Gärten verließen, ihre Sicherheit wagemutig aufgaben, um hinter Glas ihren Meldedivisionen, die im respektvollen Abstand zu ihnen Aufstellung nahmen, bekanntzugeben, was diese dem Volke …

Manche werden ihre Autobiographie vielleicht nur betiteln: „Ich Bild“ …

Einer wird seiner Autobiographie allerdings nicht so betiteln können. Aber er trat auch nicht mit Maske und hinter Glas auf, er sprach nicht von einem „Wiederaufbau“, sondern gelassen und nüchtern bloß davon, es müsse der „Umschwung“ geschafft werden. Er gab auch keine Kommandos bekannt, teilte keine Kommandos aus, er diskutierte in einer Fernsehsendung an einem Tisch mit seiner Interviewerin, kein Glas schnitt den Tisch entzwei, keine Masken verbargen ihre Gesichter voreinander.

Er war aber auch nicht in Österreich Wirtschaftsminister, sondern in Deutschland.

Oh, wie wurden die Menschen in Deutschland hinters Licht geführt, wäre in Zeiten von Corona I nur wieder eine Österreicherin in Deutschland gewesen, sie hätte Sandra Maischberger und damit dem ganzen Volke in Deutschland diktiert, was wirklich …

So wäre es gewesen, wie in Österreich wäre es in Deutschland gewesen, Ehrlichkeit dem Volke …

„Umschwung“ … Selbstverständlich ist auch ein „Umschwung“, der herbeigeführt werden muß, mit Arbeit verbunden, mit Schwierigkeiten, mit Herausforderungen, und doch war es von diesem Heldenlosen nicht nur, dass er den Helden verweigerte, er stufte es auch noch herab auf einen „Umschwung, er verniedlichte, redete die schier unmenschlich zu erbringenden Leistungen auch noch klein, verniedlichte, was wirklich nach Corona I zu tun war, nämlich ein „Wiederaufbau“ …

Das war die Wahrheit in ’20. Das war die Wahrheit, die der Wirtschaftsminister in Deutschland den Menschen verheimlichte, verniedlichte mit seinem Wort von dem „Umschwung“.

In Österreich hingegen wurde dem Volke die Wahrheit zugemutet. Wie auch anders? Wurde doch in Österreich der Satz von der Wahrheit, die den Menschen zumutbar, geboren. Seitdem ist dieser Satz in Österreich allen erstes Gebot. Von den Höchsten im Staate bis zu …

Und das Volk in Österreich hätte sich auch nicht belügen lassen. Es weiß, wie ein Land aussieht, das wieder aufgebaut werden muß. Ein Land in Schutt und in Asche, ein zertrümmertes Land, am 8. Mai ’20 führten die über alle Medien verbreiteten Bilder dem Volke in Österreich das eindrücklich vor Augen …

So war es nur recht und billig, daß einer hinter Glas und mit Maske aufstehen mußte, als erster mutig das Wort „Wiederaufbau“ …

Was mich so sicher macht? Uns ist das schon früher gelungen. Nicht nur für uns, sondern für einander. So werden wir auch diesen Wiederaufbau hinbekommen.“

Sogleich sprachen und schrieben es ihm alle nach, in diesem Österreich der zugemuteten Wahrheit, aus allen Redaktionen, ganz gleich, wo diese eingemietet, ob in der Hofburg, ob in Krähwinkel, das Wort vom „Wiederaufbau“ wurde in das Land …

Wie sicher sich doch dieser Mann – aus dem Volke oder vom Volke gewählte? – sein konnte, es wieder hinzubekommen, was schon einmal gelungen … Was war das doch ’45 für eine leichte Übung, mit dem BIP-Rückgang von 59 Prozent, damals war nur ein „Umschwung“ zu schaffen. Auch ’09 nach der Finanzkrise mit dem BIP-Rückgang von 3,8 Prozent in Österreich war kein „Wiederaufbau“ … Hingegen in ’20 mit seinem berechneten BIP-Rückgang von 5,5 Prozent.

So ein durch Corona I verursachter Einbruch kann nicht einfach mit einem „Umschwung“ bewältigt werden. Da bedarf es tatsächlich eines wirklichen „Wiederaufbaus“. Und das war allen klar, es brauchte nur aus dem Fenster gesehen zu werden: alles zerstört, alles in Trümmern …

Fakten kosten Mühe, Fiktionen nicht.

Wie aufmerksam Dr. Ferdinand Wegscheider lauscht, wie er seine Augen von Professor Dr. Sucharit Bhakdi nicht lassen kann.

Und das ist nur allzu verständlich.

Wer blickte nicht traurig auf den eigenen Großvater zurück, der nicht wie Sucharit Bhakdi war. Wer träumte nicht für die eigenen Kinder, der eigene Vater würde ihnen ein Großvater wie Sucharit Bhakdi sein. Ein Großvater so recht ganz wie Sucharit Bhakdi mit seinem ihn gleich ins Herz schließenden G’schau, mit seiner lieblichen Art, mit seiner gleich für ihn einnehmenden Stimme, die er auf eine so ruhige und bedächtige Weise einzusetzen weiß, was immer er mit ihr auch erzählen mag, allein der Ton seiner Stimme erschafft gerade Kindern eine Welt der Geborgenheit, der sie so bitter bedürfen, die es ihnen ermöglicht, schnell und sorglos und zufrieden einzuschlafen, im sicheren Wissen, ihr Großvater sitzt wachend auf ihrem Bette.

Wer also könnte Kindern nicht einen solchen Großvater wünschen, einen Sucharit Bhakdi.

Einen, der die Kinder mit Zuversicht in die Zukunft schauen lassen kann, der ihnen lebendes Beispiel ist, alles im Leben werden zu können, wie reich das Leben einem Menschen sein kann, das in jedem Lebensalter geändert werden kann, es im Leben eines Menschen niemals zu spät ist, ein anderer zu werden.

Auch in dieser Gewißheit können Kinder sich dem Schlaf unbesorgt und schnell anvertrauen, sitzt Sucharit Bhakdi an ihrem Bette. Der Großvater, dessen Berufsleben die Mikrobiologie war, Forschung zur Atherosklerose betrieb, und nun nach acht Jahren in seinem Rentnerdasein aus seinem Zimmer gehen kann, als Experte für Recht und Verfassung.

Wie staunend, wie Kinder sonst nur staunen können, sitzt Ferdinand Wegscheider in größter Zuneigung ganz nah bei Sucharit Bhakdi, um ja kein Wort von ihm zu überhören, aufmerksamst seiner Vorlesung über das Gesetz zu lauschen. Diesmal hat Sucharit Bhakdi das Strafgesetz für seine Vorlesung ausgesucht und seinem ihm treu ergebenen Schüler einen Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch der Republik Deutschland fein säuberlich herausgeschrieben:

„Strafgesetzbuch (StGB)
§ 240 Nötigung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig durch Drohung mit einem empfindlichen Übel (bis zu 5000 Euro in Bayern) zu einer Handlung nötigt (Mundschutz tragen), wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(3) Der Versuch ist strafbar.

[…]“

Nicht nur Ferdinand W. ist ganz fasziniert von der Rechtsvorlesung des zum Juristen gewordenen Mikrobiologen, sondern auch Kamera und Regie dieser Sendung, die sofort das Blatt, von dem Sucharit Bhakdi liest, groß ins Bild bringen. Vielleicht haben sie Kinder, die Rechtsanwälte, Richterinnen werden wollen, aber sie sind mit den Berufswünschen ihrer Kinder nicht einverstanden, vielleicht sogar unglücklich darüber, wollen ihnen das schon lange ausreden, sähen es vielleicht gerne, daß sie beispielsweise auf dem Gebiete der Mikrobiologie Karriere machten, und nun, mit Sucharit Bhakdi, hätten sie einen schlagenden Beweis, Rechtsexpertinnen könnten sie immer werden, sogar im Rentenalter noch.

Und noch mehr fasziniert, wie sonst nur Kinder fasziniert sein können, ist die gesinnungsgemäß zensurierte Website der Partei, die wieder einmal und für kurz Regierungspartei war. Gesinnungsbegeistert setzt sie sich nicht für Sucharit Bhakdi ein, sondern auch für Ferdiand W.

Da ist sie wohl eins mit dem zurzeitigen Obmann ihrer Partei, für den die Fernsehanstalt des Dosenabfüllers mit Süßklebrigem das bessere Programm als … Es wird vielleicht auch Dankbarkeit dabei sein, weil der Großvater seiner Kinder kein Sucharit Bhakdi ist, sie seine Geschichte von den Streifen am Himmel nicht mehr zum Einschlafen bringen, aber das Programm von …

Ihr Großvater kein Sucharit Bhakdi ist, den sich der Obmann dieser Partei, der für kurz Infrastrukturminister war, für seine Kinder vielleicht gar nicht wünscht, sondern einen anderen, so leistungs- und erfolgsorientiert wie er ist, nämlich für seine Kinder den Mann als Großvater, der alles weiß, mehr als Gott weiß, erträumt, von dem erst vor kurzem ein Mann aus Deutschland in dieser Fernsehanstalt so lustig erzählte

Das Erzählen von Gutenachtgeschichten wird aber erst zur schönsten Zeit am Tag, wenn sie es nicht für die Kinder allein ist, sondern auch für die Erzählenden. Damit auch der Großvater daran sich in Liebe als seine schönste Zeit in seinem späten Leben erinnern kann, müssen sich Kinder auch aktiv beteiligen, den Großvater Fragen stellen, die Gutenachtgeschichte selbst allenthalben weiterspinnen. Vielleicht, und deshalb sein rührseliger Blick, dachte Sucharit Bhakdi bei seinem Interview mit Wehmut an seine Kinder zurück, die nie, wenn er ihnen Gutenachtgeschichten erzählte, etwas fragten, nie etwas zum Fortgang der Geschichten beitrugen, so wie es Ferdinand Wegscheider in diesem Interview tut, als er, Bhakdi, die Geschichte offenließ, ob Bill Gates für die Verbreitung — oh, wie springt da Ferdinand W. auf und ein, bringt diesen Strang der Geschichte zu einem märchenhaften Ende … es muß spätestens zu diesem Zeitpunkt des Interviews, vielleicht auch deshalb sein liebevoller Blick, Ferdinand W. ihm so recht lieb geworden sein und vielleicht nennt Sucharit Bhakdi seitdem Ferdinand Wegscheider für sich im Geheimen einfach nur noch Ferdinand, mein lieber Ferdinand

Ach, darauf darf nicht vergessen werden, auf den Rat für alle, die gute Großväter und selbstverständlich auch gute Großmütter werden wollen, die von ihren Enkelkindern und noch von ihren Urenkelkindern für ihre Gutenachtgeschichten bewundert und geliebt werden wollen. Eine Gutenachtgeschichte zeichnet vor allem aus, daß sie von dem erzählt, was es in der Wirklichkeit gibt, und mehr noch, was es in der Wirklichkeit nicht gibt. In diesem Sinne ist Sucharit Bhakdi das role model eines Großvaters. Er erzählt, was es gibt. Es gibt das Strafgesetzbuch in Deutschland mit dem Paragraphen 240.

„(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.

[…]“

Wie karg dieser doch ist. Was wäre er bloß für ein Großvater, den Kindern nur von einer armen Wirklichkeit zu erzählen. Es doch die Pflicht geradezu der Großväter ist, den Kindern die Wirklichkeit umzuschreiben, ihnen die Welt reicher zu machen …

PS Vor Jahrzehnten stellte Simone Weil kurz und klar fest: „Fakten kosten Mühe, Fiktionen nicht.“ Keine Sorge. Es will Ihnen hier keine Mühe gemacht werden. Wenn Sie aber ihren Kindern erzählen möchten, wie sie nach einem langen Leben als Forscherinnen für dies und das doch noch Expertinnen für Recht und Verfassung werden können, dafür immer noch Zeit bleibt, dann kann Ihnen dafür empfohlen werden: „SWR3 – Faktencheck“ — vom Mikrobiologen zum Verfassungsjuristen im Rentenalter …

The plan for a brave new normality

Ehe auf den Plan eingegangen wird, muß doch lobend herausgestellt werden, diese gelebte Transparenz in Österreich: welche Informationen dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich entscheidend das Denken formten …

„She recounted a conference call she joined with doctors in Lombardy and Emilia Romagna in the first week of March: “They said, it’s like war going on here,” she said. “That kind of discussion was super important. Beyond just reading about all this stuff, nothing is actually like talking to the people, looking at them in the video, seeing the sense of urgency. That informed a lot of our actions.”  The information was crucial in shaping Mr Kurz’s thinking, she said. Austria restricted gatherings on March 10 and went into full lockdown on March 16.“ 

Wie häßlich ist tatsächlich das Lesen nur, wie schön hingegen das Reden mit Leuten, sie auf dem Video dabei anzuschauen, mit einem Gefühl der Dringlichkeit …

Jetzt aber wirklich. Zum Plan. Von ihr zwar nur kurz, aber doch klar skizziert …

“We’re a small country, but we can learn from everybody and we do not think that we know everything,” Ms Mei-Pochtler told the Financial Times in an interview.

European governments will have to foster a sense of individual agency among their citizens in order to manage the crisis after lockdowns end, she said. “You need to create a sense now . . . of personal responsibility.” She believes technology such as contract tracing apps will be vital and European societies will be challenged by the need to balance public health with tools “on the borderline of the democratic working model”.

Making the downloading and use of a contact tracing app a criterion for access to the country for foreign tourists is one option being considered to encourage visitors without endangering public health. The government has ruled out making the app mandatory for Austrians, but hopes that many citizens will voluntarily use it as its benefits become clear. “This will be part of the new normal. Everyone will have an app. I think people will want to control themselves,” Ms Mei-Pochtler said. “You cannot manage a pandemic top down forever. You need to manage it from the bottom up.”

She has also been put in charge of the “future operations clearing board”, which will oversee Austria’s normalisation of public life after the pandemic.

After lockdowns and after the pandemic

Nach den Ausgangssperren und nach der Pandemie soll so weitergemacht werden wie bisher, nicht von oben nach unten zu managen, sondern, wie bisher so eindrücklich schon, von unten nach oben zu steuern.

Für den Plan greift sie das Wort „small country“ auf, einst geprägt von dem für weit doppelt so lange als der für kurz gewesene Vizekanzler von Wolfgang Schüssel in diesem Amt gehaltene Vizekanzler, für den bereits klar war, offen zu sein, nach links und nach rechts und nach oben und nach unten zu schauen, um zu lernen von …

So enthält der Plan das Gelernte von Mei-Pochtler das Beste aus zwei Welten, also von China und …

The plan for a brave new normality ist um seinen Mittelpunkt rundherum gezeichnet, dieser Hauptpunkt ist der Wille zum Überzeugen. Das Überzeugen ist erster und einziger Ausgangspunkt, das Überzeugen ist der Dreh- und Angelpunkt, daß dieser Plan überhaupt funktionieren kann.

Alle sind überzeugt von der persönlichen Verantwortung.

Alle sind überzeugt, es ist ihr eigener Wille und es ist ihr eigenes Wollen, sich selbst zu kontrollieren.

Alle sind klar von ihrem freiwilligen Gebrauch überzeugt, von den für alle damit einhergehenden Vorteilen.

Alle sind überzeugt, von den „tools on the borderline of the democratic working model“.

Alle sind davon überzeugt, daß die Demokratie weiterhin das working model ist, ein tool, eine engineering simulation software zum Perfektionieren der Simulation von Demokratie mit dem geplanten Endziel der eigenständigen, eigenverantwortlichen und automatisierten Selbstoptimierung der Simulantin, die in diesem Arbeitsmodell mit dem Namen Demokratie codiert, zur absoluten Simulation von Demokratie …

Wenn alle davon schließlich überzeugt sind, ist der Plan Tat, Wirklichkeit, Normalität.

Das heißt:

Alle setzen freiwillig aus persönlicher Verantwortung zu eigenen Vorteilen die Kontrolle die dafür zur Verfügung gestellten Gerätschaften des Grenzwertigen selber ein.

Ein hervorragender Plan.

Ein überzeugender Plan.

Ein Plan, der Zustimmung findet. Breiteste Zustimmung.

Und wie breit die Zustimmung zu diesem Plan bereits nach wenigen Tagen ausfällt, das belegen auch die vielen, vielen Rückmeldungen, die Ansuchen. Denn. Kaum ist der Plan bekannt, meldet sich bereits everyone, melden sich unablässig alle im Bundeskanzleramt, bekunden alle ihren Allwillen, ihre uneingeschränkte und unbefristete Bereitschaft zur Planumsetzung, zur freiwilligen Tat, die Österreich zur Weltspitze werden lassen soll in der Vernichtung des Coronavirus.

Alle, die sich nun im Bundeskanzleramt freiwillig zum Kontrolldienst melden, sind sich ihrer nationalen Verantwortung bewußt, sehen es als ihre Verpflichtung an, ihre nationale Identität frei und frank zu bekunden, sind ganz und gar erfüllt vom Willen zum nationalen Kraftakt …

Dermaßen davon gerührt schauen manche, wird erzählt, verklärt aus einem Fenster im Bundeskanzleramt und sagen still in sich hinein: „So sind wir!“

Alle, alle, alle melden sich, um mitzuwirken beim Ausschalten von allen Ansteckungsgefahren, gleichgültig wie groß oder klein die Gefahr einer Ansteckung je sein mag, auch die geringste Ansteckungsgefahr muß beseitigt werden. Darin sind sich alle einig und fühlen, sie sind eine Gemeinschaft, eine einzig große Gemeinschaft, mehr noch, eine echte Dinggemeinschaft.

So melden sich also seit der Veröffentlichung des Plans die Türklinken, die Oberflächen von Tischen, die Einkaufswägelchen, Autos, Münzen, Geldscheine, Kreditkarten, Vorteilskarten, Personalausweise, Stuhlflächen, Augengläser, oh, es können gar nicht alle aufgezählt werden, die sich jetzt melden, einfach sich melden müssen, weil sie wissen, auch auf ihnen klebt das Virus, weil sie wollen, daß verfolgt werden kann, die Bankomatkarte, die informieren will, mit welchem Fahrscheinautomaten sie Kontakt, wer wen wann wo angesteckt, welche Hose bei einem Fahrgastsitz etwa in einem Bus, welche Maske an einem Straßenschild, um die Ansteckungskette zu sprengen, die notwendige Quarantäne zu veranlassen, sie alle melden sich nun mit dem Ersuchen im Bundeskanzleramt, ihnen rasch und auf dem berühmten kurzen Wege ein Smartphone auszuhändigen, um die dafür notwendige App endlich installieren zu können. Und dann mit umgeschnallten Smartphones, bis auf die Bytes bewaffnet, überall bereit, wo immer sie hingestellt, aufgebaut, in ihren Stellungen gegen … Auch die Smartphones selbst stehen nicht an, ein Smartphone mit dieser Digition ausfassen zu wollen, denn gerade Smartphones wissen nur zu gut, was alles an ihnen klebt, welche Ansteckungsgefahren von ihnen …

Bewertung und Bewertung

Diese Bewertung eines Wirten in Wien

„Der nicht nur einer unserer Integrationsbotschafter ist, und ein, ja nicht nur ganz herausragender Kreativer, sondern auch ein sehr erfolgreicher Unternehmer.“

wurde bereits vor längerer Zeit geäußert, also lange bevor spezielle Partys in Zeiten wie diesen gefeiert werden, von einem Kunden, als er Außenminister war …

Die speziellen Feste aber interessieren nicht. Die Partys sind ohne Belang, auch dann, wenn diese in Zeiten stattfinden, in denen sie nicht …

Was aber von Interesse ist, wie ein Unternehmen gesehen wird, beispielsweise wie ein Wirtshaus von seiner Kundschaft bewertet wird und wie das gleiche Wirtshaus von seinen Mitarbeitern bewertet wird.

Von einem Gast liegt eine Bewertung vor, dessen Name nicht unbekannt ist. Seine oben zitierte mündliche Bewertung des Wirten entspricht wohl der schriftlichen Vergabe von fünf von fünf möglichen Sternen, also der höchsten Bewertung, die nach diesem Sternensystem vergeben werden kann.

Im Vergleich dazu gibt es auch schriftliche Bewertungen von Mitarbeiterinnen …

Und was bei diesem Vergleich zwischen der Bewertung von einem Gast und den Bewertungen von Mitarbeitern sofort auffällt, ist der enorme Unterschied, die Mitarbeiterinnen vergeben keine fünf von fünf möglichen Sternen, wie auf der Website „kununu – Arbeitgeber-Bewertungen von denen, die es am besten wissen: Mitarbeiter und Bewerber“ gelesen werden kann, sondern …

Kurz zusammengefaßt. Erführe eine Kundin eine Behandlung wie ein Mitarbeiter, wäre das Auftreten gegen einen Kunden das gleiche wie gegen eine Mitarbeiterin, genößen Gäste das gleiche Ansehen wie Angestellte, ein zweites Mal würde solch ein Wirtshaus nicht mehr aufgesucht werden, solch ein Wirtshaus fiele augenblicklich aus der Wahl der aufsuchbaren Speiselokale heraus …